27.3.21 - 41. Werner-Diefenbach-Gedächtnislauf in Calw

Favoritensiege beim Lauf unter Coronabedingungen

Alleine und doch gemeinsam - Wettkampf in seltsamer Zeit

von Günter Krehl 

Als ich am Abend des 9. April 1980 21 Läufer zum 1. Werner-Diefenbach-Gedächtnislauf auf die anspruchsvolle 12 Kilometer lange Strecke schickte, hätte ich nicht gedacht, dass damit eine 4 Jahrzehnte lange Serie starten würde. Zur Erinnerung an den Calwer Laufkameraden, der 1978 in den Schweizer Bergen tödlich verunglückt war, sollte dieser Lauf die Gemeinschaft der Ausdauersportler in der Region stärken.

Gunther Moll (6./1. M45) startete am Freitagabend, im Hintergrund Calw-Stammheim (Foto Vetter) Auch Christoph Beier (10./1. M30) lief schon am Freitagabend (Foto Vetter)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Und dann fand die Serie im Coronajahr eins ein trauriges Ende. Was Eis und Schnee, Hitze und Stürme - Lothar zwang 2 Jahre zur Streckenänderung - nicht schaffte, gelang einem unsichtbaren Feind: 2020 musste der Lauf ersatzlos gestrichen werden. Nun im Coronajahr zwei hat sich am Durchführen einer "Massenveranstaltung" wenig zum Positiven geändert. Aber so ganz ohne Wettkampf war der Kreis Calw schon im Vorjahr nicht gewesen. Nach dem Vorbild des Oberkollbacher Veranstalters Michael Nothacker gab es kleine Berg- und Waldläufe, bei denen in bestimmten Zeiträumen gestartet werden konnte und jeder seine Zeit selbst gestoppt hatte. In diesem Sinne wurde auch der 41. Gedächtnislauf ausgetragen. Von 7 bis 17 Uhr konnte samstags alleine, zu zweit oder im Familienverband gestartet werden. Einige liefen bereits am Freitagabend und der Letzte bei minus zwei Grad am Sonntagmorgen. So war gewährleistet, dass die geforderten Abstände problemlos eingehalten wurden.

Gesamtsieger Samuel Böttinger fehlen noch 54 Sekunden zum Streckenrekord

Bei den Männern waren die Favoriten recht früh auf der Strecke und es kam zu der erwarteten Reihenfolge. Bei seinem ersten Start konnte Samuel Böttinger (Sysletics) mit 40:39 gleich die siebtschnellste Zeit in der "Ewigen Bestenliste" erzielen. Es fehlt ihm keine Minute zum Streckenrekord (39:45) aus dem Jahre 1984 von Detlev Kuhbandner und Guido Wolf. Vor dem Lauf war er mit seinem Bruder schnell mal die Runde auf dem Bike abgefahren. Mit dem festen Willen die "Schallmauer" zu durchbrechen, plant er 2022 einen zweiten Start. Seit dieser Saison versucht sich der vielseitige Athlet als Profitriathlet. Betreut wird er vom Sportwissenschaftler Sebastian Hess, der sich hinter der Marke Sysletics "versteckt".

Platz zwei belegt das Nachwuchstalent Fabian Pfizer von der LG Calw ... ... vor seinem Teamkollegen Paul Hellberg Tim Weber (1. M35) als Gesamtvierter bei Kilometer drei

Mit Fabian Pfitzner und Max Hellberg (beide LG Calw) gibt es zwei trainingsfleißige Nachwuchssportler, die auch im Triathlon vielversprechende Ansätze zeigen. Mit 41:46 und 42:33 lagen sie in der U20 vorn und belegen auf Anhieb die Ränge 21 und 35 in der Ehrenliste, die alle Athleten erfasst, die jemals unter 45 Minuten geblieben sind. Dort findet man auch den viertplatzierten Tim Weber im Trikot des SV Oberkollbach mit 42:36 bei seinem Sieg 2015 als 37. Dieses Jahr startete er erstmals für den VfB Pfinzweiler und war mit 46:29 um einige Minuten langsamer.

Titelverteidiger Domenik Behnke (1. M40) reicht es heuer nur zu Platz acht Armin Gotsch (9./1. M50) voller Schwung bei Kilometer 1,5 Spät auf der Strecke: Dietmar Bühler (1. M55)

Gunther Moll ist ein "Diefenbachurgestein". 1986 legte er als Vierzehnjähriger erstmals den Kurs in 71:04 (Platz 91) zurück, in diesem Jahr verabschiedete er sich aus der M45 mit einem Klassensieg in sehr guten 47:52. Er konnte den stark verbesserten Jakob Waidelich (SZ Calmbach/2. M/47:54), Titelverteidiger Domenik Behnke (SV Oberkollbach/1. M40/47:56) sowie seine stärker eingeschätzten Teamkameraden Armin Gotsch (1. M50/48:31) und Christoph Beier (1. M30/48:37) hinter sich lassen.

Von der Alb in den Nordschwarzwald kamen Manfred Böck (2. M45) ... ... und Marcel Fehler (3. M40)

Bei den Frauen war Titelverteidigerin Esther Johnen-Ahsbahs (SC Neubulach/1. W40) zu einem Frühstart um 7.00 Uhr gezwungen, weil sie von 9 bis 18 Uhr eine berufliche Onlinefortbildung hatte. Unter diesen Gesichtspunkten sind ihre 55:32 sehr zu loben, die Zeit reichte immerhin zu Platz zwei. Dritte Frau wurde Michaela Kummer (LG Calw/1. W55/55:51). Der sehbehinderten Läuferin kam zugute, dass sich die Strecke in diesem Jahr in einem sehr guten Zustand befand und ihr Begleitläufer und Ehemann Oliver keine allzu schwierige Aufgabe hatte. Mit Tanja Maier (4./2. W40/57:31), Steffi Kempf (7./1. W45/61:54), Uta Groeper (8./2. W45/62:23) und Kirsten Baumann (9./3. W45/67:20) gaben vier Läuferinnen des TSV Kuppingen ein gelungenes Debüt. Sie gewannen in der Dreierwertung erstmals für den Gäuverein die Mannschaftswertung.

Platz drei (1. W55) für die sehbehinderte Michaela Kummer, Ehemann Oliver ist ihr erfahrener Begleiter Tanja Maier (4. Frau) ist die schnellste Läuferin des siegreichen Damenteams des TSV Kuppingen

Meike Hess (VfL Ostelsheim) war mit ihrer siebenjährigen Tochter Pauline auf der Kurzstrecke unterwegs, danach erhöhte sie das Tempo und lief in 61:30 noch auf Rang 6 (3. W40) nach vorn. Vor neun Jahren hatte sie das Rennen mit 48:46 für sich entscheiden können, es ist noch immer die sechstschnellste Zeit auf der Runde. Einen Platz vor ihr lag die Allroundsportlerin Claudia Waidelich (1. W50/58:29) von der Skizunft Calmbach.

Steffi Kempf (7./1. W45) zeigt auf der Ziellinie ihre Begeisterung Uta Groeper (8./2. W45) bei Kilometer 1,5 in bester Laune Kirsten Baumann (3. W45) auf der Ziellinie

Die Spannung stieg, als gegen 16 Uhr ihre Ostelsheimer Teamkollegin und Favoritin Tamara Schütz gemeinsam mit ihrem Mann René an der Startlinie stand. Der konnte sich allerdings nicht als Hase betätigen, da er gleich zu Beginn den Anschluss verlor und speziell auf der zweiten Hälfte viel Zeit einbüßte. Immerhin konnte er als Gesamtvierzehnter (54:26/2. M35) und 3. Mann der LG Calw zum Teamerfolg verhelfen. Gemeinsam mit seiner Frau gewann er auch die Paarwertung vor Jakob und Claudia Waidelich.

4. Sieg bei der 5. Teilnahme: Tamara Schütz läuft sich auf Platz vier der "Ewigen Bestenliste". Hier 300 m vor dem Ziel, begleitet von ihrem Vater (Foto Vetter) René Schütz (2. M35) ist schnell unterwegs und dritter Mann der siegreichen Männermannschaft der LG Calw, aber fast 7 Minuten langsamer als seine Frau

Tamara lief ein gleichmäßig starkes Rennen und gewann dieses mit genau 7 Minuten Vorsprung in 47:32 als Gesamtfünfte. Es war ihr 4. Erfolg bei der 5. Teilnahme, nur einmal musste sie mit Platz zwei Vorlieb nehmen. 2003 siegte sie als Neunzehnjährige erstmals mit 51:52 in der damaligen weiblichen Jugend A. Mit ihrer Zeit verbesserte sie sich vom 6. auf den 4. Platz in der "Ewigen Bestenliste"; 1:18 Minuten fehlen noch zum Streckenrekord von Nora Kusterer.

Rang 2 in der Paarwertung für Claudia Waidelich (5. Frau/1. W50), die voller Begeisterung auf die Strecke geht ... ... und Jakob Waidelich (7.)

Insgesamt erreichten 65 Sportler das Ziel auf der langen Strecke, davon waren 16 Frauen. Seit 4 Jahren gibt es zusätzlich das Jugendrennen U16 über 4 Kilometer. Mit 8 Nachwuchssportlern gab es eine Rekordbeteiligung. Von Anfang an dabei, von Jahr zu Jahr verständlicherweise schneller, siegte erstmals meine Enkelin Chiara Krehl (W13) in guten 18:10. Wie in den letzten 2 Ausgaben war ihr ihre Schwester Louisa (beide VfL Herrenberg/W10) mit 18:30 relativ knapp auf den Fersen.

Familie Krehl bei Kilometer eins im Jugendlauf noch dicht beisammen Gesamtsiegerin über 4 Kilometer: Chiara Krehl (1. W13) ... genau 20 Sekunden vor ihrer Schwester Louisa (1. W10)

Erstmals dabei und ebenfalls noch vor den Jungs im Ziel überraschte Helen Werz (W9) mit 22:35. Kalle Ahsbahs (M10) und Finn Etzel (M12) starten beide für den SC Neubulach, benötigten 22:52 und haben bereits längere Bergsprinterfahrung. Pauline Hess (VfL Ostelsheim/W7) war erstaunlich schnell mit Mama nach 24:01 im Ziel. Jüngste Diefenbachteilnehmerin aller Zeiten ist nun Mala Schütz (VfL Ostelsheim/W5), deren Papa führte sie gemeinsam mit Johan Werz (M6) in 37:05 spielerisch über die Runden.

Auch Helen Werz (1. W9) läuft als Dritte noch vor den Buben ins Ziel Mit viel Schwung startet Pauline Hess (1. W7) gemeinsam mit Mutter Meike (6./3.W40), die ab Kilometer vier alleine weiterläuft und noch mächtig Dampf macht Johan Werz (1. M6) und Mala Schütz (1. W5) sind die Jüngsten "im Feld"

Senior der Veranstaltung war Walter Wiedenmann (LT Altburg/2. M70), der gemeinsam mit seiner Frau Hannelore (2. W60) nach 1:38:11 ins Ziel kam. Die beiden reisen aus Stuttgart an und sind regelmäßige und gerngesehene Gäste im Kreis Calw. Noch weiter war der Anfahrtsweg von Kurt Kalmbach. Der ehemalige Calwer Bürger und Ostelsheimer Leistungsläufer hat seinen Alterssitz an den Bodensee verlegt. Für ihn war es heuer das 28. Mal, dass er die etwa 170 Höhenmeter von den Rottannen hinunter ins Nagoldtal und zurück zum Ziel bewältigt hatte. Das Vorhaben steht, im Jahre 2023 soll sein 30. Jubiläumslauf der Einstieg in die M70 werden.

In 41 Jahren haben 1141 Teilnehmer insgesamt 3662 Zieleinläufe absolviert. Mir selbst war es vergönnt, meist am Abend vor dem Renntag einen Vorlauf zu bestreiten. Manchmal wurde ich auch begleitet oder ich führte meinen blinden Freund Antonio über die Strecke. Die Sololäufe waren in der Regel sehr anstrengend, manche hatte ich auch nur in kontrolliertem Tempo absolviert, besonders wenn wichtige Wettkämpfe bevorstanden.

Kurt Kalmbach kommt für seine 28. Teilnahme vom Bodensee nach Calw. In seiner alten Heimat war er jahrelang erfolgreich für den VfL Ostelsheim gelaufen Hannelore (2. W60) und Walter Wiedenmann (2. M70) sind gerngesehene Gäste bei den Läufen im Kreis Calw

Erstmals in all den Jahren gab es ein Foto von meiner Teilnahme, vielen Dank Herbert Vetter. Schade, dass er 1981 nicht mit der Kamera am Streckenrand stand, als ich meine persönliche Solobestzeit (41:13) erzielte, 25:22 Minuten schneller als die 66:35 heuer. Mein Vereinskamerad Herbert belegte "zum Dank" am nächsten Tag einen Platz und 20 Sekunden vor mir Rang 41 (4. M55).

Bei meinem 41. Sololauf wurde ich zum ersten Mal bildlich festgehalten. Schade, dass 1981 kein Fotograf zu Stelle war, als ich noch 25:22 Minuten schneller gelaufen bin (Foto Vetter) Anja und Hartmut Kuonath beschließen die Ergebnisliste als einzige Powerwalker (Foto Vetter)
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Erfreulicherweise kamen etwa 500 Euro Spenden für die Kinderklinik Schömberg zusammen. In all den Jahren hatte ich immer einen kleinen aber perfekt arbeitenden Helferstab. Dieses Jahr konnte ich "dank Corona" erstmals die ganze Organisation "Abstand haltend" alleine stemmen, sieht man mal von den besagten Vetterschen Bildern ab.

Im LaufReport Beitrag zum Werner-Diefenbach-Gedächtnislauf in Calw-Stammheim 2007
ist die Geschichte des Laufs ausführlich beschrieben. Zum Beitrag klick HIER

Bericht von Günter Krehl
Fotos von Günter Krehl (24) und Herbert Vetter 5)

Infos und Ergebnisse www.gkrehl.de

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