24.2.08 - Malta Marathon

Lauf in den Frühling

von Wolfram Marx

Wer sich beim Laufen eine Pause vom, in diesem Jahr zugegeben nicht allzu harten, deutschen Winter gönnen will, kann sich beim Malta Marathon die erste Prise Frühlingssonne und -wärme abholen. Seit 1986 können sich Marathonis die Insel südlich von Sizilien erlaufen, ein Zeichen, dass die Verantwortlichen nicht einem Trend hinterher hecheln, sondern eine eingespielte Veranstaltung mit solider Organisation bieten.

Auch dem Trend, die Teilnehmerzahlen immer wieder steigern zu müssen, folgen die Organisatoren nicht. Zwar gilt es in jedem Jahr die Traummarke von 1.000 Läufern zu knacken, doch wird dafür auf eine Ausweitung des Programms verzichtet. 110 Teilnehmer machten sich damals auf die Strecke, fast 1.000 waren es in diesem Jahr.

Schon vor 22 Jahren kam fast die Hälfte von ihnen aus dem Ausland, eine Quote, die auch heute noch annähernd erreicht wird. Auffallend ist dabei, dass nicht nur Läufer aus dem benachbarten Italien und der früheren Kolonialmacht Großbritannien nach Malta reisen, sondern auch traditionell eine große Gruppe deutscher Teilnehmer die guten klimatischen Bedingungen für den ersten Marathon des Jahres nutzt. So auch in diesem Jahr, denn ein Großteil war aus Deutschland eingeflogen und nutzte die Inselgruppe (Malta und Gozo) auch für einen Kurzurlaub. Es wundert daher auch nicht, dass sich der Malta Marathon im Laufe der Jahre zum wichtigsten Sportereignis auf der Insel entwickelt hat.

Der Start für Marathon und Halbmarathon erfolgt in der ehemaligen Hauptstadt Mdina im Landesinneren. Die geschichtsträchtige Stadt liegt auf einem Hügel, dem höchsten Punkt der Insel. Um acht Uhr morgens erfolgt der Startschuss für die Marathonläufer, wer die halbe Distanz laufen will, hat zwei Stunden länger Zeit. Das Startareal liegt vor dem Stadttor der Stadt und hier findet sich auch genügend Platz zum Warmlaufen und alle anderen Vorbereitungen. Das Gepäck wird von den Veranstaltern zum Ziel am Hafen von Sliema transportiert. Der Transport von Sliema aus, wo viele Läufer ebenso wie in den nahegelegenen Valetta oder St. Julians in den Hotels untergebracht sind, kann beim Veranstalter gegen eine Gebühr von drei Euro gebucht werden. Wer mit einem Reiseveranstalter unterwegs ist, hat dies oft im Paket enthalten.

Der Malta Marathon ist ein Punkt-zu-Punkt-Kurs, der durch die Topographie der Insel auf der Gesamtdistanz ein Gefälle aufweist. Allerdings sind während des Laufs auch einige Steigungen zu bewältigen, so zwei gegen Ende des Rennens bei Kilometer 36 und 37. Nach dem Start führt die Strecke Richtung Dingli und wieder zurück nach Mdina, dann geht es weiter nach Ta'Qali und Mosta und wieder nach Ta'Qali. Auf dieser Schleife wird unter anderem das Nationalstadion passiert. Über Zebugg, Marsa und Ta'X'biex geht es dann an der Hauptstadt Valetta mit ihren Festungsanlagen vorbei an der Uferpromenade zum Ziel am Hafen von Sliema. Die Halbmarathonläufer durchlaufen auf einer ersten Runde Mdina, dann geht es in einem weiten Bogen um die Stadt und ihren Hügel bevor es nach rund fünf Kilometern zur Vereinigung mit der Marathonstrecke kommt.

Die Straße entlang des Hafens ist dann auf dem letzten Kilometer auch so etwas wie ein Stimmungsnest, denn hier steht eine erkleckliche Zahl an Zuschauern an der Strecke, während die Läufer sonst relativ alleine unterwegs sind. Doch auch hier versuchen die Veranstalter einiges, denn an der einen oder anderen Stelle sind Bands postiert. Für deutsche Läufer manchmal etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass die Strecken nur zum Teil für den Verkehr gesperrt sind und man beim Lauf von Autos "begleitet" wird. Aber alles dies funktioniert völlig reibungslos, eine ausreichende Zahl an Helfern und Polizisten sorgt für einen problemlosen Ablauf. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass die maltesischen Straßen vom Belag her mit denen in Deutschland nur bedingt zu vergleichen sind. Schlaglöcher unterschiedlicher Größe sind an der Tagesordnung, jedoch sind die Straßen dennoch gut zu belaufen.

Auch die Verpflegung ist gut, diverse Wasserstellen sind eingerichtet, zweimal werden auch Sportgetränke gereicht und viermal gibt es Schwämme. Nur wer etwas zu essen braucht, sollte sich seine Riegel selbst einstecken, denn außer einer Station mit Orangen wird von Veranstalterseite nichts angeboten. Auch der Empfang im Ziel ist nicht gerade üppig, aber ausreichend. Im Ziel ist ein kleines Zelt aufgebaut, in dem es Bananen und Getränke gibt, sobald man es verlässt, hat man den Zielbereich auch schon hinter sich. Dafür ist der Weg zu den Kleiderbeuteln kurz, denn sie werden in einem Gebäude auf der anderen Straßenseite ausgegeben.

Die Organisation des Laufs ist aber eingespielt und verläuft ohne größere Probleme. Einzig bei der Ausgabe der Startnummern in den Verkaufsräumen des Hauptsponsors BMW sollte ein bisschen Zeit eingeplant werden. Nur jeweils zwei Schlangen für Marathon und Halbmarathon, alphabetisch aufgeschlüsselt, sind knapp kalkuliert. Die Startnummernausgabe erfolgt gänzlich ohne Computer, sondern nur mit Hilfe von ausgedruckten Listen, auf denen die Namen abgestrichen werden. Da es keine Nachmeldungen gibt, kann man sich den Luxus ohne EDV zu arbeiten, leisten. Erstmals wurde 2008 wegen der hohen Teilnehmerzahl mit einem Chipsystem gearbeitet. Die Chips wurden vom Veranstalter gestellt, eine Gebühr fiel nicht an.

In diesem Jahr konnte sich das Team um Renndirektor Joe Micallef über einen Streckenrekord freuen. Dem Kenianer Joshua Kipchumba gelang bei besten äußeren Bedingungen mit Sonnenschein und Temperaturen zwischen zwölf Grad am Start und knapp 20 Grad um die Mittagszeit mit 2:18:37 ein neuer Streckenrekord. Sein Landsmann Julius Kirwa Choge (2:20:35) und Joachim Nshimirmana aus Burundi (2:20:59) komplettierten das Siegespodest.

Bei den Frauen gewann die einheimische Vorjahressiegerin Carmen Hili in 3:01.48, gefolgt von Marisa Muscat (Malta, 3:16:17) und und der Deutschen Petra Schiesewitz (3:28:27). Im Halbmarathon konnte der Brite James Douglas in 1:09:20 seinen Vorjahreserfolg wiederholen. Zweiter wurde der Ire Ciaran Doherty (1:10:30), gefolgt vom Malteser Brian Magri in 1:11:33. Bei den Frauen waren mit Carol Walsh (1:22:17), Angela Sammut 1:26:29 und Joelle Cortis (1:27:10) drei Malteserinnen vorne.

Bericht von Wolfram Marx
Fotos von Ralf Klink

Ergebnisse www.maltamarathon.com

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