26.8.12 - Trofeo Kima La Ultra SkyMarathon - Val Masino, Sondrio, Italien

Trofeo Kima 2012 - ein Experiment im italienischen Bergell!

von Nicola Wahl

Trofeo Kima - la grande corsa sul Sentiero Roma, ein UltraSkymarathon auf dem alpinen Höhenweg des Sentiero Roma. Nur alle zwei Jahre ausgetragen, ist er der dritte Lauf der UltraSkyMarathon-Serie 2012. Zu dieser Serie zählt u.a. der Transvulcania auf La Palma/Spanien im Mai, der Speedgoat 50K in Snowbird/USA im Juli, sowie im September der Cavalls del Vent in den Pyrenäen und im Oktober zum Abschluss der Serie der Course des Templiers in Millau/Frankreich.

Start- und Zielgelände in Filorera Startkontrolle Warten auf den Startschuss

Der Name "Trofeo Kima" erinnert an den bedeutenden Bergführer und Retter "Kima", Pierangelo Marchetti aus dem Val Masino, der im Juli 1994 bei einer Rettungsaktion ums Leben kam. Bereits im August 1994 wurde zu seinem Gedenken der Verein Kima gegründet. Austragungsort dieses Skyrennens ist der kleine italienische Ort Filorera im Val Masino. Das Val Masino gehört zur Provinz Sondrio in der italienischen Lombardei nordöstlich des Comer Sees.

Die Laufstrecke des Trofeo Kima führt meist auf dem "Sentiero Roma", einer gut markierter, anspruchsvollen Wanderroute auf der Südseite der Bergeller Alpen. Auf steilen Trails und unwegsamem Gelände aus mannsgroßen Granitblöcken kann dieser Höhenweg erlebt werden.

Allerdings sorgt das Überwinden von sieben "Barrieren", kurze mit Ketten gesicherte Klettersteigpassagen, für zusätzliche Schwierigkeiten. Der Sentiero Roma beginnt in Novate Mezzola am südlichen Ende des Splügenpasses und führt über sieben Pässe bis nach Chiesa Valmalenco. Diese Wanderroute wird normalerweise in 6 Tagesetappen von bis zu 9 Stunden erwandert. Die Wanderer sollten über Klettererfahrung verfügen, da die mit Ketten gesicherten Passübergänge neben Trittsicherheit auch Schwindelfreiheit erfordern.

Einsamer Streckenposten Einsame Wegmarkierung beim Aufstieg zum Rifugio Ponti

So trafen sich am vergangenen Sonntag, 26. August 2012, die "Skyrunner" im kleinen Ort Filorera im Val Masino, das an diesem Wochenende Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Laufveranstaltung war. Im Laufschritt eroberten die weltbekannten und besten Skyrunner wie der Spanier Kilian Jornet, die Schotten Tom Owens und Andy Symonds aber auch der junge Deutsche Philipp Reiter diese einzigartige Landschaft. Bei den Frauen waren bekannte Namen aus der Skyrunning-Szene wie die Schwedin Emelie Forsberg, die Spanierin Nuria Picas und die Italienerin Emanuela Brizio auf der Startliste zu finden.

Am Samstagnachmittag war das Briefing zum Wettkampftag im Startbereich um 16:30 Uhr obligatorisch. Viele Läufer übernachteten im gegenüber liegenden Centro Polyfunzionale della Montagna, wo sie auch zusammen zu Abend aßen. Da der Start bereits um 6:30 Uhr angesetzt war, war das Abendessen schon sehr früh beendet. Die Spannung für den kommenden Morgen war deutlich zu spüren. Jeder hatte noch seine Pflichtausrüstung und Laufkleidung vorzubereiten und wollte noch ausreichend schlafen.

Blick zurück in Tal auf dem Weg zum Rifugio Ponti Rifugio Ponti mit Monte Disgrazia im Hintergrund

Am frühen Samstagabend hatte jedoch ein starkes Gewitter den Himmel tiefschwarz gefärbt. Allein die vielen Lichtblitze erhellten den Himmel. Das Grollen des Donners übertönte nur schwach das Tosen des Gebirgsbaches und der Regen prasselte kaum hörbar. Wie lange das Gewitter in dieser Nacht andauerte, war nicht mehr auszumachen. Doch am nächsten Morgen waren die Straßen schon fast wieder abgetrocknet.

Nach einem reichhaltigen Frühstück am Sonntagmorgen blieb es erst ruhig und menschenleer auf der nassen Wiese im Startbereich. Die Favoriten liefen sich bereits auf der Laufstrecke am Ortsrand ein. Bald wurden die Teilnehmer informiert, dass der Start von 6:30 auf 7:00 Uhr verschoben wurde, leider nur auf Italienisch, so dass die Gründe für die ausländischen Teilnehmer verborgen blieben. Immer wieder starteten diverse Geländefahrzeuge und der Hubschrauber, um den Proviant für die Verpflegungsstellen ins Gebirge zu transportieren. Und so allmählich füllte sich dann auch das Startgelände, das nur durch eine Kontrollschleuse erreichbar war. Die Startaufsicht beschränkte sich nicht nur auf das Kontrollieren des mitgeführten Gepäcks, sondern führte auch eine Sichtkontrolle der vorgeschriebenen Kleidung und des Profils der Schuhe durch.

Beim Briefing am Vorabend wurden die Läufer genauestens darüber informiert, was sie beim Lauf tragen müssen: ein halbärmliges Shirt, ¾ lange Laufhosen und Trailschuhe, ansonsten wird ihnen der Start verweigert. Endlich war es dann soweit, alle hatten sich auf der Wiese von Filorera (870 m) zum 16. Trofeo Kima über 49,5 Kilometer und 3800 Höhenmeter versammelt. Ganz unvermittelt fiel auch schon der Startschuss und das Läuferfeld setzte sich in Bewegung. Zuerst waren die hohen Berge noch etwas wolkenverhangen, doch die Sonne und die angenehmen Temperaturen vertrieben die Wolken schnell und die Berge waren unverhüllt.

Zuschauer an der Verpflegung Rifugio Ponti Aufstieg zum Bocchetta Roma

Die ersten 10 Kilometer ging es erst einmal weitgehend über Asphalt, allerdings schon gleich heftig bergauf. Vorbei am Rifugio Scotti bei km 4,5/1465 m befanden sich kurze Steilstücke auf Wanderpfaden durch den Wald, um dann wieder die Asphaltstraße zu queren. Am Preda Rossa (km 9,5/1940 m) war eine Hochebene erreicht und der Weg wechselte in einen Gebirgspfad, um dann in engen Serpentinen zum Rifugio Ponti (km 14,0/ 2559 m) hinaufzuführen. Immer den Blick zum Monte Disgrazia, dem höchster Berg der Bergeller Alpen mit 3678 m, gerichtet war der Aufstieg schon sehr anstrengend. Bis hierher hatte die Läufer schon dreimal die Möglichkeit, einen Becher Wasser zu trinken.

Doch nun ging es erst einmal auf technisch anspruchsvollen Trails weiter hinauf zur Boccheta Roma (km 15,0/2894 m), einem ersten mit Ketten gesicherten Kletterabstieg. An dieser Stelle befand sich auch das erste Zeitlimit von 3:30 Stunden nach dem Start. Gleich dahinter ging es bis zum Passo Cameraccio über Stock und Stein. Ein eindeutiger Weg war hier nicht mehr auszumachen, allein die rot-weiß-rote Wandermarkierungen zeigten den Verlauf des Weges an.

Abstieg mit Kettensicherung und Wandermarkierung
Wandergruppe am Passo Cameraccio

Am Passo Cameraccio (km 20,5/2950 m) hatten dann die Skyrunner den höchsten Punkt des Trofeo Kima erreicht, aber etwa 30 Kilometer über Geröll und Granitblöcke standen noch bevor. Auch der Passo Cameraccio war ein steiler rutschiger, aber gesicherter Kletterabstieg. Gleich dahinter befanden sich die Läufer auf dem einzigen Gletscher entlang des Sentiero Roma, der jedoch nicht sehr anspruchsvoll in einer Schneespur zu queren war. Auf dem Weg zum Passo Val Torrone (km 22,5/2508 m) balancierten die Läufer von einem Granitblock zum nächsten, um dann erneut seilgesichert in einer engen Rinne nach oben zu steigen. Nur weitere 1,5 Kilometer entfernt lag das Rifugio Allievi, doch dazwischen war der Weg immer wieder durch Blockgelände unterbrochen und schlängelte sich unterhalb mächtiger 3000er wie den Cima di Castello (3375 m), dem Punta Allievi (3121 m) und dem Pizzo di Zocca (3174 m) entlang.

Kletterpassage am Passo Wandermarkierung auf dem Sentiero Roma

Am Rifugio Allievi Bonacossa befand sich das zweite und letzte Zeitlimit mit 5:30 Stunden auf der Strecke bei km 24,0 /2384 m. Das Rifugio Allievi war für einige langsamere Läufer, so auch für die Autorin Nicola Wahl, das Ende dieses UltraSkyMarathons. Hier versammelten sich auch einige Streckenposten und Bergführer, die zuvor die Klettersteige und die Strecke sicherten, um dann kurze Zeit später mit dem Hubschrauber ins Tal geflogen zu werden.

Von der Allievi-Hütte konnte man den weiteren Verlauf der Strecke gut erkennen. Am Passo Averta (km 26/2551 m) wartete dann wieder eine Kletterpassage auf die mutigen Skyrunner. Gleich dahinter ging es über den Passo Qualido (km 28/2765 m) weiter zum Passo Camerozzo (km 30/2765 m). Der Passo Qualido war von der Allievi-Hütte am Horizont noch auszumachen. Danach war die Route hinter der Bergkette verschwunden.

Weg zum Passo Val Torrone Passo Val Torrone Blick zum Rifugio Allievi Bonacossa

Vorbei am Rifugio Gianetti (km 33,5/2534 m) folgte ein weiterer Passübergang, der Passo Barbacan bei km 36,5/2570 m. Die beiden letztgenannten Pässe wiesen ebenfalls kettengesicherte Kletterpassagen auf. Doch wer es bis hierher geschafft hatte, konnte nun vorbei am Rifugio Omio (km 38,5/2108 m) durch das Val Ligoncio überwiegend bergab laufen. Vorbei am Thermalbad Bagni Masino (km 42/1173 m) war das Ziel nicht mehr weit.

In San Martino (km 45,5/912 m) wechselten die Skyrunner vom Valle di Bagni ins Val Masino und erreichten nun entlang eines tosenden Gebirgsbach die Zielwiese in Filorera. Bereits um 15:30 Uhr war die Siegerehrung angesetzt und um 18 Uhr sollte dann die Abschlusszeremonie stattfinden. Neben einer einfachen Zielverpflegung wurden die Finisher direkt zum Zelt geleitet, wo sie bei einem reichhaltigen Essen ihre leeren Speicher auffüllen konnten. Im Centro Polyfunzionale della Montagna war eine erfrischende Dusche möglich.

Allievi-Hütte mit Pizzo di Zocca im Hintergrund Blick ins Val di Zocca Allievi-Hütte mit Punta Allievi im Hintergrund

Mit insgesamt 122 Teilnehmern (108 Männer/14 Frauen), die am vergangenen Sonntagmorgen beim Trofeo Kima antraten, erreichten 94 Skyrunner (84 Männer/10 Frauen) das Ziel dieses Rundkurses. Schon die Siegerzeit von 6:28:52 Stunden durch den weltbekannten spanischen Bergläufer Kilian Jornet verdeutlichen die Schwierigkeit dieser Strecke (er war auch Sieger 2010). Etwa 10 Minuten später erreichte bereits der Schotte Tom Owens das Ziel in 6:39:28 Stunden, gefolgt von Franco Sancassani als Dritter in 6:45:36 Stunden. Auch Andy Symonds, der Transalpine Run-Partner von Tom Owens, blieb mit 6:47:05 deutlich unter 7 Stunden und erreichte Platz 4. Als erster Deutscher kam auf Platz 6 Philipp Reiter in 6:51:10 Stunden ins Ziel.

Bei den Frauen entschied Nuria Picas Alinets das Rennen für sich in 7:36:21 Stunden. Als zweite Frau finishte die Schwedin Emelie Forsberg in 7:47:06 Stunden nur 10 Minuten später. Emanuela Brizio, Siegerin 2010, erreichte nur ganz knapp hinter Forsberg als Dritte in 7:47:21 Stunden das Ziel.

Wanderung durch das Val di Zocca Wanderweg und Blick ins Val di Mello Blick zurück vom Val di Mello auf die Berge des Sentiero Roma

Für die Autorin Nicola Wahl war das UltraSky-Rennen bereits am Rifugio Allievi schon vorzeitig beendet. Sie konnte nun über das Val di Zocca ins Val di Mello hinunter laufen, um dann weiter über San Martino im Val Masino nach Filorera zu gelangen. Die Wanderung gestaltete sich als recht anstrengend durch die andauernden steilen Bergabpassagen. Einzig die atemberaubenden Ausblicke auf die Bergeller Bergwelt belohnten für den kräftezehrenden Abstieg ins Val di Mello. Für die Autorin Nicola Wahl war dieser UltraSkyMarathon ein wahres Experiment. Im Vorfeld hatte sie sich bereits über die Schwierigkeit dieser Strecke informiert, was sie jedoch nicht daran hinderte, sie am 26. August 2012 in Angriff zu nehmen.

Bericht und Fotos von Nicola Wahl

Ergebnisse und Infos unter www.trofeokima.org

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