23.2.20 - 1. Magdeburger Baustellenmarathon

Laufevent mit hundertprozentigem Spaßfaktor

von Almuth Steinhoff 

"Ja, wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin …?" - manch ein Passant, der am Sonntagmorgen in Magdeburg unterwegs war, sah verwunderten Blicks den Läufern nach, die in kleinen Gruppen scheinbar ganz entspannt unterwegs waren. Doch halt - Startnummern sind doch eher unüblich beim morgendlichen "Jogg"…

Ein Laufwettbewerb ähnlich der Volksläufe zur Stadtrangliste stand auch nicht an; also schnell mal nachgefragt am Tunnelbaustellen-Container vor dem Magdeburger Hauptbahnhof. Organisator Mathias Luther und seine drei (!) Helfer hatten hier einen Start/Zielbereich aufgebaut, der ähnlich wie bei einer üblichen Laufveranstaltung bestückt war: Fahnen, Verpflegungstische mit läufertypischen "Kalorienbomben", Zeitstempeln (?) und … Medaillen!

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zu den Bieler Lauftagen HIER

Willkommen im "Baustellen-Magdeburg!
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

"Wie jetzt?" / "Wo jetzt lang?" Diese Fragen sind sonst eher mit Missklängen behaftet; hier entpuppten sie sich am Stand als Frage nach dem weiteren Streckenverlauf. Spätesten jetzt wusste der interessierte Zuschauer, hier fand eine sehr ungewöhnliche Laufveranstaltung statt. - "Baustellenmarathon Magdeburg"

Seit einiger Zeit prägen zahlreiche Baustellen das Stadtbild Magdeburgs. Wer kennt sie nicht, die sogenannte "Buckauer Mauer" oder die Tunnelbaustelle am Hauptbahnhof. Anstatt über Umleitungen und Sperrungen zu meckern, wurde eine "Schnapsidee" immer konkreter: Mathias Luther, von Haus eigentlich Ingenieur, wollte sowohl auf das Baustellenchaos als auch auf eine kurz vor dem Aus stehende Volkslaufveranstaltung (Elbe-Brücken-Lauf Magdeburg) hinweisen. Man nehme eine große Prise Humor, gepaart mit notwendigen Kontakten zur Stadtverwaltung und dem Verein MLK 08, fertig ist der wohl ungewöhnlichste Marathon der Region.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info zum Remmers Hasetal Marathon

Streckenstudium ... Reihenfolge der anzulaufenden Stationen

"Jede Großstadt braucht doch ihren eigenen Marathon, einen, der seinen Austragungsort repräsentiert und wiederspiegelt. Und was würde Magdeburg als heimliche (unheimliche) Baustellen-Hauptstadt der Republik mit ihren unzähligen großen und kleinen, täglich neu aus dem Boden sprießenden Baustellen besser repräsentieren als ein planloser Lauf von Baugrube zu Baugrube?" Organisator Mathias Luther hatte aber einen sehr konkreten Plan - im Vorfeld wurde das "Baustellen-Hopping" exakt vermessen.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg HIER

In Magdeburg von A nach B zu kommen ist oft der Weg von Umleitung zu Umleitung. (Die Autorin hat einen für sie ganz praktikablen Weg gefunden: Fahrrad in das Auto gepackt und ab der Stadtgrenze auf den Drahtesel umsteigen - funktioniert bis jetzt ganz gut).

Ausgabe der Startnummern Kurz vor dem Start am Infopunkt für dem Hauptbahnhof

"Die vorgeschriebenen 42,2 Kilometer sollen auf jeden Fall erreicht werden", so die Vorgabe. "Nach jeder angelaufenen Baustelle geht es zurück zur Basis am Hauptbahnhof und von dort zur nächsten Baustelle." Simpel die Laufaufgabe - groß der Spaß, trotz Ernst in der Baustellen-Gemengelage. Die Stadt nahm`s sportlich, ließ die Laufenthusiasten sich in einem Container einmieten (Infocontainer der Tunnelbaustelle) und lud alle Teilnehmer zu einer kostenlosen Führung über die Tunnelbaustelle ein - zu einem späteren Zeitpunkt, versteht sich. Denn erst musste mal gelaufen werden.

Unterwegs zur ersten Baustelle - Magdeburger Bahnhofstraße Baustelle Nummer fünf an der Coquistrasse

Der sternförmig angelegte Lauf (die genaue Reihenfolge der anzulaufenden Stellen wurde erst kurz vor dem Start bekanntgegeben) ließ trotz Vorgabe freien Raum für die Laufrouten zu den einzelnen Punkten. Mario Lisker, der spätere Zweitplatzierte, nahm ganz sportlich gleich einen ganzen Kilometer mehr in Kauf, da ihm nach der letzten Wende an der Albert-Vater-Straße entweder eine Baustelle den Weg versperrte (?!) oder einfach die Orientierung abhanden gekommen war.

Verpflegung - absolutes Muss bei diesem Wetter! Da kommt er, der Erstplatzierte Robert Linz

Um Orientierung bemüht waren vor allem die Gäste aus Berlin und Wernigerode, gut, wenn ein Ortskundiger voranlief. In Sachen Baustellen und Wegführung bestens vertraut war der Sieger des Magdeburg Marathon der Jahre 2017 und 2019, Robert Linz. Mit 2:58:23h hat er nun den inoffiziellen Strecken-Such-und Find-Rekord inne. Noch dazu, dass die eigens mitgeführte GPS-Uhr dreihundert Meter weniger als die Marathondistanz anzeigte. Vielleicht war ja eine der Sperrungen kurzfristig abgebaut worden - immerhin war ja Sonntag …

Augenscheinlich aber für alle sechs Teilnehmerinnen und 25 Teilnehmer war das Lächeln, mit welchem sie ins Ziel kamen. "Wir können eben nicht nur Handball (SC Magdeburg / 1. Bundesliga) und Fußball (1.FC Magdeburg / 3.Liga), wo viele Zuschauer ihre zweite Wohnstatt haben, sondern eben auch so eine ungewöhnliche Aktion." Neben dem Sieger waren weitere Cup-LäuferInnen im Ergebnisprotokoll zu finden, wie zum Beispiel Siegerin Nadine Grothe von den Altmärker Dunderklumpen.

Die drei erstplatzierten Frauen: Nadine Grothe (1.), Carolin Kurowsky (2.) und Ariane Buhtz (3.) ... und die drei schnellsten Männer: Robert Linz (1.), Mario Lisker (2.) und Markus Möbius (3.)

Auch "Otto" war mit von der Partie: die Ottostadt Magdeburg war mit zwei Läufern vertreten und konnte mit dem Zweitplatzierten Mario Lisker sogar einen Medaillengewinner feiern. Apropos Medaillen - diese wurden nachhaltig und regional in der freien Mitmachwerkstatt Macherburg, einer gemeinnützigen Organisation in Magdeburg-Buckau, gefertigt. Aus Holz und natürlich mit Bändchen, handgemacht eben, wie auch der Lauf selbst. Drei Helfer am Willy-Brandt-Platz, zwei MVB-Standbetreuerinnen am Hanns-Eisler-Platz, das war schon alles an "Helfer-Equipment".

Wird es eine nächste Auflage dieses einmaligen Laufevents mit hundertprozentigem Spaßfaktor geben? Einige Tage nach der Premiere zieht Mathias Luther das Fazit, dass er sich eine ähnliche Aktion durchaus vorstellen könne. Eine detailgenaue Wiederholung ist aber eher unwahrscheinlich, schon aufgrund der sich ständig ändernden Baustellen-Situation in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Zum anderen gibt es sicher den ein oder anderen weiteren ungewöhnlichen Gedanken für eine zweite Auflage.

Die Auszeichnung für alle Teilnehmer*innen Originelle und mit Sicherheit einmalige Idee: Baustellenhelme für die drei Erstplatzierten
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Eines ist jedoch jetzt schon sicher: wenige Läuferinnen und Läufer haben durch eine ungewöhnliche Idee auf ein Problem aufmerksam gemacht, welches viele angeht. Anstatt sich bei den Meckerern einzureihen, sind sie auf ihre Weise aktiv geworden. Ob nachhaltig oder nicht - immerhin haben verschiedene Medien berichtet. - Vielleicht wäre in diesem Sinne ja in naher Zukunft eine Streckenführung über den Flughafen BER denkbar.

Bericht von Almuth Steinhoff
Fotos Mathias Luther / Landeshauptstadt Magdeburg

Ergebnisse baustellenmarathon-md.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung