9.8.09 - 36. "Course des cinq 4000" Sierre – Zinal (CH)

"Wir sind hier im Kanton Wallis - die sind so!"

von Walter & Constanze Wagner

Genauer sind wir im Val d` Anniviers. Ein Tal, an dessen Hängen alljährlich die Glorifizierung des Berglaufens verloren geht. Vorrübergehend. Die Verherrlichung scheint schon in Zinal wieder aufzukeimen. Beim verbalen Wundenlecken beginnen Augen zu leuchten. "Das sind also meine Grenzen", gesteht eine Eliteläuferin nach der Auslotung. Bei allen Zweifeln, nicht wenige werden Abonnement-Teilnehmer, also Dauergäste auf der Stellplatzliste.

Das Schauspiel konnte zum 36. Mal beobachtet werden, dank des Bergführers Jean-Claude Pont. 34 Jahre war der Erfinder alt als das älteste Bergrennen erstmals stattfand, 33 mal hat er bisher selbst daran teilgenommen. Bei 3:58:36 h steht sein persönlicher Rekord. Dabei ging es im Val d` Anniviers gleich richtig los, zur Premiere zählte man 1000 Teilnehmer. Darunter auch Gaston Roelants, zehn Jahre zuvor Olympiasieger über 3000m Hindernis.

Jean-Claude Pont hatte die Idee, Menschen die Bergwelt mit einem Lauf, einer Wanderung, näher zu bringen. Der sogenannte Touristenlauf ohne Zeitnahme ist von Anfang an dabei. "Und viele Wanderer starten mittlerweile bei den Läufern", weiß der Gründer zu berichten. "Man muss nicht nur auf der Bahn laufen, es geht auch in den wunderschönen Bergen", leistet er Überzeugungsarbeit. Die vielen Spitzenathleten führt er gern vor: "Um zu demonstrieren wie schnell man bei einem Berglauf unterwegs sein kann."

Zwischen Chandolin und Tignousa mit Blick auf die Viertausender mit ihren vom ewigen Eis bedeckten Gipfeln. Das Matterhorn (Bild links) sieht von der "falschen" Seite ganz anders aus wie man es von Zermatt aus gewohnt ist. Lässt die Wolkendecke keinen Panoramablick zu, gibt es bei Tignousa ein Großgemälde mit der verpassten Aussicht

Mit über 3000 Meldungen gab es nach rückläufigem Interesse in den letzten Jahren wieder ein großes Teilnehmerfeld zu verzeichnen. Schließlich gingen in allen Bewerben 2865 über die Startlinie von denen 2805 auch das Ziel erreichten. "Mehr als 2700 bis 3000 verkraftet die Strecke und die Organisation nicht, wenn man weiterhin Qualität bieten will", zieht Jean-Claude Pont eine Grenze. Da die ersten acht Kilometer vom Start auf 585 m ü.M. nach Ponchette auf 1870 m ü.M. führen, ist leicht auszumachen, dass bei solch einer Steigung im Gebirge an freies Laufen auch dann nicht zu denken ist. Für fast alle heißt es bald in der Reihe marschieren.

Um 5 Uhr starten die Touristes, um 9 Uhr die Coureurs. Zielschluss ist um 16.30 Uhr. Die Länge des Laufs: nur 31 Kilometer. Der höchste Punkt ist 2425 m über dem Meeresspiegel und wird nach 24 Kilometern erreicht. Dann geht es hinunter in den Zielort Zinal (1680 m ü.M.), zum Schluss verliert man auf knapp zwei Kilometern allein 400 Höhenmeter. Asphalt gibt es auf den ersten Metern und auf den letzten, der große Rest führt über Wiesen, über Wald- und Gebirgspfade. Passagen zum Erholen gibt es so gut wie nie, es sei denn, man gönnt sich eine Pause. Über 2000 Höhenmeter werden teils ruppig gewonnen und fast 1000 Meter an Höhe teils fast im Sturzflug verloren. Der Rest in einem stetigen Auf und Ab gesammelt. Im Berglauf Journal von Wilfried Raatz fällt der Lauf in die Kategorie langer Berglauf mit andauernder Belastung über mehrere Stunden für Spezialisten. Eine spezielle Vorbereitung wird dringend angeraten.

Die Junioren starten in Chandolin und laufen von da ab die gleiche Strecke wie die Coureurs 19 Kilometer lang bis Zinal

In Chandolin hat man rund 45 Prozent der erwarteten Laufzeit erreicht, wie ein Schild nach dem Ort verkündet. Eine einzigartige Methode, um die Schwierigkeiten in die Distanz einzubeziehen. In Chandolin starten Kinder und Jugend. Die 19 Kilometer der Originalstrecke bis Zinal mutet man dem Nachwuchs zu, schließlich hat man ihnen den Anstieg auf 2000 m ü.M. erspart. Ein Blick auf startnummernbestückte Kinder nährt den Verdacht, es müsse zudem einen Bambinilauf in diesem Bergdorf geben. Am einzigen Punkt entlang der Strecke, der mit dem Auto angefahren werden kann, gibt es auch eine Zeitermessmatte und eine Verpflegungsstation. Der Mann von Datasport verneint meine Frage nach einem Kinderlauf im Ort: "Die laufen alle die 19 Kilometer nach Zinal. Wir sind hier im Kanton Wallis. Die sind so." Zwei 7-Jährige sowie sechs 9-Jährige weist der Zeiterfassungsservice aus. 130 Namen umfasst die Finisherliste des Nachwuchses, der mitunter Erwachsenenbegleitung genoss.

Der schnellste Junior im Ziel Augustin Salamin (hier kurz nach dem Start an 2. Position). Der vorausstürmende Erwan Kaeser (nicht auf dem Foto) wird von ihm noch überholt aber mit Platz 2 belohnt Im Wallis ist das Laufen für die Kinder irgenwie anders. Jahrgänge 1990 bis 2002 liefen die schweren 19 Kilometer von Chandolin bis Zinal Juniorinnen-Siegerin wird die Britin Holly Page

Nach oben war der Lauf der Juniors bis Jahrgang 1990 ausgeschrieben. Jean Claude Pont räumt ein, dass Mediziner den seit einem Dutzend Jahren stattfindenden Juniorenlauf für zu lang hielten: "Sie sollen ja nicht wie die Elite rennen, sondern eher wie die Touristes." Man sieht schließlich kleine Kinder, die ihre wenigen Kilos spielend fortbewegen. Und ältere, fast Erwachsene, die bald wandern, aber auch welche, die unmerklich langsamer sind als die zugegeben mit 12 schweren Kilometern vorbelasteten Eliteläufer. Augustin Salamin, in Grimentz im Val d` Anniviers beheimatet, siegt bei seiner letztmöglichen Teilnahme in 1:27:20 h. Ebenfalls Jahrgang 1990 ist die Siegerin Holly Page aus West Yorkshire. Die Britin benötigte 1:59:55 h. Mit dem Profil wohl bestens vertraut, da aus St. Luc unterhalb von Chandolin am Hang gelegen, die Kinder der Familie Wanner. Luka, Jahrgang 2000, ist nach 2:24:26 h im Ziel, der zwei Jahre jüngere Nathan zeigt in 2:56:36 h noch etlichen die Hacken.

Zwischen Chandolin und Tignousa immer die Viertausender im Blick

"Course des cinq 4000" heißt der Lauf. Tatsächlich gibt es die schneebedeckten Riesen auch zu sehen. Zur majestätischen Krone berühmter Gipfel von über 4000m, in der am Ende des Val d`Anniviers der Zielort Zinal liegt, ein altes Maiensäss mit seinen typischen Häusern aus Arvenholz, zählen Weisshorn, Zinalrothorn, Bishorn, Obergabelhorn, Dent Blanche. Auf den wechselnden Motiven der Medaillen des "Course des cinq 4000" sucht man das Bishorn vergebens, denn dort ist das Matterhorn dabei, dessen Anblick ein gutes Stück des Weges die Strapazen erleichtert, wenn auch der Berg der Berge sich mit der breiteren Rückseite präsentiert.

Schon am Start im Rhonetal beeindrucken die Bergrücken der Berner Alpen, die auf der gegenüber liegenden Seite der verhältnismäßig breiten Ebene aufragen. Freilich können die Touristes diese nicht sehen, denn die starten ja noch in völliger Dunkelheit. Auch bei den Coureurs bleibt nicht viel Zeit zum Umsehen nach dem Start, denn bald lässt die Steigung die Köpfe tief über die Erde sinken. Ob die Besten auf den ersten Kilometern alles laufen, fragt sich so mancher ambitionierte Läufer, für den - wie für beinahe alle - allerhand Wanderkilometer an diesem Tag zusammengekommen waren.

Der Äthiopier Zewdu Jiru Degada liegt bis Tignousa, ungefähr die Hälfte des Rennens, in Führung Am Hotel Weisshorn (ca. 20 km) hat der Spanier Kilian Jornet Burgada bereits die Führung übernommen Der fünfmalige Sierre-Zinal Sieger Ricardo Meija aus Mexico hat das letzte Mal 2005 gewonnen. Heute läuft der 46-Jährige auf Platz 9, gewinnt aber die VI-Wertung. Hinter ihm der Brite Billy Burns, der im Jahr 2000 gewann, läuft auf Platz 12 und mit Jahrgang 1969 auf Platz 2 der VI

Tatsächlich machen die Zwischenzeiten an der Spitze schwindelig. In Beauregard ist man auf 1146 m ü.M., hat 15 Prozent seiner Endzeit auf dem Konto und etwa 4 Kilometer in den Beinen. Der Äthiopier Zewdu Jiru Degaga hat hier nach 21:38 min bereits einen beachtlichen Vorsprung auf Kilian Jornet Burgada (22:30) und läuft im Bereich von Jonathan Wyatt (21:10) bei seinem Streckenrekord von 2:29:12 h im Jahr 2003. Eine ganze Reihe Verfolger passieren hier den ersten Postes de Ravitaillement, einer von acht Verpflegungsstellen einschließlich Start und Ziel, in der 24. Laufminute.

Bei den Frauen führte die Favoritin Anna Pichrtova aus Tschechien in 26:22 min zeitgleich mit Laurence Yerli-Cattin. Nur sieben Sekunden dahinter Brandy Erholz aus den USA. Angela Mugde passiert Beauregard nach 26:49 min auf dem vierten Rang liegend. Kaum langsamer als bei ihrem Sieg im Jahr 2001, als sie nach 25:48 min Durchgangszeit in 2:56:41 h die erste Frau wurde, die die 3h-Marke knackte. Fast eine Minute vergeht, ehe mit Michaela Mertova die Landsfrau der tschechischen Bergkönigin den weiteren Anstieg nach Ponchette in Angriff nimmt.

Schnell mal einen Blick auf die Bergriesen riskiert bevor wieder Konzentration auf den schmalen Bergpfad gefordert ist Auch für die Elite läuft es beim Sierre-Zinal nicht immer leicht. Eine der Favoritinnen, die Tschechin Jana Bauckmannova wird 41. Frau

International geht es an der Spitze des Feldes zu, in der Breite verteilen sich die 24 Nationen recht einseitig. 79 Prozent aller Läuferinnen und Läufer kommen aus der Schweiz, 9 Prozent aus Frankreich. 128 Belgier und 80 Briten folgen in der quantitativen Nationenwertung. Vor den Niederlanden mit 36 und Italien mit 31 Meldungen findet man Deutschland fast bei den Exoten mit nur 39 Teilnahme-Erklärungen. Selbst die Verteilung der Schweizer Kantone belegt eine gewisse Scheu in die Romandie, den französischsprechenden Landesteil, aufzubrechen.

Sierre-Zinal löst auch im vierten Jahrzehnt in Läuferkreisen meist unwissendes Achselzucken aus. Gründe sind im Verständigungsproblem zu suchen. So exponiert Zinal am Ende einer "Deadend-Street" liegt, ist der Start am Rande von Sierre doch gleich bei der Autobahnausfahrt und ohne spektakuläre Pass-Straßen zu erreichen. Respekt vor dem Kurs ist ein Argument, das einen Startverzicht erlaubt, doch scheint mir nicht die reine Vernunft Grund für ein Fernbleiben zu sein. Dass das Erlebnis nachhaltig wirkt, und das im positiven Sinn, sei behauptet. Doch bleiben ein paar Besonderheiten, die man jenseits der Alpen kaum versteht.

3. Florent Troillet (CH) 2. Tarcis Ancay aus Ayer 4. Rickey Gates (USA) Bester Deutscher Tobias Severin auf Platz 39

Muss ich bei den Touristes starten morgens um 5 Uhr? Und wenn ich bei den Coureurs starte, schaffe ich die Zwischenzeiten überhaupt? Ist es der ausgeprägte Ordnungssinn, der Deutschen hier einen Strich durch die Rechnung macht? Erwähnenswert ist, dass der schnellste "Tourist" Didier de Courten nach 3:09:44 h das Ziel erreichte. Der Tausendste der 1702 klassierten Touristes wird mit 5:38 h erfasst, über 600 bleiben unter der 5 Stunden-Marke. Kurzum, das doppelte Angebot ist offensichtlich kein reines Ordnungskriterium. Die 974 Namen umfassende Liste der Coureurs endet jenseits von sieben Stunden und ein Blick auf das Ende des Feldes zeigt, zu Fuß von Sierre nach Zinal zu kommen ist zu schaffen.

Das Vergnügen hat freilich seinen Preis. Damit meine ich nicht die 44 Euro Startgeld, inklusive Diplom, Medaille und Mittagessen. Wiederholt macht sich Nachdenken breit an der Teilnahme. Der Parcours will erobert sein. Der "Nie-wieder-Gedanke" wird früh zum Begleiter und wird beim brutalen Bergab im Schlusshang nochmals entfacht. Gedanken sind vergänglich, der Rückfall ist programmiert. Sierre-Zinal kann auf "Wiederholungstäter" bauen. Zu begrüßen wäre, es gelänge den Anteil der Deutschen zu erhöhen, die Angst vorm Springen zu nehmen, Sprachbarrieren zu überwinden und dieses Abenteuer zugänglich zu machen, gerade da es Respekt und Ehrfurcht vor der Schöpfung vermittelt. Selbstverständlich läuft so mancher fernab jeder Empfindung das Ding ab, zumindest lässt die unglaubliche Spur in die Landschaft entsorgter Gel-Verpackungen diesen Schluss zu.

Hoch über den Wolken ist man bereits bei 2000 Höhenmetern

34 Prozent, also ein gutes Drittel, darf man in Ponchette abhaken. Doch setzt die Berechnung voraus, dass man die Kräfte richtig einteilt. Selbst Eliteläufer verlieren auf kurzer Distanz bergab nicht nur den Anschluss, sondern handeln sich eine Quittung von einer halben Stunde Zeitverlust ein. Eine ganz andere Variante des Gedankens, dass im engen Tal des Bächleins La Navisence die Zeit stillzustehen scheint. Auf 63 Sekunden ist der Vorsprung des Äthiopiers angewachsen. Mittlerweile verfolgen der Spanier Kilian Jornet und der Tscheche Robert Krupicka als Interessensgemeinschaft den dunkelhäutigen Tempomacher, im Schlepp David Schneider von der SG Wil. Nach fast einer Stunde Laufzeit ist aber immer noch ein mehrköpfiges internationales Konglomerat nur Sekunden zurück auf Schlagdistanz geblieben. Darunter der fünffache Sieger Ricardo Mejia aus Mexico.

Im Gegensatz zu den Männern gibt es bei den Frauen kein Positionsverschiebung. Jedoch setzt sich das Gummiband in Bewegung, es zieht sich, reißt aber längst nicht. Anna Pichrtova hat nach 61 Minuten nur 13 Sekunden auf Laurence Yerli-Cattin herausgeschunden. Auf 65 Sekunden spannt sich das Band bereits zur Amerikanerin Brandy Erholz, die nur noch 10 Sekunden vor Angela Mudge liegt. Mertova läuft ihr eigenes Rennen und nach 64:05 min weiter der 2000m-Höhenmarke entgegen.

Anna Pichrtova (CZ), Streckenrekordhalterin und Seriensiegerin von 2006 an, gewinnt erneut 2. Frau wird Laurence Yerli-Cattin aus Dombresson Für die Schottin Angela Mudge, nach dem Sieg 2001 sowie 2. Plätzen 2007 und 2008 blieb heuer Platz 3. Sie läuft gut & gern solch schwere bergauf-bergab Rennen wie Siege beim SkyRace Valmalenco-Valposchiavo zeigen Die Schweizerin Andrea Huser lief am Vortag noch beim Glacier 3000 Run als Team Läuferin den schweren steilen 2. Part, heute wird sie 8. Frau

Auf dem Weg nach Chandolin ein erster Eindruck vom Bergab. Kilometer 12 wartet mit 47 Prozent auf - fast Halbzeit. Der Weiler ist außer Rand und Band, wenn man am Course des cinq 4000 wohnt, lässt man sich das Treiben nicht entgehen. Nachdem die Kinder auf die Strecke entlassen sind, erwartet man voller Spannung die Elite. An der Spitze keine Veränderung, 1:10:44 h die Zeit des Führenden Degaga, dahinter das gleiche Paar in 1:12:10 h. 15 Sekunden später ist auch Schneider über die Matte. Pichrtova führt in 1:23:08 mit nun 23 Sekunden Vorsprung. Im Zweikampf um den dritten Platz führt weiterhin Erholz (1:24:53) vor Mudge (1:25:19).

Die Seilbahn Tignousa ist die nächste Station mit Verpflegung und weitem Blick. Die 5 km zum Hotel Weisshorn sind einsehbar, dort gibt es den nächsten Postes de Ravitaillements auf 2337 m ü.M. im Fels. Zwischen Chandolin und Tignousa (2180 m ü.M.) endet die Waldregion. Viel Grün und ein Blumenmeer begrenzt das braune Band, den jeden unachtsamen Tritt bestrafenden Bergpfad, auf dem sich die Läuferschlange bewegt. Wie so oft, ist das Wetter schön, daran konnte auch eine andere Vorhersage nichts ändern. Umso besser, denn was folgt wird bei schlechtem Wetter nicht leichter und ungefährlicher.

Ein Huldigung mitten in der Natur Das Zurückgelegte wird vermittelt:
54% von ihrer Totalzeit!
Zucker, Brot und ... Obst an den Verpflegungsstellen

In Tignousa haben sich wieder viele Zuschauer eingefunden, die Technik lässt sie bequem einschweben. Anna Pichrtova erhöht den Druck, will die Schweizerin aus Dombresson entscheidend abschütteln und ihren vierten Sieg in Folge sichern. Doch nur eine Minute sind vergangen, dann folgt mit gutem Eindruck die Konkurrentin immer noch beängstigend nah. 1:44:25 bzw. 1:45:25 h sind vergangen, der 15. Kilometer war gerade passiert, jetzt bestätigte die Angabe mit 58%, dass auf den verbleibenden rund 15 Kilometern mit 42 Prozent noch Anforderungen warten. 1:47:23 h, die nächste Frauendruchgangszeit liefert Angela Mudge, die Brandy Erholz passierte und 21 Sekunden hinter sich wusste. 1:50:19 die Zwischenzeit von Mertova, die man längst nicht abschreiben konnte.

Für Zewdu Jiru Degaga ein vorläufig letzter Triumph als Erster das Bad in der Menge zu genießen. 1:29:57 gibt er in Tignousa vor, doch das Duo Krupicka/Jornet lässt nicht lange auf sich warten (1:30:32). Weitere 28 Sekunden zurück David Schneider und immer noch wie am Schnürchen folgend Rickey Gates, Florent Troillet und sich langsam nach vorne schiebend, sein eidgenössischer Landsmann Tarcis Ancay aus Ayer.

4. Frau Michaela Mertova aus Tschechien Die 7. Frau Sintayew Adel aus Äthiopien genießt die kurzzeitige Erfrischung Christine Poyet aus Wissembourg (den Deutschen bekannt von Bad Bergzabern, wo sie zuletzt beim Kurstadtlauf gewann) läuft das 1. Mal den Sierre-Zinal & wird gleich 9.

20 Kilometer sind beim Hotel Weisshorn abgespult und mit 71 Prozent der erwarteten Endzeit liegt man schon 5-6 Prozent im Plus. Man könnte auch ableiten, dass man sich nun etwas sputen sollte. Aussichten hat man genug gehabt und wenn nun am Mittag das Wetter umschlägt, ist der Spaß schnell zu Ende. Das Wetter hielt, dennoch wartete man auf Degaga nun etwas länger. Er war aus den Top Ten gefallen und beendete das Rennen auf Rang 26. Sechs Sekunden lagen nach 1:50:58 h nun zwischen Kilian Jornet und Robert Krupicka, zugunsten des überragenden Trailrunners von der iberischen Halbinsel. Das Gummiband trieb sein unerbittliches Spiel. Verkürzt hatte es sich zu Tarcis Ancay und Rickey Gates (USA), die quasi auf den Tschechen aufgeschlossen hatten. Schneider und Troillet folgten in der gleichen Minuten.

2:07:50 h für Pichrtova, 2:10:25 für Yerli-Cattin, 2:12:02 für Mudge, 2:13:38 für Erholz sowie 2:15:16 für Mertova so machten sich die Damen auf den Weg zum höchsten Punkt der Strecke, Nava 2425 m ü.M. 88 Prozent der errechneten Endzeit hat man dann schon wieder auf 2210 m Höhe in Barneuza nach ungefähr 26 Kilometern. Während Ancay dem Spanier die Hölle heiß machte und hier nach 2:17:00 h nur noch 10 Sekunden Rückstand hatte, war es Anna Pichrtova offenbar gelungen mit einem nun auf fast drei Minuten angewachsenen Polster den Deckel vorzeitig zuzumachen. Im 2-Minutentakt folgten hinter Yelli, Mudge und Mertova. Erholz hatte einen weiteren Platz eingebüßt.

Veronika Ulrich (25. in 3:52:42) war überrascht von den Schwierigkeiten. Sierre-Zinal ist als Übungssstrecke für die Langdistanz Berglauf-WM im Oktober bei der Tour de Tirol gut geeignet. Bei kürzeren Bergläufen wie den Matterhornlauf wurde sie 4. und bei der Deutschen Berglauf Meisterschaft 2. Klaus Hoffmann (Jg. 1949) vom TuS Griesheim wird bei seiner 12. Teilnahme 3. bei den Vétérans III Britta Müller(D) kam aufgrund einer Einladung, die sie beim Sieg des Hundseck-Berglaufs gewann zum Sierre-Zinal und aufgrund einer Empfehlung ihres Vereinskollegen, der von der Strecke schwärmte. Die Anstiege bereiteten ihr keine Probleme. Bergab verlor sie viele Plätze und landete auf Platz 11, gewann aber die Kategorie FI

Mehr noch als der Bergauf ist das Entsetzen ambitionierter Freizeitläufer über den folgenden Abschnitt hinunter nach Zinal. Dabei ist immer die Rede von der Stelle kaum zwei Kilometer vor dem Ziel, wo der Weg regelrecht abknickt. Nicht hochdrücken, bremsen ist jetzt gefordert, was die müde Muskulatur mit Schmerzsignalen nur unwillig über sich ergehen lässt. Fast werden die Unterschiede hier noch besser sichtbar, zwischen den Spezialisten fürs Hochalpine und den Mittelgebirgsläufern. Mühsam erkämpfte Positionen gehen verloren, lässt man sich nicht fallen. Schürf- und Platzwunden kommen vor, Stürze gehen aber in der Regel glimpflich aus. Der Rettungshubschrauber steht parat und kommt auch zum Einsatz, denn Kreislaufprobleme gibt es selbst in der reinen Höhenluft.

Zinal begrüßt mit einem City-Marathon-Ziel. Bannerfolien, Absperrgitter, Lautsprecheransagen, VIP-Zelt, Ordnern, Helfern und begeisterten Zuschauern. Sieger werden in Beton gegossen, heißt ein Fußabdruck für die vergängliche Ewigkeit abverlangt und öffentlich hinter Glas präsentiert. Mit Kilian Jornet Burgada traf es den Spanier allein, der in 2:35:31 h in diese besondere Hall of Fame Aufnahme fand. Tarcis Ancay, der 2006 seinen Fußabdruck abliefern durfte, wurde für das BCVS Mount Asics Team Zweiter in 2:37:16 h. Florent Troillet ließ nicht lange auf sich warten und folgte in 2:37:36 aufs Treppchen.

Hinauf ... ... hinunter... ... da hängt einem schon mal die Zunge runter

Rickey Gates (2:38:53) und Robert Krupicka (2:39:07) folgten auf den Plätzen 4 und 5. Und weiter auf Platz 6 der Kolumbianer Juan Pablo Rangel (2:39:31) und der Spanier Christofol Castanyer (2:42:37) auf Rang 7. David Schneider wurde 8. in 2:43:03 vor dem Sieger der Veteranen I Ricardo Mejia (2:43:35). Hinter Agusti Roc (ESP - 2:45:03), mit Jean-Christophe Dupont (Frankreich - 2:45:51) und Billy Burns (GBR - 2:47:13), die Sieger von 2007 und 2000. Es hat Tradition, dass man Sierre-Zinal läuft, auch wenn man den Zenit überschritten hat.

Anna Pichrtova durfte ihre Schuhe anbehalten. Ein Abdruck, mehr ist nicht drin. Aber das wusste die Tschechin bei ihrem vierten Sieg in Folge längst. Eine Fortsetzung in Sachen Streckenrekordverbesserung gab es in diesem Jahr nicht. 2:58.25 h ist eine gute Zeit, doch im letzten Jahr hatte sie die Prämienmarke auf 2:54:26 h verbessert. Laurence Yerli-Cattin wurde Zweite in 3:04:51 h und Angela Mudge kam auf Rang drei in 3:10:07 h. Fast aufschließen konnte noch Michaela Mertova als Vierte in 3:11:10. Brandy Erholz sicherte sich in 3:14:06 h vor der Britin Anna Lupton (3:21:15) das fünfte Geld.

Durch das Val d’Anniviers läuft oder wandert man von Sierre nach Zinal

In 36 Jahren gab es lediglich im Jahr 2002 mit Gudrun Schmidgall (de Pay) einen deutschen Sieg, just in dem einzigen Jahr als wegen 30 cm Schneeauflage ein verkürzter Lauf bis Chandolin ausgerichtet wurde. Erfolgreich war hier auch der Allgäuer Helmut Schießl mit einem vierten Platz im Vorjahr 2008 sowie den Plätzen 2 (2004) und 3 (2005). Gute Plätze erreichte Julia Alter aus Mannheim als 10. 2006 und 15. ein Jahr danach. 2007 war der Freiburger Max Frei auf Rang 17.

In diesem Jahr war es Britta Müller, die als Elfte in 3:31:33 h die beste Platzierung aus deutscher Sicht erlief. Dazu bedeutete dies den Sieg in der Preisgeld-dotierten AK F I. Als Siegerpreis beim Hundseck Berglauf hatte sie ein Startpaket erhalten und der Vereinskollege Timo Uhlig vom SV Beiersbronn hatte ihr sehr empfohlen, zu laufen. Er ist begeistert vom Sierre-Zinal, war auch an die Strecke geeilt, aber hatte einen Start tags zuvor beim Glacier 3000 Run mit dem Verein vorgezogen.

Edith Sappl aus St. Moritz läuft mit Jahrgang 1945 5:39 h, beim 27 km langen am 23. August wird man sie bestimmt wieder am Start sehen Wüstenläufer in den Bergen ? 31 lange Kilometer wird der Besen am Ende des Läuferfeldes geschwungen

Britta Müller konnte den Vereinskameraden bestätigen: "Der Lauf war wunderschön." Aber das Bergablaufen ist nichts für sie. Zwischenzeitlich auf Platz 6, fiel sie bergab zurück. Die vielen Höhenmeter zu Beginn meisterte sie ohne Probleme: "Bergauf kann ich ganz gut laufen." Ihr nächster Start ist beim Jungfrau Marathon und dann bei der Tour de Tirol für das Nationalteam die Langdistanz Berglauf-WM. Auf dem Podium sah man auch Klaus Hofmann vom TuS Griesheim. 4:15:26 h verschafften ihm diese Ehre erstmals. Als Neuer der Vétérans III wurde er dort Dritter. In der Veteranenklasse II hatte er als Vierter dies einmal knapp verpasst. 3:37 h ist seine Bestzeit, die er als M50er lief. Nach vierjähriger Abstinenz machte er nun das Dutzend Teilnahmen am Sierre-Zinal erfolgreich voll.

Am Grenzstein der Gemeinde Ayer mit dem dazu gehörenden Ort Zinal geht es fast nur noch einen Kilometer bis ins Ziel hinab Eine Tunnelröhre leitet im Winter die Skifahrer und nun die Läufer zum Finale nach Zinal Z wie Zinal nicht wie Zorro, diese Wegmarkierung begleitete die Läufer 31 Kilometer lang

Für das Nationalteam soll auch Veronika Ulrich bei Langdistanz Berglauf-WM starten. Ein langer Berglauf als Training war also angeraten. Sie landete auf Rang 25 nach 3:52:42 h und war doch erschrocken über die Schwierigkeiten des Laufes: "Die Steilheit bergauf, aber auch das bergab. Und nie ein flaches Stück, fast immer hoch und runter." Immerhin erreichte sie noch den letztdotierten Platz 5 der Kategorie Femmes 1. Sie kam aus dem Urlaubstrainingslager von der Bettmeralp nach Zinal. Dorthin geht es auch nochmals, denn für die Langdistanz-WM bei der Tour de Tirol, muss trainiert werden. Im Flachen und auf der Bahn zuhause (BZ 1500 m 4:34,01, 3000 m 9:36,64, 5000 m 16:21,48, 10000 m 34:43,6, 10 km 34:08, 21,1km 1:16:23) gelingt ihr die Umstellung dennoch sonst gut. Nur beim Marathon konnte sie nie ihr Leistungsvermögen gut umsetzen (2:47:26 ).

Allez Maman, on t´aime, die Anfeuerung für die Mama nehmen diese Herren bestimmt auch gern mit in den Zielort Zinal Arrivee Sierre-Zinal mit Blick auf den 3668 m hohen Hausberg Besso Die Freude im Ziel ist groß sowohl beim Coureur als auch bei der auf dessen Ankunft wartenden Familie

Aber auch Angela Mudge (Jg. 1970) aus Schottland fiel es nicht leicht. Die Saison wird lang, jetzt muss bald mal eine Pause her, gestand sie LaufReport. Begeistert war sie vom Karwendel Berglauf in Mittenwald, den sie zwei Wochen zuvor gewonnen hatte. Das erste Mal dabei war Christine Poyet (Jg. 1982) vom RAC Wissembourg, die in 3:29:17 Neunte wurde. Bisher hat die ehemalige französische Junioren-Berglaufmeisterin - und über Halbmarathon - kurze Bergläufe gemacht. Sie war ganz begeistert, dass sie im gut besetzten Feld in die Top Ten laufen konnte: "Aber das Bergab "macht schon weh." Die 26-jährige angehende Ärztin mit deutscher Mutter ist auch regelmäßig in Deutschland am Start. Andrea Huser (Jg. (1973) aus der Schweiz lag nach 3:24:27 h genau vor ihr, hatte aber auch am Vortag in Gstaad beim Glacier 3000 Run geübt. Als Team-Läuferin war sie dort den alpinen Teil auf 2950 m gelaufen und mit Michael Abplanalp Zweite geworden.

Der Franzose Roger Clifft (Jg. 1938) kam nach 5:31 h ins Ziel, er war damit jedoch nicht der älteste Teilnehmer, Rene Pletschet aus Zermatt war mit Jahrgang 1934 in 5:58 h nur wenig langsamer Jeder Sieger bekommt seinen Fußabdruck á la Hollywood-Sternchen einbetoniert Kilian Jornet Burgadas Fuß passt und keine Angst er steht nicht mehr da, er löste den Fuß noch vor dem hart werden des Betons Jean-Claude Pont war 34 Jahre alt und Bergführer als er mit dem Sierre-Zinal den ältesten Berglauf erfand. 33 mal selbst mitgelaufen, ist er bis heute Organisations-Chef und immer und überall, wie hier bei der Siegerehrung, zugegen

"Diesen Traditionslauf mit seiner Geschichte, das musst du als Bergläufer einfach erlebt haben!" Auf diese Aussage des mehrfachen Berglauf-Weltmeisters Jonathan Wyatt, der 2002 und 2003 als Sieger in Zinal gefeiert wurde, ist Jean-Claude Pont und sein Team besonders stolz. Der "Course des cinq 4000" - das "Rennen der fünf Viertausender" ist es aber nicht allein, es gibt viele Gründe dieses Tal im Wallis zu besuchen. Die einmalige Berg- und Gletscherwelt, authentisch gebliebene Dörfer, sind eine Massage für die Seele. Doch nicht nur Natur und Kultur gilt es zu genießen, die Region erweist sich zudem als besonders schmackhaft mit seiner bodenständigen Urküche. Aber, lass´ Dich überraschen...

Zuletzt ´07 & insg. achtmal lief Ralf Klink den Sierre-Zinal. Sein Bericht ´05 ist im LaufReport HIER

Bericht und Fotos von Walter & Constanze Wagner

Weitere Infos www.sierre-zinal.com

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