Vom "Weissen Rössl" und anderen Schmankerln

Ohrwürmer berühmter Operettenmelodien liegen am Wolfgangsee in der Luft

von Kornelia Stinn 

Der alljährlich stattfindende Wolfgangseelauf flankiert viele landschaftliche Besonderheiten. Berühmt wurde hier auch das Gasthaus "Weisses Rössl", in dem seinerzeit die Dreharbeiten zu dem gleichnamigen Film mit Waltraut Haas und Peter Alexander stattfanden. Bis heute zieht dieses Haus wegen dieses Filmes und der diesem Film zugrunde liegenden Operette Besucher aus aller Welt an.

Bis heute lässt es sich in dem gastfreundlichen Romantikhotel genussvoll in den alten Zeiten schwelgen. Es ist ein Ort zum Verweilen und ein wunderbarer Ausgangspunkt, um eine großartige und vielfältige alpine Landschaft zu erkunden. Im vergangenen Jahr überreichte Gudrun Trutmann-Peter, die Wirtin des Weissen Rössl erstmals das edle Pferd aus weißem Porzellan an den Sieger und die Siegerin des Hauptlaufes, den "27-km-Klassiker", des zweitägigen Lauffestes.

Das Hotel Weisses Rössl mit seinem "Zugpferd" Im Vorjahr übereichte Rössl-Wirtin Gudrun Peter erstmals beim Wolfgangseelauf das "Weisse Rössl" als begherte Siegertrophäe
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Ein paar Schwäne lassen sich bereits frühmorgens genüsslich in der kleinen Bucht treiben. Die Sonne malt scheue Flecken in den Himmel hinein. Schon steuern die ersten Gäste das berühmte Hotel an, dessen Anblick eine gewisse Operettenmelodie nicht mehr aus dem Sinn weichen lässt: das Weiße Rössl am Wolfgangsee... Wenigstens mal auf einen Kaffee will man hier gewesen sein! Das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen freilich die feinen Romantik-Menüs, die zum Beispiel in einem opulenten Marzipan-Birnenstrudel auf Nougatschaum gipfeln.

Und dann soll es doch tatsächlich Leute geben, die den Kellner mit "Leopold" anreden. So nämlich hieß der Zahlkellner in der Operette vom Weißen Rössl….Franz Laimer, genannt Fred, war genau so einer, dem diese "Rolle" geradezu auf den Leib geschneidert schien. Die zahlreichen Stammgäste des Hauses erinnern sich noch gut an ihn. Er, der über 20 Jahre in dem renommierten Hotel tätig war, gehörte gewissermaßen zum Inventar. Und tatsächlich, manches Mal ist er schon angesprochen worden, ob er der Leopold sei... Das erzählt er auch heutzutage als Rentner immer wieder gern, sowie er überhaupt gern über alte Zeiten plaudert, als noch berühmte Filmstars für Dreharbeiten ein und aus gingen.

"Die beste Version vom ‚Weißen Rössl' war die mit Peter Alexander in der Rolle des Leopold", sagte Leimer. Und dass der inzwischen leider verstorbene Peter Alexander auch noch viele Jahre nach den Dreharbeiten häufig zu Gast war im Weißen Rössl am Wolfgangsee.

St. Wolfgang am Wofgangsee Seit über 40 Jahren findet der Lauf rund um den Wolfgangsee statt

Im Benatzky-Raum erinnern Fotos an den berühmten Komponisten Ralph Benatzky, der am 16. Oktober 1957 in Zürich starb. Unvergessen ist sein Singspiel "Zum Weißen Rössl", das 1930 in Berlin uraufgeführt wurde. Es soll übrigens auf einer Verquickung von wahren Begebenheiten beruhen, dessen Mittelpunkt allerdings ein anderes "Weißen Rössl" steht. Dieses befindet sich in Lauffen bei Bad Ischl. Der Operettenstoff berichtet nun, das hier über Jahre hinweg der Zahlkellner Leopold - letztendlich erfolgreich - versucht haben soll, die Gunst der verwitweten Wirtin Josepha Vogelhuber zu erlangen. In zahlreichen Verzwicktheiten erzählt die später in unterschiedlichen Besetzungen gespielte Operette diese Geschichte. Die Filmaufnahmen fanden im Weissen Rössl am Wolfgangsee statt.

Geschichten, die sich am Rande der Dreharbeiten ereigneten, machen bis heute die Runde. Hans Wieser, der Tourismusdirektor von St. Wolfgang gibt sie gern zum Besten. Vor allem jene, wo einmal ein Hubschrauber für große Aufregung sorgte.

Enstpannung am Wolfgangsee Mit dem Schiff den Wolfgangsee erkunden

Wieser: "Um den zügigen Fortgang der Aufnahmen zu gewährleisten, wurde einer der Akteure mit einem Hubschrauber eingeflogen. Der Hubschrauber landete direkt auf dem kleinen Platz beim Weißen Rössl und saugte mit dem Luftstrom seiner Rotoren die Blätter von den umliegenden Bäumen. Gerade diese Bäume aber wurden in ihrem üppigen sommerlichen Grün als Statisten benötigt. Also sammelten alle verfügbaren Mitarbeiter sowie das gesamte Aufnahme- und Schauspielerteam möglichst viele Blätter wieder ein, um sie an die Bäume zu kleben." Schier unglaublich, diese Geschichte…

"Die Erinnerungen an diese Zeiten, das ist unsere Vergangenheit und dazu stehen wir auch", sagt die junge Rössl-Wirtin während gerade das Carpaccio vom Hirschkalbsrücken auf Rotkrautchutney serviert wird. Und Klänge eben dieser Oper untermalen ihre Worte. Aber sie will nicht, dass sich das Haus in der Fantasie der Menschen als "verstaubt" festsetzt.

"Die Menschen haben ein Bild im Kopf von diesem Haus", sagt sie. Und dass dieses Bild ein frisches ist, daran will sie arbeiten. Frisch herausgeputzt und zugleich liebevoll nostalgisch eingerichtet strahlen darum die Gästezimmer und die hohen alten Gasträume. Fantasievoll und mit internationalem Zungenschlag klingen die Speisefolgen auf der Menü-Karte.

Auch im Benatzky Raum lassen sich Vergangenheit und Gegenwart auf einen Blick erleben: an der Wand sieht der Gast das Bild des Komponisten und beim Blick nach draußen die schwimmenden Außenpools des Hotels. Sie sind ein Highlight der neuen Zeit, werden mit Seewasser gespeist mit Wärmepumpen ganzjährig auf 30 Grad beheizt. Die dampfende Wellness-Oase vorm Weissen Rössl lockt zudem mit herrlichem Bergpanorama!

St. Wolfgang mit Schafberg Mit dem Schiff am Falkenstein vorbei

Ja, es zieht einem hinaus in oder zumindest an den smaragdglänzenden See inmitten seiner prächtigen Bergwelt. Und natürlich auch hinauf auf die Höhen. Der 1783 Meter hohe Schafberg bietet herrliche Aussichten. Zu Fuß oder mit der alten Dampfeisenbahn gelangt man wie zu des Kaisers Zeiten schon die adligen Sommerfrischler aus Bad Ischl hinauf und findet sich unvermittelt Aug' in Aug' mit dem Dachstein wieder, genießt den Blick zum Schneekäppchen des Hochkönig, hinunter auf den Wolfgangsee mit dem kuscheligen Fuschlsee an seiner Seite sowie auf zahlreiche weitere Seen des Salzkammergutes. In vielen kleinen Buchten kringelt sich der Mondsee direkt unter dem reizvoll gelegenen "Schutzhaus zur Himmelspforte" und gleich daneben streckt sich der Attersee aus.

Wer aber lieber gemütliche Anhöhen ersteigt, der nimmt sich den Falkenstein vor, jenen kantigen unnahbar wirkenden Felskoloss, an dem die Ausflugsschiffe bei ihrer Fahrt über den Wolfgangsee ganz nah vorübergleiten. Wanderer steigen an der Haltestelle "Ried-Falkenstein" aus. Nur etwa eineinhalb Stunden dauert der Weg auf der Pilgerstrecke herüber nach Fürberg.

Schutzhaus zur Himmelspforte auf dem Schafberg

Vom Sagen umwobenen Falkenstein aus soll vor gut tausend Jahren der Heilige Wolfgang ein Beil geworfen haben, das fünf Kilometer weit geflogen sein soll. Wo es hernieder ging, so hatte er sich vorgenommen, sollte eine Kirche errichtet werden. Und so entstand die Kirche von St. Wolfgang. Und eben hierher sind später wahre Pilgerströme gezogen, die dem Ort längst vor dem Weissen Rössl zu Ansehen und Reichtum verhalfen. Um 1500 galt St. Wolfgang als eine der wichtigsten Pilgerstätten der Christenheit, - die größte gar nach Rom, Einsiedeln und Aachen.

Fahrt mit der Dampflok auf den Schafberg Der Falkenstein

Auf dem Weg über den Falkenstein begegnet der Wanderer neben der Abwurfstelle verschiedenen Punkten, die an den Weitwurf-begabten Bischof erinnern. Über seiner Einsiedelei wurde eine Kapelle errichtet und kurz zuvor sprudelt ein Quell, dessen Wasser Augenleiden lindern soll. Doch die ganz gewöhnlichen leiblichen Bedürfnisse, die kann der Wanderer im romantischen Gasthaus in der Fürberger Bucht wieder stillen, sei es dass es ihm nach Fischspezialitäten gelüstet oder wiederum einer der zahlreichen Mehlspeisen wie etwa Topfenauflauf.

Hl. Wolfgang - Gemälde in der Pfarrkirche Wolfgangrelief mit Reliquien im Turmmuseum

Nicht minder genussreich ist der Felsenweg, der sich anschließend hinüber schlängelt Richtung St. Gilgen, der Mozartstadt. Die Mutter des musikalischen Genies wurde hier geboren und seine Schwester Nannerl wohnte nach ihrer Heirat in dem heute so lebhaften Ort am See. Wen wundert's dass man dann hier auch auf einen Mozartplatz trifft?

Nur einen Katzensprung davon entfernt stoßen wir auf die Konditorei Dallmann, wo die Mozartkugeln noch von Hand gefertigt werden und der Inhaber Franz Mayrhofer die Kanzlertorte kreierte zu Ehren des deutschen Altbundeskanzlers Helmut Kohl, der über 25 Jahre hier Stammgast war.

So viele Sahnehäubchen in den lieblichen kleinen Orten am Wolfgangsee. Sahnehäubchen auch auf dem scharfkantigen Schafberg und dem Zwölferhorn (1522 m) hinter St. Gilgen, oder auf der Postalm, dem größten zusammenhängenden Almengebiet Österreichs oberhalb von Strobl, wo man ausgiebig wandern kann.

St. Gilgen - Bild links Rathaus mit Mozartbrunnen

Zahllose Almen laden auf der Postalm zur genussreichen Einkehr ein. Bequem unterwegs sein kann man zum Beispiel auf der einstündigen Runde des Almblumenweges. Auf über 40 Stationen lässt sich hierbei die Blumenwelt der Almregion erleben. Am Wege warten die Holleralmen. Sie bieten neben vielen anderen Köstlichkeiten von Pilzgerichten über Wildbret in gemütlich-deftiger Atmosphäre ihre Holunderprodukte an: Saft, Sekt, Palatschinken, je nach Saison gebackene Hollerblüten und andere Holundergenüsse. Müde Wanderbeine kann man dabei bereits am Eingang mit einer "Holler- und Kräutereinreibe" erfrischen.

So manche kühlende wie auch spannende Erfrischung hält der Themenweg zur Welt des Wassers im "Blue Dome" in Abersee bereit. Er wiederum liegt direkt am Rundweg um den Wolfgangsee.

Zwischen St. Wolfgang und Strobl ragt der Bürglstein in den See Wanderung auf dem Schafberg

Es ist ein gut markiertes Wegenetz, das den Wanderfreund mit einer Länge von 27 Kilometern zur Seeumrundung einlädt. Wem Wandern zu langsam geht, der kann auch alljährlich im Oktober am Lauf rund um den See teilnehmen. Keiner aber wird es versäumen, im Weissen Rössl vorbei zu schauen. In der kleinen Bucht, von wo aus selbst die Schwäne den Blick in die Berge zu genießen scheinen und die Ohrwürmer gewisser berühmter Operettenmelodien in der Luft liegen.

Textbeitrag von Kornelia Stinn - Fotos von Winfried Stinn

Weitere Infos: www.wolfgangsee.at
Reportage zum 46. Int. Wolfgangseelauf - Salzkammergut Marathon HIER
Foto-Impressionen Wolfgangseelauf-Salzkammergut Marathon im LaufReport HIER
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