25.1.20 - 21. 50 km-Ultramarathon des RLT Rodgau

Rodgau 50km-Ultramarathon - Erbarme, die Hesse komme! Aber nicht nur die …

von Thomas Disser & Reinhold Daab 

Viele weitere Bilder in den Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Rodgau ist bundesweit bekannt. Sowohl in der Musik- als auch in der Lauf-Szene. Die größte Stadt im Landkreis Offenbach war vor gut 40 Jahren durch eine Gebietsreform gerade erst entstanden, da rockten die "Rodgau Monotones" bereits auf Hessisch. Und der 50-km-Ultramarathon des Rodgau Lauftreffs, kurz RLT. Zwar noch nicht so lange wie die Hessen-Rocker, aber immerhin schon zum 21. Mal knallt der Startschuss an der Freizeitanlage "Gänsbrüh". Ach ja, und das benachbarte Opel-Testgelände nicht zu vergessen. Dort ist klimaunfreundliches Rasen erlaubt. Dieses Tempo wird sich aber nicht auf die Ultraläufer übertragen. Auf die meisten zumindest. An der Spitze geht es doch sehr flott zur Sache. Die Streckenrekorde von Benedikt Hoffmann (2:56:18) und Tinka Uphoff (3:32:42) sprechen für sich. Werden sie diesmal unterboten?

 
Banner anklicken - informieren
LR Info zum Gornergrat Zermatt Marathon

Termin im Januar, Vorteil oder Nachteil? Einerseits gibt es keine Kollisionen mit anderen Events. Höchstens mit Skiurlaub. Dann lieber Langlauf, und zwar ohne Ski. Erstaunlich, wie viele Athleten längere Anreisen und Hotelbuchungen in Kauf nehmen. Auf dem Parkplatz finden sich Autokennzeichen aus allen Bundesländern, und der Schweiz.

Traditionell treffen sich die Ultra-Läufer am letzten Samstag im Januar in Rodgau-Dudenhofen zum ersten Wettkampf des Jahres - aber nicht alle schnüren dafür ihre Laufschuhe ... ... im vergangenen Jahr war Alex Kiesow barfuß noch alleine unterwegs, diesmal hatte er eine gleichgesinnte Laufpartnerin dabei
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Für mich ohnehin Heimvorteil, praktisch in zehn Minuten vom Frühstückstisch bis zur Startnummern-Abholung. Auch dort Einmaliges, das in Rodgau einfach dazugehört: An der Eingangstür wird man von einer Helferin freundlich mit "Vorsicht Stufe" darauf hingewiesen, die Füße etwas anzuheben. Für echte Ultraläufer eine Herausforderung.

Die Stimmung in der Halle ist besonders. "Ei gude wie, Moin, Servus, Grüezi" je nach Herkunft, man grüßt herzlich. Lauf-, Familien- oder Klassentreffen in einem. Ein prominenter Teilnehmer bringt sogar eigenen Wein mit: Weltmeister-Wein. Darf er auch: Florian Reus gewann 2015 die 24h-WM. Freue mich schon auf den weltmeisterlichen Tropfen, nach dem Lauf natürlich.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Marburger Lahntallauf HIER

Wer noch Anregungen für sportliche Großtaten 2020 sucht, wird bei dem Regal mit den Ausschreibungen fündig. Hier liegt nur Besonderes, kaum Kürzeres als Marathon. 100 km oder Meilen, 24 Stunden, oder Ultra-Trail mit zigtausend Höhenmetern oder Mehrtageslauf sollten es schon sein. Fast schäme ich mich, die Flyer für unseren "Seligenstädter Wasserlauf" mit 25 km auszulegen.

Hand in Hand, 50 km und fast 5 Stunden lang lassen sich Daniela Braun und Kai-Uwe Heuer nicht los Prominenter Starter, Spartathlon-Sieger 2015 Florian Reus (St.Nr. 743, 4. M35) kommt gerne nach Rodgau und trifft hier viele Ultra-Freunde. In der Gruppe dabei sind noch Annette Müller und M55-Sieger Frank Wiegand (Mitte, verdeckt). Vorne grüßt Thomas R. Becker mit der Nummer 790 (7. M60) Doppelt läuft es sich besser, die "Team Icehouse Zwillinge" Frank und Rüdiger Burger bewältigen die 50 km gemeinsam unter vier Stunden

Begrüßung in der Halle durch Wolfgang Junker, früherer Vorsitzender, und Hartmut Wirth, der das Amt aktuell bekleidet. Junker kennt seine Wiederholungstäter, aber er fragt auch jedes Mal, wer denn zum ersten Mal in Rodgau ist und ob es der erste Ultralauf sei. Dutzende Hände gehen nach oben. Alles richtig gemacht: Rodgau als Einstieg in das Läuferleben jenseits der 42,195 Kilometer.

Für den Job des Streckensprechers in Rodgau kommt nur ein Profi in Frage. Gabi Gründling war jahrelang zu hören, kannte praktisch jeden Läufer und wusste wo er zuletzt und auch als nächstes lief. 2019 war "Vanman" Jochen Heringhaus am Start-Ziel-Mikro, im letzten Jahr seiner Sprecher-Karriere. Nun ist Günther Guderley Streckensprecher. Kaum ein Läufer im Umkreis von mindestens 100 km, der ihn nicht kennt, und er kennt sowieso jeden. Günther ist Kopf des Aschaffenburger Citylaufes, der nunmehr 25 Jahre-Jubiläum feiert, und ist natürlich auch dort Sprecher. Selbst ambitioniert bei vielen Ultra-Klassikern dabei, inclusive Deutschlandlauf 2005.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info zum CityLauf Aschaffenburg HIER

Günter Guderley gibt in Rodgau sein Debut als Streckensprecher. Dabei muss er viele Stunden im Stehen moderieren, was fast so anstrengend wie ein Ultra-Lauf ist Hartmut Wirth, 1. Vorsitzender von RLT Rodgau, lässt es sich nicht nehmen, die hauseigene Ultra-Strecke als M70-Sieger ganz knapp über 5 Stunden zu bewältigen Ein Gruß von Lokalmatadorin Bärbel Fischer (5. W55) im Trikot des Veranstalters RLT Rodgau

Die Helfer des RLT-Ultramarathons sind ebenfalls Profis, das Team bestens eingespielt. So kann der Chef Hartmut Wirth selbst an dem Lauf teilnehmen. Heute zum 18. Mal, davon 16 Mal durchgelaufen, diesmal wieder mit AK-Sieg M70. Auch die Pressesprecherin Bärbel Fischer, 14 Mal gestartet, 14 Mal gefinisht und davor zweimal als Helferin am Verpflegungsstand im Einsatz.

An der Strecke gibt es 10 Verpflegungsstellen, plus Ziel-Tee. Das magische dabei ist, es stehen jedes Mal die gleichen freundlichen Helfer dort. Funktioniert nur, wenn der Veranstalter so clever ist und der Lauf zehnmal über eine 5 km-Runde führt.

"Eine 50er Schleife wäre abwechslungsreicher", wie man ab und zu hört. Aber auch logistisch aufwendiger, und heute kaum mehr behördlich durchsetzbar. Also 5er Runden. Ein "kleiner" Verein wie der RLT stemmt damit einen Ultramarathon mit Bravour und für ein bescheidenes Startgeld. Und es gibt auch nur so die Option, einfach eine Teilstrecke zu laufen, was etwa ein Drittel der Starter auch tun wird.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Brixen Dolomiten Marathon HIER

Diese bunte Mischung steht nun am Start, plaudernd und fröstelnd dem Startschuss entgegenfiebernd. Mit dabei Jochen Höschele vom EK Schwaikheim, der alle 21 Rodgau-Starts auch finisht.

Neun Runden lang das gleiche Bild, angeführt vom Radbegleiter laufen die beiden Führenden Jan Kerkmann und Jan Kaschura Seite an Seite Die führende Frau Merle Brunnée läuft ein einsames Rennen an der Spitze, ist aber wenigstens nicht alleine unterwegs

"Läufst Du heute durch?" - eine oft gestellte Frage. Die Antwort darauf ist unverbindlich und darf sich in beide Richtungen ändern. Am besten nimmt man sich 10 Runden vor, dann weiß der Kopf schon mal Bescheid und es sind nur noch die Beine bei Laune zu halten. Sollte es im wahrsten Sinne nicht so gut laufen, bricht man sich keinen Zacken aus der Krone und beendet eben früher als geplant. Oder man hatte ohnehin den Plan für einen schönen 30er in netter Begleitung. Alles ist erlaubt. Sogar einfach weiter laufen und dann doch die 50 km schaffen.

Peng! Günther Guderley schickt uns auf die Reise. Eine quasselnde Läuferschar macht sich auf den Weg. Weiter vorne wird sicher nicht so viel Sauerstoff zum Reden verschwendet. Aber im Mittelfeld oder bei den Schlusslichtern geht es entspannt zu. Hier fühle ich mich wohl.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Schwarzwald Marathon HIER

Das Renngeschehen lässt sich sehr gut verfolgen, dank der 5er Runden. Anfangs ist das Feld noch dicht, immerhin sind gut 800 Läufer unterwegs, und es wird auf dem kurzen Stück zum Wendepunkt immer etwas eng. Das Führungsfahrrad klingelt den Weg frei, prima. Die Nächstplatzierten rufen kurz, dann klappt das auch.

Viele weitere Bilder in den Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Die Woche zuvor war trocken, so gibt es keinen Grund über das Geläuf zu meckern. Auch nicht auf dem kurzen Stück im Wald nahe des Opel-Prüffeldes, alles gut. Knapp über null Grad, die nebelfeuchte Kälte ist für die Helfer und Fans an der Strecke unangenehmer als für die Aktiven. Wir müssen eben nur schnell genug laufen, dann passt das. Am musikalischen Hotspot bei der Streckenhälfte hält man sich mit tänzerischen Bewegungen warm.

Frauensiegerin Merle Brunnée (1. WHK) überrascht die Organisatoren. Sie ist so schnell im Ziel, dass es nicht mehr für das Siegesbanner reicht. Das Versäumnis wird aber ganz schnell nachgeholt Sie hat den zweiten Platz anscheinend abonniert, die Berlinerin Annette Müller wird auch in diesem Jahr wieder Zweite (1. W35)

Das schnelle Rennen der Damen

Merle Brunnée vom Engelhorn Sports Team/MTG Mannheim kann sich ab der ersten Runde an die Spitze setzen und gibt den Platz hinter dem Führungsfahrrad bis zum Ziel nicht mehr ab. 5km-Splits innerhalb einer Minute beweisen die sehr gute Renneinteilung. Ab km 40 forciert Merle, um die letzte Runde in 20:32 Minuten zu laufen. Günter Guderley kann sie nach 3:33:25 Stunden im Ziel begrüßen, ein tolles Rennen in einer Super-Zeit. Zwar 43 Sekunden über dem Streckenrekord, aber so knapp war keine Frau zuvor daran, diesen zu knacken.

Die Vorjahres-Zweite Annette Müller von der LG Nord Berlin Ultrateam kann diesen Platz erneut behaupten, läuft bis km 40 sehr gleichmäßig. Sie muss auf den letzten beiden Runden zwar etwas "abreißen lassen", ihr zweiter Platz ist allerdings nicht in Gefahr. In 3:45:39 Stunden fast die gleiche Zeit wie im vergangenen Jahr. 3 Mal in Rodgau gestartet, Platz 4 und zweimal 2, sehr gut!

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Gutenberg Marathon Mainz HIER

W40-Siegerin Nadine Stillger aus Frankfurt wird Dritte W45-Siegerin Britta Giesen aus Hamburg läuft auf den vierten Platz Lisa Mehl wird Fünfte (2. WHK) Maiken Liß stoppt schnell noch die Zeit und kann sich dann darüber freuen, dass sie als Sechste die 4-Stunden-Marke um drei Sekunden unterboten hat

Nadine Stillger aus Frankfurt wird bei ihrem ersten Start in Rodgau Gesamt-Dritte in 3:50:14 und gewinnt die W40. Platz vier für Britta Giesen vom Laufwerk Hamburg in 3:51:53; sie holt sich beim dritten Start in Rodgau auch zum dritten Mal den AK-Sieg der W45. Lisa Mehl, für Willpower startend und aktuell in der Vorbereitung für einen schnellen Frühjahrsmarathon, ist nach 3:54:53 Stunden als Gesamt-Fünfte und Zweite der WHK im Ziel. Damit hat Lisa alle drei bisherigen Starts in Rodgau unter den ersten Fünf und die AK auf den Plätzen 1, 2 und 2 beendet.

Das Rennen der Herren: spannend und schnell

Bei den Männern liefern sich der Vorjahressieger Jan Kerkmann (TSVE 1890 Bielefeld) und Jan Kaschura (RunArtist Holzminden) ein sehr spannendes Rennen. Die beiden legen mit 18er Runden eine Pace vor, die auch optisch beeindruckt. Immer dicht beisammen und offenbar einig, sich möglichst lange gegenseitig zu motivieren. Der Führungsradfahrer hat ordentlich in die Pedale zu treten, um die beiden hinter sich zu lassen. Einmal scheint er das zu verpassen, oder er musste kurz stoppen? Jedenfalls hängen die Jan's den Radler ab. Wir Mitläufer haben ihn dann angefeuert, sich wieder vor die schnellen Jungs zu setzen. Klappte auch.

Vorjahressieger Jan Kerkmann erfüllt sich sein Lebensziel, er gewinnt den Ultra-Marathon zum zweiten Mal und bleibt dabei deutlich unter 3 Stunden Jan Kaschura (2) liefert dem Sieger neun Runden lang einen tollen Fight, erst auf den letzten fünf Kilometern kann er ihm nicht mehr folgen und wird mit zwei Minuten Rückstand Zweiter (1. M35) Ludwig Reicherstorfer wird Dritter und gewinnt die M40 Siegerfoto mit den beiden schnellen "Jan's", Kerkmann (1. links) und Kaschura (2.)

Die Entscheidung fällt in der achten Runde. Jan Kerkmann setzt sich leicht ab und kann die letzten beiden Runden nochmals forcieren. 17:44 und 17:21 Minuten, was eine 35er Zeit auf 10km bedeutet. Ein verdienter Sieg für einen Athleten, der sich mit seiner Zeit von 2:59:05 Stunden seinen läuferischen Lebenstraum erfüllt.

Mit seiner sehr guten Zeit von 3:01:06 Stunden trägt sich Jan Kaschura ebenfalls in die Liste der schnellsten gelaufenen Zeiten in Rodgau ein.

M45-Sieger Jörn Hesse wird Fünfter Erschöpft aber zufrieden ist M55-Sieger Frank Wiegand im Ziel
Sein ausgestreckter Zeigefinger zeigt es an, Jürgen Keller gewinnt die M60 und wird hervorragender Elfter Als einer der jüngsten im Feld holt sich Martin Zhang den Sieg in der MU23

Ludwig Reicherstorfer von der LG Mauerweg Berlin darf sich über den ungefährdeten dritten Platz in 3:19:14 Stunden und den Sieg in der M40 freuen. Vierter wird Thomas Kehl (Endurance Bastards) in 3:29:10, Fünfter Jörn Hesse vom Dellingser SC in 3:29:43 und damit noch unter der imaginären 3:30-Stunden-Grenze.

Bis zur Siegerehrung dauert es noch eine Weile. Die Strecke ist eben so lange, dass die Schnellsten noch einige Zeit haben bis so langsame Herrschaften wie ich bzw. die AK-Schnellsten der Best-Ager ins Ziel kommen. Umso beeindruckender beim Ultra-Kaffeeklatsch in der Turnhalle, wie viele bis zum Ende bleiben und den Siegern und vor allem den diesjährigen "Senior", Manfred Haubenthal vom Marathon-Team Ketsch bejubeln. Er hat es auch verdient und braucht gar nicht bescheiden sein. Wer in der M80 die 50 Kilometer in 6:21 Stunden finisht, ist ein Sieger.

LaufReporter Thomas Disser (St.Nr. 53) war mittendrin im Geschehen und berichtet hautnah von der Laufstrecke Bei vielen Teilnehmern stehen Spaß und Freude am Laufen im Vordergrund, wie hier bei Hannelore Huhn (links) und Barbara Donnerstag Und glücklich ist wer das Ziel erreicht, wie Katrin Fecher als neunte Frau (3. WHK)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

825 Athleten sind gestartet und 563 sind "durchgelaufen". Eine prima Bilanz, die dem Veranstalter wieder einmal bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. Auch ein Verdienst von Streckensprecher Günter Guderley, der seinen Job hervorragend erledigt und Läufer sicher ermuntert hat, noch eine Runde dran zu hängen.

Nicht umsonst verabschieden sich viele Läufer schon auf der letzten Runde bei den Helfern am Wendepunkt, an der Verpflegung oder im Ziel mit "bis zum nächsten Jahr". Sie kommen auch wieder. Ich auch.

T. Disser

Bericht von Thomas Disser - Fotos von Reinhold Daab
Weitere Fotos von Reinhold Daab unter www.laufsportfotos.de

R. Daab
Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Ergebnisse www.volkslauf.de - Info rlt-rodgau.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung