Jubiläum eines Klassikers:

25 Jahre Ausbildung in Lauftherapie (DLZ)

von Klaus Richter und Wolfgang W. Schüler

Jubiläen sind Haltepunkte im Leben des einzelnen Menschen, aber auch im "Lebenslauf" von Organisationen. Das erste deutsche Institut zur Ausbildung von LauftherapeutInnen, das von Prof. Dr. Alexander Weber gegründete Deutsche Lauftherapiezentrum (DLZ) in Bad Lippspringe bei Paderborn, sieht einem solchen Jubiläum entgegen. Am 17. April 2015 startet der 25. Kurs zur Aus- und Weiterbildung von LauftherapeutInnen - Grund, in der Vorschau auf dieses Ereignis das Anliegen des Instituts darzustellen.

Vom "Bewegungsmuffel" zum "moderaten Läufer"

Männer und Frauen, die an einem Lauftherapiekurs teilnehmen möchten, haben dafür ganz unterschiedliche Motivationen. Oft ist es das schlechte Gewissen, das sie treibt: "Ich müsste eigentlich endlich etwas mehr für meine Gesundheit tun." Das ist die wackelige Ausgangslage, die LauftherapeutInnen in der Regel vorfinden. Ihre Aufgabe ist es, aus dem konjunktivischen "ich müsste eigentlich" ein "ich werde", aus dem "endlich" ein "jetzt" zu machen und das "etwas", das zu tun ist, zu präzisieren durch das Laufbehandlungsprogramm des Deutschen Lauftherapiezentrums.

 

Ziel der Therapie ist - ganz allgemein gesprochen - eine Veränderung des Lebensstils: aus dem "Bewegungsmuffel" soll ein "moderater Läufer" werden. Die "dosierte" Laufbewegung soll zum wirkungsvollen Medikament werden, das Heilung ermöglicht. Damit dieser Prozess gelingen kann, bedarf es der Hilfe von außen, der Unterstützung von speziell ausgebildeten TherapeutInnen. Inzwischen sind es mehr als 500 Frauen und Männer, die seit 1991 eine entsprechende Ausbildung am DLZ erfolgreich abgeschlossen haben.

Langsames Laufen will gelernt sein (DLZ)

Wer kann LauftherapeutIn werden?

Zu den Zulassungsbedingen gehört - neben der eigenen Lauferfahrung von mindestens zwei Jahren und der nachgewiesenen Teilnahme an Laufveranstaltungen - eine abgeschlossene Ausbildung in einem psychosozialen Beruf. Dazu zählen Berufsgruppen wie PsychologInnen, ÄrztInnen, PädagogInnen, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, PhysiotherapeutInnen u. a. In den Richtlinien heißt es ferner, dass zur Ausbildung auch Frauen und Männer zugelassen werden können, die keine Ausbildung in einem psychosozialen Beruf haben, aber über einschlägige Erfahrungen in der Ausübung psychosozialer Arbeit verfügen. Die endgültige Zulassung wird in einem Vorstellungs- bzw. Aufnahmegespräch geklärt, das Prof. Dr. Alexander Weber als Leiter der Ausbildung und des Instituts mit der BewerberIn führt.

Wer angenommen wird, beginnt eine 18monatige Ausbildung, die berufsbegleitend erfolgt. Die Abschlussprüfung besteht aus einer praxisbezogenen Projektarbeit zu einem lauftherapeutisch relevanten Thema und einer mündlichen Prüfung von 45 Minuten in drei Fächern. In der Ausbildung ist das Verhältnis von Theorie und Praxis ausgewogen. Alexander Weber spricht in diesem Zusammenhang von "theoriegeleitetem Handeln". Im Zweifelsfalle gilt: "Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie" (I. Kant).

Ziel ist, dem zukünftigen Lauftherapeuten von Ausbildungsseite bestmögliche Startbedingungen zu bieten. Die gelegentlich an das DLZ herangetragene Frage nach Kurz- bzw. Schnellausbildungen, wie sie sich im Sport-/Gesundheitsbereich zunehmend etablieren, vertragen sich mit dem Qualitätsanspruch des Deutschen Lauftherapiezentrums nicht. Nicht umsonst ist das Kürzel DLZ im Gesundheitssektor nicht bloß ein Marken-, sondern ein Gütezeichen.

Ausgewählte Aspekte der Lauftherapie nach dem Paderborner Modell

Lauftherapie nach dem Paderborner Modell/DLZ nimmt Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten in den Blick, betrachtet diese jedoch nicht nur pathogenetisch (Entstehung und Verlauf einer Krankheit) oder ätiologisch (Ursache einer Krankheit). Dergleichen würde zu kurz greifen. Für lauftherapeutische Interventionen eignet sich vielmehr das von Aaron Antonovski entwickelte Konzept der Salutogenese (Ursachen von Gesundheit). In einem holistischen (ganzheitlichen) Verständnis von Therapie, wie es vom Deutschen Lauftherapiezentrum vertreten wird, macht es Sinn, bei den gesunden körperlichen und seelischen Anteilen des Menschen anzusetzen.

 

Der Titel des DLZ-Buches "Lauftherapie nach dem Paderborner Modell - ein Königsweg zur Selbsthilfe" (2013) macht deutlich, dass therapeutische Hilfe als "Hilfe zur Selbsthilfe" verstanden wird. Im Verlauf der Lauftherapie soll der Teilnehmer erfahren, dass die Quelle der Heilung in ihm selbst zu finden ist. Der Heilungsprozess beginnt, wenn der Klient bereit ist, sich auf seine eigenen Möglichkeiten einzulassen. Webers' Credo: "Den (Seelen-) Arzt in sich selber entdecken und durch die Körperarbeit Laufen aus eigener Kraft für das erwünschte Wohlbefinden sorgen."

von links: Wolfgang W. Schüler, Prof. Dr. Alexander Weber und Klaus Richter präsentieren das neue DLZ-Buch, das das Konzept und die Methode des Paderborner Modells der Lauftherapie bündig und praktikabel nachvollziehbar darstellt - Foto: T. Schubert

Diese Leitidee "selbstverantworteter Gesundheitsvorsorge" war maßgeblich für ein von Alexander Weber und seinen Mitarbeitern durchgeführtes Forschungsprojekt "Systemische Lauftherapie", dessen Elemente heute Bestandteil der Ausbildung sind. Dabei geht es im Wesentlichen um folgende Verhaltensänderung

- sich mehr bewegen
- sich gesünder ernähren
- stabile soziale Beziehungen aufbauen
- auf den Körper und seine Botschaften aufmerksam werden.

Wo dies zur Gesundung nicht reicht, wird weitergehende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe empfohlen.

Aufgaben der LauftherapeutInnen

Der Lauftherapeut ist der Agent, der im dynamischen Prozess der Lauftherapie Wege zu einem neuen Lebensstil aufzeigt. Er ist nicht der Trainer, der am Rande des Geschehens mit Stoppuhr und Megaphon steht und gelegentlich mit Anweisungen eingreift. Er führt die Gruppe und ist zugleich, und das nicht nur im soziologischen Sinn, "teilnehmender Beobachter". Als solcher nimmt er im therapeutisch-mitfühlenden Sinn Anteil am einzelnen Klienten. Seine Aufgabe besteht darin, die eigene positive Erfahrung mit dem Laufen so zu vermitteln, dass seine Klienten bereit werden, sich selbst auf diese Erfahrung einzulassen.

Der Lauftherapeut behält das Ziel des Kurses im Auge. Die Teilnehmer sollen nach zwölf Wochen mit je zwei Übungsabenden in der Lage sein, 30 Minuten im langsamen Tempo zu laufen. Für das Lauftempo gilt immer: g-a-n-z l-a-n-g-s-a-m. Das heißt mit anderen Worten: therapeutisches Laufen findet immer im aeroben Bereich statt, weil nur hier die positiven Wirkungen auf das körperliche und seelische Befinden zuverlässig erreicht werden können. Als Indiz für die richtige Laufintensität gilt die regelmäßige Atmung.

Richtiges langsames Laufen lernen die Lauftherapeuten in ihrer Ausbildung im Kompaktseminar. Zunächst üben sie das langsame Gehen im Kontext des Achtsamkeitstrainings. Dann lernen sie praktisch das Tempo im Anfängerkurs kennen. In den Abschlussläufen müssen sie ihr Zeitgefühl unter Beweis stellen. Sie geben an (Predictive Run), in welcher Zeit sie eine bestimmte Distanz absolvieren wollen, und erfahren, ob sie das Zeitziel erreicht haben oder nicht.

Der Lauftherapeut vermittelt seinen Klienten, dass in der Lauftherapie zwar auch eine kontinuierliche Leistung erbracht wird, diese aber nichts mit Ehrgeiz, Konkurrenz, Atemlosigkeit und Erschöpfung zu tun hat. Der Klient soll sich am Ende seiner Laufübung gestärkt und erfrischt fühlen. Seine Leistung besteht dauerhaft wesentlich in der "Treue" zur "regelmäßigen Übung".

Fazit der Ausgebildeten

Dass die Ausbildung zum Lauftherapeuten (DLZ) hoch bewertet wird, verdeutlicht zum einen die kontinuierliche Nachfrage. Zum anderen lässt es sich an den Rückmeldungen von Absolventen bei Kursende ablesen. Nachfolgend einige Stimmen:

"Für 18 Monate nach Bad Lippspringe zu kommen, erschien mir anfangs als große Herausforderung. Nun erscheint es mir als die noch größere Herausforderung, hierauf verzichten zu müssen. Kurswochenenden waren nicht gleich Schulwochenenden - es war ein Ausstieg aus meinem üblichen Tagesablauf, ein Einstieg in die Welt des Denkens, wie Leben auch funktionieren kann, ein Zusammensein mit tollen, interessanten und vielsagenden Menschen. Ich habe jede Sekunde im DLZ und in Bad Lippspringe genossen."

"Es war immer wieder erstaunlich für mich, wie gut wir uns untereinander verstanden haben, wie kompetent die einzelnen Dozenten waren und mit wie viel Engagement der Unterricht vorbereitet und rübergebracht wurde. Auf meinem ganz persönlichen Weg hat mich das Gehörte und zuhause Verinnerlichte ein erhebliches Stück vorangebracht."

"Im Kurs sind sich Menschen begegnet mit einer Leidenschaft und einer Idee […] Das DLZ hat uns den Rahmen gegeben, die Dozenten viele Inspirationen".

"Dem interdisziplinären Dozententeam aus Pädagogen, Psychologen, Soziologen, Ernährungswissenschaftlern, Ärzten, Physiotherapeuten, Wirtschafts- und Medienfachleuten gelang es, nicht nur unseren Horizont, sondern auch den Blick auf das eigene Leben zu weiten. […] Und eines war uns Schülern und den Dozenten gemeinsam: Wir laufen alle fürs Leben gern!"

Wo LauftherapeutInnen wirken

Befragungen zeigen: Die weit überwiegende Zahl ausgebildeter LauftherapeutInnen drängt es in die Praxis. Viele schaffen sich neben dem Beruf ein zweites Standbein, eine Nebentätigkeit, einen Nebenverdienst. Sie bieten Lauftherapie- bzw. Gesundheitslaufkurse in eigener Regie an bzw. treten als freie MitarbeiterInnen in den Dienst von Bildungs-, Sport- und sozial-therapeutischen Einrichtungen. Andere, Selbständige wie Angestellte, bringen ihr Laufangebot innerhalb ihrer Berufstätigkeit an ihrem Arbeitsplatz ein und sorgen für eine Erweiterung des dort bestehenden Behandlungsrahmens - so in medizinisch-therapeutischen Praxen, Kliniken, Reha-Zentren, Heimen u. a. Nicht mit dem Anspruch finanzieller Mehrwertbildung, sondern aus fachlichen Erwägungen und zur eigenen Zufriedenheit.

Prof. Weber: "Ob man als Lauftherapeut voll beruflich tätig sein und damit seinen Lebensunterhalt sichern kann, ist derzeit nur vage einzuschätzen." Gleichwohl gründen zunehmend mehr Absolventen "Laufschulen" und loten ihre Möglichkeiten eines beruflichen Umstiegs auf dem oder in den Gesundheitsmarkt aus. Die ersten haben ihn vollzogen.

Doch nicht alle Absolventen sehen sich als zukünftige Praktiker. Manche machen die Ausbildung "nur mal so" für sich, zur eigenen persönlichen Weiterbildung und -entwicklung.

Ausblick

Krankheiten, die auf Bewegungsmangel und Fehlernährung zurückzuführen sind, nehmen national und international zu. Hier kann Lauftherapie ihren Beitrag leisten. "Systemische (ganzheitliche) Lauftherapie" ist gewiss kein Allheilmittel, aber ein Heilmittel für alle.

Für den 25. Aus- und Weiterbildungskurs (DLZ) besteht noch die Möglichkeit der Anmeldung. Informationen hierzu finden sich auf der Website des Deutschen Lauftherapiezentrums http://www.lauftherapiezentrum.de.

Die Autoren: Klaus Richter und Wolfgang W. Schüler haben an den ersten Aus- und Weiterbildungskursen zum Lauftherapeuten (DLZ) teilgenommen und zählen bis heute zum Stab der Dozenten im DLZ. Sie sind Läufer seit 1978 und 1967.

25 Jahre Ausbildung in Lauftherapie (DLZ)

Ein Beitrag Klaus Richter und Wolfgang W. Schüler
Fotos © DLZ - © DLZ/T. Schubert - © W. Schüler

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