23.4.22 - Hermeskeil 12. TEBA Radweglauf

Saarland-Laufexpress auf alter Hochwald-Bahnstrecke

von Holger Teusch 

Nach mehr als zweieinhalb Jahren Zwangspause feierte der TEBA-Radweglauf in Hermeskeil die gelungene Rückkehr aus der Corona-Zeit. Auch wenn es ein bisschen anders ablief, als vor der Pandemie, die Stimmung und auch die Leistungen stimmten. Dafür, dass beim 12. TEBA-Radweglauf des TV Hermeskeil die Zeiten stimmten sorgte zuallererst Tobias Blum. Der Köln-Marathon-Gewinner von 2018 schonte sich nicht. Erst lief der 27-Jährige vom LC Rehlingen die 5 km und anschließend 10 km. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der kurzen Strecke, die in Hermeskeil von der Bedeutung her über die eines Jedermannslaufs hinausgeht. Das zeigen allein schon Streckenrekorde, die vor der zwölften Auflage bei 15:26 Minuten (Männer) und 18:30 Minuten (Frauen) lagen.

Die Führungsradfahrer mussten sich gehörig ran halten, um der von Tobias Blum angeführten 10-km-Spitzengruppe den Radweg freizuhalten Astrid Blasius vom TV Hermeskeil begleitete als Schlussläuferin auf den ersten Kilometern Dietmar Borrmann vom VFL Algenrodt, einem von drei M80-Teilnehmern über 10 km
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Tobias Blum setzte da noch einmal gehörig was drauf. 14:42 Minuten lief er im Alleingang auf der Wendepunktstrecke. Das bedeutet neuen Saarlandrekord. Der stand in der erst seit Kurzem offiziell geführten Straßenlaufdistanz bei 15:31 Minuten, aufgestellt 2019 beim Trierer Silvesterlauf von Jeremias Siehr von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal. Blum sah dabei auch zum Schluss noch locker aus.

Die Zeit wurde zwar auch von Schlachtenbummlern mitgestoppt, aber Tobias Blum hatte die Uhr auf seinem Weg zum 5-km-Saarlandrekord von 14:41 Minuten auch selbst immer im Blick Nora Hubertus von der IGS Hermeskeil (vorn) siegte über 5 km in 23:23 Minuten vor der ehemaligen Gewinnerin Andrea Bruckmann-von Wirth (TG Konz/23:42)

Genauso wie kurz darauf im 10-km-Rennen. Der frischgebackene Saar-Rekordler hängte sich wie eine Lokomotive vor ein knappes halbes Dutzend Läufer, die beim TEBA-Radweglauf entweder schon gewonnen hatten oder auf dem Podest gelandet waren. Direkt in Blums Windschatten: Alexander Bock. Zwei Wochen nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels im 100-km-Lauf wollte es Blums 29 Jahre alter Vereinskamerad auf einem Zehntel der Ultradistanz wissen. Dreimal (2010, 2012 und 2013) hatte Bock, damals noch für den PST Trier startend, über 5 km gewonnen und zweimal den Streckenrekord verbessert. Erst (2012) auf 16:47 Minuten, dann auf 15:48 Minuten.

Über 15 km, der Hermeskeiler Hauptlaufdistanz der ersten zehn TEBA-Radwegläufe, war er aber nie auf dem Podest. Dafür 2019 über 10 km. Beim letzten Radweglauf vor der Pandemie musste Bock sich als Zweitplatzierter aber Andreas Theobald geschlagen geben. Der Triathlet vom PST Trier schraubte bei der 10-km-Premiere im Regen den Streckenrekord und seine persönliche Bestzeit auf 31:59 Minuten. Martin Müller (LG Meulenwald Föhren, Dritter über 10 km 2019) und Yannik Erz (Ausdauerteam.de Morbach, Zweiter 2018 über 15 km) standen ebenfalls schon auf dem Hermeskeiler Stockerl.

Zwei Wochen nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels über 100 km war Alexander Bock auf einem Zehntel der Distanz in 31:31 Minuten wieder flott unterwegs Vereinsangelegenheit: Michelle Bauer vom LT Schweich (202) siegte in 39:11 Minuten vor ihrer Vereinskameradin Tine Hausmann (164), die in 40:04 Minuten denkbar knapp die 40-Minuten-Schallmauer verpasste

Diesmal war der Saarland-Express vom LC Rehlingen aber nicht stoppen. Blum und Bock setzten sich ab und machten in 31:29 Minuten und 31:31 Minuten den Sieg unter sich aus. Beziehungsweise: Der LCR-Lokomotive Blum gebührte im Wind laufend natürlich der Sieg. Für Bock war es nach dessen Sieg beim Auftakt Ende März in Schweich an der Mosel ein weiterer Schritt in Richtung Titelverteidigung im Bitburger-0,0%-Läufercup. Die seit 1994 ausgetragene Laufserie umfasste bis 2019 zehn Rennen à je 10 km, von denen sechs (natürlich die besten) in die Wertung kamen. 2020 fiel sie ganz der Pandemie zum Opfer. 2021 gab es eine abgespeckte Version mit sechs Rennen zwischen August und November (mit den besten drei in der Wertung). 2022 sollten ursprünglich wieder zehn Läufe durchgeführt werden, von denen allerdings nur noch fünf gewertet werden, eine Veranstalterabsage gab es aber bereits.

Hatte nach 24 Trainings-km auch 1 km vor dem 10-km-Ziel noch gut lachen: Yannik Erz vom Ausdauerteam.de Morbach wurde in 32:35 Minuten Dritter Zweikampf um den M45-Sieg: Marco Gabriel vom Team Felsenkirche-Treppenlauf Idar-Oberstein (links) setzte sich in 40:30 Minuten knapp gegen Christoph Willems (SV Krettnach/40:42) durch Starke Altersklassenläufer (von links): M55-Sieger Alwin Nolles (LG Meulenwald Föhren/38:28), Markus Krempchen (Athletic Perl/1. M50 in 39:36), Andreas Bock (Gymnasium Hermeskeil/2. M55 in 38:35) und Tobias Bernarding (TV Hermeskeil/3. M30 in 37:41)

Der Hermeskeiler Radweglauf gehört seit 2019 zum Läufercup. Deshalb wurde die Hauptstrecke von 15 km auf 10 km angepasst. Einerseits traurig, denn 15-km-Läufe gibt es kaum mehr. Leicht fiel es dem Organisationsteam um den TVH-Leichtathletik-Abteilungsleiter Bernd Schmidt deshalb auch nicht. Aber die kürzeren 10 km erwies sich nicht nur als beliebter (die Teilnehmerzahl verdoppelte sich; teilweise aber auch zu Lasten der 5 km), auch organisatorisch sind sie leichter (und kostengünstiger) zu stemmen. Denn nun sind keinerlei Straßenquerungen mehr nötig. Entsprechend aufwendige (und mittlerweile auch nicht mehr ganz billige) Beschilderungen werden ebenso gespart, wie das Personal für die Absicherung. Denn der Wendepunkt bei km 7,5 liegt kurz hinter einem ehemaligen Straßen-Bahnübergang im Hermeskeiler Nachbarort Reinsfeld.

Gymnasiallehrer Klaus Weber verwies über 5 km IGS-Schüler Max Coura in 21:13 Minuten knapp (um 15 Sekunden) auf den vierten Platz Das Gymnasium und die IGS Hermeskeil beteiligten sich mit vielen Läufern am 12. Teba-Radweglauf

Ohne Straßenquerung ist der Ruwer-Hochwald-Radweg auf der ehemalige Eisenbahntrasse zwischen Hermeskeil und Trier noch idealer für die Lauforganisation. Ein logistisches Problem schien aber auch 2019 noch nicht lösbar: Die Hochwald-Halle mit Duschen und der ganzen Infrastruktur, die man bis vor der Pandemie bei einer Laufveranstaltung gewohnt war, liegt 1,5 km vom Start-Ziel-Gelände auf dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz entfernt. Die Hermeskeiler arbeiteten mit Shuttlebussen. Dass die Distanz zwischen den beiden Orten für Atmosphäre und Stimmung der Gesamtveranstaltung nicht gerade förderlich waren, liegt auf der Hand. Zwar hätten es die Corona-Regeln am Laufdatum erlaubt, auch in der Halle uneingeschränkt Siegerehrungen durchzuführen, das war aber bei Planungsbeginn im Winter noch nicht absehbar. Die Hermeskeiler gingen auf Nummer sicher und planten ohne Halle, reine Outdoor-Veranstaltung. Das funktionierte dank des kühlen, bewölkten, aber trockenen Wetters hervorragend. Die Stimmung im Start-Ziel-Bereich: mindestens so gut, wie vor der Pandemie, obwohl auch diesmal mit 452 Läufern 163 weniger das Ziel erreichten als im Rekordjahr 2019. Nicht auszudenken, wie die Atmosphäre bei echten Frühlingsbedingungen ist. Aber auch nicht, wenn es in Strömen regnet!

Hatte gut lachen: Gina Breuer von der TG Konz belegte in 42:05 Minuten den dritten Platz bei den Frauen und ließ unter anderem den M40-Dritten Manuel Geppert (SG Hüffler-Wahnwegen/42:07) knapp hinter sich Nach der Netto-Zeit liefen W50-Siegerin Sandra Dolby vom VfR Baumholder (links) und Laura Wagner von der TG Konz zeitgleich nach 43:45 Minuten ins Ziel. Für die Zuschauer hatte dank des Endspurts die jüngere Saar-Mosel-Läuferin knapp die Nase vorn

Bisher noch nicht erwähnt: die Rennen bei der Frauen. Über 10 km war es nicht die Frage, ob, sondern nur welche der Läuferinnen des LT Schweich gewinnen würde: Michelle Bauer oder Tine Hausmann. Nachdem das Duo zunächst eine große Gruppe angeführt hatten, setzte sich Bauer auf dem Rückweg der Wendepunktstrecke deutlich ab und siegte in 39:11 Minuten vor Hausmann (40:04) und Gina Breuer (TG Konz/42:05). Über 5 km setzte sich Nora Hubertus von der Integrierten Gesamtschule (IGS) Hermeskeil in 23:23 Minuten gegen die Gewinnerin von 2015, Andrea Bruckmann-von Wirth (TG Konz/23:42) durch.

Alfons Simons hatte als Schlussläufer bei vier 1-km-Schülerläufen ein ordentliches Einlaufprogramm zu absolvieren, bevor er selbst über 5 km startete Nach zwei Jahren Laufpause war im Start- und Zielbereich auf dem ehemaligen Hermeskeiler Bahnhofsvorplatz wieder viel los und gute Stimmung
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Obwohl noch Osterferien waren, waren die weiterführenden Schulen von Hermeskeil, Hubertus' IGS und das Gymnasium, wieder sehr engagiert. In den Schülerläufen über 1 km stellten sie den weitaus größten Anteil. Und auch über 5 km waren noch zahlreiche Schüler vertreten. Der TV Hermeskeil belohnt diesen Einsatz der Lehrer mit der Schulwertung samt Pokalen für die teilnehmerstärksten Teams. Beim Nachwuchs wollte man trotz der Corona-Unsicherheit auch nicht abspecken. Jedes Kind erhielt im Ziel eine Medaille und für den Nachwuchs gab es auch eine gewohnte Siegerehrung bis Platz drei in den Altersklassen. Bei den Erwachsenen verzichtete man diesmal darauf. Im Winter waren noch keine "richtigen" Siegerehrungsfeiern vorstellbar. Aber 2023 wird alles wohl wieder wie gewohnt ablaufen. Nur, ob es dann auch eine Rückkehr in die Hochwald-Halle gibt oder man gleich bei Start und Ziel feiert, ist die Frage.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.chiplauf.de & Infos www.teba-radweglauf.de

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