24. - 27.11.16 - Cyprus 4-Day Challenge (Zypern)

Sportliche Herausforderung in Urlaubs-Atmosphäre

48 Kilometer & 1.000 Höhenmeter in vier Tagen

von Axel Künkeler

Wer zum Ende der Saison nochmal eine sportliche Herausforderung sucht, vor dem Winter Sonne tanken und Urlaubs-Atmosphäre genießen möchte und das bei einer professionell organisierten Veranstaltung mit familiärem Charakter, der ist bei der Four-Day Challenge auf Zypern genau richtig. An vier Tagen stehen vier Läufe auf dem Programm: vom 6k-Einzelstart über den 11k-Berglauf und einen Halbmarathon bis zum abschließenden 10k-City Run. So kommen 48 Kilometer und knapp 1.000 Höhenmeter zusammen - durchaus eine Challenge, selbst für gut trainierte Ausdauersportler.

Für die professionelle Organisation sorgt der Engländer Mike Gratton mit der Agentur "2:09 Events", die benannt ist nach der persönlichen Bestzeit ihres Gründers und Inhabers, seiner Siegerzeit beim dritten London Marathon 1984. Nach seiner aktiven Zeit ist Gratton ins Lauf-Reisen- und Veranstalter-Geschäft eingestiegen, vermarktet neben Laufreisen etwa zwanzig Events, die meisten davon in Großbritannien selbst. International gehören die ‚Big Five' in Südafrika und der ‚Himalayan Kingdom Marathon' in Bhutan dazu. Und eben die ‚Four-Day Challenge' auf Zypern, die er zusammen mit der zypriotischen Partner-Agentur ‚Arena Sports Cyprus' managt.

Laufen oder Baden im Meer am Tag, chillen nachmittags bis Sonnenuntergang
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Bereits zum 11. Mal fand die Veranstaltung in diesen Tagen statt. Da kann man schon von einem Erfolg sprechen, auch wenn die Teilnehmerzahlen angesichts der für eine solche Lauf-Reise nicht ganz billigen Kosten und Gebühren überschaubar bleiben und sich auf etwa 200 in jedem Jahr eingependelt haben. Einige Wiederholungstäter sind diesmal wieder mit dabei, wie der Saarländer Steffen Schindler (zum 4. Mal) oder der Hamburger Klaus Unterspann, der mit neun Teilnahmen fast alle Challenges mitgemacht hat. Der 75-jährige, der vor zehn Jahren im Pensionsalter seinen ersten Marathon (3:45h in Berlin) gelaufen ist, hat bereits dreimal seine Altersklasse M70 bzw. früher die M65 gewonnen.

Engländer dominieren quantitativ und qualitativ
Die Deutschen reisen entweder individuell an wie Jens und Simone Heymann sowie Birgit und Ralph Schmidt von der LLG Wonnegau aus der Nähe von Worms. Oder sie buchen bei einem deutschen Laufreise-Veranstalter wie ‚lauftreffreisen' des Düsseldorfers Wolfgang Hofmann. Das macht neben Unterspann auch Steffen Schindler mit seinen Lauffreunden von der saarländischen LG Bexbach. Untergebracht sind die Pauschalreisenden im ‚Coral Beach Hotel and Resort', gut zehn Kilometer nördlich von Paphos in der Korallenbucht an der Westküste Zyperns gelegen.

Die Ferienanlage bietet mit Strand und Swimmingpool, Fitness-Center und Spa-Bereich alle Annehmlichkeiten zum aktiven Regenerieren zwischen den anstrengenden Läufen. Die Zeit nehmen sich die meisten Läufer denn auch an den vier Wettkampftagen; die Besichtigung all der interessanten Sehenswürdigkeiten Zyperns findet überwiegend vorher oder nachher statt. Die im östlichen Mittelmeer gelegene Insel Zypern ist eben auch Ende November mit sehr angenehmen Temperaturen jenseits der zwanzig Grad noch bestens geeignet, ein paar Tage Urlaub zu verbringen. Vor allem, wenn angesichts von Sonne pur in der ganzen Woche selbst die Einheimischen sagen, dass sie "einen solch warmen und sonnigen November noch nie erlebt" haben.

Sanfter Agro-Tourismus soll die Bergdörfer der Akamas Halbinsel wieder beleben Race Director Mike Gratton von 2.09events mit seinen Co-Organisatorinnen von arena sports

Knapp zehn Prozent (19) der 201 Finisher kommen aus Deutschland, weitere sechs Prozent (12) aus den Niederlanden. Einige wenige Zyprioten, ein paar andere europäische Länder wie die Schweiz und Österreich sowie Übersee-Nationen wie USA und Neuseeland sind ebenfalls vertreten, sorgen für einen Nationen-Rekord bei der 11. Auflage. Das weit überwiegende Gros aller Teilnehmer kommt jedoch mit siebzig Prozent (139) aus Großbritannien, dem Land von Veranstalter Mike Gratton.

Deutsche können sich behaupten

Aber nicht nur zahlenmäßig dominieren die Engländer, an der Spitze der Klassements sind sie ebenfalls stark vertreten. Vor allem bei den Männern, wo nach dem souveränen Sieger Michael Kallenberg und weiteren acht Briten erst auf Rang zehn der erste "Ausländer" folgt. Mit Holger Federmann (3:21:34h) ist es gleichzeitig der beste Deutsche. Mit Tobias Streit (23./3:30:50h) und Steffen Schindler (37./3:43:37h) können sich zwei weitere Deutsche im Feld der 136 Männer noch relativ weit vorne behaupten.

Nur bei den Frauen entreißt die Niederländerin Karen Wijlaars am Schlusstag den englischen Frauen noch den sicher geglaubten Sieg. Ebenfalls auf Rang zehn kommt die beste Deutsche: Vera Pfitzer (4:02:49h/4. W35). Eszter Schmidt-Hantos (25./4:41:19h) als Dritte der W40, die Saarländerin Petra Helfen (42./5:09:52/4. W55) sowie Simone Heymann (53./5:48:07h) und Birgit Schmidt (54./5:50:05h) folgen als weitere Deutsche im Feld der 65 Frauen.

Etliche Teilnehmer aus Deutschland kamen mit Lauftreffreisen von Wolfang Hofmann (mitte, blaues Shirt) Vier Rheinpfälzer von der LLG Wonnegau in Rheinland-Pfalz Vier Saarpfälzer von der LG Bexbach (Saarland)

Den deutschen Männern gelingen zumindest einige vordere Platzierungen in den jeweiligen Altersklassen: neben Holger Federmann als 4. W40 sind es der Saarländer Michael Helfen (4:29:48h) als 3. M55 und der Düsseldorfer Wolfgang Hofmann (5:36:57) als 3. M70. Aber auch Jens Heymann (85./4:42:44/13. M50) und Ralph Schmidt (95./4:49:49/13. M45) von der LLG Wonnegau sowie Stefan Emser (105./4:59:11/9. M55) von der LG Bexbach können zufrieden sein. Besonders trifft dies auf den Saarländer Stefan Emser zu, der zu Beginn noch befürchten musste, aus gesundheitlichen Gründen vielleicht nur beim 6k starten zu können. Doch er dachte von Tag zu Tag, biss sich durch und finishte am Ende ‚glücklich und zufrieden' alle vier Rennen.

Besonders erfolgreich war jedoch auch diesmal wieder der 75-jährige Klaus Unterspann, der nicht nur die Gesamtwertung der M70 (eine M75 gab es nicht) gewann. Er siegte in allen vier Läufen, dominierte damit seine Altersklasse ganz überlegen mit fast einer dreiviertel Stunde Vorsprung auf den Zweiten. Der Hamburger blieb bei seinem erneuten Triumpf bescheiden, verwies beim abschließenden Gala-Dinner darauf, dass die Konkurrenz in seiner Altersklasse diesmal nicht ganz so stark gewesen sei. "Mit etwa der gleichen Zeit bin ich in Vorjahren mal nur Vierter geworden."

Was auf die M70 zutreffen mag, gilt jedoch nicht für die Spitze des Gesamt-Klassements. Da wurden sowohl bei den Männern wie bei den Frauen auch in der Breite echt Top-Leistungen abgeliefert. Während der Engländer Michael Kallenberg bei den Männern vom ersten Tag an in Führung lag, war bei den Frauen zudem noch ganz viel Spannung angesagt mit täglichen Positionswechseln an der Spitze. Doch dazu im Einzelnen von Tag zu Tag.

Direkt an der Hafenpromenade schickte Mike Gratton die Läufer im 10-Sekunden-Takt auf die 6k W40-Siegerin Lisa Grantham vor der W60erin Janet Tolson (beide GB)

Tag 1: Einzelstarts beim Coral Beach 6k Time Trial
Der Tag der Kurzstrecke ist überhaupt ein Tag der kurzen Wege. Nach dem Frühstücks-Buffet geht's direkt nebenan ins Wettkampf-Büro zur Abholung der Startunterlagen. Mit der Start-Nummer hat man bereits eine erste Orientierung für die Laufstrecken der nächsten Tage. Aufgedruckt ist nämlich eine Landkarte von Zypern mit den verschiedenen Strecken. Um 13 Uhr mittags findet im nächsten Konferenzraum das detaillierte Briefing statt. Renndirektor Mike Gratton und seine Co-Organisatorinnen von Arena Sports stimmen die Läuferinnen und Läufer ein, erläutern Laufstrecken und Höhenprofile, geben organisatorische Hinweise zu Abläufen und Transfers der verschiedenen Start- und Zielorte.

Nachmittags um 15.30 Uhr dann der erste Start; direkt unterhalb des Hotels am Ende der Strandpromenade. In alphabetischer Reihenfolge der Vornamen von der Britin Abi Gooch mit der Startnummer 1 bis zum Niederländer Theo Sessink (225) schickt Mike Gratton die Läuferinnen und Läufer im Abstand von zehn Sekunden auf die Strecke. Nach dem kurzen Promenaden-Stück führt diese erst leicht kupiert durch den kleinen Ort Peyia. Nach gut einem Kilometer geht es entlang der Landstraße hinaus auf die Felder, dort im Zick-Zack-Kurs über asphaltierte Wege an Bananen-Plantagen vorbei. Wer Zeit hat zu genießen, kann dies mit Blick auf das Mittelmeer, über dem die Sonne langsam untergeht.

Wolfgang Hofmann ging als Laufreise-Veranstalter in der M70 selbst an den Start Simone Heymann und Stefan Emser auf Feldwegen entlang von Bananen-Plantagen Einer der ältesten Teilnehmer war der Brite Dennis Devey Birgit Schmidt finisht exakt nach einer Stunde und einer Sekunde

Wer dagegen auf den sportlichen Wettkampf fokussiert ist, muss seine eigene Tempohärte bei diesem 6km-Sprint von Anfang bis Ende ausreizen. Und die ist an der Spitze erstaunlich hoch, obwohl auf dem flachen Kurs immerhin noch 50 Höhenmeter drin sind. Mit einem beachtlichen KM-Schnitt von 3:15/3:16 Minuten wird an der Spitze gezeigt, dass die Läufer der ‚Royal Air Force' wirklich fliegen können. Michael Kallenberg gewinnt in 19:31 Minuten ganz knapp vor seinem Team-Kollegen James Bellward (19:39). Dritter wird Steve Ferguson in 20:17 vor 13 weiteren Briten! Erst auf Rang 17 taucht mit dem Schweizer Fritz Leibundgut (22:45) der erste Nicht-Brite in der Männer-Wertung auf. Und Holger Federmann muss sich in 24:05min. nach drei anderen Deutschen am ersten Tag mit Rang 36 begnügen.

Bei den Frauen sind es ebenfalls drei Britinnen auf dem Podest: Shan Mansfield (23:32) vor Lisa Grantham (24:27) und Angela Jones (24:31). Dahinter liegt die Niederländerin Karen Wijlaars (24:35) als Vierte aber bereits in Lauerstellung. Die Deutsche Vera Pfitzer (26:16) reiht sich als Elfte im Frauen-Klassement ebenfalls bereits vorne mit ein.

Durch die karge Berglandschaft der Akamas Halbinsel Bei allen vier Läufen, wie hier beim Berglauf, war jeder einzelne Kilometer ausgeschildert

Tag 2: 650 Höhenmeter beim AKAMAS 11k Hill Run
Tag zwei ist der Tag der Berglaufspezialisten. Bereits kurz nach acht Uhr fahren die ersten Shuttle-Busse die Läuferinnen und Läufer zum Startort, der zehn, fünfzehn Kilometer vom Hotel entfernt direkt an der Küste der Akamas Halbinsel liegt. Weitgehend unverbaut bildet sie den nordwestlichen Zipfel Zyperns. Nur wenige Meter über dem Meeresspiegel erfolgt um 9.30 Uhr der Startschuss. Das Ziel liegt in dem kleinen Bergdorf Pano Arodes, 650 Meter hoch gelegen. Die Laufstrecke steigt gleich auf den ersten Metern kräftig bergan und führt fast gleichmäßig weiter nach oben.

Der Untergrund ist staubig, grober Schotter, teils zerfurcht. Konzentration auf die Strecke ist ratsam, nur ab und an geht der Blick in die karge Landschaft der Kalkberge mit ihrem meist niedrigen Bewuchs. Nur vereinzelt bieten (Oliven)Bäume ein wenig Schatten, überwiegend wird in der Sonne gelaufen. Und die hat durchaus noch Kraft, lässt die Temperaturen auf zwanzig Grad, gefühlt sogar deutlich höher, ansteigen. Zum Glück warten fleißige Helfer alle drei, vier Kilometer mit Wasser und nassen Schwämmen. Jeder einzelne Kilometer wie auch die gesamte Streckenführung sind sehr gut ausgeschildert - verlaufen "in der Wildnis" damit ausgeschlossen.

Bei KM 6 ging es ordentlich bergab - im Gegenanstieg weiter nach oben 650 Höhenmeter auf 11k - da wurde öfters Schritt-Tempo eingelegt

Wobei "Laufen" für viele ohnehin nicht durchgängig möglich ist. In den steileren Passagen gilt oftmals das Motto: "Laufen so lange es geht. Gehen bis es wieder läuft." Bei KM 6 geht es nochmal rund 70 Meter bergab, doch der Gegenanstieg in Richtung der romantischen Bergdörfer am östlichen Höhenzug der Halbinsel ist bereits in Sicht. Also wieder hoch, bei KM 9 noch eine kleine Senke und dann ist auch schon die Straße erreicht, die auf dem letzten Kilometer nochmals kräftig ansteigend nach Pano Arodes führt. Auf dem Dorfplatz direkt neben der Kirche eine mediterran anmutende Ziel-Atmosphäre, die die Anstrengung des Laufes schnell vergessen lässt.

Am schnellsten sind wieder die Engländer Michael Kallenberg (47:09) und James Bellward (47:58) im Ziel. Rob Grantham (48:56) als Dritter hat bereits über eine Minute Rückstand. Dass damit bereits das Gesamtergebnis der Four-Day Challenge bei den Männern steht, lässt sich trotzdem allenfalls vermuten. Der Deutsche Holger Federmann glänzt als Tages-Achter (54:02) und schiebt sich damit in der Gesamt-Wertung deutlich nach vorne.

Die Saarländer Michael und Petra Helfen kurz vor dem Ziel Geschafft - am Ortseingang des kleinen Bergdorf Pano Arodes war das Ziel nicht mehr weit Zieleinlauf an der Kirche von Pano Arodes für die Britin Helen Walker

Bei den Frauen ist es ebenfalls der Tag der Britinnen, die die ersten fünf Plätze belegen. Vor allem die W50erin Angela Jones erweist sich als Berglauf-Spezialistin, gewinnt als Gesamt-32. in 1:00:43h die Frauenwertung im ‚11k Hill Run' und übernimmt damit auch die Führung nach den ersten beiden Tagen. Zweite wird ihre Landsfrau Sarah-Jane Barrable (1:01:41) vor Lisa Grantham (1:02:25). Die Niederländerin Karen Wijlaars verliert als Achte (1:06:24) fünf Minuten auf die Spitze und scheint ihre Chance auf den Gesamtsieg bereits am zweiten Tag verspielt zu haben. Direkt hinter ihr liegt Vera Pfitzer (1:07:51) auf Rang neun und setzt sich damit in den TopTen fest.

Mediterrane Atmoshäre im Ziel auf dem Dorfplatz von Pano Arodes Zu den wenigen zypriotischen Startern gehörte Anthi Demetriou Gut lachen hatte Sieger Michael Kallenberg - der Engländer hatte vom ersten bis zum letzten Tag die Führung inne
Wertung nach zwei Tagen:
Männer Frauen
1. Michael Kallenberg 1:06:41 1. Angela Jones 1:25:15
2. James Bellward 1:07:37 2. Sarah-Jane Barrable 1:26:45
3. Rob Grantham 1:09:57 3. Lisa Grantham 1:26:53

Tag 3: Der Halbmarathon durch den Akamas Nationalpark
Am dritten Tag heißt es, noch ein wenig früher aufstehen und frühstücken. Bereits um 7.45 Uhr fahren die Busse los. Es geht noch weiter in Richtung Norden, quer über den Höhenzug auf die nordöstliche Seite der Akamas Halbinsel und von der Küste wieder ein Stück hoch in das romantische Bergdorf Néo Cherio. Die sogenannten Laóna-Dörfer (Höhendörfer) sollen mit Hilfe von EU-Geldern wieder zum Leben erweckt werden. Sanfter Agro-Tourismus soll die Region nachhaltig entwickeln; ein Internet-Café hat Einzug gehalten und in der Töpferei Triskélion werden hochwertige Kopien antiker zypriotischer Keramik hergestellt. Weite Teile der Landschaft rund um die stillen Bergdörfer sind als Nationalpark unter Schutz gestellt.

Angela Jones lag nach zwei Tagen in Führung, die sie im 10k-Finale noch an die Holländerin Karen Wijlaars abgeben musste An der St. Minas Kirche von Neo Chorio erfolgte der Start zum Halbmarathon

Doch für die Ausdauersportler bleibt kaum Zeit, sich die Dorf-Idylle näher zu betrachten. Um 9:30 Uhr ist bereits wieder der Start direkt neben der Dorfkirche St. Minas. Beim heutigen Halbmarathon wird es vor allem auf die richtige Renneinteilung ankommen. Die ersten Körner sind nach zwei Tagen bereits verbraucht und auch das Streckenprofil ist tückisch. Auf den ersten drei, vier Kilometern geht es - meist auf Asphalt und Beton - raus aus dem Dorf Néo Cherio. Wohin? "First uphill", erklärt Mike Gratton am Start. Gut 150 Meter bergauf, bevor ab KM 4 eine fünf Kilometer lange, grob-schottrige Bergab-Passage folgt.

Die Dorfstraße hinaus ging es die ersten vier Kilometer bergauf

Vorsicht ist hier erneut geboten, will man nicht stürzen. Also nicht zu viel Geschwindigkeit aufnehmen und das noch aus einem zweiten Grund: nach der Bergab-Passage ist bei KM 9 nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft, liegen noch zwölf Kilometer vor den Läufern. Der Schluss-Abschnitt führt zwar "nur noch" an der Küste entlang, dies aber durchaus nicht nur flach, sondern mit einigen Aufs und Abs, für die man sich noch ein paar Körner sparen sollte. Die meiste Zeit läuft man ohnehin wieder voll in der Sonne, kaum Schatten, auf staubigen Schotter-Pisten. Da die Strecken zwar sehr gut beschildert sind, aber keineswegs den Läufern allein vorbehalten sind, begegnet man zudem etlichen Touristen, die mit Jeeps und Quads ihrem ökologisch nicht wirklich verträglichen Urlaubsspaß nachgehen. Doch Pistenstaub und Motorenlärm können den Spaß am Lauf entlang der wunderschönen Mittelmeerküste bei den Läuferinnen und Läufern nicht trüben.

Mit einigen Auf- und Ab-Passagen hatten es die letzten 12km in sich M70-Sieger Klaus Unterspann aus Hamburg auf der Bergab-Passage zwischen KM vier und neun Spaß nicht nur auf den letzten 12 KM entlang der Küste hatte Nana aus Ghana

Die Schnellsten unter ihnen bringen zudem wieder sportlich hervorragende Leistungen auf die Piste. Ein Schnitt von 17 km/h auf dieser Strecke, das ist schon aller Ehren wert. Und erneut sind es Michael Kallenberg (1:14:29) mit seinem dritten Tagessieg in Folge und James Bellward (1:16:39), zum dritten Mal Zweiter, die diese Leistung bringen. Über zwei Minuten Vorsprung allein heute - damit ist die Entscheidung in diesem trotzdem spannenden Duell endgültig gefallen. Dritter wird erneut Rob Grantham (1:17:16), der damit seinen Platz auf dem Podest festigt, ebenso wie Holger Federmann seine TopTen-Platzierung als Neunter im Halbmarathon (1:25:23).

Jens Heymann (LLG Wonnegau), beim Zieleinlauf an der Akamas Toxeftra Beach wird am Ende 13. M50 Hinter der Finish Line am Strand lagen die Kleiderbeutel

Wirklich spannend bleibt es dagegen bei den Frauen: den Tagessieg holt sich erstmals Karen Wijlaars (1:29:06) mit deutlichem Vorsprung vor den Britinnen Lisa Grantham (1:32:43) und Shan Mansfield (1:32:56). Die Niederländerin rückt damit um fünf Plätze auf Rang drei in der Gesamtwertung vor. Angela Jones als Vierte behält zwar ihre Führung nach dem dritten Tag, spürt aber, dass sie mit ihrer Halbmarathon-Zeit (1:33:33) die Chance auf den Gesamtsieg bereits verspielt hat. "Das war heute kein guter Lauf von mir", bemerkt sie selbstkritisch. Vera Pfitzer kann dagegen als 10. Frau in 1:42:34 erneut zufrieden sein.

Wertung nach drei Tagen:
Männer Frauen
1. Michael Kallenberg 2:21:10 1. Angela Jones 2:58:48
2. James Bellward 2:24:15 2. Lisa Grantham 2:59:36
3. Rob Grantham 2:27:14 3. Karen Wijlaars 3:00:05

Tag 4: Zum Finish der 10k Paphos City Run
Der letzte Sonntag im November, in Deutschland der 1. Advent. Von vorweihnachtlicher Stimmung ist auf Zypern jedoch nichts zu spüren. Sirtaki-Musik statt "Last Christmas" und "Griechischer Wein" statt Glühwein; Sonne und sommerliche Temperaturen statt Schnee und klirrender Kälte. Aber am Morgen ist es noch ziemlich frisch, heute geht's noch früher aus den Federn. Um 6 Uhr gibt es bereits ein Läufer-Frühstück im Hotel, um 6:45 Uhr geht es per Shuttle nach Paphos. Die über 60.000 Einwohner zählende Stadt ist ein flirrender Mix aus Neuzeit und Antike, aus Touristen-Hochburg am Meer und türkisch geprägter Oberstadt, aus moderner Bebauung und Relikten der Antike.

Paphos mit seinem Hafen, an der Westküste Zyperns, war Ort des 10k-Laufes zum Abschluss Summer in the City beim 10k in Paphos

Der Start ist direkt im Hafen-Areal unmittelbar neben der mittelalterlichen, 1592 erbauten Festung. Bereits um 8 Uhr erfolgt der Startschuss für den abschließenden 10km-Stadtlauf durch Paphos. Der Grund für die frühe Startzeit liegt darin, dass am späteren Vormittag der Paphos Halbmarathon auf teilweise identischen Streckenabschnitten stattfindet. Weil beide Veranstalter nach Insider-Informationen wohl "nicht miteinander reden", kommt es zu der Termin-Kollision. Der City-Halbmarathon ein Wochenende vor oder nach der Challenge und manch ein Lauftourist würde sogar beide Events mit einer Woche auf Zypern verbinden.

Trotz eines Sturzes am zweiten Tag finishte die W70erin Susan Lambert alle vier Rennen Vorbei ging es am 4. Tag an alten Hafenanlagen, Cafés, Restaurants und Yachten

So geht es am frühen Sonntagmorgen für die Challenge-Teilnehmer um die Entscheidung, wer die Nase vorn hat. Nun sind wieder die Tempoläufer gefragt und da ist zumindest bei den Männern klar, wer da vorne liegen wird. Michael Kallenberg und James Bellward haben ihre Tempohärte gleich am ersten Tag unter Beweis gestellt und durch ihre Fähigkeiten als Allrounder auch in den Bergen die Basis für den Gesamtsieg gelegt. Also keine Überraschung mehr, dass am vierten und letzten Tag über 10k wieder die beiden Briten vorne liegen. Nur eine kleine Änderung gegenüber den drei Vortagen gibt es dann doch im Ziel, denn diesmal liegt James vor Michael. Ob Kallenberg angesichts des klaren Vorsprungs nicht mehr alle Reserven mobilisierte oder ‚gönnerhaft' seinem Teamkollegen den Tagessieg überließ, sei dahin gestellt. 10k-Sieger wird jedenfalls James Bellward (32:15) vor Michael Kallenberg (33:29) und Alexander Money (33:56). Hinter Iain Bailey wird Rob Grantham diesmal Fünfter, ohne damit Patz drei auf dem Podest der Gesamtwertung zu gefährden. Und auch Holger Federmann gefährdet seinen 10. Platz gesamt nicht mehr, obwohl er die 10k "nur" auf Rang 15 in 38:02 finisht.

M65er Jean Brakenhoff aus den Niederlanden Vorbei an der Burg im Hafen von Paphos ging's ins Ziel des City Run

Bei den Frauen wird dagegen das Gesamt-Klassement nochmals gründlich neu sortiert. Mit dem Sieg im abschließenden 10km-Lauf, dem zweiten insgesamt, sichert sich Karen Wijlaars noch den zwei Tage zuvor nicht mehr für möglich gehaltenen Gesamtsieg. In 39:11 Minuten liegt die "fliegende Holländerin" zwar nur zwanzig Sekunden vor Shan Mansfield, aber ihrer Haupt-Konkurrentin um den Gesamtsieg, der führenden Angela Jones (40:35), nimmt sie über eine Minute ab. Das reicht am Ende um die Gesamtwertung der Four-Day Challenge für sich zu entscheiden. Und Lisa Grantham wird nur Fünfte in 41:37 Minuten, rutscht damit als bislang zweite Frau noch vom Podest auf Rang vier ab, während sich ihre Landsfrau Shan Mansfield durch Rang zwei über 10k noch auf Platz drei gesamt vorschiebt. Wie bei den Männern finisht auch bei den Frauen die beste Deutsche auf Patz 15; und auch Vera Pfitzer behält trotzdem ihre TopTen-Platzierung.

Abschluss-Wertung der Four-Day-Challenge:
Männer Frauen
1. Michael Kallenberg 2:54:39 1. Karen Wijlaars 3:39:17
2. James Bellward 2:56:31 2. Angela Jones 3:39:23
3. Rob Grantham 3:01:51 3. Shan Mansfield 3:40:04
   
10. Holger Federmann 3:21:34 10. Vera Pfitzer 4:02:49

Noch im Zielbereich des Hafens von Paphos wurde mit "music and beer" gefeiert, bevor die Busse Läufer und Läuferinnen wieder ins Hotel zurückbrachten, wo am Abend im Rahmen eines Gala-Dinners die Siegerehrungen stattfanden. Durch den frühen Start am Morgen blieb jedoch tagsüber genügend Zeit für ein wenig Sightseeing. Der archäologische Park von Pafós mit seinen antiken Grabungsstätten und den gut erhaltenen römischen Bodenmosaiken, das Kastell oder die Paulus-Säule auf dem Gelände einer frühchristlichen Basilika, an der Apostel Paulus nach seiner ersten Predigt ausgepeitscht worden sein soll, sind die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten neben einigen anderen wie den Königsgräbern. Bei einem Bummel entlang der Strandpromenade oder in einem der zahlreichen Straßen-Cafés kann man den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Auch die letzten Läufer wurden im Ziel bejubelt Großes Finale für Läufer und Volunteers
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Zypern hat insgesamt natürlich noch eine Menge mehr zu bieten, mit weiteren antiken Stätten, dem pulsierenden Limassol, der mit 180.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt, dem Trodoos-Gebirge im Landesinnern, bei Wanderungen oder Mountainbike-Touren oder in dem 240.000 Einwohner zählenden Nikosia, der weltweit letzten geteilten Hauptstadt einer zwischen dem griechischen und dem türkischen Teil Zyperns gespaltenen Insel. Allemal interessant genug, um an die lohnenswerte sportliche Herausforderung der Four-Day Challenge einige Tage dranzuhängen, um mehr Zeit und Muße fürs Sightseeing zu haben.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Informationen und Ergebnisse www.cypruschallenge.com

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