Höhenmeter

guten tag, sehr geehrte damen und herren,
ich habe eine frage zu den angegebenen höhenmetern, wie die sich berechnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. sollte der start auf 800m sein, und nur steil nach oben auf 1000m führen, dann wird doch von 200 höhenmetern gesprochen. wie verhält es sich jedoch, wenn der start bei 800m liegt, es runter geht auf 700m, dann hoch auf 900m, von wie vielen höhenmetern wird dann gesprochen? vielen dank.
mit freundlichen grüssen
veit klehr

Ralf Klink antwortet:

Eine allgemeingültige Regel oder gar eine offizielle Norm für die Angabe der Höhenmeter gibt es nicht. Das macht jeder Veranstalter, wie er gerade denkt. Meist, insbesondere von den Läufern selbst, wird mit „Höhenmeter“ allerdings die SUMME aller im ANSTIEG zu bewältigenden Höhenunterschiede bezeichnet.

Das gilt natürlich nicht nur für echte Bergläufe mit unterschiedlich hoch gelegenem Start und Ziel sondern auch für Rundkurse. Gerade dort ist dieser Wert ein ganz gutes Maß für die Schwierigkeit einer Strecke, denn obwohl Start und Ziel auf gleicher Höhe liegen, ist es natürlich ein Unterschied, ob man bei gleicher Distanz keinen oder zweihundert Meter nach oben klettern muss.

Was ein Veranstalter in seiner Ausschreibung dann wirklich angibt, hängt allerdings davon ab, wie die Strecke verkauft werden soll. Geht es darum die Strecke möglichst flach erscheinen zu lassen, wird oft nur die Differenz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt angegeben. Unabhängig wie oft diese wirklich überwunden werden muss (Beispiel: Kurse mit mehreren Runden) oder der Anzahl der Zwischensteigungen und –gefälle.

Ralf Klink in seinem Element

Umgekehrt gibt es bei Bergläufen die Bestrebung möglichst viele Höhenmeter zusammen zu bekommen. Während es im alpinen Gelände auch oft genügt, die Differenz zwischen Start- und Zielhöhe anzugeben, um dabei eine imposante Zahl zusammenzubekommen, macht es insbesondere im Mittelgebirge durchaus Sinn, sämtliche zusätzlichen Wellen mit zu addieren.

Es macht eben doch etwas aus, ob man auf zehn Kilometern von hundert auf fünfhundert Meter nur hoch läuft oder dabei auch zwischendurch wieder zweihundert Meter verliert, die man sich noch ein weiteres Mal erarbeiten muss.

Zeit, die man im Anstieg verliert, ist auf Bergabstücken nämlich nicht wieder gut zu machen, wie das einfache Beispiel des Läufers zeigt, der im Flachen einen Vier-Minuten-Schnitt (15 km/h) läuft, an einer steilen Rampe aber seine Geschwindigkeit halbieren muss. Für den nächsten Kilometer würde unser Läufer also acht Minuten brauchen. Ginge es nun den dritten Kilometer wieder bergab, wie schnell müsste er diesen bewältigen, um den Vierer-Schnitt wieder zu erreichen? In null Minuten, denn er ist ja schon zwölf unterwegs.

Sage bitte niemand, dass das Beispiel nicht realistisch sei. Wer einmal bei alpinen Bergläufen unterwegs war, kennt das Gefühl zweistelliger Minutenzahlen pro Kilometer nicht nur im Gehen sondern sogar im Laufschritt recht gut. Außerdem gibt es sogar Gefällestrecken, die man aufgrund ihrer Steilheit langsamer zurücklegt als eine Flachpassage.

Im ersten Fall von oben würde im Fachjargon also vermutlich von vierhundert Höhenmetern, im zweiten von sechshundert Höhenmetern gesprochen, obwohl sich Start- und Zielhöhe nicht unterscheiden.

Am exaktesten sind vermutlich die Angaben, wie sie bei vielenLäufen in den Alpen gemacht werden, wo man Starthöhe, Zielhöhe, Anstiege und Gefälle einzeln angibt. Die +1829m / -305m, die der Jungfrau Marathon angibt,  passen genau zu 566m Starthöhe und 2090m Zielhöhe.

Völlig unsinnig ist es dagegen, die An- und Abstiege auch noch zusammen zu zählen, was zwar selten, aber gelegentlich doch schon einmal vorkommt. Dann werden aus zweihundert Metern bergauf und zweihundert Metern bergab schnell einmal vierhundert Höhenmeter. Den Verursachern solcher Aussagen muss man eigentlich jegliche Kenntnis der Materie absprechen.

Eine offizielle Regelung im Bezug auf Höhenunterschiede gibt es allerdings dann doch. Sie betrifft allerdings nicht den Anstieg sondern das Gefälle einer Strecke. Denn alle Kurse, bei denen Start- und Zielhöhe mehr als ein Promille der Streckenlänge betragen, sind nicht bestenlistenfähig. So gilt der Boston Marathon trotz seines legendären Heartbreak Hill, der sämtliche Vorteile des bergab führenden Starteils locker wieder auffrisst, als Bergabstrecke, denn zwischen dem Start in Hopkinton und dem Ziel in der Bostoner Innenstadt liegen einhundert Meter. Und obwohl viele der  bisher schnellsten Halbmarathonzeiten in Lissabon erzielt wurden, wird keiner von ihnen als Weltrekorde geführt. Der Kurs verliert nämlich mehr als die erlaubten einundzwanzig Meter.

Zurück zur Ausgangsfrage:

Entweder man gibt exakt +200m / -100m an, wie man es jedem Veranstalter eigentlich nur empfehlen kann, oder man redet eher flapsig von zweihundert Höhenmetern.

Erklärung von Ralf Klink

Foto: Gabi Leidner

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