Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler

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Stoffwechsel & Ernährung
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Nüchternsport ?

LaufReport-Leserin Manu N. fragt:

Würden Sie bitte einmal etwas detaillierter auf die positiven Aspekte und Besonderheiten des morgendlichen Nüchternlaufes eingehen ?

Sportmediziner Dr. med. Rudolf Ziegler antwortet:

Alle wissenschaftlichen Quellen sind sich mittlerweile einig hinsichtlich der generell positiven Auswirkungen des Nüchternsports auf den Fettstoffwechsel. Dies hängt ursächlich zusammen mit einem generell deutlich erniedrigten Insulinspiegel im Blut nach langer Nahrungskarenz, wodurch es zu folgenden günstigen Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel kommt:

Insulin als entscheidendes Hormon für den Kohlenhydratstoffwechsel (Glukose-Transfer in das Fettgewebe, die Skelettmuskulatur und die Leber bei Anstieg des Blutzuckers über 100 mg%) und auch für den Fettstoffwechsel und zwar immer dann, wenn mehr Kalorien aufgenommen und dem Stoffwechsel angeboten als verbraucht werden. So wird auch der Insulin-spezifische Hemmeffekt auf den Fettstoffwechsel verständlich, da ab einer bestimmten Blutzucker-Konzentration dies vom Stoffwechsel und Insulin-vermittelt als Signal zur Energie-Depot-Anlage verstanden wird, unabhängig vom aktuellen Füllungsgrad der Fettdepots. Insofern ist der morgendliche Nüchternlauf die ideale sportliche Aktivität für jeden Ausdauersportler, unabhängig ob zum Training seiner Fettstoffwechsel-Effektivität unter Leistungsgesichtspunkten oder zur Behebung von Gewichtsproblemen.

Natürlich können Sie diese Effekte auch irgendwann tagsüber erzielen. Nur fällt es gemäß meiner langjährigen Erfahrung hier ungleich schwerer, eine ähnlich lange Nahrungskarenzphase einzuhalten wie am Morgen nach dem Aufwachen. Daher steht der Begriff “Nüchternlauf“ sinnbildlich für morgendliches Vor-Frühstück-Laufen.

Omega-6-Fettsäuren versus Omega-3-Fettsäuren

LaufReport-Leser Jörg R. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre regelmäßigen Beiträge in www.laufreport.de, u.a. zu Ernährungsfragen. Mich interessiert jetzt noch einmal ein Artikel zu Omega-3-Fettsäuren, der allerdings bereits einige Monate zurückliegt. Dort gehen Sie auf die ja offensichtlich genetisch festgelegte Relation zwischen langkettigen Omega-6-Fettsäuren (v.a. Arachidonsäure) und langkettigen Omega-3-Fettsäuren (v.a.EPA & DHA), die ja Ihrer Meinung nach optimaler Weise bei 2:1 zugunsten der Arachidonsäure liegen sollte. Was mich nun interessieren würde, wie erklärt sich diese Abhängigkeit & wie kommt diese überhaupt zustande?

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Ich darf für die weniger mit dem Thema vertrauten Leser & Leserinnen besser noch einmal ein wenig weiter ausholen, bevor ich meine Antwort auf Ihre geschätzte Frage konkretisiere:

Mineralwasser-Empfehlung

LaufReport-Leserin Barbara Z.-St fragt:

Bei Ihrem unlängst in der Europahalle Karlsruhe gehaltenen Vortrag „Marathon – der Sieg mit Messer & Gabel“ haben Sie u. a. die Empfehlung ausgesprochen, dass sportlergerechtes Mineralwasser mindestens 160 mg Calcium und 80 mg Magnesium (Verhältnis 2:1) aufweisen sollte. Ich habe jetzt mal im Getränkehandel nachgesehen, welche Mineralwässer es bzgl. dieser Vorgaben gibt. Fand aber nur völlig andere Mischungen. Entweder war viel zu wenig Calcium und Magnesium drin, oder das Verhältnis 1:2 stimmte überhaupt nicht. Und spielt nicht auch der Natrium-Gehalt für die Mineralwasser-Qualität eine Rolle?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Die meinerseits zitierten Relationen waren beispielhaft gedacht. Daher nochmals im Klartext die richtige Vorgehensweise:

Abnehmen & Fettstoffwechselstörung

LaufReport Leserin Natalie M. fragt:

Eine Internistin hat bei mir eine vererbte Fettstoffwechselstörung festgestellt. Sie meinte, dagegen kann man nichts machen, außer sich gesund zu ernähren. Ich fragte sie dann, ob diese "Krankheit" eine Auswirkung bei Abnehmwunsch habe, was sie verneinte. Nun sprach ich aber mit verschiedenen Trainern und Sportlern und diese meinten, für mich sei es nicht einfach, wenn ich jetzt durch Sport abzunehmen gedenke. Nun habe ich das Gefühl, dass selbst Sport nichts bringt und frage mich, ob es vielleicht ein Medikament gibt, mit dem ich in Verbindung mit Sport abnehmen könnte. Es geht mir eben darum, nicht "umsonst" Sport zu treiben. Ich bin auf Ihre Antwort gespannt.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Leider haben Sie Ihre genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung nicht näher spezifiziert. Will aber trotzdem versuchen, Ihnen Rede & Antwort zu stehen.

Lassen Sie mich daher Ihr Fragenpaket wie folgt angehen:

Viel Spaß & Erfolg beim Umsetzen meiner Tipps!!

Laufen & Durchfälle

LaufReport-Leserin Birgit K. fragt:

Ich habe jetzt schon seit einem Jahr massive Probleme mit Durchfallbeschwerden beim Laufen. Als ich mit dem Laufen anfing, ging es einige Zeit eigentlich ganz gut aber dann stellten sich folgende Beschwerden ein: Nach ca. 30 Min. Laufen habe ich das Gefühl, zunehmend dringlicher auf die Toilette zu müssen. Beim Stuhlgang setze ich dann schleimigen Stuhl bis Durchfall ab. Bisherige Arztbesuche verliefen frustran, so richtig konnte mir bisher keiner helfen. Per Atemtest wurde eine Fructose-Intoleranz festgestellt. Eine Zeitlang habe ich dann alles weggelassen, was mit Fructose und Zucker zusammenhängt, ohne durchschlagenden Erfolg. Ich nehme jetzt schon seit ein paar Wochen Aplona® vor dem Lauf und habe den Eindruck, dass es hilft. Aber leider gehen die Beschwerden nicht ganz weg, speziell nach langen Läufen bekomme ich Krämpfe und Durchfall. Letztes Jahr bin ich einen Halbmarathon gelaufen, was ich gerne wiederholen würde, aber nicht unter diesen Umständen. Ich habe in dieser Zeit stark abgenommen und fühle mich auch nicht gerade fit. Haben Sie Informationen zur Fructose-Intoleranz in Beziehung zum Laufen? Die Ernährung ist ja schon sehr eingeschränkt, mit wenig Obst und wenig Gemüse. Es wäre super, wenn Sie sich melden würden, nächste Woche laufen wir die Münster-Marathon Staffel.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Schön der Reihe nach: Die Tatsache, dass Sie Ihre belastende Symptomatik durchgängig eigentlich nur während bzw. nach dem Laufen erleben, spricht daher medizinisch eindeutig gegen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Ihrer wie auch immer gearteten Fruktose-Intoleranz und den geschilderten Beschwerden. Wie heißt es so schön: Bei Ihnen liegt zwar evtl. eine Intoleranz vor, die aber eigentlich zu vernachlässigen ist, da Sie ja früher unter Alltagsbedingungen  keinerlei  diesbzgl. Probleme hatten. Ich vermute daher eine ganz andere und zwar primär funktionelle Ursache: Gerade Vertikal-Sportarten wie Laufen provozieren, sozusagen systemimmanent, nicht unerhebliche Blut-Umverteilungsvorgänge, d.h. weg von den vegetativen Organen wie Magen-Darm-Trakt hin zur arbeitenden Muskulatur, nun einmal unserem gewichtsmäßig größten Organ. Die logische Konsequenz, die aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt ist. Die Schleimhaut wird von der Blutversorgung funktionell abgeschnitten, was sie dann mehr oder weniger verrückt spielen lässt. Und wenn sich das Ganze an der bei Ihnen offensichtlich sehr empfindlichen  Dickdarmschleimhaut abspielt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Im Dickdarm wird der Kot durch Wasserentzug eingedickt und wenn das nicht klappt, geht’s im wörtlichen Sinne in die Hose. Dass bei Ihnen Aplona®  hilft,  unterstützt meine Überlegungen, denn dieses Apfelpulver vermag wegen seines hohen Pektingehalts gut Wasser zu binden.

Was sollten Sie jetzt perspektivisch & konkret unternehmen:

Alles Gute einstweilen & toi, toi, toi für bald wieder beschwerdefreie Lauferlebnisse. Schauen Sie, dass Sie sich möglichst heute noch das Cardiofit besorgen (Näheres hierzu siehe auch Button in meiner Laufreport-Sprechstunde), auf dass Ihre Schleimhaut ganz schnell wieder so richtig „durchatmen“ lernt!!!

Ihr Dr. Ziegler

Milcheiweiß-Unverträglichkeit

Stephan S. fragt:

2 Fragen: Gemäß Ihrer Ausführungen in Vorträgen und Veröffentlichungen und unter Verweis auf entsprechende Studien sei die Wirkung von L-Carnitin als „Abnehmmittel“ nicht bewiesen. Dr. Strunz ist vom Gegenteil überzeugt. Könnten Sie daher hierzu nochmals Flagge zeigen. Bei der anderen Frage geht es um das Milch-Eiweiß. Hier habe ich von Ausbildern im Fitnessbereich gehört, wonach Milch-Eiweiß vom Erwachsenen nicht mehr verwertet werden könnte. Dr. Strunz ist vom Gegenteil überzeugt und sieht in diesem Eiweiß eine sehr wertvolle Eiweißquelle. Was soll ich jetzt glauben?

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

a) Thema L-Carnitin:
Bitte bemühen Sie hierzu www.google.de & geben ein : L-Carnitin - Dr. med. R. Ziegler . Prompt finden Sie alle meine hierzu im Netz stehenden aktuellen Veröffentlichungen. Denke, damit ist Ihr diesbezüglicher Wissensdurst ausreichend gestillt. (Anm. d. Red.: Zu L-Carnitin finden Sie auch mehrere Hinweise im LaufReport. Einen Link will ich gern per Mausklick anbieten HIER)

b) Thema Milcheiweiß:
Milcheiweiß besteht in erster Linie aus Casein & Laktalbumin sowie auch verschiedenen Immunglobulinen, die aber beim Pasteurisierungsvorgang evtl. in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Über eine primäre Milcheiweiß-Unverdaubarkeit im Darm des Menschen ist mir momentan allerdings nichts bekannt. Davon allerdings klar zu trennen ist eine evtl. erworbene Milcheiweiß-Unverträglichkeit (Milcheiweiß-Allergie), die sich m.W. leichter bei den Menschen entwickeln kann, die im Säuglingsalter nicht gestillt worden sind, weshalb sich dann das Immunsystem des Darmes als dem größten Immunorgan des Mensche evtl. nicht optimal entwickeln konnte.

Ein völlig anderes Thema ist die durchaus von Kindesbeinen an bestehende Unverdaubarkeit von Milchzucker (Laktose - ein Disaccharid, das sich aus Glukose & Galaktose zusammen setzt). Ursache: Angeborener Mangel an dem Milchzucker-spaltenden Enzym (Laktase). Außerdem kann auch im Alter die Aktivitätsrate dieses Enzyms deutlich nachlassen, was durchaus nicht so selten ist. Dann kommt es eben sukzessive ebenfalls zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Blähungen, Durchfälle etc.. Dem kann aber gezielt vorgebeugt werden, indem Rohmilch-Produkte bzw. unvergorene Milchprodukte generell gemieden und gezielt auf bakteriell vorbehandelte Produkte wie Joghurt, Kefir etc. umgestiegen wird, also Produkte,  bei denen die Bakterien den Milchzucker bereits vergoren haben. Diese präventive Maßnahme müssen die Menschen mit angeborenem Laktase-Mangel dann natürlich von Geburt an praktizieren. So, jetzt hoffe ich, Ihnen in Ihrem Sinne ausreichend Rede und Antwort gestanden zu haben, was mich freuen würde.

Ciao Dottore

Laufen & Eisenmangel

Axel B. fragt: Mich beschäftigte seit einiger Zeit ein zunächst unerklärlicher Leistungsabfall, der sich mittlerweile als Eisenmangel-Anämie entpuppte. Ich habe inzwischen Eisenpräparate eingenommen und dadurch auch wieder bessere Werte. Allerdings blieb das Speicherferritin nach wie vor unter dem Toleranzbereich für Männer von 50 Mikrogramm/l. Jetzt ist der Wert sogar wieder weiter abgefallen. Gestern bin ich einen 10er gelaufen, nicht Vollgas, und hatte am Berg erhebliche Probleme. Ist ja wohl bei diesen Rahmenbedingungen nicht untypisch: Belastbarkeit gegeben, wenn es allerdings um 110% geht, wird's eben eng. Habe zur weiteren Abklärung  sogar eine Magen- und Darmspiegelung gemacht. - Kein Befund. Ernähre mich abwechslungsreich, viel Obst und Gemüse, aber auch Fleisch. Mein Arzt (selbst Läufer) empfiehlt nun noch mal einen Hämofec-Test und eine Urinuntersuchung, um versteckte Blutverluste endgültig auszuschließen. Darüber hinaus hat er mir geraten, mehr Fisch zu essen (hat da auch auf Ihrer Website geforscht!). Ich esse einigermaßen regelmäßig Fisch, v.a. Hering. Sie empfehlen noch Biomol Omega-3-Pulver, aber wie und wo erhältlich? Würde nämlich das Präparat gern ’mal ergänzend testen.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Zunächst zu Ihrer Eisenmangel-Anämie:

Thema Omega-3-Fettsäuren:

Eiweiß-Zufuhr im Sport

Hallo Herr Dr. Ziegler,

bitte erklären Sie mir doch, wann die Zufuhr von Eiweiß im Sport Sinn macht bzw. von besonderer Bedeutung ist und warum? Über eine Antwort würde ich mich freuen. Ich finde es übrigens super, dass Sie diese Rückfragen- und Kontaktmöglichkeit bieten.

Mit freundlichen Grüßen
Marion L.

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Generell ist beim Sportler der Eiweißbedarf erhöht. An plausiblen Gründen für diese sportmedizinische Gewissheit können angeführt werden:

Um jetzt seitens des zugeführten Eiweiß diese hochkomplexen und lebenswichtigen Aufgaben zu erfüllen, muss vom Sportler / von der Sportlerin auf alle Fälle Folgendes beachtet werden:

Kurz noch zu Ihrer Frage Eiweiß vor oder nach dem Sport: Generell sollten Sie gerade im Kraft- und Ausdauersport unmittelbar nach dem Sport für eine leicht verfügbare Eiweißquelle wie Eiweißriegel oder Eiweiß-Shake plus Mineralwasser sorgen, um möglichen hormonell bedingten Eiweiß-abbauenden Prozessen im Körper Paroli zu bieten. Unmittelbar vor und während des Sports gilt es dagegen, sich gezielt mit Glukose- oder Saccharose-haltigen Lebensmitteln (vollreife Banane, Kohlenhydrat-Riegel, Trockenobst, entsprechend zubereitete Sportlergetränke etc.) zu versorgen, um den Blutzucker-Spiegel und damit die Konzentrations- wie auch Koordinationsfähigkeit zu stabilisieren.

Ernährung - Anzahl der täglichen Mahlzeiten

Lieber Dr. Ziegler,
 
im Rahmen unseres Ernährungsprojektes im Reha- & Fitness-Studio „Come back“ in Gelsenkirchen sehen wir uns immer wieder mit der Frage nach der ernährungsphysiologisch richtigen Anzahl der täglichen Mahlzeiten konfrontiert. Sind also für eine gesunde und vollwertige Ernährung 3 Mahlzeiten sinnvoll oder eher die immer noch propagierten 5? Regelmäßige Zwischenmahlzeiten provozieren doch m.W. einen beständig erhöhten Insulinspiegel im Blut, was automatisch die wichtige Fettsäuren-Freisetzung aus den Speichern im Fettgewebe und der Muskulatur behindert. Wie ist Ihre Sicht der Dinge zu diesem Thema, vielen Dank vorab

Sabine G.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Die hormonell exakte weil lebensnotwendige Blutzucker-Konstanz auch des modernen Menschen im 21. Jahrhundert fußt nach wie vor auf jahrtausendalten genetischen Vorgaben, die sich genau genommen seit rund 40.000 Jahren nicht mehr groß verändert haben. Zu dieser Zeit war Mitteleuropa bekanntlich von einer meterdicken Eisschicht bedeckt, es herrschte nämlich Eiszeit. Die Menschen zogen als Jäger und Sammler durch die Gegend, von Ackerbau und Viehzucht war noch keine Spur. Unser Gehirn als einem Organ, das wegen fehlender Zuckerspeicher auf eine beständige Zucker-/Glukose-Zufuhr angewiesen ist, um keinen strukturellen oder funktionellen Schaden zu erleiden, verlangte daher nach einem stabilen Blutzucker, unabhängig von den sonstigen Aufgaben unseres Organismus. Entsprechend hatten die Individuen damals einen Überlebensvorteil, bei denen diese Vorgabe optimal gelöst war und zwar durch die sogenannte Insulin-Resistenz, ausgelöst z.B. durch spontane genetische Abweichungen. Insulin-Resistenz bedeutet soviel wie: Nur bei höheren Insulinspiegeln gelangt Glukose aus dem Blut auch in andere Organen, wie z.B. vor allem in die Skelettmuskulatur. Trotzdem musste die arbeitende Muskulatur nicht darben. Die Steinzeit-Menschen versorgten sich ja über Wild, Geflügel und Fisch reichlich mit Eiweiß, das im Bedarfsfall in Zucker umgewandelt werden konnte (= Glukoneogenese). Was haben diese Zusammenhänge jetzt mit Ihrer Frage zu tun: Ganz einfach: Immer bestimmt die individuell zusammengestellte Qualität der Haupt- und Zwischenmahlzeiten die Höhe des resultierenden Blutzucker-Spiegels, der dann wiederum verantwortlich ist für das Ausmaß der reaktiven Insulin-Ausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse.

Das heißt für die Praxis:

Viel Erfolg beim Umsetzen dieser Ernährungs- & Praxis-Tipps, die garantiert funktionieren werden, Sportarzt-Hand drauf.

Soja & Thrombose-Risiko

Ich esse regelmäßig und das seit 3 Monaten Soja-Tabletten. Jetzt hab' ich gehört, dadurch könnte das Thromboserisiko verstärkt werden. Ist das richtig? Vielen Dank für Ihre Antwort,
Inge H.

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Sie haben keine Angaben über Ihr Alter, den Grund der Soja-Tabletten-Einnahme und über die täglich zugeführte spezifische Wirkmenge gemacht. Trotzdem will ich versuchen, Ihnen zu helfen. Wissenschaftlich gesichert ist zunächst einmal der hohe Gehalt an sogenannten Phyto-Östrogenen in allen Hülsenfrüchten, speziell in Soja und Linsen. Ihr chemischer Aufbau befähigt sie jetzt, mit spezifischen Kommunikationsstellen an menschlichen Zellmembranen speziell von Gebärmutter, Gehirn, Knochengewebe und Gefäßendothel (= Innenauskleidung der kleinen und großen Gefäße) in Kontakt zu treten und dort "anzudocken", also analog zu den körpereigenen menschlichen Östrogenen als den wichtigsten weiblichen Sexualhormonen. Auch durch die pflanzlichen Phyto-Östrogene werden damit die Kontaktstellen besetzt. Jetzt kommt der entscheidende Unterschied: Im Gegensatz zu den köpereigenen Hormonen können diese pflanzlichen Hormone aber keine speziellen Wirkungen beim Menschen entfalten. Sie passen zwar ins Schlüsselloch, nur der Schlüssel kann nicht gedreht werden.

Die zum Teil guten Ergebnisse bei Wechseljahrsbeschwerden (inklusive massiver Stimmungsschwankungen) beruhen jetzt darauf, dass diese Beschwerde-Ursache (Missverhältnis zwischen Zahl der vorhandenen Hormon-Rezeptoren und der Menge an verfügbarem Hormon) egalisiert wird. Nur eine spezifische Hormonwirkung können die Phyto-Östrogene nicht erzielen. Deswegen sind sie auch unwirksam, z.B. zur Verhütung von Osteoporose etc. Gleichzeitig ist aber so auch quasi ausgeschlossen, dass über die regelmäßige Einnahme von Soja-Produkten eine Thrombose-Neigung gefördert werden könnte, eher im Gegenteil.

Ernährungs- und Verdauungsprobleme

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

ich las in Ihrem Kernthema der aktuellen Ausgabe von Puls aktiv 2005 von Ihrem Plädoyer bzgl. 5 Portionen Obst & Gemüse pro Tag. Ich schaffe dies einfach nicht. Derzeit bevorzuge ich Orangen, Kiwi, Bananen und Äpfel. Bereits nach 2
Obstportionen wird allerdings mein Darm meist recht aktiv. Ich bekomme Blähungen und kann mehrmals am Tag meinen Darm entleeren - meist mit lauten Geräuschen.
Auch wenn ich andere Früchte wie Weintrauben oder Nektarinen etc. zu mir nehme,
ändert das nichts an meinen Darmproblemen. Ich esse täglich auch 250 g Joghurt. Auch hier verspüre ich das gleiche Dilemma, wie oben beschrieben. Für Ihren Rat, wie man hier Abhilfe schaffen könnte, vielen Dank vorab.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia G.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Ich gehe zunächst einmal bei der Ihrerseits geschilderten Problematik nicht von einem spezifischen medizinischen Problem aus, also in Richtung Enzym-Defekte oder dergleichen. Allerdings ließen Sie unerwähnt, wie lange Sie sich bereits mit Ihren Beschwerden herumschlagen müssen. Sollten Sie schon langfristig hier Probleme haben, müsste man bei Ihnen bei einem täglichen Konsum von ca. 250 g Joghurt natürlich auch bzgl. Milch-Eiweiß-Unverträglichkeiten fahnden. Der Milchzucker steht ja bei Ihnen aber außer Verdacht, da Sie Ihren Angaben zufolge vor allem Joghurt zu sich nehmen, wo ja der Milchzucker bereits vergoren ist. Also dann, fokussiert rein auf das Obstproblem, zunächst folgende Ratschläge bzw. Alternativen:

Wohl bekomm’s & hoffentlich schmeckt und bekommt Ihnen jetzt Ihr heißgeliebtes Obst noch besser.

Alles Gute
Ihr
Dr. Ziegler

Vitamin C

Hallo Herr Dr. Ziegler,

meine Frage: Wirken reine Vitamin C-Tabletten (Ascorbinsäure) überhaupt?

Ich habe gelesen, dass der Körper bestimmte "'Schienen" benötigt, um das Vitamin C dorthin gelangen zu lassen, wo es benötigt wird bzw. auch wirkt. Als Schienen sollen z.B. Bioflavonoide oder andere (welche?) Pflanzenstoffe dienen. In den käuflichen Produkten (Apotheke) fehlen jedoch diese zusätzlichen Stoffe meist.

In der Hoffnung auf eine Antwort, vielen Dank für Ihre Mühe im Voraus.

MfG Wolfgang B.

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Sicherlich haben Sie recht, wenn Sie reklamieren, dass gemäß der menschlichen Entwicklungsgeschichte wir ja eigentlich nicht dafür vorgesehen waren bzw. sind, uns Vitamin C losgelöst von seinem natürlichen Umfeld und pur als kristallines Pulver oder in Tablettenform zuzuführen. Meines Wissen existieren aber entsprechende Studien mit markierter Ascorbinsäure, wonach die Resorptionsrate im Darm und auch der Transfer in die Zellen relativ unabhängig davon verläuft, in welcher Form dieses Vitamin letztlich eingenommen wird. Vielleicht auch deswegen, weil wir Menschen ja nun einmal überwiegend aus Wasser bestehen, was sich dann natürlich positiv auf die Transportbedingungen für Vitamin C als wasserlösliches Vitamin auswirkt. Ganz im Gegensatz zu allen fettlöslichen Vitaminen (Vitamin A, D, E & K), die ja generell sogenannte Emulgatoren benötigen, um überhaupt ausreichend im Darm resorbiert zu werden. Etwas anderes konnten aber diese Studien auf jeden Fall zutage fördern: Als wasserlösliches Vitamin ist seine Speicherkapazität im Körper aus bindungstechnischen Gründen auf jeden Fall begrenzt. So sollte die zugeführte Einzeldosis als isoliert gegebenes Vitamin C 300 mg nicht überschreiten, da ansonsten ein nicht unwesentlicher Teil wirkungslos den Körper über die Nieren wieder verlässt. Daher empfiehlt sich, bei gewünschter bzw. als sinnvoll erachteter Supplementierung oder Substitution, die zusätzliche Vitamin C-Einnahme immer in Depot-Form vorzunehmen. In Deutschland sind natürlich neben reinen Depot-Produkten auch Depot-Präparate mit zusätzlicher Bioflavonoid-Anreicherung im Handel, z.B. das Präparat Ortho C Depo® Tbl., das neben 225 mg Vitamin C zusätzlich noch pro Tablette 10 mg Bioflavonoide enthält, sozusagen in Referenz an die in der Natur üblichen Einbindung und Vernetzung. Die Präsenz der Bioflavonoide fungiert hier aber nicht als Schleuser-mechanismus, sondern ist gedacht zur Wirkungsverstärkung durch diese Substanzen, da ja alle diese sogenannten sekundären Pflanzenstoffe (die Natur kennt über 15 000 dieser für den Menschen lebenswichtigen Stoffe) eigenständige Wirkungen entfalten, speziell im Bereich Immunabwehr, Krebsschutz, Oxidationsabschirmung, Blutdrucksenkung, Blutfett-Harmonisierung etc. Richtig ist, dass es in Deutschland kaum mehr schwerwiegende Vitamin C-Mangelzustände gibt (bis hin zum Skorbut durch Bildungsstörung im Bereich des Bindegewebes). Andererseits muss eine gesunderhaltende Versorgungslage bzgl. Vitamin C bei der bekanntlich ja zunehmend um sich greifenden Vorliebe für Fast Food und Fertigkost zunehmend und auf Dauer sehr in Frage gestellt werden. Zudem ist Vitamin C genauso wie Folsäure (Vitamin B 9) extrem oxidationsempfindlich  gegenüber UV-Licht (Lagerungsproblem!) und hitzelabil, d.h. bei einem herkömmlichen Kochvorgang werden über 90 Prozent des vorhandenen Vitamin C zerstört. Als besonders Vitamin C-reiche Lebensmittel gelten:

Als tägliche präventive Mindestdosis werden in Deutschland derzeit täglich 100 mg als Minimum empfohlen, bei Schwangeren und Stillenden sollte allerdings diese Dosis zumindest verdoppelt werden. Im engagierten Breiten- & Leistungssport sollte man sich prophylaktisch zumindest an der Marke von 200 mg täglich orientieren. In einer entsprechenden Belastungsstudie wiesen übrigens diejenigen Sportlerinnen und Sportler signifikant weniger Infekte auf, speziell im Bereich des oberen Atmungstraktes, die auf regelmäßig 600 mg Vitamin C pro Tag kamen (in Depot-Form oder verteilt auf mehrere Einzelgaben von maximal 250 mg).

Fisch- & Nuss-Kost

Herr R. A. fragt: Gemäß Ihrer Veröffentlichungen ersehe ich einen Zusammenhang zwischen der Höhe des LDL-Cholesterins im Blut und dem regelmäßigen Konsum von fettem Seefisch wie z.B. Makrele und Sardine. Gilt das auch für die geräucherte Makrele, Kieler Sprotten und Ölsardinen? Des weiteren interessiert mich die gesundheitliche Bedeutung von gerösteten Erdnüssen. Gestatten Sie mir noch den Hinweis auf eine Abhandlung, aus der ich einen negativen Effekt auf die Konzentrationsfähigkeit bei regelmäßigem Nussverzehr entnehme? Für eine kurze Stellungnahme Ihrerseits wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Lassen Sie mich bei Ihren gesundheitlich wie ernährungsphysiologisch wirklich hochinteressanten Fragen gleich auf den Punkt kommen:

Ja, dann guten Appetit & viel Erfolg beim Umsetzen der Ernährungsanregungen.

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