20. Ringeriksmaraton - Norwegen (16.08.2014)

Mit eins, zwei, vier oder acht

von Ralf Klink

"Norges største maratonstafett" lautet die Zeile unter dem grün-blauen Logo, was nicht andres als "Norwegens größte Marathonstaffel" bedeutet. Der "Ringeriksmaraton" scheint also zum einen trotz seines Namens gar kein "richtiger" Marathon zu sein. Bei genauerer Betrachtung stimmt das zwar nicht ganz, man darf die zweiundvierzig Kilometer auch ganz offiziell alleine zurücklegen und muss dabei nicht einmal die regeltechnische Verrenkung der "Ein-Mann-Staffel" bemühen. Doch wenig überraschend sind die Läufer, die nur Teilstrecken absolvieren, klar in der Mehrheit.

Zum anderen ist die Formulierung allerdings eine ziemlich bemerkenswerte Aussage. Denn im - zumindest hinsichtlich seiner Bevölkerungszahlen - kleinen Norwegen stehen Staffelrennen auch außerhalb der Tartanbahn recht hoch im Kurs. Vielleicht hängt dies ja mit der riesigen Wintersporttradition zusammen. Im Skilanglauf und Biathlon gehören die Sportler in rot und blau schließlich gerade bei den Teamwettbewerben stets zu den großen Favoriten.

Für skandinavische Verhältnisse dicht besiedelt, aus mitteleuropäischem Blickwinkel aber noch ziemlich und weitläufig ländlich präsentieren sich sowohl die Region Ringerike als auch ihr Zentrum Hønefoss
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Jedenfalls ist seit vielen Jahren ein Staffelrennen die mit deutlichem Abstand teilnehmerstärkste Laufveranstaltung des Landes. "Holmenkollstafett" heißt sie und führt Mitte Mai vom Bislett-Stadion mehr als zweihundert Höhenmeter bis fast ganz hinauf zum "heiligen Berg" des nordischen Skisports sowie anschließend wieder hinunter zu jener hinter dem Züricher Letzigrund wohl traditionsreichsten Leichtathletik-Arena.

"Nur" gute achtzehn Kilometer lang ist die Gesamtdistanz. Doch diese werden unter fünfzehn Teammitgliedern aufgeteilt, so dass angesichts von zuletzt knapp dreitausend antretenden Staffeln in der Summe weit über vierzigtausend Teilnehmer zusammen kommen. Im gerade einmal fünf Millionen Menschen zählenden Norwegen ist damit beinahe ein volles Prozent der Bevölkerung bei diesem Ereignis aktiv dabei. Die Relation wird vielleicht deutlicher, wenn man sich den deutschen Vergleichswert vor Augen hält. Der läge nämlich bei achthunderttausend.

Ganz unterschiedlich hat man die einzelnen Etappen geschnitten. Während die kürzeste von ihnen nicht einmal vierhundert Meter misst und noch vier weitere Teilstrecken kürzer als ein Kilometer ausfallen, muss ein anderer Läufer zweitausendachthundert - immerhin bergab führende - Meter hinter sich bringen. Als "Königsetappe" gilt aber der etwa achtzehnhundert Meter lange siebte Abschnitt hinauf zum höchsten Punkt.

Dass gerade auf diesem Part recht gerne Spitzenathleten aus dem nordischen Skisport eingesetzt werden, hat jedoch weniger mit der nahen - von der Laufstrecke aber gar nicht sichtbaren - Holmenkollen-Arena zu tun. Vielmehr können diese hinsichtlich ihrer läuferischen Fähigkeiten zumindest mit den Spezialisten aus der zweiten Reihe meist problemlos konkurrieren. Und gerade an Steigungen sind die Skisportler in der Regel ohnehin vollkommen konkurrenzfähig, da ihnen ähnlich anspruchsvolle Profile aus dem Winter sehr wohl vertraut sind.

Neben einer kleinen Fußgängerzone sind hauptsächlich einige Landkirchen einen Besuch wert

Bei manchem Berglauf - eine Disziplin, die in Norwegen zuletzt einen fast explosionsartigen Popularitätsschub erlebt hat, so dass es inzwischen rund zweihundert dieser "motbakkeløp" gibt, die als Namen meist den jeweiligen Berg mit einem nachfolgenden, durchaus verständliche "Opp" führen - entdeckt man deswegen auf vorderen Plätzen ziemlich bekannte Namen in den Ergebnislisten.

Gelegentlich mischen Skilangläufer sogar bei norwegischen Leichtathletik-Meisterschaften ganz vorne mit. So kann Kristin Størmer Steira nicht nur viele Medaillen von Weltmeisterschaften und olympischen Spielen aus der Schublade holen sondern hat zudem auch einen Titel über fünftausend Meter auf der Bahn in ihrer Erfolgsliste. Eine Woche nach dem Ringeriksmaraton wird sie einen weiteren auf der doppelt so langen Distanz hinzufügen. Und der inzwischen nicht mehr aktive Odd-Bjørn Hjelmeset war ganz nebenbei auch einer der besten Hindernisläufer Norwegens.

Dass im Jahr 2014 keine Frau die siebte Etappe der Holmenkollen-Staffel schneller hinauf stiefelte als ein gewisse Therese Johaug, die nur wenige Wochen zuvor immerhin den Skilanglauf-Weltcup für sich entschieden hatte, ist also keineswegs ein Zufall. Die auf den schmalen Latten noch viel erfolgreichere Marit Bjørgen war in Oslo diesmal ebenfalls dabei. Auch Teamkollegin Heidi Weng findet sich nicht zum ersten Mal in den Listen.

Bei den Herren tauchen Namen wie Martin Johnsrud Sundby - in dieser Saison ebenfalls als Gesamtweltcup-Sieger geehrt - oder Eldar Rønning sowie ihr schwedischer Konkurrent Anders Södergren auf. Und kaum ein Skistar lässt sich nicht irgendwann einmal zu einer Teilnahme bewegen. Denn wenn solche "skistjernene" in der Staffel ihrer jeweiligen Vereine antreten, ist dies nicht nur eine sportliche Bereicherung.

Sie sichern dem jeweiligen Team außerdem erhebliche zusätzliche Aufmerksamkeit. Hinsichtlich Popularität und Bekanntheitsgrad ist die Position der Ski-Asse in Skandinavien schließlich absolut vergleichbar mit der eines Spitzenfußballers hierzulande. Und so würden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in allen über das Staffelrennen berichtenden Medien erwähnt, wenn ihre Leistungen weniger überzeugend wären.

Das andere Extrem im Staffelbereich ist "St Olavsloppet" ein zwischen dem mittelnorwegischen Trondheim und dem schwedischen Östersund ausgetragenes Rennen über dreihundertvierzig Kilometer und vier Tage. Während es am Holmenkollen eine eigentlich seit Jahrzehnten nahezu unveränderte Streckenführung gibt, wird bei dieser Langstafette die Laufrichtung zwischen Start- und Zielort regelmäßig umgedreht.

Das "sekretæriat" des Rigeriksmaraton besteht am Wettkampftag aus einigen kleinen Zelten vor der Gemeindeverwaltung von Hole

So sind dann auch die Abschnitte immer wieder einmal anders zusammen gestellt. Die Streckenbeschreibung für die letzte Austragung verzeichnete jedenfalls einundfünfzig Etappen zwischen vier und zwölf Kilometern Länge. Obwohl es dabei keinerlei Regel gibt, die einen Mehrfacheinsatz verhindern oder verbieten würde, kommen angesichts von über zweihundert Staffeln im Ziel ebenfalls mehrere tausend Teilnehmer zusammen. Für einen Platz unter den zehn größten Läufen des Landes reicht das eigentlich immer problemlos.

Der Ringeriksmaraton - im Norwegischen schreibt man wie in allen anderen skandinavischen Sprachen das Wort "Marathon" korrekt ohne "h" - liegt von der Distanz zwischen den beiden. Und auch bei dieser Veranstaltung sind die Gesamteilnehmerzahlen weit im vierstelligen Bereich. Deutlich über dreitausend Läufer können zum zwanzigsten Jubiläum des im Jahr 1995 erstmals ausgerichteten Rennens begrüßt werden, womit man am Ende des Jahres wohl immerhin zum ersten Dutzend gehören wird.

Doch um diese Zahl zu ermitteln, braucht es schon ein wenig Rechnerei. Denn zwar steht es den einzelnen Mannschaften im Gegensatz zum Sankt-Olavs-Lauf offiziell nicht vollkommen frei, wie sie die Teilstrecken unter den einzelnen Teammitgliedern verteilen. Doch gibt es eben trotzdem mehrere Alternativen. Der eigentliche Standard ist eine Achterstaffel, bei denen jeder Läufer etwas über fünf Kilometer zurück zu legen hat.

Allerdings gibt es auch eine eigene Wertung für Viererteams, die nur an jedem zweiten Wechselpunkt ablösen und deswegen jeweils doppelt so lange Abschnitte vor sich haben. Man kann sich die zweiundvierzig Kilometer außerdem mit einem Partner in zwei Halbmarathons aufteilen. Und für alle, denen selbst das noch nicht genug sein sollte, existiert eben auch noch ein Wettbewerb für Einzelläufer.

Da jede Kategorie noch nach Männern-, Frauen- und Mixed-Teams gliedert ist, gibt es schon eine ziemliche Vielfalt an verschiedenen Wertungen. Und bei der "stafett" - unter diesem Begriff firmieren nur die Achterteams - gibt es zudem noch eine weitere Unterscheidung. Was mit der Bezeichnung "elite" gemeint ist, kann man auch ohne jede Norwegisch-Kenntnisse verstehen. Hinter dem Gegenstück "mosjon- og bedrift" verbirgt sich die weitaus größere Gruppe der Freizeit- und Betriebssportler.

Da fallen die Altersklassen der Einzelläufer, die immerhin im Fünfjahresrhythmus ausgeschrieben sind, auch nicht mehr unbedingt ins Gewicht. Angesichts von knapp hundert gemeldeten und achtzig im Ziel gewerteten Läufern besteht eine relativ hohe Chance auf dem Treppchen zu landen. Und in den jüngsten und ältesten Klassen der Männer sowie in nahezu allen Frauenkategorien lassen sich die entsprechenden Platzierungen sogar nur durch vorzeitigen Ausstieg verhindern.

Trotz dieser aus mitteleuropäischem Blickwinkel doch eher bescheidenen und zudem nur als "Nebenprodukt" entstandenen Zahl dürfte Ringerike, wenn man nur den Marathon für sich alleine betrachtet, ebenfalls zu den zehn teilnehmerstärksten norwegischen Läufen zählen. Dass man - vielleicht auch aufgrund des Jubiläums - insbesondere auf dieser Distanz gegenüber den Vorjahren um rund ein Drittel zugelegt hat, hilft dabei natürlich zusätzlich.

Während die sich am Start versammelnden Staffeln ihren Gepäcktransport selbst organisieren müssen, können sich die Einzelläufer ihre "bagasje" zum Ziel bringen lassen. Ein Auto reicht angesichts der recht überschaubaren Zahl dafür allerdings vollkommen aus

Und um eine solche Position zu erreichen ist es sicher auch kein Nachteil, wenn das Rennen im Dunstkreis von Oslo stattfindet. Schließlich leben alleine in der Hauptstadt rund ein Fünftel aller Norweger. Nimmt man das Umland - im weiten Skandinavien fällt ein etwas größeren Umkreis von hundert Kilometer durchaus noch unter diesen Begriff - noch mit hinzu, ist man schnell auch bei einem Drittel der gesamten Bevölkerung.

Wer allerdings rund um Oslo auf einem Straßenplan jene Ortschaft sucht, die vermeintlich in der Bezeichnung des Marathons auftaucht, wird sie nur schwerlich finden. Zwar gibt es seit mehr als einem halben Jahrhundert eine Verwaltungseinheit - eine "kommune" - namens "Ringerike", doch heißt deren Hauptort eben "Hønefoss" und im Gegensatz zu den bei deutschen Gebietsreformen gebildeten "Kunstgemeinden" werden solche Namen eher selten in skandinavischen Karten vermerkt.

Je weiter man sich von den großen städtische Zentren entfernt, umso größer werden nämlich deren Zuschnitte. Über hundert unter den etwas mehr als vierhundert "kommuner" in Norwegen übertreffen die Fläche der diesbezüglich führenden deutschen Gemeinde Berlin. Und rund zwei Dutzend sind sogar größer als das Saarland. Als Orientierungshilfe sind unter diesen Voraussetzungen die einzelnen Städtchen, Dörfer und Siedlungskerne - insbesondere wenn es dort wichtige Straßenkreuzungen gibt - viel sinnvoller.

Auch Ringerike zählt zu den politischen Gemeinden in Norwegen, die Berlin an Ausdehnung übertreffen. Und an das Saarland reicht sie immerhin zu sechzig Prozent heran. Doch ließen sich die Grenzen von "Ringerike" sogar noch ein wenig weiter ziehen. Denn ursprünglich bezieht sich dieser Name auf eine der traditionellen norwegischen Regionen und ist vermutlich von "Hringariki", dem "Reich der Hringer" abgeleitet.

Neben der heutigen Verwaltungseinheit "Ringerike" zählt dazu auch noch die Kommune "Hole", die in den Sechzigern zwar ebenfalls eingemeindet worden war, ein Jahrzehnt später aber wieder selbstständig wurde. Und auch das auf der anderen Seite angrenzende Jevnaker ließe sich - selbst wenn es in der Regel eher der Nachbarregion "Hadeland" zugeordnet wird - mit etwas gutem Willen noch mit dazu rechnen.

Erst nachdem die Langsameren beim "tidligstart" mit einer Stunde Vorsprunge auf die Strecke gegangen sind, füllt sich das Gelände immer mehr

Da der namensgebende Hauptort kaum ein Dutzend Kilometer von Hønefoss entfernt liegt, wird die Kommune jedenfalls genauso von der Zeitung "Ringerikes Blad" bedient wie Ringerike und Hole. Und dieses Blatt hat als "arrangør" des Marathons die Strecke so gewählt, dass alle drei Gemeinden von ihr berührt werden. Man startet sogar vor dem Rathaus von Vik, dem Zentrum von Hole, läuft genau bei Halbzeit durch die Innenstadt von Hønefoss und beendet das Rennen unweit der Verwaltung von Jevnaker.

Um an all diese Informationen zu kommen, muss man zumindest das Notdürftigste auch auf Norwegisch verstehen. Denn eine englische oder gar deutsche Variante der Internetseite des Ringeriksmaratons gibt es nicht. Abgesehen von einigen Schweden, die mit der eng verwandten Sprache des skandinavischen Nachbarn keine allzu großen Probleme haben, fällt das Starterfeld dann auch alles andere als international aus.

Dabei ist die Anreise verglichen mit etlichen anderen Marathonorten im hohen Norden eigentlich recht einfach. Ringerike liegt schließlich nur etwa vierzig Luftlinien-Kilometer nordwestlich von Oslo. Und wer mit dem Flieger anreist, muss sogar nicht einmal in die Hauptstadt hinein. Vom - ein Stück nordöstlich von Oslo gelegenen - internationalen Flughafen Gardermoen benötigt man kaum eine Stunde für die siebzig direkten Straßenkilometer nach Hønefoss.

Wenn man die Fahrt im Mietwagen scheut, ist das Städtchen allerdings auch mit dem Zug zu erreichen. Dafür muss man dann zwar etwa zwei zusätzliche Stunden investieren, weil die Fahrt zuerst nach Oslo hinein zum Hauptbahnhof führt. Von dort geht es weiter entlang des Fjordes nach Süden in Richtung Drammen, wo die Bahnlinie dann doch noch ins Land hinein dreht und in einem großen "U" nach Hønefoss gelangt.

Durchaus "skandinavisch" sind allerdings die Startgebühren, die man für eine Teilnahme in Ringerike zu berappen hat. Denn eine Achterstaffel zahlt je nach Meldetermin zwischen vierzehnhundert und neunzehnhundert norwegischen Kronen. Als Zweierpärchen legt man noch achthundert bis dreizehnhundert davon auf den virtuellen - "fristen for påmelding" ist nämlich Ende Juli, so dass eigentlich keine Nachmeldungen möglich sind - Tisch.

Zieht man den aktuellen Umrechnungskurs von etwa eins zu acht hinzu, ergeben sich verglichen mit den hierzulande in der Regel üblichen Größenordnungen doch unerwartet hohe Beträge. Wer mit der Abgabe der Meldung bis zum Schluss wartet, hat zum Beispiel beim "Parmaraton" für jeden einzelnen der von beiden Partnern zurückzulegenden einundzwanzig Kilometer rund vier Euro zu bezahlen.

Rund fünfhundert Läufer versammeln sich um zwölf Uhr schließlich an der Linie

Tritt man zu viert an, werden für jeden der etwas über zehn Kilometer langen Abschnitte fünfzig Einheiten dieser Währung fällig. Und für die Achterteams ergeben sich im Maximalfall sogar fast zweihundertvierzig Euro. Herunter gebrochen auf die einzelnen Teilnehmer sind fast dreißig Euro für eine nur fünf Kilometer lange Strecke selbst dann ein wahrlich stolzer Preis, wenn man die an alle Läufer verteilten Medaillen berücksichtigt.

Doch beim ähnlich langen und wohlgemerkt auch ähnlich teuren Chase-Lauf in Frankfurt sind ja hierzulande mit sechzig- bis siebzigtausend Startern noch weitaus mehr Menschen auf den Beinen. Dass dabei die jeweiligen Firmen bezahlen und nicht jeder einzelne Teilnehmer in die Tasche greifen muss, gilt in ähnlicher Form wohl durchaus auch in Ringerike. Denn bei einem oberflächlichen Blick in die Startlisten lässt sich ein erheblicher Teil der Staffeln der Kategorie "bedrift" zuordnen.

Insbesondere die Sponsoren schicken zum Teil eine stattliche Zahl von Teams auf die Strecke. Für Energieversorgungsunternehmen - die lokale "Ringerikskraft" ist auch eine der Firmen, deren Logo in der Ausschreibung zu sehen ist - gibt es sogar eine eigene, als "norwegische Meisterschaft" deklarierte Wertungsklasse. Die weiteste Anreise dürfte dabei eindeutig die Stafette von "Lofotkraft" hinter sich haben. Schließlich ist die nordnorwegische Inselgruppe der Lofoten schon in der Luftlinie rund tausend Kilometer von Hønefoss entfernt.

Auch aus den Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen der drei Kommunen haben sich etliche Mannschaften zusammen gefunden. So laufen dann Betreuer des "Blåbærskogen barnehage" aus Ringerike gegen jene des "Svensrud Natur- og idrettsbarnehage" aus Hole - also "Blaubeerwald Kindergarten" versus "Svensrud Natur- und Sportkindergarten". Und von der "Jevnaker skole" wetteifern "Humanistene" und "Realistene" miteinander. Ein Duell, das die Geisteswissenschaftler knapp vor ihren naturwissenschaftlichen Kollegen für sich entscheiden können.

Die fünfhundert Kronen - immerhin auch noch über sechzig Euro - für einen Einzelstart sind angesichts der sonstigen Preise jedenfalls fast ein Schnäppchen. Und dass den Veranstaltern wirklich daran gelegen ist, die Zahl der Marathonis möglichst zu vergrößern, kann man auch an den - als einzige Ausnahme - für sie nicht geltenden "påmeldingsfrister" erkennen. Weder gibt es eine Gebührenstaffelung, noch ein Enddatum. Sogar noch am Wettkampftag selbst lassen sich neben dem Startplatz die für eine Teilnehme nötigen Meldezettel ausfüllen.

Für ein wenig Verwirrung im Vorfeld sorgt allerdings eine E-Mail, die eine Woche vor dem Start im elektronischen Briefkasten ankommt und verkündet, dass die "utdeling av startnummer" dienstags und mittwochs in einem Sportgeschäft in Hønefoss von statten ginge. Für das Wochenende ist dagegen weder ein Termin noch ein Ort genannt. Was für die größtenteils aus der Region kommenden Staffeln noch ganz akzeptabel sein mag, würde für aus größerer Distanz und nur für einige Tage anreisende Läufer natürlich ein größeres Problem darstellen.

Direkt nach dem Start führt der Strecke gleich einmal einige Meter bergauf

Auch auf der Internetseite gibt es nicht unbedingt viele weitere Informationen. Nur ein kleiner Nebensatz ist zu entdecken, der allen nicht in "Ringeriksregionene" lebenden Teilnehmern eine eigene Absprache anbieten. Das hört sich allerdings komplizierter an, als es in Wahrheit ist. Denn auf die vorsichtige Anfrage, was denn wäre, wenn man erst am Freitag vor Ort wäre, kommt gleich in drei Sprachen - neben Norwegisch und Englisch auch noch auf Deutsch - die Antwort, selbstverständlich würden Nummern in Hole auch noch bis kurz vor dem Start verteilt.

So bleibt ausreichend Zeit, denn wie so häufig im Norden beginnt das Rennen relativ spät. Erst um zwölf Uhr wird das Läuferfeld nämlich auf die Strecke geschickt. Was aus mitteleuropäischer Sicht eher ungewöhnlich erscheint, ist für Skandinavier völlig normal. Die großen Distanzen und die dünne Besiedlung sorgen schließlich in der Regel für deutlich weitere Anmarschwege, die durch die alles andere als ebene Topographie noch zusätzlich erschwert und verlängert werden.

Zu einem Lauf noch am Morgen des Wettkampftages zwei- oder dreihundert Kilometer zu fahren, ist zumindest dann eher die Regel als die Ausnahme, wenn man etwas außerhalb der wenigen existierenden Ballungsräume lebt. Kjell Skogvang kommt zum Beispiel aus Ringebu im Gudbrandsdal, das sich von Lillehammer nach Norden erstreckt und hat damit wohl bereits eine knapp dreistündige Autofahrt hinter sich, als er im Zielort Jevnaker ankommt.

Und so klingt es in seinen Augen umgekehrt mindestens genauso seltsam, dass in Mitteleuropa die meisten Marathons bereits um neun Uhr oder im Sommer sogar noch etwas früher beginnen sollen. Dass es viele andere Gegenden auf der Welt gibt, in denen auch Startzeiten von sieben oder sogar sechs Uhr als vollkommen normal gelten, erwähnt man unter diesen Voraussetzungen dann lieber gar nicht erst.

Von Jevnaker gibt es für Einzel- und Paarläufer einen kostenlosen Bus zum Startplatz in Vik, der auch in Hønefoss noch einen Zwischenstopp zum Ein- und Aussteigen einlegt. Beim Warten an der "rutebilstasjon" - wörtlich übersetzt bedeutet das "Routenauto-Station" meint aber natürlich die Haltestelle für Linienbusse, die in Norwegen aufgrund der lokalen Gegebenheiten über weit größere Entfernungen rollen müssen, um die entsprechenden Verbindungen zu ermöglichen - ist man ins Gespräch gekommen.

Nach dem ersten Kilometer durch Wohngebiete laufen Staffeln und Einzelstarter in offenes Gelände hinaus

Für einen Skandinavier eher ein wenig holprig ist das Englisch des kleinen, freundlichen Mannes aus dem als Kornkammer des Landes bekannten Tal im Zentrum Norwegens. Doch soll dies keineswegs bedeuten, dass er diese Sprache wirklich schlecht beherrschen würde. Die Verständigung ist nicht das geringste Problem. Nur lässt sich im Gespräch eben spüren, dass er ab und zu nach einer Vokabel erst in seinem Gedächtnis suchen muss und auch gelegentlich einmal eine Umschreibung wählt, wenn er am Ende doch nicht fündig geworden ist.

Das fällt umso mehr auf, weil man sich schon nach wenigen Tagen im hohen Norden Europas daran gewöhnt, dass praktisch jeder nahezu fließendes Englisch beherrscht. Denn zum einen beginnen norwegische Schüler traditionell schon in der ersten Klasse damit, im Unterricht diese Fremdsprache zu erlernen. Die kleinen Nationen in Skandinavien haben schließlich bereits früh verstanden, dass sie nicht erwarten können, auf der Welt viele Sprecher ihrer eigenen Sprachen zu treffen.

Zum anderen laufen in Fernsehen und Kino nahezu alle Produktionen im Original und werden nur mit Untertiteln versehen, so dass man eigentlich täglich mit der Sprache konfrontiert wird. Höchstens bei Kindersendungen wählt man dann doch einmal die deutlich aufwendigere und sich angesichts der relativ kleinen Bevölkerung - und damit natürlich auch des potentiellen Publikums - wirtschaftlich kaum rechnende Variante der Synchronisation.

Kjell - dessen Nachname sich übrigens ziemlich idyllisch mit "Waldwiese" übersetzen lässt - hat allerdings auch schon siebzig Lebensjahre auf dem Buckel und damit seine Schulzeit schon mehr als ein halbes Jahrhundert hinter sich gelassen. Und verglichen mit den meisten seiner hiesigen Altersgenossen sind seine sprachlichen Fähigkeiten nun wahrlich nicht schlecht. Trotzdem nimmt er es natürlich ziemlich wohlwollend zur Kenntnis, als in die Antworten auf seine Fragen eher unerwartet auch der eine oder andere norwegische Halbsatz einfließt.

Den Ringeriksmaraton sei er schon ungefähr ein halbes Dutzend Mal gelaufen, erzählt Kjell. Doch sein letzter Start würde bereits fünf Jahre zurück liegen. Stammgast ist er dagegen beim Fjellmaraton von Beitostølen und dem Nordmarka Skogsaraton in den direkt nördlich an die Hauptstadt Oslo grenzenden Wäldern. Bei allen beiden Veranstaltungen nähert sich die Anzahl seiner Teilnahmen nämlich jeweils langsam der Größenordnung von zwanzig.

Dass in Beitostølen ebenfalls um neun losgelaufen wird, ist Kjell deswegen natürlich auch klar. Aber das wäre nun wirklich eine Ausnahme und die mit Abstand früheste Startzeit, die er von einem norwegischen Lauf kenne. Man ist sich schnell einig, dass der Grund dafür eindeutig ein in seiner vollen Länge über eine nicht ganz unbedeutende Überlandverbindung führender Kurs ist, auf dem natürlich immer mehr Verkehr herrscht, je weiter die Uhr fortgeschritten ist.

Anfangs hält sich die Marathonroute an den Radweg neben der Hauptstraße, nach der Hälfte der ersten Etappe biegt man dann auf einen Feldweg ein

Als der Bus dann kommt, füllt er sich kaum zu Hälfte mit Läufern. So mancher Marathoni hat wohl seinen eigenen Transport zwischen den beiden Endpunkten der Strecke organisiert. Bei den Staffeln ist die zumindest auf der zweiten Hälfte, wenn sich das Feld schon weit auseinander gezogen hat, so dass zwischen der ersten und der letzten Ablösungen zwei bei drei Stunden liegen können, ebenfalls notwendig.

Zu den ersten Wechselstellen werden allerdings vom Veranstalter noch "skyttelbusser" organisiert. Wenn man sich daran erinnert, dass auch beim aus dem Norwegischen stammenden Wort "Ski" die Buchstabenkombination "sk" wie eine deutsches "sch" ausgesprochen wird, kann man dahinter "Shuttle-Busse" erkennen. Viel schneller und häufiger als hierzulande passt man in Norwegen nämlich übernommene englische Begriffe den eigenen Schreib- und Sprachgepflogenheiten an.

Während anderswo - gerade bei größeren Veranstaltungen - schon einmal zu erleben ist, dass ziemlich genau kontrolliert wird, ob man wirklich als Läufer in den Bus hinein darf, fragt in Jevnaker niemand nach. Wer mitfahren möchte, kann einfach einsteigen. Es wäre ja angesichts der noch in Vik liegenden Startnummer auch gar nicht so einfach, zu belegen, dass man tatsächlich Marathoni ist.

Es fällt auf, dass einige der um zehn Uhr in den "buss" hinein Kletternden schon im vollen Wettkampfdress unterwegs sind. Das hat nicht unbedingt mit dem leicht verschobenen Temperaturgefühl der Skandinavier zu tun. Denn selbst wenn es nach morgendlichen Regen nun zwar noch immer bedeckt, aber zumindest trocken ist, liegen die Temperaturen mit etwa fünfzehn Grad keineswegs in einem Bereich, in dem es wirklich angenehm wäre, über ein Stunde lang in kurzen Hosen und Trägerhemd herum zu stehen.

Vielmehr werden in der Ausschreibung "alle med løpstid over 5 timer" aufgefordert, am "tidligstart" um elf Uhr teilzunehmen. Es gibt sogar für diejenigen Einzelläufer und Staffeln, die noch eine Stunde mehr an Endzeit kalkulieren, bereits um zehn noch einen weiteren dritten Start. Diese früheste Möglichkeit, auf die Strecke zu gehen, nimmt nicht einmal eine Handvoll Läufer in Anspruch.

Beim zweiten Signal setzten sich immerhin schon dreißig bis vierzig Sportler in Bewegung, von denen rund die Hälfte tatsächlich die komplette Strecke absolvieren will, ohne sich zwischen durch ablösen zu lassen. Längst nicht alle werden dabei auch wirklich mehr als fünf Stunden benötigen. Doch beginnen die Ergebnislisten der Staffeln sich bereits bei deutlich niedrigeren Endzeiten auszudünnen. Und so mancher zieht es dann doch lieber vor, auf der zweiten Hälfte unentwegt überholt zu werden, als vollkommen alleine unterwegs zu sein.

Zwischen zum Teil gerade abgeernteten, zum Teil noch auf den Mähdrescher wartenden Getreideäckern und verstreuten Bauernhöfen geht es auf der zweiten Hälfte der Anfangsetappe entlang

So bleiben für die Frühstarter zwischen der Ankunft des Busses und dem Loslaufen kaum mehr als zwanzig Minuten. Das reicht gerade einmal, um an einem als Wettkampfzentrum dienenden Zeltpavillon - auf dem davor im Gras steckende Schild kann man das Wort "sektretæriat" lesen - die Startnummer in Empfang zu nehmen und sich mit einer der kostenlos verteilten und eigens mit dem Marathonlogo beklebten Wasserflaschen die Flüssigkeitsvorräte ein wenig aufzufüllen.

Das Gegenteil davon kann man noch schnell im "Hole herredshus" - wie groß über dem eher bescheiden wirkenden Bau der Gemeindeverwaltung steht - erledigen. "Herred", das in anderen Regionen Norwegens gelegentlich auch "hered" oder "herad" geschrieben wird, ist ein alter Begriff, der in hauptsächlich mit weit verstreuten Bauernhöfen besiedelten Regionen ohne größere Orte die Vorläufer der heutigen "kommuner" bezeichnet.

In Dänemark, das "Norge" jahrhundertelang beherrschte und die entsprechende Gliederung eigentlich erst einführte, sowie Schweden - dort als "härad" - wurde er ebenfalls für ländliche Verwaltungsbezirke benutzt. Und auch in Schleswig-Holstein, das praktisch genauso lange wie Norwegen von den in Kopenhagen residierenden dänischen Königen regiert wurde, kennt man einen entsprechenden Begriff namens "Harde".

Einige norwegische Gemeinden wie "Kvinherad" am Hardangerfjord oder das an Ringerike angrenzende "Krødsherad" führen das Wort in ihrem Namen. Zudem wird die Bezeichnung in vielen Gegenden traditionell auch weiterhin im Gespräch verwendet, wenn die Rede auf die eigene Verwaltung kommt. Und eine Handvoll Kommunen führt den Titel noch immer offiziell in ihrem Briefkopf. Hole gehört allerdings inzwischen nicht mehr dazu.

Einzelläufer und Paare, die im Gegensatz zu den Staffeln keine eigene Transportlogistik im Rücken haben, können sich ihre Wechselbekleidung entweder nach Hønefoss oder Jevnaker bringen lassen. An der Startnummer ist dazu auch eigens ein Abriss mit dem Namen befestigt. Doch wie die Abgabe der Taschen dann abläuft, erinnert nun wirklich nicht im Entferntesten an das, was man von größeren Veranstaltungen kennt.

Neben einem kleinen Kastenwagen stehen zwei Schilder "tøy til Hønefoss" und "tøy til Jevnaker". Und selbst wenn man die Übersetzung von "tøy" - das im Norwegischen für "Kleidung" steht - nicht kennt, ist eigentlich klar was gemeint ist. Immer wenn an einer der Tafeln mehrere Stücke "bagasje" zusammen gekommen sind, räumt der mit knallgelber Leuchtweste bekleidete "hjelper" diese nach hinten in die Ladefläche oder bringt sie zum Kofferraum eines zweiten, auch nicht unbedingt größeren Fahrzeugs.

Bei der ersten Ablösung in einem kleinen Wäldchen geht es ziemlich chaotisch zu

Für die Rückgabe solle man sich später auch einfach wieder einen gelb oder orange tragenden "funksjonær" - wie man in Norwegen keineswegs nur die Führungskräfte sondern alle Freiwilligen, die für die reibungslose Abwicklung einer Laufveranstaltung sorgen, nennt - wenden, hatte schon die freundliche Helferin in Jevnaker erklärt, die jedem der irgendwie nach Läufer aussah, sofort die Abläufe erklärte. Nach dem Einlauf wird sie auf Nachfrage tatsächlich später zu den direkt am Ziel deponierten Taschen führen und ohne große Formalitäten die gewünschte heraus geben.

Erst nachdem sich die vermeintlich Langsameren längst auf den Weg gemacht haben, füllt sich der Platz vor den Rathaus am Rand des ohnehin weder dicht bebauten noch übermäßig großen Örtchens Vik immer mehr. Ganz unterschiedlich sind dabei die Vorbereitungsmethoden. Während die Ambitionierteren einen schon lange vor dem Start mit dem Aufwärmen beginnen und wohl beim Einlaufen eine größere Distanz zurück legen als im Rennen selbst, sieht man anderen an, dass sie froh sind, wenn sie ihre fünf Kilometer einigermaßen mit Anstand überstehen.

Wer dabei wie lange laufen wird, ist an den unterschiedlich farbigen Startnummern zu erkennen. Die meisten sind golden unterlegt. Denn diese kenzeichnen die Achterstaffeln, die mit weit mehr als dreihundert antretenden Teams eindeutig dominieren. Den Elitestafetten hat man zur besseren Unterscheidung allerdings rote Nummer verpasst. Und die Energiewerker tragen ihren internen Wettkampf mir grün aus.

Knapp sechzig Mannschaften teilen sich mit gelben Nummern auf dem Bauch die Strecke zu viert. Das ist optisch viel weiter vom Gold der doppelt so starken Teams entfernt als in der ausgeschriebenen Form. Denn um "gul", das in allen skandinavischen Sprachen "gelb" bedeutet, und "gull", wie die Norweger das Edelmetall nennen, auseinander zu halten, muss man schon wirklich ganz genau hinsehen. Zumindest Dänen und Schweden machen es mit ihrem "guld" dem Deutschsprachigen da ein wenig einfacher.

Immerhin hundertvierzig, dunkelblau markierte Zweierteams gehen ebenfalls noch auf die Reise. Abgesehen von den Einzelstartern tragen alle neben der Ziffernfolge für die jeweilige Mannschaft auch noch ihre Position auf der Nummer. Und da sich neben den Startläufern natürlich noch viele andere Teilnehmer im Startbereich herum treiben, kann man mit ein wenig Kombinationsgabe irgendwann auch ohne genauere Erklärungen eine gewisse Ordnung in der Farbensystematik erkannt.

Hinter der Wechselzone öffnet sich kurzzeitig der Blick auf den Tyrifjord

Selbst wenn es die beiden vorgezogenen Starts nicht gegeben hätte, lassen sich die Angaben über die Stärke der einzelnen Kategorien aber nicht addieren, um die genau Zahl der Läufer zu ermitteln, die sich kurz vor zwölf hinter der Linie versammeln. Manche tragen nämlich zwei oder gar drei Nummern auf dem Bauch. Gerade einige Marathonis laufen gleichzeitig noch auf der ersten Position für eine Staffel los und deswegen auch einfach weiter, nachdem sie an einer Wechselstelle einen Teamkollegen auf die Strecke geschickt haben.

Trotzdem setzen sich natürlich mehr als fünfhundert Sportler in Bewegung, nachdem beim Herunterzählen nach "fem", "fire", "tre" und "to" auch das "en" genannt worden ist. Und sie dürfen dabei gleich einmal einige Meter bergan laufen. Das ist in Norwegen, auf dessen kompletten Territorium sich eigentlich kaum eine größere ebene Fläche finden lässt, allerdings auch nicht weniger verwunderlich. Um eine wirklich vollkommen plane Laufstrecke zu finden, muss man eigentlich schon auf die Tartanbahn hinüber wechseln.

Dennoch gehört die Region Ringerike zu den eher flachen Gegenden des Landes. Das ist schon alleine an einigen nackten Zahlen ablesbar. Denn der Start befindet sich auf deutlich weniger als einhundert Meter über dem Meer, der Zieleinlauf liegt hundertvierzig Meter hoch. Und nur achtzig Meter weiter oben findet sich der höchste Punkt der gesamten Strecken. Da Norwegen etwa zur Hälfte über der Fünfhundert-Meter-Marke liegt, stellen solche Werte schon einen eindeutigen Fingerzeig dar.

Zwar übertrifft man auch in Ringerike im Norden des Gemeindegebietes diese Grenze deutlich und erreicht in den "Ådalsfjellene" an einigen Stellen sogar Höhen über tausend Meter. Doch sind diese halt von Hønefoss weit mehr als nur die Marathondistanz entfernt und zudem wie so oft in Skandinavien kaum erschlossen. Das Rennen bleibt jedenfalls weitgehend in jenem von zwar gelegentlich durchaus steilen, aber nicht allzu hohen Kuppen geprägten Korridor zwischen Randsfjord und Tyrifjord.

Von den Namen sollte man sich allerdings nicht verwirren lassen. Sowohl die Kommune Ringerike als auch ihre Nachbargemeinden Hole und Jevnaker liegen vollständig im Binnenland und haben nirgendwo Kontakt zum den offenen Ozean. Die beiden "Fjorde" sind deswegen auch keine tief eingeschnittenen Meeresarme. Vielmehr handelt es sich um zwei große Seen, die hinsichtlich ihrer Fläche in Norwegen auf den Ranglistenpositionen vier und fünf landen.

Geographen fassen den Begriff jedoch wesentlich enger, als er traditionell in Skandinavien zur Namensgebung verwendet wird. Nur von hangabwärts fließenden Gletschern ausgehobelte und später vom Meer überflutete Täler werden von ihnen als "Fjord" bezeichnet. Die norddeutsche "Förde", die sprachgeschichtlich aus einer gemeinsamen altnordischen Wurzel entstandenen ist, wurde dagegen von landeinwärts drängenden Eismassen geformt und fällt deshalb nicht in diese Kategorie.

Anfangs eher sanft und schleichend, später durchaus ruppig zieht die Strecke in einem leichten Bogen den nächsten Hügelkamm hinauf

Bei einem "Fjärd", wie Buchten an der schwedischen oder finnischen Schärenküste oft genannt werden, hat dagegen ein aufsitzender Gletscher durch Druck von oben gehobelt. Ursprünglich beziehen sich all diese Worte auf nichts anderes als eine Wasserfläche, die man überquert, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Denn selbst wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht mehr unbedingt ansieht, ist der "Fjord" genau wie seine Brüder eng mit "Fahrt" und "Fähre" verwandt.

Der lang gestreckte, sich mehr als siebzig Kilometer von Nord nach Süd ausdehnende Randsfjord sieht zumindest insbesondere auf der Karte noch ziemlich stark nach einem richtigen Fjord aus, Und selbst wenn er weniger hohe und steile Wände wie die spektakulärsten Exemplare dieser Gattung im Westen Norwegens hat, teilt er mit diesen - genau wie auch viele Seen am Alpenrand - eine durchaus vergleichbare Entstehungsgeschichte.

Noch flacher sind zumeist die Ufer des grob gesprochen wie ein großes "H" geformten Tyrifjords. Nur dessen südöstlicher Arm, also ausgerechnet jener Teil des Sees, der gerade noch ein Dutzend Kilometer von Oslofjord - zwar im geologischen Sinne auch kein "richtiger" Fjord, aber immerhin eine Meeresbucht - entfernt ist und damit dem Salzwasser am nächsten kommt, bietet mit seinen höheren und gelegentlich recht schroffen Felswänden als einziger jenes Bild, das man erwartet.

Insbesondere im Norden und Westen ist der See - gerade im Vergleich zur sonstigen in der Regel deutlich stärker profilierten skandinavischen Topographie - aber nur von sanft gewellten Hügeln umgeben, die man im deutschen Sprachraum maximal unter den Begriff "Mittelgebirge" fassen würde. Und selbst wenn es angesichts der Steigung gleich zu Beginn nicht wirklich einsichtig scheint, ist jene Halbinsel zwischen den beiden nördlichen Ästen, auf der man den Startort Vik findet, ganz besonders flach.

Schnell ist die kleine Kuppe aber überwunden. Und vorbei an einem Wohngebiet, das sich auf der linken Seite der Läufer ein Stück den Hang hinauf zieht, geht es auf der anderen Seite gleich wieder hinab. Unter dem Namen "Steinsåsen" gilt es zwar als eigener Ortsteil, ist aber von Vik eigentlich nur schwer abzugrenzen. Trotz eher loser Bebauung sind diese inmitten von Gärten stehender Häuser praktisch schon das größte Siedlungsareal der Gemeide. So wie man sich einen echten Ortskern vorstellt, sieht es allerdings wahrlich nicht aus.

Neben Getreidefeldern passieren die Läufer unterwegs auch mehrere Obstplantagen

Am Straßenrand haben sich aber immerhin einige Zuschauer eingefunden. Wie bei großen Stadtmarathons spielt sogar eine kleine Blaskapelle neben der Strecke. Und praktisch überall, wo unterwegs bewohntes Gebiet oder mit dem Auto gut erreichbare Kreuzungen passiert werden, lässt sich ähnliches beobachten. Es sind natürlich keine großen Massen sondern eher vereinzelte Zaungäste.

Nur im Stadtzentrum von Hønefoss wird sich später einmal für einige Meter ein nahezu ununterbrochenes Publikumsspalier bilden. Doch angesichts der Tatsache, dass sich die Gesamtbevölkerung aller drei durchlaufenen Gemeinden sich nur zu ungefähr vierzigtausend Menschen addiert, die zudem auch noch über stolze zweitausend Quadratkilometer verteilt sind, darf man wohl wirklich kaum mehr erwarten.

Die Begeisterung für dieses Ereignis, das jedes Jahr vermutlich zu den größten Veranstaltungen im regionalen Kalender zählt, ist trotzdem absolut spürbar und durchaus ansteckend. Da die Veranstaltung den größten Teil ihrer dreitausend Starter in der Region rekrutiert, dürfte aber eigentlich auch kaum ein Bürger von Hole, Ringerike oder Jevnaker wirklich überhaupt niemanden im Feld kennen, den er anfeuern könnte.

Anfangs noch von einer Schallschutzwand getrennt verläuft die Strecke bald neben jener nach Oslo führenden Hauptverbindungsstrecke entlang, auf der man vorhin mit dem Bus nach Vik gebracht worden war. Und als sich die Läufer dem Ende des Wohngebietes nähern, wird aus dem Nebensträßchen, auf dem sie den ersten ihrer jeweils gut markierten Kilometer absolviert haben, ein parallel zu jener als "E16" markierten Route verlaufender Radweg. Sogar noch etwas stärker fallend als zuvor führt er das Feld aus dem Ort hinaus.

Am Ende des Gefälles, das erst zwanzig Meter unterhalb des Startniveaus endet, erreichen die Marathonis eine weitgehend offene und nur leicht gewellte Fläche, die fast ausschließlich mit gelben Getreidefeldern und saftig grünen Wiesen bedeckt ist. Dazwischen sind mehrere Dutzend alleinstehende oder in kleinen Grüppchen angeordnete Bauernhöfe verteilt, von denen diese Areale bewirtschaftet werden.

Erst in den oberen Lagen der sie in größerem Umkreis umgebenden Hügel beginnen jene nur schwer zu durchdringenden, dunklen Wälder, die mehr als ein Drittel des norwegischen Grund und Bodens bedecken. Noch etwas größer - nämlich rund die Hälfte der Landesfläche - ist jener Anteil Norwegens, der von Tundra und dem sogenannten Fjell - die kahlen Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze - sowie Hochmooren und Heideflächen eingenommen wird.

Von oben lässt sich wieder ein Blick auf den Tyrifjord, den fünftgrößten norwegischen Binnensee erhaschen

Nicht einmal ein Zwanzigstel des Territoriums ist aufgrund der schwierigen Topographie und es rauen Klimas im Norden dagegen überhaupt für intensive Landwirtschaft nutzbar. Deswegen ist, so seltsam es auch im ersten Moment klingen mag, die - einem Mitteleuropäer irgendwie recht normal vorkommende - Landschaft der Region Ringerike für norwegische Verhältnisse eigentlich sogar etwas Besonderes.

Nachdem ungefähr die Hälfte der ersten Etappe bewältigt ist, kann man diese noch ein bisschen genauer in Augenschein nehmen. Denn die Wettkampstrecke verlässt die Fahrradpiste neben der E16 und biegt nach links in ein Quersträßchen ein. So schmal wie dieses daher kommt, dürfte es sich allerdings nicht wirklich beschweren, wenn es jemand nur als "breiten asphaltierten Feldweg" bezeichnen würde.

Ganz egal, wie man diesen Teil der Strecke nun auch nennen mag, er ist auf jeden Fall für den Verkehr komplett gesperrt. Auf den nächsten drei Kilometern kommt man motorisiert eher schlecht an die Läufer heran. Und so ist der Abzweig noch einmal ein echter Schwerpunkt für Zuschauer. Dass dabei da eine oder andere Auto entlang der Hauptstraße auf die Schnelle nicht wirklich so perfekt abgestellt ist, um keine vorbei kommenden Fahrzeuge zu behindern, und auch der eine oder andere quer laufenden Fußgänger den Verkehrsfluss nicht gerade fördert, stört nur bedingt.

Was im Süden Europas eventuell schon wieder hitzige Diskussionen bis kurz vor dem Beginn von Handgreiflichkeiten auslösen könnte, wird in Skandinavien doch eher gelassen gesehen. Ohne Bleifuß, der bei einem - auch regelmäßig kontrollierten - Tempolimit auf Landstraßen von achtzig Kilometern pro Stunde ohnehin recht teuer werden dürfte, sowie mit ein bisschen Vorsicht und Rücksichtname kommen alle, denen der Lauf egal ist, nämlich trotzdem problemlos durch. Und nach ein paar Minuten ist der Spuk ohnehin vorüber und alles geht seinen gewohnten Gang.

Zwischen zum Teil gerade abgeernteten, zum Teil aber noch auf den Mähdrescher wartenden Getreideäckern geht es entlang und dabei auch einigen jener bereits erwähnten Bauernhöfe entgegen, die mit ihren dunkelrot oder gelb gestrichenen Holzhäusern, -scheunen und -schuppen genau jenem Bild entsprechen, das man sich hierzulande von einem Gehöft in Skandinavien gemeinhin macht.

Als man an ihnen näher kommt, werden auch am Streckenrand aufgebauten Verpflegungstische erkennbar. Denn bereits relativ früh - gerade einmal drei Kilometer haben die Läufer zurückgelegt - gibt es etwas zu trinken. Doch jedes der Teilstücke bietet sowohl ungefähr in der Mitte als auch in der Wechselzone am Ende jeweils eine Versorgungsstelle. Und manche der Etappen sind sogar mit zwei Zwischenposten bestückt, so dass man als Solist unterwegs etwa zwanzig Mal die Möglichkeit bekommt, Flüssigkeit nachzutanken.

Selbst wenn sich das Wetter inzwischen besser präsentiert als im Vorfeld eigentlich angekündigt - während des Laufes wird es nicht nur weitgehend trocken bleiben sondern auch immer wieder einmal die Sonne heraus kommen, so dass sich die Temperaturen gelegentlich deutlich wärmer anfühlen als die prognostizierten knapp zwanzig Grad - kann angesichts einer solch dichten Abfolge ein Durstgefühl praktisch überhaupt nicht erst entstehen.

Flach ist die Marathonstrecke zwar keineswegs, doch könnte man in den umliegenden Bergen noch wesentlich höher hinaus Auch der zweite Wechselpunkt findet sich wieder im Wald, und selbst wenn sich das Feld inzwischen ein bisschen entzerrt hat, herrscht auch dort ein ziemliches Gewusel

Langsam rückt von links der bewaldete Höhenrücken, der seine Umgebung um etwa fünfzig Meter überragt und hinter dem sich der Startort Vik versteckt, wieder näher an das Sträßchen heran. Etliche solcher manchmal felsig-schroffer, manchmal eher sanft gewellter, gelegentlich auch noch deutlicher höherer Kuppen durchziehen das "flache" Terrain der Halbinsel, auf der sich die nördliche Hälfte der Kommune Hole ausdehnt.

Der andere Teil befindet sich jenseits des Sees am wesentlich bergigeren und kaum besiedelten Südostufer. Allerdings verengt sich der Tyrifjord in der Nähe von Vik am Übergang zwischen der Hauptwasserfläche und dem nordwestlichen Strich des H - der als "Steinsfjord" sogar einen eigenen Namen hat - auf wenige hundert Meter. Die anderswo vor erheblich größeren Herausforderungen stehenden norwegischen Straßenbauer hatten deswegen keine Probleme, diesen schmalen Durchlass mit einer Brücke zu überwinden.

Selbst wenn dieses gegenüber liegende Gelände natürlich weit mehr nach "nordischer Wildnis" aussieht, findet man also auch im Norden des Gemeindegebietes keine wirkliche Ebene vor. Und so kommen auf keinem der acht Staffelabschnitte weniger als fünfzig Höhenmeter zusammen. Da später einige Etappen diesbezüglich sogar noch deutlich mehr zu bieten haben werden, addieren sich die Anstiege über die Marathondistanz auf insgesamt sechs- bis siebenhundert Meter.

Wirklich hinauf auf den lang gestreckten Buckel, der sich ihnen da bedrohlich nähert, müssen die Startläufer zwar nicht mehr. Denn dieser läuft genau in dem Moment, in dem er auf das Sträßchen trifft, zu einer nicht mehr übermäßig hohen Bodenwelle aus. Doch einige Meter gilt es zum Abschluss eben trotzdem noch zu überwinden, bevor der Weg in jenem Wald verschwindet, in dem der Staffelstab zum ersten Mal übergeben wird.

Diese Formulierung ist keineswegs nur im übertragenden Sinne zu verstehen. Tatsächlich haben alle Vierer- und Achterteams mit ihren Startnummern zusätzlich einen "stafettpinne" aus Plastik erhalten, den sie über die Strecke tragen und an den Wechselpunkten an die jeweils nächsten Läufer weiter reichen sollen. Und auch wenn diese Vorgabe selbstverständlich bei mehreren hundert Staffeln nicht durchgängig überprüft werden kann, ist angesichts deutlich zu erkennen, dass man sich auch an sie hält.

Im Wechselbereich kommt der Weg noch recht breit daher, wenig später wird daraus jedoch ein relativ schmaler Pfad

Mehrere Ordner sortieren das Starterfeld im Vorfeld anhand der Nummernfarben auseinander. "Stafett til høyre" - also "nach rechts" - lautet die über Megafon ständig wiederholte Aufforderung, die auch über mitten auf der Straße stehende Tafeln klar gemacht wird. "Til venstre" werden dagegen "Maraton", "Parmaraton" und "4-mannslag" - ein Begriff, der im Deutschen nur dann nicht absolut schräg klingt, wenn man das skandinavische "lag" nicht mit "Mannschaft" sondern mit dem Lehnwort "Team" übersetzt - geleitet.

Insbesondere an der ersten Ablösestelle, bei der die Läufer praktisch im Sekundentakt eintreffen, geht es natürlich ziemlich chaotisch zu. Jeder - egal ob wartend oder gerade ankommend - versucht im Durcheinander den jeweiligen Wechselpartner durch Rufen und Winken auf sich aufmerksam zu machen. Von der linken Überholspur ist es ganz amüsant zu beobachten, dass trotz - oder auch wegen - der selbst im mittleren und hinteren Teil des Feldes veranstalteten Hektik dabei nicht alle Übergaben wirklich perfekt gelingen.

Wenig später endet der asphaltierte Feldweg an einem zumindest etwas breiteren Sträßchen, dem man zwar ebenfalls kaum den Charakter einer Hauptverkehrsachse geben dürfte, die aber immerhin einen neben ihr verlaufenden Radweg besitzt, auf den die Laufstrecke nach rechts einschwenkt. Das macht die Straße für den Verkehr frei, der an diesem Tag aufgrund der Anfahrt zum Wechselpunkt das normale Maß natürlich um ein Vielfaches übertrifft.

Bevor die Straße erneut im Wald verschwindet öffnet sich kurzzeitig der Blick auf den Tyrifjord. Obwohl man bisher nur ein einziges Mal wirklich abgebogen ist, hat die Strecke durch mehrere kaum merkliche Knicke im Straßenverlauf nämlich fast einen Halbkreis beschrieben, so dass die Läufer wieder ziemlich nahe an die Wasserfläche heran gekommen sind. Es liegt nur etwas mehr als drei Jahre zurück, dass man diesem See auch international in allen Medien begegnen konnte.

Denn in ihm liegt nur etwa fünf Kilometer vom jenem Punkt, an dem sich die Wechselstelle befindet, die kleine Insel auf der jenes unglaubliche Massaker an Jugendlichen in einem Ferienlager stattfand, das nicht nur in Norwegen für einen Aufschrei des Entsetzens sorgte. An den Namen "Tyrifjord" wird sich außerhalb des Landes inzwischen zwar kaum noch jemand erinnern, doch "Utøya" dürfte wohl lange Zeit ein Begriff bleiben. Ein schauriger Ruhm, auf den die Region gerne verzichtet hätte.

Die nächste Kilometermarkierung steht noch im Wald. Wenig später führen Straße und Radweg allerdings ins offene Feld hinaus. Der Blick geht dabei direkt auf den nächsten Hügelkamm, den sich die Strecke gut einsehbar in einem leichten Bogen hinauf zieht. Erst ist der Anstieg eher sanft und schleichend, eigentlich kaum merklich. Zum Schluss wird er dann aber doch für einen Moment ziemlich ruppig und kommt in den Bereich zweistelliger Prozentwerte.

Der Waldweg ist einigermaßen gut ausgebaut und wird aus diesem Grund wohl längst nicht von allen Norwegern in die Kategorie "sti" einsortiert würde. In den größtenteils weglosen Wäldern und Bergregionen wandert man in der Regel über ganz andere "Steige", die meist aus kaum mehr als einer Trittspur bestehen

Die Durchgangsstraße dreht am Ende dieses Stiches nach links ab, der Marathonkurs knickt jedoch genau in die andere Richtung in ein noch immer leicht ansteigendes, sich aber deutlich stärker am Hang orientierendes Nebensträßchen hinein, auf dem man nach wenigen hundert Metern in der Nähe der "Røyse Skole" den Scheitelpunkt dieses rund vierzig Meter hohen Ausschlags im Streckenprofil erreicht.

Gerade einmal zwei Kilometer nach dem Wechsel ist vor dem kleinen Schulgebäude bereits die nächste Getränkestelle aufgebaut. Wie üblich ist der Holzbau in kräftigen Farben gestrichenen. Und genau wie die Bauernhöfe ringsherum steht es ziemlich alleine für sich. Während in Vik und Steinsåsen zumindest im Ansatz eine zusammen hängende Bebauung zu erkennen war, ist der "Ortsteil" Røyse viele Quadratkilometer weit in der Landschaft verstreut.

Nicht nur Äcker und Wiesen erstrecken sich rund um die Anhöhe aus. Dazwischen lassen sich immer wieder auch Obstplantagen entdecken. Gleich an mehreren von ihnen läuft man direkt vorbei. Im vermeintlich so kalten und rauen Norwegen würde man diese zwar vermutlich nicht unbedingt erwarten. Doch in den geschützteren und wärmeren Regionen ist der Anbau von "frukt" - einen eigenen Begriff für "Obst" kennt das Norwegische nicht - weit verbreitet.

Ausgerechnet die großen Fjorde im Westen des Landes sind dank des milden Golfstromes dafür besonders geeignet. Und der Hardangerfjord ist als Anbaugebiete sogar regelrecht berühmt. Nirgendwo auf der Welt lässt sich weiter im Norden - immerhin auf der gleichen geographischen Breite wie das ewige Eis der Gletscher Südgrönlands - Obst ernten als im norwegischen Fjordland. Im Frühsommer kann man deswegen innerhalb von kaum einer Stunde Autofahrt von blühenden Obstbäumen am Wasser zu meterhohen Schneewänden im Bergland gelangen.

Die Strecke fällt schon wieder leicht, als es an einer Kreuzung mehrere diese Sträßchen erneut nach rechts geht. Geradeaus wäre man - das zeigt der Richtungspfeil an dem Schilderbaum - nach vierhundert Metern an der kleinen "Hole kirke" angelangt, deren Grundmauern bis ins zwölfte Jahrhundert zurück reichen, was sie trotz mehrerer An- und Umbauten zu einer der ältesten Kirchen der Region macht.

Noch etwa zweihundert Jahre weiter zurück in der Geschichte muss man allerdings, um auf jene vier Könige zu stoßen, die zumindest einen Teil ihres Lebens in Hole verbrachten und durch die vier Kronen im Wappen der Gemeinde symbolisiert werden. Während die ersten beiden als Kleinkönige von Ringerike eigentlich nur lokale Spuren hinterlassen haben, gehören die anderen zwei zu den vermutlich bekanntesten und bedeutendsten nordischen Herrschern des Mittelalters.

Einen Moment lang scheint die Strecke ins Feld hinaus zu streben, schlägt dann aber zwei schnelle Haken hintereinander und landet genau auf der entgegengesetzten Seite des Waldes auf einem Radweg, wo nach einem Drittel der Distanz eine weitere der vielen Verpflegungsstellen wartet

Einer davon ist nämlich Olav II, der zumindest für Norwegen eindeutig der Nationalheilige ist und auch im restlichen Skandinavien als Märtyrer und Schutzpatron gilt. Es handelt sich genau um jenen Olav, von dem die Staffel zwischen Trondheim und Östersund ihren Namen hat. Selbst wenn die Quellenlage aus jener Zeit natürlich recht dünn ist, gilt als gesichert, dass er in Ringerike aufwuchs, nachdem seine verwitwete Mutter in zweiter Ehe den lokalen "Småkonge" Sigurd Syr - für den ebenfalls eine der Kronen steht - geheiratet hatte.

Die zum Teil eher widersprüchlichen altnordischen Sagas, aus denen man die wirkliche Abfolge der Ereignisse heraus zu lesen versucht, sind sich zumindest dahingehend einig, dass es Olav in der zweiten Dekade des elften Jahrhunderts gelang, sich gegen mehrere Rivalen durchzusetzen und König von ganz Norwegen zu werden. Dass er dann im Jahr 1030 in der Schlacht von Stiklestad bei Trondheim umkam, ist ohnehin völlig unumstritten.

Gerade dieser vermeintliche Märtyrertod im Kampf gegen in der üblichen Legende als "Heiden" bezeichnete Gegner brachte ihm den Beinamen "der Heilige" ein. Doch ist diese Geschichte durchaus mit Vorsicht zu genießen. Olav ließ sich zwar taufen. Entgegen der landläufigen Meinung er aber keineswegs wirklich für die Christianisierung Norwegens verantwortlich, die während seiner Regentschaft längst weit fortgeschritten war.

Obwohl er zum wichtigsten skandinavischen Heiliger und Märtyrer wurde, war Olav wohl doch eher ein Machtpolitiker, der gegen größtenteils ebenfalls christliche Konkurrenten mit aus heutiger Sicht wenig christlichen Methoden um die Herrschaft über Norwegen kämpfte und in den dabei entstandenen Wirren mit seinen Truppen einfach nur einem mehr als doppelt so großen Bauernheer aus dem Trøndelag unterlag, das von mit ihm verfeindeten Lokalfürsten angeführt wurde.

Dass Olav relativ schnell nach seinem Tod zum Heiligen stilisiert wurde, lag wohl hauptsächlich daran, dass bei den noch recht frischen Christen des Nordens der "Bedarf" nach einem "eigenen" Heiligen bestand. Sein Grab findet sich im Nidarosdom von Trondheim, dem größten mittelalterlichen Gotteshaus in Norwegen. Doch Kirchen mit dem Namen "St. Olav" gibt es in ganz Skandinavien bis nach Island und auf die Färöer, im Ostseeraum und auf den britischen Inseln.

Einen Kilometer lang orientiert sich der Kurs am breitem Wasserlauf der "Storelva"

Der andere bekannte König aus Ringerike ist Harald Sigurdsson, der den Beinamen "Hardråde" - wörtlich etwa "harter Rat" - trägt. Als Sohn von Sigurd war er der Halbbruder von Olav, der selbst zu Lebzeiten den Namen "Olav Haraldsson" trug. Bei der Bezeichnung handelt es sich nämlich nicht um einen der heute üblichen Familiennamen sondern um ein sogenanntes "Patronym", das im Norden Europas aus dem Vaternamen sowie dem Zusatz "datter", "dotter" oder "dottir" für weibliche und "son" oder "sen" für männliche Nachkommen besteht.

Während das System gerade angesichts deutlich niedrigerer Bevölkerungszahlen damals den jeweiligen Zeitgenossen der Personen durchaus einsichtig war, wird es durch die relativ häufige Wiederholung von Vornamen wie "Harald" oder "Olav", "Sven" oder "Knut" im historischen Rückblick doch etwas verwirrend. Das im Mittelalter auch hierzulande absolut übliche und weit verbreitete Verfahren der Benennung nach dem Vater hielt sich in Skandinavien jedenfalls besonders lange. In Island ist es sogar noch heute der Normalfall.

Als Familiennamen auch im Norden verbindlich eingeführt wurden, wählten viele genau jenes Patronym, was heute noch dazu führt, dass ein extrem hoher Anteil von Skandinaviern einen Nachnamen führen, der mit "-sen" oder "-son" endet. Während diese bei Dänen und Schweden allerdings so eindeutig dominieren, so dass man mit zwei bis drei Dutzend von ihnen schon die Hälfte der Bevölkerung abdecken kann, gibt es in Norwegen eine etwas größere Bandbreite. Denn häufig wurde dort auch die Bezeichnungen für den jeweiligen Hof oder das Tal ausgewählt.

Nach der Schlacht von Stiklestad, in der Harald auf Seiten seines Halbbruders gekämpft hatte, floh er aus Norwegen und kehrte erst über ein Jahrzehnt später zurück, um seinen Thronanspruch durchzusetzen. Dass er dabei genauso wenig rücksichtvoll vorging wie bei späteren Feldzügen gegen die Dänen oder mehreren Aufständen in seinem Herrschaftsgebiet, hat ihm zu seinem Namen verholfen, der sinngemäß im Deutschen oft auch als "der Harte" angegeben wird.

Im Jahr 1066 landete Harald Hardråde zudem in England, um sich nach dem Tod des kinderlosen Herrschers Edward auch den dortige Königstitel zu sichern. Allerdings verlor er wenig später die Schlacht von Stamford Bridge gegen seinen Namensvetter Harald Godwinson - ebenfalls ein möglicher Thronanwärter - und wurde dabei getötet. Es war der letzte nordische Versuch, die Herrschaft über die Insel zu erlangen, die kurzzeitig sogar einmal mit Dänemark, Norwegen und Südschweden in einem Nordseegroßreich vereint war.

Selbst wenn es später noch vereinzelt Überfälle durch kleinere Gruppen nordischer Piraten gab, handelt es sich bei dieser Aktion eigentlich sogar um den letzten großen Eroberungszug des Seefahrervolkes aus Skandinavien überhaupt. Vielfach wird 1066 deswegen auch als Endedatum für die Ära der Wikinger festgelegt. Harald Hardråde aus Ringerike könnte man also mit etwas gutem Willen durchaus als den letzten echten Wikingerfürsten bezeichnen.

Vom "großen Fluss", wie man "Storelva" übersetzen könnte, klettert die Marathonroute zur weithin sichtbaren "Norderhov kirke" hinauf

Der Sieg half Harald Godwinson allerdings ebenfalls nicht dauerhaft. Nur einen Monat später gelang nämlich Wilhelm dem Eroberer im Süden der Insel eine weit erfolgreichere Invasion als Hardråde. Und mit der der Schlacht von Hastings, bei der Godwinson seinerseits fiel, erlangten die Normannen die Herrschaft über England. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es sich bei deren Vorfahren ebenfalls um "Nordmänner" - also Wikinger - handelte, die gut hundert Jahre zuvor die nach ihnen benannte Normandie erobert und sich dort nieder gelassen hatten.

Einen Kilometer später sind die Läufer nach einem längeren Gefälle an der nächsten Kreuzung fast schon wieder auf ihrem ursprünglichen Ausgangsniveau angekommen. Die restlichen Meter gehen ebenfalls noch verloren, als die Strecke dort links abbiegt und anschließend auf einem "grusvei" - so wird in Norwegen eine nicht asphaltierte Schotterstraße genannt - erneut in einem Waldstück verschwindet.

Während man hierzulande entsprechende Beläge eigentlich fast nur noch auf für den allgemeinen Verkehr gesperrten Feld- und Forstwegen vorfindet, sind diese gerade in etwas abgelegenen Gegenden Skandinaviens durchaus auch für weniger befahrene öffentliche Straßen noch der absolute Standard. So mancher der - wie in Deutschland gelb-schwarzen - norwegischen Richtungsanzeiger führt geradewegs vom Asphalt herunter. Auch an dieser Ecke zeigt eine Tafel des Schilderbaumes wie selbstverständlich in das Sträßchen mit dem fest gewalzten Untergrund.

Noch eineinhalb leicht kurvige und ziemlich grüne Kilometer gilt es im Wald bis zur nächsten Wechselstelle zurück zu legen, wo nun auch die Läufer der "Vier-Mann-Mannschaften" ihre Staffelstäbe an ihre jeweiligen Nachfolger weiter reichen dürfen. Doch übergibt man nicht auf dem Hauptweg. Als es ringsherum langsam voller wird und der Trubel des "veksling" beginnt, knickt der Kurs erneut - diesmal nach rechts - ab. Und die Piste, auf der man damit gelandet ist, ließe sich nun beim besten Willen nicht mehr als Straße ausschildern.

Im Wechselbereich, wo zur Abwechslung die Durchgangsspur diesmal rechts abgesteckt ist, kommt er noch recht breit daher. Doch ist der Boden bereits dort recht uneben. Und wenig später wird daraus ein relativ schmaler, wenn auch einigermaßen gut ausgebauter Pfad, der aus diesem Grund wohl längst nicht von allen Norwegern in die Kategorie "sti" einsortiert würde. In den größtenteils weglosen Wäldern und Bergregionen wandert man da in der Regel über ganz andere "Steige". Dabei sieht man nämlich - wenn überhaupt - meist kaum mehr als eine Trittspur.

Nach ungefähr einem Kilometer scheint die Strecke wieder ins offene Feld hinaus zu stoßen. Doch bleibt sie durch einen weiteren Haken am Waldrand, Und bald darauf ist man nach dem zweiten Neunzig-Grad-Schwenk in schneller Folge auch schon wieder zurück zwischen den Bäumen und auf einem Parallelweg in genau jene Richtung unterwegs, aus der man zuvor gekommen war.

An der Kirche mit den markanten Ecktürmchen findet sich der dritte Wechselpunkt Bald darauf dreht man eine Runde im Gewerbegebiet von Hønefoss

Am Ende der nun relativ breiten und geraden Schneise trifft die Marathonstrecke bei der Siedlung Helgelandsmoen wieder auf jene Straße, an der man schon nach dem ersten Wechsel eine Zeit lang unterwegs war. Doch obwohl die Läufer sich eigentlich auf einem ständigen Zickzack-Kurs bewegt haben, wären sie noch deutlich länger unterwegs gewesen, wenn sie ihr weiter gefolgt wären. Denn in großem Bogen hat diese die komplette Südwestecke der Halbinsel umrundet.

Wie schon zuvor auf dem neben der Straße verlaufenden Radweg führt die Route durch das kleine und recht unspektakuläre Örtchen hindurch, das gleich an jedem seiner beiden doch leicht zerfledderten Ränder einen Getränkestand zu bieten hat. Der zweite Verpflegungsposten steht bereits in Sichtweite der "Storelva", an deren breitem Wasserlauf sich das Asphaltband hinter Helgelandsmoen entlang windet.

Kaum zwanzig Kilometer lang trägt der "große Fluss" - wie die deutsche Übersetzung lautet - diesen Namen. Er entsteht in Hønefoss durch den Zusammenfluss von "Ådalselva" und "Randselva". Und er mündet nur wenig später bereits wieder in den Tyrifjord. Den See verlässt das Wasser dann unter der Bezeichnung "Drammenselva", die ihren Weg auch nicht einmal fünfzig Kilometer später bei der namensgebenden Stadt in den Drammensfjord, der nun tatsächlich ein Seitenarm des Oslofjords ist.

Auch die beiden Zuflüsse Ådalselva und Randselva sind nicht wirklich länger. Während Randselva unweit des Zieles in Jevnaker aus dem Randsfjord entspringt, ist Ådalselva der Ablauf des weiter westlich gelegen Sees "Sperillen". Die Gewässer, die in die beiden "innsjøer" hinein strömen, tragen schon wieder ganz andere Namen. Was für hiesige Verhältnisse unlogisch und verwirrend scheint, ist für Skandinavien völlig normal.

Obwohl es in Norden natürlich ebenfalls größere und ziemlich wassereiche Flusssysteme gibt, sind durchgehende Bezeichnungen keineswegs die Regel sondern ganz im Gegenteil beinahe schon eine Ausnahme. Das dürfte zu einen daran liegen, dass unterwegs häufig Seen durchflossen werden, so dass der Flusslauf optisch unterbrochen und der Zusammenhang der einzelnen Teile eigentlich nur auf der Karte klar wird. Hinter jeder Wasserfläche beginnt deswegen eine neue, anders benannte "elv" - oder "älv", wie die schwedische Entsprechung heißt.

"Hønefoss næringspark" hat wenig mit einer Ansammlung von Industrieanlagen, Werks- und Lagerhallen oder Speditionsparkplätzen zu tun, sondern besteht aus modernen, architektonisch interessanten Bürogebäuden mitten im Wald

Doch durch die selbst in den Unterläufen meist noch recht großen Höhenunterschiede gibt es eben auch praktisch keine Flüsse, die auf längeren Strecken durchgängig schiffbar sind, was sicher zu einer einheitlicheren Benennung beigetragen hätte. Immer wieder werden sie von Stromschnellen und sogar richtigen Wasserfällen unterbrochen. Da wundert es wenig, dass die skandinavische Binnenschifffahrt eigentlich hauptsächlich auf den unzähligen Seen sowie einigen Kanälen stattfindet.

Auch wenn den Fluss neben der Laufstrecke relativ ruhig dazuliegen scheint, verlieren Randselva und Storelva zum Beispiel während ihres wirklich nicht allzu langen Weges vom Randsfjord zum Tyrifjord über siebzig Meter. Und auch an der Drammenselva kann man zwischen Tyrifjord und dem Meer noch mehr als sechzig Meter Höhenschwund messen, womit ihr Gefälle für einen Straßenlauf schon irregulär wäre. Schließlich ist für rekordtaugliche Kurse nur ein einziger Meter pro Kilometer zulässig.

Für den Marathon ist dies völlig irrelevant, denn es geht ja genau in die umgekehrte Richtung. Und auch entlang der Storelva läuft man gerade gegen den Strom. Dieser Abschnitt ist erstmals in den Streckenplan aufgenommen worden, wie die Organisatoren von Ringerikes Blad in ihrer etliche Seiten umfassenden Sonderbeilage erläutern. Die gerade erst fertig gestellte Fahrradpiste würde eine neue Routenwahl erlauben, die den Verkehr weit weniger behindere. Ansonsten gäbe es allerdings nur wenige und eher unbedeutende "endringer" an der traditionellen Kurssetzung.

Der Wechselpunkt zum vierten Teilstück ist allerdings der gleiche geblieben. Und um diesen zu erreichen, müssen auch die Läufer auf der bisher ohne größere Höhenunterschiede verlaufenden dritten Etappe noch einmal eine kleine Bergwertung bewältigen. Denn dort wo die Straße sich wieder langsam vom Fluss verabschiedet, beginnt ein Anstieg, bei dem auf ungefähr einem Kilometer immerhin fast fünfzig Meter zu überwinden sind.

Die "Norderhov kirke" ist das Ziel. Wie so viele ihrer Schwestern ist sie weithin sichtbar auf einem Hügel errichtet, so dass ihr markanter Turm mit den vier kleinen Seitentürmchen auf den Ecken für längere Zeit als Orientierungspunkt dienen kann. Und dass man sie auch praktisch während des gesamten Anstieges im Auge hat, macht diesen nicht unbedingt einfacher. Irgendwie scheint man viel zu langsam an sie heran zu kommen.

Bis zum Abzweig zur eigentlichen Kirchen-Zufahrt, auf der man sich noch einmal ein paar zusätzliche Steigungsprozente einhandelt, bleibt die Strecke zwar auf dem Radweg. Aber auf der Straße daneben sind inzwischen nur noch Fahrzeuge aus dem Marathontross unterwegs. Der Durchgangsverkehr in Richtung Hønefoss ist bereits unten an der Storelva an einer Brücke auf die andere Seite des Flusses umgeleitet worden.

Im Zentrum von Hønefoss herrscht rund um die Halbzeitmarke der größte Publikumsandrang

Das bedeutet zwar einige Kilometer Umweg. Doch da oben auf der Kuppe sämtliche Läufer über den Asphalt hinweg kreuzen müssen und es durch den Wechselpunkt auch sonst nicht gerade ruhig zugeht, ist das für die Autofahrer vielleicht sogar wirklich die schnellere Alternative. Aus Sicht der Athleten lässt sich in Bezug auf die Sicherung des Kurses sowieso absolut keine Beschwerde führen. Praktisch jede noch so kleine Einmündung ist nämlich von mindestens einem Ordner besetzt.

Erst ein paar Meter hinter der Kirche wird an einem Punkt, an dem die Steigung fast zum Erliegen gekommen ist, der Stab übergeben. Zwar muss auch der nun startende vierte Träger des "stafettpinne" zum Anfang noch einmal leicht bergauf. Doch haben dennoch all jene, die an dieser Position eingesetzt werden, eindeutig das leichteste aller Teilstücke erwischt. Denn nachdem man erneut auf die schon aus der Anfangsphase bekannte E16 gestoßen ist und auch in diesem Fall wieder dem Radweg folgt, flacht die Strecke nahezu vollständig ab.

Nach einem Kilometer zwischen Feldern erreicht die Straße ein lichtes Wäldchen, wo die Läufer von einer "funksjonær" auf einen Trampelpfad zwischen die Bäume umgeleitete werden. Die im Deutschen etwas schräg klingende Formulierung ist durchaus korrekt. Denn es handelt sich um eine ältere Frau. Im Gegensatz zum Englischen kennen die skandinavischen Sprachen zwar durchaus verschiedene grammatikalische Geschlechter, doch gibt es andererseits ähnlich wie dort zu Menschen bezogenen Begriffen eben keine explizit männlichen oder weiblichen Formen.

Ziemlich schnell stößt man nach dem Abbiegen allerdings wieder auf Asphalt. Im Wald versteckt sich nämlich der "Hønefoss næringspark" - in Norwegen die Bezeichnung für Gewerbegebiete. Der Teil, in den man hinein läuft, hat aber wenig mit der Ansammlung von Industrieanlagen, Werks- und Lagerhallen oder Speditionsparkplätzen zu tun, die sich gewöhnlich hinter einem solchen Namen verbergen.

Vielmehr sind zwischen tatsächlich beinahe parkähnlichen Nadelbaumgruppen ziemlich weit verstreute Bürogebäude platziert. Durchaus ansprechend und modern ist deren Architektur. Statt kaltem Beton zeigen die Fassaden warmes Holz und helle Glasfronten. All das deutet zum einen darauf hindeutet, dass sie noch nicht allzu lange dort stehen und verleiht dem Ganzen zum anderen eine durchaus städtische Note. So falsch ist dieser Gedanke im Hinblick auf die Einwohnerzahlen von Hønefoss auch gar nicht.

Legt man zu besseren Vergleichbarkeit nicht kommunalen Grenzen - deren Zuschnitt wie das Beispiel Ringerike anschaulich zeigt, weltweit ohnehin ziemlich unterschiedlich gehandhabt werden - sondern die geographische Definition im Sinne durchgehender Bebauung zugrunde, schrammt Hønefoss in Norwegen knapp an einem Platz unter den größten dreißig Städten des Landes vorbei. Dass für diesen Rang nicht einmal fünfzehntausend Menschen nötig sind, belegt allerdings die ziemlich dünne Besiedlung des hohen Nordens.

Ein enges Gitterspalier und viele Zuschauer sorgen für Stadtlaufatmosphäre

Eine kurze, aber fast geschlossene Runde wird im Uhrzeigersinn durch den "næringspark" absolviert, so dass man zwischen den Stämmen der Bäume nahezu ständig Läufer entdecken kann, die in genau entgegengesetzter Richtung unterwegs sind. Dann verschwindet die Strecke in einer kleinen Unterführung, um auf die andere Seite der Hauptstraße zu wechseln, wo der Fuß- und Radweg weiter dem Stadtzentrum entgegen führt.

Während die E16 praktisch direkt anschließend zu einem großen Bogen ausholt, um in einer autobahnähnlichen Ausbauform die Innenstadt von Hønefoss vollständig zu umgehen, halten sich die Zweiradpiste und mit ihr auch Marathonstrecke entlang des an dieser Stelle errichteten Zubringers, der von der Ausfahrt direkt auf einen der in Skandinavien extrem weit verbreiteten Kreisel zusteuert.

Nicht nur an kleinen und unbedeutenden Kreuzungen hat man im alles andere als beengten Norden meist diese Art der Verkehrsführung gewählt sondern auch zur Anbindung wichtiger Transitstrecken. Allerdings ist die Zahl der auf diesen entlang rollenden Autos eben eine volle Zehnerpotenz von der Auslastung hiesiger Hauptverbindungrouten entfernt. Ampeln begegnet man dagegen eigentlich nur in den Städten, wenn entweder die Fahrzeugdichte dann doch einmal zu hoch oder durch die bestehende Bebauung der Platz nicht ausreichend ist.

Am Kreisel schwenkt der Kurs nach rechts und nimmt augenblicklich an Fahrt auf. Für mehr als einen Kilometer wird es nun praktisch durchweg bergab gehen. Nur eine zweite Unterführung, bei der erneut die Straßenseite gewechselt wird, unterbricht das stetige Gefälle für einen kurzen Moment. Den Läufern kommen dabei etwa sechzig Höhenmeter abhanden, was die Aussage von "leichtesten Teilabschnitt" endgültig nachvollziehbar macht.

Erst an einer Brücke über die sich in mehreren Schleifen durch die keineswegs ebene Stadt windende Storelva endet die lange Bergabpassage. Auf der von dieser größten Flussschlinge heraus gebildeten Halbinsel liegt das Stadtzentrum, in das die Laufstrecke gleich hinter der Brücke leicht halblinks abbiegt und dabei die einen Haken nach rechts schlagende Hauptstraße fürs erste verlässt.

Ohne Radweg geht es anfangs zwei bis drei Häuserblocks auf dem Bürgersteig weiter. Dann allerdings ist die Straße voll für die Läufer gesperrt und diese können auf die Fahrbahn hinüber wechseln. Doch schon an der nächsten Kreuzung wären sie ohnehin vom Autoverkehr verschont, denn die Marathonstrecke taucht für die letzten Meter vor dem vierten Wechsel in die kleine Fußgängerzone des Städtchens ein.

Man tritt Hønefoss wohl kaum zu nahe, wenn man sein Zentrum als nur bedingt sehenswert bezeichnet. Schon das im Schachbrettmuster verlaufende Straßennetz erinnert nicht im Entferntesten an die engen verwinkelten Gassen mittelalterlicher Altstädte, denen man anderswo begegnet. Darin verteilen sich ein paar Dutzend durchaus malerische ältere Holzhäuser, zwischen die sich allerdings eine Reihe gesichtslose Betonbauten hinein gemogelt hat, so dass keine wirkliche Atmosphäre entstehen kann.

Damit unterscheidet es sich allerdings kaum von den meisten anderen norwegischen Städten dieser Größenordnung. Im Gegensatz zu Mittel- und Südeuropa kann schließlich so gut wie keine von ihnen eine große, bis ins Mittelalter oder gar in die Antike zurück reichende Geschichte präsentieren. Lange Zeit wurde Norwegen nicht durch Handel und Gewerbe in größeren Siedlungen sondern hauptsächlich durch Landwirtschaft und Fischerei in kleinen Dörfern geprägt.

Die großen Handelsrouten, die viele andere Städte weiter im Süden aufblühen ließen, stießen nur sehr beschränkt in den Norden vor, der als Ware hauptsächlich Fisch und Holz zu bieten hatte. Einzig die Stadt Bergen und mit einigen Abstrichen noch Oslo und Tønsberg gehörten zum Beispiel zum Netz der Hanse - und dies nicht einmal als eigenständige Mitglieder sondern nur durch Niederlassungen auswärtiger Kaufleute.

Zudem stand das Land seit dem ausgehenden Mittelalter viele Jahrhunderte unter dänischer Herrschaft und wurde anschließend für knapp hundert Jahre in einer Personalunion vom schwedischen König regiert, bevor es erst 1905 seine völlige Unabhängigkeit erlangen konnte. Als bloßes Anhängsel der beiden im Vergleich zum - formal übrigens stets weiter existierenden - "Kongeriket Norge" weit mächtigeren skandinavischen Nachbarn blieb nicht allzu viel Raum für eigene Entwicklung.

Schlösser oder Stadtpaläste, die man in Dänemark oder Schweden durchaus noch entdecken kann, finden sich in Norwegen praktisch überhaupt nicht. Das traditionelle Baumaterial Holz sorgt wegen seiner guten Brennbarkeit außerdem dafür, dass von den einst existierenden historischen Gebäuden nur wenige die Jahrhunderte überdauert haben. So bleiben meist einzig und allein die Kirchen als "kulturelle Sehenswürdigkeiten" übrig. Und in Hønefoss wurde selbst diese vor einigen Jahren ein Opfer der Flammen.

Kaum ist man in der Fußgängerzone angekommen, beginnen auf beiden Seiten Absperrgitter. Und je näher man der Wechselzone kommt, umso mehr Menschen stehen hinter ihnen. Sogar die kleine Musikkapelle, die bereits kurz nach dem Start in Vik am Straßenrand gespielt hatte, holt wieder eine Menge aus ihren Instrumenten heraus. Da bei einigen der Bläser kurze Hosen und Laufschuhe zu erkennen sind, dürfte die Vermutung, dass diese ebenfalls zu einer Staffel gehören, nicht allzu weit hergeholt sein.

Natürlich hat das Zentrum der größten Ortschaft an der Strecke bezüglich der Publikumszahlen eindeutig das höchste Potential. Doch müssen außer jenen, die eine Solistenstartnummer über die volle Distanz tragen und nun gerade Halbzeit haben, an diesem Punkt eben wirklich auch alle Läufer an einen Teamkameraden übergeben, so dass alleine wegen der dort auf ihre Vorderleute wartenden oder gerade abgelösten Teilnehmer noch weit mehr Trubel herrscht als bei jeder anderen Übergabestelle.

Gleich hinter der Wechslzone überquert man den nur aus einem Rinnsal bestehenden Wasserfall der Ådalselva Ein langer Anstieg führt die Läufer aus der Stadt hinaus. Auf einem Kilometer geht es rund fünfzig Meter nach oben

Gerade verglichen mit den nicht selten doch ziemlich überalterten Veranstaltungen hierzulande ist es interessant zu beobachten, wie viele Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene sich dabei ins Laufdress geworfen haben, um bei "Norges største maratonstafett" mitzumachen. Doch hat im Skilanglauf-Land Norwegen der viel Idole bietende Ausdauersport bei der Jugend eben noch einen völlig anderen Stellenwert. Und auch die Stadion-Leichtathletik führt in Skandinavien längst nicht jenes Nischendasein, in dem sie in Deutschland inzwischen angekommen ist.

Sorgsam achten Ordner darauf, dass niemand von denen, die ihre Etappe gerade beendet haben, den auf die Reise geschickten Kollegen auch noch über die einige Meter hinter dem Wechsel ausgelegte Zeitmessmatte begleitet und damit die Auswertung durcheinander bringt. Auch am Ende aller anderen Teilstücke werden die Zwischenergebnisse erfasst, so dass später die Veränderungen in der Reihenfolge recht gut nachzuvollziehen sind. Die digitale Ergebnisliste zeigt Auf- und Abstiege von Abschnitt zu Abschnitt sogar mit bunten Pfeilen an.

Im "Parmaraton" liegt zum Beispiel Stian Håkonsen beim Wechsel in Hønefoss noch klar an erster Stelle. Sein Namensvetter Arne Erik Håkonsen, auf den er übergibt, wird im Ziel jedoch nur als Gesamtvierter registriert werden. Während Feuerwehrmann Stian allerdings der Hauptklasse angehört ist Polizist Arne Erik in der M55 unterwegs und damit etwa doppelt so alt. So kann sich seine auf dem deutlich schwereren zweiten Streckenteil erzielte 1:31:05 genauso sehen lassen wie die bei 2:51:19 liegende Gesamtzeit der beiden Lokalmatadoren aus dem öffentlichen Dienst.

Die Nase vorn hat am Ende das Dou Lars Hagelsten Vik und Martin Sulland. Die beiden Skilangläufer des IL Holeværingen aus Hole werden zusammen 2:43:32 für ihren ersten Platz benötigen. Drei Minuten dahinter wird in 2:46:49 ein Team folgen, das bei der Halbzeit noch nicht einmal unter den besten zwanzig zu finden ist. Doch zum einen handelt es sich dabei um eine gemischte Staffel. Zum anderen schickt Kjersti Lerkerød in Hønefoss auch John Henry Strupstad auf die Reise.

Dieser zählt nämlich sowohl über die Marathonstrecke als auch im Ultrabereich zu den besten Läufern des Landes. Vermutlich hätte er auch alleine locker eine ähnliche Zeit erzielen können. Schließlich liegt sein Marathonhausrekord unter zweieinhalb Stunden. Und im Vorjahr eroberte er sogar den nationalen Titel. Schon mehrfach wurde er zudem ins norwegische Team für internationale Meisterschaften über hundert Kilometer berufen.

Dass er in Ringerike nur über die halbe Distanz antritt, hat mit dem eine Woche später erstmals auch für Läufer ausgetragenen "Vasaloppet" zu tun. Schon seit den frühen Zwanzigern treten Skilangläufer bei diesem eindeutig wohl bekanntesten aller Langdistanzrennen an. Und an dieser traditionellen neunzig Kilometer langen Wasalauf-Strecke orientiert auch der neue Ultra, bei dem Strupstad in 6:28:04 Fünfter werden wird.

Staffelpartnerin Lerkerød landet beim dort ebenfalls ausgetragenen Rennen über fünfundvierzig Kilometer sogar auf Rang drei. Auch die Siegerin dieses Wettbewerbs ist in Ringerike dabei. Gemeinsam mit Tero Markus Päivärinne erreicht die in Norwegen lebende Schwedin Gloria Vinstedt - ebenfalls bei Meisterschaften im Ultramarathon schon mehrfach im Nationaltrikot unterwegs - nach 2:53:38 Gesamtplatz fünf.

Dass die beiden in der Mixed-Wertung dennoch nur als Platz drei landen, liegt an Marte Pedersen und Robert Hansen, die hinter dem Duo Lerkerød / Strupstad aber noch vor den beiden Håkonsens in 2:50:42 Dritte werden. Auch Christina Bus Holth - immerhin mit einer 2:33 über den Marathon ausgestattet - und Ida Flaatten als Siegerinnen der Frauenwertung bleiben mit ihrer 2:56:37 noch klar unter drei Stunden und landen auf zudem Gesamtrang acht.

Kurz hinter dem "Søndre Torv", dem "südlichen Marktplatz" mit dem Wechselpunkt, taucht der Marathonkurs erneut in einer Unterführung unter einer Hauptstraße durch und steuert direkt anschließend auf eine zweite größere Brücke hinaus. Diesmal ist es nicht die Storelva, die man überquert, sondern "nur" die Ådalselva, denn die Vereinigung mit der Randselva geschieht erst einige hundert Meter flussabwärts. Doch dafür geht es über jenen Wasserfall hinweg, von dem die Stadt ihren Namen hat.

"Foss" ist nämlich die norwegische Bezeichnung für dieses im wasser- und gefällereichen Land so häufige Naturschauspiel. Hunderte wenn nicht gar tausende von "fosser" sind auf den Karten verzeichnet. Und mindestens genauso viele tragen nicht einmal einen Namen. Im Schwedischen ist dafür zwar eigentlich der seinem deutsche Gegenstück entsprechende Begriff "Vattenfall" gebräuchlicher. Doch gerade in den Bergen an der norwegischen Grenze tragen einige Wasserfälle ebenfalls Eigennamen die mit "fors" oder "forsen" enden.

Wortwörtlich ließe sich "Hønefoss" jedenfalls mit "Hühnerwasserfall" übersetzen. Doch ist die Bezeichnung wohl doch eher von einem in der Nähe liegenden Hof namens "Hønen" abgeleitet. Viel mehr als ein schwaches Rinnsal, das über eine massige Felsformation herunter tröpfelt, ist allerdings an diesem Tag nicht mehr von ihm zu sehen. Das einzige was im fast ausgetrockneten Wasserfall wirklich rauscht, ist eine riesige Skultur, die irgendwie an einen Springbrunnen erinnert, den man auf einem hohen Pfahl platziert hat.

Wie an viele andere seiner norwegischen Geschwister ist nämlich auch "Hønefossen" zur Energiegewinnung angezapft. Und so bleibt im späten Sommer lange nach Abschluss der Schneeschmelze kaum noch Flüssigkeit übrig, die über den ursprünglichen Fall herunter stürzen könnte. Praktisch seinen gesamten Strombedarf deckt das Land ausschließlich mit Wasserkraft. Die Öl- und Gasproduktion der vor der Küste entdeckten Lagerstätten kann deswegen nahezu vollständig exportiert werden.

Die erst Mitte des neunzehnten Jahrhundert gegründete Stadt Hønefoss hat viel von ihrer Entwicklung dem Bau des ersten Kraftwerkes zu verdanken, neben dem sich ziemlich schnell Industriebetriebe ansiedelten, die ihrerseits dann wieder Arbeiter in die Region lockten. An einer der früheren Werkshallen, die inzwischen zu einem Einkaufszentrum umgestaltet wurde, ist man am südlichen Brückenkopf gerade vorbei gelaufen.

Über die "Hønefoss bru" wechselt man von "Sørsiden" nach "Nordsiden". Zwar ist die "Nordseite" der eigentlich ältere Teil der Stadt, doch das Zentrum hat sich - auch bedingt durch mehrere Großbrände, die nördlich des Flusses erheblichen Schaden anrichteten - eben längst ans andere Ufer verlagert. Und natürlich besteht zwischen diesen beiden zentralen Vierteln nicht nur deswegen durchaus eine gewisse Rivalität.

Über den "Nordre torv", auf dem die Läufer nach dem Überqueren der Brücke angekommen sind, rollen im Gegensatz zu seinem verkehrsberuhigten Gegenstück im Süden die Autos. Die Hauptstraße, der die Strecke nun wieder folgt, führt mitten über ihn hinweg. Dafür biete der Platz allerdings anders als sein von auch einigen Betonbauten umgebenes und mit etlichen Stilbrüchen aufwartendes Pendant auch ein fast geschlossenes Ensemble aus eng aneinander klebenden älteren Häuschen.

Doch wenig später ändert sich das Bild schon wieder. Denn obwohl der Holzbaustil der Gebäude anfangs sogar noch durchaus ähnlich ist, lockert ihre Dichte recht schnell auf. Die Grundstücke und mit ihnen die Gärten werden wieder größer. Nur einige hundert Meter vom Zentrum entfernt, wirkt die Umgebung bereits nicht mehr unbedingt städtisch. Allerdings lassen sich ähnliche Beobachtungen in auch Norwegen in deutlich größeren Städten machen. Selbst Oslo, Bergen oder Stavanger bestehen hauptsächlich aus Einfamilienhäusern.

Etwa einen Kilometer hinter dem "nördlichen Markt" unterquert der weiter auf dem Gehweg neben der Hauptstraße verlaufende Marathonkurs eine Eisenbahnbrücke. Zumindest für norwegische Verhältnisse ist Hønefoss nämlich durchaus als "Bahnknoten" zu bezeichnen. Aufgrund der dünnen Besiedlung sowie der schwierigen Topographie des Landes ist das Netz nämlich recht weitmaschig geknüpft und weitgehend im Südosten des Landes konzentriert.

Durch die Stilllegungen von wenig befahrenen Seitenlinien und die Schließung von schlecht frequentierten Bahnhöfen wurde dieses vor allem in den Siebzigern und Achtzigern zudem weiter ausgedünnt. Nur in wenigen Ländern Europas gibt es - insbesondere im Verhältnis zur Landesfläche - weniger Schienenkilometer als in Norwegen. Sogar die kleine Schweiz, die kaum ein Zehntel des norwegischen Territoriums umfasst, übertrifft trotz eines ebenfalls nicht gerade einfachen Profils als extremes Gegenbeispiel diesen Wert deutlich.

Auch auf der Strecke, unter der man gerade durchläuft, ist der Personenverkehr inzwischen eingestellt. Nur noch Güterzüge rollen über diese Gleise. Dabei wurde dieser Abschnitt einst als Bestandteil der legendären Bergenbahn gebaut, die Oslo mit der namensgebenden zweitgrößten Metropole Bergen verbindet und auch mehr als einem Jahrhundert nach der Eröffnung noch als Meisterleistung der Ingenieurskunst gilt.

Zwar halten die Züge von "Bergensbanen" immer noch in Hønefoss, um anschließend ihren fast vierhundert Kilometer langen, sich weit über die Baumgrenze ins Gebirge vorwagenden, mit unzähligen Brücken und Tunnels gespickten Weg an die Westküste zu beginnen. Nur werden sie fahrplanmäßig jetzt nicht mehr aus nordöstlicher Richtung sondern vom Süden über Drammen heran geführt.

Während es bis zur "Hønefoss stasjon" immerhin noch die gerade unterquerte Ausweichroute gibt, existiert für die Bergenbahn danach übrigens kein weiterer Kontakt zum restlichen Bahnnetz mehr. Und nur zur genauso bekannten und ebenfalls in der Luft hängenden kurzen Stichlinie "Flåmsbana" bietet die Bergenbahn überhaupt noch eine Umsteigemöglichkeit, die allerdings nahezu ausschließlich touristischen Charakter hat.

Hinter der Brücke ist die Umgebung deutlich gewerblicher geprägt. Nicht mehr allzu lange bleiben die Läufer aber noch neben der immer stärker aus der Stadt hinaus führenden Hauptstraße. Wer nach zwei nahezu vollständig flachen Kilometern gedacht hatte, das fünfte Teilstück wäre eines der eher einfachen, sieht sich bald getäuscht. Denn der Kurs biegt an einer weiteren der vielen Verpflegungsstellen nach links ab und schlägt sich - bereits leicht ansteigend - im Zickzack durch ein Wohngebiet.

Richtig ernst wird es allerdings, als man einige hundert Meter später auf ein etwas breiteres Sträßchen einschwenkt, das am Rande eines Waldes deutlich anzusteigen beginnt. Innerhalb des nächsten Kilometers geht es fünfzig Meter nach oben. Und auch als die Steigung an einigen weiteren Werkshallen, die sich etwas abseits des Zentrums zwischen den Bäumen verstecken, ein wenig nachlässt, wird es erst einmal nicht völlig eben.

Selbst wenn sich der Getränkestand, der oben an der Stelle aufgebaut ist, an der man die Straße - oder genauer gesagt den parallelen Radweg - wieder verlässt, gerade einmal eine englische Meile vom letzten Posten entfernt befindet, wird er vor allem von den Einzelläufern dankend angenommen. Denn neben dem Anstieg sorgt die auch inzwischen immer häufiger durch die Wolken brechende Sonne für einige zusätzliche Schweißtropfen.

Nach rechts zieht der asphaltierte Weg wieder dem Wald entgegen und steuert dabei in einem langgezogenen Bogen auf ein geschlossenes Tor zu. Doch auch hinter dem Gitter hängen jene bunten Plastikbänder an den Bäumen, mit denen die Strecke in ziemlich dichten Abständen gekennzeichnet ist. Und beim Näherkommen zeigt auch ein Pfeil am Boden - eine weitere Markierungsvariante - auf einen für Menschen ausreichend breiten Durchlass daneben.

Irgendwie wird anfangs nicht ganz klar, ob man da nun in ein auf seine Bebauung wartendes Werksgelände hinein geschlüpft ist oder vielleicht doch eher auf einer Mülldeponie gelandet ist. Das sich öffnende Brachland wirkt jedenfalls ziemlich unfertig. Und weder das Gebäude am Eingang noch das bald darauf auf der anderen Seite etwas erhöht stehende rote Holzhaus bringen einen mit den skandinavischen Gepflogenheiten unerfahrenen Mitteleuropäer der Lösung näher.

Erst als der Weg noch schmaler wird, aber weiterhin asphaltiert und mit Laternen versehen im dichten Wald verschwindet, kommt der sich später als richtig heraus stellende Gedanke. Man ist nämlich nun auf dem Gelände des Ski- und Biathlonstadions von Hønefoss unterwegs. Und bei der Laufstrecke handelt es sich um nichts anderes als eine der Rollskipisten, auf denen die Wintersportler während der schneefreien Zeit trainieren.

Rund um das Skistadion und die fünfte Wechselstelle verschwindet die Strecke einige Zeit in den dichten skandinavischen Wäldern

Wirklich ungewöhnlich ist eine solche Anlage - das rote Haus am Hang war übrigens eines der Wettkampfgebäude, hinter denen sich der Schießstand befindet - keineswegs. Denn über das ganze Land ist eine dreistellige Zahl von Biathlonstadien verteilt. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass die norwegischen "Skiskytter" - in Skandinavien heißen die Biathleten nämlich einfach "Skischützen" - ein solch großes Reservoir an Talenten besitzen.

Auf diesen Wegen, über die es nun für die nächsten halben Kilometer in mehreren kurzen, aber ruppigen Wellen auf und ab geht, hat wohl unter anderem auch ein gewisser Frode Andresen früher seinen Runden gedreht. Der einstige Weltklassebiathlet mit etlichen Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen stammt nämlich aus Hønefoss und startete für den "Ringkollen Skiklubb", der nach einem siebenhundert Meter hohen Berg im Osten des Gemeindegebietes von Ringerike benannt ist.

Aktuelles sportliches Aushängeschild der Region Ringerike ist nun der ebenfalls schon bei internationalen Meisterschaften mit Edelmetall ausgezeichnete Skilangläufer Tord Asle Gjerdalen, der zwar inzwischen für einen Klub aus dem Großraum Oslo startet aber weiterhin in Hole lebt. Seit einigen Jahren nimmt er zusammen mit seinen beiden ebenfalls auf den schmalen Latten aktiven, aber nicht ganz so erfolgreichen Brüdern sowie einigen Bekannten auch am Ringeriksmaraton teil.

Und obwohl der Topstar diesmal nicht selbst auf die Strecke geht sondern sich nur auf die Zusammenstellung einer möglichst schnellen Staffel beschränkt - neben dem schwedischen Skilangläufer Martin Johansson sind unter anderem mehrere Mittel- und Langstreckler aus der norwegischen Spitze dabei - ist "Team Gjerdalen" nach zweiten und dritten Plätzen in den Vorjahren zum Jubiläum diesmal mit einer Zeit von 2:12:51 im Gesamteinlauf ganz vorne.

Fast siebeneinhalb Minuten nimmt man dabei der in 2:20:17 als Zweite folgenden Staffel "Elixia Show" ab, die ein in Hønefoss beheimatetes Fitnesscenter zusammengestellt hat. Damit belegen gleich zwei "Showteams" - ein Kategorie, mit der man in Ringerike eine über Klubgrenzen hinweg gebildete Mannschaft meint und für die es bis zur letzten Auflage noch eine eigene Wertung gab - die ersten beiden Plätze.

Als erstes reine Vereinsstaffel landet Hälle IF nach 2:20:48 sowohl im Gesamteinlauf als auch in der nun zusammen gelegten Klasse "Elite" auf dem dritten Rang. Schon das "ä" im Namen macht ein wenig stutzig, denn das norwegische Alphabet nutzt für diesen Laut eigentlich das Zeichen "æ". Und tatsächlich sind die Drittplatzierten aus dem Nachbarland Schweden angereist, wo ihre Leichtathletikvereinigung etwa auf halbem Weg zwischen Göteborg und Oslo beheimatet ist.

Unter anderem starten die in Zürich frisch gekürte Europameisterin über fünftausend Meter Meraf Bahta sowie der zur Zeit beste schwedische Marathonläufer Mustafa Mohamed, der einen Tag nach dem Ringeriksmaraton ebenfalls die schwedischen Farben in der Schweiz vertreten wird, für diese "Idrottsförening", die insbesondere im Langstreckenbereich zu den absoluten Topadressen des Landes zählt.

Nicht nur in Ringerike, wo die Schweden in den letzten Jahren gleich mehrfach als Schnellste ins Ziel kamen, lassen sich die unverkennbaren Trikots mit den dünnen roten Längsstreifen in Norwegen entdecken. Denn auch zu Holmekollstafetten schickt Hälle IF traditionell Mannschaften, die dann in schöner Regelmäßigkeit ziemlich weit vorne mit dabei sind und nicht selten auch auf dem Treppchen landen.

Bei den Frauen machen die beiden Staffeln des Osloer Klubs SK Vidar den Sieg unter sich aus. Während die erste Auswahl in 2:50:46 über die Linie läuft, folgt das zweite Team in 3:02:33. Nur hauchdünn reicht es aber wirklich zum Doppelsieg. Denn die erste Damenmannschaft des in Jevnaker ansässigen und auch als Sponsor auftretenden Unternehmens "Hytteplan" - ein Betrieb, der jene in Skandinavien so beliebten und weit verbreiteten hölzernen Ferienhütten baut - hat am Ende ganze neun Sekunden Rückstand auf Platz zwei.

"Hytteplan Høyfart" nennt sich dieser Achter, was man mit "Hytteplan Hochgeschwindigkeit" ins Deutsche übersetzen könnte. Dass die anderen beiden Frauenteams des mit fast hundertfünfzig Aktiven beim Ringeriksmaraton vertretenen Unternehmens als Namenszusatz dann "Middelfart" und "Jevnfart" - "jevn" bedeutet in diesem Fall "mäßig" - führen, ist zu einen eigentlich logisch und zum anderen durchaus originell.

Was den Männern von Team Gjerdalen gelingt, bleibt dem SK Vikar allerdings versagt. Denn die ausgerechnet vom Sponsor Hytteplan ausgelobten, immerhin zwölftausend und sechstausend norwegische Kronen betragenden Sieg- und Platzprämien wären nur ausgeschüttet worden, wenn die Zeiten unter 2:45 gelegen hätten. Bei den Herren wird das entsprechende Limit von 2:20 dagegen zumindest vom Siegerteam unterboten. Im Mix-Wettbewerb, wo in 2:55:07 ebenfalls ein "Team Gjerdalen" ganz oben in der Liste steht, gibt es dagegen grundsätzlich nur Sachpreise.

Nachdem man auf der Rollskistrecke mehrfach direkt hintereinander keineswegs sanfte Wellen hinauf und danach sofort wieder hinunter gelaufen ist, verabschiedet sich die Marathonroute für das letzte Stück zum nächsten Wechselpunkt von ihr und taucht noch etwas tiefer in den Wald ein. Auf dem schmalen und unebenen Pfad, auf den man eingeschwenkt ist, geht es zwischen dichten Büschen und Bäumen innerhalb kürzester Zeit wieder etwa zwei Dutzend Meter bergab.

Doch selbst als der "sti" wieder auf eine Nebenstraße hinaus führt, auf der wenig später die Stabübergabe vorgenommen wird, befindet man sich durch den langen Anstieg zuvor noch immer rund fünfzig Meter oberhalb der Halbzeitmarke im Zentrum von Hønefoss. Und die frisch ins Rennen gehenden Staffelläufer gewinnen gleich am Anfang noch zusätzlich an Höhe. Denn das Asphaltband klettert weiter - nicht allzu steil, aber stetig - den Hang hinauf.

Es wird auch kaum flacher, als man auf eine breite Ausfallstraße einschwenkt und erst einmal kurz über die linke Fahrspur gegen den Autoverkehr laufen muss, bevor dann doch wieder ein ausgebauter Radweg daneben beginnt, der die Marathonis über eine Brücke hinweg führt. Man hat damit erneut die E16 erreicht, der die Strecke wieder einmal ein Stück weit folgt. Seltsam ist allerdings nur, dass die Straße, über die man gerade hinweg gesetzt hat, ebenfalls mit "E16" ausgeschildert ist.

Dass sich in Ringerike gleich drei Äste der Europastraße treffen, sorgt bei Ortsfremden erst einmal für erhebliche Verwirrung. Man muss schon ziemlich genau auf die Fahrziele achten und sich zudem am besten auch noch ein wenig in der keineswegs immer übersichtlichen lokalen Streckenführung in der für skandinavische Verhältnisse von extrem vielen Verkehrswegen durchzogenen Region auskennen, wenn man nicht irgendwann feststellen möchte, in einer völlig falschen Richtung gelandet zu sein.

Doch die ursprünglich nur zwischen Bergen und Oslo verlaufende Route wurde eben vor einigen Jahren vorbei am neuen Flughafen Gardermoen nach Schweden verlängert, wo sie nun in erst Gävle an der Ostsee endet. Trotzdem behielt der dadurch entstandene kurze, von Hønefoss nach Süden in die Hauptstadt führende Stummel ebenfalls seine alte Nummerierung, was zur aktuellen, etwas unlogisch erscheinenden Situation führt.

Nach wenigen hundert Metern endet der Ausflug auf die Fernstraße, dessen Hauptzweck wohl wirklich die Brücke ist, allerdings schon wieder, als die Strecke halblinks in die sich ein wenig hinter den Bäumen versteckende Siedlung Nymoen abbiegt. Zwischen einigen Dutzend der üblichen bunten Holzhäuser und unter dem Applaus etlicher Anwohner gewinnt man dort immer weiter an Höhe.

Schmale Waldpfade und einsame Feldwege abseits der Straße prägen den größten Teil der zweiten Streckenhälfte

Erst nachdem man diese längst hinter sich gelassen hat und an einem Kieswerk vorbei gelaufen ist, flacht der Anstieg bereit deutlich oberhalb der Zweihundert-Meter-Linie langsam ab. Auf einem breiten Fahrweg geht es wieder in den Wald hinein. Doch auch auf diesem bleibt man nicht allzu lange. Ziemlich genau nach zwei Dritteln der Gesamtdistanz deutet ein Streckenposten nämlich nach links in einen deutlich schmaleren Seitenweg. Wenn sich der Ringeriksmaratons durch etwas ganz besonders auszeichnet, dann ist es sicher der ständige Wechsel der Umgebung.

Gleich nach dem Abbiegen erreicht man die nächste Verpflegungsstelle. Und deren Auswahl beschränkt sich wie an den meisten Ständen im hinteren Teil des Rennens längst nicht mehr nur auf "Vatn" und "Sportsdrikke". In der Regel findet man dort auch Bananen vor. Die Helfer bieten den Läufern zudem auch noch Becher mit "Kulla" an. Ganz so ungewöhnlich ist dieses Getränk aber gar nicht. Norweger tendieren nur dazu das "o" fast als "u" zu sprechen, so dass die weltweit übliche "Cola" eben im Norden ein wenig anders klingt.

Während an den Versorgungsposten mitten auf der Strecke natürlich keinerlei Unterscheidung zwischen Einzel- und Staffelläufern gemacht wird, findet sich an den Wechselpunkten inzwischen jeweils hundert bis zweihundert Meter hinter dem Hauptgetränkestand für jene Läufer, die ihre Teilstrecke gerade beendet haben, noch ein weiterer Tisch für die nicht ablösenden Ganz- und Paar-Marathonis. Selbst wenn die Staffeln verglichen mit der Anfangsphase längst nicht mehr so geballt eintreffen, entgeht man so der Hektik und kann in aller Ruhe zugreifen.

Bald danach wird der schmale Weg zum noch schmaleren Pfad. Und irgendwann ist er dann wirklich ein echter "sti", auf dem man fast bei jedem Schritt über irgendwelche Steine und Wurzeln springen muss. Die Spur ist zwar eigentlich immer ganz gut erkennbar. Doch es kann trotzdem absolut nicht schaden, dass die Kurssetzer die Flatterbanddichte an den Bäumen in diesem doch recht kurvigen Bereich noch einmal erhöht haben.

Selbst wenn ihn diesmal kein Streckenposten gesondert bewacht, sorgt schon alleine der quer über den Weg gespannte Plastikstreifen dafür, dass man nach einem durchaus kurzweiligen Kilometer den entscheidenden Abzweig nicht verpasst und noch weiter ins Unterholz hinein läuft. Denn die Marathonroute führt zum Abschluss des sechsten Teilstücks in jenes mitten im Wald errichtete Gewerbegebiet hinein, hinter dem man sich über den Trampelpfad schon die ganze Zeit entlang geschlängelt hatte.

Nachdem man sich mit einigen Schlenkern zwischen den verschiedenen Betrieben zu dessen zentraler Längsachse durchgearbeitet hat, geht es in genau umgekehrter Richtung wieder zurück. Eigentlich schlägt der Kurs nämlich nur einen großen Bogen im Uhrzeigersinn, um noch zwei zusätzliche Kilometer heraus zu kitzeln und dann nur einen etwas weiteren Steinwurf entfernt vom Punkt, an dem der Ausflug begonnen hatte, wieder zu enden.

Kurz bevor auf der Straße wieder die E16 erreicht würde, schlägt die Lauftrecke einen kurzen Haken, um die Fernroute mit Hilfe einer Brücke zu kreuzen, auf deren gegenüber liegenden Rampe sich dann tatsächlich jener vorletzte Wechselpunkt befindet, den etliche von ihren im "næringspark" parkenden Autos an- und abmarschierende Läufer schon einige Zeit zuvor angekündigt hatten.

Dahinter beginnt die vermutlich schönste der acht Etappen. Denn erst sanft, dann immer steiler beginnt sich die Schotterstraße, auf der man gelandet ist, zu senken und steuert dabei am Waldrand entlang auf goldgelbe Getreidefelder zu, die sich die Hänge des ziemlich welligen Geländes hinauf ziehen. Zwischen ihnen verteilen sich wieder einige bunt gestrichene Bauernhöfe.

Obwohl man auch diesmal eigentlich nicht allzu weit von einer wichtigen Überlandstraße entfernt ist, lässt diese sich auf der ringsherum vom Wald umgebenen und zudem von Baumgruppen immer wieder optisch unterbrochene Fläche im Gegensatz zur Anfangsphase nicht einmal erahnen. Die Kombination all dieser Versatzstücke wirkt exakt so, wie man sich traditionelles skandinavisches Bauernland vorstellt.

Und man würde sich in dieser idyllischen Umgebung auch kaum noch wundern, wenn plötzlich eine Kutsche vorbeikäme, auf der jener Michel aus Lönneberga - der zwar zum einen Schwede ist, zum anderen im Original aber auch "Emil" heißt und nur wegen der Verwechslungsgefahr mit der bekannten Kästner-Romanfigur im Deutschen einen anderen Namen bekommen hat - säße, über dessen Streiche man sich in der Jugend so köstlich amüsiert hat.

Das Gefälle, auf dem innerhalb kürzester Zeit rund fünfzig Höhenmeter verloren werden, geht praktisch direkt in einen ähnlich kräftigen Anstieg über, mit dem man sich gleich wieder auf das Ausgangsniveau zurück arbeitet. Die Begeisterung, die man kurz zuvor für die schöne Hügellandschaft noch empfunden hatte, schwindet jedenfalls durch diesen ziemlich ruppigen Stich auf einmal erheblich.

Oben angekommen nähern sich die Läufer einer kleinen Häusergruppe am Waldrand. Doch um diese zu erreichen, müssen sie erst einmal über einen Bahnübergang hinweg setzen. Dass einige Zuschauer ausgerechnet mitten auf den Gleisen ihre Camping-Stühle aufgeklappt haben, wirkt im ersten Moment ein wenig bedrohlich. Doch ein genauerer Blick auf den Schienenstrang zeigt die Ungefährlichkeit dieser Aktion. Denn so wie sich im Schotterbett das Gras ausgebreitet hat, dürfte der regelmäßige Zugverkehr schon länger ruhen.

Die Randsfjordbahn - so heißt diese Strecke nämlich nach dem See, an dem sie einst endete - war Mitte des neunzehnten Jahrhundert die erste Bahnlinie, die Hønefoss mit Jevnaker verband. Doch nachdem einige Jahrzehnte später mit der Bergenbahn nur wenige Kilometer entfernt eine zweite Trasse zwischen beiden Orten verlegt worden war, verlor der Endbahnhof "Randsfjord stasjon" seine Bedeutung als Übergang zu den auf dem Randsfjord verkehrenden Schiffen an den neuen und besser zu erreichenden Haltepunkt "Jevnaker".

Auch der Strecke selbst kam schnell nur noch lokale Bedeutung zu. Immerhin band sie durch die etwas weiter nördlich verlaufende Streckenführung einige andere Siedlungen ans Schienennetz an. Doch seit nunmehr fast fünf Jahrzehnten fahren auf Randsfjordbanen keine Personenzüge mehr. Auch der Güterverkehr wurde nach und nach weitgehend eingestellt und der jeweilige Streckenendpunkt immer weiter zurückverlegt, so dass inzwischen nur noch ein kurzes Stück für die Anbindung einiger Firmen in Betrieb ist.

Vorbei an der dem Aussehen nach vermutlich hauptsächlich aus Ferienhäusern bestehenden Gebäudegruppe, an der eine ganze Reihe weiterer Zuschauer den inzwischen recht schönen Sommertag und nebenbei auch die Läufer feiern, verschwindet die Laufstrecke parallel zu den Bahngleisen wieder im Wald, um dort in einem weiten S-Bogen ganz sanft noch einige weitere Meter zum endgültig höchsten Punkt des Kurses hinauf zu kommen.

Fast hundertfünfzig Meter oberhalb des Starts befindet man sich dort. Und noch ungefähr acht Kilometer hat man vor sich, auf denen rund die Hälfte dieser Meter wieder verloren gehen wird. Hinter einer weiteren Verpflegungsstelle beginnt der erste kurze Abstieg. Doch vorher dreht man auf der ziemlich frisch gerodeten kleinen Lichtung noch eine kurze mit Flatterbändern abgesteckte Ehrenrunde um die Tische, an denen man so innerhalb weniger Schritte gleich zweimal vorbei kommt.

Ob jemand diese vielleicht fünfzig bis maximal hundert zusätzlich hinzu kommenden Meter an der Gesamtdistanz irgendwie vermisst hätte, ist genauso stark zu bezweifeln wie die Tatsache, ob der Schleife angesichts der in solchen Fällen schon aus rein physikalisch-mathematischen Gründen existierenden Messungenauigkeiten überhaupt nötig gewesen wäre. Doch die Streckenarchitekten haben sich anscheinend wirklich bis ins kleinste Detail an die existierenden Vermessungsregeln gehalten.

Auch hinter dem Getränkestand bleibt der Weg anfangs auf einer breiten Forststraße, wechselt dann aber für einige Zeit erneut auf einen schmalen Trampelpfad hinüber, der sich mit einigen leichten Schlenkern durch den Wald windet. Größere Höhenunterschiede werden dabei aber vorerst nicht überwunden. Erst ein ganzes Stück hinter dem letzten Wechsel wird man wieder unter die Zweihundert-Meter-Marke angekommen sein.

Die siebte Etappe verläuft durch goldgelbe Getreidefelder, die sich die Hänge des ziemlich welligen Geländes hinauf ziehen. Zwischen ihnen verteilen sich einige bunt gestrichene Bauernhöfe. Einige ihrer Bewohner haben sich an einer Kreuzung versammelt, um ein wenig Beifall zu spenden

Anschließend vollzieht sich das gleiche Wechselspiel zwischen breit und schmal noch ein weiteres Mal. Allerdings ist der zweite "sti" dann deutlich unangenehmer zu laufen. Denn er ist mit etlichen großen, weit aus dem Boden heraus ragenden und gleichzeitig abgerundeten Steinen gespickt, die es bei jedem Schritt schwer machen, einen einigermaßen ebenen Aufsetzpunkt für die nach rund sechsunddreißig zurückgelegten Kilometern doch langsam müde werdenden Füße zu finden.

Ein zweites Mal geht es über die stillgelegten Gleise von "Randsfjordbanen" hinweg. Und obwohl man dahinter erst einmal nach rechts schwenkt, ist man eine Minute später einige Meter links des Bahnüberganges angekommen. Denn erneut dreht sich die Laufstrecke - diesmal rund um eine Baumgruppe - kurz im Kreis, um dadurch ein wenig länger daher zu kommen. Erst danach dürfen die Staffeln gleich neben den Schienen ihre Schlussläufer auf die Reise schicken.

Waren bisher alle Wechselpunkte gut mit dem Auto anzufahren, weil sie sich unweit einer Hauptstraße befanden, führen ausgerechnet zur letzten eigentlich nur Waldwege und Schotterpisten, so dass die meisten, die dort auf ihren Teilabschnitt geschickt werden, wohl schon durch den Anmarsch ein wenig aufgewärmt sein dürften. Und auch wer an dieser Stelle seine Etappe beendet, muss noch weitere ein bis zwei Kilometer zu Fuß zurücklegen, bevor er sich zum Ziel fahren lassen kann.

Von der Eisenbahn wechselt die Laufroute wenig später zum Flugzeug hinüber. Denn kaum haben die Marathonis den Gleisen den Rücken gekehrt, stoßen sie auch schon auf den Begrenzungszaun des Regionalflughafens "Eggemoen" und folgen diesem für einige Zeit. In den Flugplänen kommerzieller Gesellschaften wird man ihn jedoch weder unter diesem Namen noch unter "Hønefoss" finden. Die Maße der früher militärisch genutzten Start- und Landebahn von "Hønefoss flyplass" sind nämlich eigentlich nur für kleinere Privatmaschinen geeignet.

Wirklich schön ist die Umgebung nicht mehr. Denn außerdem ist auch ein Teil des Geländes ringsherum vor nicht allzu langer Zeit komplett abgeholzt worden. Im hohen Norden wird seinen riesigen Wäldern wird der selektive Holzeinschlag, den man in Mitteleuropa pflegt, schließlich eher selten genutzt. Vielmehr werden größere Flächen meist einfach vollständig "geerntet". Immerhin geht es inzwischen spürbar bergab. Doch fordert der weiterhin recht holprige Weg dabei erhebliche Konzentration.

Dieser Abschnitt, der genau so aussieht wie man sich traditionelles skandinavisches Bauernland vorstellt, ist der vermutlich schönste des ganzen Rennens

Bald nachdem man Zaun hinter sich gelassen hat, stößt man dann auf den dritten Verkehrsträger, nämlich die Straße. Und erneut trägt diese die Nummer E16. Diesmal hat man den östlichen, in Schweden endenden Ast erwischt. Und genau in diese Richtung schwenkt man nun ebenfalls ein. Doch ganz so weit ist es nun wirklich nicht mehr, denn das Schild mit der aufgedruckten Zahl "38" ist bereits passiert.

Die Strecke führt nicht ganz auf die Europaroute hinaus sondern bleibt daneben auf einem schmalen Trampelpfad, der ziemlich schnell erneut im Wald verschwindet. Doch handelt es sich wirklich nur um einen kleinen Abstecher. Denn gerade einmal zweihundert Meter später ist man schon wieder vor den Hallen des Gewerbegebietes gelandet, das sich die E16 entlang in Richtung Jevnaker zieht.

Inzwischen sind die Läufer auch auf die Gemarkung dieser Gemeinde hinüber gewechselt. Schon bei der ersten kurzen Begegnung mit der Straße hatte an ihrem Rand nämlich eines jener blauen Schilder, die überall in Norwegen die Grenzen zwischen zwei Verwaltungseinheiten markieren, mit der Aufschrift "Jevnaker kommune" sowie dem daneben abgebildeten - drei geschwungene Trinkgläser zeigenden - Wappen gestanden.

Mit dem noch relativ jungen "Kommunevåpen" wird auf das Unternehmen "Hadeland Glassverk" angespielt, das seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Jevnaker produziert. Nur einige hundert Meter vom Ziel entfernt steht diese wohl größte und bekannteste norwegische Glashütte am Ufer des Randsfjords. Mit über zweihundertfünfzig Jahren Geschichte reklamiert sie zudem für sich, der älteste noch bestehende Industriebetrieb des ganzen Landes zu sein.

Unter dem Gemeindenamen auf dem Straßenschild war auf einer zweiten Tafel aber auch noch "Oppland fylke" zu lesen. Denn man ist ganz zum Schluss des Rennens auch noch in eine andere der neunzehn norwegischen Provinzen hinein gelaufen. Die Kommunen Ringerike und Hole liegen nämlich im "Buskerus fylke", das sich von den Vororten Oslos bis zu den kahlen Weiten der Hochfläche Hardangervidda nach Westen erstreckt und seinen Namen von einen früheren königlichen Gutshof südwestlich des Tyrifjords hat.

"Oppland", das sich sogar ohne größere Norwegisch-Kenntnisse recht einfach mit "Oberland" übersetzen lässt, zieht sich als langgestreckter Keil von Oslo aus nach Nordwesten. Bei Jevnaker, das zusammen mit den Nachbargemeinden Lunner und Gran die Südspitze - eben jene Region "Hadeland", die ebenfalls auf einer Tafel am Straßenrand angekündigt worden war - bildet, scheint die Provinz ihren Namen zu Unrecht zu tragen. Denn obwohl einige Kuppen immerhin siebenhundert Meter aufragen, ist das Gelände für Norwegen eigentlich nicht wirklich hoch.

Das Gefälle geht praktisch direkt in einen ähnlich kräftigen Anstieg über, mit dem man sich gleich wieder auf das Ausgangsniveau zurück arbeitet. Die Begeisterung, die man kurz zuvor für die schöne Hügellandschaft noch empfunden hatte, schwindet durch diesen ziemlich ruppigen Stich auf einmal erheblich

Im Norden des "fylke", das neben der östlich angrenzenden "Hedmark" als einziges keinen Zugang zum Meer hat, finden sich aber die Nationalparks "Jotunheimen", "Reinheimen", "Rondane", "Breheimen" sowie "Dovrefjell-Sunndalsfjella", in deren Gebirgsmassiven nahezu alle der fast zweihundert über zweitausend Meter hohen Gipfel des Landes aufragen. Und selbst wenn die Schutzgebiete zum Teil auch in die Nachbarprovinzen ausgreifen, liegen die meisten Berge - insbesondere die beiden höchsten Galdhøpiggen und Glittertind - tatsächlich in Oppland.

Immer in Sichtweite der Hauptstraße geht es für den nächsten Kilometer mit meist leichtem Gefälle über die Zufahrt des "Bergermoen Industriområde". Dann scheint der asphaltierte Weg am anderen Ende des Industriegebietes wieder in den Wald zu führen. Doch vollführt er dann einen großen Schwenk in eine ganz andere Richtung und endet auf einem Werksgelände, über dessen Parkplatz man erst einmal auf die nun wirklich allerletzte Verpflegung zuläuft.

Dahinter ist die Streckenführung aber irgendwie fraglich. Denn das Schlupfloch, durch das man dann doch noch in den Wald verschwinden soll, ist - obwohl eigentlich nur wenige Meter entfernt - vom Getränkestand kaum zu erkennen. Erst durch das Handzeichen der Helfer hinter den Tischen, die damit die Aufgabe des Ordners gleich mit übernehmen, wird deutlich, dass man tatsächlich an jenen einsam am Baum hängenden Flatterband abbiegen muss und es nicht doch über die asphaltierte Fläche hinter den Werkshallen weiter geht.

Der Pfad fällt etwa ein Dutzend Höhenmeter in eine Senke hinunter, führt auf der gegenüber liegenden Seite aber gleich wieder nach oben und mündet auf einen gut ausgebauten, Weg ein, der sich aufgrund seines weitgehend ebenen und kurvenarmen Verlaufes recht schnell als der zur Radroute zurückgebaute letzte Abschnitt der Randsfjordbahn erkennen lässt. Für den größten Teil der abschließenden beiden Kilometer wird die Marathonroute dieser nun folgen.

Mit kaum sicht- und spürbarem Gefälle immer am Hang entlang verlaufend, lässt die Trasse den Wald irgendwann langsam hinter sich und erreicht die ersten Wohngebiete von Jevnaker. Von großen Gärten umgebene Einfamilienhäuser wechseln sich dabei mit Baumgruppen ab. Völlig verkehrsfrei kommt man so dem Ziel immer näher. Doch läuft man eben auch ein wenig durch die Hintertür in den Ort hinein.

Wo einst die Passagiere am Ende der Bahnstrecke - und damit natürlich auch der Radweges - auf die den See hinauf fahrenden Schiffe umstiegen, überwindet eine Brücke jene Engstelle, an der das Wasser den Randsfjord verlässt und zur Randselva wird. Diese Querung läutet nun wirklich den Endspurt ein. Denn sie bringt die Läufer in den auf einer kleinen Halbinsel auf drei Seiten von Wasser umgebenen Ortskern von Jevnaker. Bis zum Ziel vor dem Rathaus sind es nur noch wenige hundert, ganz zum Abschluss allerdings noch einmal leicht bergauf führende Meter.

Doch spielt diese kleine Welle ähnlich wie bei den Staffeln auch im Einzelwettbewerb keine Rolle beim Ausgang des Rennens mehr. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen sind die Abstände schließlich ziemlich deutlich. Nachdem Andreas Kullerud Larsen bei Helgelandsmoen nach einem guten Viertel der Distanz die Führung übernommen hat, baut er diese nämlich stetig aus und hat mit seiner 2:55:40 am Ende fast neun Minuten auf seine Verfolger heraus gelaufen.

Zur Halbzeit in Hønefoss liegt Sindre Grytengen Viberg zwar nur auf Rang vier, doch bis Jevnaker arbeitet er sich auf Rang zwei vor und wird dort in 3:04:23 gestoppt. Von noch weiter hinten kommt Cato Hauge, der nach einem Viertel der Strecke Neunter, nach der Hälfte auch noch Achter ist, am Ende dann aber Dritter wird. Bei 3:09:24 bleiben die Uhren für den Radsportler vom Ringerike Sykkelklubb unter dem Zielgerüst auf der Storgata von Jevnaker stehen.

Die schnellsten der zwölf in die Ergebnisliste kommenden Damen machen es zumindest ein wenig spannender. Denn selbst wenn die immerhin schon in der W45 laufende Marit Tørstad praktisch während des gesamten Rennens die Spitzenposition besetzt und zwischenzeitlich fast fünf Minuten Vorsprung hat, kommt ihr Line Tresselt auf den letzten Kilometern noch einmal deutlich näher. Am Ende lauten die Ergebnisse 3:49:36 und 3:51:58. Und auch Unni Skøien bleibt mit ihrer 3:54:58 nicht allzu weit zurück.

Bereits knapp vor den bestplatzierten Damen läuft übrigens Kjell Skogvang ins Ziel. Denn der Senior aus der M70 legt auf dem doch recht schwierigen Kurs eine beachtliche 3:47:35 vor. Damit gewinnt er zum einen überlegen seine Klasse - der einzige Konkurrent ist bereits beim "tidligstart" auf die Strecke gegangen und am Ende fast zwei Stunden langsamer - und kann damit bis auf wenige Sekunden jene Zeit wiederholen, die er fünf Jahre zuvor abgeliefert hatte. Vom vermeintlichen altersbedingten Leistungsverlust ist beim Routinier also wenig zu bemerken.

Die moderne Skulptur mitten im - meist ziemlich trockenen - Wasserfall ist beinahe so etwas wie das Wahrzeichen von Hønefoss… ...weit traditioneller ist allerdings der Elch, der in der Fußgängerzone darauf wartet, dass beim nächsten Ringeriksmaraton wieder viele hundert Läufer vorbei kommen
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Zwar sind die Einzelläufer nur ein kleiner Nebenaspekt bei Norwegens größter Marathonstafette. Doch gehören sie eben auch dazu und werden bei den Siegerehrungen auf der großen Bühne am Rathausplatz in Jevnaker entsprechend gewürdigt. Dass dieser Wettbewerb - genau wie der Paar-Marathon - eine Möglichkeit bietet, an einem wirklich interessanten Staffelrennen teilzunehmen, auch ohne gleich eine ganze Mannschaft zusammen trommeln zu müssen, ist gerade für aus größerer Entfernung kommende Sportler nicht die schlechteste Alternative.

Es gibt in Skandinavien sicher wesentlich spektakulärere Strecken als jene von Ringerike. Selbst wenn man sie in vielem durchaus als "typisch" für dortige Kleinstädte bezeichnen kann, ist diese an der einen oder anderen Stelle nicht einmal besonders schön. Doch erlebt man bei diesem Teamwettbewerb eben auch eine vollkommen andere Atmosphäre als während eines "normalen" Marathons.

Ganz egal, ob man die gut zweiundvierzig Kilometer bei "Norges største maratonstafett" nun mit einem, zwei, vier oder acht Läufern bewältigt, langweilig wird es beim Ringeriksmaraton ganz bestimmt nicht.

Bericht und Fotos von Ralf Klink

Info & Ergebnisse www.ringeriksmaraton.no

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