Die deutsche Marathonszene im Jahr 2019

Teil 1: Die meisten Finisher HIER
Teil 2: Das Ranking HIER
Teil 3: Gewinner & Verlierer HIER
Teil 4: Halb- kontra Marathon HIER Teil 5: Die Schnellsten & die Besten HIER Teil 6: Die Frauenquote HIER
Statistiken & Auswertungen von Ralf Klink 
Grafiken & Foto: Constanze Wagner 

Die große Marathon-Analyse

Teil 1: Die Marathons mit den meisten Finishern

Die Balken geben die Gesamtfinisher wieder. Die roten Punkte deuten den darin enthaltenen Frauenanteil an. Die Plus- bzw. Minuszeichen geben an, welcher Marathon Finisher hinzu gewinnen konnte bzw. mit weniger Teilnehmern im Ziel als 2018 abgeschnitten hat. Karlsruhe hat exakt gleich viele Finisher wie 2018 und deshalb ein Gleichheitszeichen
 
Die Grafik umfasst die 37 Marathons mit 300 Finishern und mehr. Achtung: Siebengebirgsmarathon findet noch statt.
 
Die Einstiegshürde von 300 Zieleinläufen verfehlten 2019: Kevelaer Marathon mit 285 (2018 = 309), Flensburg Marathon mit 264 (2018 = 327), Metropol Marathon Fürth mit 257 (2018 = 462), Johannesbad Thermen-Marathon Bad Füssing mit 260 (2018 = 305), Rursee Marathon mit 210 (2018 = 322).
 
Neu dabei, bzw. den Wiedereinstieg dank über 300 Finishern schafften 2019: Mitteldeutscher Marathon (2018 = 253), Bottwartal-Marathon (2018 = 284) und Usedom Marathon (2018 = 209)

Die deutsche Marathonszene im Jahr 2019

Teil 2: Das Ranking
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Platzierung 2019 2018 Änderung
Berlin 1 1 0
Frankfurt 2 2 0
Hamburg 3 3 0
Köln 4 4 0
München 5 5 0
Rennsteiglauf 6 6 0
Düsseldorf 7 7 0
Hannover 8 8 0
Münster 9 9 0
Dresden Stadt 10 10 0
Bremen 11 11 0
Mainz 12 14 +2
Karlsruhe 13 13 0
Bonn 14 17 +3
Freiburg 15 18 +3
Dresden Oberelbe 16 12 -4
Brocken Marathon 17 16 -1
Gelsenkirchen 18 20 +2
Leipzig 19 22 +3
Monschau 20 30 +10
Mannheim 21 25 +4
Ulm 21 19 -2
Duisburg 23 21 -2
Heilbronn 23 24 +1
Essen 25 23 -2
Kandel 26 27 +1
Mitteldeutscher 27 50 +23
Schwarzwald Marathon 28 35 +7
Allgäu-Panorama 29 35 +6
Lübeck 30 34 +4
Bottwartal 31 45 +14
Füssen 31 26 -5
Würzburg 33 32 -1
Kassel 34 33 -1
Oldenburg 35 31 -4
Regensburg 36 29 -7
Usedom 37 57 +20

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Fünfzehn Jahre umfasst die LaufReport-Datensammlung über die deutschen Marathons inzwischen. Und seit dem Aufsatzpunkt in der Saison 2005 - wer jetzt nicht glaubt, dass bis zum Jahr 2019 tatsächlich fünfzehn Jahrgänge zusammen kommen, kann gerne die Finger zum Durchzählen benutzen - ging es in den dazu veröffentlichten Kommentaren meist um Teilnehmerrückgänge. Fast jedes Mal lieferten die Vergleiche mit dem Vorjahr bei den einzelnen Veranstaltungen mehr rote als schwarze Zahlen.

Und auch in der Summe zeigten die Pfeile oft nach unten. Von einst annähernd hundertfünfzigtausend Zieleinläufen - denn nur diese in den Ergebnislisten öffentlich zugänglichen Daten werden als Basis für die LaufReport-Analyse heran gezogen - auf der Marathondistanz in Deutschland waren nur einige Jahre später nur noch gut einhunderttausend übrig geblieben. Selbst wenn in dieser Hinsicht ausgerechnet die Ausgangsbasis von 2005 das bisherige Allzeithoch darstellt und die Gesamtzahlen sich seit einiger Zeit stabilisiert haben, ist ein Schwund von etwa dreißig Prozent schon dramatisch.

Zumal außerdem erwähnt werden muss, dass der Berlin Marathon in dieser Periode seine Teilnehmerzahlen um einen fünfstelligen Wert steigern konnte - von etwas über dreißigtausend im Jahr 2005 auf nun mehr als vierzigtausend Läufer im Ziel - und damit alleine bereits ungefähr vierzig Prozent zur Gesamtsumme beiträgt. Schon aufgrund simpler Mathematik müssen die Verluste der anderen Veranstaltungen im Land deshalb im entsprechenden Zeitraum noch deutlich größer sein.

Dass der Hauptstadtlauf nach dem erstmaligen Übertreffen der Vierzigtausendermarke im Vorjahr dennoch weitere Luft nach oben besitzt, zeigen die aktuellen Daten. Denn erneut wuchs die Ergebnisliste um weit mehr als dreitausend Einträge auf nun etwas über vierundvierzigtausend Namen. Abgesehen von Berlin selbst gibt es nur noch vier weitere deutsche Marathons, die überhaupt mehr Läufer im Ziel haben als diesmal bei diesem Megarennen einfach nur hinzukamen.

Absolut

Zur besseren Übersichtlichkeit sind nur die 20 Marathons grafisch aufgeführt, die aus den Marathons ab 300 Finisher eine signifikante Änderung aufweisen. Auf der Plusseite alle mit einem Zuwachs ab 81 Finisher. Auf der Minusseite alle ab 68 Finisher weniger im Ziel.

In der Grafik fehlen somit: Leipzig (+69), Gelsenkirchen (+60), Schwarzwald (+52), Heilbronn (+46), Allgäu Panorama (+30), Brockenmarathon (+28), Lübeck (+21), Kandel (+19), Karlsruhe (0), Würzburg (-16), Essen (-21), Rennsteig (-25), Kassel (-27), Ulm (-29), Dresden Oberelbe (-52), Duisburg (-53), Oldenburg (-58).

Die eigentlich längst nicht mehr als "Konkurrenten" oder "Verfolger" zu bezeichnenden Veranstaltungen in Frankfurt und Hamburg, die sich seit mehr als einer Dekade auf den Rängen zwei und drei abwechseln, erreichen jeweils nicht mal ein Viertel dieser Zahl. Und man muss schon die vierzehn nächstgrößten Läufe zusammen addieren, um in der Summe die Berliner Zieleinläufe irgendwie übertreffen zu können.

In der Geographie gibt es für die eindeutige, fast erdrückende Dominanz einer Stadt über den Rest des Landes den Begriff "primate city". Selbst wenn es eine solche bezüglich der in der ursprünglichen Definition benutzten Parameter wie Einwohnerzahl, wirtschaftliche, politische, administrative und kulturelle Bedeutung in Deutschland - anders als zum Beispiel in Frankreich oder Großbritannien, aber auch in Österreich - eigentlich nicht gibt, in der Marathonszene hat Berlin eindeutig diese Rolle eingenommen.

Und während ansonsten alle anderen Veranstaltungen brennend daran interessiert sind, mehr Teilnehmer anzulocken, kann man an der Spree weiterhin selbst entscheiden, wie viele der eingehenden Meldungen man denn nun wirklich annehmen möchte und wie groß dadurch der Abstand zu den übrigen Läufen der Republik werden soll. Der begrenzende Faktor ist nicht das Interesse der potentiellen Teilnehmer sondern einzig und allein die eigene Logistik.

Trotz der wohl höchsten Marathon-Startgebühren in Deutschland wird seit etlichen Jahren für jede Auflage frühzeitig ein "ausgebucht" vermeldet. Inzwischen setzt man in Berlin wie in New York, London oder Tokyo sogar schon auf ein Losverfahren, um den Ansturm aus der ganzen Welt in den Griff zu bekommen.

Denn es ist eben auch ein bemerkenswerter Aspekt des Berliner Wachstums, dass gerade noch ein Drittel aller Zieleinläufe am Brandenburger Tor auf deutsche Sportler entfällt. Alleine zehn Prozent der Teilnehmer reisen inzwischen aus den USA an. Auch Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer und - aufgepasst - Chinesen stellen problemlos vierstellige Kontingente. Die einst als zweitstärkste Nation aufgetretenen Dänen tummeln sich zwar ebenfalls noch in dieser Region. Doch längst haben ihnen andere den Rang abgelaufen.

In Hamburg behaupten die Skandinavier ihre Position als größte Gästegruppe allerdings weiterhin problemlos. Fast ein Zehntel aller Teilnehmer an der Elbe stellen unsere nördlichen Nachbarn. Wobei allerdings für etliche von ihnen die Hansestadt vom eigenen Wohnort auch nicht weiter entfernt ist, als die ganz im Osten des Landes gelegene dänische Hauptstadt Kopenhagen.

Wie schon im Vorjahr rettete sich der Hamburger Marathon gerade so in die Fünfstelligkeit. Ganz so knapp wie im Vorjahr, als man mit gerade einmal fünfzehn Läufern weniger im Ziel erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder unter diese psychologisch so wichtige Marke gerutscht wäre, ging es diesmal zwar nicht aus. Aber ein Plus von siebenundachtzig Sportlern ist wohl eher eine Punktlandung als ein wirkliches Wachstum. Relativ gesehen hat sich die Teilnehmerzahl um nicht einmal ein Prozent verändert.

Ganz ähnliches lässt sich auch für die ewige Konkurrenz aus Frankfurt vermelden. Selbst wenn hier das Vorzeichen der Entwicklung zum Vorjahr rein rechnerisch negativ ist, bleiben die Zahlen bei genauerem Hinsehen eigentlich ebenfalls unverändert. Für einen Platztausch zwischen den beiden großen Antipoden - ein Begriff der aufgrund der meist genau ein halbes Jahr auseinander liegenden Termine Ende April und Ende Oktober absolut passt - reichen solch marginale Änderungen keineswegs aus.

Allerdings ist der Vorsprung der Hessen auf Platz zwei gegenüber den Hanseaten auf dem dritten Rang von etwa sechshundert auf nun nur noch rund vierhundertfünfzig Teilnehmer geschrumpft. Ein komfortables Polster ist das nicht unbedingt, weitere Positionswechsel in den kommenden Jahren erscheinen wie schon in der Vergangenheit jederzeit möglich. Es ist eigentlich sogar immer eine der spannendsten Fragen bei der Zusammenstellung der Daten, wer es denn im aktuellen Jahr nun auf den Vizeplatz geschafft hat.

Relativ

Zur besseren Übersichtlichkeit sind nur die 19 Marathons grafisch aufgeführt, die aus den Marathons ab 300 Finisher eine signifikante Änderung aufweisen. Auf der Plusseite alle mit einem Zuwachs ab 14,61 Prozent. Auf der Minusseite alle ab 7,12 Prozent weniger im Ziel.

In der Grafik fehlen somit: Leipzig (+11,52%), Bonn (+11,01%), Hannover (+10,00%), Gelsenkirchen (+9,84%), Heilbronn (+9,18%), Allgäu Panorama (+8,43%), Berlin (+8,03%), Lübeck (+5,85%), Kandel (+4,08%), Brockenmarathon (+3,73%), Hamburg (+0,87%), Karlsruhe (0), Frankfurt (-0,64%), Rennsteig (-0,79%), Essen (-4,06%), Würzburg (-4,17%), Ulm (-4,73%), Dresden Oberelbe (-6,12%).

Doch sind diese zwei Marathons gut gefestigt, besitzen einen relativ großen Läuferstamm und haben sich ihrerseits weit von den übrigen Rennen im Land entfernt. Von hinten droht nicht die geringste Gefahr. Denn die nächsten beiden Läufe der Rangliste - Köln und München - haben sich zuletzt unterhalb der Fünftausendermarke eingependelt, kommen also nicht einmal mehr auf die Hälfte der Teilnehmer. Die Zeiten, als man zumindest mit Frankfurt in einer Liga spielte, sind lange vorbei.

Und während beide Veranstaltungen bei den angeschlossenen Halbmarathons ihre Größe halten konnten, büßten sie 2019 auf der Hauptdistanz erneut ein. Köln gingen verglichen mit der letzten Austragung mehr als vierhundert, München über dreihundert Marathonis verloren, was in relativen Zahlen erneut den Schwund von beinahe einem Zehntel der jeweiligen Felder bedeutet.

Seit dem Jahrtausendwechsel kamen in der bayerischen Hauptstadt nie weniger Sportler ins Marathonziel als dieses Mal. Und die Rheinländer lagen in ihrer Veranstaltungshistorie bisher nur zweimal knapp unter dem diesjährigen Ergebnis. Vom eigenen Rekordwert aus dem Jahr 2002 ist man in der Domstadt ohnehin meilenweit entfernt. Der war schließlich mehr als dreimal so hoch.

Dass man sich gegenseitig die Teilnehmer weggenommen haben könnte, weil die Rennen in den hinsichtlich der Einwohnerzahl in Deutschland auf Position drei und vier geführten Städten am gleichen Tag stattfanden, ist eher unwahrscheinlich. Die Entfernung ist doch ziemlich groß und die Einzugsgebiete verschieden.

Zudem liegen die beiden auch sonst in der Regel nur eine Woche auseinander. Und die Zahl der Läufer, die an zwei Sonntagen nacheinander diese Distanz unter die Sohlen ihrer Schuhe nehmen, ist doch recht überschaubar. Von den eingefleischten Marathonsammlern ziehen es ohnehin viele vor, nicht ständig nur bei den großen City-Rennen anzutreten und zur Abwechslung immer wieder kleine Läufe durch die Natur in den eigenen Startkalender einzustreuen.

In die Kategorie "Landschaftsmarathon" gehört die Thüringer Traditionsveranstaltung auf dem Rennsteig natürlich eindeutig. Doch "klein" ist sie sicher nicht. Denn alleine über die in Neuhaus beginnende Marathonstrecke kommen regelmäßig mehr als dreitausend Sportler in den Zielort Schmiedefeld gerannt.

Beim aus der entgegengesetzten Richtung in Eisenach gestarteten Ultra rutschte man inzwischen zwar wieder knapp unter die zuletzt auch schon einmal übertroffene Marke von zweitausend Einträgen in die Ergebnisliste. Doch blieb man damit zum einen eindeutig größter deutscher Lauf auf der Überdistanz und zum anderen noch der sechstgrößte Marathon im Land.

In der Spitzengruppe sind die Thüringer damit zwar weiterhin ein Außenseiter. Doch nachdem einige andere Veranstaltungen - insbesondere jene abseits asphaltierter Großstadtpisten - ebenfalls angefangen haben ihr Wettkampfprogramm nicht mehr nur nach unten sondern auch nach oben zu erweitern, steht der Rennsteiglauf mit der Kombination von Marathon und Ultra längst nicht mehr ganz so alleine wie früher.

Fünfundzwanzig gegenüber dem Vorjahr weniger ausgegebene Marathonmedaillen sind eigentlich nicht der Rede wert. Neben Frankfurt und Hamburg wiederholte damit noch ein dritter Lauf in der Spitzengruppe praktisch exakt das bei der letzten Auflage vorgelegte Ergebnis und hat nur eine Änderungsrate im Nachkommabereich. Doch wenn so etwas bei einer Veranstaltung nun wirklich überhaupt nicht überrascht, dann ist es beim Rennsteiglauf.

Schließlich hatte keine deutsche Veranstaltung bezüglich der Zahl ihrer Teilnehmer im Laufe der Jahre eine geringere Schwankungsbreite. Der Maximal- und der Minimalwert in den immerhin eineinhalb Dekaden umfassenden LaufReport-Aufzeichnungen liegen gerade einmal zwanzig Prozent auseinander. Und vom Ausgangswert ist man nur einige Prozent entfernt. Die Ausschläge bei der Konkurrenz sind da - unabhängig von ihrem langfristigen Entwicklungstrend - meist weitaus größer.

Beim Rennsteiglauf bewegt man sich mit den aktuellen Zahlen sogar etwas im oberen Bereich des erwähnten engen Korridors. Und dessen Grenze wurde zu allem Überfluss noch bei der vierzigsten Auflage festgelegt, ist also mit einem kleinen Sternchen zu versehen. Denn wie sich immer wieder bei der Datenermittlung zeigt, treiben Jubiläen den Zuspruch spürbar nach oben. Auf dem Thüringer Fernwanderweg scheint also weiterhin alles im grünen Bereich zu sein.

Es ist durchaus bemerkenswert, dass praktisch alle Veranstaltungen, die über die Jahre eine auch nur annähernd vergleichbare Konstanz aufweisen, im Osten der Republik zu finden sind. Zu nennen wären diesbezüglich die beiden Dresdner Marathons in der Stadt und entlang der Elbe, der Leipzig Marathon sowie der über den Brocken führende Harzgebirgslauf von Wernigerode.

Allen ist gemein, dass sie im laufenden Jahr nur wenig über oder unter ihrem Ergebnis von 2005 lagen und sich alleine durch das bloße Halten dieses Wertes um etliche Plätze in der Rangliste verbessern konnten. So gesehen war es vermutlich sogar ein Vorteil, im Gegensatz zu vielen anderen Läufen vom Marathonhype kurz nach der Jahrtausendwende verschont worden zu sein und eine deutlich niedrigere Ausgangsbasis zu haben. Denn diese bildete vielleicht viel eher das wahre Potenzial der Veranstaltung ab.

Verglichen mit dem Rennsteig sieht die Situation in Düsseldorf ganz anders aus. Denn obwohl man sich in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen auf dem siebten Rang behaupten konnte, ist ein neuer Minusrekord zu bilanzieren. Gegenüber der Erstauflage im Jahr 2003 haben sich die Teilnehmerzahlen nun ziemlich genau halbiert. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass es andere - auch das Rennen des ewigen rheinischen Rivalen Köln - im gleichen Zeitraum noch viel heftiger gebeutelt hat.

Zum wiederholten Male tritt dabei eine in der LaufReport-Analyse des Vorjahres gemachte Vermutung tatsächlich ein. Auch wenn sich ansonsten die meisten Prophezeiungen für die Zukunft später dann als ziemlicher Unfug herausstellen, liegt man angesichts etlicher Beispiele aus der Vergangenheit in der Regel nicht unbedingt verkehrt, wenn man einem Marathon, der seinem Programm einen neuen Halbmarathon hinzufügt, einen weiteren Teilnehmerrückgang vorhersagt.

Eigentlich sind die Düsseldorfer mit einem Schwund von 235 Marathonis dabei sogar noch ganz gut weggekommen. Andere haben sich ihren namensgebenden Hauptlauf mit einer solchen - aus wirtschaftlicher Sicht vielleicht nachvollziehbaren - Entscheidung noch viel mehr geschwächt. Alleine die Entwicklung beim Kölner Nachbarn bietet da ausreichend Anschauungsmaterial.

Doch schon bei der ersten Austragung ist der Halbe hinsichtlich der Zieleinläufe auf der Rheinuferpromenade am Marathon vorbei gezogen. Es wird sicher spannend in den nächsten Jahren zu beobachten, ob auch in Düsseldorf wie bereits bei so vielen anderen Veranstaltungen im Land, die zweiundvierzig Kilometer zum reinen Rahmenprogramm eines dominanten Halbmarathons werden.

Obwohl diese Entwicklung tatsächlich in nahezu allen vergleichbaren Fällen zu beobachten ist, stellt es keineswegs ein unumstößliches Naturgesetz dar, dass eine starke Unterdistanz zwangsläufig immer zu einem schwächer werdender Marathon führen muss. Hannover auf Rang acht der deutschen Rangliste ist eines der seltenen Gegenbeispiele.

Denn obwohl auch in der Leinestadt auf der Halbdistanz inzwischen fast viermal so viele Sportler unterwegs sind wie auf der Langstrecke, sind die Marathon-Teilnehmerzahlen im Laufe der Zeit trotzdem langsam aber kontinuierlich nach oben gegangen. Nachdem man im Vorjahr erstmals seit den Neunzigerjahren wieder die Marke von zweitausend Teilnehmern knacken konnte, kamen nun noch einmal gut zweihundert Zieleinläufe hinzu.

Abgesehen von Berlin und Frankfurt hat im Verlauf der jährlichen LaufReport-Analysen in absoluten Zahlen keine Veranstaltung stärker zugelegt. Relativ zum Ausgangswert des Jahres 2005 kann beim Wachstum ohnehin niemand aus der Konkurrenz mithalten. Gleiches gilt auch für den Sprung in der Platzierung. Denn damals noch auf Position dreiundzwanzig der Größenrangliste geführt, hat der Hannover Marathon inzwischen sogar die Düsseldorfer auf Rang sieben in greifbarer Nähe.

Woraus das Erfolgsrezept der Niedersachsen besteht, ist schwer zu sagen. Denn auf den ersten Blick unterscheidet sich der Lauf eigentlich kaum in irgendetwas markant von seinen Mitbewerbern. Alle Versatzstücke lassen sich irgendwie auch bei anderen Veranstaltungen finden. Und ohne den Hannoveranern zu nahe treten zu wollen, muss man ergänzen, dass ihre Stadt auch nicht zu den absoluten Top-Zielen für Touristen zählt. Selbst der Termin im hart umkämpften April scheint nicht unbedingt vorteilhaft. Doch es funktioniert.

Wenn das Geheimnis entschlüsselt wäre, hätte man in Münster wohl durchaus Interesse daran. Denn ähnlich wie die Rheinländer aus Düsseldorf müssen die Westfalen einen neuen Minusrekord verbuchen. Und auch am Aasee haben sich die Teilnehmerzahlen seit den Anfangstagen vor knapp zwei Jahrzehnten halbiert. Dass man sich dennoch über praktisch die gesamte Zeit sicher in den Top Ten halten konnte, hat längst mehr mit der Schwäche der Konkurrenz als mit wirklich eigener Stärke zu tun.

Bis hierhin war alles normal. Kein einziger Marathon hat seinen Vorjahresplatz verändert, bei keinem einzigen wiederspricht die Entwicklung dem langfristigen Trend. Und selbst wenn einige Veranstaltungen in absoluten Zahlen dreistellige Verluste schreiben, bleiben die relativen Änderungen im einstelligen Bereich. Die ganz großen Abstürze fehlen genauso wie drastische Sprünge nach oben.

Fast jeder der bisher gelesenen Sätze hätte an gleicher Stelle auch in einem der früheren Kommentare auftauchen können. Und vermutlich wurden etliche von ihnen sogar in ähnlicher Form schon einmal in der Vergangenheit formuliert. Selbst dass der zehntplatzierte Dresdner Marathon, der im Vorjahr unter die Tausendermarke gerutscht war, nun wieder vierstellig ist, stellt keine riesige Umwälzung dar. Denn Zehnter waren die Sachsen auch schon im Vorjahr.

Doch bei der Betrachtung der Veranstaltungen auf den dahinter folgenden Rängen, fällt tatsächlich etwas ziemlich Bemerkenswertes auf. Erstmals seit langem gibt es nämlich bis hinunter zu Position dreißig oder vierzig bei den Veränderungen deutlich mehr schwarze als rote Zahlen. Und bei den eher wenigen Marathons, bei denen es Einbußen gibt, bleiben diese auch meist in einem überschaubaren Rahmen.

Zum ersten Mal seit weit über einem Jahrzehnt steigt die Zahl der Marathons mit mehr als tausend Läufern in Deutschland wieder an. Neben Dresden übersprangen nämlich in diesem Jahr auch Bremen und Mainz diese Marke. Nun gibt es wieder zwölf Läufe in der Vierstelligkeit, was zwar dem Vergleich mit dem doppelt so hohen Wert vor fünfzehn Jahren absolut nicht standhält, aber immerhin einen kleinen Lichtblick darstellt.

Und während die Hansestadt sich schon seit längerem im Stile eine Fahrstuhlmannschaft stets entlang dieser augenfälligen Grenze auf und ab gehangelt hat, durchbricht man in der Fastnachtshochburg mit einem Zuwachs von mehr als zweihundert Marathonis einen langjährigen Abwärtstrend. Für Jubelschreie dürfte es in Rheinhessen aber wohl doch deutlich zu früh sein. Denn zum einen wurde die Grenze wirklich gerade so übertroffen.

Zum anderen - und wohl viel wichtiger - wurde der Gutenberg-Marathon in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal ausgetragen. Und so mancher Teilnehmer aus der Vergangenheit dürfte sich angesichts der runden Zahl zu einem weiteren Start aufgerafft haben. Deshalb steht zu befürchten, dass es sich bei dieser deutlichen Aufwärtsbewegung nur um einen einmaligen Ausreißer aufgrund des Jubiläumseffekts und nicht etwa um eine echte und dauerhafte Trendwende handelt.

Mainz ist übrigens als Zwölfter der erste Marathon in der Liste, der seinen Platz verändert hat. Ganze zwei Positionen ging es aufwärts. Über mangelnde Konstanz kann die deutsche Marathonszene in den letzten Jahren nun wahrlich nicht klagen. Mehr Auf und Ab als eine Handvoll Positionen gab es trotz des dort herrschenden Gedränges auch im Mittelfeld zuletzt eher selten. Bemerkenswerte Neuzugänge fehlen ohnehin schon seit Längerem. Und namhafte Aussteiger lassen in diesem Jahr genauso wenig aufzählen.

Dass Karlsruhe hinter Mainz seinen dreizehnten Rang verteidigt, ist also nicht unbedingt ungewöhnlich. Dass man in Baden bei den Zieleinläufen allerdings wirklich ganz exakt den Vorjahreswert trifft, hat dann doch weniger mit Konstanz als vielmehr mit großem Zufall zu tun. In den ja immerhin eineinhalb Jahrzehnte zurückreichenden LaufReport-Zeitreihen gibt es einen solchen Effekt nämlich zum allerersten Mal.

Bonn und Freiburg verbessern sich dahinter sowohl hinsichtlich der Zieleinnläufe als auch der Platzierung. Überhaupt schreibt von den Läufen bis Rang zwanzig einzig der Oberelbe-Marathon leicht rote Zahlen. Auch der Harzgebirgslauf und der Ruhrmarathon sowie Leipzig, Monschau und Mannheim legten zu. Über die absoluten Werte würde man dabei zwar bei den richtig Großen nur die Schultern zucken, relativ gesehen bedeutet es für viele der Genannten aber eine zweistellige Wachstumsrate.

Dem Traditionslauf im Eifelstädtchen Monschau verhalf dabei ein neu geschaffener "Genuss-Marathon" ohne Wettkampfcharakter zu einem ordentlichen Zuwachs. Fast fünfzig Prozent betrug die Veränderung gegenüber 2018. Nun kann man sicher darüber diskutieren, ob die Teilnehmer eines solchen - zudem noch deutlich vor dem Hauptfeld gestarteten - Laufes überhaupt mitgezählt werden sollten. LaufReport hat sich dazu entschieden, es zu tun.

Schließlich haben sie ebenfalls die Marathondistanz zurückgelegt - und zwar fast alle mindestens in Zeiten, die man genauso problemlos in den Listen großer Stadtmarathons finden kann. Auch in Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist es im Hinterfeld mit Wettkampfcharakter meist nicht weit her. Selbst der separate Start ist kein wirklich starkes Argument. Denn die großen Cityveranstaltungen schicken ihre Felder nahezu ausnahmslos ebenfalls in mehreren, zeitverschobenen Wellen auf die Strecke.

Einen noch viel deutlicheren Satz machte der Mitteldeutsche Marathon von Leipzig nach Halle, der sein Startfeld fast schon verdoppeln kann. Doch auch hier sind ein paar Anmerkungen nötig. Denn einerseits kommt man wirklich von ziemlich weit unten, war im letzten Jahr sogar mangels Größe aus der erst bei dreihundert Zieleinläufen beginnenden LaufReport-Liste heraus gefallen.

Und außerdem war diesmal der Sparkassenmarathon integriert, bei dem jährlich an einem anderen Ort die Sparkassenorganisation ihre schnellsten Läufer ermittelt. Nimmt man all jene Sportler aus den Ergebnissen heraus, die für eine Sparkasse oder Landesbank antraten, bleibt von den vermeintlich deutlichen Zuwächsen nur noch ein Drittel übrig. Immerhin hätte es auch so für den Wiedereintritt in die Gruppe der hier genauer betrachteten Rennen gereicht.

Für Traditionalisten ist es schön zu sehen, dass neben Monschau auch andere Läufe mit langer Geschichte wie Kandel oder der Schwarzwaldmarathon eine ganz leichte Erholung zeigten und nicht noch tiefer in den Abwärtsstrudel gerieten. Doch Gegenbeispiele lassen sich eben leider auch entdecken. Für Duisburg, einen der ältesten deutschen Stadtmarathons, ist zum Beispiel ein neuer Tiefstwert zu notieren.

Und im nahen Essen muss man beim ältesten ununterbrochen ausgetragenen deutschen Marathon in den Annalen wohl einige Jahrzehnte bis zur Frühzeit der Volkslaufbewegung zurück blättern, um eine Auflage zu finden, bei der man weniger als fünfhundert Läufer im Ziel verzeichnet hatte. Diesmal lag man am Baldeneysee nämlich um vier Sportler unter dieser Marke.

Am heftigsten schlug es im Bundesland Bayern ein, wo Fürth mit deutlichen Verlusten unter die Grenze von dreihundert Zieleinläufen rutschte und damit aus der Menge der in den LaufReport-Analysen graphisch aufbereiteten Veranstaltungen heraus fiel. Ganz ähnlich ging es auch dem Wintermarathon von Bad Füssing. Und sowohl in Regensburg wie auch in Füssen fehlte dieses Jahr in der Summe rund ein Viertel der im letzten Jahr gezählten Teilnehmer.

Nimmt man das Münchner Minus noch hinzu, erscheint der weiß-blaue Freistaat ausnahmsweise einmal tiefrot im Südosten der Deutschlandkarte. Die zweite offene Flanke ist der Westen der Republik. Denn selbst wenn sich die mittleren und kleineren Marathons der Rhein-Ruhr-Region weit weniger einheitlich präsentieren und zum Teil auch zulegen, können sie die Verluste von Köln, Düsseldorf und Münster nicht im Entferntesten abfedern.

Aber insgesamt wächst die Zahl der Zieleinläufe in Deutschland. So hoch wie 2019 war sie schon einige Jahre nicht mehr. Natürlich schlägt hierbei vor allem der Berlin Marathon durch, der noch einmal ordentlich zugelegt hat und eigentlich im Alleingang für das Plus sorgt. Doch die Läufe im Mittelfeld können ebenfalls etwas beitragen. Diesmal liegt das Manko eindeutig in der zweiten Reihe. Würden dort nicht einige Veranstaltungen weiter erkennbar schwächeln, käme man auch ohne Berlin auf ein leichtes Plus.

Natürlich bleiben diese Zahlen eine reine Momentaufnahme. Aus ihnen bereits endgültig abzuleiten, dass die deutsche Marathonszene die Talsohle nun durchschritten habe und es nach Jahren der Stagnation endlich wieder aufwärts ginge, wäre bei einem rein wissenschaftlich-statistischem Blick auf die Daten geradezu vermessen. Doch dass angesichts der zwar leichten, aber relativ breit gestreuten Zuwächse ein bisschen Hoffnung aufkeimt, ist trotzdem durchaus zulässig.

Dass zumindest einige Absätze in diesem Kommentar ein wenig anders klingen als in den fast schon zu Depressionen verleitenden Vorjahren, ist ein kleiner Fingerzeig. Vielleicht zeichnet sich tatsächlich ein Ende der deutschen Sonderrolle ab und man nähert sich wieder den meist positiven Entwicklungen in der Nachbarschaft an. In den nahezu allen anderen Ländern - sowohl in Europa als auch im Rest der Welt - zeigte der Trend im Marathon schließlich zuletzt spürbar nach oben.

Es wäre schön, wenn man 2020 an dieser Stelle von einer weiteren Erholung berichten könnte. Doch dafür müssen die Läufer eben erst einmal mit ihren Füßen abstimmen.

Text: Ralf Klink 

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