26.2.22 - Ellscheider Fastnachts(a)laaf (Crosslauf)

Wieder laufen in der Vulkaneifel

von Holger Teusch 

Überwältigt von der Teilnehmerzahl und der Spendenbereitschaft waren die Organisatoren der Fastnachtslauf-Premiere in Ellscheid in der Vulkaneifel. 286 Teilnehmer wurden im Ziel gezählt. Trotz Corona-Auflagen, obwohl es keine Siegerehrung und keine Duschen gab und alles draußen durchgeführt wurde. Ein Triathlet dominierte die Hauptrennen.

Die winterlichen Crossläufe in der Vulkaneifel sind zum zweiten Mal in Folge ausgefallen. Mindestens viermal während der Wintermonate traf sich der harte Kern der Ausdauersportszene vor der Pandemie bei diesen Wettkämpfen in Wald und Flur. Zumindest ein bisschen wollte das der Verein Vulkanläufer mit einem eiligst organisierten Crosslauf am Fastnachtssamstag noch in diesem Winter ermöglichen. Dass daraus eine respektable Gelände- und Landschaftslauf-Veranstaltung mit fast 300 Finishern (exakt: 286 Läufer im Ziel) wurde, damit hätte Inge Umbach nicht gerechnet. "Ich bin überwältigt", sagte die Organisationsleiterin. Die 68-Jährige, die seit mehr als zwei Jahrzehnten den Maare-Mosel-Lauf am letzten Sonntag im August organisiert, aber mit Crossläufen - zumindest in der Organisation - nichts bis wenig zu tun hatte, konnte mit ihrem Team auf eine gelungene Premiere blicken.

Beliebter Fotopunkt mit Blick über das Naturschutzgebiet Mürmes, das Ellscheider Fenster. Da versammelte sich die gut gelaunte und kostümierte Gruppe der Gesundheitsläufer der Vulkanläufer gerne zum Foto Noch winterlich präsentierte sich die Natur beim steilen Anstieg vom Schutzgebiet Mürmes zurück auf die Eifelhöhen von Ellscheid
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Positiv überrascht wurde Umbach auch von der Solidarität der Läufer mit den Flutgeschädigten im Ahrtal. 2170 Euro warfen die Läufer in die aufgestellten Spendenboxen. Startgeld mussten sie nicht zahlen. Vorab anmelden aber schon. Seine Startnummern konnte man sich anschließend von einer langen Wäscheleine in der sogenannten Laufoase abholen. Kontaktfreier geht es nicht! Und das gespendete Geld kommt der Zeltlagergemeinschaft Ahrbrück zugute. Der gemeinnützigen Organisation, die seit Jahrzehnten Ferienfreizeiten veranstaltet, ist bei der Hochwasser-Katastrophe im vergangenen Juli ihre gesamte Ausrüstung im Wert von mehreren Zehntausend Euro zerstört worden. An einen Lagerraum komme man immer noch nicht heran. "Und mittlerweile sind die Sachen auch unbrauchbar", sagte Erik Hupperich von der Zeltlagergemeinschaft, der die Rennen in Ellscheid mitverfolgte.

Zwerge mit Mund-Nasen-Schutz unterm Rauschebart erledigten die Kontrolle des Impfstatus' Dem Rundwanderweg um das Schutzgebiet Mürmes folgte die Crosslaufstrecke zu großen Teilen Blauer Lauftiger: Monika Hübner von der LG Meulenwald Föhren war fünftschnellste Frau auf der Langstrecke

Lauftherapeutin Umbach stellte für den Fastnachts-Crosslauf das Gelände der Laufoase zur Verfügung. Start und Ziel war auf dem Wirtschaftsweg am Eingang. Die Strecken: Für den Nachwuchs eine 600-Meter-Runde, die nun mal gar nichts mit Crosslauf zu tun hat. Vor allem die Freude an der Bewegung sollte für alle bis 16 Jahre im Vordergrund stehen - ob nun karnevalistisch kostümiert oder nicht.

Zeiten wurden hier nicht erfasst. Was natürlich auch ein Eingeständnis an die Sparzwänge war. Denn ohne Startgeldeinnahmen war eine professionelle Zeitmessung, was heutzutage in der Regel ja bedeutet, dass Chips verwendet werden müssen, nicht möglich. Ein automatisches Erfassungssystem ist aber bei den Jüngsten am sinnvollsten. Hier sind die Zieleinläufe auf den vergleichsweise kurzen Distanzen eng und es wird auf den letzten Metern noch gespurtet und überholt, so dass nur sehr routinierte Zeiterfasser das bewerkstelligen können.

Unter dem blauen Winterhimmel liefen die Fastnachts-Crossläufer zwischen den Weiden und Wiesen der Vulkaneifel rund um Ellscheid Mit Babyjogger war die über Wirtschafts-, aber auch über Feld- und Wiesenwege führende Fastnachtslauf-Strecke mit ihren Steigungen eine noch größere Herausforderung

Bei den Erwachsenen und älteren Jugendlichen auf den entsprechend längeren Strecken ist eine Zeitmessung unproblematischer. Thorsten Ringer, der wir seine Lebensgefährtin Helena Dunkel Umbach bei der Organisation zur Hand ging, hatte seinen Laptop aufgeklappt und erfasste die Zieleinläufe manuell. Zum Glück, musste man sagen, bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen, die den nahen Frühling selbst in der Eifel erahnen ließen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Was natürlich auch mit ein Grund war, dass fast 300 Läufer kamen und es so gut wie keine Absagen gab. Und der Hunger, sich wieder zu treffen und auch miteinander zu messen, war groß, glaubt Umbach: "Viele kamen ins Ziel und haben gesagt: Das bin ich gar nicht mehr gewohnt, einen Wettkampf zu laufen."

Selbst Cäsar grüßte beim Fastnachts-Crosslauf. Seine weiße Toga schien auf dem teilweise schlammigen Geläuf nicht allzu viel Schaden genommen zu haben Na, wer lässt sich da denn über die Strecke tragen? Lebensfroh laufen statt Krieg und Zerstörung hätte auch ein Motto für den Ellscheider Fastnachts-Crosslauf sein können

Keinen Unterschied zur Zeit vor Corona sah man bei Nicolas Krämer. Der 26-Jährige dominierte sowohl auf der Mittelstrecke über 3,7 km, als auch auf der doppelten Distanz der Langstrecke. Im kürzeren der beiden Hauptläufe drehte er so richtig auf und ließ den Führungsfahrradfahrer bange werden, dass er bergauf nicht überholt würde. 12:35 Minuten benötigte Krämer für die mit rund 60 Höhenmetern gespickte Strecke. Den ersten Kilometer deutlich unter drei Minuten zu laufen sei kein Problem gewesen, meinte Krämer. Aber das dicke Ende kam zum Schluss mit dem Anstieg nach der Runde um das Naturschutzgebiet Mürmes hinauf zum sogenannten Ellscheider Fenster. Bis zu dem Aussichts- und Fotopunkt, von dem aus man einen guten Blick über das Moor bis hin zum Hohen List mit der Sternwarte hat, geht es über Wiesenwege teilweise sehr steil bergauf. Danach steigt die Strecke zwar nur noch mäßig an, aber die lange Gerade kostete Moral und der leichte Gegenwind Kraft.

Jana Krämer von der DJK Ochtendung (hier begleitet von Doppelstarter Raheb Rahimi) gewann überlegen auf der Langstrecke und war die einzige (etwas) kostümierte Siegerin Oliver Högner vom SV Neunkirchen-Steinborn belegte auf der Langstrecke als Schnellster der Über-50-Jährigen den fünften Platz Triathlet Nicolas Krämer vom Tri-Team SV Gerolstein feierte einen Doppelsieg auf Mittel- und Langstrecke

Auf der kurzen Strecke ließ Krämer seinen Vereinskameraden Finn Willars vom SV Gerolstein (13:17) fast eine Dreiviertelminute hinter sich. Als Drittplatzierte folgte der vereinslose Marcel Maier in 13:58 Minuten. Bei den Frauen siegte die ehemalige rheinland-pfälzische 10.000-Meter-Meisterin Dorothee Teusch vom TuS Bengel in 16:06 Minuten. Dahinter folgten mit ihren Vereinskolleginnen Maria Simon (17:36) und Mathilda Comes (19:16) zwei noch ganz junge Nachwuchsläuferinnen der Altersklasse U14.

Dorothee Teusch vom TuS Bengel war schnellste Frau auf der Mittelstrecke Den Mürmes und dahinter die Sternwarte auf dem Hohen List im Rücken belegte Marcel Maier auf der Mittelstrecke den dritten und auf der Langstrecke den vierten Platz Hinter seinem Vereinskameraden Nicolas Krämer belegte Finn Willars vom Tri-Team SV Gerolstein zweimal den zweiten Platz

Als Viertplatzierte auf der Mittelstrecke trug sich in 19:52 Minuten die erste kostümierte Läuferin in die Ergebnisliste ein. Monika Hübner von der LG Meulenwald Föhren lief als blauer Tiger aber auch noch eine zweite und dritte Runde um den Mürmes. Trotz Matsch- und Wasserlöchern schien es ihrer Verkleidung ebenso wenig auszumachen, wie den Kostümen anderer Läufer. Spaß hatten sie trotz aller Anstrengung allemal.

Kraftvoll lief Florian Crump vom SV Oberkyll den Anstieg zum Ellscheider Fenster hinauf und auf den dritten Platz des Langstrecken-Rennens Glücklich: Inge Umbach von den Vulkanläufern freute sich über die gute Resonanz auf die Ellscheider Fastnachts-Crosslauf-Premiere und das Traumwetter, das Petrus bescherte

Auf der Langdistanz hielt Hübner ihr Tempo (40:30 Minuten) und belegte den fünften Platz. Eine Klasse für sich war Jana Krämer. Als ehemalige Rheinlandjugendmeisterin im Crosslauf ließ sie nur fünf Männern den Vortritt und siegte in 31:51 Minuten. Fast acht Minuten musste sie warten, bis als Zweitplatzierte Andrea Wagner von den Vulkanläufern (3930) dicht gefolgt von Eva Maria Kessler (2B2K/39:38) folgten.

Eine große Siegerehrung gab es nicht, aber die Schnellsten bekamen goldene, silberne oder bronzene Schuhe als Auszeichnung Mitorganisator Thorsten Ringer freute sich, dass er im strahlenden Sonnenschein die Ergebnisse erfassen konnte. Sonnenbrille inklusive!
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Nicolas Krämer ließ es auf der Langstrecke etwas ruhiger angehen. 27:02 Minuten benötigte der Triathlet für die rund 7,4 km. Sein Vereinskamerad Finn Willars folgte mit rund einer Minute Rückstand (28:14) und verwies Florian Crump (SV Oberkyll/28:44) auf den dritten Platz. Auf dem vierten Platz kam Marcel Maier in 29:21 Minuten noch am nächsten von allen Doppelstartern an seine auf der Mittelstrecke vorgelegte Geschwindigkeit heran.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.chiplauf.de & Infos www.maaremosellauf.de

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