Orientierungslauf - mehr als nur eine Randsportart

von Almuth Steinhoff

Die Hallenserin Karin Schmalfeld, eine der besten deutschen Athletinnen, beschreibt den Orientierungslauf treffend: "…es ist wie ein 10.000m-Lauf und dabei Schach spielen…". Besser kann man die Spezifik dieser aus Skandinavien stammenden Sportart nicht auf den Punkt bringen. Im Gelände hinterlassene Postenschirme müssen mit Hilfe von Karte und Kompass gefunden werden; die Laufroute wird abhängig von der Geländebeschaffenheit gewählt. Kraftausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit und Koordination plus Geländeorientierung sind Voraussetzungen für diese Laufsportart.

DM Teilnehmer vor dem Start/ Nähe Meuschkenmühle bei Weißenborn Vor dem Start - jeder Starter bekommt zuvor seine Startzeit, die Karten jedoch erst kurz vor dem Startsignal

Es nur ein "zartes Pflänzchen", welches im "Laufsportwald" wächst - zumindest in Deutschland. Zirka fünftausend Sportler laufen wettkampfmäßig. Der Kalender für "OL-ler" kennt keine Grenzen und bietet nicht nur in Deutschland interessantes Gelände. Bis nach Grönland ziehen die Geländeläufer oder zum Beispiel auch nach Venedig, wo im Juli die Sprint-Weltmeisterschaften (im Stadtgebiet!) ausgetragen wurden.

Trainingslager für alle Altersklassen - hier wird der "Belgische Kreisel" erklärt Karte zum Üben des "Kreisels" Anlaufen des letzten Postens, ehe die Zielgasse passiert wird; hier bei den Deutschen Meisterschaften/ Mittel

Traditionell im Herbst finden in Deutschland die Jahreshöhepunkte statt. Bei der Ausschreibung für die Deutschen Meisterschaften unterscheidet man die verschiedenen Distanzen. Der OL/ Mittel - kürzlich im Eisenberger Mühltal ausgetragen - umfasste für die Eliteläufer eine Strecke von ca. fünf Kilometer; ab Altersklasse zehn bis zu den Senioren erfolgten entsprechende Staffelungen der Weglänge. Wenn am ersten Oktoberwochenende im sächsischen Coswig die Besten auf der Langdistanz ermittelt werden, laufen schon die Jugendlichen ca. vier Kilometer. Die Veranstalter freuen sich auf ca. 800 Läuferinnen und Läufer aller Altersklassen. Viele starten an drei aufeinanderfolgenden Tagen - Freitag: Sprint zur Deutschen Parktour/ Samstag: Einzellauf (DM)/ Sonntag: Deutschlandcup/ Staffel.

Am kommenden Wochenende findet der Jahreshöhepunkt für den Nachwuchs statt - im niedersächsischen Bad Liebenburg wird der jährliche Jugend- und Juniorenländervergleich ausgetragen. Erstmals erwarten die Organisatoren über 400 Teilnehmer. Trotzdem ist Orientierungslauf ein Familiensport, der von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Wer nicht laufen kann, wandert eben!

Läuferin kurz vor dem gefundenen Posten … … sofortiges orientieren, um den nächsten Posten zu finden - hier beim Sprint - OL im offenen Gelände Walter Ohk aus Magdeburg ist schon Jahrzehntelang dabei und startet aktuell bei den Herren 65

Verschiedene Ableitungen sind inzwischen verbreitet. Orientierungsmärsche, Mountainbike- und Ski-OL sind nur einige beliebte Varianten. Während Orientierungslauf in den skandinavischen Ländern zum Schulsport gehört, sind in Deutschland flächendeckende Trainingsangebote rar. Aktuell hat zum Beispiel Sachsen-Anhalt nur acht Vereine, aus denen ca. dreißig Aktive regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen. Positiver sieht die Situation in Sachsen, Niedersachsen und Bayern aus. International zählt der Orientierungslauf zu den vom IOC anerkannten Sportarten, die aber bisher nicht bei den Olympischen Spielen zur Austragung kamen.

Bericht und Fotos Almuth Steinhoff (19.9.2014)

Zu weiteren Beiträgen in der Rubrik Training HIER

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport klick HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.