Land Rover Malta Marathon, Half Marathon & Walkathon (26.2.12)

Malta Marathon boomt weiter

Erneut Teilnehmerrekord bei 27. Auflage

von Michael Schardt

Schon 2011 hatte Mohammed Hajjy aus Marokko den Marathon von Malta in 2:19:34 gewonnen und den Streckenrekord von Joshua Kipchemba (Kenia) aus dem Jahr 2008 knapp verpasst. Der lief mit 2:18:38 die noch heute bestehende Bestzeit. Dreißig Sekunden schneller als vor einem Jahr war Hajjy zwar, aber am Streckenrekord fehlten immer noch 26 Sekunden.

Das hat den Mann nach dem Rennen offenbar verleitet zu behaupten, die Strecke wäre um 700 Meter zu lang gewesen, weshalb er die Rekordprämie verpasst habe. Tatsächlich kann Hajjy deutlich schneller laufen, wie er wenige Wochen vorher beim Marrakesch Marathon bewies, den er ohne Gefälle und Rückwind in 2:15 finishte. Doch die 1000 Euro Höchstprämie für eine Zeit von unter 2:18 war in Malta dahin.

Häusermeer am Mittelmeer. Der prägende Eindruck Maltas Bewegte Geschichte: Die Tempelanlage von Tarxien (3000-2500 v. Chr.) gilt als weltweit ältester von Menschenhand geschaffener Steinbau Fischerromantik in der idyllischen Bucht von Marsaxlokk

Wundersame Streckenverlängerung

Für die örtliche Zeitung "The Malta Independent" war die Aussage des Siegers über die Streckenlänge der Aufreger schlechthin. In einem dreiviertelseitigen Artikel wird Hajjy wie folgt zitiert: "I ... hoped to clock a time around 2 hours 15 minutes but the wind which was very strong had an effect on my final time. I clocked 2 hours 17 minutes on my watch but was given a time of 2 hours 19 minutes which is probably due to the cours being around 700 metres longer." Eine nahezu gleichlautende Aussage des Marokkaners wurde sogar auf der Veranstalterseite zitiert, während der Landsmann und Silbermedaillensieger Kabbouri Abdelekrim für eine Stellungnahme nicht bereit stand. Klärung in dieser Sache brachte die Zeitung nicht, und die Organisatoren ließen die Aussage unkommentiert auf ihrer Homepage stehen. Erst auf Mailanfrage von LaufReport klärt Renndirektor Joe Micallef die Situation plausibel auf:

"The Moroccan during the race mentioned to me that the kilometres are long. The course is the same as last year except for a change of about 100m which was taken off close to the start and added later on. This change was effective for both the Full Marathon and Half Marathon. The Moroccan Hajjy was also running last year, in fact he also won the race last year. So if the course was longer this year then it was also longer last year but I assure you it is not, the course is measured using the standard Jones counter. What I can say is that the km markers may not always be spot on, sometimes they are ahead, sometimes before and others spot on. This all depends on where a tree or pole can be found to hang the marker. The difference isn't usually much but the total km is correct. Hajjy based his assumption on his pace which differed between one km and another because of the above discrepancies. Another factor that effected his pace was the wind that was not constant at every km because the marathon runs in different directions in order to be able to find a full 42km on our small island. Furthermore the wind in Ta' Qali which is quite an open space is stronger than other places. Therefore all this made his pace inconsistent and without thinking of these issues claimed that the course is long."

Auf Malta boomt die Baubranche. Es gibt aber auch zahlreiche marode Häuser, vor allem auf dem Land Sorgte anfangs für Proteste, ist aber heute Wahrzeichen des prosperierenden Touristenorts St. Julians: der Hilton-Tower mit Einkaufszentrum Die blaue Grotte, ein beliebtes Ausflugsziel. Bei schwachem Wellengang fahren Boote in die Höhle

Panne 2010

Bestätigungen kamen auch von einigen Garminwerten anderer Teilnehmer, die genau waren oder nur minimal abgewichen sind von der klassischen Länge. Die unterschiedlich langen einzelnen Kilometer waren allerdings in der Tat verantwortlich für so manche Irritation. Hinzu kam der Wind, der für Halbmarathonis nahezu nur von hinten kam, und die 200 abwärts zu laufenden Höhenmeter, weshalb die beiden Strecken von Malta auch nicht bestenlistenfähig sind, ähnlich wie Boston. Denn nur eine abfallende Höhendifferenz von einem Tausendstel der Gesamtlänge ist zulässig.

Der Malta-Marathon von 2012 ließ organisatorisch kaum Wünsche offen. Die Getränkeversorgung war vorbildlich, nur mancher Marathoni hätte sich unterwegs auch etwas feste Nahrung gewünscht. Die allerdings gab es nicht. Einziger Wermutstropfen bei einer ansonsten perfekten Durchführung war der extrem enge Bereich unmittelbar nach Passieren der Zielmatte. Da wurden die ausgepumpten Läufer durch eine sehr schmale Gasse und das viel zu nahe stehende Massagezelt geschleust, der man nicht entgehen konnte. Man kann von Glück sagen, dass keine Panik entstand in dem Gedränge. Die weitläufige Uferpromenade hätte eine großzügigere Handhabung ohne weiteres erlaubt.

Das Meer ist immer in Sichtweite auf dem kleinen Eiland Historische Gebäude gehören zum Pflichtprogramm vieler Touristengruppen Die freitragenden Kirchenkuppeln Maltas gehören zu den größten der Welt

Für die nächsten Auflagen der Veranstaltung darf man sicher sein, dass diesbezüglich Abhilfe geschaffen wird. Denn die Malteser sind lernfähig, haben ihren Lauf immer weiter verbessert, bewerben ihn immer intensiver und streben eine weitere Internationalisierung an. Das zweitgrößte Sportevent des Landes soll Touristenmagnet im frühen Jahr werden. Eine Panne, wie sie vor zwei Jahren passierte, darf deshalb nicht wieder geschehen. Da hatte man europäische Pacemaker engagiert für eine afrikanische Spitzengruppe, die den Meetingrekord deutlich hochschrauben sollten. Doch das vorauseilende Führungsfahrrad nahm einen falschen, längeren Weg, weshalb es nichts wurde mit einer international beachtlichen Siegerzeit.

Immer mehr Teilnehmer aus immer mehr Nationen

Das Ergebnis all dieser Verbesserungen ist eine reibungslose Durchführung, der große Anerkennung von den Läufern gezollt wird, und die eine starke Zunahme der Finisherzahlen verursacht. Schon 2011 konnte man mit 345 erfolgreichen Marathonläufern und 1582 Halbmarathonis zweimal Teilnehmerrekord vermelden. In diesem Jahr wurde noch eins draufgesetzt, denn 368 Marathonläufer, davon 54 Frauen, und 1856 Halbmarathonis, davon 812 Frauen (43,7 Prozent), kamen ins Ziel, eine Zunahme von über zehn Prozent. Dabei ist besonders die höhere Frequentierung ausländischer Starter zu beobachten. Naturgemäß kommt die größte ausländische Gruppe aus Großbritannien, dessen Kronkolonie Malta noch bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war und deren sicht- und hörbare Zeichen der Linksverkehr und die zweite Amtssprache Englisch sind.

Die alte Hauptstadt Mdina, umgeben von Mauern, ist ein einziges Freilichtmuseum und Ausgangspunkt aller Läufe Blick von Mdina aus ins Tal Richtung Valletta. Das ist in etwa auch die Halbmarathonstrecke Zwischen Besichtigungsterminen werden Tage vor dem Rennen die Startunterlagen abgeholt in einem Sportgeschäft. Eine Marathonmesse gibt es nicht

Hinter den Briten, aber noch vor den Italienern, nehmen die Deutschen Rang zwei ein. Gut zehn Prozent aller Finisher, also über 200 Läufer, dürften es gewesen sein. Aber Starter aus nahezu allen größeren europäischen Staaten sind in der Ergebnisliste verzeichnet, dazu noch einige Dutzend aus Übersee, vor allem aus Japan. Dass so viele aus deutschen Landen dabei sind, dürfte an zwei Laufreiseveranstalter liegen, die Malta schon seit Jahren im Programm haben. Einer von ihnen hatte allein 120 Interessenten zu betreuen und hätte wohl auch noch mehr Teilnehmer gefunden, wenn es noch Betten in den ausgewählten Hotels gegeben hätte. So musste er sein Portal vorzeitig schließen.

Idealer Frühjahrslauf mit touristischen Highlights

Malta eignet sich aus vielerlei Gründen ideal für eine Laufreise im frühen Frühjahr, die entweder als verlängerter Wochenendtrip, meist aber als ganzwöchiger Aktivurlaub angeboten wird oder auch selbst organisiert werden kann. Das Klima in Malta, nur 92 Kilometer südlich von Sizilien gelegen, ist Ende Februar mild, die Temperaturen sind im Normalfall angenehm und die winterlichen Regentage weitgehend überwunden. Die Natur steht in der Blüte, doch sind die Besuchermassen, die sich im April und Mai über die drei Inseln des Archipels schieben, bevor die fast unerträgliche Sommerhitze sich breitmacht, noch überschaubar.

Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Nahverkehrs: der Busbahnhof in Valletta Konzipiert auf dem Reisbrett, die Hauptstadt Valletta mit engen und steilen Gassen Mondän: die Haupteinkaufsstraße der Hauptstadt mit vielen Luxusgeschäften

Das Pfund, mit dem Malta touristisch wuchern kann, ist seine bewegte, viele tausend Jahre alte Geschichte, die entscheidend geprägt wurde durch sich abwechselnde Besatzer. Auf Zeugnisse dieser besonderen Historie stößt man allerorten, und die Entfernungen selbst auf der Hauptinsel, die eine maximale Ausbreitung von 27x15 km hat, sind gering. Vorteilhaft auch ist die gute touristische Infrastruktur, die noch voll in der Aufbauphase ist. Gebaut wird überall, wo noch ein paar Quadratmeter freie Fläche in den Ballungszentren zu finden sind.

Da alle Malteser schon in der Grundschule neben ihrer eigenen, auch die englische Sprache erlernen, stellt die Verständigung selbst in den ländlichen Regionen für Auswärtige kein Problem dar. All das macht Malta für einen Kurzurlaub attraktiv. Nahezu unmöglich allerdings soll für Fremde das Erlernen der einheimischen Sprache sein, die auf das frühe Arabisch der jetzigen Magrebstaaten zurückgeht, aber mit zahlreichen Lehnwörtern aus vielen anderen Sprachen der verschiedenen Besatzer durchtränkt ist und eigenen Regeln gehorcht. Die einzige semitische Sprache der Welt, die sich einer lateinischen Schrift bedient, ist der ganze Stolz der etwas über 400.000 Malteser.

Noch bevor die Sonne aufging, brachten Busse die Läufer vom Ziel zum Start. Die Wartezeit wurde mit Gymnastik verkürzt Gewichtig: die Besprechung von Polizei und Ordnungskräften Kilometer 1 für M und HM. Motivationssprüche flankieren die gesamte Route

Der Marathontag

Wenn am Sonntag in aller Herrgottsfrühe dann der Marathontag eingeläutet wird, haben die meisten auswärtigen Läufer schon einige schöne Sightseeing-Touren hinter sich. Gegen 4.30 Uhr klingelt der Wecker, denn ein zeitiges Frühstück ist einzunehmen, bevor man sich von seinem Hotel noch in aller Dunkelheit zum Zielbereich begibt, wo die Busse stehen, die einen zum Start bringen. Das geschieht ab 6.15 Uhr. Der Weg zum Ziel kann dabei durchaus schon einmal vier oder fünf Kilometer betragen, denn viele Touristen wohnen in Valletta oder St. Juliens. Doch zum Glück ist der hervorragend organisierte öffentliche Nahverkehr auch an einem Sonntag schon ganz früh aktiv, so dass man mit einem der in kurzen Frequenzen fahrenden Busse ganz prima ans Ziel kommt. Die Laufreisegruppen haben es da noch einfacher, denn sie haben einen eigenen Bustransfer zum Start.

Gegen halb sieben, neunzig Minuten vor dem Marathonstart, treffen die ersten Läufer in Mdina ein und können bei aufgehender Sonne einen herrlichen Blick in die alte Festungsstadt und hinunter ins Tal werfen, in das sie später laufen werden. Am Start herrscht ausgelassene Stimmung, und wie bei internationalen Läufen üblich, ertönen animierende Rocksongs, immer unterbrochen von einem eloquenten Moderator. Um acht Uhr wird dann pünktlich der Marathon gestartet, eine halbe Stunde später gehen die Walker auf die Piste, und erst um zehn Uhr dürfen die Halbmarathonis ins Rennen, die größte Gruppe, so dass ein gemeinsamer Zieleinlauf im mittleren Zeitfenster vorausbestimmt ist.

Ab km 2 ging es für lange Zeit nur bergab Zeichen des Frühlings an der Laufstrecke: reife Zitrusfrüchte Mit der Nr. 1 zum Sieg. Der Marokkaner Mohammed Hajjy konnte seinen Titel in 2:19 verteidigen. Sammy Kipkemboi Kiprotich (in gelb) kam nicht ins Ziel

Sowohl die Halbdistanz als auch der Marathon führen insgesamt 200 Höhenmeter bergab. Zwischendrin, vor allem auf den letzten zehn Kilometern, sind aber auch immer wieder Anstiege und Brücken zu überwinden, weshalb der Kurs zumindest teilweise recht anspruchsvoll ist. Der Halbmarathon könnte in seinem Verlauf kaum reizvoller sein.

Er führt von Mdina einmal in Karree um das historische Stadtzentrum und die ebenfalls alte Vorstadt Rabat herum, zunächst leicht bergauf, und dann durch eine anheimelnde Landschaft hinunter ins Tal und zum internationalen Fußballstadion. Dort, nach gut fünf Kilometern, biegen die Marathonis ab, um 21 Kilometer in endlosen Schleifen und Kehren auf Nebenwegen abzuspulen. Dabei ist das Stadion allein viermal zu umrunden, was viele Läufer nicht nur als langweilig empfinden, sondern auch als anstrengend, weil der Wind ständig wechselt. Zwischendrin biegen die Marathonis noch einmal auf die Halbmarathon-Hauptstrecke ein, um dann wieder links in die Landschaft abzubiegen und neue Schleifen zu absolvieren.

Lange Zielgerade mit Meerblick

Haben die Marathonis diese 21 Zwischenkilometer endlich hinter sich, kommen sie an der Stelle wieder auf die Halbmarathonstrecke, wo sie sie verlassen haben. Das ist bei km 27. Die letzten 15 Kilometer werden dann wieder gemeinsam abgespult auf dem ansprechenden Kurs, der zunächst weiter landschaftlich geprägt ist, dann aber die Vorstadt Vallettas und die Hauptstadt selbst erreicht. Bei km 37 schließlich gelangen die Läufer auf die breite Uferpromenade, die eine überdimensioniert lange Zielgerade darstellt. Erst ganz am Ende, wenn das Zielbanner langsam in den Blick gerät, gibt es ein größeres Publikumsaufkommen auf einem ansonsten nahezu zuschauerfreien Kurs. Das Spalier der begeisterten Fans und applausfreudigen Interessenten wird dann immer enger, bis die Zielmatte glücklich überlaufen ist.

Der deutsche Dennis Mehlfeld (Lübecker SC, rechts) wurde kurz vor dem Ziel noch abgefangen und verpasste als 4. knapp das Treppchen Bei dem Durchlauf durch Rabat (km 1-3) sind alle Akteure noch frisch und motiviert

Das Verhältnis von Marathonläufern und Halbmarathonis entspricht zahlenmäßig durchaus jenem, wie es auch in Deutschland zu finden ist: auf ein Marathoni kommen vier Halbmarathonläufer. Überraschend hoch allerdings ist die große Anzahl der Walker; dies dürften über 400 Aktive gewesen sein. Wie lässt sich dieser Boom erklären, während in Deutschland bei vergleichbaren Veranstaltungen nur noch ein paar Dutzend Teilnehmer zu motivieren sind? Es könnte u. a. damit zusammenhängen, dass die Walker einen eigenen Start erhalten und nicht bloß als Anhängsel der Läufer auf die Piste geschickt werden. Auch der Begriff Walkathon hat ein deutlich sportlicheres und individuelleres Gepräge als Veranstaltungen hierzulande. In Malta erhalten die Walker eigene Startnummern, den gleichen Chip wie die Läufer, ein eigenes Führungsfahrzeug und eine eigene Zeitmess-Uhr.

Zwei Wettbewerbe, eine Ergebnisliste

Das alles wäre ja durchaus importierbar und nachahmenswert. Eines dürfte aber in Deutschland nicht umsetzbar sein, nämlich die große, südländische Gelassenheit im Umgang mit dem Regelwerk. Denn es bleibt den Teilnehmern des Walkathon freigestellt, ob sie tatsächlich gehen oder laufen, ob sie sich einer wechselnden "Gangart" bedienen, ob sie mit oder ohne Stöcke unterwegs sind. Und den Teilnehmern dort scheint es ebenfalls zu gefallen, während man in Deutschland gewiss sein darf, dass sofort der Ruf nach Gehrichtern laut würde oder der Zeigefinger hochginge, Walken ja nicht als sportlicher Wettbewerb, sondern als Gesundheitsaktivität zu verstehen.

Ein weiblicher Race Marshall gibt die Richtung vor
Marathonsiegerin wurde Carmen Hili aus Malta in 3:03 h

Dass auf Malta unter den Walkern nicht zu viel Rivalität entsteht, sondern der Spaßfaktor im Vordergrund bleibt, wird durch eine gemeinsame Ergebnisliste der "Geher" und Läufer garantiert. Niemand kann also an der Liste sehen, welcher Teilnehmer am Walkathon teilgenommen hat und welcher am Halbmarathon der Läufer, denn Startnummern enthält das Resultate Tableau nicht, (was andererseits die Identifikation der Teilnehmer auf Fotos nahezu unmöglich macht).

Dazu bemerkt der Renndirektor: "Yes the half marathon results also include the walkathon results as they make the same route under the same regulations, they both can walk, jog or run at any time. In fact the first 'walker' finished in 1:54 beating many half marathon participants." Ob indes das Maltamodell in Deutschland übernommen werden könnte, scheint fraglich. Es käme wohl auf einen Versuch an. Die hohe Starterzahl wäre doch eigentlich das beste Argument für hiesige Veranstalter, einen solchen zu wagen.

Die erste Combo hatte zu spät ihre Instrumente ausgepackt und den Einsatz verpasst. Die Marathonläufer waren schon durch Einige hundert Teilnehmer wies der Walkathon auf. Der Mann mit der 3671 (in gelb), ein Sportgeher, siegte über 21 km in 1:54

Trotz bester Bedingungen kein Streckenrekord

Die äußeren Bedingungen des Laufs hätten nicht besser sein können. Angenehme fünfzehn Grad herrschten am Morgen vor bei trockener Witterung, die sich gegen Mittag allerdings schon auf recht warme zwanzig Grad erhöhten. Der Wind kam für die Halbmarathonläufer im Gegensatz zu früheren Jahren nahezu ausschließlich von hinten, was zusammengenommen äußerst günstig für schnelle Zeiten hätte sein sollen. Doch über die Halbdistanz waren keine Läufer am Start, die das Potential mitgebracht hätten, die äußerst guten Streckenrekorde zu brechen, welche bei den Männern der Brite Mark Hudspith in 1:02:50 (1995) und bei den Frauen die Deutsche Silvia Renz in 1:13:50 (2004) halten.

2012 kam bei den Männern der Ungar Gabor Jozsa (MHK) zu einem ungefährdeten Sieg in der Zeit von 1:07:31. Über den zweiten Platz durfte sich der Brite Gary Pennington (M40) in 1:10:44 freuen. Er distanzierte den schnellsten Einheimischen, Clive Gerada (MHK), um über zwei Minuten auf Rang drei (1:12:54). Schnellster Deutscher war Uwe Dietzel (M45) in 1:22:21.

Bei den Frauen belegten zwei Malteserinnen die vorderen Ränge. Angele Sammut (W45) siegte in 1:24:27 vor ihrer Landsfrau Doreen Camilleri (WHK) in 1:26:26. Aus Frankreich stammt die Gewinnerin der Bronzemedaille, Elise Hurteaux (WHK), die nach 1:27:22 ins Ziel lief.

Endlos ist das Band der Walker. Stöcke sieht man nicht, Laufen ist aber ausdrücklich auch erlaubt. In der gemeinsamen Ergebnisliste tauchen die Walker bei den Halbmarathonläufern auf Die letzten fünf Kilometer wurden auf der Uferpromenade zwischen Valletta und Sliema zurückgelegt

Über den Sieg des Marokkaners Mohammed Hajjy (MHK) in 2:19:04 wurde bereits eingangs berichtet. Er konnte sich trotz verpassten Streckenrekords über eine Zeitprämie von 700 Euro und eine zusätzliche Siegprämie freuen. Wie schon 2011 kam sein Landsmann Kabbouri Abdelekrim (MHK) erneut auf Platz zwei. In 2:25:38 war er gleichfalls geringfügig schneller als im Vorjahr. In gewisser Weise schon kurios ist, dass auch der dritte Läufer auf dem Podest der gleiche war wie 2011, der starke Malteser Jonathan Balzan (M35), der 2:32:27 benötigte.

Keine Frau unter drei Stunden

Entschieden wurde das Männerrennen etwa zehn Kilometer vor dem Ziel, als Hajjy eine kräftige Tempoverschärfung einlegte und sich leicht von seinen Konkurrenten und Pacemakern löste. Ein ordentliches Rennen lieferte auch der deutsche Dennis Mehlfeld (MHK) vom Lübecker SC ab, der noch fünf Kilometer vor dem Ziel auf einem Bronzerang lag. Doch hatte Balzan das stärkere Finish und ging noch an Mehlfeld vorbei. Am Ende hatte der Deutsche 2:33:13 stehen, 36 Sekunden mehr als der Malteser. Auf den fünften Platz kam Vincenzo Scuro (MHK), ein auf Malta lebender Italiener, der 2:33:48 lief.

Sehr fürsorglich: Hier hat die Begleiterin bereits den Kleiderbeutel für "ihren" Marathoni besorgt Für drei Disziplinen hängen drei Uhren im Ziel: Halbmarathon, (r), Walker (m) und Marathon

Bei den Frauen hält Carolyn Hunter Rowe aus Großbritannien seit 1994 den Streckenrekord mit 2:40:28. An diesen Wert kam dieses Jahr keine Läuferin auch nur halbwegs heran. Auf dem Siegerpodest standen bei der Ehrung drei einheimische Läuferinnen. Ein überlegener Sieg erreichte Carmen Hili (W40) in 3:03:16. Knapp ging es um die Silbermedaille zu. Michelle Vella Wood (WHK) gewann das Duell gegen Rita Galea (W40) in 3:18:50 gegenüber 3:19:11. Schnellste Deutsche war als 17. Angela B. Ngamkam (W45) in 4:02:09.

Während für die Männer Geldprämien für Sieg und Zeit ausgesetzt waren, durften sich die schnellen Frauen über Schuhgutscheine freuen, oder besser gesagt, mussten sich mit solchen zufrieden geben. Als "Trost" durften auch sie sich die sicher schwerste, größte und schönste Finishermedaille weltweit umhängen. Mit einer separaten Siegerehrung in einem Autohaus am Abend ging ein langer ansprechender Marathontag zu Ende.

Viele Japaner waren dabei und hatten ihre Fans gleich mitgebracht Das "Offizielle Marathonvehikel" bringt die Kleiderbeutel ans Ziel Sehr heftiges Gedränge gab es nach dem Zieleinlauf, das einzige organisatorische Manko

Hörte man sich unter den deutschen Läuferinnen und Läufern um, so war von vielen zu hören, dass sie wiederkommen wollen zu einem der nächsten Land Rover Malta Marathonläufe, vielleicht sogar zum Jubiläum 2015. Andere wiederum sind ohnehin Wiederholungstäter, waren teilweise schon fünf und mehr Mal in dem kleinen Mittelmeerstaat am Start. Offenbar übt die Insel mit ihrem herben Charme und der Lauf selbst eine Faszination auf die Teilnehmer aus, der sich die Besucher kaum entziehen können, der LaufReporter nicht ausgeschlossen.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse und Info www.maltamarathon.com

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