5.4.08 - 41. "Brdska Stezka" - 50 km Marathon in Mnisek pod Brdy (Tschechien)

Ein böhmisches Abenteuer

von Antje Krause

Mníšek pod Brdy? Dahinter verbirgt sich eine Kleinstadt, gelegen am östlichen Ausläufer des Brdy, einem Mittelgebirge in Böhmen, was auch den Zusatz des Ortsnamens erklärt. Doch die Zahl derer, die Mníšek, was übersetzt soviel wie Einsiedel heißt, auf Anhieb einordnen, geschweige denn etwas damit verbinden können, dürfte in Deutschland eher gering sein. Die meisten von ihnen sind sicherlich im Läuferlager zu finden, genauer gesagt im Ultralager. Seit einigen Jahren entdecken die Ultralangstreckler die Kleinstadt einige Kilometer westlich von Prag, findet dort doch ein Ultramarathon über 50 Kilometer statt.

Aber Ultraläufern ist bekanntlich kein Weg zu weit. Knapp 200 Teilnehmer standen an der Startlinie, als morgens 9 Uhr der Startschuss zum 41. "Brdska Stezka" fiel. Frei übersetzt bedeutet der Name etwa "Brdypfad". Dabei dürfte die Tatsache, dass diese Veranstaltung zeitgleich mit den Deutschen Meisterschaften über 100 Kilometer in Kienbaum stattfand, nicht allzu viele Teilnehmer gekostet haben.

Nach Mníšek fahren in erster Linie nicht die Meisterschaftsläufer, sondern die Europacupläufer. Die Zahl der Deutschen ist höher denn je, oder, wie es manch einer formulierte, der Lauf ist fest in deutscher Hand. Seit der Lauf zum Europacup der Ultramarathone gehört, hat sich die Zahl der deutschen Starter Jahr für Jahr erhöht. Doch auch andere Trikots, beispielsweise aus Slowenien, sind im Feld auszumachen. Sechs Läufe gehören zum Europacup, in Mníšek war der Auftakt.

Vor dem Start und im Ziel auf dem Fabrikgelände in Mnisek

Allerdings ist die Teilnahme an diesem Lauf immer noch ein kleines Abenteuer. Die Informationen sind spärlich, doch immerhin gibt es eine Ausschreibung auf Deutsch. Aber vor allem der Internetauftritt auf der Seite des Sponsors, einer Elektrofirma, ist nicht gerade geeignet, alle auftretenden Fragen zu beantworten. Telefonieren ist nicht so einfach, es sei denn, man ist des Tschechischen mächtig. Blindes Vertrauen der Läufer, vor allem derjenigen, die zum ersten Mal teilnehmen, ist angesagt. Beispielsweise erfuhr man erst vor Ort, ob die Voranmeldung für Lauf und Unterkunft auch angekommen und registriert war. Erlebnisberichte der vergangenen Jahre hatten jedoch die berechtigte Hoffnung geweckt, dass schon alles klappen würde. So war es dann auch.

Jeder, der sich per Mail oder Post angemeldet hatte, war registriert, gezahlt werden konnte problemlos vor Ort in Euro. Auch die Anmeldung zur Unterkunft hatte funktioniert, zumindest organisatorisch. Turnhalle, Pension oder Hotel, diese Möglichkeiten bestanden bei der Anmeldung. Doch einige Läufer machten die Erfahrung, dass es bei den zugeteilten Unterkünften durchaus Unterschiede gab. Nicht alle Pensionen sind zu empfehlen, wer sicher gehen will, sollte auf eigene Faust eine Unterkunft suchen.

Die letzten Kilometer auf der Straße zogen sich etwas

Die Veranstaltung selbst ist klein, aber fein. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, das kleine Organisationsteam ist bemüht, die Läufer, vor allem auch aus dem Ausland, zufriedenzustellen. Start und Ziel befinden sich außerhalb von Mníšek auf einem Fabrikgelände, wodurch auch die notwendigen Räumlichkeiten gegeben sind. Dazu gehören ein großer Aufenthaltsraum, wo nach dem Lauf auch die Essenausgabe stattfindet, und Duschmöglichkeiten. Wie überall, wo für Veranstaltungen ein Werksgelände zur Verfügung steht, sind diese in ausreichender Menge vorhanden und geben vor allem auch unbegrenzt warmes Wasser ab.

Die Strecke in Mníšek führt, abgesehen von den ersten und letzten Kilometern, ausschließlich durch den Wald. Ein anderer Teil des Mittelgebirges ist im Übrigen jahrzehntelang Standort für einen Truppenübungsplatz gewesen, der erst vor einem Jahr teilweise wieder für Touristen und Wanderer zugänglich gemacht wurde. Rund 45 Kilometer Rad- und Wanderwege wurden in diesem Zusammenhang neu geschaffen. Für heftige Diskussionen sorgt allerdings die von den USA geplante Errichtung einer Radaranlage.

Ein kurzes Gefälle am Schluß tut noch einmal weh Die Unterführung der Autobahn ... ... war die letzte Hürde für die Läufer vor dem Ziel

Doch das ist ein anderer Schauplatz, zurück zum Ultramarathon. Die ersten Kilometer verlaufen noch auf Straßen, die zwar befahren sind, aber am Samstagmorgen sind glücklicherweise auch in Tschechien noch nicht allzu viele unterwegs. Nach etwa sieben Kilometern geht es in den Wald, und es geht auch gleich bergauf. Die Strecke ist profiliert und nicht ganz einfach. Hier gewinnt, wer sich die Kräfte gut einteilt. Gut 800 Höhenmeter und einige Berge oder Hügel, wie auch immer man sie nennen mag, sind zu überwinden.

Landschaftlich ist die Strecke ein Traum, allerdings sind nicht alles Waldwege, ungefähr die Hälfte der Strecke ist asphaltiert. Eine große Schleife führt durch die abwechslungsreiche Landschaft des Brdy, gegen Ende wird auch bewohntes Gebiet gestreift. Die Läufer hatten Glück, das Wetter spielte diesmal mit. Während sich in Deutschland der April mit Regen- oder Schneeschauern austobte, war es in Mníšek zwar auch kühl, aber sonnig. Erst gegen Mittag trübte es sich auch dort etwas ein, was dem Lauf aber keinen Abbruch tat. Die Verpflegungsstationen sind reichlich und gut bestückt, auch an Salz oder Zucker hat man gedacht. Die erste kommt zwar relativ spät, erst bei Kilometer 11, doch danach folgen sie im Abstand von etwa fünf Kilometern.

Zieleinlauf Die Aussicht auf Mnisek war beim Zieleinlauf etwas getrübt Im Ziel bekam jeder die Medaille aus Keramik und eine vorläufige Verpflegung

Wie bei vielen kleineren Ultraläufen waren auch hier verhältnismäßig wenige Frauen am Start. Wieder dabei war Bärbel Lemme (SV Post Telekom Schwerin). Die Vorjahres- und auch Europacupsiegerin hatte allerdings dieses Mal keinen guten Tag erwischt. Ihr steckte noch der Marathon vom vorherigen Wochenende in den Beinen, wo sie in Uckermünde den Haffmarathon in 3:25 absolviert hatte. Im ersten Drittel lag Bärbel Lemme noch in Führung, die sie aber nach 20 Kilometern an Antje Krause abgeben musste. Die Marburgerin war zum ersten Mal bei diesem Lauf dabei und hatte sich ihre Kräfte gut eingeteilt. Ab der Hälfte des Rennens baute sie ihren Vorsprung kontinuierlich aus und gewann in 4:14 Stunden.

Das war neuer Streckenrekord, ist aber nicht so spektakulär, wie es klingt. Bis 2005 war die Strecke nicht offiziell vermessen gewesen, doch vor allem die bestenlistenfähige Strecken gewohnten deutschen Läufer hatten sich über ihre verhältnismäßig guten Zeiten gewundert. Beim Nachmessen stellte sich dann heraus, dass doch ein gutes Stück fehlte zur vollen 50. Als Ausgleich wurde ein kurzes Wendepunktstück von ca. drei Kilometern unmittelbar nach dem Start eingefügt. Bärbel Lemme sicherte den zweiten Platz und konnte sich vor allem darüber freuen, dass sie mit 4:25 Stunden immerhin fünf Minuten schneller gewesen war als im vergangenen Jahr.

Das Mittagessen folgte später Zweite Bärbel Lemme (rechts) und die dritte Mareile Hertel (links) bei der Siegerehrung Die schnellsten drei Männer: In der Mitte der Sieger Jiri Kraijcek, rechts der 2. Claus Ubl und links der 3. Daniel Beha

Wenige Minuten später kam auch schon die dritte Frau in das Ziel. Unter 4:30 Stunden zu bleiben, hatten die Laufkameraden von Mareile Hertel im Scherz gefordert, was die Nürnbergerin auch prompt erfüllte. Mit 25 Jahren ist sie schon hoffnungslos dem Ultralauf verfallen. Nachdem sie sich vor allem im vergangenen Jahr mehrfach auf einen Marathon vorbereitet hatte, aber immer wieder irgendetwas schief gegangen war, wurde ihr klar, dass es eigentlich das lange Laufen ist, was ihr Spaß macht. Konsequenterweise dauerte es nicht lange, bis sie zum Ultralauf kam und Anfang des Jahres gab sie dann ihren Einstand in Rodgau.

Während bei den Frauen die ersten drei Plätze ins Ausland gegangen waren, konnten sich die Veranstalter freuen, dass der Pokal im Männerrennen im Land blieb. Als erster erreichte Lokalmatador Jirí Krejcí vom AC Praha das Ziel nach 3:35:01 Stunden. Er war auf dieser Strecke bereits 2006 siegreich gewesen, damals in 3:26. Der Tscheche ist kein unbekannter im Ultralauf und hat schon einige Rennen absolviert. Darunter ist beispielsweise der 100 Km Lauf in Leipzig, der Klassiker in Biel oder die 100 Km Weltmeisterschaft in Seoul, wo er für das Nationalteam Tschechien am Start war. Auch den Europacup hat er bereits einmal gewonnen. Sein Vorsprung war komfortabel, genau vier Minuten später überquerte der Zweite die Zielline.

Claus Ubl hatte im vergangenen Jahr mit konstanten Leistungen den zweiten Platz im Europacup gewonnen. Der Rostocker wird von Jahr zu Jahr schneller, dieses Mal lief er mit Abstand die beste Zeit auf diesem Kurs. Auf Platz drei folgte ein weiterer Deutscher. Daniel Beha aus Amberg, Dritter des Europacups 2007, hatte sich nach 3:40:59 Stunden sicher gegen seine Verfolger durchgesetzt. Die jedoch machten es spannend bis zum Schluß. Nur zwei Sekunden trennten im Ziel den Vierten Andrej Spelic (Kokrica/3:43:41) von Jiri Masita (Spartak Praha/3:43:43).

Die meisten traten unmittelbar nach dem Lauf beziehungsweise der Siegerehrung die Heimreise an, doch es lohnt sich durchaus, noch eine Übernachtung anzuhängen und beispielsweise einen Ausflug in die tschechische Hauptstadt Prag zu machen.

Bericht und Fotos von Antje Krause

Ergebnisse www.beh.cz

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