2.11.14 - 11. Maratona do Porto

Lauf- und Genuss-Reise in Portugals Norden

Äthiopischer Doppelerfolg beim Marathon durch Serbessa und Mekonen

Portugiesen zweimal auf Rang zwei - Kenianer zweimal auf Drei

von Axel Künkeler

Beim 11. Porto Marathon am ersten November-Sonntag gab es einen äthiopischen Doppel-Erfolg. Bei den Männern gewann Workneh Fikre Serbessa in 2:13:10 Stunden, während seine Landsfrau Marta Tigabea Mekonen in 2:31:54h als Gesamt-11. die weibliche Konkurrenz klar dominierte. Auf Rang zwei kamen jeweils Portugiesen ins Ziel: Rui Pedro Silva in 2:13:54h nur knapp hinter Serbessa bei den Männern und Luisa Oliveira (2:40:33h) deutlich abgeschlagen bei den Frauen. Die beiden Podeste wurde komplettiert durch zwei Läufer aus Kenia: bei den Männern Gaikarira Moses Mbugua (2:14:34h) und bei den Frauen Abigael Jelagat Toroitich (2:44:45h).

Postkarten-Motiv von Porto Lauf-Motiv kurz nach dem Start des 11. Maratona do Porto
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Während sich Frauen-Siegerin Mekonen früh von ihrer Konkurrenz absetzte, ihren Vorsprung bis ins Ziel kontinuierlich auf nahezu zehn Minuten ausbaute, bildete sich bei den Männern auf den ersten Kilometern zunächst eine 12-köpfige Führungsgruppe, die die Pace machte. Auch ihr Vorsprung zu den Verfolgern wuchs von Kilometer zu Kilometer. Doch nicht alle konnten das hohe Tempo mitgehen. Bei KM 25 hatte sich die Gruppe bereits auf fünf Läufer dezimiert. Hie und da gab es nun Attacken, die zu Positionswechseln an der Spitze führten.

Auf den ersten Kilometern bildete sich eine 12-köpfige Spitzen-Gruppe Auf der Avenida Boavista ging es Richtung Atlantik

Doch zunächst konnte sich keiner entscheidend absetzen. Erst auf den letzten Kilometern fiel die Entscheidung zugunsten des Äthiopiers Serbessa, der 44 Sekunden vor dem Portugiesen Silva ins Ziel lief. Weitere 40 Sekunden danach folgte der Kenianer Mbugua. Erst dahinter tat sich eine größere Lücke auf, bevor weitere drei Minuten später mit John Kariuki Macharia in 2:17:32h ein weiterer Kenianer folgte. Der zweite Äthiopier Biruk Kebede Kekeba (2:23:20h) als Fünfter vor fünf weiteren Portugiesen in den TopTen hatte sogar schon zehn Minuten Rückstand auf seinen siegreichen Landsmann.

Bei KM 26 liegen Sieger Workneh Serbessa (vorne) und Rui Pedro Silva (dahinter) dicht zusammen. Silva wird 2. und John Macharia (Kenia) kommt als vierter ins Ziel Carlos Costa (links) und Heitor Oliveira (333) liegen bei KM 14 gleichauf. Im Ziel hat Costa als 6. fast zwei Minuten Vorsprung vor Oliveira (7.) Gaikarira Moses Mbugua (links) wird Dritter

Portugiesischer Landesrekord bei den Frauen - aber in New York
So groß war fast der Abstand der Frauen-Siegerin Mekonen auf die Zweit-Platzierte. Gerademal zehn Männer waren im Ziel als Mekonen in 2:31:54h finishte. Eng wäre es für Mekonen wohl nur geworden, wenn die frühere portugiesische Hindernisläuferin Sara Moreira in ihrer Heimat gestartet wäre. Doch am gleichen Tag des Porto-Marathons lief Moreira in New York, wo sie in 2:26:00h als Dritte einen neuen portugiesischen Landesrekord aufstellte. So war es in Porto die Aufgabe ihrer Landsfrau Luisa Oliveira (2:40:33h) als Zweiter die portugiesischen Nationalfarben hoch zu halten. Erst gut vier Minuten danach finishte die Kenianerin Toroitich als dritte Frau.

Die Äthioperin Marta Tigabea Mekonen läuft mit großem Abstand dem Sieg entgegen Zweite Frau wird die Portugiesin Luisa Oliveira Die Kenianerin Abigael Jelagat Toroitich kommt als dritte Frau ins Ziel

Hinter dem Frauen-Podest folgten gleich sechs weitere Portugiesinnen, bevor die Italienerin Cinzia Besseghini (3:12:38h) die TopTen der Frauen komplettierte. Die besten Platzierungen aus deutscher Sicht erreichten Bino Mild und Martina Schneider. Während Mild in 3:06:45h bei den Männern 271. und 69. der M35 wurde, erreichte Schneider in 3:22:39h Rang 21 bei den Frauen und wurde damit 12. der stark besetzten W40.

Mit Rosa Madureira (32) folgt die nächste Portugiesin auf Rang 4 Fünfte wird mit Joana Nunes eine weitere Portugiesin

Neuer Finisher-Rekord in Porto: 4.000er Marke geknackt
Insgesamt nahmen jedoch erstaunlich wenig deutsche Läufer und Läuferinnen am 11. Porto Marathon teil. Gerade mal 43 Finisher aus Deutschland, nur rund ein Prozent verzeichnet die Ergebnisliste. Porto hat man hierzulande offenbar noch nicht auf dem Radar. Kein einziger deutscher Laufreise-Veranstalter bietet bislang eine Laufreise nach Porto an, obwohl die Portuenser zu Recht darauf verweisen, dass der Porto Marathon der größte und schnellste Marathon in Portugal ist und die zweitgrößte Stadt des Landes am südwestlichsten Zipfel Europas auch in der Attraktivität den Vergleich mit der Landeshauptstadt Lissabon nicht zu scheuen braucht.

In der Nähe des Pavillon Rosa Mota befindet sich das Start-Areal Volunteer und Maskottchen - eine fröhliche Stimmung schon vor dem Start

Dass die nordportugiesische Stadt eine (Lauf-)Reise wert ist, wissen zumindest die Spanier und Franzosen. Mit rund 400 bzw. 300 Finishern stellen die nächst gelegenen europäischen Nachbarn das größte ausländische Kontingent, während die Einheimischen mit knapp 3.000 rund drei Viertel aller Finisher stellen. Knapp 90 Prozent (3.613) sind übrigens Männer, nur 431 Frauen laufen mit. Erstmals liegt die Gesamtzahl über der 4.000er Marke. Mit exakt 4.044 wird bei guten Wetterbedingungen ein beachtlicher Finisher-Rekord aufgestellt. Damit kann das Organisations-Komitee von Runporto mit Race Director Jorge Texeira an der Spitze eine fast einmalige Erfolgsgeschichte aufweisen. In zehn Jahren wurde die Finisherzahl des Porto-Marathons von 317 (2004) bzw. 315 (2005) um stolze 1.300 Prozent gesteigert! Allein in den letzten zwei Jahren von 1.671 (2012) um das Zweieinhalbfache.

Runter zur Ufer-Promenade am Douro Durch malerische Gassen in der Altstadt

Die 65-Prozent-Steigerung im Vorjahr auf 2.754 Finisher mag man noch dem Jubiläum des 10. ‚Maratona do Porto' zugeordnet haben. Doch der erneute Anstieg in diesem Jahr um fast 50 Prozent oder plus 1.290 in absoluten Zahlen fordert Anerkennung. Zumal noch weitere 2.358 Finisher (auf dem Niveau der letzten drei Jahre) beim sogenannten ‚Family Race' über 16 Kilometer dazu kommen. Die kürzere Distanz wird zeitgleich mit dem Marathon gestartet und hat über ca. 14 Kilometer auch die identische Streckenführung, bevor die Kurzstrecke zum Ziel abbiegt.

Bei KM14 trennte sich der Family Race 16k vom Marathon Perfektes Timing der Pace Maker- hier für 3.00h im Bereich der Portwein-Keller

Hier laufen übrigens weitere 15 Deutsche mit, was aber deren Gesamtbeteiligung (58 von 6.402) relativ eher noch weiter verschlechtert. Und an der Spitze dominieren ohnehin die einheimischen Läuferinnen und Läufer das Geschehen. Mit Paulo Gomes (50:21min.) vor Luis Mendes (50:51) und Artur Rodrigues (51:09) bei den Männern sowie Leonor Carneiro (56:27) vor Doroteia Peixoto (56:45) und Analia Rosa (57:15) bei den Frauen bleibt das Podest fest in portugiesischer Hand.

Die schönsten Ansichten von Porto gibt es jedoch für die Marathonläufer auf den folgenden 26 Kilometern. Entlang der Atlantikküste, am Douro-Ufer an bunten Marktständen und den berühmten Portwein-Kellern vorbei, dabei stets mit Blick auf Portos pittoreske Altstadt. Die Streckenführung und die einzelnen Sehenswürdigkeiten hat LaufReport-Kollege Ralf Klink anlässlich seiner Teilnahme am Jubiläums-Marathon ausführlich beschrieben. Dem gibt es weder an Fakten noch an persönlichen Eindrücken kaum etwas hinzuzufügen.

Vorbei an Händlern und Zuschauern zur Ponte Luis I Am Atlantik vorbei

Porto ist eine Reise wert
Der etwa zweistündige Flug von Deutschland in den rund 1.600 Kilometer entfernten Norden Portugals lohnt allemal. Porto selbst hat eine Menge zu bieten: von den zahlreichen Kirchen und weiteren historischen Gebäuden bis hin zu der erst 2005 erbauten, recht futuristisch anmutenden Casa da Musica, die sowohl bei einer Führung oder besser gleich bei einem Konzertbesuch live erlebt werden sollte. Doch hinter den Postkarten-Motiven der malerisch am Douro gelegenen Altstadt und der beeindruckenden ‚Ponte Luis I.' entdeckt man schnell auch die Schattenseiten. Portugal, und insbesondere der Norden des Landes, hat trotz einer massiven EU-Förderung nach wie vor mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Arbeitslosigkeit und Billiglöhne auf der einen Seite sowie andererseits verfehlte Investitionsanreize für Neubau-Projekte haben dazu geführt, dass viele Menschen sich die Wohnungen gar nicht mehr leisten können oder in die Neubau-Siedlungen am Stadtrand ziehen.

Unter der Brücke Pont Luis den Douro flussaufwärts in die Weinregion Über die Ponte Luis I ging es hin und zurück

Marathon und Halbmarathon wieder im Herbst 2015
In der als UNESCO-Welterbe anerkannten Altstadt von Porto entdeckt man daher auch viel Armut und Verfall. Sehenswert ist diese interessante, fast 230.000 Einwohner zählende alte Handelsstadt an der Mündung des Douro in den Atlantik aber allemal. Für Läufer bleibt noch zu erwähnen, dass neben dem Marathon (der nächste findet am 8. November 2015 statt) auch ein Halbmarathon (wieder am 20. September 2015) sowie ein "Urban Trail" (zuletzt am 11. Oktober 2014) als Nachtlauf durch die verwinkelte, mit Kopfsteinpflaster und reichlich Höhenmeter bestückte Altstadt ausgetragen werden.

La Ola durch die Helfer beim Zieleinlauf der letzten Finisher Fröhliche Stimmung auch beim Zieleinlauf Klaus Korell war einer von wenigen, aber 'bekennenden' deutschen Starter

Wer aber genügend Zeit mitbringt, sollte die Gelegenheit eines Porto-Besuches nutzen, um gleich auch die ebenfalls zum UNESCO-Welterbe gehörende Fluss-Landschaft des Douro und die dort gelegene Weinregion zu entdecken. Am besten erschließt man sich die Region mit einer Schiffsfahrt von Porto nach Peso da Régua, dem geschäftigen Zentrum des Weinbaues. Morgens um acht Uhr starten die Schiffe am Cais do Gaia, direkt an den Portwein-Kellern so berühmter Produzenten wie Sandemann, Taylors oder Graham. Frühstück und Mittagessen an Bord, unter gewaltigen Brücken und durch die mit 35 Metern Höhenunterschied zu den größten Europas zählende Schleuse von Carrapatelo fährt das Schiff in fast acht Stunden bis Régua. Dort ist auch das sehenswerte ‚Museu do Douro' angesiedelt, das die Geschichte der Region und des dortigen Weinbaus erklärt.

Eine große Helferschar sorgte für einen reibungslosen Ablauf Neuer Rekord - die 4.000er-Marke an Finishern wurde erstmals geknackt Race Director Jorge Texeira (l.) konnte wieder zufrieden sein

Wanderung durch die Weinberge
Von Régua aus sollte man unbedingt weiter in den geografischen Mittelpunkt des Weinbaus, das ca. 30 Kilometer östlich gelegene Provinz-Städtchen Pinhao. Das lässt sich ebenfalls mit dem Schiff, mit der regelmäßig verkehrenden Schmalspurbahn oder der nur zu bestimmten Zeiten fahrenden historischen Dampflok, natürlich auch per Mietwagen bewerkstelligen. Für sportlich Ambitionierte bieten sich jedoch auch (Renn-)Radtouren oder Wanderungen durch die Weinberge an. Wer die Wanderschuhe schnüren möchte, sollte jedoch Orientierungssinn und etwas Entdeckergeist mitbringen.

Gegensätze in Porto - moderne Infrastruktur und Verfall in der Altstadt Die Kathedrale von Porto Futuristisch anmutende Kopnzerthalle - die Casa da Musica liegt an der Laufstrecke

Ein ausgeschildertes Wanderwegenetz wie in Deutschland und anderen touristisch stärker erschlossenen Ländern gibt es nämlich in der Douro-Region kaum. Und etliche Weingüter sind in Privatbesitz, die dazu gehörigen Weinberge verschlossen! Wenn einen die Wege dann trotzdem mal in einen privaten Weinberg führen, kann es passieren, dass man direkt wieder hinaus komplimentiert und sogar mit dem Auto wieder zur Straße gefahren wird. Dabei sind die Menschen absolut gastfreundlich. Und einige der ‚Quintas' empfehlen sich zudem als komfortable Unterkünfte für die Nacht oder auch nur zur Einkehr.

Herrschaftliche Weingüter aus dem 18. Jh. bieten komfortable Unterkünfte, Wein und regionale Küche Inmitten der Weinberge am Douro liegt das pittoreske Pinhao Im Douro-Museum in Regua kann man viel erfahren über die Geschichte der Region und des Weinbaus

Dort kann man die Weine verkosten, die regionale Küche genießen oder sich im historischen Ambiente der teils aus dem 17./18.Jahrhundert stammenden Weingüter von den durchaus anstrengenden Wanderungen erholen. Denn wenn man es dann geschafft hat, einen Weg mitten durch die Weinberge zu finden, dann wird es gleich richtig anspruchsvoll. Weniger die Höhe der teils bis über 500 Meter aufragenden Weinberge ist es, sondern vor allem deren Steillage. In den Steigungspassagen kommt man generell auf Durchschnittswerte von 10-12 Prozent, in der Spitze noch deutlich mehr. Belohnt wird man dafür mit immer wieder neuen, teils atemberaubenden Ausblicken über die weiten Weinberge, ins Fluss-Tal, zu den Quintas und den Weinorten am Douro.

Alte Portwein-Boote am Douro-Ufer von Porto
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Die Jahreszeit der Lauf-Events in Porto von Mitte September bis Anfang November ist zudem von den klimatischen Voraussetzungen bestens für eine solche Tour geeignet. Natürlich kann man Pech haben, denn die am Atlantik gelegene Region ist durchaus auch für Niederschläge prädestiniert. Beim Porto-Marathon haben es diesmal vor allem die Läufer jenseits der 4:30h auf den letzten Kilometern abbekommen. Ansonsten war das Wetter in der Vorwoche mit viel Sonne und Temperaturen über 20 Grad bestens für Outdoor-Aktivitäten geeignet. Wer den Marathon laufen will, sollte jedoch eine solch sportlich anspruchsvolle und genussreiche Wein- und Wanderwoche sinnvollerweise im Anschluss an den Marathon machen.

Wie auch immer: Wein und Wandern, (Marathon)Laufen und Genießen kann man in Porto und in der Douro-Region bestens miteinander verbinden.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Infos und Ergebnisse www.maratonadoporto.com/de

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