SwimRun Rheinsberg (10.7.16)

Schläufer beim ersten SwimRun in Rheinsberg

von Stefan Schlett - Fotos © SCC Events: Petko Beier und Camera 4 Fotoagentur Eberhard Thonfeld

Nur 90 km nördlich von Berlin erstreckt sich rund um das Schloss Rheinsberg das Wasserparadies der Rheinsberger Seenkette. Wo sich schon Theodor Fontane und Kurt Tucholsky wohl fühlten und der Alte Fritz vor seiner Thronbesteigung die glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte, haben nun auch die Amphibien unter den Ausdauersportlern ihr Revier gefunden. Die Spezialisten von SCC Events, deren Portfolio neben Marktführer Berlin-Marathon diverse Straßen-, Hindernis-, Kinder-, Frauenläufe, Radrennen und Skateevents aufweist, riefen am 10. Juli 2016 den ersten professionell organisierten Swimrun-Wettbewerb Deutschlands ins Leben.

Schloss Rheinsberg und die Rheinsberger Seenkette bildeten die Kulissse des 1. Swimrun-Wettbewerb Deutschlands
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Dieses junge und äußerst delikate Wettkampfformat, das vor eine Dekade in Schweden erfunden wurde, verließ erst vor 3 Jahren den skandinavischen Raum und bereichert in rasantem Tempo die weltweite Ausdauersportszene. Beim Swimrun wird auf Trails gelaufen und durch offene, fließende oder stille Gewässer geschwommen, ohne zwischendurch die Kleidung zu wechseln.

Die Originalwettbewerbe, welche durchwegs in kalten Gewässern stattfinden und meist über Ultradistanzen führen müssen mit Neoprenanzug absolviert werden. Das bedeutet: die Teilnehmer schwimmen in Laufschuhen und laufen im Neoprenanzug.

Schwimmhilfen wie Pullboys, Paddles, Kurzflossen und Schleppseil sind ausdrücklich erlaubt, müssen aber von Start bis Ziel mitgenommen werden. Diese haben einen sehr elitären Status, sind eher für Hardchore-Athleten geeignet und werden aus Sicherheitsgründen in Zweierteams bestritten.

Beim Swimrun wird auf Trails gelaufen und durch offene, fließende oder stille Gewässer geschwommen, ohne zwischendurch die Kleidung zu wechseln

Volks-Swimruns wie der Rheinsberger beginnen sich langsam zu etablieren und sollen die zukünftige Klientel in homöopathischen Dosen an die neue Disziplin heranführen. Zudem ist hier auch ein Einzelstart möglich. Die Berliner gaben dem Kind dann auch gleich einen richtigen Namen: Die Teilnehmer am SwimRun Rheinsberg sind "Schläufer", eine Wortkreation aus Schwimmer und Läufer. Das Hafendorf mit seinem Maritim-Hotel zwei Kilometer nördlich von Rheinsberg, war eine glückliche Wahl und bot die notwendige Logistik für Registrierung, Unterkunft und Zieleinlauf. Als gewissenhafter Reporter reise ich zeitig einen Tag vorher an, um mir einen Überblick zu verschaffen. Der Ferienpark im Hafendorf Rheinsberg ist harmonisch in die Landschaft eingebettet. Die doppelstöckigen Appartements sind auf Stegen mit direktem Zugang zum Wasser angeordnet und verfügen über einen eigenen Bootsanleger. Das ideale Ambiente für ein maritimes Wochenende, bei dem sich die ganze Familie -es gibt auch einen Bambinilauf- beim SwimRun vergnügen kann.

Der Ferienpark im Hafendorf Rheinsberg ist harmonisch in die Landschaft eingebettet. Das ideale Ambiente für ein maritimes Wochenende

Auf dem "nördlichsten Leuchtturm Brandenburgs" entdecke ich die Insel Remus inmitten des Rheinsberger Sees, was mich gleich zu einem Test-Swimrun animiert. Schnell wird am Computer Google Maps aktiviert - aha, es gibt tolle Trails durch den Wald und eine Halbinsel in nur 300 Metern Entfernung zur Remus. Raus aus den Klamotten, rein in den Neo und ab in den See.

Ein Sumpfgebiet musste um- und der Rhin, ein Kanal der Rheinsberger- und Grienericksee verbindet, vorsichtig durchschwommen werden. Schon konnte ich mich auf herrlich einsamen Ufertrails austoben und kreuzte zwei Mal das morgige Schlachtfeld, welches mit Flatterbändern den Seeeinstieg markierte. Nach einer weiteren Schwimmeinlage war die natur belassene Robinsonade Insel Remus genommen. Ich war begeistert! Gute Wasserqualität, traumhafte Landschaften, positive Wetterprognosen - das perfekte Setting für einen SwimRun.

Aber halt, ein Negativerlebnis musste doch verbucht werden: im Busch lauerten die "Brandenburger Vampire" - gierige Monstermücken, die sich in Scharen auf jeden Warmblütler stürzen. Solange man in Bewegung ist, kein Problem. Doch ich musste kurz austreten. Das Resultat: ein Dutzend juckende Einstiche und ein halbes Dutzend erschlagene Blutsauger! Dabei war ich doch erst vor zwei Tagen zum Blutspenden beim Roten Kreuz…

Hinein ins kühle Nass an Brandenburgs nördlichstem Leuchtturm

Kaiserwetter lockte fast 500 Schläufer an die südlichen Ausläufer der Mecklenburgischen Seenplatte. Sogar ein Bustransfer vom und zum Alexanderplatz in Berlin konnte am Wettkampftag gebucht werden. Bei Wassertemperaturen über 21,9°C fand das Rennen ohne Neoprenanzug statt. Zuerst wurden die 135 Teilnehmer des Sprint SwimRun per Bootsshuttle an den Start nach Warenthin gebracht. Darunter 19 Zweierteams - bei dieser Kategorie müssen die beiden Athleten die Strecke gemeinsam absolvieren und dürfen sich sowohl zu Land als auch im Wasser mit einem Schleppseil helfen, um gegenseitige Schwächen auszugleichen. 9 Kilometer mit 4 Schwimm- und 3 Laufeinheiten waren dann recht flott in Zeiten von 48:56 Minuten bis 1:45:28 Stunden abgearbeitet.

Mehr als doppelt so viele gingen beim Hauptwettbewerb, dem "SwimRun Rheinsberg 19 km" an den Start. Die 273 Langdistanz-Schläufer, darunter 63 Zweierteams, wurden mit mehreren Bussen zum Start beim Ort Flecken Zechlin befördert. Prominentester Starter war Faris Al-Sultan, Welt- und Europameister im Ironman, der 2015 seine Triathlonkarriere beendete. Er wollte den SwimRun Rheinsberg mit seinem österreichischen Partner Werner Leitner als Test für die Weltmeisterschaft im September in Schweden nutzen.

Rennen über Land ... ... und über bzw. ins Wasser

Dabei werden im Schärengarten vor Stockholm 65 km rennend über 26 Inseln und 10 km schwimmend im dazwischen liegenden 11-14 Grad kalten Ostseewasser zurückgelegt. Das Ö till Ö (schwedisch für von Insel zu Insel) gilt als das härteste Eintagesrennen der Welt. Da sind doch die 16 ½ Lauf- und 2 ½ Schwimmkilometer beim Rheinsberger glatt ein Partyvergnügen! Konsumiert werden die je 8 Lauf- und Schwimmeinheiten dazu noch im warmen Wasser, bei hochsommerlichen Temperaturen. Die Laufstrecken von 600 Meter bis 5,4 Kilometer führen großteils auf butterweichen Trails durch den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.

Die Verbindung der Seen mit den angelegten Kanälen und Schleusen innerhalb der Mecklenburgischen Seenplatte ermöglicht eine direkte Bootsdurchfahrt von Rheinsberg bis zur Nordsee. Ganz so weit wollten die Schläufer nicht, auch wenn da durchaus Raum für einen Extrem-SwimRun wäre… Bei Distanzen von 200 bis 600 Metern durften Großer Zechliner See, Großer Zermittensee, Grienericksee und Großer Rheinsberger See, in genau dieser Reihenfolge erobert werden.

Fünf Minuten bevor die Schläufer in 4 Wellen starteten, wurden noch 29 Läufer beim "Run Rheinsberg" auf die 19 km lange Strecke geschickt. Dieses Angebot nahmen überwiegend Angehörige von SwimRun-Teilnehmern wahr, die mit Schwimmen nichts am Hut hatten und sich dennoch sportlich betätigen wollten. Dann ging's los! Bereits nach 1,5 Kilometern fand die erste Wässerung im Zechliner See statt. Die Feriengäste welche sich in der gerade begonnenen Urlaubszeit zahlreich an den Gestaden der lauschigen Badeseen aufhielten, staunten nicht schlecht, als sich eine nicht enden wollende Horde von "Verrückten" mit Klamotten und Laufschuhen in die Fluten stürzten. Alle hatten einen Riesen Spaß, besonders die Teams. Denn zu zweit erhöht sich der Spaßfaktor und man kann sich gegenseitig motivieren und unterstützen.

Auf Feldwegen vorbei am Rheinsberger Schloss Kurz vor dem Ziel am Maritim Hotel im Hafendorf Rheinsberg

Zwischen den Wettbewerben fand noch ein Bambinilauf statt, während dem die Kleinen mit großem Vergnügen unter einer Felddusche durchlaufen mussten, um dem Anlass gerecht zu werden. Am gleichen Tag fand übrigens in der Schweiz der Engadin Swimrun statt, mit dem vor 3 Jahren diese neue Disziplin erstmals außerhalb Skandinaviens inszeniert wurde. Der Extremistenanlass mit 47 km Laufen und 6 km Schwimmen in 1800 Metern Höhe hatte erstmals auch eine Sprintstrecke mit einer Gesamtdistanz von 13,5 km im Angebot, bei der sogar mehr Frauen als Männer an den Start gingen.

Triathlon Champion Faris Al-Sultan wurde seiner Favoritenrolle gerecht und stieg mit seinem Partner Werner Leitner als Erster aus dem Wasser des letzten Schwimmabschnitts, wenige Meter vor dem Ziel im Becken des Maritim Hafenhotels Rheinsberg.

Mit einer Zeit von 1:42:53 h gewannen sie zugleich die Teamwertung. Als erster Einzelstarter folgte auf dem 3. Platz der Rostocker Andre Bauschmann in 1:43:11 h. Fast doppelt so lange benötigte Sai Loung Kham als letzter Finalist in 3:22:07 h, blieb damit aber immer noch deutlich unter dem Zeitlimit von 4:15 Stunden. Bereits auf dem 12. Gesamtplatz schwamm Katja Wächter als erste Dame in 1:58:25 h ein. Das Berliner Ultra-Urgestein Roland Winkler hatte mit Jahrgang 1947 die Ehre des Schläufers mit der längsten Lebenserfahrung und ließ mit 2:27:26 h noch zahlreichere Jüngere weit hinter sich.

Die Gründe für den Erfolg dieser neuen und reizvollen Spielvariante sind vielfältig. Man kann zusammen mit einem Freund ein gewaltiges Naturerlebnis genießen. Aufwendige und komplizierte Ausrüstung ist nicht notwendig und es ist letztendlich ein Nahkampf mit der Natur, der körperlich und geistig alles herausfordert. Vor allem die Volks-Swimruns sind eine ideale Plattform. Das Potential ist riesig, da es die große Masse der Volksläufer und Triathleten anspricht.

Die Erfinder des Swimruns - die Brüder Mats (links) und Jesper Andersson - Foto Stefan Schlett SCC Events, deren Portfolio neben Marktführer Berlin-Marathon diverse Straßen-, Hindernis-, Kinder-, Frauenläufe, Radrennen und Skateevents aufweist, den ersten professionell organisierten Swimrun-Wettbewerb in Deutschland ins Leben.
Infos www.swimrun-rheinsberg.de
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Die Geschichte des Swimruns

Die Brüder Mats und Jesper Andersson schlossen zusammen mit zwei Freunden in bierseliger Runde eine Wette ab (Ähnlichkeiten zu der Geschichte des Ironmans sind rein zufällig…): wer schafft es am schnellsten laufend und schwimmend von der Insel Utö (ihr Zuhause) nach Sandhamn, einer Ortschaft auf der 70 Kilometer entfernten Insel Sandön im östlichen Teil von Stockholms Schärengarten. 22 Stunden waren sie unterwegs und schliefen auf halber Strecke unter einem Baum. Die beiden erfahrenen schwedischen Abenteuersportler Michael Lemmel und Mats Skott machten daraus ein professionelles Rennen, dass sie Ö till Ö nannten. Bei der Premiere 2006 waren gerade mal 9 Teams am Start und 2 im Ziel. Danach begann eine rasante Entwicklung. Heute ist der Ö till Ö die Weltmeisterschaft im Swimrun, mit 120 startberechtigten Teams. Weltweit gibt es mittlerweile über 100 Swimrun-Wettbewerbe auf kürzeren Distanzen.

Bericht und 1 Foto von Stefan Schlett
Fotos © SCC Events: Petko Beier und
Camera 4 Fotoagentur Eberhard Thonfeld

Infos: www.swimrun-rheinsberg.de

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