24.11.19 - 6. KLM Curacao Marathon

Finish before the sunrise - Laufen in der Nacht

von Axel Künkeler 

Curacao - wo bitte schön, liegt das denn? Zumindest der Curacao Blue ist bei Cocktail-Fans ja noch hinreichend bekannt. Doch die kleine Insel in der südlichen Karibik kennen nur wenige Insider. Mit den Nachbarinseln Aruba und Bonaire bildet Curacao die ABC-Inseln. Unmittelbar vor Venezuela liegend, gehört Curacao geographisch zum südamerikanischen Kontinent. Und politisch ist die ehemalige Kolonie seit 2010 ein autonomes Land innerhalb des Königreiches der Niederlande.

 
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Charakteristisch für Curacao sind die farbenfrohen Häuser der Altstadt im Stil der Kolonialarchitektur
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Auf dem nur 444 Quadratkilometer großen Eiland leben rund 160.000 Menschen, die meisten davon in der 120.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Willemstad.

Seine bunte, farbenfrohe Kolonialarchitektur prägt die historischen Stadtteile Otrabanda und Punda an den Ufern der St. Anna-Bucht und des Schottegat, eines der weltweit größten Naturhäfen. Beide sind durch die schwimmende Koningin-Emma-Brug für Fußgänger sowie die Koningin-Juliana-Brug für Autos miteinander verbunden. Letztere ist mit 56 Meter Höhe eine der höchsten Brücken in der Welt und damit gleichzeitig der Höhepunkt des Curacao Marathons.

 
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Wahrzeichen von Willemstad, der Hauptstadt von Curacao, ist die Koningin-Juliana-Brug: 56 Meter über der St. Anna-Bucht verbindet sie die beiden historischen Stadtteile Otrabanda und Punda

Und das im doppelten Wortsinn: der Anstieg, der beim Marathon zweimal zu bewältigen ist, stellt eine echte sportliche Herausforderung dar und der Rundblick von der 500 Meter langen Brücke kann als spektakulär bezeichnet werden. Den können die schnellsten Halbmarathon- und Marathon-Läufer jedoch nur bedingt genießen. Weniger, weil sie zu sehr erschöpft sind vom Anstieg, vielmehr weil sie die Brücke in der dunklen Nacht passieren. Gestartet wird der Marathon nämlich bereits um 3.30 Uhr, der Halbmarathon zwei Stunden später um 5.30 Uhr.

 
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Los ging es am Vorabend mit einer Pasta-Party am Paradise Beach Veranstaltungszentrum mit Start und Ziel war das Marriott Beach Resort

Der Hauptgrund für diese ungewöhnlichen Startzeiten dürfte dem tropischen Klima in der Karibik geschuldet sein. Curacao hat zwar ein ganzjährig gleichmäßiges Klima mit geringen Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchtigkeit. Doch die Tageshöchstwerte liegen knapp über der 30-Grad-Marke, selbst in der Nacht fällt die Quecksilbersäule selten unter 25 Grad ab, um mit der aufgehenden Sonne schnell wieder anzusteigen.

Um 6.30 Uhr stehen knapp 1000 Läufer vor dem Marriott Beach Resort und warten auf ihren Start für den Zehn-Kilometer-Lauf. Die weitläufige Hotelanlage liegt knapp fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist das Veranstaltungszentrum des Curacao Marathons. Mit der Ausgabe der Startunterlagen und der Pasta-Party am Paradise Beach unmittelbar am Meer war es am Vortag losgegangen. Jetzt ist es noch immer weitgehend dunkel, da ertönt es aus den Lautsprecher-Boxen: "Welcome the first marathon finisher".

 
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Marathon- und Halbmarathon-Start erfolgten in der Dunkelheit der Nacht Die meisten Starter hatte der Zehn-Kilometer-Lauf am frühen Morgen

In 3:01:03 Stunden holt sich der M40er Jaco Van Buren den Sieg vorm gleichaltrigen Robert Jan Gras (3:04:42 h). Dritter wird der M60er John De Rooij in 3:06:45 h, der die Premiere des Curacao Marathons 2014 sowie den Halbmarathon 2015 gewinnen konnte. Nur in den Jahren 2015, 2017 und 2018 wurden Zeiten unter drei Stunden gelaufen, den Streckenrekord stellte im Vorjahr Wojciech Kopec mit 2:43:50 h auf.

Unter die Top Ten gesamt läuft diesmal Michael Buchbauer aus Graz, der in 3:38:17 h als 7. Mann und Zweiter seiner Altersklasse M50 finisht. "Das war schon heftig", meint er zu den beiden Anstiegen an der Juliana-Brücke, ist aber mit Zeit und Platzierung absolut zufrieden. Nach den ersten vier Männern reihen sich bereits die drei schnellsten Frauen ins Ranking ein. Die W20erin Michelle Volz als Gesamt-Fünfte gewinnt die Frauenwertung in 3:17:57 h vor den beiden W40ern Christina Noordstar (3:31:20) und Inge Van Bergen (3:31:22).

 
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Auf der lang gezogenen Einfallstraße Richtung Stadtzentrum Über die Koningin-Emma-Brug von Otrabanda nach Punda

Insgesamt finishen nur 101 Läuferinnen und Läufer die zwei Halbmarathon-Runden, während sich 294 Finisher mit einer Runde begnügen. Während an der Spitze durchaus passable Zeiten gelaufen werden, wird am Ende der beiden Felder vielfach gewalkt. Mehr als sechs Stunden über die klassische Distanz und rund fünf Stunden beim Halbmarathon brauchen die Letzten. Der Halbmarathon-Sieger sorgt dagegen für einen neuen Streckenrekord: nur 1:17:56 braucht der M30er Alexander Hodge für seinen Sieg. Und die schnellste Frau, Lana Gobert bleibt mit 1:29:29 h zumindest noch unter einer Zeit von 1:30h. Die W20erin kommt damit als Gesamt-Sechste ins Ziel.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einer Zeit von 3:41 einen Marathon laufen kann", freute sich Maren Schiller über ihr Marathon-Debut 2016 in Berlin. Ein Jahr später verbesserte sie ihre Zeit auf eine 3:30. Die aus Oberhausen stammende, 22-jährige Neu-Berlinerin war früher als Leichtathletin auf den Sprint-Distanzen über 100 und 200 Meter aktiv, hat sich aber vom Leistungssport zurückgezogen und arbeitet inzwischen als Fitness-Bloggerin. Damit ist sie vor Ort auch für den Curacao Tourism Board tätig, der den Marathon zur Tourismus-Werbung nutzen möchte.

Direkt hinter der Koningin-Emma-Brug war die Wendeschleife für die Zehner, während hier die Marathonis von ihrer Schleife zurückkehren Laufen im karibischen Winter: ein Santa-Lauf mit Palmen und Schneemännern Hinein in die historische Festungsanlage von Willemstad

Mit im Team ist Eugen Fink, ein Freelancer aus Berlin, der mit seinem Freund Marco Prüfer am Prenzlauer Berg die Kraft Runners gegründet hat. Fink ist Top-Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2:43 h. Auf Curacao macht Eugen die Pace für Maren, in 1:43:58 h finishen die Beiden als 20./21. gesamt, womit Maren Schiller als vierte Frau die W20 gewinnt. Am Ende des Klassements kommt die W50erin Elia Giuseppina ins Ziel - nach 5:05:08 Stunden!

Zu der Zeit ist an der hoteleigenen Pool-Anlage längst die After-Race-Party mit heißer Musik und kühlen Getränken im Gange. Bei der Winners Ceremony werden auch die 10km-Sieger aufgerufen: der M20er Charlon Summer gewinnt in 36:37 Minuten bei den Männern, die W20erin Mariana Silva in 47:23 Minuten bei den Frauen. Insgesamt 919 Finisher weist die Ergebnisliste aus, mit Tochter Renee und Mutter Miets Krekels in 2:25h am Ende des Zehn-Kilometer-Feldes.

Weihnachts-Deko und Palmen säumten die Wegstrecke im Stadtzentrum Auf der Straße rein ins Zentrum, auf dem Bürgersteig zurück zum Ziel

Dafür konnten die Zehn-Kilometer-Läufer kurz nach dem Start auf den ersten Kilometern der aufgehenden Sonne entgegen laufen. Der Sonnenaufgang gehörte sicher zu den besonderen Momenten dieses Rennens, das ansonsten von der Streckenführung und der Stimmung nur wenig Attraktionen zu bieten hatte. Auf einer lang(weilig)en Einfallsstraße ging es vom Hotel ins Stadtzentrum, die Weihnachts-Deko an einigen Verkehrskreiseln inmitten der Palmen war etwas bizarr. Ja ist denn schon wieder Weihnachten, denkt man sogar in der Karibik. Zuhause sind zwar ebenfalls schon die ersten Weihnachtsmärkte eröffnet, aber bei Sonne, Strand und Meer sind Santa Claus und Schneemänner für Mitteleuropäer eher gewöhnungsbedürftig.

Der Rückweg zum Ziel brachte einige schöne Ausblicke aufs Meer Einige "Finisher" gingen zurück Richtung Ziel

Recht hübsch anzusehen ist natürlich das Zentrum von Willemstad mit den bunten Häusern, doch kaum hat man diese über die Königin-Emma-Brücke erreicht, ist auch schon die Wende-Marke erreicht. Zurück geht es wieder ein Stück Straße, vorbei an alten Industrieanlagen und maroder Freizeit-Infrastruktur. Lediglich der Blick aufs Meer entschädigt auf den letzten zwei Kilometern. Übrigens ist kein einziger Kilometer gekennzeichnet, es gibt keine Markierung der Strecke, nur einige Posten an den Abzweigungen. "Manche waren in der zweiten Runde wohl schon nicht mehr da", erzählt Buchbauer. Zufrieden ist der Österreicher dagegen mit der Verpflegung: 16 Wasserstellen gibt es an der Strecke, davon zwei mit isotonischen Getränken und Obst.

Reichlich Wasserstellen gab es für die Läufer an der Strecke noch bis kurz vorm Ziel Und im Ziel wartete eine heiß ersehnte kalte Dusche!

Der Curacao Marathon hat sich in den sechs Jahren des Bestehens durchaus gut entwickelt. Die Finisherzahlen in den vier Wettbewerben über fünf und zehn Kilometer, Halbmarathon und Marathon konnten seit der Premiere 2014 von 1020 auf jetzt 2010 fast exakt verdoppelt werden. Die europäischen Teilnehmer kommen hauptsächlich aus den Niederlanden, was bei der Historie von Curacao naheliegend ist und durch das Titel-Sponsoring der niederländischen Fluggesellschaft KLM noch verstärkt wird. Deutsche Teilnehmer sind hier weniger vertreten, nur eine Handvoll kommt mit einer deutschen Agentur. Und einige Deutsche wie die Berliner Maren Schiller und Eugen Fink reisen individuell an, Flug und Hotel lassen sich problemlos buchen ebenso wie die Online-Anmeldung zum Laufevent.

Und natürlich gab es hübsche Erinnerungsmedaillen für die Zieleinläufer Die beiden Berliner Maren Schiller und Eugen Fink freuen sich über das gute Abschneiden beim Halbmarathon: Pacemaker Eugen führt Maren auf Platz vier bei den Frauen

Vor Ort stellt man allerdings fest, dass Curacao kein Billig-Preis-Land ist und das touristische Angebot nicht nur in der Hotelanlage eher in die Kategorie "hochpreisig" fällt. Als Fazit also: ein Marathon, den man laufen kann, aber nicht unbedingt laufen muss. Das Karibik-Feeling mag locken als Ausgleich zum tristen deutschen November, Laufen in der Dunkelheit als ein besonderer Reiz oder einige wenige Strecken-Highlights als Motiv. Für Marathon-Sammler gilt natürlich, dass die Landkarte voller wird, Südamerika als weiterer Kontinent hinzukommt. Die Bewunderung zuhause ist ihnen sicher: "Wow, Du bist Curacao gelaufen!" - denn wer kennt sie schon, diese kleine Insel in der Karibik!

Nach den Läufen über 5k, 10k, Halbmarathon und Marathon trafen sich alle zur Pool-Party mit heißer Musik, kühlen Getränken und der Winners Ceremony
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Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Ergebnisse und weitere Informationen curacaomarathon.com

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