13.7. bis 16.7.06 - Run Fit Fun Seminar

Fett mal 2 :-))

Verlängertes Intensiv-Wochenende im Hotel Sonnenhof in Hinterzarten

Ich bin um eine Ehrenurkunde reicher. Einst sammelte ich diese bei Bundesjugendspielen, wenn auch als Geräteturner nur im Winterhalbjahr. Jetzt ist im gestandenen Alter doch noch eine im Sommer dazugekommen. Herbert Steffny und Charly Doll bescheinigen am Ende ihres Intensiv-Laufseminars, mir und meinen Seminarbegleitern, ... furchtlos alle sportlichen, kulinarischen und geistigen Herausforderungen mit großem Erfolg bestanden zu haben. Zugegebenermaßen hatte ich ein Mal die Aufnahme des Apfelkuchens verweigert, was aber anscheinend nicht ins Gewicht fiel. Bei vier vollwertigen Mahlzeiten täglich komme ich aber auch weit über meine Gewohnheiten hinaus. Ich vermute, dass ich das kulinarische Manko mit meinen geistigen Fähigkeiten ausgleichen konnte, den Titel „Schwarzwald-Hirsch“ darf ich jedenfalls jetzt meinem Namen vorausstellen.

Donnerstags, 15.00 Uhr, versammeln sich 21 Teilnehmer im Hotel Sonnenhof, oberhalb des heilklimatischen Kurorts Hinterzarten. Frauen und Männer, Ältere und Jüngere, Gesundheitsläufer und Ambitionierte, freiwillige Wiederholungstäter und solche, deren Triebfeder aufgrund eines Geschenkgutscheins vage bleibt. Nach einer kurzen Vorstellung des Teams mit sportlicher Palmares, stellt Herbert Steffny klar, dass eine Überforderung nicht zu befürchten sei: „Wir können auch langsam laufen, immer noch langsamer als die Langsamsten.“

Seminarleiter Herbert Steffny und Hotelführer Charly Doll vor dem Fitnesshotel "Sonnenhof" in Hinterzarten Täglich angepasste Lauf- und Walktreffs Die abtrainierten Kalorien werden von Olympiakoch Charly Doll mit köstlichen Speisen wieder aufgefüllt

In lockerer Atmosphäre – das wird ausdrücklich bevorzugt – gibt es noch eine Einweisung zum Seminarhotel, welches ausschließlich für uns reserviert ist: „Ihr könnt auch gern in Laufkleidung zum Essen kommen.“ Olympiakoch der deutschen Skisprung-Goldmedaillengewinner 2002 und selbst Sieger des weltgrößten Ultramarathons, des südafrikanischen Comrades Marathons, und 2-facher Alpine Davos Marathon Gewinner Charly Doll könnte zusammen mit seiner Ehefrau, der Marathonläuferin Friederike Doll, den Slogan „zu Gast bei Freunden“ erfunden haben.

Laufen-Genießen-Entspannen heißt das Programm. Rund 1000 m über dem Meeresspiegel, eingebettet in saftige Wiesen, kühle Wälder und Hochmoore, sowie im Vergleich zum Nordschwarzwald sanftem Profil, lässt es sich trotz Anblick von Skischanzen und des unweit alles überragenden Feldbergs sehr gut gemäßigt laufen und walken. Wege und Kulturlandschaft sind, wie bei einem Kurort nicht anders zu erwarten, äußerst gepflegt und erinnern an die Schweiz. Genuss garantiert Charly Dolls leichte Vollwertkost, die er in seinem Buch „Perfektes Lauftraining - Das Ernährungsprogramm“ bekannt macht. Seminarteilnehmern öffnet der Küchenmeister sein Reich und keine Frage lässt er unbeantwortet. Es bleibt nur wenig Zeit zum Entspannen. Wintergarten und vor allem das Kelo-Dorf, Blockhütten aus Keloholz mit der finnischen Erd-Sauna Karhuntassu (Bärentatze) und der Panorama-Sauna Hullu-Poro (verrücktes Rentier), würde man doch zu gern länger nutzen, aber gebucht hatte man eben ein Intensiv-Laufseminar-Wochenende.

Nach der Begrüßungszeremonie ... ... und einem kurzen Läufchen zum Auflockern, gab es den ersten "Workshop" zu Gymnastik und ... ... Dehnen

Und es wird nicht lange gefackelt. Nach der Begrüßung, werden reihum in wenigen Fragen Fitness und Erwartungen der zukünftigen Schwarzwald-Hirsche bzw. -Gazellen offenbar. Ungewöhnlich, diesmal ist der Frauenanteil nur ein Drittel, sonst sind die Geschlechter eher paritätisch vertreten. Zwischen 36 und 60 Jahren alt ist das Gros, aber in fast zwei Jahrzehnten Seminarbetrieb hat Herbert Steffny auch Jugendliche und über 70 jährige geschult. Die Selbstzuordnung von 4x Walking, 6x Einsteiger, 14x Fitness und 3x Leistungsläufer (Mehrfachnennungen waren möglich) zeigt die Ausgewogenheit der Gruppe, auch wenn die Zuordnung mitunter nachgebessert werden musste. Spätestens die Puls- und Laktatwerte sollten die Wahrheit ans Licht bringen.

Nach der Anreise und weiterem Sitzfleischtraining, endlich nach kurzer Einweisung in Herzfrequenzmessung und Trainingssteuerung der erste Ausflug ins Gelände. Drei Gruppen konnte man sich zuordnen. Steffny blieb bei der Mitte, während die „Starken“ an der Seite von Charly Doll schon wichtige Tipps erhaschen konnten, über sein Trainingsverhalten im bergigen Terrain: „Da machen 500 Gramm mehr schon was aus.“ Ach ja, dass der Dauerbrenner Abnehmen ein verbreitetes Thema war, wird kaum überraschen.

Das erste Abendessen, bestehend aus einem 4-Gänge-Menü, wird zusammen mit Chefkoch Charly Doll zubereitet Einer darf dem Chef aus erster Hand helfen. Seminarteilnehmerin Ulrike wurde "Vorköchin" Der erste Gang, die Salate der Saison, wird vorgestellt

Die wenigen Teilnehmer ohne eigenen Herzfrequenzmesser bekamen einen geliehen, doch beschränkten sich Einweisungen nicht auf diese Spezies, vielmehr waren Erläuterungen zum Thema Herzfrequenz ein häufig genanntes Anliegen. Auch Besitzer solcher Messgeräte wollten mehr über ihre Trainingszonen erfahren. Zusätzlich Zulauf bekam die Walking-Abteilung schon am ersten Tag. Gründe in der Tagesform oder der ungewohnt dünnen Hochschwarzwaldluft zu suchen, ist müßig. Zum Abschluss immer noch ein wenig Stretching, trotz bekannter wissenschaftlicher Zweifel an der Wirksamkeit der jahrzehntelang bewährten Übungen.

Höhepunkt des ersten Tages sollte der Vollwertkochspaß mit Charly Doll werden. Ein Stück Kuchen am Mittag war lange verdaut und Hunger lieferte die ideale Grundlage auch für weniger engagierte „Freunde“ der Kochkunst. Keine Sorge, weder planschten alle im Essen herum, noch blieb es bei bloßer Theorie. Auch in Sachen Ernährung wurde nie etwas aufgezwungen. Weißmehl, Zucker, Wurst und Alkohol waren stets verfügbar. Es gab aber auch immer wildes Quellwasser, Vollkornvarianten und Obst. Die modernen Renner der gesunden Küche, Quinoa und Amaranth, wurden ebenso verarbeitet, wie Buchweizen und Fisch. Was ist dran an Pasta, ohne die ein Marathon angeblich kaum zu bestehen ist? Wo sind die wichtigen Inhaltsstoffe drin und wie bereite ich Lebensmittel schonend zu?

Das Dessert wird à la ... ... "Vollwertkochspaß" gemischt Nach jedem Kochkurs-Gang verteilt Marathonläuferin Friederike Doll das Ergebnis

Viel gutes Öl, badischer Wein und Knoblauch ist unverzichtbar, Salat und Gemüse sind Hauptbestandteil, Fleisch und Fisch die Beilage. Gemüsesud in 10 Liter Eimern gelagert, wird man kaum zu Hause nachahmen. Auch einem Lachs das Fell abzuziehen (Verzeihung, die Haut) wie es der Gourmetkoch gekonnt vormacht, wird wohl im Kleinfamilien-Alltag nur selten gebraucht. Aber die Tricks sind lehrreich und der Vortrag kurzweilig. Die Fülle an Informationen gibt es auch in Dolls Ernährungsbuch, müssen also weder notiert noch erinnert werden. Ob es allerdings ratsam ist, daheim den Nachtisch bis unter die Decke zu werfen um die Soße unterzumischen? Diese Mätzchen überlässt man besser dem Profi in der gefliesten Edelstahlküche. Was in vier Gängen - endlich erschließt sich mir diese Bezeichnung, von der Küche wechselte man mit dem Zubereiteten immer in den Speisesaal zur sofortigen „Vernichtung“ – an Zutaten verwendet wurde und was daraus entstand ist, ist hier angehängt und zu lesen mit einem KLICK

Der Trupp wird nicht nur satt, er schweißt auch zusammen. Charly ist eben nicht nur einer der besten Altersklassenläufer, er ist auch ein Typ zum Anfassen, irgendwie bodenständig, aber weltweit gereist. Mal essen, was Sven Hannawald nicht dick gemacht hat. Und was drin ist in den Tellern, wird auch in den folgenden Tagen immer vom Küchenchef erläutert. Um 22 Uhr war der Nachtisch verspeist. Die Hardcores spülten mit einem Glas Wein oder einer Flasche Bier nach. Jetzt war Freizeit bis 7.30 Uhr.

Früh morgens ein Blick vom Balkon. In Hinterzarten hängt noch der Morgennebel. Am Rössleberg in 1000 m strahlt die Morgensonne Sonniger Morgenlauftreff mit Herbert Steffny ... oder Charly Doll

Laufen und Walken. In 30 Minuten fit in den Morgen. Wieder in Leistungsgruppen durchstreifen wir Torfmoose, Brachwiesen und Wollgras und haben das unverschämte Glück, den vom Aussterben bedrohten Moorgelbling zu sehen. Ohne unserem Anführer, Biologe und Schmetterlingsforscher Herbert Steffny, wäre uns der doch glatt als verfärbter Zitronenfalter in die falsche Schublade gerutscht. Der Sonnenhof macht bereits zu früher Stunde seinem Namen alle Ehre, ideale Bedingungen um gleich im Anschluss ans Wachküssläufchen die Videoaufnahmen für die Laufstilanalyse zu machen. Jeder ein Mal von vorne, von hinten und von der Seite. Wer spät dran kommt, gerät aus dem Zeitplan und muss sich beim Frühstück sputen. Intensiv-Seminar heißt, voller Terminplan und selten bin ich in so kurzer Zeit so oft zu spät gekommen.

Beim Frühstück sorgt Friederike für Nachschub: „Noch jemand ein gekochtes Ei?“ Kaffee hier, Schwarzwälderschinken da. Müsli, wer´s mag, Brötchen und Vollkornbrot in mehreren Varianten, dazu Käse vom nahen Bauernhof. Auf die Zutaten kommt es an und deren Quelle. Bis zum Mittagessen rauchen die Köpfe. Ausdauersport, Fitness, Alter und Lebensqualität waren beleuchtet worden, gefolgt vom Vortrag Alltag, Fitness und Figur. Mit dem Bronzemedaillengewinner im Marathon bei Europameisterschaften und Fernsehkommentator Steffny haben wir einen kompetenten Seminarleiter, der alles von schlappschlank und fit-schlank erläutert, aufgelockert durch Erlebtes bei seiner internationalen Laufkarriere oder seinem Job als persönlicher Marathontrainer des damaligen Außenministers Fischer.

Nach dem Morgenlauftreff Videoaufnahmen für die Laufstilanalyse, von vorne, von hinten und von der Seite

Endlich Mittagessen, oder besser geistige Pause. Doch weiter geht es Schlag auf Schlag. Biologische Grundlagen, Leistungsfähigkeit und Energiestoffwechsel werden erklärt, denn Diplom-Sportlehrer Michael Kutzner ist im Anmarsch um Laktat zu messen. Doping ist Reizthema, läuft doch gerade die Tour de France. 2/3 aller Freizeitläufer trainiert auch ohne Aufputschmittel noch zu schnell und vermindert dadurch den Spaßfaktor. Marathon und Langzeitanpassung sowie Trainingspause und rascher Abbau der Fitness werden uns aufgezeigt. „Hartes Training hieß bei uns viel Umfang, nicht unbedingt schnell laufen“, damit wurde Herbert immerhin Dritter in New York und siegte alleine drei Mal beim Frankfurt Marathon.

Nachmittags heißt es hin und her ... ... rennen Das Laktatmess-Team um Michael Kutzner und Simone Fuhr wartet schon

Endlich joggen zum Stadion HSV hinunter nach Hinterzarten. Bald werden die Laktatwerte den Pulswert ins rechte Licht rücken. 4 mmol heißt der Zauberwert. Den übertreffen manche doch sogleich überdeutlich. Während die Läufer übers Ziel hinaus schießen, dümpeln die Walker weit unter ihrer anaeroben Schwelle. Steffny plädiert dafür, ins Walkingprogramm auch mal eine Laufeinheit einzubauen: „Das Herz weiß nicht, ob man läuft oder marschiert.“

Michael Kutzner beim "Hand lesen" der Laktatwerte Immer wieder Pulskontrolle Es hat gar nicht weh getan

Zurück im Sonnenhof ist etwas Zeit für die Saunalandschaft oder zum Entspannen. Dann überrascht Charly mit neuen Köstlichkeiten und schon sind wir Seminarteilnehmer mit Georg Thoma allein. Herbert Steffny und Familie Doll haben sich eine Pause verdient. Ein leibhaftiger Olympiasieger (1960, Nordische Kombination), 4-maliger Holmenkollensieger und 2-facher Weltmeister, 69 Jahre alt, klein aber athletisch, passt auf uns auf. Aus einer 25-minütigen Filmvorführung lernen wir, das Skifahren vor 117 Jahren über den Schwarzwald in Deutschland Einzug fand und die Region veränderte. „Wir Hinterzarter ernähren uns von Touristen“, zitiert er einen Schulaufsatz.

Dann erzählt Thoma mit viel Humor seine Geschichte, vom Hirtenbuben zum Medienstar. Sport machte es möglich und die Folgen waren schwer zu ertragen. Gespräche mit dem norwegischen König, Fernseh- und Rundfunksendungen, und endlich daheim, erwarteten den mittlerweile als Briefträger beschäftigten 25000 Fans im winzigen Hinterzarten, und den Touristen wird er vorgeführt wie ein Tier im Zoo: „Da wirst du verrückt.“ Schließlich wandert er nach Skandinavien aus. „Es war eine andere Zeit. Sport war damals die schönste Nebensache der Welt. Heute ist das etwas anders.“ Der Abend ist zu schnell vorbei. Gelernt habe wir auch die alte deutsche Bezeichnung für Nordic Walking: „Bei uns hieß das Skigang.“

Vom Hirtenbuben zum Olympiasieger: Georg Thoma tischte Anekdoten aus seiner aktiven Kombiniererzeit auf und ließ sich gern mit Fans fotografieren In Sichtweite vom Hotel Sonnenhof liegt die Viersprungschanze von Hinterzarten, sommers wie winters in Betrieb Eine Gelegenheit, sich das Training der Stars von morgen anzusehen (diese Skispringerin ist 9 Jahre alt und heißt nicht Hanna Wald)

Am Morgen des dritten Tags wechseln nicht nur die Gruppenführer, auch einige Schüler formieren sich neu. Das Programm ist intensiver, also fangen wir bereits 7.15 Uhr an. Duschen, Frühstück oder rasieren? Im ersten Vortrag wird die Ernährung vertieft: Nährstoffdichte, Eiweißversorgung, Fette, Süßigkeiten, Alkohol, Getränke, Verwertung. Wie immer mit einem Späßchen garniert und praktischen Tipps etwa zum selbstgemixten Wettkampfgetränk.

Im zweiten Vortrag ging es um Laufbekleidung und Ausstattung. Viele sind nicht auf dem neuesten Stand, andere gehen viel zu dick angezogen laufen. Und zu einem dritten Vortrag an diesem Morgen kam Dr. Markus Keller (Gynäkologe und Oberarzt an der Frauenklinik Villingen), Läufer mit BZ 10 km unter 30 min und 2:19 über Marathon zu uns auf den Rössleberg. Er referierte über die großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht bis hin zur Orthopädischen Prävention, vorbereitend auf den mittäglichen medizinischen Risiko-Check.

Am frühen Morgen wird wieder gelaufen, gejoggt oder gewalkt

Gestärkt vom Mittagessen aus der Olympiaküche wurde es spannend. Individueller Beratungsteil hieß der Programmpunkt. Herbert Steffny ermittelte noch den Körperfettanteil und definierte anhand der gesammelten Daten Trainings- und Wettkampfvorgaben unter Berücksichtigung des Schwellenpulses und Laktatwerts. Leistungsorientierte dürfen noch etwas abnehmen, während Gesundheitsorientierte mitunter besser wegkommen. Zum ausgedruckten persönlichen Fitness-Check packt im Anschluss Dr. med. Keller ein paar Ergebnisse wie Blutdruck und Cholesterin und klärt über erkennbare Risiken auf bzw. rät zur Abklärung bei Verdacht. Selbstverständlich sind diese Beratungen vertrauliche Einzelgespräche.

Dr. Keller geht zu Boden und zeigt wie es richtig gemacht wird, das Kräftigen der Bauchmuskulatur Neben der Laufmuskulatur wird auch das Sitzfleisch in dem 4-tägigen Seminar gestärkt Herbert Steffny, auch in der Theorie ausdauernd

Nun schon mit festen Vorsätzen ausgestattet, kommen die „fliegenden Händler“ von City Sport Freiburg gerade recht und die Seminarteilnehmer nutzen gern die Möglichkeit auf Laufband und im Gelände Schuhe und Kleidung unter fachlicher Anleitung zu testen und anzuschaffen. Am späten Nachmittag führt uns Herbert bei einem längeren Lauf in seinen Wohnort Titisee und um den ganzen See herum. Das Klischee der Schwarzwaldklinik lässt grüßen. Längst hat das Laufen uns zu einem Team vereint, schon vermisst man die anderen, die mit Charly unterwegs sind oder es doch mal unter fachlicher Anleitung mit Nordic Walking versuchen. Wieder lockt die Sauna noch zu einem Gang vor dem Abendessen.

Am Abend werden endlich die Laufstil-Aufzeichnungen analysiert. Humorvoll, aber auch mit Kritik an einseitigen Empfehlungen von Vorfußlaufaposteln. Ein paar praktischen Beispiele aus Fernsehaufzeichnungen von Weltklasseläufern und Applaus beim Zieleinlauf von Herbert Steffny bei den Europameisterschaften 1986 in Stuttgart. Jeder Laufstil hat seine Berechtigung an seinem Platz und den Vorfußlauf könnten wir gut bergauf oder bei kurzen Rennen einsetzen, aber Marathon läuft in der Weltelite niemand auf dem Ballen und damit basta. Eine Koordinationsübung ist Laufen an sich und wer alternative Trainingsformen wie Rad fahren, Schwimmen, Aqua joggen oder Skilanglauf praktiziert, verschafft sich Vorteile.

Anja Janoschka und Dagmar Bettinger (re.) begleiten langsamere Läufer und die Walker ... ... und geben eine Einweisung zum Walken mit Stöcken, kurz Nordic Walking genannt Mit Herbert Steffny ging es am vorletzten Tag zum "langen Lauf" rund um den Titisee

Nun flimmert jeder Einzelne über die Leinwand. Schlimme Fußfehlstellungen konnten wir gar nicht bewundern, aber so mancher Schuh wurde nur noch für Gartenarbeiten tauglich erklärt. Ungleiche Armhaltungen und zu wenig Vorwärtsdrang der Arme und steifer Oberkörper waren häufige Fehler. Die hätte man während des Seminars schon gezielt angehen können, bemängelten Teilnehmer, jetzt blieb nur noch die letzte Laufeinheit. Vielleicht ein Verbesserungsvorschlag im Ablauf für die Zukunft. Aber bei einer zweistelligen Zahl von involvierten Seminarbetreuern und Referenten sind starre Konzepte sicher kaum durchzuhalten.

Unter klarem Sternenhimmel schnappen noch ein paar nach Luft. Am Berg gegenüber die Skisprungschanzen mit den großen Namen auf der Siegertafel. Unser Georg Thoma steht auch drauf, Hannawald, Goldberger und wie sie alle heißen. Wieder macht der Frühstückslauf fit für den Tag, wir streifen die Ravenna-Schlucht. „Wir laufen früh um 5 zum Schluchsee“, hatten welche tags zuvor angezettelt. Ein Spaß. Aber tatsächlich gibt es viele interessante und verschieden anspruchsvolle Strecken um den Sonnenhof.

Eine finnische Saunakultur im Schwarzwald gibt es im Hotel Sonnenhof. Herrlich entspannen kann man in dem nach Charly Doll´s Plänen gebauten Saunabereich, genannt Kelo-Dorf (Keloholz ist eine Kiefernart). Die großzügige Anlage bietet in 3 Blockholzhütten Ruheraum, Duschen und 2 finnische Saunen. Die Erdsauna (in den Berg gebaut), genannt Karhuntassu (=Bärentatze) und die Panoramasauna Hullu-Poro (=verrücktes Rentier à la Charly), von der man eine herrliche Sicht ins Tal genießen kann

„Wir bieten auch außerhalb der Seminare Trainingswochen bzw. -wochenenden für Vereine und Gruppen an“, klärt mich Charly Doll auf. Mit 15 bis 25 Personen hat man ein Hotel für sich allein. Das es ein Leichtes ist, den Senioren-Berglaufweltmeister für Lauftouren zu gewinnen, versteht sich von selbst, und ein gemeinsamer Vollwertkostabend in der Küche ließe sich bestimmt auch einrichten. Ein Blick auf die Internetseite zeigt wo das Motto „Mitmachen, Erleben, Wohlfühlen“ Wirklichkeit wird.

Doch weiter im Ablauf, denn der bleibt kompakt. Frühstücken und ab zum Workshop Trainingsplanung. Superkompensation, Regeneration, Leistungszuwachs, Trainingsformen und –zyklen. Alle Vorträge sind mit Präsentationen aufgelockert. Grafiken, Filme und Tabellen erleichtern das Verstehen. Vielleicht joggen die Walker in Zukunft ihre Tempoeinheit oder Jogger machen ihre regenerative Einheit walkend? Die Trainingsprinzipien waren jetzt einleuchtend. Warum langsam Laufen, war beantwortet. Ernährung und wie man Gewicht verliert, war theoretisch gelöst. Nun müssen nur noch die Pfunde runter. Dass Geduld und Vernunft zum Ziel führen, konnten wir auch Herberts Schilderungen zum New York Marathon entnehmen. Von Platz 30 auf drei zu laufen wird selbst bei kleineren Marathons den Seminar-Teilnehmern kaum gelingen, aber mit der richtigen Renneinteilung steigt nicht nur der Spaßlevel, sondern auch der Erfolg.

Der letzte Morgenlauf über Hügel ... ... und durch schwarze Wälder Irgendwann geht auch die schönste Zeit zu Ende und das Hotel Sonnenhof erwartet uns ein letztes Mal mit leckerem Frühstücksbüfett

Reißenden Absatz fanden die Bücher von Steffny und Doll, die um eine Widmung nicht herumkamen. „Das große Laufbuch“ gehört als Nachschlagewerk sowieso in das Bücherregal eines Läufers und Charly hat sicher nichts dagegen, wenn sein „Das Ernährungsprogramm“ gleich in den Küchen landet.

Gestärkt von Mittagessen des Gourmetkochs und mit den Rezepten für Mohntorte und Apfelkuchen mit ganzen Äpfeln ausgestattet, unterdrückte bei der großen Verabschiedung die nicht ganz ernste Aushändigung der Ehrenurkunden aufkommenden Tränenfluss. Herbert Steffny, Charly & Friederike Doll, Dagmar Bettinger (langsame Läufer sowie Walker und Nordic Walker) und Anja Janoschka (für die joggenden und walkenden Nachzügler) haben sich beim täglichen Training sehr gut bewährt. Die geringe „Klassenstärke“ lässt viel individuelle Betreuung zu, doch irgendwo ist halt doch eine Grenze.

Wer´s vergessen hat wie´s geht. Alles auch nachzulesen in Herbert Steffnys "Das große Laufbuch" Zum Abschied gab es noch die Ehrenurkunden für die Schwarzwald-Hirsche bzw. Schwarzwald-Gazellen Teilnehmen an einem Seminar von und mit Spitzensportlern: Herbert Steffny, Marathondritter der EM in Stuttgart 1986 und Charly Doll, Berg­ und Ultralangstreckenläufer der Weltspitze (beide unter Porträts im LaufReport)

Während bei den Marathons mit Joschka Fischer auch die Abwehr von Fotografen der Boulevardpresse und das Getränkereichen geleistet werden musste, gilt es beim Intensiv-Laufseminar am Abend die fast erschöpfte, aber vorhandene Auskunftsfreude der Meisterläufer mit den ganz persönlichen Fragen und Nöten zu reaktivieren. Aber nach noch mehr Informationen stand einem kaum mehr der Sinn. Und Fragen wie „kann ich Marathon auch 10 Minuten schneller laufen“, fanden vielleicht auch unausgesprochen ihre Antwort. Einfach maßvoll und richtig trainieren.

Und die Energiezufuhr muss stimmen. Die ist bei Fett rasch zu hoch. Denn ein Gramm Fett hat mehr als doppelt soviel Kalorien wie ein Gramm Eiweiß oder ein Gramm Kohlenhydrate. „Fett mal 2, ich war dabei“ und ich dehne seitdem immer noch, egal ob es von Nutzen ist.

Im Internet

www.seminarhotel-sonnenhof.de

www.herbertsteffny.de

www.hinterzarten-breitnau.de

Bericht von Walter Wagner
Fotos von Constanze & Walter Wagner

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