Rückblick auf die Berglauf-Saison 2013 im LaufReport

von Winfried Stinn

Europameisterschaft in Borovets

Die Juniorin Melanie Albrecht (LG Unterländer) sorgte mit dem Gewinn der Goldmedaille in der U20 bei der Berglauf Europameisterschaft in Borovets (Bulgarien) für das Top Ergebnis in der zurückliegenden Saison. Auf der 3,5 km langen Strecke, mit 530 Höhenmetern, gewann sie in 25:49 Minuten. Julia Lettl (SV Spiegelau), die ein Jahr zuvor Vize Weltmeisterin in der U20 wurde, und so als Mitfavoritin an den Start ging, kam auf Platz fünf. In der Mannschaftswertung verpassten Melanie Albrecht, Julia Lettl und Sabine Wallner (WSV Rabenstein/ 28.) als Vierte (punktgleich mit der Türkei) nur denkbar knapp eine Medaille.

Melanie Albrecht gewinnt Gold bei der Europameisterschaft in der U20 Hauchdünn an Bronze vorbei: Die deutschen Juniorinnen mit (v.l.) Julia Lettl, Europameisterin Melanie Albrecht und Sabine Wallner

Eine Wachablösung gab es bei den Männern. Nach sechs Titelgewinnen musste sich Ahmet Arslan (Türkei) diesmal mit Platz drei zufrieden geben. Neuer Europameister auf der 11,8 km langen Strecke (Höhendifferenz: +1152m/-151m) wurde der Italiener Bernhard Dematteis in 56:30 Minuten vor seinem Landsmann Alex Baldaccini. Benedikt Hoffmann (TSG Heilbronn), eigentlich Bahn- und Straßenläufer, der aber schon 2012 mit dem Gewinn der deutschen Vizemeisterschaft überraschte, belegte als bester Deutscher einen sehr guten zwölften Platz. Timo Zeiler (LG Brandenkopf) kam auf Platz 26. Stefan Hubert (SV Sömmerda) auf Platz 30. In der Mannschaftswertung wurde das DLV-Team Fünfter.

Wachablösung bei den Männern: Bernard Dematteis wird neuer Europameister Alex Baldaccini gewinnt Silber gegen den sechsfachen Europameister Ahmet Arslan Starkes EM-Debüt für Benedikt Hoffmann als Zwölfter

Ihrer Favoritenrolle gerecht wurde die vierfache Berglauf Weltmeisterin Andrea Mayr (Österreich), die vor der Weltmeisterin von 2009 Valentina Belotti (Italien) gewann und damit, nach 2005 in Heiligenblut, ihren zweiten Europameisterschaftstitel feiern konnte. Für die 8,8 km lange Strecke mit einer Höhendifferenz von 1027 Meter benötigte die Österreicherin 51:49 Minuten und hatte damit einen Vorsprung von mehr als einer Minute auf die Zweitplatzierte. Dritte wurde die Slowenin Mateja Kosovelj. Die deutsche Meisterin Melanie Noll (TSV Annweiler) belegte Platz 18. Birgit Unterberger (OSC Berlin) errang Platz 23. Mannschaftssieger wurden bei den Männern und Frauen die starken Italiener.

Die weltbeste Bergläuferin Andrea Mayr gewinnt mit einem Start-Ziel-Sieg den EM-Titel Valentina Belotti gewinnt Silber Birgit Unterberger wird 23. Melanie Noll läuft auf Platz 18

Weltmeisterschaft in Krynica Zdrój

Weniger erfolgreich war das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft in Krynica Zdrój (Polen). Da diesmal turnusgemäß auf einem bergauf/bergab führenden Kurs gelaufen wurde, und dies bei den meisten deutschen Bergläufer/innen auf wenig Gegenliebe stößt, war das DLV Aufgebot auch entsprechend klein.

Die überragenden Nationen waren Uganda und Italien mit vier- bzw. drei Titelgewinnen. Bei den Männern gab es auf der 13,56 km langen Strecke (Höhendifferenz: +/- 838 m) einen vierfachen Triumph für die Läufer aus Uganda. Philip Kiplimo gewann in 54:22 Minuten vor Geoffrey Kusuro (55:06), Nathan Ayeko und Peter Kibet. Dahinter belegte als bester Europäer der amtierende Europameister Bernard Dematteis (Italien) Platz fünf. Lediglich der sechsfache Europameister Ahmet Arslan (Türkei) als achter und Martin Dematteis (Italien) als zehnter konnten sich als weitere Europäer unter den Top Ten platzieren. Der einzige deutsche Starter Fabian Alraun (LG Telis Finanz Regensburg) gab auf.

Startszene der Männer bei der WM in in Krynica Zdrój mit dem späteren Sieger Philip Kiplimo (vorne) Der Europameister Bernard Dematteis (vorne) läuft als bester Europäer auf Platz 5. Ahmet Arslan wird 8.

Bei den Frauen trumpften die Italienerinnen auf. Alice Gaggi gewann auf der 9,08 km (HD +/-561m) in 42:47 Minuten Gold vor Emma Clayton (Großbritannien). Auf Platz drei kam mit Elisa Desco eine weitere Italienerin. Desco meldete sich damit nach ihrer Dopingsperre eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. Schon bei der Europameisterschaft hatte sie als Vierte gezeigt, dass wieder mit ihr zu rechnen ist. Birgit Unterberger (OSC Berlin) stürzte in der letzten Runde, erreichte aber dennoch mit Platz 33 das beste Resultat aus deutscher Sicht. Tanja Grießbaum (LG Rülzheim) kam auf Platz 55 und Simone Raatz (LG Region Karlsruhe) auf Platz 72.

Vize Weltmeisterin Emma Clayton spürt schon die Verfolgung der späteren Weltmeisterin Alice Gaggi Der einzige deutschen Starter im Männerfeld Fabian Alraun gab das Rennen vorzeitig auf Die deutsche Frauenmannschaft mit (v.l.) Tanja Grießbaum, Simone Raatz und Birgit Unterberger bei der WM in in Krynica Zdrój

Langstrecken Weltmeisterschaft in Szklarska Poreba

Die Langstrecken Weltmeisterschaft fand in Szklarska Poreba/Polen statt. 44 km bei 2150 Meter bergauf und 1380 Meter bergab galt es zu laufen. Bei den Männern gewann Mtja Kosovelj (Slowenien) vor Andrew Davies (Wales) und Ionut Zinca (Rumänien). Die erfolgreiche Skilangläuferin Antonella Confortola Wyatt (Italien), die bereits 2002 in Innsbruck Berglauf Vize-Weltmeisterin wurde, gewann bei den Frauen überlegen vor Omella Ferrara, ebenfalls Italien. Dritte wurde Anna Celinska (Polen). Deutschland war nur mit Lea Bäuscher vertreten, die das Ziel aber nicht erreichte.

Masters Weltmeisterschaften auch in Jenské Lazne

Erfolgreich waren die deutschen Seniorinnen und Senioren, die wie schon bei den vergangenen Masters Weltmeisterschaften auch in Jenské Lazne (Tschechische Republik) eifrig Edelmetall sammelten. Insgesamt gab es 15 Goldmedaillen zu bejubeln, davon sechs Goldmedaillen in den Einzelwertungen. Drei Silber- und zehn Bronzemedaillen ergänzen die eindrucksvolle Bilanz. Gold gewannen Paul Sichermann (M45/TSV Ansbach), Wilhelm Dengler (M55/LAV Stadt Tübingen), Birgit Unterberger (OSC Berlin/W35), Tanja Nehme (PSV GW Kassel)/W45, Marianne Spronk (SV Viktoria Goch/W65) und Ruth Schlager (TSV Neustadt/Aisch/ W70).

Berglauf Grand-Prix

Beim Grand-Prix konnte beim Montée Du Grand-Ballon Willer-sur-Thur (Frankreich), beim Castle Mountain Running Arco (Italien), beim Grintovec MR Race Kamnik (Slovenien), bei der Berglauf Weltmeisterschaft in Krynica-Zdroj (Polen), beim Asitzgipfel MR Race Leogang (Österreich) und beim Smarna Gora MR Race Ljubljana (Slowenien) gepunktet werden. Auch beim Grand Prix präsentierte sich Italien als starke Berglauf Nation. Zwar gingen die Gesamtsiege an Azerya Teklay (Eritrea) und Mateja Kosoveil (Slowenien), aber die Plätze zwei und drei errangen bei den Männern und Frauen an die italienischen Berglauf-Asse.

Auch beim Montée Du Grand-Ballon konnte für den Grand-Prix gepunktet werden Bei den Frauen erkämpfte sich die Weltmeisterin über die Langdistanz Antonella Confortola-Wyatt den zweiten Platz

Hinter dem eritreischen Sieger belegten die beiden Italiener Alex Baldaccini und Gabriele Abate die Plätze zwei und drei. Vierter wurde der Schweizer David Schneider. Bei den Frauen erkämpfte sich Antonella Confortola-Wyatt den zweiten Platz vor Alice Gaggi. Mit Elisa Desco, Samanta Galassi und Valentina Belotti belegten die Plätze sechs, sieben und acht ebenfalls Läuferinnen aus Italien.

Deutsche Berglaufmeisterschaft am Hochfelln in Bergen/Chiemgau

Saisonhöhepunkt aus nationaler Sicht waren die deutschen Berglaufmeisterschaften, die im Rahmen des 40. Hochfelln Berglaufs in Bergen/Chiemgau ausgetragen wurden. Rund 550 Läuferinnen und Läufer aus 19 Nationen sorgten für einen neuen Teilnehmerrekord. 519 erreichten nach 8,9 km und 1074 Meter Höhenunterschied das Ziel beim 1674 Meter hoch gelegenen Hochfellnhaus, knapp unterhalb des Gipfels. Gleichzeitig wurden auch die deutschen Seniorenmeister ermittelt.

Hochfelln Berglauf, Austragungsort der deutschen Berglaufmeisterschaft 2013

Neuer Deutscher Meister wurde der 20jährige Anton Palzer (SK Ramsau). Palzer, Weltmeister beim Skibergsteigen bei den Junioren, löste damit Timo Zeiler ab, der zuvor fünf Mal hintereinander den Titel gewinnen konnte. Er gewann vor Korbinian Schönberger (LLC Marathon Regensburg) und Benedikt Hoffmann (TSG Heilbronn). Erst wenige hundert Meter vor dem Ziel lief Benedikt Hoffmann an Timo Zeiler vorbei. Timo Zeiler blieb so als Vierter ohne Medaille. "Ich hatte schon damit gerechnet, dass heute die Ablösung kommt. Ein bisschen enttäuscht, dass es mit dem sechsten Titel in Serie nicht geklappt hat, bin ich schon. Natürlich ist es schade, wenn man noch kurz vor dem Ziel die sicher geglaubte Medaille auch noch weggeschnappt bekommt. Es hat nicht sollen sein." Fünfter wurde Jonas Lehman (TuS Heltersberg). Schon als Sechster kam mit Sammy Schu (LTF Marpingen) der Juniorensieger ins Ziel. Bester Senior war auch erwartungsgemäß Matthias Hecktor (TuS Heltersberg), der als Gesamtzwölfter die M35 gewann.

Anton Palzer gewinnt die Deutsche Meisterschaft Birgit Unterberger wird beim Hochfelln Berglauf Deutsche Meisterin. Bei der Masters WM in Jenské Lazne gewann sie Gold in der W35 Michaela Schedler wird bei der deutschen Meisterschaft überraschend Zweite Korbinian Schönberger wird deutscher Vizemeister

Bei den Frauen gewann Birgit Unterberger (OSC Berlin) 13 Jahre nach ihrem ersten Titelgewinn und dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft (übrigens an gleicher Stelle) als Gesamtdritte, ihre zweite deutsche Meisterschaft. "Eine Medaille war mein Ziel, dass es die goldene wurde ist super." Auf Platz zwei kam Michaela Schedler (LAZ Saarbrücken) vor Nicola Kruhme (GutsMuths Rennsteiglaufverein) und der Titelverteidigerin Melanie Noll. Michelle Meier (Post Telekom SV Rosenheim) wurde Juniorenmeisterin. Traditionell stark bei den Frauen die Seniorinnen. Neben der Deutschen Meisterin Birgit Unterberger, die auch die W35 gewann, platzierten sich noch mit Monica Carl (LG Welfen/1.W40), Waltraud Berger (TG Salzachtal/2.W40) und Barbara Stich (LLC Marathon Regensburg/ 1.W45) drei weitere Seniorinnen unter den besten zehn.

Bevor die besten deutschen Läufer durchs Ziel liefen, war die Entscheidung um den Gesamtsieg im international erstklassig besetzten Feld längst gefallen. Wie stark der Hochfelln Berglauf auch diesmal wieder besetzt war, wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass sich der amtierende Europameister Bernhard Demattheis (Italien) mit Platz fünf begnügen musste. Selbst dem siebenfachen Berglauf Weltmeister und achtfachen Sieger des Hochfelln Berglaufes Jonathan Wyatt (Neuseeland) blieb nur Platz sieben. Dahinter kamen schon die besten deutschen Läufer.

DM 3. wird Benedikt Hoffmann DM 4. Timo Zeiler DM 5. Kerstin Straub-Bertsch DM 1. Juniorin wird Michelle Maier

Bei den Frauen gewann die Tschechin Silvia Olejarova in 54:09,9 Minuten vor der diesjährigen Weltmeisterin über die Berglauf Langdistanz Antonella Confortola Wyatt, die 55:22,4 Minuten lief. Gesamtdritte wurde die neue deutsche Meisterin Birgit Unterberger.

In den Klassefeldern schlugen sich die deutschen Läuferinnen und Läufer ganz achtbar. Das sah auch DLV Berglaufwart Wolfgang Münzel so: "Das Ergebnis der deutschen Läuferinnen und Läufer kann sich sehen lassen. Die deutschen Männer und Frauen haben in dem international stark besetzten Feld sehr gut abgeschnitten. Das macht ein wenig Mut fürs kommende Jahr. Es hat sich gezeigt, dass wir einige Männer und Frauen haben, die internationalen Ansprüchen genügen." Dass sich an der perfekten Organisation - auch nachdem Georg Anfang im Vorjahr aus Gesundheitsgründen in die zweite Reihe (zumindest offiziell) getreten ist - nichts geändert hat, konnten die beiden Vertreter des Deutschen Leichtathletik Verbandes, der Vizepräsident Matthias Reick und Wolfgang Münzel feststellen. Reick "Ich bin beeindruckt, wie bei diesem großen Feld der Ablauf reibungslos geklappt hat, das hatten die Veranstalter toll im Griff. Mit den Leistungen der deutschen Teilnehmer bin ich sehr zufrieden", äußerte sich Reick und Wolfgang Münzel ergänzte "Es war wieder alles perfekt organisiert. Die Beteiligung war sensationell."

Die drei schnellsten Frauen des 40. internationaler Adelholzener Hochfellnberglauf mit Silvia Olejarova (SVK), Antonella Confortola (ITA) und Birgit Unterberger (GER) Und die schnellsten drei Männer mit Petro Mamo (ERI), Yossief Tekle (ERI) und Andrzej Dlugosz (POL)

So fiel es dem neuen OK-Chef Jürgen Schmid bei seiner Premiere als Organisationsleiter leicht ein positives Fazit zu ziehen: "Es war eine große Herausforderung für mich gleich mit einer Deutschen Meisterschaft zu beginnen. Auch das Riesenteilnehmerfeld mit rund 550 Läuferinnen und Läufer zu bewerkstelligen, war eine Herausforderung. Ich glaube, wir haben das aber sehr gut hingekriegt, dank der vielen Helferinnen und Helfer. Natürlich konnte ich auch auf die Erfahrung des alten Berglaufchefs Bibi Anfang zurückgreifen, der auch im Hintergrund die Fäden gezogen hat."

Schwarzwald Berglauf Pokal

Neben der deutschen Meisterschaft standen noch einige Cup-Wettbewerbe auf dem Programm. Den aus sieben Wertungsläufen bestehen Schwarzwald Berglauf Pokal (Kandel-Berglauf, Hundseck-Berglauf, Hochblauen-Berglauf, Schauinsland-Berglauf, Tote Mann-Berglauf, Belchen-Berglauf und Brandenkopf-Berglauf) gewann Uwe Klauer (Freiburg FC) vor Frank Groß (Offenburg) und Holger Thoma (LT Furtwangen). Bei den Frauen siegte Annette Götz (PTSV Jahn Freiburg) vor Margarethe Grieshaber (VFL Freudenstadt) und Lisa Braun (Running Team Ortenau).

Mit dem Kandel-Berglauf in Waldkirch wurde die Berglaufsaison im Schwarzwald gestartet Annette Götz und Uwe Klauer sind die diesjährigen Gewinner des Schwarzwald Berglauf Pokal

Pfälzer Berglauf Pokal

Den ebenfalls aus sieben Läufen bestehenden Pfälzer Berglauf Pokal (Donnersberglauf, Nanstein-Berglauf, Rockie-Mountain-Lauf, Rietburg-Berglauf, Bad Dürkheimer Berglauf, Potzberglauf, Kalmit-Berglauf) sicherte sich Jonas Lehmann (TuS Heltesberg) vor Stefan Hinze (LG DUV) und Tom Heuer (TuS Heltersberg). Frauensiegerin wurde die Deutsche Meisterin von 2012 Melanie Noll (TSV Annweiler). Auf Platz zwei kam Tanja Griesbaum (LG Rülzheim). Dritte wurde Sabine Rankel (LC Bad Dürkheim).

Mit dem Donnersberglauf wird der Pfälzer Berglauf Pokal eröffnet Die diesjährige Pfälzer Berglauf Pokalsiegerin Melanie Noll wurde 4 .der DM Der 5. der DM Jonas Lehmann gewinnt den Pfälzer Berglauf Pokal bei den Männern

Salomon Trail Running Cup

Innerhalb des aus 13 Läufen bestehen Salomon Trail Running Cups gab es eine Bergwertung zu dem der Karwendel-Berglauf, der Tegelberglauf, der Hochgratberglauf, der Hochfelln-Berglauf und der Fichtelberglauf gehörten. Dominik Koch (GutsMuths RSLV) setzte sich gegen den deutschen Vizemeister Korbinian Schönberger (LLC Marathon Regensburg) und Manfred Bertold durch. Bei den Frauen gewann Nicole Kruhme (GutsMuths RSLV) vor Ulrike Mayer-Tancic (LG Telis Finanz Regensburg) und Christine Mooney (PTSV Rosenheim).

Karwendel Berglauf

Zu den anspruchsvollsten Läufen in Deutschland gehört mit einer Länge von 10,6 km und einer Höhendifferenz von 1386 Meter der Karwendel Berglauf in Mittenwald. Die Strecke führt von der Fußgängerzone über die Dammskar-Skiabfahrt hinauf zur Deutsch-Österreichischen Grenze bei der Karwendel Bergstation auf 2.291 Meter Höhe. Es gewann Andrzej Dlugosz (Polen) vor Korbinian Schönberger (LLC Marathon Regensburg). Frauensiegerin wurde die Schottin Angela Mudge, die vor 13 Jahren beim Hochfelln-Berglauf Weltmeisterin wurde. Auf Platz zwei kam Michelle Maier (PTSV Rosenheim).

Zugspitz-Extremberglauf

Der Zugspitz-Extremberglauf (17,94 km/ 2580 m HD), mit Start im österreichischen Ehrwald und dem 2944 Meter hoch gelegenen Ziel bei der Tiroler Zugspitzbahn, musste auch diesmal wieder, witterungsbedingt auf 16,61 km / 1836 Höhenmeter mit Ziel auf Sonnalpin (2580 m) verkürzt werden. Es gewann der Allgäuer Michael Barz (TSV Durach) vor dem Kenianer Torotich Isaac Kosgei und Michael Fischer (Italien). Bei den Frauen gab es durch Silvia Olejarova und Karin Freitag einen österreichischen Doppelsieg. Dritte wurde die Norwegerin Therese Sjursen.

Zugspitz-Extrem-Berglauf

Weitere witterungsbedingte Streckenänderungen

Überhaupt zeigte sich in der zurückliegenden Saison wieder einmal, wie abhängig der Berglauf von den Witterungsverhältnissen im Hochgebirge ist, und wie schnell und extrem sich die Wettersituation dort ändern kann. So mussten am letzten Wochenende im Juni mit dem Aletsch-Halbmarathon, dem Graubünden-Marathon und dem Brixen-Marathon gleich drei Hochgebirgsläufe Streckenänderungen vornehmen und das Ziel nach unten verlegen. "Die Sicherheit der Läuferinnen und Läufer hat oberste Priorität", ist der eindeutige Tenor der Veranstalter. Auch beim Kaisermarathon-Söll, der Königsetappe bei der dreitägigen Tour de Tirol, konnten nur die ersten 100 bis zum Ziel auf die Hohe Salve laufen. Für alle anderen endete der Lauf auf Hexenwasser, rund 700 Meter tiefer. Die Akzeptanz für solche Entscheidungen ist bei den Läufern zwischenzeitlich größer. Das war nicht immer so, aber die tragischen Ereignisse beim Zugspitz Extremlauf von 2008 mit zwei Todesfällen, haben zu einem Umdenken geführt.

Zugspitz-Extrem-Berglauf 2008

Zermatt Marathon

Nur eine Woche nachdem u.a. beim Aletsch-Halbmarathon, den auf verkürzter Strecke zum vierten Mal der Portugiese Costa Cäsar gewann, das Ziel nach unten verlegt werden musste, fand der Zermatt Marathon bei Bilderbuchwetter statt. Hier gab es über die Ultra-Marathonstrecke durch die Immenstädterin Alexandra Hagspiel einen deutschen Sieg. Beim Ultra Marathon galt es ab St.Niklaus (1080 Meter ü. M.) bis zum 3089 Meter hoch gelegenen Ziel auf dem Gornergrat 45,557 km zurück zu legen. Dabei ging es 2552 Meter bergauf und 444 Meter bergab. Bei den Männern gewann den Ultra Marathon Ruedi Bärtschi (Schweiz).

Aletsch-Halbmarathon Zermatt Marathon

Über die Marathonstrecke (42,105 km/ +1900 m/- 444 m) , die ebenfalls in St.Niklaus gestartet wurde, aber auf dem rund 500 Meter tiefer gelegenen Riffelberg endete, gewannen der Kenianer Paul Maticha Michieka und die Französin Aline Camboulives. Der Südtiroler Gerd Frick, der im vergangenen Jahr als Vierter knapp einen Podestplatz verpasste, belegte zum dritten Mal den zweiten Platz.

Ziel des Zermatt Ultra Marathon auf über 3000 Meter auf Gornergrat. Es gewinnt der Schweizer Ruedi Bärtschi Paul Maticha Michieka gewinnt den 12. Zermatt Marathon Aline Camboulives, die Siegerin des 12. Zermatt Marathon

Jungfrau Marathon

Die Nummer eins im internationalen Berglauf bleibt der Jungfrau Marathon mit seinen durchschnittlich 4000 Teilnehmern. Den 21. Jungfrau Marathon gewannen der Kenianer Geoffrey Gikuni Ndungu und die Österreicherin Andrea Mayr. Dabei stellte die mehrfache Berglauf Welt- und Europameisterin Andrea Mayr bei ihrem ersten Gebirgs-Marathon mit 3:20:20 Stunden einen neuen Streckenrekord auf und verbesserte die zwölf Jahre alte Marke der Schweizerin Marie-Luice Romanens um eine Minute. Der Marathon Europameister Viktor Röthlin lief bei seinem Jungfrau-Marathon-Debüt als Dritter zwar aufs Podest, musste sich aber zwei Afrikanern geschlagen geben.

Jungfrau Marathon

Der kenianische Sieger Geoffrey Gikuni Ndungu lief ausgezeichnete 2:50:28 Stunden und verfehlte den Streckenrekord des siebenfachen Berglauf Weltmeisters Jonathan Wyatt (2:49:01) nur knapp. Auch die beiden Nächstplatzierten, der Weltmeister von 2012 Petro Mamo (Eritrea) und Viktor Röthlin liefen mit 2:52:49 und 2:53:21 ausgezeichnete Zeiten. Die 21. Auflage wird als der bislang schnellste Jungfrau Marathon in die Geschichte eingehen .Mit Ausnahme der Superzeit von Jonathan Wyatt wurden noch nie solche Zeiten, selbst bei den zwei Weltmeisterschaften (2007 und 2012) erzielt.

Der Kenianer Geoffrey Gikuni Ndungu gewinnt den 21. Jungfrau Marathon Der Marathon Europameister Vktor Röthlin wird beim Jungfrau Marathon 3. Die mehrfache Berglauf Weltmeisterin Andrea Mayr siegt in neuer Streckenrekordzeit beim 21. Jungfrau Marathon

Swiss Alpine Marathon

Ihre Klasse als Ultralangstreckenläuferin im Gebirge stellte erneut die Schweizerin Jasmin Nunige unter Beweis. Sie gewann zum fünften Mal den K78 (78km und 2650 Höhenmeter) beim Swiss Alpine Marathon. Die frühere erfolgreiche Skilangläuferin hatte im Ziel 43 Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Andrea Huser. Bei den Männern gewann der Schwede Jonas Buud zum siebten Mal.

Trail-Run

Immer mehr Trails machen den klassischen Bergläufen Konkurrenz. Ob "Salomon 4 Trails", der Ultra-Trail du Mont-Blanc" (abgekürzt UTMB), sowie die "Neuen", wie z. B. "Eiger-Ultra Trail" in Grindelwald und der "Matterhon Ultraks" in Zermatt, alle warten mit spektakulären Strecken, extremen Längen und extremen Höhendifferenzen im Hochgebirge auf.

Einer der neuen Trails, der Matterhorn Ultraks, ersetzte in Zermatt den Matterhornlauf, einer der schönsten und traditionsreichsten Bergläufe in Europa, der nach 30 Jahren aus den Berglaufkalendern verschwand. Die Matterhorn Ultraks setzen sich aus den Disziplinen Tourenskilaufen und Trail zusammen. Am 20. April wurde das Tourenskirennen ausgetragen und am 24. August standen drei Trails (46 km / 3600 Höhenmeter; 30 km/ 2000 Höhenmeter und 16 km/ 1100 Höhenmeter) auf dem Programm. In Zermatt starteten bei der Premiere rund 1000 Läuferinnen und Läufer. Start und Ziel war vor dem Kirchplatz. Vormittags herrschten noch ideale Laufbedingungen, teilweise sogar mit guter Sicht auf die Viertausender. Nachmittags setzte, wie auch vorhergesagt, Regen ein. Davon waren vor allem die Läuferinnen und Läufer über die Langdistanz betroffen, die mehr als sechs Stunden unterwegs waren.

Den 1. Matterhorn Ultraks über 46 km gewinnt Emelie Forsberg Kilian Burgada Jornet (rechts) hier auf Sunnegga gewinnt die Königsdisziplin bei den Männern

Die Königsdisziplin über 46 km ist einer von fünf Wertungsläufen der Sky Runner World Serie. Am Start waren viele Läuferinnen und Läufer, die vor allem in der Skyrunner Szene und beim Touren-Ski einen Namen haben. Top Favorit über die 46 km lange Strecke war der 25 jährige Spanier Kilian Jornet. Der mehrfache Welt- und Europameister im Skyrunning und dreifache Sieger beim Ultra Trail Mont Blanc bestieg wenige Tage zuvor noch das Matterhorn. Dennoch zeigte er sich bei der Premiere in ausgezeichneter Verfassung und siegte in 4:35:05 Stunden. Mit einem Rückstand von nur eineinhalb Minuten wurde sein Landsmann Alberto Luis Alzaga Hernando zweiter. Auf Platz drei kam der Italiener Nicola Golinelli. Die Plätze vier und fünf gingen an die beiden Schweizer Marc Lauenstein, immerhin 2009 Berglauf Weltmeister über die Langdistanz, und Martin Anthamatten. Bei den Frauen gewann die Norwegerin Emelie Forsberg in 5:41:16 Stunden vor der Italienerin Silvia Serafini und der Spanierin Nuria Azpeleta Dominguez.

KolsassbergRun in Tirol

Der Saisonabschluss fand traditionell in Kolsassberg nähe Innsbruck in Tirol statt. Der KolsassbergRun ist ein beliebter Berglauf im Winter. Die vierfache Weltmeisterin und amtierende Europameisterin Andrea Mayr gewann erneut das Saisonfinale vor der Italienerin Renate Runnger und der in Tirol lebenden Slowakin Silvia Olejarova. Die Deutsche Vizemeisterin Michaela Schedler wurde vierte. Bei den Männern gewann der Südtiroler Gerd Frick vor Korbinian Schönberger (LLC Marathon Regensburg). Mit Edi Lahner stand ein weiterer Südtiroler als Dritter auf dem Siegerpodest. Marco Sturm (LLC Marathon Regensburg) verpasste als Vierter knapp den Sprung aufs Siegertreppchen.

Andrea Mayr gewinnt erneut das Saisonfinale in Kolsassberg und schließt damit ihre Supersaison mit einem Sieg ab DLV Berglauf Tagung

1. Berglaufveranstalter-Tagung

Erstmals seit vielen Jahren hatte der Deutsche Leichtathletikverband, vertreten durch den Vizepräsidenten Matthias Reick und Jörg Erdmann (Referent/Stellv. Referatsleiter Allgemeine Leichtathletik) die Berglaufveranstalter zu einer Tagung eingeladen. Neben Reick und Erdmann nahmen auch DLV Berglaufberater Wolfgang Münzel und Wilfried Raatz (verantwortlich für die Organisation und Betreuung der Berglauf Nationalmannschaft) an der Tagung in Ulm teil. Entscheidungen, die getroffen wurden und werden, transparenter zu machen, das war ein Ziel der Tagung. Dazu gehören die Vergabe von Deutschen Meisterschaften und von Qualifikationsläufen für internationale Meisterschaften, Kriterien für Kaderbildung, Kadermaßnahmen, Gelder des DLV usw.

Dies wurde vor allem von bayrischen Berglauf Veranstaltern gefordert, doch die bayrischen Berglaufveranstalter blieben, bis auf eine Ausnahme, der Veranstaltung fern, obwohl man mit dem Tagungsort Ulm den Vertretern der bayrischen Berglaufveranstalter sehr entgegen gekommen war. Dass es aber auch anders geht, bewiesen die Berglaufveranstalter aus dem Badischen Leichtathletikverband. Die sieben Veranstalter des Schwarzwald Berglauf Pokals waren mit neun Vertretern angereist. Mit dabei auch Klaus Diethelm (Müllheim), der fast 30 Jahre lang den Schwarzwald Berglauf Pokal federführend organisiert hat. Für seine Verdienste wurde er vom DLV Berglaufwart Wolfgang Münzel mit einem Präsent geehrt. Aber auch Vertreter aus der Pfalz und Hessen waren nach Ulm gereist.

DLV Vizepräsident Matthias Reick zog zum Schluss der Tagung eine positive Bilanz. "Das wichtigste Ergebnis war für mich, dass in einer sehr angenehmen und konstruktiven Atmosphäre eine fachlich hochkompetente Diskussion und Zielorientiertheit vorherrschte. Das macht Hoffnung auf gemeinsame Projekte/Absprachen und einen weitergehenden Dialog der Partner zur Förderung des Berglaufs. Es war schade, dass fast alle Vertreter der bayrischen Berglaufszene sich aus persönlichen und vielfältigen Verhinderungsgründen hatten abmelden müssen. In der Kommunikation mit ihnen wurde jedoch klar, dass auch sie an einer konstruktiven Fortentwicklung der Disziplin hochinteressiert sind und wir werden im nächsten Jahr frühzeitig einen Termin finden, der es vielen ermöglichen wird, zu kommen."

Die Berglauf-Tagung war ein erster Anfang die Kommunikation zwischen DLV und den Berglaufveranstaltern zu verbessern. Die rege Diskussion hat gezeigt, dass Bedarf an einem konstruktivem Austausch besteht. Die abwesenden Berglaufveranstalter haben eine Chance verpasst, ihre Kritikpunkte mit den Verantwortlichen offen zu diskutieren, an Verbesserungen mitzuwirken und so für einen Neuanfang zu sorgen. Aber eine erneute Chance besteht, denn Matthias Reick hat Wort gehalten: Für den 21. März 2014 hat der DLV erneut die Berglaufveranstalter zu einer Tagung nach Ulm eingeladen.

Resümee

Abschließend lässt sich feststellen, dass das Jahr 2013 ein ereignisreiches und interessantes Berglaufjahr war. Da gab es Bergläufe bei Bilderbuchwetter in Bilderbuchlandschaften, aber auch Bergläufe bei extrem schlechten Witterungsbedingungen. Hier zeigte sich in besonderem Maße, wie verantwortungsvoll und flexibel die Berglaufveranstalter mit solchen Situationen umgehen können. Hier hat sich viel Positives in den vergangenen Jahren getan. Manche Berglaufveranstalter konnten auch 2013 mit steigenden Teilnehmerzahlen aufwarten, anderer mussten rückläufige Zahlen registrieren. Natürlich kann es nicht jedes Jahr steigende Teilnehmerzahlen geben, dafür ist der Berglaufkalender zu prall gefüllt und die zunehmende Zahl von Trails macht vielen traditionellen Berglaufveranstaltern zusätzlich zu schaffen.

Jeder konnte sich auch 2013 die Läufe aussuchen, die ihm Spaß machten. Ob hier in der Ravennaschlucht beim Breitnau X-Trail-Run in Deutschland... ... oder beim Kaisermarathon Söll im Rahmen der Tour de Tirol in Österreich

Die Attraktivität des Berglaufes sollte man aber nicht nur an Statistiken, sei es an den Teilnehmerzahlen oder sei es an der Anzahl der gewonnenen oder auch nicht gewonnenen Medaillen festmachen. Der Berglauf ist so attraktiv, weil die Läufe in schönen Landschaften stattfinden und auch 2013 war wieder für jeden etwas dabei. Ob leichte Bergläufe mit wenigen Höhenmetern, ob extreme Bergläufe, wo die Läufer nur noch gehen oder sich an fixierten Seilen hoch hangeln, ob rein bergauf, oder bergauf-bergab, ob in den Alpen, im Schwarzwald, in der Pfalz, Thüringen oder im Erzgebirge, Jeder konnte sich die Läufe aussuchen, die ihm Spaß machten. Niemand, ob Veranstalter oder Läufer, braucht sich ein schlechtes Gewissen einreden lassen, weil "sein" Berglauf kein richtiger Berglauf sei, nur weil der nicht in den Alpen stattfindet. Überall wo es Berge gibt, hat der Berglauf seine Berechtigung. Das wird auch 2014 wieder so sein.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den internationalen Meisterschaften. Es ist immer leicht zu kritisieren, wenn Erfolge, die manche nur an Medaillen messen, ausbleiben. Da werden auch schnell Schuldige ausgemacht. Natürlich hat jeder das Recht Kritik zu üben, sofern sie sachlich und konstruktiv ist. Aber bei aller Kritik muss man berücksichtigen, dass sich die Situation im Berglauf grundlegend verändert hat. Waren vor rund 30 Jahren die Alpenländer Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich, mit wenigen Ausnahmen, unter sich; so sind seit einem Jahrzehnt immer mehr Läufer, vor allem bei den Männern, aus anderen Kontinenten und in den letzten Jahren verstärkt auch aus Afrika hinzu gekommen.

Petro Mamo der Weltmeister von 2012 ist der erste afrikanische Sieger beim Hochfelln Berglauf Afrikanische Dominanz auch beim 21. Jungfrau Marathon

Heute Top-Platzierungen zu erreichen ist für europäische Bergläufer (und bei den anderen Laufdisziplinen ist es ja nicht anders) wesentlich schwerer als vor ein paar Jahrzehnten. Die Weltmeisterschaft 2013 hat dies wieder einmal gezeigt. Unter den besten Zehn waren nur drei Europäer. Die ersten vier Plätze gingen an Läufer aus Uganda. Und das ist nur der Anfang. Aber hier sollte nicht gejammert werden, es ist ja auch positiv, dass der Berglauf immer internationaler wird. 350 Bergläufer aus 40 Nationen und fünf Kontinenten waren bei der Weltmeisterschaft 2013 am Start, vor wenigen Jahren undenkbar.

Hinweis: Berglaufberichte sind im LaufReport links alphatisch anwählbar!

Berglauf-Saison 2013 im LaufReport

Rückblick von Winfried Stinn
Fotos von Winfried Stinn, Wilfried Raatz und LaufReport-Archiv

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