17.4.11 - 28. Vienna City Marathon

Grantler ausgestorben?

Wiener strahlen mit der Sonne um die Wette - und über 30.000 Läufer danken es ihnen

Jubiläumsstimmung schon bei 28. Auflage des Wien-Marathons

von Michael Schardt

In zwei Jahren, 2013, da wird in Österreichs Hauptstadt Jubiläum gefeiert. Dann nämlich wird der Vienna-City-Marathon dreißig Jahre alt. Dass es aber im Jubiläumsjahr bessere oder auch nur vergleichbar gute Bedingungen geben wird wie bei der 28. Auflage 2011, das scheint nahezu unmöglich. Denn nicht anders als mit dem Wort "perfekt" können die äußeren Umstände beschrieben werden, die Petrus den über 32.000 Läufern, den vielen zehntausend Zuschauern an der Strecke und den zahllosen engagierten Helfern bereitgehalten hatte. Die Sonne strahlte von morgens bis abends, und mit ihr die ganze Stadt.

Dabei war es keinesfalls zu warm für die Läufer, sondern ideale 15 Grad am Morgen bis vielleicht 17 Grad um die Mittagszeit. Ein leichter Wind sorgte sogar etwas für Abkühlung.

"Doch nicht Wien!"

So waren die Voraussetzungen gegeben, neue Bestzeiten zu erzielen. Das gelang auch vielen Läufern im Feld hinter der Elite, nur in der Spitze, da hatten die Zuschauer und Veranstalter vergebens auf einen neuen Streckenrekord im Marathon gehofft. Ein solcher allerdings war im Halbmarathon, wie zu erwarten war, zu bestaunen, startete dort doch kein Geringerer als Haile Gebrselassie in einem eigens auf ihn zugeschnittenen Lauf. Über den Star und das Eliterennen hatte kürzlich für LaufReport bereits Kollege René van Zee berichtet, weshalb für diesen zweiten Bericht über den diesjährigen Wien-Marathon ein anderer Zuschnitt gewählt wurde und der Rubrik "Reisen + Laufen" zugeordnet ist.

Für viele Wienreisende beginnt der Aufenthalt in Österreichs Hauptstadt mit dem Besuch des Praters und der obligaten Fahrt mit dem Riesenrad
Integraler Bestandteil eines jeden großen Stadtmarathons: Die Marathonmesse mit Ausgabe der Startunterlagen

Zu berichten ist nämlich exemplarisch von der Wien-Exkursion aus der Sicht einer Laufgruppe, wie es sie zu Hunderten, wenn nicht Tausenden gibt, die sich rund ums Jahr zusammenfinden, um das Touristisch-Kulturelle mit dem Läuferisch-Sportlichen zu verbinden. Als ideal erweist sich dabei - nicht nur wegen günstiger Flugpreise und -bedingungen - ein Start bei einem der großen europäischen Stadtmarathons, die nach Möglichkeit für die nicht so ambitionierten Läufer neben der Königsdistanz noch eine Unterdistanz im Angebot haben sollten.

Freilich ist die Auswahl groß, und wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. In einem großen Lauftreff, wie dem, von dem hier die Rede ist, da gibt es durchaus unterschiedliche Vorstellungen. Die einen wollen eher einen außergewöhnlichen Zielort ansteuern, die anderen mögen die ganz großen Events, wieder andere wollen es beschaulich, oder im Ganzen bequem und möglichst deutsch-, oder wenigstens englischsprachig. Als dann Wien ins Gespräch kam, da war dieses Ziel zwar mehrheitsfähig, doch meldeten sich einige Läufer der üblichen Stammbesetzung nicht an. Wien sei, wenn man schon in Stockholm, Barcelona, Helsinki oder Reykjavik gelaufen sei "zu normal". Außerdem sei man in Wien schon zu anderen Anlässen gewesen, hieß es, oder man komme bei anderer Gelegenheit sicher einmal hin.

In Wien geht es nach dem Besuch der Marathonmesse zum historischen Rathaus ...
... wo in edlem Ambiente die Pastaparty abgehalten wird, die hier aber Kaiserschmarrnparty heißt, der den Läufern wahlweise gereicht wurde Jedem das Seine: eine Stadtrundfahrt kann in Wien mit vielen oder wenigen PS durchgeführt werden

Beispiel macht Schule

Letztlich wurde Wien dann von der genannten Oldenburger Gruppe aber doch beschlossen, und mit zwanzig Mitfahrern war das Teilnehmerlimit wie schon in den letzten Jahren bald erreicht. Nicht nur das: auch andere Laufgruppen der beschaulichen norddeutschen Stadt orientierten sich an diesem Entschluss und wählten, getrennt von nämlicher Gruppe, ebenfalls Wien, weshalb fünf verschiedene Sektionen mit über 40 Läufern in Wien an den Start gingen. - Was da noch keiner wusste: Alle würden ein tolles verlängertes Wochenende erleben und jeder zweite - ganz nach seinen Möglichkeiten - sogar persönliche Bestzeit laufen. Was will man mehr?

Das schöne Frühlingswetter setzte bereits bei der Anreise zwei oder drei Tage vor dem Lauf ein und dauerte noch bis zur Abreise (und darüber hinaus) weiter an. Im Normalfall dauern Marathonreisen, die die Gruppe selbst organisiert und für ihre Mitglieder viel preisgünstiger anbieten kann als professionalisierte Unternehmen, fünf bis sieben Tage.

Bevor es los geht, werden die Kleiderbeutel in vielen Lastwagen verstaut, die Richtung Ziel fahren. In Wien ist Start und Ziel nicht identisch
Fünf Startboxen für über 20.000 Marathonis, Halbmarathonis und die Startläufer der Staffeln. Hier die rote Startbox mit Banner eines der Hauptsponsoren

Wiener Innovationen

Der Wien-Marathon wartet Jahr für Jahr mit Neuerungen und Überraschungen auf. Er gilt als einer der bestorganisierten auf dem Kontinent. In diesem Jahr stellte sicherlich der Start des Weltstars Gebrselassie den Höhepunkt dar, aber auch die anderen afrikanischen und einige osteuropäische Läufer und Läuferinnen sollten den beiden Rennen über 42 und 21 Kilometer ihren Stempel aufdrücken. Neben den beiden Hauptläufen prägt die Marathonstaffel das Lauffestival entscheidend mit. Dies ist schon allein durch die Teilnehmerzahl gegeben. Vier Läufer unterschiedlichen Potentials teilen den Marathon unter sich auf.

Der erste läuft ca. 16 km, der zweite 5; dann folgen zwei weitere mit 10 bzw. 11 km. Beim Zieleinlauf ist dann häufig ein Ritual zu beobachten, dass nämlich die drei Erststarter auf ihren letzten Mann oder ihre letzte Frau warten, um dann Arm in Arm gemeinsam über die Ziellinie zu laufen. Die flottesten Männer-, Frauen- oder Mixedstaffeln erreichen durchaus sehr gute Zeiten, schneller als die Eliteläufer allerdings sind auch die Siegstaffeln nicht gewesen. Einen Weltrekord aber stellten die Staffelläufer erneut auf. Bei keinem Marathon weltweit gibt es eine so rege Teilnahme der Staffelläufer wie in Wien. In Deutschland dürfte Münster in diesem Bereich die meisten Starter aufweisen.

Gleich zu Beginn haben die Läufer die Reichsbrücke zu queren mit schönem Blick auf die Donau. Ganz "klevere" Läufer wechselten am nachfolgenden Praterstern den vorgeschriebenen Laufkanal von rechts nach links und kürzten so unerlaubterweise etwa 300 bis 400 Meter ab
Historisches Gebäude oder Denkmal. Die Strecke führte an Dutzenden davon vorbei. Wien, eine Stadt wie ein Museum

Wenig Frauen

Der Staffellauf war wie der Halbmarathon schon Wochen vor dem Starttag ausgebucht. Für den Marathon konnte man hingegen noch am Vortag auf der großen Marathonmesse nachmelden. Neu in Wien ist auch ein zweiter Kinderlauf, der aber nicht so gut frequentiert war wie sich die Macher es sich wohl gewünscht hätten. Das dürfte an den Osterferien gelegen haben. Mit knapp 6000 Marathonfinishern ging es nach zwei schwächeren Jahren wieder aufwärts mit dem Marathon. Die Spitzenwerte von 8000 und mehr Läufern aus den Zeiten, bevor 2005 der Halbmarathon eingeführt wurde, sind aber wohl nie wieder zu erreichen. Mit durchschnittlich nur 15 Prozent Frauen liegt Wien unter den Werten anderer großer Hauptstädte-Marathons.

Im Vorfeld des Lauftages holen sich die Läufer hauptsächlich am Samstag in der Messehalle D ihre Startunterlagen ab. Das geht schnell und vollkommen problemlos. Auf ein Finishershirt, das üppige 25 Euro zusätzlich zur moderaten Startgebühr von 55 Euro kostet, hatten viele Läufer verzichtet. Die Messe selbst ist von mittlerer Größe und bietet genau das, was man auch von anderen Messen kennt: Sportartikel, Ernährungsprodukte, Stände von anderen Marathonevents. Deshalb zog es die Mitglieder der Oldenburger Gruppe auch bald in Richtung Historisches Rathaus, dieses Prachtgebäude, in dem im Großen Saal in edlem Ambiente die Pastaparty stattfinden sollte. In Wien mit einem Alternativ-, oder besser Hauptangebot: dem Kaiserschmarrn. Richtig beliebt scheint diese Süßspeise vor allem unter den Nichtwienern aber nicht gewesen zu sein; denn die Pasta war schon zwei Stunden vor Ende der Party aus und folglich der Schmarrn das dann einzige Angebot. Für diejenigen, die das aber nicht wollten, gab es das Geld freundlicherweise zurück.

Ob mit Mütze, Stirnband oder oben ohne. Jeder Läufer wurde in Wien vom Streckenrand gegrüßt
Wer sich nicht für den Marathon interessierte, hatte während des Laufs kein Gedränge zu fürchten, egal ob ein Museum, ein Schloss oder eine Kirche besucht wurde

Vom langen Lauf und schlauen Läufern

Alle Läufe, der Marathon, der Halbmarathon und das Staffelrennen werden leicht zeitversetzt auf der rechten Donauseite in unmittelbarer Nähe der Reichsbrücke um neun Uhr gestartet. Die Kleiderbeutelabgabe verursacht keinerlei Stress, obwohl sich über 20.000 Läufer am Start versammeln. Der Fuhrpark befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Start; der Läufer braucht von hier nur wenige hundert Meter, um in eine der fünf Startboxen zu gelangen. Die vierzig oder mehr Laster bringen die Kleiderbeutel dann zeitschnell zum Ziel auf dem Heldenplatz, denn Wien hat eine Punkt-zu-Punkt-Strecke im Angebot und keinen Rundkurs. Luftlinie liegt das Ziel gut drei Kilometer vom Start entfernt.

Die Startaufstellung erfolgt in fünf farblich gekennzeichneten Boxen, eine Kontrolle für die richtige Einordnung gibt es nicht. Es gibt zwei Startkanäle, wobei der rechte mit insgesamt drei Startboxen weiter vorne startet, während der linke mit zwei Boxen zurückversetzt startet und auch die Startmatte weiter hinten liegt. Grund dafür ist der nach gut zwei Kilometern zu umlaufenden Praterstern. Die Läufer auf der linken Seite laufen dort den kürzeren Weg und biegen links in die Hauptallee, die Läufer auf der rechten Seite laufen rechts vorbei und haben hier ihren Vorsprung vom Start egalisiert. Nicht wenige ganz schlaue Läufer, die sich auskannten, wechseln aber vor dem Praterstern schnell von rechts nach links und kürzten auf diese Weise ihren Marathon oder Halbmarathon etwas ab. Zu verhindern ist das nicht.

Pfeile geben die Richtung vor, egal ob für Pacemaker oder die über 30.000 anderen Starter Kostümierungen gehören zu jedem Stadtmarathon dazu: hier zwei attraktive männliche Blondinen Kilometer 38? Der Eindruck täuscht. An dieser Stelle kam man dreimal vorbei, nach ca. 6, 28 und 38 km. Die Streckenführung in Wien ist insbesondere zwischen km 27 und 39 so angelegt, dass sich die Läufer entgegenkommen und grüßen können

Schönstmögliche Strecke

Die Streckenführung beim Wien-Marathon ist sehr zentrumsorientiert, weshalb Begleiter problemlos an mehreren Stellen ihre Läufer beklatschen und rechtzeitig im Ziel in Empfang nehmen können. Nachdem die Läufer über die Reichsbrücke und damit die Donau gequert haben, führt die Strecke an vielen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt vorbei, verläuft über viele Kilometer am Wasser entlang, aber auch durch Parks, über den Stadtring und durch waldreiches Gebiet und schöne Alleen. Passiert werden u. a. der Prater, das Ernst-Happel-Stadion, das Lusthaus, der Schwedenplatz, der Karlsplatz, Schloss Schönbrunn, die Secession, das Rathaus und vieles mehr. Wirklich eng wird es für die Läufer an keiner Stelle. Von Anfang an kann man Tempo aufnehmen und seinen Rhythmus suchen.

Auch eine halbe ist eine ganze Sache

Nach der Hälfte der Strecke biegen die Halbmarathonis ab zum Heldenplatz, dem weitläufigen Zielgelände. Ab da leert sich für die Marathonis die Strecke merklich, während die Halbmarathonis kurzfristig einem gewissen Gedränge ausgesetzt sind, wenn sie an die Getränke hinter dem Ziel oder die Verpflegungsbeutel kommen wollen. Doch hat man dieses Areal erst passiert, öffnet sich ein großzügiger Platz und Park, wo man sich ausruhen und die Läuferseele baumeln lassen kann. Dann kann man sich auch die schöne Finishermedaille einmal genauer ansehen.

Diese Herren waren dem Feld längst enteilt. Mit Nr. 42 Hase Terer Philemon, dahinter in violett der spätere 3. Evans Kiplagat und der Sieger John Kiprotich (der vorletzte Läufer in grün auf diesem Bild)
Nur knapp dahinter die Verfolger mit dem besten Europäer auf Rang 9. Henryk Szost (schwarzes Trikot, Polen) in 2:12:45 Viel Platz hatten die Läufer überall auf der Strecke. Gedränge gab es kaum. Und viel Durst offenbar auch

Für manch schwächelnden Marathoni ist der 21. Kilometer ein neuralgischer Punkt. Denn in Wien ist es noch zu diesem Zeitpunkt möglich, den Marathon abzubrechen und als Halbmarathoni noch in die Wertung zu kommen. Willkommen ist diese Besonderheit auch jenen Läufern, die ursprünglich zwar einen Marathon planten, aber durch Verletzung, Krankheit oder Trainingsmangel in der Vorbereitung so behindert waren, dass sie zwar nicht die volle Distanz, aber immerhin den Halben laufen können. Wie man hörte, haben sich tatsächlich etliche Läufer mit der Entscheidung bis hierhin Zeit gelassen.

Begünstigend für die kurzfristige Entscheidung für den Marathon dürfte in dem ein oder anderen Fall gewesen sein, dass die Strecke zwischen km 19 und 21 das größte Gefälle aufweist und man es so richtig laufen lassen konnte. Insgesamt weist der Wien-Marathon etwas mehr als 50 Höhenmeter auf. Später, wenn die Marathonis sich dem Ziel näherten, dann gab es diesen "Bergablauf" nicht mehr, denn man kam aus anderer Richtung zum Heldenplatz. Dafür aber hatten die Marathonis hinter der Zielmatte etwas mehr Platz als die anderen.

Für viel Spaß an der Strecke sorgten zahlreiche Eventpunkte mit klassischen Klängen und Popmusik. Hier sind die Cheerleader ein echter Hingucker
Nomen est Omen: Der weitläufige Heldenplatz ist der Zielpunkt aller Marathonhelden. Der rote Teppich gehört in Wien obligatorisch dazu

Klassisch, rockig oder poppig

Abwechslung für die Marathonis kommt etwa ab km 26 auf. Ab da bis hin zu km 39 laufen die schnellen und etwas weniger schnellen Läufer entgegen. So war es möglich, anfangs die Asse zu bewundern (und die Asse die Masse) und auf der Rückseite seine Freunde und Clubkameraden zu suchen und zu grüßen. Mit etwas Glück sah man sich sogar zweimal.

Für abwechslungsreiche Unterhaltung an der Strecke hatten aber auch die Veranstalter gesorgt. Es gab viele Eventpunkte mit klassischer oder moderner Musik, mit Mozartklängen und Walzertönen, mit Rock-Klassikern und Techno. Auch Cheerleader und DJs waren zur Motivation aufgeboten worden, ebenso Moderatoren und Sänger. Ein sehr beflügelnder Punkt war ein Kilometer vor dem Ziel aufgebaut, wo zwei agile Mikrophonmänner jeden Läufer und auch sich selbst anfeuerten.

Auch die gefüllte Zuschauertribüne als Zielkanal ist ein Wiener Markenzeichen
Eine prächtige Kulisse bietet der Wienmarathon über 42 Kilometer entlang der Strecke, und sogar noch hinterher

Die Getränkeversorgung auf der Strecke war vorbildlich und reichlich, teilweise in sehr kurzen Abständen. Auch der "Fressbeutel" am Schluss und ein weiterer, den es im Vorfeld auf der Messe schon gegeben hatte, gaben den Läufern das Gefühl einer Rundumsorglosversorgung. Allein die Kost während des Laufs war auf Bananen beschränkt. Da hätte man sich auch Äpfel, Kekse oder auch Süßes vorstellen können.

Schnitzeljagd

Als dann nach dreieinhalb oder viereinhalb Stunden Laufarbeit auch alle Läufer unserer Oldenburger Gruppe das Unternehmen Marathon erfolgreich und ohne Malesse überstanden hatten, da wurde schnell Bilanz gezogen. Drei Debüts hatte es gegeben, denen immer die herzlichsten Glückwünsche gelten, dazu noch ein halbes Dutzend Bestzeiten, die teilweise enorme Steigerungen bedeuteten. Ein Ausstieg hatte die Gruppe nicht zu beklagen; auch die wenigen Halbmarathonläufer hatten ihre Läufe gefinisht, wie sich später zeigen sollte. So war die Zufriedenheit groß und wieder einmal bewiesen, dass eine ebenso spaßige wie systematische Vorbereitung für den Otto-Normal-Läufer Gold wert ist beim Marathon. Nun konnte gefeiert und sich den touristischen Seiten von Wien gewidmet werden.

Nach getaner "Laufarbeit" gönnten sich die Marathontouristen eine Schifffahrt auf der Donau ...
... oder besichtigten die Stadt mit Hilfsmitteln, deren Benutzung während des Laufs zwangsläufig zur Disqualifikation geführt hätten

Traditionell beginnt dieser zweite Teil mit einem opulenten Abendmahl nach Art der Stadt. Man wollte kein Insider-Restaurant besuchen, sondern eine urige Gaststätte, die jenes in traditioneller Weise anbietet, was man in Wien einfach gespeist haben muss: Wiener Schnitzel oder gleichnamige Würstchen. So wurde es dann auch gemacht und die Gewölbe des Zwölf-Apostel-Kellers frequentiert. Es sollte ein beschwingter Abend werden, bei dem kein Gruppenmitglied fehlte.

Wien: Kultur pur

Schon vor dem Lauf hatten einige Starter einen Stadtbummel unternommen, Museen besucht oder waren in den Prater gegangen, in dessen unmittelbarer Nähe das Hotel lag. Für die Erkundung Wiens standen der Gruppe nun noch drei volle Tage zur Verfügung, nicht viel, für all das, was diese Stadt zu bieten hat. Allein in der Albertina könnte man zwei Wochen und mehr verbringen.

Es gab aber auch die Möglichkeit, sich in einem der vielen, schönen Parks zu entspannen ...
... oder dem Schloss Schönbrunn einen Besuch abzustatten

Die Großgruppe teilte sich je nach Interesse in kleine Grüppchen auf. Unter anderem standen Kirchen- und Museumsbesuche an, wurde eine Donauschifffahrt mitgemacht oder sich bequem gemacht auf den Liegestühlen am Stadtstrand. Man ging zum Heurigen oder auf den Naschmarkt, lustwandelte in den Parks und Alleen, stattet der Nationalbibliothek oder Antiquariaten einen Besuch ab, oder unternahm eine kleine S-Bahnreise zur ebenso nahen wie schönen Hauptstadt der Slowakei, Bratislava (Pressburg). Auch das Burgtheater stand auf dem Programm, allerdings war die aus Berlin importierte Shakespeare-Aufführung von "Richard II" für alle, auch die Theaterliebhaber, zu einer leichten Enttäuschung generiert. Als Entschädigung konnte man im Anschluss noch bis weit nach Mitternacht bei einer Kaltschale draußen den warmen Tag ausklingen lassen.

Doderers "Strudlhofstiege" und Bernhards Grantler

Bei soviel Kultur juckte zwischendurch aber schon wieder das ein oder andere Läuferbein. Der Ungeduldigste war schon 24 Stunden nach seinem Marathon eine Auslaufrunde im nahen Stadtpark gelaufen. Rund acht Kilometer waren auch für den Rest der Gruppe am Dienstag angesagt. Da niemand ohne Muskelkater davongekommen war, gestalteten sich die ersten vier dieser Kilometer für alle gleich mühsam. Doch dann ging es schon wieder mit dem Laufen. Für einen Besuch der aus Heimito von Doderers Roman "Strudlhofstiege" berühmten Treppe im 9. Bezirk reichte es noch. Sie wird in kaum einem Reiseführer erwähnt und sollte doch bei keinem Wienbesuch fehlen.

Auch den Freunden kulinarischen Genusses wurde einiges geboten, beispielsweise auf dem berühmten Wiener Naschmarkt ...
... mit unbekannten Leckereien bei gleichzeitig moderater Preisgestaltung

Nach sechs Tagen hieß es Abschied nehmen. Wien war eine Laufreise wert gewesen. Das dauerhaft sonnige Wetter hatte aus einem schönen Aufenthalt einen strahlenden gemacht. Die aus vielen mündlichen und schriftlichen Überlieferungen bekannten Wiener Grantler suchte man in diesen Tagen vergebens. Überall wurde den Norddeutschen mit großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet.

Selbst knorrige Kellner, worauf man in Wien ja durchaus auch etwas stolz sein soll, kamen einfach nicht vor. Gibt es die nur nicht mehr, oder hatte die Sonne diese Spezies zumindest kurzfristig in gutgelaunte Zeitgenossen verwandelt? Das war in der Kürze der Zeit nicht zu ergründen.

Eigentlich wäre das Verschwinden dieser Gattung, die man in Bernhards Romanen so schnell lieb gewinnt, doch etwas schade. Ein kleines bißerl gehören die doch auch zu Wien und machen einen Teil des Wiener Charmes aus, wie der Chronist schon bei einigen früheren Besuchen in Österreichs größter und schönster Stadt erfahren durfte.

Bericht von Michael Schardt - Fotos Thomas Springer

Ergebnisse www.vienna-marathon.com

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