28.2.09 - 36. Deloitte Pretoria Marathon

Proudly made in South Africa

von Ralf Klink

Schon der Name des Deloitte Pretoria Marathons könnte eigentlich zu Streitigkeiten führen. Und dabei geht es weder um den Sponsor, ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen, das sich – wie inzwischen auch in Südafrika absolut üblich – vor den Lauf gesetzt hat, noch um die Bezeichnung Marathon, die man im Land am Kap gerne ziemlich bescheiden auch einmal auf wesentlich längere Distanzen anwendet. Doch bei dieser Veranstaltung geht es tatsächlich „nur“ über 42,195 Kilometer. Ergänzend werden allerdings auch ein Halbmarathon und ein Zehner angeboten.

Bleibt als Grund für die mögliche Debatte nur noch das mittlere Wort „Pretoria“. Ausgerechnet der Name der Stadt ist nämlich seit mehreren Jahren heftig umstritten. Denn schon 2005 hatte das Stadtparlament in einer Abstimmung beschlossen ihn in „Tshwane“ zu ändern. Nur noch das Innenstadtviertel, der Central Business District sollte dann Pretoria heißen.

Von der in Südafrika für geographische Benennungen zuständigen Kommission ist die Änderung bereits genehmigt. Aber der zuständige Minister hat sie eben noch immer nicht abgesegnet. Und inzwischen drohen gleich mehrere Gruppen mit Klagen, falls man den neuen Namen unbedingt durchdrücken will.

Eigentlich ist es ein Streit um eine Kleinigkeit. „Namen sind wie Schall und Rauch“, behauptet ja ein Sprichwort. Doch auch in Deutschland würde so etwas höchstwahrscheinlich endlose Debatten, Klageandrohungen und ähnliches mit sich bringen. Und in Südafrika hat das Ganze eine noch viel größere symbolische, eine wirklich politische Bedeutung.

Denn Pretoria ist nach Andries Pretorius benannt. Und der war ein Nationalheld der Buren, ein Führer der Voortrekker, einer der Gründer der Republik Transvaal. Einige Jahre zuvor wurde unter seiner Führung in der Schlacht am Blood River eine zehn- bis zwanzigtausendköpfige Zulu-Armee von einigen hundert Buren vernichtend geschlagen. Ein wenig ist es vielleicht also sogar nachvollziehbar, dass es in der schwarzen Bevölkerungsmehrheit viele gibt, die Schwierigkeiten damit haben, ausgerechnet so eine Persönlichkeit als Namensgeber zu akzeptieren.

Schon etliche andere Städte in Südafrika wurden seit dem Ende der Apartheid umbenannt, bevorzugt natürlich solche, deren alte Bezeichnung auf umstrittene historische Personen zurück ging. So hieß zum Beispiel das südlich von Pretoria gelegene Centurion früher eine Zeit lang Verwoerdburg. Etwas, was man so schnell wie möglich ablegen wollte, denn der damit geehrte Hendrik Verwoerd war einer der wichtigsten Architekten der Rassentrennungspolitik.

Anstieg bei Kilometer 4 Durch den Nebel bei ... ... Groenkloof Kilometer 7

Doch Pretoria hat eine ganz andere Bedeutung. Schließlich handelt es sich um die Hauptstadt des Landes. Nimmt man es ganz genau, ist es zwar „nur“ eine von mehreren südafrikanischen Kapitalen, der Regierungssitz, die Stadt der Exekutive. Denn das Parlament tagt auch weiterhin in Kapstadt. Und die höchsten Gerichte sitzen in Bloemfontein. Aber im Ausland wird sie eben als „die“ Hauptstadt wahrgenommen.

Das Ausland ist dann auch eines der Argumente der Gegner einer Umbenennung. Es würde einiges an Mühe kosten, wohl noch mehr als im eigenen Land, bis sich dort Tshwane als akzeptierter Name durchsetzen könnte, wird vorgebracht. Das mag sicher stimmen. Aber irgendwann hätte man sich wohl auch daran gewöhnt. Wem rutscht denn zum Beispiel heute noch ein „Rhodesien“ heraus, wenn es um das vom Diktator Robert Mugabe zugrunde gerichtete Nachbarland Zimbabwe geht?

Die Befürworter von „Tshwane“ behaupten im Gegenzug gern einmal, dass man es mit „wir sind gleich“ übersetzen müsste. Doch in keiner der neun in Südafrika offiziell gesprochenen einheimischen Bantu-Sprachen lässt sich das wirklich so belegen. Andere Erklärungen gehen davon aus, dass die an dieser Stelle einst siedelnden Ndebele den durch Pretoria verlaufenden Fluss nach einem ihrer Häuptlinge benannten. Und dass Tshwane eventuell auch nur „kleiner Affe“ bzw. „Äffchen“ bedeuten könnte – was dazu passt, dass der Fluss inzwischen Apies River heißt – möchte man dann schon gar nicht hören.

Die Diskussionen um den Namen der Hauptstadt zeigen jedoch ziemlich beispielhaft den Umbruch, in dem sich das Land noch immer befindet. Schließlich ist es gerade einmal knapp zwei Jahrzehnte her, seit das Ende der Apartheidpolitik eingeleitet wurde. Erst 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt, an denen alle Südafrikaner völlig unabhängig von der Hautfarbe ihre Stimme abgeben durften.

Natürlich kann in so kurzer Zeit die über Generationen aufgebaute Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht vollständig überwunden werden. Zu verschieden sind eben die persönlichen Biografien. Eine Erfahrung, die man ja durchaus auch im wiedervereinigten Deutschland machen kann, wo Ost und West selbst nach zwanzig Jahren nicht völlig zusammen gewachsen sind. Und die zu überbrückenden Unterschiede waren dabei wesentlich geringer als die in Südafrika.

Auch weiterhin begegnen sich in diesem Land eben Erste und Dritte Welt auf engstem Raum. Es gibt sogar Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, die Südafrika als „Erde im Kleinen“, als nahezu perfektes Sandkasten-Modell für die globalen Zustände bezeichnen, wo zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung den größten Teil des vorhandenen Reichtums besitzen und für den großen Rest praktisch nichts mehr bleibt.

Noch immer gibt es auch nicht nur eine südafrikanische Gesellschaft sondern mehrere ziemlich unabhängig nebeneinander her existierende. Man begegnet sich vielleicht in der Firma. Man arbeitet dort zusammen – wobei sich an der Tatsache, dass die Jobs traditionell meist umso schlechter werden, je dunkler die Hautfarbe ist, nur langsam etwas ändert. Man redet inzwischen auch wirklich miteinander.

Doch danach etwas zusammen unternehmen, gemeinsam etwas Essen oder Trinken gehen, das macht man deshalb noch lange nicht. In den Restaurants sieht man durchaus Menschen unterschiedlichster Herkunft, aber eben fast nie zusammen. An nahezu allen Tischen bleiben die so vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, aus denen sich die bunte südafrikanische Nation zusammen setzt, weitgehend unter sich.

Dudelsäcke am Fort Klapperkop bei Kilometer 9

Es gibt aber neben der Arbeit einen weiteren Bereich, in dem man zusammen trifft. Da ist nämlich noch der Sport. Und der hat im Land einen ziemlich hohen Stellenwert. Irgendwo findet man beim Fernsehen immer ein Programm, in dem gerade Fußball, Rugby oder Cricket – die in Südafrika wichtigsten Sportarten – gesendet wird.

Und immer stellt man dabei fest, dass in den Profimannschaften der obersten Ligen die Spieler ziemlich bunt gemischt sind. Dort wo Leistung zählt, dort wo mit ihr gutes Geld verdient wird, dort wo sie auch wirklich messbar ist, spielt die Abstammung absolut keine Rolle mehr.

Der Sport und insbesondere die Nationalmannschaften haben sehr wohl eine identitätsstiftende Wirkung und Bedeutung für Südafrika. Wenn irgendwo die nach dem Ende der Rassentrennung neu eingeführte Fahne mit dem liegenden „Y“ – die in ihrer Buntheit eigentlich ein ziemlich gutes Symbol für die „Regenbogennation“ ist – am Mast flattert, um erfolgreiche Athleten zu ehren, macht das ganz unabhängig von der Hautfarbe alle stolz.

Auch der Laufsport – gerade auf den langen und ganz langen Strecken – genießt im Land hohes Ansehen. Und das wohlgemerkt bei allen Bevölkerungsgruppen. Erinnert sei nur an Josiah Thugwane, der 1996 in Atlanta als erster Schwarzer für Südafrika olympisches Gold im Marathon gewann.

Oder auch an Hendrick Ramaala, der weniger für seinen Sieg in New York 2004 als vielmehr für seine im Folgejahr an gleicher Stätte erlittene hauchdünne Spurtniederlage gegen Paul Tergat im Gedächtnis der Interessierten hängen geblieben sein dürfte. Zurück reicht die Tradition allerdings bis zu Kennedy McArthur, einem gebürtigen Iren, der 1912 in Stockholm für seine neue Heimat Südafrika Marathon-Olympiasieger wurde.

Doch im Gegensatz zum Beispiel zu Kenia, gibt es eben nicht nur Eliteläufer sondern eine ziemlich lebendige Szene. Kaum mehr als eine Handvoll Nationen bringt jedes Jahr mehr Marathonläufer auf die Beine als Südafrika. Und die Zahl der Rennen über 42 Kilometer erreicht dreistellige Regionen. Doch Ultraläufe gibt es kaum weniger. Und das sind keineswegs Klein- und Kleinstveranstaltungen wie hierzulande in der Regel. Auch dabei gehen die Teilnehmer oft in die Tausende.

Nicht nur der Comrades, der mit bis zu fünfzehntausend Teilnehmern in Bereiche vorstößt, die in Deutschland nur von den Marathons in Berlin und Hamburg übertroffen werden können, muss hier genannt werden. Der Two Oceans steht dem mit rund zehntausend Anmeldungen kaum nach.

Wie wichtig die Beiden für die südafrikanische Laufszene sind zeigt die Tatsache, dass alle Clubs offizielle Vereinsrekorde über diese Strecken führen. Beide sind nationale Ereignisse, die auch den „Nichtfachleuten“ bekannt sind und über die man sich nahezu überall zumindest oberflächlich unterhalten kann. Man versuche das gleiche einmal beim Thema Marathon oder gar Ultra in Europa.

University of South Africa bei Kilometer 12 Villensiedlung ... ... bei Kilometer 23

Verglichen mit diesen Großveranstaltungen nehmen sich die rund dreitausend Starter beim 100km-Jubiläumslauf 2008 in Biel – obwohl höchstwahrscheinlich der größte Wert auf der Nordhalbkugel – dann doch ziemlich bescheiden aus. Zumal zum Beispiel auch die beiden Fünfziger „Om die Dam“ und „Loskop Ultra“ selbst ohne Jubiläum jedes Jahr in etwa diese Zahl erreichen. Und den von Pretoria ins ziemlich genau fünfzig Kilometer südlich liegende Johannesburg führenden „City to City“ gehen im September jedes Jahr ebenfalls zweitausend Südafrikaner an.

Viel weniger sind es auch nicht, die für den trotz aller Namensdebatten also weiterhin „Pretoria Marathon“ heißenden Lauf gemeldet haben. Und zwar wohlgemerkt nur für den Marathon. Zehner und Halbmarathon ziehen jeweils noch einmal so viele Starter an, so dass sich die Gesamtteilnehmerzahlen jenseits der Fünftausendermarke befinden.

Neben dem in Südafrika weit verbreiteten Verfahren, bei dem die Meldung in lokalen Sportgeschäften abgegeben werden kann – für den Pretoria Marathon gibt es insgesamt sechs davon, einige sogar in Johannesburg – und man dort meist auch gleich eine Startnummer erhält, gibt es auch eine Online-Anmeldung. Dass man allerdings für diese nur tausend der insgesamt viertausend Vormelder-T-Shirts reserviert hat, belegt jedoch ganz gut, wie wenig verbreitet dieses in Europa absolut normale Prozedere am Kap noch ist.

Ganz egal welchen Weg man wählt, der Marathon kostet inklusive T-Shirt und Medaille sechzig südafrikanische Rand. Auf der Halbdistanz ist man mit vierzig und beim Zehner mit dreißig Rand dabei. Senioren jenseits der sechzig, Grand Masters genannt, zahlen auf allen Strecken nur die Hälfte, was bedeutet, dass man in diesem Alter einen vollen Marathon tatsächlich für nicht einmal zwei und einen halben Euro bekommt.

Abgeholt werden können die Hemden dann gemeinsam mit den Startnummern schon am Freitagnachmittag im etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegenen Hofmeyer Park, einem großen Sportgelände, das dank einer Skizze auf der Ausschreibung und der Nähe zu einer Autobahnausfahrt problemlos zu finden ist.

Eine ganz andere, viel größere Aufgabe ist es dagegen, im Sportgelände dann auch die Startnummernausgabe zu finden. Die Beschilderung führt erst einmal in eine Art Kneipe. Eines jener typischen Sportheime, wie es sie auch in Deutschland zuhauf gibt und in denen man nach dem Training – oder manchmal auch ohne ein solches – noch ein paar Bierchen zu sich nimmt. Hier gibt es die Unterlagen also schon mal nicht.

Die Herren an der Theke schicken die Orientierung suchenden Voll- und Halbmarathonis einen Gang hinunter. Dort hinten gäbe es die Nummern. Ein Satz der an diesem Abend sicher sehr oft fällt. Doch die meisten laufen trotzdem erst einmal in die Irre. Denn der Raum, in dem man seine Startunterlagen dann wirklich bekommt, ist in der hintersten Ecke versteckt und kaum mehr als eine Abstellkammer.

Man stelle sich bitte eine europäische Veranstaltung mit weit über fünftausend Teilnehmern vor, bei der die Startnummern in einem Geräteraum ausgegeben werden. In Südafrika ist das absolut möglich. Das Land und seine Laufszene halten eben immer wieder Überraschungen parat.

Auf dem letzten Kilometer

Nicht mehr ganz so überraschend für Läufer mit einigen Südafrikastarts ist, dass neben der normalen, an der Vorderseite anzubringenden und je nach Distanz unterschiedlich gefärbten Startnummer noch eine weitere im Umschlag steckt. Sie ist dunkelgrün, hat eine völlig andere Zahlenkombination und dahinter das Kürzel „TL“. Zumindest für diejenigen, die nicht Mitglied in einem Laufklub sind und deshalb jene „temporary licence“ benötigen, ist das so. Diese – sie kostet übrigens zwanzig Rand, umgerechnet ein Euro und sechzig Cent – muss dann auf dem Rücken getragen werden.

Alle anderen, die Vereinsangehörigen, haben ihre Dauerlizenz beantragt, die sie jedes Jahr neu für volle zwölf Monate erhalten können. Der Bund Deutscher Radfahrer verfährt übrigens im Bereich der Radtouristiken ganz ähnlich. Die reguläre Lizenznummer ist im Gegensatz zur Tageslizenz aus Stoff und wird von den meisten dann auch auf das Vereinstrikot fest aufgenäht. Vergessen unmöglich.

Es regnet an diesem Abend. So wie es auch schon an den Abenden zuvor in der Region meist geregnet hat. Heftige Güsse, die dann an nächsten Morgen wieder von blauem Himmel abgelöst wurden. Aber jeden Mittag braute sich neues Ungemach zusammen. Nun ist Niederschlag im Sommer für den Nordosten Südafrikas eigentlich völlig normal. Doch so viel Regen in so kurzer Zeit sei seit vielen Jahren nicht gefallen, behaupten die Einheimischen.

Dafür sind dann die Winter eher trocken. Das sind übrigens im Hochland, das den Großteil der Landesfläche einnimmt und in dem auch Pretoria liegt, durchaus richtige Winter. Von der etwas naiven Vorstellung des immer heißen Afrika sollte man sich da nicht täuschen lassen. Zwar gibt es keinen Dauerfrost oder ständig Eis und Schnee. Aber die Temperaturen können durchaus gelegentlich auch in den negativen Bereich rutschen. Und im Durchschnitt wird es in Pretoria in den Monaten Juni und Juli – also den Wintermonaten der Südhalbkugel – gerade einmal zehn oder elf Grad warm.

Im Sommermonat Februar kann es dagegen durchaus ziemlich heiß werden. Und so nähert sich dann auch am frühen Morgen, als sich Tausende von Läufern noch bei völliger Dunkelheit zum Startplatz aufmachen, das Quecksilber bereits wieder der Marke von zwanzig Grad.

Wie in Südafrika absolut üblich ist der Start nämlich auch in Pretoria zu recht früher Stunde angesetzt. Um sechs Uhr werden die Voll- und Halbmarathonis auf die Strecke geschickt. Eine Viertelstunde später sollen die Läufer und Walker – ein separates Walking ist ausgeschrieben und erhöht die Teilnehmerzahl noch einmal um mehr als siebenhundert – über zehn Kilometer ebenfalls unterwegs sein.

Der nahezu gleichzeitige Start führt natürlich dazu, dass auch die Anreise aller Starter ziemlich zusammen erfolgt. Eine beträchtliche Anzahl von Autos rollt da auf den Hofmeyer Park zu. Schon auf der in der Nähe des Startplatzes vorbei führenden Hauptstraße werden die Fahrzeuge frühzeitig abgefangen und in Richtung der durchaus zahlreichen Parkplätze geleitet.

Auf dem letzten Kilometer

Kaum jemand, der am Abzweig nicht auf die Signale der Helfer reagiert und abbiegt. Wer an einem Samstagmorgen um diese Zeit unterwegs ist, hat höchstwahrscheinlich etwas mit dem Marathon zu tun. Doch dann wird es zäh. Auch wenn sich die Ordner des ausrichtenden Phobians Club alle Mühe geben, die lange Autoschlange in Bewegung zu halten, dauert es eben doch einen Moment, bis alle die Parkzonen erreicht haben.

Dennoch ist das recht gut organisiert. Verfahren kann man sich nicht. Wenn man die Hauptroute erst einmal verlassen hat, wird man direkt bis zum zugedachten Parkplatz geleitet. Weitergereicht von einem der zahlreichen „parking marshal“ zum nächsten. Auf der Internetseite der Phobians wird ein Teilnehmer in einem Kommentar später dazu anmerken, dass es wohl mehr gewesen sein müssten, als es bei einigen anderen Läufen Streckenposten gäbe.

Ein wenig eng wird die ganze Sache dann aber doch für einige. Denn von den Parkplätzen zur Anmeldung und dann wieder zum dazwischen gelegenen Start sind eben doch etliche Meter zurück zu legen. Allerdings ist auch das in Südafrika ziemlich normal. Wo in Deutschland eine Stunde vor dem Start die Nachmeldeschalter bereits schließen, machen sie im Land am Kap manchmal erst auf.

Erst wenige Minuten vor sechs füllt sich der Startplatz dann richtig. Der ist nur mit ein paar kleinen Werbefahnen gekennzeichnet. Eine ganz normale Straßenkreuzung, an der man sich versammelt. Von großen Aufbauten, mit denen man anderswo Eindruck schinden will, ist nichts zu sehen.

Selbst die ohnehin eher knappe Ansage ist kaum zu verstehen. Und wenn man nicht aufpasst, hat man gar nicht gemerkt, dass es bereits losgegangen ist. Welch ein Unterschied zu den zum Teil doch manchmal ziemlich überdrehten europäischen Verhältnissen, wo selbst die simpelsten Startvorbereitungen schon zu einem angeblich gigantischen Ereignis hoch stilisiert werden.

Absperrungen oder Startblocks, die man bei einem Starterfeld von fast viertausend Läufern als durchaus sinnvoll ansehen könnte, werden absolut nicht benötigt. Die Stimmung ist entspannt und gelöst. Gedränge um bessere Positionen gibt es nicht. Wer meint weiter nach vorne zu gehören, wird anstandslos durchgelassen.

Am vielleicht sogar bemerkenswertesten ist, wie selbstverständlich dabei die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen miteinander umgehen. Nicht nur im Wettkampf selbst begegnet man sich ja regelmäßig. Auch in den Vereinen ist die Herkunft oft ziemlich gemischt.

Da gibt es Trikots, die scheinbar frisch aus der Fabrik kommen. Es gibt aber auch solche, denen man ansieht, dass sie schon etliche Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinter sich haben. Da sieht man durchaus nagelneue Topmodelle führender Schuhhersteller neben ausgelatschten löchrigen Tretern, die anderswo schon längst auf dem Müll gelandet wären, stehen. Und den einen oder anderen Schlappen, der da getragen wird, würde man hierzulande selbst in neuem Zustand nicht zum Sport anziehen.

Auf dem letzten Kilometer

So unterschiedlich auch Kleidung und Schuhwerk sein mögen, man hat ein gemeinsames Ziel. Es heißt Marathon. In diesen Momenten kann man durchaus das Wort von der verbindenden Wirkung des Sports glauben. Viele Ressentiments und Vorurteile sind bei persönlichem Kontakt dann doch ziemlich schnell ausgeräumt. Im Sport und insbesondere eben im Laufsport gibt es sie vielleicht doch, die gemeinsame, die typisch südafrikanische Kultur.

Punkt sechs Uhr setzt sich das Feld ohne allzu große Hektik in Bewegung. Verzögerungen im Ablauf gibt es keine. Der eine oder andere Nachzügler, dem die Zeit zwischen Auto, Anmeldung und Start dann doch zu knapp geworden ist, wird später deshalb auch noch durch die langsameren Pulks hetzen.

Schon nach den ersten Metern ist klar, dass Pretoria ganz sicher kein leichter Marathon wird. Die Regenfälle der letzten Tage haben – auch wenn es wie üblich morgens natürlich wieder niederschlagsfrei ist – für eine ziemliche Luftfeuchtigkeit gesorgt, die noch dadurch verstärkt wird, dass Pretoria in einem von Bergen umgebenen Kessel liegt, aus dem die Schwüle nicht wirklich entweichen kann. Dazu kommt noch die Höhenlage zwischen 1300 und 1500 Metern, die nicht dazu beiträgt, die Sauerstoffversorgung zu verbessern.

Und recht bald – nachdem sie eine eher von Geschäften und Tankstellen geprägten ersten beiden Kilometer hinter sich gelassen hat und in ein Wohngebiet hineinläuft – wird die Strecke auch etwas hügliger. Eigentlich gibt es im Verlauf des Rennens sogar kaum eine Passage, auf der es wirklich eben ist. Ständig geht es in unterschiedlichsten Steilheitsgraden bergauf oder bergab.

Zwar liegen zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt kaum mehr als zweihundert Meter, doch die Marathonis müssen diesen Höhenunterschied auf ihrem über zwei ziemlich identische Runden führenden Lauf gleich doppelt bewältigen. Und rechnet man alle Zwischensteigungen noch mit dazu, kommen garantiert sieben- bis achthundert Höhenmeter zusammen. Leicht ist der Marathon von Pretoria wirklich nicht.

Das Feld ist inzwischen auf nicht unbedingt breiten Straßen im Wohnviertel Waterkloof unterwegs. Die sind in der selbst in ihren ältesten Quartieren gerade einmal auf hundertfünfzig Jahre zurück blickenden Hauptstadt zwar natürlich etwas weiter angelegt als europäische Altstadtgassen. Doch wirklich frei laufen lässt es sich mit viertausend anderen auf zwei Fahrspuren halt auch nicht. Und der überraschte Zeitungsausträger, der bei seiner morgendlichen Arbeit mit dem Moped in die Läufermasse gerät, hat ziemliche Mühe durch sie hindurch und auf der andern Seite wieder heraus zu kommen.

Natürlich wird es dann auch an der ersten, nach ungefähr drei Kilometern aufgebauten Verpflegungsstelle ein wenig eng. Doch man nimmt Rücksicht, auch dabei wird nicht gedrängelt, fallen keine bösen Worte. Es gibt ja unterwegs noch etliche weitere. Insgesamt sechs mit wie üblich in Südafrika Wasser und Cola ausgestattete Versorgungsposten werden die Marathonis auf jeder ihrer beiden Schleifen passieren. Alle drei bis vier Kilometer bekommt man auch in Pretoria Flüssigkeitsnachschub.

Auf dem letzten Kilometer

Stetig führt der Kurs nun bergauf. Es gilt einen der Hügel, die den Stadtkern umgeben, zu erklimmen. Immer, wenn man glaubt, nun wäre man endlich oben und es würde etwas flacher, folgt hinter dem nächsten kleinen Bogen, den das Sträßchen schlägt, um sich dem Hang anzupassen, eine weitere Steigung.

Wer genau hinsieht, wird im Vorbeilaufen vor dem einen oder anderen Haus eine Fahne entdecken, die so gar nicht mit der südafrikanischen zu tun hat. Und in der Regel sind an den Eingängen dann auch noch Metalltafeln mit irgendwelchen Wappen angebracht. Es sind Botschaften, die sich in dieser Gegend – eine der besten der ganzen Stadt – ballen.

Die verteilten Hauptstadtaufgaben in Südafrika bringen für das Ausland natürlich auch gewisse Probleme mit sich. Denn am Parlamentssitz in Kapstadt muss man schließlich ebenfalls präsent sein. Und so unterhalten die meisten Staaten dann auch neben ihrer Vertretung in Pretoria zumindest eine Zweigstelle in Cape Town.

Das ist ein Argument, das die Befürworter eines Umzuges der Legislative vom Kap ins Highveld genannte Hochland gerne vorbringen. Auch die südafrikanischen Minister und hohe Beamte seien aufgrund der Aufteilung zu ständigen Reisen gezwungen. Gerade der regierende ANC drängt auf eine Konzentrierung aller politischen Organe in Pretoria.

Doch muss sich die mit einer satten Mehrheit herrschende Partei deswegen auch den Vorwurf gefallen lassen, das ansonsten fünfzehnhundert Kilometer weit entfernte Parlament damit wesentlich enger an die Kandare nehmen zu wollen. Jedenfalls ist die Hauptstadtfrage noch lange nicht endgültig geklärt. Und in Südafrika wird die Debatte um mehr Föderalismus oder mehr Zentralismus wohl eine ganze Zeit lang weiter geführt werden.

Nicht nur die Botschaften sondern auch alle anderen Häuser sind von hohen Mauern oder Zäunen umgeben. Denn wie in allen großen Städten liegt auch in Pretoria die Zahl der Gewaltverbrechen deutlich über dem ohnehin schon recht hohen Landesdurchschnitt. Einbrüche und Raubüberfälle sind nahezu an der Tagesordnung. Und nur wenige Länder, in denen Polizeistatistiken geführt werden, haben ähnlich hohe Raten bei Körperverletzungs- oder Tötungsdelikten.

Natürlich ist das ein Resultat der sozialen Gegensätze und der extremen Ungleichheit in der Verteilung des durchaus vorhandenen Reichtums. Die größte Kluft wird durch eine langsam entstehende schwarze Mittel- und auch Oberschicht zwar geschlossen. Doch ist die nun ihrerseits ebenfalls das Opfer von Verbrechen. Längst stellt das Ganze keine reine Frage der Hautfarbe mehr dar.

Die Regierung versucht die schlimmsten Auswüchse zu verhindern. So sollen zum Beispiel durch Wohnungsbauprogramme den Bewohnern der Elendssiedlungen aus Wellblech am Rande der Städte ein festes Dach über dem Kopf verschafft werden. Schon für mehrere Millionen Südafrikaner wurden dabei zumindest kleine Häuser und Wohnungen gebaut.

Doch zum einen kommen da nicht immer diejenigen, die es wirklich benötigen würden, in den Genuss. So manche Warteliste wird von den für die Verteilung Zuständigen auch einmal zugunsten von Familienangehörigen oder Freunden manipuliert. Und auch über die Zahlen der wirklich erstellten Wohneinheiten, gibt es bei Regierung und Opposition durchaus andere Ansichten. „Housing“ ist ein wichtiges Thema im aktuellen Wahlkampf.

Auf dem letzten Kilometer

Und außerdem können die neuen Häuser gar nicht so schnell gebaut werden, wie aus den Anrainerstaaten immer neue Menschen in das für sie „gelobte Land“ nachströmen. Insbesondere im bitterarmen Zimbabwe, das vor kurzem erst versucht hat, eine Milliardenhilfe von Südafrika zu erbitten – man könnte auch sagen „zu erpressen“ – sehen viele ihre Zukunft beim für afrikanische Verhältnisse enorm wohlhabenden Nachbarn.

Gerade in der Provinz Gauteng rund um Johannesburg und Pretoria ballen sich die Gegensätze und Probleme. Auf nicht einmal zwei Prozent der Landfläche – was in etwa der Größe Thüringens entspricht – leben fast ein Viertel der Bevölkerung, nämlich über zehn Millionen Menschen.

Und in ihrem Zentrum sind Übergänge zwischen den einzelnen Städten kaum noch zu erkennen. Fast nahtlos sind sie manchmal miteinander verwachsen. Auf der Fahrt von Johannesburg nach Pretoria rollt man praktisch überhaupt nicht mehr durch unbebautes Gelände.

In dieser Region schlägt das Herz der südafrikanischen Wirtschaft. Überall schießen neue Gewerbegebiete aus dem Boden, die in ihrem Aussehen genauso gut in Europa oder Nordamerika stehen könnten. Und auf nahezu jedem Hügel entstehen neue Villenviertel. „There is a lot of money in this country“, äußert eine Südafrikanerin auf die Frage, ob die Nation sich das denn angesichts all ihrer Probleme überhaupt leisten könne.

Doch dieser Boom wirkt halt auch wie ein Magnet auf diejenigen, die nicht an ihm teilhaben können. Also strömen die Massen der Besitzlosen und Arbeitssuchenden nach Gauteng. Mit den daraus resultierenden Ergebnis, dass so mancher das, was er auf legalem Weg einfach nicht bekommen kann, auf einem anderen zu erlangen versucht.

Dabei gibt es durchaus Unterschiede. Und zwar auch in der Wahrnehmung. Denn während man im definitiv ziemlich kriminalitätsbelasteten Johannesburg geraten bekommt, für einen Innenstadtbummel lieber nach Pretoria zu fahren, weil es dort eigentlich sicher wäre und man wenig zu befürchten hätte, rümpft man in den von Verbrechen weitgehend verschonten Kleinstädten im weiten Land schon die Nase, wenn der Name der Hauptstadt fällt. Auch dort wäre es „unsave“. Ganz so schlimm kann es aber nicht sein. Denn noch im Jahr 2005 wurde Pretoria von einer internationalen Jury zur lebenswertesten Stadt der Welt in seiner Größenklasse gemacht.

Als Ergebnis dieser Entwicklungen ziehen jedenfalls immer mehr Wohlhabende in gut überwachte Siedlungen und neu erbaute Vororte vor den Toren der Städte, wo man zwar in großen Häusern mit mindestens europäischem Standard, aber eben auch hinter Mauern lebt. Es sind eigentlich goldene Gefängnisse, in denen man zwar meist ein – nahezu immer schwarzes – Hausmädchen und einen – ebenfalls schwarzen – Gärtner hat, die man aber ohne die Fernbedienung für das mindestens mannshohe Rolltor weder betreten noch verlassen kann.

Private Sicherheitsdienste sind definitiv eine der Wachstumsbranchen des Landes. An fast allen Häusern der besseren Viertel sind Schilder der Art „dieses Grundstück wird von XYZ bewacht“ angebracht. Und wie zur Bestätigung fährt ein Wagen einer dieser Firmen nach einigen Kilometern nicht gerade langsam mitten durchs Marathonfeld. Ob da ein Alarm ausgelöst wurde oder ob die Wachleute nach ihrer Nachtschicht einfach nur so schnell wie möglich nach Hause wollen, bleibt allerdings unklar.

Auf dem letzten Kilometer

Damit muss man bei südafrikanischen Marathons leben. Die Kurse sind halt nicht für Verkehr gesperrt. Ab und zu rollt eben auch einmal ein Fahrzeug auf der Strecke. Zwar sind selbst auf dem Stadtkurs von Pretoria nahezu alle Kreuzungen von Ordnern der Phobians und die Hauptrouten zudem noch von Polizei abgesichert, die Autofahrer bitten, doch nicht unbedingt diese Straße zu nehmen. Absolut verhindern können und verbieten dürfen sie es nicht.

Auch deshalb – nämlich um allzu große Behinderungen des Autoverkehrs durch die Läufer und ebenso allzu große Behinderung der Läufer durch den Verkehr zu vermeiden – führt der Pretoria Marathon hauptsächlich über Seitenstraßen. Und deshalb wurde er in seiner immerhin auch schon dreieinhalb Jahrzehnte umfassenden Geschichte bereits mehrfach komplett umgestaltet. Den aktuellen Kurs nimmt man erst seit 2002 unter die Füße.

Mit Kilometer fünf ist die lang gezogene Steigung, die schon am Anfang des Rennens ordentlich Kraft aus den Beinen gezogen hatte, erst einmal vorbei. Es geht zum Verschnaufen sogar einen kleinen Moment etwas bergab. Doch die Freude hält nicht allzu lange an.

Oben auf dem Kamm des kleinen Höhenzuges verlässt die Straße bewohntes Gebiet. Man läuft in offenes Gelände hinaus. Doch obwohl sich im Tal unten Pretoria erahnen lässt, hat man dennoch keineswegs gute Sicht. Nebelschwaden ziehen durch das Läuferfeld. Sie haben sich aufgrund der großen Nässe im Boden entwickelt und ersetzen die drückende Schwüle, die den Anstieg hier herauf gleich doppelt so schwer erscheinen ließ.

Es wird auch merklich kühler. Denn nicht nur der Nebel auch ein wenig Wind ist zu spüren. Zum Laufen wären das eigentlich gar keine schlechten Bedingungen. Doch dummerweise kann man nun trotz der kleinen Haken, die von der Straße auch weiterhin geschlagen werden, sehen, wo es denn hingeht. Und dieser Anblick ist weniger schön. Denn da vorne ist eine noch einmal etwa fünfzig Meter höher gelegene Kuppe mit einem Sendemast zu erkennen, auf die sich eine lange Läuferkette in großen Bogen hinaufzieht.

Kurz nach Kilometer sieben ist dann aber tatsächlich der höchste Punkt der Strecke erreicht. In einem ziemlich engen „S“ geht es auf der anderen Seite es Hügels hinunter. Warum man allerdings nun genau an dieser Stelle eine Serpentine gebaut hat, wird nicht so ganz klar. So viel steiler wie bisher ist das Gelände nämlich überhaupt nicht. Wer geglaubt hat, es auf den beiden Kehren einfach rollen lassen zu können, irrt. Ein wenig Druck muss man trotz Gefälle auch weiterhin machen. Und allzu lange hält das auch nicht an. Bereits bei Kilometer acht zeigt das Profil wieder nach oben.

Ein völlig unerwartetes Geräusch jagt eine ziemliche Gänsehaut über den Rücken. Da sendet doch mitten in Afrika tatsächlich ein Dudelsack seinen klagenden Ton durch den Nebel. Am Ende der Steigung wartet dann sogar nicht nur einer davon auf die Läufer, sondern gleich eine ganze Kapelle.

Auf dem letzten Kilometer

Britische Tradition gibt es anscheinend an jeder Ecke des einstigen Weltreiches. Ein bisschen Ironie ist es aber schon, dass die Pipes and Drums ausgerechnet an diesem Punkt aufspielen. Denn direkt oberhalb von ihnen liegt Fort Klapperkop, eine einst mit deutscher Hilfe errichtete Befestigungsanlage, mit der die Briten im Burenkrieg von der Eroberung Pretorias abgehalten werden sollten.

Doch als diese anrückten waren die Besatzungen längst abgezogen worden. Die Hauptstadt der Republik Transvaal wurde ohne jeden Kampf vom Empire eingenommen. Heute ist das aus diesem Grund gut erhaltene Fort ein südafrikanisches Nationaldenkmal und wird als Militärmuseum genutzt.

Mit der – selbstverständlich an exponierter Stelle errichteten – Festung hat man dann aber wirklich das Ende des Höhenrückens erreicht. Das Sträßchen beginnt sich erst langsam, dann immer stärker zu senken. Auf den nächsten Kilometern verliert man nahezu alle gewonnenen Meter wieder.

Dafür bleibt die Strecke jedoch nicht nur auf der schmalen, unbefahrenen Zufahrtsstraße zum Fort. Ziemlich genau dort, wo für die Halbmarathonis die Halbzeitmarke erreicht ist, ihre Kollegen von der Langstrecke also ein Viertel der Distanz hinter sich haben, mündet diese auf eine autobahnähnlich ausgebaute Hauptroute. Und dieser folgt nun auch der Marathonkurs für einen guten Kilometer.

Was sich im ersten Moment enorm gefährlich anhört, ist es in Wahrheit gar nicht. Denn zum einen ist um diese frühe Uhrzeit noch nicht wirklich viel los auf dem Asphalt. Und zum anderen läuft man auf einem breiten Seitenstreifen rechts dem wenigen Verkehr entgegen.

Wer sich dabei dennoch etwas unwohl fühlt, hat am Fountain Circle das Schlimmste überstanden, selbst wenn es noch einen weiteren Kilometer neben einer Hauptverkehrsstraße weiter geht. Am großen, in der Mitte mit einem riesigen Springbrunnen versehenen Kreisel ist es allerdings dann auch wieder vorbei mit dem lockeren Bergablaufen. Eine kleine Welle gibt einen Vorgeschmack auf das, was die zweite Hälfte des Kurses noch an Höhenunterschieden zu bieten hat.

Hinter dem Kreisverkehr erhebt sich der klobige Bau der University of South Africa. Das wie ein gestrandeter Ozeanriese wirkende Gebäude ist zwar der wichtigste Campus der Hochschule, doch der Hauptteil der Studenten lernt trotzdem woanders. Sie lernen nämlich zu Hause. Mit rund zweihunderttausend Eingeschriebenen handelt es sich um eine der größten Fernuniversitäten der Welt.

Dreizehn Kilometer sind zurückgelegt, als der Kurs die Hauptstraße, der man schon die ganze Zeit folgte, diagonal quert, um nach einigen hundert Metern auf den gegenüber liegenden Trottoir links in eine Seitenstraße zu verschwinden. Schwerstarbeit für die hier „Marshals“ genannten Streckenposten und die dringend benötigten Polizisten ist angesagt.

"Thank you, Marshal"

Sie versuchen jede noch so kleine Lücke zwischen den noch immer dichten Gruppen zu erspähen und einige der sich aufstauenden Fahrzeuge hindurch zu bugsieren. Mal werden die Läufer vor, mal hinter den Autos vorbei gewinkt. Was in Südeuropa gigantische Hupkonzerte und wüste Beschimpfungen für Marathonis und Helfer erzeugen würde, nimmt man in Südafrika jedoch halbwegs gelassen hin.

Dennoch fällt von einigen der Vorbeieilenden sehr wohl gelegentlich ein „Thank you, Marshal“. Es ist nicht das einzige Mal, dass man solche Dinge unterwegs hört. Wohl auch eine Eigenheit der südafrikanischen Laufszene, in der man sich durchaus noch bewusst ist, welche Mühe es macht, so eine Veranstaltung abzuwickeln, und sich nicht in immer weiter ausuferndes Anspruchsdenken verrennt. „Das ist doch normal, ich habe ja dafür bezahlt“, gibt es hier nicht. Vielleicht auch, weil viele selbst bei den Rennen ihrer eigenen Vereine in die Organisation eingebunden sind.

Und vermutlich ist es auch bezeichnend, dass auf der Homepage des Phobians Club von der Organisationsleitung eine lange Lobeshymne auf all die freiwilligen und „dazu gedrängten“ Helfer veröffentlicht ist, die trotz Hunger, Durst und Müdigkeit stundenlang die Läufer weiter angefeuert hätten. Manche Dinge sind eben doch nicht selbstverständlich.

Ein Fußgängerweg mit nur einem kleinen Durchlass, mit dem zwei der belaufenen Straßen verknüpft werden und an dem es gelegentlich auch einmal etwas stockt, wäre anderswo vielleicht auch ein Diskussionspunkt. Ein viertausendköpfiges Feld, das gerade einmal vierzehn Kilometer zum entzerren hatte, durch so ein Nadelöhr zu bekommen, ist schon eine Herausforderung. Es funktioniert. Und niemand regt sich darüber auf.

Ein weiterer meist mehr oder weniger bergauf führender Kilometer ist zurück gelegt und gerade einmal wieder eine kurze Gehwegpassage zu absolvieren, als die Flagge des an dieser Ecke postierten Helfers scharf nach rechts zeigt. Was man da zu sehen bekommt, lässt auch das letzte Lächeln aus dem Gesicht entschwinden. Eine kurze, aber wirklich ziemlich heftige Rampe mit Steigungsgraden hart an die zwanzig Prozent gilt es zu erklimmen.

Es ist der Eingang zum Parkgelände der Pretoria Boys High School, einer gebührenpflichtigen Eliteschule für Jungen. Und die Schulkappelle, von der die Marathonis am Ende der Steigung empfangen werden, erweckt mit Blazer und Käppi schon irgendwie den Eindruck, man sei im England der Jahrhundertwende gelandet. Und zwar der vorletzten, der vom Neunzehnten ins Zwanzigste Jahrhundert. Auch das neoklassizistische Schulgebäude aus rotem Backstein, vor denen die nächste Tränke aufgebaut ist, passt da absolut perfekt.

Straßenüberquerung bei fließendem Verkehr

Auf der anderen Seite des Parks gehen zumindest die Halbmarathonläufer, dann tatsächlich langsam in den Endspurt. Nur noch vier Kilometer haben sie vor sich. Die Hälfte davon wird nun wieder in einer jener kerzengeraden Wohnstraßen absolviert, wie man sie aus der Anfangsphase schon kennt.

Sie ist von Bäumen gesäumt, eine regelrechte Allee. Auch das ist nicht unüblich. Die meisten Straßen in den durchlaufenen Vierteln Waterkloof, Groenkloof und Brooklyn sehen so aus. Es sind in der Regel Jacaranda-Bäume, die im Frühjahr – und das ist in Pretoria der Oktober – die Stadt in ein violettes Blütenmeer tauchen. Es sind übrigens Pflanzen, die ursprünglich aus Lateinamerika stammen. Die afrikanischen Bäume waren den Stadtvätern wohl nicht farbenfroh genug.

Etwa auf der Hälfte dieser langen Gerade teilen sich die Strecken. Doch sie treffen an der gleichen Stelle auch zusammen. Denn dort, wo der Marathonkurs zu seiner zweiten Runde abbiegt, stößt der des Zehners hinzu. Eigentlich ist es eine ziemlich clevere Lösung, die Marathonis in Gegenrichtung auf jenem Teilstück der zehn Kilometer laufen zu lassen, mit dem diese die große Runde abkürzen.

Denn zum einen spart man sich damit doch einige Streckenposten. Und zum anderen kommt auch keiner der Langstreckler zu sehr in Zielnähe, um vielleicht doch ins Wackeln zu geraten und sein Rennen schon nach einer Runde zu beenden. Das ist aufgrund des gemeinsamen Starts zwar durchaus möglich.

Aber in der Ausschreibung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass niemand, der für eine längere Strecke gemeldet hat und dann doch kürzer läuft, einen Preis für seine Platzierung erhält. Eine saubere Regelung, die jede Verzerrung des Wettkampfes an der Spitze durch ein eventuelles kurzfristiges Umschwenken auf eine andere Distanz verhindert.

Was für die Schnellsten aus dem Marathonfeld noch etwas Gegenverkehr bedeutet, lässt die Halbmarathonis voll in den Schwanz des Zehners hinein knallen. Die Spitze des Rennens über 21 Kilometer rollt dort sogar noch das komplette Mittelfeld auf. Denn nimmt man die gleichzeitig gestarteten Walker noch mit dazu, kommen dort nicht einmal ein Drittel der Teilnehmer unter einer Stunde an.

Keine dreihundert Zehn-Kilometer-Läufer sind im Ziel, als bereits Tiisetso Ramokheseng nach 1:07:10 als erster Halbmarathoni herein stürmt. Der Vierundzwanzigjährige hat auf der Strecke immerhin dreißig Sekunden auf den ein Jahr jüngeren Mike Tebulo herausgeholt, der für das Sportteam der Universität von Pretoria – die zweite große Hochschule der Stadt – unterwegs ist. Matthews Nkoana folgt mit 1:08:27 auf Rang drei. Und auch Sipho Ncube und David Checha bleiben mit 1:09:21 und 1:09:36 trotz nun wirklich nicht leichter Strecke und einfachen klimatischen Bedingungen noch klar unter der Siebzig-Minuten-Marke.

Die ursprünglich aus Lesotho stammende Moleboheng Mafata, die auf Gesamtrang achtundzwanzig als schnellste Frau in 1:24:59 einläuft, sorgt damit für eine Doppelsieg des Werksteams von Toyota. Denn Herrensieger Ramokheseng startet ebenfalls im Trikot des japanischen Autobauers.

Auf dem letzten Kilometer

Auch im Frauenrennen ist die Leistungsdichte durchaus hoch, allerdings vielleicht dann doch nicht ganz auf dem Niveau der Herren. Mucahnetta Gwata aus dem Rennstall der Bekleidungskette „Mr. Price“ legt als Zweite jedenfalls eine 1:26:05 hin. Ihre Teamkollegin Chiyedsa Chokore belegt in 1:29:06 dazu noch Platz vier. Dazwischen schiebt sich mit 1:28:13 noch Renate Dreyer.

Den Zehner gewinnt Olebogeng Masire in 30:23. Allerdings nur hauchdünn, denn nur eine Sekunde später hat der Zeitnehmer bereits zum zweiten Mal auf den Knopf gedrückt. Der Name Kipkorir deutet schon darauf hin, dass es sich beim Unterlegenen um einen Kenianer handelt. Er ist als Student der Universität von Pretoria ebenfalls für das dortige Leichtathletikteam aktiv. Gut drei Sekunden pro Kilometer hat sich Lucky Miya im Schnitt auf den Sieger eingefangen. Aber auch seine 30:57 sind angesichts der Strecke, die zwar bei weitem nicht so schwer wie die des Marathons aber eben dennoch keine Rekordpiste ist, aller Ehren wert.

Das Frauenrennen entscheidet Catherine Skosana in 37:27 vor der 38:16 benötigenden Mandiwana Ndofhiwa für sich. Die Zwanzigjährige J. Thomo, die mit 39:01 Prudence Zwane sieben Sekunden hinter sich lässt, gehört zur ersten Generation, die von der rigorosen Rassentrennung im früheren Südafrika praktisch nichts mehr persönlich mitbekommen hat.

Und wie bei den in Deutschland inzwischen längst Volljährigen, die sich nicht mehr an die Mauer erinnern, braucht man wohl diese nachwachsenden jungen Menschen, um die Teilung der Gesellschaft nicht nur formal sondern auch tatsächlich zu überwinden. In den Köpfen der Alten sind die Muster über viele Jahrzehnte wohl oft viel zu sehr eingebrannt, als dass sie einfach beiseite gewischt werden könnten.

Doch wer den lockeren, zwanglosen Umgang, den Jugendliche ganz unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe miteinander pflegen, beobachtet, sieht vielleicht doch eine Chance, dass dieses Land trotz seiner geteilten Geschichte zu einer echten Einheit werden kann. Und während man bei anderen Dingen die Hoffnung längst vollkommen aufgegeben hat, gibt es in Südafrika doch immer wieder – wenn auch kleine – positive Signale.

Während die Läufer der beiden anderen Rennen dem Ziel entgegen streben, sind die Marathonis auf dem Weg zur zweiten Schleife. Mit Kilometer 22 haben sie die altbekannte Strecke wieder erreicht. Und zwar in der Nähe der Stelle, an der in der ersten Runde das Schild mit der „3“ stand. Schnell überschlagen fehlen da also noch ungefähr zwei Kilometer, um auf die vollen 42,195 zu kommen.

Und in Südafrika kann man eigentlich davon ausgehen, dass diese auch mindestens erreicht werden. Verwässerungen in Form von Zwei-Drittel-, Drei-Viertel- oder sonstigen Light-Marathons, die sich nur des so wohlklingenden Namens bedienen, ohne auch nur annähernd etwas mit der Originaldistanz zu tun zu haben, sind hier eigentlich nicht in Mode.

Einlauf ins Sportgelände

Nur der Begriff Halbmarathon wird akzeptiert. Doch der ist ja nun auch seit fast zwei Jahrzehnten überall in der Welt absolut gebräuchlich. Ansonsten geraten am Kap Marathons halt eher einmal etwas zu lang wie der 89 Kilometer messende „Comrades Marathon“ und der 56 Kilometer umfassende „Two Oceans Marathon“ als auch international bekannte Paradebeispiele recht gut belegen.

Und die sollte man einmal gemacht haben, wenn man in Südafrika als richtiger Läufer gelten möchte. Ein Marathon, der anderswo inzwischen – völlig überzogen – als Höhepunkt einer jeden Sportlerlaufbahn, als absolute Heldentat verkauft wird, ist da meist kaum mehr als eine Durchgangsstation. Die Aussage eines Läufers am Start, der erzählt, er würde nun seinen ersten Zehner in Angriff nehmen, als Fernziel aber sofort den Comrades im nächsten Jahr nennt, ist da alles andere als untypisch.

Aufgrund der noch existierenden Vereinsstrukturen und der für die Meldung benötigten Qualifikationsleistung, ist jedoch davon auszugehen, dass er dieses Ziel sogar einigermaßen gut vorbereitet erreicht. Kommerzielle Hau-Ruck-Aktionen à la „von 0 auf 42 in zwei Monaten“ sind unüblich, selbst wenn die Laufklubs natürlich zum Teil Anfänger- und Vorbereitungsprogramme anbieten.

Auch der Pretoria Marathon ist für die meisten kaum mehr als ein Vorbereitung- oder Qualifikationsrennen. Der folgende kurze, im Vorbeilaufen aufgeschnappte Wortwechsel ist dafür vollkommen charakteristisch. „So, what you are training for?“ – „Oceans“

In der gerade einmal vier Seiten umfassenden Ausschreibung der Veranstaltung ist auch ausdrücklich vermerkt, dass man für den Two Oceans der „Last Gauteng North Qualifyer“ sei. Vier Tage später wird in Kapstadt nämlich die Anmeldung dicht gemacht.

Die Bezeichnung „North“ in Verbindung mit der Provinz Gauteng ist dabei durchaus wichtig, denn bereits am nächsten Tag werden weiter im Süden der Region noch zwei weitere Marathons veranstaltet. Die allerdings in den beiden Landesverbänden „Central Gauteng“ und „Vaal Triangle“. Denn obwohl Gauteng im Vergleich zu anderen südafrikanischen Provinzen ohnehin winzig ist, hat man es von Athletics South Africa noch einmal in drei Teile zerlegt.

Übrigens wird einer der beiden Marathons fünfhundert und der andere tausend Teilnehmer anziehen. Insgesamt gibt es in ganz Südafrika an diesem Wochenende sogar acht Rennen über 42 Kilometer. Und nur eine Woche später wird auch in Gauteng North in Akasia auf der anderen Seite von Pretoria schon wieder über diese Distanz gestartet. Dort werden es dann siebenhundert Läufer sein.

Noch einen anderen Grund gibt es für die Teilnahme. Einer der fast noch typischer für Südafrika ist. „I want to have a permanent“ sagt einer der Läufer, als er von einem anderen gefragt, warum er denn schon wieder dabei sei. Sogenannte „permanent numbers“, also Dauernummern werden bei nahezu jeder Veranstaltung für die Stammgäste vergeben.

Zehnmal muss man in der Regel dabei sein, um eine solche zu erhalten. Das wird dann mit einem kleinen Stoffaufnäher bestätigt, den viele auch auf dem Trikot spazieren tragen. Gilt man in Südafrika sowieso erst als richtiger Läufer, wenn man den Comrades und den Two Oceans hinter sich hat, sollte man, um in den „Adelsstand“ der Szene aufgenommen zu werden, mindestens von einem – am besten aber natürlich von beiden – eine „permanent“ vorzeigen können.

Kurze Crosseinlage am Sportplatzeingang

Je mehr man davon hat, um so besser. Schnelligkeit ist nicht das einzige, womit man sich die Achtung der Sportkameraden verdienen kann. Wie wohl nirgendwo sonst auf der Welt wird im südafrikanischen Laufsport Geduld, Zuverlässigkeit und Beständigkeit geschätzt und vor allem auch gewürdigt.

Die fehlenden zwei Kilometer werden mit einem Schlenker ergänzt, bei dem man eine Straße mehrere Blocks lang hinauf und die Parallelstraße gleich wieder zurück läuft. Verbunden sind sie allerdings durch einen Stich der wirklich heftigsten Art. Eine richtige Wand wächst da plötzlich vor den Läufern nach oben, als sie um die Ecke biegen.

Obwohl nur wenig mehr als hundert Meter zwischen den beiden Straßen liegen, zeigt die Karte dennoch eine volle Höhenlinie als Unterschied. Fünfundzwanzig Meter bedeutet das, und damit Steigungsgrade um die zwanzig Prozent. Darauf, dass der Marathon auf dieser Schleife auch an der deutschen Botschaft vorbei führt, hätte man angesichts dieser Rampe durchaus auch verzichten können.

Wie auch in einigen anderen durchlaufenen Straßen sitzt dort ein einsamer Sicherheitsmann in Wachhäuschen, das jenen ähnelt, die man anderenorts nur vor den Palästen irgendwelcher Königshäuser sieht. In Südafrika sind viele bessere Viertel in dieser Art beaufsichtigt.

Wer im Mittelfeld an den bisherigen Steigungen noch nicht ins Gehen gekommen ist, der tut es spätestens jetzt. Nur für ein paar Meter, denn schon nach der nächsten Linkskurve geht es wieder bergab. Doch der Damm ist damit endgültig gebrochen. Und in der Folge wird noch an vielen weiteren Anstiegen gewandert werden.

Bis zur nächsten Steigung ist es auch gar nicht weit. Denn nun gilt es wieder jenen Höhenrücken hoch über der Stadt zu erklimmen. Der Nebel hat sich verzogen, selbst wenn es wegen des durch das oben offene Gelände wehenden leichten Lüftchens dennoch weiterhin ein wenig kühler ist als in den Wohngebieten unten im Tal.

Der Blick ist diesmal frei, um die Innenstadt von Pretoria ein wenig in Augenschein nehmen zu können. Das muss man von oben tun. Denn wie meist in Südafrika macht der Marathon einen großen Bogen um den Central Business District. Von oben sieht man zwar hauptsächlich Hochhäuser. Doch die Stadt hat durchaus auch einige historische Sehenswürdigkeiten.

Gerade um den zentral gelegenen Church Square gruppieren sich einige davon um das in der Mitte stehende Denkmal Paul Kruger, der als Präsident des burischen Transvaal in Pretoria residierte. Der Justizpalast, das alte Rathaus sowie das Hauptpostamt geben dem Platz ein recht harmonisches Aussehen.

Die ein wenig abseits des Zentrums auf einer kleinen Anhöhe liegenden Union Buildings kann man sogar von oben erkennen. Lange Zeit galten sie – gerade den schwarzen Südafrikanern – als Inbegriff der Apartheid, residierten darin doch genau jene Regierungen, von denen die Rassentrennung so radikal durchgesetzt wurde. Doch dann wurde vor ihnen Nelson Mandela als Präsident vereidigt.

Auf Ehrenrunde um den Cricket Platz

Inzwischen haben auch die so lange politisch Rechtlosen das fast dreihundert Meter lange Sandsteingebäude als Staatssymbol akzeptiert. Und die Tshwane Metropolitan Municipality verwendet es sogar als Logo. Tshwane gibt es nämlich schon, denn mit einer Gebietsreform hat man ganz Gauteng in sechs große Verwaltungseinheiten geteilt.

Pretoria, Centurion und noch einige andere vorher völlig selbstständige Städte wurden zu einer einzigen Großgemeinde zusammengeführt. Diese Municipality übernimmt nun einen Großteil der kommunalen Aufgaben. Ähnlich verfährt man ja auch in Skandinavien, wo die sogenannten „Kommuner“ in der Regel eher die Ausdehnung von Landkreisen oder kleinen Bundesländern haben. Einige Orte haben ihr Stadtparlament schon aufgelöst. Pretoria hat noch eines.

Doch war es ja auch vorher bereits eine echte Metropole mit einer Million Einwohnern. Das Ganze macht deutlich, wie schwer und eigentlich sinnlos es ist, die absolute Größe einer Stadt messen zu wollen. Denn sowohl die Grenzen von Pretoria wie auch die von Tshwane sind natürlich irgendwo willkürlich gezogen. Immerhin dehnt sich die dichte, fast geschlossene Besiedlung doch über nahezu die ganze Provinz aus. Mit diesem Argument könnte man sogar Johannesburg noch eingemeinden.

Dass die neue Großgemeinde als „Capital of South Africa“ für sich Reklame machte, hat ihr eine Abmahnung des Verbandes der Werbeindustrie eingebracht. Pretoria sei schließlich nicht aufgelöst, sondern als Stadt noch immer existent und Sitz der Regierung. Und dass das Fernsehen SABC bei politischen Meldungen aus der Hauptstadt „live from Tshwane“ einblendet, sorgt auch oft für böses Blut.

Natürlich ist das voll beabsichtigt, denn der Sender ist staatlich und der regierende ANC befürwortet die Umbenennung. Doch bei SABC macht man auf naiv. Wieso die Aufregung? Die Regierungsgebäude lägen doch in der Tshwane Metropolitan Municipality. Wie schon gesagt, eigentlich sind es Kleinigkeiten, aber um solche Symbolik wird im Land auch weiterhin hart gerungen.

Noch einmal lassen die Dudelsäcke ziemlich erschauern. Noch einmal geht es an Fort Klapperkop vorbei, bevor sich die Straße wieder zur Universität hinunter senkt. Drei Viertel der Strecke hat man inzwischen geschafft und eigentlich die größten Höhenunterschiede überwunden. Doch so langsam wächst sich jede kleine Welle, jede noch so kurze Steigung zu einem Berg aus.

Im Feld wird längst fleißig gewandert, wenn es wieder einmal ein paar Meter bergauf geht. Doch immer wieder gibt es eben auch Anfeuerungen untereinander. Da werden ständig Aufmunterungen an den müde wirkenden Mitläufer verteilt. Da gibt es durchaus häufiger mal einen Klaps. „Komm mach weiter.“ Müßig zu bemerken, dass es dabei völlig egal ist, welche Hautfarbe dabei auf welche trifft.

Da werden oft auch so etwas wie Bündnisse zur gegenseitigen Unterstützung geschlossen. „Wenn du mir hilfst, helfe ich dir“. „Wir stehen das jetzt zusammen durch“. Nicht dass es das nicht anderswo auch gelegentlich gibt. Doch in Südafrika hat das schon eine spezielle Ausprägung, eine regelrechte Tradition. Man meint es nämlich ehrlich, man hält sich eben wirklich daran und vergisst es nicht gleich, wenn es wieder besser geht.

Auf Ehrenrunde um den Cricket Platz

Insbesondere während des Comrades ist es vollkommen üblich, dass man Konkurrenten nicht nur moralisch sondern im Fall der Fälle auch einmal physisch stützt. So mancher von Krämpfen geplagte Läufer wurde da schon mehr oder weniger im echten Wortsinn durch seine Begleiter ins Ziel geschleppt.

Und genau das sind die Helden, die man im Land – es gibt eine stundenlange Live-Übertragung der Veranstaltung – sehen will. Schließlich wurde der Lauf ja von ehemaligen Soldaten erfunden, um den im Ersten Weltkrieg gefallen Kameraden – was „Comrades“ übersetzt bedeutet – zu gedenken. Kameradschaft, die sich längst auch auf die südafrikanische Laufszene übertragen hat.

Es gab sogar einige Fälle, bei denen Läufer regelrecht über die Linie getragen wurden. Seit allerdings ein kurz vor dem Ziel kollabierter Läufer nach so einem Versuch, ihm trotzdem noch eine Medaille zu verschaffen, verstarb, ist das beim Comrades Marathon definitiv verboten.

An der Rampe zur Pretoria Boys’ High ist beim zweiten Mal für viele auch ein Wort der Anfeuerung nötig. Die Kapelle spielt auch nicht mehr. Vielleicht ist sie ja vor den Wespen geflüchtet, die den Helfern an der Verpflegungsstelle inzwischen das Leben schwer machen. Vielleicht sind sie aber auch nur Cricket spielen gegangen, denn auf dem weitläufigen Gelände der Schule gibt es dafür gleich mehrere Plätze, die zu diesem Zeitpunkt auch bereits alle genutzt werden.

Dieser für Mitteleuropäer einfach nur undurchschaubare und furchtbar langweilige – was allerdings auch mit dem Unverständnis zusammen hängen kann – Sport, geniest in Südafrika einen extrem hohen Stellenwert. Es gibt eine Profiliga im Land, die regelmäßig die Stadien füllt. Und über den Besuch der australischen Nationalmannschaft zu einer Serie von Mehrtagesspielen, die in ihrem Ablauf noch langatmiger sind als die inzwischen meist genutzte Kurzvariante an einem Tag, berichten die Fernsehprogramme nahezu rund um die Uhr.

Man muss aber wohl wirklich mit diesem Sport groß geworden sein, um sich dafür begeistern zu können. Und in einem Land des früheren Empire dazu. Denn wenn es einen typisch britischen Sport gibt, dann ist es Cricket. Wo sonst ist schließlich noch eine Teepause im Regelwerk vermerkt?

Fußball ist zwar auch eine britische Erfindung. Doch das versteht man nahezu überall in der Welt. Und die wird sich 2010 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika treffen. Nur wenige Meter von der Pretoria Boys’ High School entfernt – allerdings nicht an der Laufstrecke – liegt das Loftus-Versfeld-Stadium, in dem dabei auch mehrere Spiele ausgetragen werden.

Das nach dem Begründer der ersten Sportvereinigungen der Stadt benannte Stadion, in dem auch das Super-14-Rugby-Team der Pretoria Bulls antritt – findet sich mitten in der Stadt. Ob das nun für die WM etwas Positives oder etwas Negatives ist, muss sich vermutlich erst noch zeigen. Vor allen Dingen im Ausland gibt es schließlich massive Bedenken, ob es den Südafrikanern gelingt, die Sicherheitslage in den Griff zu bekommen.

Horrorszenarien von etlichen ermordeten ausländischen Fußballfans werden dort an die Wand gemalt. Aber das ist – ohne etwas beschönigen zu wollen, denn natürlich wäre das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, zum Beispiel in Skandinavien wesentlich geringer – vielleicht doch etwas zu negativ gesehen. Nicht jeder Europäer, der ins Land kommt, wird schließlich überfallen. Es ist halt einfach ein wenig mehr Vorsicht geboten.

Auch die Frage, ob die neu- und umgebauten Stadien bis zum Anpfiff auch wirklich fertig sind, wird immer wieder gestellt. Etliche der Baustellen hinken dem Zeitplan zum Teil erheblich hinterher. Und immer wieder gibt es deshalb Diskussionen darüber, ob man die WM aus diesem Grund nicht anderswo austragen sollte.

Doch auch bei den letzten Olympischen Spielen – insbesondere bei denen von Athen – wurde manches wirklich erst auf den allerletzten Drücker fertig gestellt. Die Stadien wird man wohl auch hin bekommen. Für einige der ebenfalls begonnenen oder geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur wird es allerdings nicht mehr reichen. Die neue Schnellbahn „Gautrain“ zum Beispiel, die Pretoria irgendwann mit Johannesburg und dem beide bedienenden Oliver Tambo Airport verbinden soll, wird zur WM definitiv nur auf dem Teilstück zwischen dem Flughafen und „Joburg“ rollen.

An Club tents vorbei ins Ziel

Es gibt im Hinblick auf die WM noch eine weitere Ecke, aus denen die Kritik kommt. So wird ein Elendsviertel an einer vielbefahrenen, zu einem Stadion führenden Autobahn einfach abgerissen. Die viel geäußerte Vermutung, dass dies nur geschähe, um den Touristen dieses Bild zu ersparen, ist nicht völlig abwegig. Die Chinesen haben für die Olympischen Spiele in Peking ähnliches in noch viel größeren Dimensionen durchgezogen.

Ob die vielen Milliarden, die für die Großveranstaltung ausgegeben werden, nicht viel besser genutzt werden könnten, um genau diese wild gewachsenen „Shantytowns“ mit Strom und fließendem Wasser zu versorgen, wird diskutiert. Allerdings mehr im Ausland als in Südafrika selbst. Und nimmt man das Argument wirklich ernst, dann müsste man doch eigentlich jede sportliche Großveranstaltung hinterfragen, ganz egal wo. Das Geld könnte man immer anders einsetzen.

Südafrika will diese WM. Das Land freut sich unheimlich darauf. Und zwar nicht nur die Oberschicht. Ganz im Gegenteil. Denn Fußball ist nämlich im Gegensatz zu Rugby und Cricket eine Sportart, die eher in der schwarzen Bevölkerungsmehrheit ihre Verwurzelung und Anhängerschaft hat. Die beiden bekanntesten – und vermutlich auch beliebtesten – Mannschaften, die Kaizer Chiefs und die Orlando Pirates stammen bezeichnenderweise aus Soweto.

Zwei Fragen werden Ausländern oft gestellt. Die erste lautet, wie es einem in Südafrika denn gefällt. Und kaum hat man darauf halbwegs positiv geantwortet, kommt sofort hinterher: „Dann kommst du 2010 zur WM doch sicher wieder?“ Wobei das manchmal eher eine Aufforderung, eine Bitte ist als eine Frage. Man will nicht nur die WM, man will auch die Welt dabei zu Gast haben.

Und vermutlich braucht das Land die Weltmeisterschaft auch, viel nötiger als irgend ein Staat in Europa. Denn ganz egal, was es auch kosten mag, durch dieses Ereignis wird Südafrika wohl ein Stück weiter zusammen wachsen. Und wenn es denn einigermaßen funktioniert mit der WM, wird man dadurch auch viel Schwung für eine weitere positive Entwicklung aufnehmen können. Man sollte der Regenbogennation am Kap diese Chance einfach geben.

Beim zweiten Mal dürfen nun auch die Marathonis am Abzweig weiter geradeaus laufen. Doch auch auf den letzten drei Kilometern machen immer neue kleine Wellen das Rennen schwer. Und selbst wenn man es schafft, an all diesen Anstiegen im Laufschritt zu bleiben, dann kann es immer noch passieren, dass einer der „race marshals“ für eine kurze Zwangspause sorgt.

An Club tents vorbei ins Ziel

Denn zum Sportgelände und damit zum Ziel müssen noch zwei inzwischen doch ziemlich befahrene Hauptstraßen überquert werden. Die Helfer geben zwar ihr bestes, um alle Läufer gut durch den Verkehr zu bekommen. Doch manchmal muss eben doch einmal einer gestoppt werden, damit sich die lange Reihe aufgestauter Wagen ein klein wenig verkürzen kann.

Ein wahrlich nicht leichter Job ist das. Ganz egal, wen man aufhält, ob Autofahrer oder Marathoni, wirklich froh darüber ist natürlich niemand. Gerade für die Streckenposten an diesen kritischen Kreuzungen ist das oben erwähnte „Dankeschön“ voll und ganz gerechtfertigt. Doch ohnehin akzeptieren die meisten Läufer ihre kurze Zwangspause ohne großes Murren. Auch hier zeigen sich wohl die Besonderheiten der südafrikanischen Laufkultur.

Dazu gehört ebenfalls, dass die Rennen nahezu immer irgendwo auf einem Sportgelände enden. Nicht auf einer Laufbahn sondern mitten auf dem Rasen. Das ist im Hofmeyer Park von Pretoria auch nicht anders. Eigentlich wird auf der weiten Grasfläche, auf der die Marathonis ins Ziel kommen, Cricket gespielt. Nun ist auf ihr eine ganz große Runde abgesteckt, die den Weg zur Linie noch um einige hundert Meter verlängert.

Doch natürlich stimmt die Distanz, selbst wenn sie sich im Mittel- und Hinterfeld für viele deutlich zu lang anfühlt. Dass sie das ganz sicher nicht ist, zeigt die Zeit von Sieger Michael Msini, der sich im Schlussspurt nach 2:28:48 mit einer Sekunde Vorsprung vor dem aus Zimbabwe stammenden Herbert Chokera durchsetzen kann.

Auch der Dritte Phalane Othaniel bleibt mit 2:29:36 auf der schweren Strecke noch unter zweieinhalb Stunden. Ein wirklich beachtliches Niveau, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Siegprämie von 1500 Rand – umgerechnet 120 Euro – wohl kaum ausreicht, um damit ein Leben als Profiläufer zu finanzieren. Othaniel nimmt für seine Leistung gerade noch 500 Rand mit nach Hause.

Riana van Niekerk beeindruckt mit ihren 2:57:59 als Frauensiegerin ebenfalls. Doch während bei den Herren die ersten drei Plätze innerhalb einer Minute vergeben waren, dauert es bei den Damen deren zwanzig. Bis Leslie van der Merwe in 3:10:28 als Zweite einläuft, sind bereits gute zwölf vergangen. Und die wie ihr Landsmann Chokera und Siegerin van Niekerk für das Team von „Mr Price“ startende Zimbabwerin Rabia Filima hat die Schlussschleife dann nach 3:17:13 beendet.

Dabei hat sie eine halbe Zeltstadt bestehend aus Pavillons der Laufvereine im Innenraum umrundet. „Club tents are welcome“ sagt die Ausschreibung. Da nahezu jedes Team mindestens eins davon hat, werden diese dann auch fleißig aufgebaut. Dort trifft man sich dann nach dem Rennen. Die einzige Farbe, die dabei zählt, ist die des Trikots. Und in vielen Fällen wird dann auch gleich der Grill angeworfen.

Das was in Amerika „Barbeque“ heißt, wird in Südafrika „Braai“ genannt und ist fester Bestandteil der Alltagskultur des Landes. Grillen gehört bei einem Treffen mit Freunden einfach dazu. Selbst an einer der Verpflegungsstellen unterwegs war früh am Morgen ja schon der Grill für die Helfer angeworfen.

Dass die Teilnehmer ihr eigenes Essen und Trinken mitbringen und dass dies durch die Genehmigung zum Zeltaufbau dann auch noch unterstützt wird, wäre in Deutschland wohl ziemlich undenkbar. Denn die Einnahmen durch den Verkauf sind für kleine und mittlere Läufe, die noch in Vereinshand sind, ja fest zur Aufbesserung der Clubkasse eingeplant.

Zieleinlauf An Club tents vorbei ins Ziel "pemanent number"

Und kommerzielle Großveranstalter kämen schon überhaupt nicht auf den Gedanken, sich auch noch darum zu kümmern, dass ausreichend Platz für irgendwelche Zelte oder Pavillons vorhanden ist. Beim Two Oceans mit seinen zwanzigtausend Teilnehmern – neben dem Ultra gibt es dort noch einen genauso großen Halbmarathon – ist das völlig normal. Die Liste der Vereine, die – gegen einen kleinen zusätzlichen Obolus – im Zielgelände aufbauen dürfen, kann man sich sogar im Internet ansehen.

Vieles ist anders in der südafrikanischen Laufszene. Räumliche und auch jahrzehntelange politische Isolation haben zu Entwicklungen geführt, die so ganz anders sind, als man es von zu Hause gewohnt ist. Es herrscht in vielem schon eine einzigartige Atmosphäre, ein ganz spezieller „South African running spirit“. Das gilt für den Vergleich mit Läufen in anderen Ländern.

Aber es gilt eben auch verglichen mit der Situation, wie sie in anderen Bereichen in Südafrika herrscht. Der zwanglose Umgang zwischen allen Schichten und Rassen, den man dabei erlebt, gibt vielleicht doch ein bisschen Zuversicht, dass Südafrika es schaffen könnte, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Im Laufbereich existiert definitiv nur eine südafrikanische Gesellschaft. Vielleicht kommt diese in anderen Bereichen ja auch bald.

Aus den Lautsprechern im Stadion schallen perfekt passend übrigens Lieder von Johnny Clegg. Ein in Südafrika aufgewachsener, gebürtiger Brite, der schon früh anfing, die traditionellen afrikanischen Rhythmen mit westlichen Stilen zu vermischen. Dabei herausgekommen ist eine recht gelungene Verbindung, eine wirklich südafrikanische Musik.

Ein bisschen mit Nationalstolz hat das natürlich zu tun, dass sie ertönt. Denn den hat man anscheinend schon, ganz egal welche Hautfarbe und Herkunft. Südafrikaner zeigen jedenfalls gerne ihre Nationalfarben, vor allem auch im Ausland. Und im Land gefertigte Artikel tragen neben der üblichen Herkunftsbezeichnung meist noch eine kleine Ergänzung. Dort steht nämlich oft: „Proudly made in South Africa“.

Teil 1 der Südafrika-Trilogie: Bloemfontein Marathon klick HIER
Teil 2: Peninsula Marathon Kapstadt klick HIER

Weitere REISEN+LAUFEN-Beiträge über Südafrika:
Johannesburg Marathon klick HIER
Kapstadt Two Oceans Marathon klick HIER

Bericht und Fotos von Ralf Klink

Ergebnisse unter www.raceresults.co.za/results.htm

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