30.5.10 - 85. Comrades Marathon (RSA)

Pietermaritzburg - Durban

Auf und Ab beim Down Run

von Ralf Klink

Anm. d. Red.: LaufReporter Ralf Klink lief den Comrades Marathon 2010 mit. Die Fotos der Reportage machte er während des knapp 90 km langen Laufes, den er nach 9:29:19 Stunden beendete

Sonntag 30.05.2010, 5:29 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Aus den Boxen vor dem altehrwürdigen roten Backsteinbau mit dem markanten Uhrenturm erschallt seit kurzem "Chariots of Fire" lautstark in die morgendliche Dunkelheit hinaus. Als ob die Anspannung nicht ohnehin groß genug wäre, verstärkt diese Melodie, die vielleicht die typischste Hintergrundmusik für eine Laufveranstaltung überhaupt ist, die Nervosität nur noch zusätzlich. Nicht nur die empfindliche Kühle des südafrikanischen Winters sorgt für eine leichte Gänsehaut sondern auch die ganze Atmosphäre.

Ein Hahnenschrei leitet das Ende des Rituals ein. Er ist keineswegs natürlichen Ursprungs, er kommt inzwischen vom Band. Und außerdem stammt er auch nicht von einem richtigen Gockel. Der Läufer Max Trimborn imitierte im Jahr 1949 kurz vor dem Start den Weckruf und durfte ihn seitdem dann jedes Jahr wiederholen. Als Trimborn langsam zu alt wurde, um das Signal immer vor Ort zu geben, zeichnete man den Schrei Jahrzehnte später einfach auf. Die Tradition hat Trimborn inzwischen überlebt. Ohne seinen "cock's crow" geht es einfach nicht.

Sekunden später kracht der Schuss. Endlich dürfen jene mehr als zweiunddreißigtausend Beine, die in den letzten Minuten immer ungeduldiger auf ihren Einsatz gewartet haben, richtig loslegen. Weit über sechzehntausend Menschen setzen sich langsam in Bewegung. Vor ihnen liegen 89,3 Kilometer. Es ist das zweitgrößte Ultrafeld aller Zeiten.

Vor dem altehrwürdigen Rathaus von Pietermaritzburg wird der Down Run traditionell gestartet

Donnerstag 27.05.2010, 7:30 Uhr - O.R.Tambo International Airport Johannesburg
"Warum seid Ihr hier?" erkundigt sich die Beamtin am Einreiseschalter freundlich. "Wegen der WM?" Eine Frage, die man in diesen Tagen in Südafrika bei fast jedem Gespräch zu hören bekommt. Das Nein, das sie als Erwiderung erhält, erstaunt sie ziemlich. Schließlich beschäftigt der "Soccer World Cup" doch das ganze Land wie wohl kaum ein sportliches Ereignis je zuvor.

Fast wirkt sie sogar ein wenig enttäuscht. Ausländer, die nach Südafrika kommen und sich dann nicht für Fußball interessieren. Pflichtgemäß macht sie sich daran, den Visumsaufkleber im Pass zu befestigen und ihn abzustempeln. Doch als im nächsten Satz der eigentlich noch nicht ganz beendeten Antwort plötzlich der Begriff "Comrades" fällt, ist das Interesse augenblicklich wieder geweckt. "Macht Ihr da etwa mit?" Der Tonfall klingt auf einmal regelrecht begeistert.

"Wollt ihr gewinnen?" Na ja, an Erfahrungen vielleicht, mehr aber auch nicht. Alleine diese freudige Reaktion der Grenzerin ist ja schon eine davon. Denn sie wirkt nicht unbedingt besonders sportlich. Mit Laufen hat sie wohl eher nichts am Hut. Und der Zielort Durban ist von ihrem Arbeitsplatz fast sechshundert Kilometer weit weg. Bis Pietermaritzburg sind es immerhin noch ziemlich genau fünfhundert. Doch den Comrades Marathon kennt sie - fast ist man geneigt zu sagen "natürlich" - trotzdem. Kaum in Südafrika gelandet ist der legendäre Ultralauf auch schon Gesprächsthema.

Bei Arthur's Seat kurz nach der Halbzeit ruhte sich angeblich Fünffachsieger Arthur Newton immer aus Vom höchsten Punkt geht es beileibe nicht nur noch bergab

Freitag 28.05.2010, 17:00 Uhr - Durban Exhibition Centre
Die riesige Messehalle ist trotz etlicher tausend Quadratmeter Grundfläche mit den Ständen der Comrades Marathon Expo prall gefüllt. Neben den üblichen Sportbekleidungs-, Nahrungsmittel-, Laufschuh- und Zubehörhändlern präsentieren sich auch einige der Hauptsponsoren mit beträchtlichem Aufwand.

Eine Margarinemarke misst bei den Läufern zum Beispiel Cholesterin. Die Krankenversicherung, die im Vorfeld auch ein Trainingsprogramm für Comrades-Neulinge organisiert hatte, bietet eine Ecke mit Physiotherapie. Und bei der in der südafrikanischen Laufszene ziemlich aktiven Bank kann man schon einmal für das Zielfoto proben. Eine riesige Fotowand mit einem Abbild der letzten Meter macht's möglich.

Die gleiche Bank hat auch die Kappe im Läuferbeutel beigesteuert. Selbstverständlich in jener grünen Farbe, die auch ihr Firmenlogo und die Trikots ihrer über das ganze Land verteilten Laufteams - übrigens mit der vollen Bandbreite vom Profi an der Spitze bis zum Hobbysportler am Schwanz des Feldes - ziert.

Nur diese Kappe darf - so verkünden es zumindest die offiziellen Informationen - während des Wettkampfes als "branded headgear", also als Kopfbedeckung mit einem Marken- oder Werbe-Aufdruck getragen werden. Ganz so genau nimmt man es dann später doch nicht. Der eine oder andere hat beim Laufen durchaus etwas anderes auf. Aber natürlich dominiert das Grün der neuen Schirmmütze. Und zwar nicht nur beim Rennen selbst sondern auch das ganze Wochenende über im Stadtbild von Durban.

Die Wall of Honour mit vielen Ehrentafeln für Comrades-Läufer Die russischen Nurgalieva-Zwillinge machten zuletzt das Rennen meist unter sich aus Untereinander sind Frauensiegerinnen Birgit Lennartz und Maria Bak aufgeführt Die Tafel von Charly Doll, dem einzigen deutschen Sieger bei den Herren

Am anderen Ende der Messehalle kann man den Beutel mit Kappe, T-Shirt und einigen anderen Werbegeschenken sowie die Startnummer in Empfang nehmen. Die Südafrikaner müssen sich dazu in eine lange Warteschlange einreihen. Ausländische Gäste haben dagegen eine eigene, deutlich gemütlichere Ecke mit Sitzgelegenheiten. Doch haben diese mit hundertachtzig US-Dollar ja auch eine deutlich höhere Meldegebühr berappen müssen als die Einheimischen, die für gerade einmal zweihundertdreißig Rand - umgerechnet im Moment etwa fünfundzwanzig Euro - starten dürfen.

Und noch eine dritte gesonderte Ausgabestelle gibt es. Nämlich die für den Green Number Club der Teilnehmer mit zehn oder mehr Comrades Marathons in den Beinen. So etwas kennt man inzwischen auch hierzulande von einigen Läufen. Dass es allerdings im großräumigen Souvenirverkauf einen abgetrennten Bereich gibt, zu dem man einzig unter Vorlage der grünen Startnummer Zutritt erhält und in dem nur die entsprechenden Artikel für Stammgäste zu finden sind, ist dazu dann doch noch einmal eine deutliche Steigerung.

Sonntag 30.05.2010, 1:30 Uhr - Durban, Hotel Albany
Der Frühstücksraum ist schon fast voll besetzt. Dabei hat er doch gerade eben erst aufgemacht. Zu einer Zeit, zu der anderswo die Nachtschwärmer voll zugange sind oder manchmal auch noch gar nicht richtig losgelegt haben, drängen sich Menschen mit Trainingsanzügen und Laufschuhen um die für diesen Ansturm deutlich zu wenigen Kaffeekannen.

Am Sonderschalter für den Green Number Club holen sich die Stammgäste ihre Unterlagen ab Auf der Messe kann man schon einmal für den Zieleinlauf proben Bildtafeln ehren Clive Crawley und Riel Hugo für vierzig und mehr Starts

Das Personal ist mindestens genauso freundlich wie in den Tagen zuvor und lässt sich absolut nicht anmerken, dass für sie die Nacht noch früher zu Ende war als für die Läufer. Falls die Bedienungen überhaupt geschlafen und nicht nach der Spätdienst gleich noch eine weitere Schicht drangehängt haben.

Schon beim Einchecken ist jedem, der auch nur halbwegs nach Läufer aussah, automatisch mitgeteilt worden, dass am Comrades-Tag dort bereits ab halb zwei geöffnet ist. Und es geht sogar noch früher. Denn in anderen Hotels öffnet das Frühstücksbüffet schon um ein Uhr. Ein Problem stellt das nicht dar, eher eine völlige Selbstverständlichkeit. Immerhin ist in der ganzen Stadt ja das Comrades-Fieber ausgebrochen. Eine Tatsache, die eine lokale Zeitung schon Tage zuvor zu verkünden hatte.

Donnerstag 27.05.2010, 8:15 Uhr - O.R.Tambo International Airport Johannesburg
Fast hat man die Frage erwartet. "Seid ihr wegen der WM hier?" Auch bei der Autovermietung im Terminalgebäude des größten Flughafens im Land gibt es schließlich kaum ein anderes Thema. Sollte man jedenfalls meinen.

Doch auf die Antwort "Nein, zum Comrades" schaltet sich sofort der Angestellte nebenan ein: "Hey, ich laufe am Sonntag auch mit." Es gibt also doch noch andere Themen. Ob er denn schon einmal dabei war. Er verneint, aber sein Kollege - der hat soeben einen Kunden fertig bedient und ergänzt nun die kurze Unterhaltung um einen dritten Gesprächspartner - sei bereits im letzten Jahr, als es ebenfalls von Pietermaritzburg nach Durban ging, mitgelaufen, kenne also die Strecke. Nun wollten beide die lange Distanz gemeinsam in Angriff nehmen.

Dass die zwei von ihrer Hautfarbe her kaum weiter auseinander liegen könnten, ist nach Ende der Apartheidära im neuen Südafrika inzwischen nicht mehr völlig überraschend, sondern bereits ein Stück Normalität. Dennoch tut man sich in der selbsternannten Regenbogennation mit dem Zusammenwachsen nicht unbedingt leicht. Im Sport geht das allerdings noch am problemlosesten. Eine Erfahrung, die man in Deutschland nach der Wiedervereinigung durchaus in ähnlicher Form gemacht hat.

Bunt geht es auf der Comrades Expo zu

"Good luck, see you in Durban", endet die kleine Plauderei. Die restliche Kundschaft auf der anderen Seite der Theke wartet schließlich auch auf Mietwagen. Man sieht sich in Durban nicht, was aber bei einer solch großen Teilnehmerzahl nicht unbedingt erstaunlich ist.

Sonntag 30.05.2010, 2:30 Uhr - Durban, gegenüber dem Exhibition Centre
Eine lange Reihe Busse steht am Straßenrand der Ordnance Road. Aus den Hotels, von denen sich die meisten entlang der kilometerlangen Strände - Durban ist wegen ihnen eines der beliebtesten Urlaubsziele für Südafrikaner - am Ostrand des Stadtgebietes, der sogenannten Golden Mile finden, strömen die Läufer mitten in der Nacht in großer Zahl auf sie zu.

Kalt ist es nicht unbedingt. In Durban liegen die Temperaturen auch in dieser Winternacht der Südhalbkugel im zweistelligen Bereich. Dennoch sind die meisten etwas dicker angezogen. Denn für den Start in Pietermaritzburg sind gerade einmal fünf bis sieben Grad angedroht. Die im Rest der Welt so verbreitete naive Vorstellung, in Afrika sei es immer und überall warm, muss man da schnell revidieren.

Obwohl Tausende zu transportieren sind, bleiben die Wartezeiten kurz. Schon bald nachdem man sich in der nach bester britischer Manier gebildeten Schlange angestellt hat, ist man auch schon an ihre Spitze vor gerückt. Innerhalb von wenigen Minuten ist ein Bus gefüllt. Die Türen schließen sich, er rollt Richtung Pietermaritzburg los und der nächste rückt nach vorne.

Noch völlig dunkel ist es am Start in Pietermaritzburg Bei Polly Shortts, dem ersten langen und steilen Gefälle dämmert es dann schon

Kurz vor dem Einsteigen bekommt man auch das Papierband wieder vom Arm geschnitten, das man als Ticket für die Fahrt auf der Marathonmesse erwerben konnte. Sechzig zusätzliche Rand waren dafür am Stand der Busgesellschaft fällig. Die Beförderung ist im Startgeld nicht mit inbegriffen. Schließlich brauchen ja auch nicht alle den morgendlichen Bus, weil sie entweder bereits am Start sind oder mit Privatwagen dorthin kommen.

Sonntag 30.05.2010, 3:00 Uhr - N3 zwischen Durban und Pietermaritzburg
Trotz der nachtschlafenden Uhrzeit ist überraschend viel Verkehr auf der Autobahn, die Durban und Pietermaritzburg verbindet. Allerdings fast ausschließlich in eine Richtung. Nämlich nach Westen ins Land hinein. Immer wieder schalten die Busfahrer einen oder meist gleich mehrere Gänge nach unten, wenn es wieder einmal eine Steigung zu bewältigen gilt.

Und vollbesetzte neue Fahrzeuge ziehen in diesen Streckenabschnitten an genauso vollbesetzten alten mit hörbar geringerer Motorenleistung vorbei. Eine frühere Abfahrt bedeutet nicht unbedingt eine frühere Ankunft.

Nahezu alles, was an Bussen vorhanden ist und irgendwie Personen befördern kann, ist an diesem extrem frühen Morgen im Einsatz.

"Maharaj's Coaches" heißt die Firma, welche die Aufgabe übernommen hat, Läufer, die nicht am Ziel- und nicht am Startort geschlafen - übernachtet darf man angesichts der Uhrzeit wohl nicht unbedingt sagen - haben, nach Pietermaritzburg zu bringen. Ein Name, den man so nicht unbedingt von einer südafrikanischen Firma erwarten würde.

Doch gibt es eben nicht nur Einwohner afrikanischer und europäischer Abstammung im Land sondern auch eine Bevölkerungsgruppe ursprünglich asiatischer Herkunft. Neben den Nachkommen von aus Malaysia verschleppten Sklaven der einstigen niederländischen Kolonialherren und etwa hunderttausend Menschen mit chinesischen Vorfahren sind das vor allem mehr als eine Million Inder.

Sie wurden während der britischen Herrschaft zur Arbeit auf den Zuckerohrfeldern von Natal ins Land geholt. Deshalb leben auch heute noch weit mehr als die Hälfte von ihnen in der Stadt Durban oder deren Umland. Rund ein Fünftel der Durbanians kann seine Ahnenreihe auf den Subkontinent zurück verfolgen.

Doch nicht nur Busse sind unterwegs. Auch unzählige Autos brausen vorbei. Und die vielen grünen Kappen, die man darin erkennen kann, deuten untrüglich darauf hin, dass zumindest ein Teil der Insassen den Rückweg nach Durban nicht wieder auf vier Rädern sondern mit zwei Beinen antreten wird. Dennoch wird die Fahrzeugkolonne natürlich einige Stunden später in die andere Richtung rollen und dem Läuferfeld mit großer Begeisterung und etlichen Zwischenstopps folgen.

Eine Stunde nach dem Startschuss geht die Sonne auf Noch ist das Licht wärmer als die Temperaturen

Sonntag 30.05.2010, 3:45 Uhr - Pietermaritzburg
Es sind tatsächlich nur mittlere einstellige Temperaturen, die im Startbereich von Pietermaritzburg herrschen, als die Busse nach rund einstündiger Fahrt die Läufer wieder in die Dunkelheit entlassen. Dutzende von Helfern sorgen dafür, dass sie - und auch nur sie, also keine nichtlaufenden Begleiter - in die weiträumig abgesperrten Straßen rund um das Rathaus gelangen, wo das Warten auf den Start beginnt.

Andere Freiwillige haben für die Teilnehmer schon längst Kaffee, Tee und Suppe gekocht. Und in langen Schlangen stehen die Läufer wieder brav und ohne zu drängeln an, um sich einen Becher mit warmer Flüssigkeit zu sichern. Der Rest drückt sich an den Häuserwänden herum, wo es wenigsten noch ein bisschen geschützter ist.

Die Beschallung mit Musik hat auch um diese Uhrzeit schon begonnen. Und zwar keineswegs dezent sondern mit einer ziemlichen Lautstärke. Man stelle sich einmal vor, ein europäischer Laufveranstalter käme auf die Idee, mitten in der Nacht und mitten in der Innenstadt die Boxen aufzudrehen. Die Beschwerdewelle wegen Lärmbelästigung und Ruhestörung hätte vermutlich die Ausmaße eines Tsunami. Beim Comrades Marathon geht das sehr wohl.

Freitag 28.05.2010, 11:30 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Vor dem viktorianischen Rathaus der Hauptstadt von KwaZulu-Natal werkeln Arbeiter am Aufbau von Tribünen für die Ehrengäste und Podesten für die Fernsehkameras. Ansonsten ist noch nicht viel vom legendären Ultralauf zu sehen. Das Leben im Stadtzentrum geht seinen normalen Gang. Der Verkehr fließt, nicht nur in der kleinen Fußgängerzone wimmelt es von Menschen und in den Geschäften wird fleißig eingekauft. Man könnte sich tatsächlich fragen, ob man hier richtig ist.

Wären da nicht die großen Schilder, die daran erinnern, dass dieser Bereich ab Samstagnachmittag 16 Uhr vollkommen gesperrt ist. Innerhalb weniger Stunden - nicht einmal über Nacht, denn bis diese zu Ende ist, muss alles schon fertig sein - wird also die gesamte Infrastruktur aus dem Boden gestampft. Da wirkt die seit der Vergabe der Fußball-WM hierzulande ständig geäußerte Besorgnis, in Südafrika könne man nicht richtig organisieren, doch reichlich arrogant.

Zumindest ein Startgerüst muss jedoch niemand mehr errichten. Das spannt sich nämlich ständig und fest installiert über die einstige Commercial Road, die nun nach dem früheren ANC-Chef und Friedensnobelpreisträger von 1960 Albert Luthuli benannt ist, aber allen auch durchaus noch unter ihrem früheren Namen geläufig ist. Genau an dieser Stelle soll der Aufschrift zufolge auch schon bei der Premiere 1921 losgelaufen worden sein.

Sonntag 30.05.2010, 4:45 Uhr - Pietermaritzburg
Langsam werden die Menschenschlangen vor den Lastwagen für den sogenannten "Tog Bag Service" länger. Der typisch südafrikanische Begriff bezeichnet auch nichts anderes als Kleiderbeutel oder -tasche. Und genau das, nämlich Taschen, Beutel, Rucksäcke aller Art kann man dort abgeben.

Pragmatisch und schnell ist dabei das Vorgehen. Es zeugt irgendwie auch von einer jahrelangen Erfahrung. Ein vorbereiteter mit einer Zahl versehener Aufkleber kommt um den Gurt oder Griff der Tasche, sein Gegenstück auf die Rückseite der Startnummer. Innerhalb weniger Sekunden ist alles erledigt und die nicht mehr benötigte Wechselbekleidung ist auf der Ladefläche gelandet.

In welligem Gelände führt der Kursbeginn stetig auf und ab Der Brite William Howes bei seinem zweiten Comrades Am höchsten Punkt hat man gerade einmal zwanzig Kilometer geschafft

Auch dabei geht alles völlig geordnet und ohne großes Gedränge vonstatten. Von dem leicht chaotischen Gewirr, das man sich im Allgemeinen in Afrika vorstellt und dem man zugegebenermaßen auch im Land am Kap tatsächlich öfter einmal begegnen kann, hat das nichts zu tun. Vielleicht sorgt alleine schon die gründliche Vorbereitung, die für eine Teilnahme beim Comrades Marathon nötig ist, für eine gewisse Disziplin bei den Läufern.

Sonntag 30.05.2010, 5:15 Uhr - Pietermaritzburg, Albert Luthuli Road
Vier Häuserblocks weit ist die Commercial Road vom Rathaus aus gesehen nach hinten mit hohen Zäunen abgesperrt. Der Raum zwischen den Gittern ist längst gut gefüllt. Schließlich soll man sich bis zu genau dieser Uhrzeit an der richtigen Position eingefunden haben, wenn man nicht ganz vom Schwanz des Feldes starten will. Denn danach sind die Eingänge zu.

Acht Startgruppen werden mit den Buchstaben A bis H angezeigt. Und der Zugang zu ihnen ist scharf kontrolliert. Das ist für die Ordner nicht einmal ein großes Problem, denn die Startnummer beginnt unübersehbar mit genau diesem Buchstaben, bevor dann die jeweiligen Ziffern folgen. Ein einfaches und effektives System, das mancher gelegentlich doch ein wenig im Chaos endenden Startaufstellungen hierzulande vielleicht gut zu Gesicht stehen würde.

Allerdings käme in Südafrika auch kaum jemand auf den Gedanken, zu versuchen, sich mit irgendwelchen Tricks oder Überredungskunststückchen in vordere Blöcke hinein zu mogeln, nur um beim Start ein paar Sekunden zu schinden. Auch das "seeding" gehört schließlich zum gewohnten Ablauf.

Man hat eine Qualifikationszeit vorzulegen und nach dieser wird eben eingeteilt. Wer zwischenzeitlich eine bessere Leistung bringt, kann diese noch bis einige Wochen vor dem Start nachreichen und kommt dann in der Aufstellung mit einem sogenannten "upgrading" eventuell noch etwas nach vorne. Will man mit jemanden einer anderen Gruppe zusammen laufen, muss man halt zurück - das geht nämlich immer - in einen Block weiter hinten.

Dabei gäbe es allen Grund, möglichst weit vorne zu stehen. Schließlich wird "gun-to-gun" gelaufen, was nicht anderes bedeutet, dass für alle die Uhr mit dem Startschuss zu ticken beginnt und es trotz Startmatte eben keine Gutschriften der Verzögerung in einer Nettozeit gibt. Und nach genau zwölf Stunden ist das Ziel für alle zu. Ganz egal, wie lange es gedauert hat, bis man tatsächlich in Bewegung war.

Sonntag 30.05.2010, 5:20 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Julian Karp - ein Name, der ganz aufmerksamen LaufReport-Lesern mit Elefantengedächtnis vielleicht bekannt vorkommen dürfte, tauchte der mit seiner langen Mähne unverkennbare Vielstarter doch auch schon im Bericht über den Peninsula Marathon in Kapstadt auf - mustert das versammelte Starterfeld ganz genau. "Das sind deutlich weniger als zwanzigtausend, das gibt keinen neuen Rekord" ist sein Ergebnis.

Er kann es bei seiner inzwischen achtzehnten Comrades-Teilnahme sicher ganz gut beurteilen. Und schließlich war er auch bei der Jubiläums-Auflage von 2000 dabei, bei der die bisher größte Läuferzahl verzeichnet werden konnte. Dennoch ist seine Schätzung angesichts der Menschenmasse schon bewundernswert. Der offizielle Wert des Gestarteten wird nämlich später mit immerhin 16.565 angegeben.

Von denn 23.568 Gemeldeten werden allerdings bereits beachtliche 4.471 in der Position "DNQ" - also als "nicht qualifiziert" - geführt. Bei weitem nicht jeder, der im vergangenen Herbst seine Meldung abgeschickt hat, konnte also die für den Start nötige Vorleistung später auch tatsächlich erzielen.

Umlaas Road heißt die höchstgelegene Passage des Comrades Weit reicht von dort der Blick über die Hochebene

Sonntag 30.05.2010, 5:22 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Statt irgendwelcher, austauschbarer Popmusik wie bisher kommt aus den Lautsprechern plötzlich ein Lied, das unüberhörbar afrikanischen Ursprungs ist. Und schnell stimmt der größte Teil der Läufer, von denen die meisten die im Startbeutel beigelegten Kälteschutzhüllen - nicht aus Plastik sondern aus einem filzähnlichen Stoff - übergeworfen haben, völlig unabhängig von der ethnischen Herkunft mit ein.

"Shosholoza" ist ein traditioneller Wechselgesang schwarzer Arbeiter. Das Zuluwort bedeutet ungefähr "vorwärts" und hat ähnliche positive Nebenbedeutungen wie seine deutsche Entsprechung. Spätesten seit den 1995 im Land ausgetragenen Weltmeisterschaften im Rugby, als es die Massen im Stadion zur Unterstützung der eigenen Mannschaft anstimmten, hat sich das Lied im südafrikanischen Sport weit verbreitet.

Und es wird mit der gleichen Inbrunst gesungen wie eine Nationalhymne. Vielleicht sogar mit noch größerer. Auch am frühen Morgen des 30.Mai 2010 in Pietermaritzburg. Es herrscht in diesem Moment schon eine ganz besondere Atmosphäre. Das traditionelle Comrades-Startritual hat begonnen.

Mittwoch 26.05.2010, 22:00 Uhr - irgendwo über dem Mittelmeer
Im Bord-Unterhaltungsprogramm der South African Airways hat sich auch der Film "Invictus" auswählen lassen und schon im Vorspann ertönt das eindringliche Shosholoza über den Kopfhörer. Wohl nicht ganz unbeabsichtigt ist die Hollywood-Produktion kurz vor Beginn der Fußball-WM in die Kinos gekommen.

Er handelt von den Ereignissen während des denkwürdigen Rugby World Cups 1995 im Land am Kap. Morgan Freeman gibt darin einen überzeugenden Nelson Mandela ab. Und Matt Damon spielt Francois Pienaar den Kapitän des Springbok-Teams, wie die südafrikanische Nationalmannschaft von Fans und Fachleuten genannt wird.

Man könnte den Streifen als einen der üblichen pathetischen Sportfilme aus der kalifornischen Traumfabrik abtun, in denen zumeist eben völlig realitätsfern der Underdog am Ende gegen alle Widerstände und Favoriten triumphiert. Doch entspringt diese Geschichte eben genau dieser Realität. Kein Drehbuchautor hätte sie sich besser ausdenken können.

Das von den Buren so geliebte Rugby war genau aus diesem Grund während der Apartheid bei den Schwarzen regelrecht verhasst. Sie bejubelten sogar Niederlagen der Südafrikaner. Doch mit all seiner Autorität setzte sich Mandela dafür ein, dass die Springboks ihre bei der schwarzen Mehrheit der Bevölkerung verachteten Symbole und Farben behalten durften.

Die zunehmenden Erfolge der als völliger Außenseiter gestarteten Gastgeber sorgten dann auch dafür, dass sich ganz Südafrika völlig unabhängig von Herkunft und sozialen Verhältnissen mehr und mehr hinter der Mannschaft zusammen fand. Das im Stadion immer häufiger gesungene Zulu-Lied ist dafür ein hörbares Beispiel.

Am Ende gewann man auch das Endspiel gegen die hoch gewetteten All Blacks aus Neuseeland. Und das ganze Land versank im gemeinsamen Freudentaumel. Mandela überreichte Pienaar den Pokal demonstrativ im grün-goldenen Springbok-Trikot. Angeblich sollen dabei folgende Worte gefallen sein: "Danke dafür, was sie für dieses Land getan haben." - "Nein Mr. President, danke dafür, was sie für unser Land getan haben."

Wer nur ein wenig davon verstehen will, wie wichtig die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 für Südafrika ist und welche weit über den Sport hinaus gehende soziale und politische Bedeutung sie hat, der sollte sich den Film durchaus einmal ansehen.

In Camperdown werden die Läufer von einem dichten Zuschauerspalier empfangen Fast wie bei einer Bergwertung im Radsport geht es an der Steigung hinter Camperdown zu

Sonntag 30.05.2010, 5:26 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Nach der inoffiziellen folgt im Startritual nun die offizielle Hymne des Landes. Diese ist wieder einer jener typisch südafrikanischer Kompromisse, mit denen alle Gruppen der so verschiedenen Bevölkerung irgendwie zufrieden gestellt werden sollen. Denn in ihr werden sowohl Teile von "Nkosi Sikelel' iAfrika", das übersetzt "Gott segne Afrika" bedeutet und in der Zeit der Rassentrennung ein Symbol des Widerstandes gegen die Apartheid war, als auch der alten Nationalhymne "Stem van Suid-Afrika" - auf Deutsch "Stimme Südafrikas" - benutzt und miteinander verbunden.

Typisch auch, dass jede der vier Strophen in einer anderen Sprache gesungen wird. Die erste in Xhosa und dem dazu recht ähnlichen Zulu, die zweite in Sesotho, die dritte nun mit einer anderen Melodie auf Afrikaans und die letzte auf Englisch. Hein Niedinger, ein Polizist aus Durban mit fast zwanzig Jahren Comrades-Erfahrung, der den neben ihm im Startblock stehenden Ausländer am für Südafrika völlig untypischen Trikot erkannt und angesprochen hat, erklärt den Sachverhalt durchaus mit einem gewissen Stolz.

Dabei sind damit noch lange nicht alle im Land gesprochenen Sprachen verwendet. Insgesamt elf offizielle gibt es. Neben Englisch und dem ebenfalls auf europäische, genauer niederländische Ursprünge zurückgehenden Afrikaans noch neun afrikanische Bantusprachen. Das am weitesten verstandene Englisch, obwohl für nicht einmal ein Zehntel der Bevölkerung Muttersprache, setzt sich allerdings im allgemeinen Verkehr als lingua franca meist durch.

Und so kommen dann auch die Startdurchsagen beim Comrades in der Sprache der früheren britischen Kolonialherren. Zumindest bei der eingespielten Musik hat sich mit den nun einsetzenden textlosen und damit für alle gleich gut verständlichen Klängen von "Chariots of Fire" die Frage sowieso erledigt.

Sonntag 30.05.2010, 5:42 Uhr - Rathaus Pietermaritzburg
Auch die Letzten haben die Startlinie passiert. Kaum mehr als zehn Minuten hat es gedauert, um alle Läufer in Bewegung zu setzen. Eine angesichts des Teilnehmerzahlen und der nicht unbedingt breiten Straße durchaus bemerkenswert kurze Zeit.

Und der Schwanz des Feldes ist noch nicht richtig verschwunden, da beginnen auch schon die Aufräumarbeiten. Bereits um sieben Uhr soll die Straße wieder freigegeben werden. Es ist angesichts der großen Routine des Organisationsteam eigentlich davon auszugehen, dass diese ehrgeizige Vorgabe später auch gehalten werden konnte.

Sonntag 30.05.2010, 5:45 Uhr - Pietermaritzburg, Alexandra Road
Nach dem anfänglichen Gefälle ist die Strecke in der sich sofort anschließenden Gegensteigung nach rechts in die Alexandra Road abgebogen. Das ist eigentlich nicht ganz die traditionelle Strecke, die hätte noch etwas weiter geradeaus geführt. Aber angesichts der Größe der Läuferschar haben sich die Comrades-Macher entschlossen, eine etwas andere breitere Route aus Pietermaritzburg hinaus zu wählen.

Den Anwohnern des neuen Kurses ist es nur recht. Denn auch in der Kälte des frühen südafrikanischen Wintermorgens haben sie sich zahlreich am Straßenrand eingefunden, um die Läufer auf ihren langen Weg nach Durban zu verabschieden. Einige haben es sich dick eingemummelt in Decken auf Klappstühlen bequem gemacht. Andere tragen sogar noch Schlafanzüge und darüber nur einen Morgenmantel. Doch dem Comrades Marathon zuzusehen, das lassen sich alle nicht nehmen.

Ein einsamer Dudelsackspieler verabschiedet mit den wehmütigen Klängen des Hochlandinstruments die Läufer hinaus in die Dunkelheit.

Immer parallel zur Autobahn verläuft der Weg nach Cato Ridge In Cato Ridge werden zum ersten Mal zu langsame Läufer aus dem Rennen genommen

Freitag 28.05.2010, 12:00 Uhr - R103, Stadtgrenze Pietermaritzburg
Große gelbe Schilder mit dem unübersehbaren Comrades-Logo zeigen, dass an dieser Stelle, an der sich die Stadt Pietermaritzburg mit einem weit verstreuten Gewerbegebiet in die sie umgebende Hügellandschaft verliert, knapp zwei Tage später eine vieltausendköpfige Läuferschar vorbei kommen wird. Der gesamte Kurs ist schon Tage vorher mit einer kaum geringeren Zahl dieser Tafeln markiert und ermöglicht so eine Besichtigung auf eigene Faust. Eine Möglichkeit, von der durchaus viele Gebrauch machen.

Allerdings könnte man sich zumindest für die ersten zwei Drittel auch einfach nur an die mit R103 bezeichnete und ebenfalls gut markierte Landstraße halten, die ab dem Verlassen von Pietermaritzburg - egal ob in der alten oder neuen Variante - von ganz kurzen Ausnahmen abgesehen mit der Strecke identisch ist. Auf dieser "Old Main Road", deren frühere Bedeutung als Hauptverbindung mit Durban durch den Bau der Autobahn entfallen ist, wird der Comrades-Marathon seit 1921 gelaufen.

Sonntag 30.05.2010, 6:20 Uhr - Mkondeni, Kuppe von Polly Shortts
"Gleich geht es heftig bergab", warnt Hein Niedinger kurz nachdem die Tafel mit der "81" passiert ist. Die Strecke ist nämlich absteigend markiert und jeder Kilometer wird angezeigt. Der für den Bluff AC laufende Polizist tut dies auf Deutsch. Schließlich hat er deutsche Vorfahren. Seine Eltern sind erst nach Südafrika eingewandert. Das Ganze ist zwar etwas holprig. Aber er versucht es und ist sogar richtig froh darüber, seine Kenntnisse wieder einmal anwenden zu können.

Hein kennt die Strecke ziemlich gut, schließlich ist das schon sein siebzehnter Comrades. Die grüne Nummer 16086 verrät den Wiederholungstäter. Am Ende wird er in 8:56:15 knapp vier Minuten unter der Grenze, die noch zum Erhalt einer silbern-bronzenen Bill Rowan Medaille ausreicht, ins Ziel kommen. Zweimal hat er sogar schon eine Silbermedaille, wofür man immerhin schneller als siebeneinhalb Stunden laufen muss, geholt.

Man kann sich also durchaus darauf verlassen, wenn er so etwas erzählt. Was Hein da meint ist der erste der Big-Five-Hügel, Polly Shortts. Der stellt sich beim Down Run im Anstieg eher harmlos als kleine Kuppe dar. Viel gefährlicher ist in dieser frühen Phase das folgende rund zwei Kilometer lange Gefälle. Wenn man es gar zu schwungvoll angeht, kann man sich dabei schon kurz nach dem Start eine ganze Menge Kraft aus den Beinen laufen.

Obwohl er von dieser Seite eher unspektakulär ist, hat das südafrikanische Fernsehen am höchsten Punkt von Polly Shortts eine feste Kamera positioniert. Denn bereits seit kurz nach fünf läuft die Live-Sendung vom Rennen, die insbesondere während der Höhepunkte wie dem Einlauf der Sieger und dem Zielschluss von etliche Millionen vor dem Bildschirm verfolgt wird.

Samstag 05.06.2010, 16:00 Uhr - Clarens, Patcham Place
Sie habe die Comrades-Übertragung diesmal leider verpasst, gibt Wendy Derr ein wenig zerknirscht zu, nachdem in der inzwischen schon üblichen Gesprächseröffnung das Schlüsselwort gefallen ist. Sie und ihr Mann Richard hätten nicht daran gedacht, dass der Lauf wegen der Fußball-WM nun wieder im Mai und nicht mehr im Juni ausgerichtet worden wäre. Sonst würden sie sich das Rennen nämlich immer ansehen.

Die Besitzerin einer kleinen, aber liebevoll eingerichteten Bed-and-Breakfast-Unterkunft im rund vierhundert Straßenkilometer nordwestlich von Durban gelegenen Dörfchen Clarens ist ohnehin gut informiert über den Ultralauf. "Dieses Jahr müsste doch wieder ein Up Run gewesen sein, oder?"

Eigentlich hat sie recht. Doch aufgrund der schon im Vorfeld wegen der fünfundachtzigsten Austragung und der allgemeinen Sporteuphorie, die das Land durch den Soccer World Cup gepackt hat, zu erwartenden hohen Teilnehmerzahlen haben sich die Organisatoren entschlossen zweimal nacheinander "bergab" zu laufen.

Auch aus Cato Ridge werden die Läufer von ziemlich viel Publikum verabschiedet Am Horizont zeichnet sich schon die folgende Hügellandschaft ab

Sonntag 30.05.2010, 6:35 Uhr - Ashburton, am Fuß von Polly Shortts
Zwei Kilometer Sturzflug, bei denen rund einhundert Höhenmeter verloren gehen, enden in der Streusiedlung Ashburton. Inzwischen hat die Morgendämmerung eingesetzt, so dass man das unbeleuchtete Gefälle durch Buschland problemlos bewältigen konnte. Asphaltiert ist die Strecke jedoch sowieso vollständig.

Nur das eine oder andere "Pot Hole" auf den nicht immer in bestem Zustand befindlichen südafrikanischen Nebenstraßen könnte ein Problem darstellen. Diese Schlaglöcher erreichen manchmal durchaus Ausmaße, dass man in ihnen beinahe einen Kleinwagen versenken könnte. Und damit es nicht gar so schlimm aussieht, wird bei Überlandfahrten immer nur vor Straßenschäden auf den nächsten zehn Kilometern gewarnt. Wenn nötig, dann eben halt fünf Mal nacheinander.

Damit ist es mit dem "bergab" aber fürs Erste einmal wieder vorbei. Denn direkt im Anschluss folgt die nächste zwar kurze, aber eben doch sehr wohl spürbare Rampe. Wer sich unter einem Down Run zwischen dem ungefähr siebenhundert Meter hoch liegenden Pietermaritzburg und dem auf Meeresniveau befindlichen Durban eine stetig leicht fallende Strecke vorstellt, irrt sich gewaltig.

Sonntag 30.05.2010, 6:45 Uhr - Ashburton, Little Pollys
Fast schon liebevoll wird das kurze Gefällestück hinter Ashburton "Little Pollys" genannt. Hauptsächlich deshalb, weil es bei einem Up Run in umgekehrter Richtung den letzten Vorgeschmack auf die heftige Schlusssteigung bietet. Auch nach einem Dutzend Kilometern setzt sich das Auf und Ab weiter fort. Es gilt die Kräfte gut einzuteilen. Da ist es kein Fehler, wenn man die Strecke kennt.

William Howes tut das zwar, aber nur eigentlich ein bisschen. Der Brite läuft seinen zweiten Comrades Marathon, kann also bei weitem nicht mit der Erfahrung der mehreren tausend Läufer mit den grünen Startnummern mithalten. Aber immerhin war er im Vorjahr dabei, hat also noch recht frische Erinnerungen. Und zudem ging es auch damals "bergab".

Obwohl er das blau-gelbe Trikot des britischen 100 Marathon Club trägt, hat er darauf den für Südafrika typischen Altersklassen-Aufnäher befestigt. Eine "60" ist dort vorne und hinten zu erkennen, denn der Marathonsammler ist vom Jahrgang 1948. Der Tatsache, dass er beim letzten Mal mit 8:38 auf den achten Rang seiner Kategorie gelaufen war, verdankt er diese Kennzeichnung. Denn der lokale Leichtathletikverband schreibt sie zumindest für alle Läufer, die um vordere Platzierungen kämpfen, zwingend vor.

Die Vorgaben in Südafrika - und insbesondere beim Comrades - sind in dieser Hinsicht ohnehin deutlich rigoroser als sonst. Ohne Vereinsmitgliedschaft und eine Lizenz eines Laufclubs darf man als Einheimischer nicht teilnehmen. Am Kap ist man das nicht anders gewohnt. Und niemand käme auf den Gedanken, deswegen den Aufstand zu proben. Nur bei ausländischen Gästen wird nicht nach Startpässen gefragt.

Auch ist eigentlich stets das Trikot des jeweiligen Clubs zu tragen. Und daran halten sich ebenfalls praktisch alle. Trist und eintönig ist das Starterfeld deshalb keineswegs. Ganz im Gegenteil, an Buntheit, kreativen Mustern und manchmal auch recht gewagten Farbkombinationen ist südafrikanische Laufbekleidung kaum zu überbieten.

Berittene Polizisten begleiten das Läuferfeld ein Stück Herrliche Blicke eröffnen sich im Mittelteil der Strecke

Sonntag 30.05.2010, 6:55 Uhr - Lynfield Park
Die Sonne zeigt sich langsam über dem Horizont und fängt an, ihre wärmenden Strahlen ins Läuferfeld hinein zu werfen. Die ersten, noch ziemlich langen Schatten zeigen sich auf dem Asphalt der R103. Wobei die Farben des Morgenlichtes jedoch noch deutlich wärmer sind als die tatsächlichen Temperaturen.

Das große Frösteln ist zwar vorbei, längst sind fast alle warmgelaufen. Schließlich befinden sich die abwechselnd roten, blauen und gelben Kilometermarken nun schon in einem Bereich Mitte der siebzig. Und seit der Senke von "Little Pollys" geht es sowieso gerade wieder einmal bergauf.

Viele fangen inzwischen an, sich der schützende Folien oder ihrer überflüssigen T-Shirts zu entledigen. Doch die Zuschauer, die auch in Lynfield Park wieder überraschend zahlreich an der Strecke stehen, tragen neben dicken Winterjacken zum Teil sogar Handschuhe und Wollmützen.

Ihre Grills haben sie allerdings trotzdem schon angeworfen. Der Geruch, der da gelegentlich vom Straßenrand ins Läuferfeld weht, ist unverkennbar. Mit einem - in Südafrika praktisch Kultstatus genießenden - "Braai", wie das Grillen mit dem Afrikaans-Wort für "Braten" im ganzen Land bezeichnet wird, kann man schließlich bereits zum Frühstück starten.

Gehören dazu neben Rühr- oder Spiegeleiern doch ohnehin Würstchen und Speck. Da kann ein zusätzliches Stück Fleisch dann auch nicht mehr viel schaden. Man darf davon ausgehen, dass sich die Versammlung nach der Passage der letzten Läufer sicher nicht vollständig auflösen wird sondern höchstens ein wenig verlagert. Mit so etwas wie einem Braai lässt man sich Zeit. Die in Europa bei so vielen Gelegenheiten übliche Hektik ist den meisten Südafrikanern in der Regel völlig fremd.

Montag 31.05.2010, 13:30 - Port Edward
Der blonde Kioskbesitzer im gut einhundert Kilometer südwestlich von Durban gelegenen Küstenstädtchen findet Gelegenheit, sich zu seiner Kundschaft auf die Bank zu setzen und ein kleines Schwätzchen zu halten. Klar kenne er den Comrades, erzählt er, während einige Meter entfernt die Wellen des Indischen Ozeans an den Sandstrand plätschern. Immerhin sei er in Pietermaritzburg aufgewachsen.

Doch auch der ältere Gast, der sich praktisch eine Zigarette nach der anderen ansteckt und wohl schon etwas länger auf der Sitzgruppe Platz genommen hat, nickt anerkennend und erkundigt sich nach den Spuren, die knapp neunzig Kilometern - die Distanz hat er natürlich genau wie die diesjährige Laufrichtung im Kopf - in den Beinen der Neuankömmlinge hinterlassen haben.

Im Gegensatz zu ihm macht der Chef des Hauses mit seinen breiten Schultern und dem muskulären Oberkörper sehr wohl einen ziemlich sportlichen Eindruck. Bei Langstreckenrennen im Seekajak würde er mitfahren. Die gingen manchmal über durchaus ähnliche Distanzen wie der Comrades.

Ein Läufer, nein, ein richtiger Läufer sei er keiner. Das längste, was er bisher unter die Füße genommen habe, wäre nur der "Long Tom" von Sabie nach Lydenburg gewesen. Für diejenigen Leser, die sich in der südafrikanischen Laufszene nicht so auskennen - was wohl so ziemlich alle sein dürften - sei nur gesagt, dass dabei eine Distanz von 56 Kilometern über eine 2150 Meter hohe Passstraße zu bewältigen ist. Die Maßstäbe am Kap sind manchmal eben etwas anders.

Die Inchanga-Steigung ist ein echter Prüfstein Rund hundert Höhenmeter gilt es dabei zu bewältigen Radoslaw Wieliczko kommt als einziger Pole ins Ziel

Sonntag 30.05.2010, 7:10 Uhr - an der N3, Ausfahrt Lion Park
Dort wo die Old Main Road die neue Autobahn zum ersten Mal unterquert, empfängt eine regelrechte Zuschauergasse die Läufer. Die Ausfahrt bietet eine optimale Möglichkeit für den Tross der Begleiter ohne großen Aufwand an die Laufstrecke heran zu kommen. Und entsprechend wird sie auch genutzt. Die Wiesen sind regelrecht vollgeparkt mit Fahrzeugen.

Noch eine ganze Weile wird sich der Kurs nun immer mehr oder weniger parallel zur N3 bewegen, sich eigentlich nie weiter als einen Kilometer von ihr entfernen. Vier weitere Male wird die Schnellstraße dabei gequert werden. Und auch einige andere Abfahrten geben Freunden und Angehörigen die Chance "ihren" Läufern Anfeuerung zuteil werden zu lassen.

Nach zwei- bis dreihundert Metern Publikumsspalier endet die Menschenansammlung dann aber ähnlich schnell, wie sie begonnen hat, und das Comrades-Feld bewegt sich wieder allein in die offene Landschaft hinaus. Und zwar - obwohl es doch eigentlich ein Down Run ist - in leichten Stufen immer weiter bergauf.

Freitag 28.05.2010, 12:45 Uhr - Umlaas Road
Die weiterhin gelb markierte Comrades-Strecke hat wieder hinüber auf die andere Seite der Autobahn gewechselt. Eine vor Kurzem passierte "70" auf dem rauen Asphalt zeigt an, dass man inzwischen ungefähr zwanzig Kilometer vom Start in PMB - der lange Name fordert die Südafrikaner zur Abkürzung geradezu heraus - entfernt ist. Wenig später kommt für fast alle Läufer, die sich an diesem Tag die Strecke ansehen, ein absoluter Pflichtstopp.

Etwas oberhalb der Straße ist nämlich an der Böschung ein fest montiertes, großes Metallschild aufgestellt. Es markiert den höchsten Punkt des Laufes. Und dass sich an dieser Stelle der "Highest point" befindet, ist - wie man mit ein wenig Nachdenken durchaus auch selbst erkennen kann - völlig unabhängig davon, ob es sich um die Up- oder die Down-Variante handelt. 870 Meter sei man hier oberhalb des Meeresspiegels ist dort zu lesen. Also auch mehr als hundert Meter über Pietermaritzburg.

Ein anderer Satz auf der Tafel gibt zu denken. "From here it is all downhill" steht dort zu lesen. Das wäre durchaus beruhigend, würde darauf nicht ein in Klammern gesetztes "joke" folgen. "Spässle gmacht" könnte man das wohl auf Schwäbisch übersetzten. Noch ist an dieser Stelle nämlich nur ein kleiner Teil des klar in vierstellige Bereiche vorstoßenden Gesamtanstieges bewältigt.

Das mit dem "nur noch bergab" hat man ja schon des Öfteren gehört, um dann hinterher festzustellen, dass es so gar nicht stimmte. Aber mit einer solchen Selbstironie wie am höchsten Punkt des Comrades ist man dieser Aussage sicher noch selten begegnet. Das hat sogar fast schon System. Auch auf der Marathonmesse kann man schließlich T-Shirts mit dem Logo und der Aufschrift "Umlaas Road - It's all downhill from there" käuflich erwerben. Ein echter Insiderwitz für die große Gemeinschaft der Comrades-Läufer.

Sonntag 30.05.2010, 7:30 Uhr - Umlaas Road
William Howes fängt am Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke an zu gehen. Er sei deutlich schlechter in Form als im Vorjahr und rechne sich diesmal eigentlich nichts aus, erklärt er. Vernünftig Durchkommen sei die Devise. Und dafür sollte man besser an den Anstiegen einmal rechtzeitig freiwillig gehen, bevor man später dann gehen muss.

Die Taktik geht auf. Howes ist zwar mit 9:45:50 über eine Stunde langsamer als 2009, kommt aber ohne Einbruch ziemlich gut durch. Ein Blick auf die Zwischenzeiten belegt, dass bei weitem nicht alle so vernünftig sind wie der Routinier. So mancher verschießt sein Pulver viel zu früh.

Die meisten gehen irgendwann am Inchanga-Hügel dann doch Im anschließenden Gefälle kann man es dann wieder lockerer angehen

Zusammen mit seinen Landsleuten aus dem United Kingdom stellt er übrigens das größte Ausländerkontingent. Wobei die dazu angegebenen Zahlen je nach Auflistung durchaus beträchtlich differieren. Denn es ist sehr wohl ein Unterschied, ob man dabei die Staatsbürgerschaft oder den Wohnort betrachtet.

Zum einen leben nämlich in Südafrika viele Menschen mit britischem Pass. Zum anderen hat es in den letzten Jahren auch viele Südafrikaner auf die britischen Inseln getrieben. Die zwar von der ausländischen Boulevardpresse manchmal etwas zu sehr hervorgehobene, aber eben doch bei nüchterner Betrachtung auch tatsächlich vorhandene hohe Kriminalitätsrate trägt sicher dazu bei.

Und die Nachfolger des großen Versöhners und längst zum Nationalhelden aufgestiegenen Nelson Mandela können dessen übergroße Fußstapfen schließlich immer schlechter ausfüllen. Schon Thabo Mbeki tat sich in der Rolle mehr als schwer. Und der im Vorjahr frisch gewählte neue Präsident Jacob Zuma wird gelegentlich mit seinen ziemlich polarisierenden Aussagen sogar nicht einmal mehr ernst genommen.

Um die Schwächen der durch die weitgehende Dominanz des ANC von dessen Parteigängern durchsetzten Verwaltung zu überspielen, der eigenen Klientel etwas zu bieten und die fast zwei Jahrzehnten nach Ende der Apartheid noch immer meist ziemlich arme schwarze Bevölkerungsmehrheit zu befriedigen, wird halt ab und zu doch einmal die grobe rhetorische Keule herausgeholt und zum Beispiel mit Farm-Enteignungen gedroht. So mancher geht dann lieber gleich freiwillig ins Ausland.

Selbst wenn die Rassenschranken längst der Vergangenheit angehören und man viele wirklich hoffnungsvoll stimmende Ansätze erkennen kann, ist die Regenbogennation noch lange keine echte Einheit. Die Risse verlaufen nun eben zwischen Arm und Reich. Oder zum Beispiel auch zwischen westlich geprägter Moderne und traditioneller afrikanischer Kultur.

Auf engstem Raum treffen da Erste und Dritte Welt aufeinander. Zu unterschiedlich ist der Wohlstand verteilt. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen. Während sich die eine Kluft schließt, geht anderswo eine neue auf. Südafrika wird wohl noch lange ein Land der Gegensätze bleiben.

Sonntag 30.05.2010, 7:55 Uhr - Camperdown
Die Strecke hat zum dritten Mal die Autobahn gequert. Und ist wenig später auch aus dem nur von einigen Hühnerfarmen - schon durch den Geruch eindeutig identifizierbar - unterbrochenen offenen Gelände wieder in bewohntes Gebiet eingetaucht. Camperdown heißt jenes Städtchen, das zwischen Kilometer vierundzwanzig und siebenundzwanzig durchlaufen wird.

Natürlich nimmt deshalb auch die Menschenmenge am Straßenrand wieder deutlich zu. Und kurz bevor man das Zentrum von Camperdown erreicht, bekommt sie wieder die Konsistenz eines nahezu ununterbrochenen Zuschauerspaliers. Die Autobahnausfahrt direkt daneben lässt Anwohner und Fans aus dem Comrades-Tross bunt vermischen.

Die große Schweizer Fahne, die da kaum zu übersehen an zwei Pfosten befestigt ist überrascht in all dem Jubel dann aber doch irgendwie. Die knapp zwei Dutzend Eidgenossen, die den Weg zum Comrades gefunden haben, werden offenbar von einer größeren Fangemeinde begleitet. Auch in der Folgezeit wird man unterwegs noch ab und zu dem Schweizer Kreuz begegnen.

Sonntag 30.05.2010, 8:00 Uhr - Ortsmitte Camperdown
"Wanganui" steht auf dem Trikot, das Nelda Hazelhurst durch Camperdown trägt. Der Name einer neuseeländischen Stadt. Doch nein, sie sei keine echte Kiwi, antwortet die daraufhin Angesprochene. Sie stamme vielmehr ursprünglich aus Südafrika und würde nur zurzeit im Land des Silberfarns leben und arbeiten.

Über dem Valley of thousand hills verläuft die Strecke Alle am Inchanga-Hügel gewonnenen Höhenmeter gehen gleich wieder verloren

Ausgerechnet beim Erzrivalen, ist man geneigt zu sagen. Denn mit den All Blacks aus Neuseeland verbindet die Springboks eine ziemlich große sportliche Konkurrenz. Abgesehen vom kleinen Wales hat wohl in keinem anderen Land Rugby einen ähnlich so hohen Stellenwert wie in den beiden ehemaligen britischen Kolonien auf der Südhalbkugel.

Gemeinsam spielt man auch in einer internationalen Profiliga. Und dass am Vortag des Comrades das Finale dieser Super 14 Serie als rein südafrikanische Angelegenheit zwischen den siegreichen Bulls aus Pretoria und den Stormers aus Kapstadt ausgetragen wurde, hat deshalb eine ganz besondere Bedeutung. Es ist für das Land im Süden Afrikas ein wahrlich großes Sportwochenende.

Zumal das Endspiel ausgerechnet in Soweto angesetzt war, dem zur Millionenstadt gewordenen früheren schwarzen Township vor den Toren Johannesburgs, wo ansonsten eigentlich nur der Fußball zählt. Dennoch wurde daraus eine große Party im und rund um das Stadion, die von den Medien gebührend hervor gehoben wird. Die verbindende Wirkung des Sports ist eben für Südafrika weiterhin von größter Wichtigkeit.

Die "falsche Kiwi" mit Wurzeln in Südafrika kommt bei ihrem ersten Comrades übrigens in 9:33:14 ins Ziel. Fünfzehn echte Neuseeländer tun es ihr gleich. Immerhin, gibt es doch gerade einmal vier Millionen von ihnen. Da fällt die halbe Hundertschaft Deutscher doch in Relation schon wesentlich dürftiger aus.

Mit weit über einhundert Läufern sind die Australier, das dritte Land das Mannschaften in die Super 14 Liga schickt, sogar noch deutlich zahlreicher vertreten. Doch muss man dabei auch berücksichtigen, dass eben genau dieses "Down Under", wo ja sogar das Klima ähnlich ist, neben dem Vereinigten Königreich zu den Hauptzielen südafrikanischer Auswanderer gehört. Manch einer kommt deshalb von dort zum Comrades eigentlich nur zurück in die alte Heimat.

Freitag 28.05.2010, 13:15 Uhr - Ortsmitte Camperdown
Der Posten, der die Einfahrt zur Baustelle auf dem wieder aus Camperdown hinaus führenden Stück der R103 bewacht, stellt als pantomimische Frage einen Läufer dar. Ein Nicken aus dem Auto heraus genügt und schon ist eines der Hütchen, die eigentlich für eine Vollsperrung dieses Straßenabschnittes sorgen sollen, beiseite geräumt. Comrades-Läufer genießen eben eine bevorzugte Behandlung.

Auch der Bagger, der ein Stück die Straße hinauf damit beschäftigt ist, die letzten, großen Schlaglöcher für das Rennen am Sonntag zu beseitigen, macht bereitwillig Platz. Das freundliche Winken und die erhobenen Daumen der Arbeiter zeigen, dass ihnen vollkommen klar ist, warum da trotz der Sperrung doch immer wieder einmal ein Fahrzeug vorbei kommt. Ein genauso freundliches Dankeschön dafür, dass sie ein paar Stolperfallen beseitigen, ist natürlich ebenso selbstverständlich.

Sonntag 30.05.2010, 8:10 Uhr - Camperdown, Ortsausgang
Dort wo vor eineinhalb Tagen noch gewerkelt wurde, verabschieden jetzt Zuschauer das Läuferfeld aus Camperdown. "Look, there is Spiderman" ruft ein kleiner Junge erfreut, als zwei verkleidete Teilnehmer vorbei kommen. Die Reaktionen schwanken zwischen einem Schmunzeln und erstauntem Kopfschütteln. Denn die beiden Kostümierten, die da gerade vorbei gekommen sind, tragen eigentlich unverkennbar den Dress von Superman und Batman.

Ansonsten sind Maskierte allerdings die absolute Ausnahme. Die Vorgabe nur im Vereinstrikot anzutreten, wird tatsächlich umgesetzt. Dafür trägt man dann aber so manche ungewöhnliche Kopfbedeckung über die Strecke, um aufzufallen. Neben Perücken in unterschiedlichsten Formen - bevorzugt in den ja fast die gesamte Palette umfassenden südafrikanischen Nationalfarben - kann man da auch Schlapphüten in ähnlich vielen Variationen begegnen. Und natürlich fehlen weder die Fan-Hüte mit einem Fußball auf der Spitze noch die in südafrikanischen Stadien so weit verbreiteten, kunstvoll verzierten Schutzhelme.

Insgesamt siebenundvierzig Verpflegungsstände sind unterwegs aufgebaut Das Mitteldrittel ist der landschaftlich schönste Abschnitt des Kurses

Doch zu einem Fastnachtsumzug, bei dem es eher ums Gesehenwerden als um eine ernsthafte sportliche Leistung geht, wird der Comrades ohnehin kaum verkommen. Das verhindert schon die Kombination aus Streckenlänge, Zeitlimit und der im Vorfeld verlangten Qualifikationsleistung. Und auch, die doch zur hiesigen ziemlich unterschiedliche Lauftradition in Südafrika.

Sonntag 30.05.2010, 7:01 Uhr - hinter Camperdown
Gerade eben ist Wellington Chidodo an der Zwischenzeitmarke vorbei gerauscht. Auf einem Hügel hinter Camperdown markieren Absperrgitter und eine lange Reihe von Fahnen, die fast an eine Bergankunft der Tour de France erinnern, den Weg zum Torbogen, an dem sich der erste sogenannte "Hot Spot" befindet.

Und tatsächlich hat das ein bisschen etwas von Radsport. Allerdings eher von einem Zwischensprint. Denn wer an dieser Stelle zuerst vorbei kommt, kann immerhin achttausend Rand mit nach Hause nehmen. Vorausgesetzt, er bringt das Rennen auch zu Ende. Dazu muss man allerdings noch weitere 62 Kilometer zurücklegen. Das Ganze ist also nichts für schnelle Jungs von den kürzeren Distanzen, die sich einen kleinen Zusatzverdienst sichern möchten.

Dennoch geht die erste Sprintwertung des Comrades zumindest bei den Männern in der Regel an Läufer, die später mit dem Ausgang des Rennens nicht mehr viel zu tun haben. Denn wer an diesem Punkt vorne dabei sein möchte, muss ein so höllisches Tempo vorlegen, dass später eben meist gar nichts mehr geht. Der Vergleich mit den Ausreißern bei Radrennen, die nach dem Scheitern ihrer Attacke oft völlig nach hinten durchgereicht werden, ist tatsächlich nicht so weit hergeholt.

Nur 1:30:51 benötigt Wellington Chidodo für rund siebenundzwanzig ziemlich hüglige Kilometer. Am Ende wird er allerdings weit abgeschlagen nach 8:52:44 auf Gesamtrang 2.549 ins Ziel in Durban einlaufen. Für den Gewinn der Prämie reicht das vollkommen aus. Samuel Pazanga und Michael Ngaseke, die kurz darauf in 1:31:08 und 1:31:35 die Matte überqueren, sehen allerdings ohne eine Perspektive auf Preisgeld keinen Sinn mehr darin, das Rennen zu beenden und steigen später aus.

Es dauert dann fast sieben Minuten, bis Stephen Muzhingi nach 1:37:18 vorbei kommt. Nach dem Rücktritt des von ihm im letzten Jahr geschlagenen Leonid Schwezow gilt der Sieger von 2009 als klarer Favorit. Und viele orientieren sich deshalb in ihrer Tempogestaltung dann auch am Mann aus dem Nachbarland Zimbabwe, der allerdings für das südafrikanische Profiteam von Formula 1 startet.

Sonntag 30.05.2010, 7:20 Uhr -zwischen Camperdown und Cato Ridge
Nur gute acht Minuten hinter Stephen Muzhingi haben Elena und Olesya Nurgalieva die Zwischenzeitmarke überlaufen. Jetzt sind sie wieder auf der anderen Seite der Autobahn parallel zur Schnellstraße unterwegs. Eine sich an die "Bergwertung" anschließende Brücke hat sie diesmal hinüber gebracht.

Im Gegensatz zum Männerrennen haben damit schon in einer ziemlich frühen Phase die beiden Favoritinnen die Führung übernommen. Sechs von sieben Siegen seit 2003 gingen an die russischen Zwillinge, zwölf von einundzwanzig Treppchenplatzierungen. Kaum weniger eindrucksvoll ist ihre Bilanz beim anderen großen Ultra des Landes, dem Two Oceans Marathon, wo zusammen genommen fünf Erfolge für die beiden zu Buche stehen.

In Drummond ist die Hälfte geschaft Wasser wird in kleinen Beuteln verteilt Kurz hinter Drummond ist man bei Arthur's Seat angekommen

Auch die Osteuropäerinnen starten für einen südafrikanischen Rennstall. Anders kann man die Strukturen kaum bezeichnen, die in der Laufszene am Kap bestehen. Die Nurgalievas haben das rote Trikot der Bekleidungsladenkette Mr. Price - ein Sponsor des Comrades - übergezogen, der die wohl größte Profitruppe von allen unterhält.

Doch auch andere Firmen wie zum Beispiel der Krankenversicherer Bonitas, die Minengesellschaft Gold Fields oder die Nedbank - alle ebenfalls Geldgeber der traditionsreichen Veranstaltung - haben zahlreiche Läufer fest unter Vertrag, die für ihr Gehalt nicht anderes tun müssen, als mit dem Namen ihres Arbeitgebers auf der Brust möglichst schnell zu rennen.

Samstag 29.05.2010, 8:00 Uhr - Durban, Hotel Albany
Setofolo Thekiso lässt dem Ausländer freundlich den Vortritt an der Kaffeemaschine im Frühstücksraum. "Seid ihr wegen des Comrades hier?" Es gibt also tatsächlich auch andere Gesprächseröffnungsformeln in Südafrika. An diesem Wochenende in Durban dürfte diese allerdings der absolute Standard sein.

Er selbst macht auch mit. Aber das war beim Blick auf seine schmale, austrainiert wirkende Figur ja fast zu erwarten. Nein, nein wiegelt er ab, schnell sei er nun keineswegs. Er wäre mehr "like a tortoise" - wie eine Schlidkröte also. "Slowly but constant", nennt er seinen Stil schmunzelnd. Da hätten sie ganz andere Cracks dabei, zwei davon seien sogar richtige Profis.

Setofolo ist nämlich mit dem Team der Gold Fields angereist. Eine ganze Busladung aus der Betriebssportgemeinschaft hat sich aus der über fünfhundert Kilometer entfernten Minenregion der Provinz Freestate auf den Weg gemacht. Dabei auch einige "Manager", denen man schon am nicht unbedingt geringen Körperumfang ansieht, dass sie wohl eher nicht selbst auf die Strecke gehen werden.

Ganz so langsam wie behauptet ist Setefolo dann doch nicht. Ein Blick in die Ergebnisliste zeigt, dass er in 9:40:51 sogar noch klar im ersten Drittel des Feldes landet. Von denen aus dem Bus, die auch im Ziel ankommen, sind allerdings tatsächlich nur zwei noch langsamer. Vieles ist eben wirklich nur eine Frage der Relation.

Sonntag 30.05.2010, 8:35 Uhr - Cato Ridge Subway
Mit einer U-Bahn, was sich in "Subway" ja in Nordamerika verbirgt, hat die Bezeichnung nichts zu tun. Selbst wenn die Eisenbahnlinie zwischen Durban und Pietermaritzburg sich fast ständig irgendwo in der Nähe der Laufstrecke befindet. Im eher britisch geprägten Englisch Südafrikas heißt es nicht anderes als "Unterführung".

Der Durchschlupf unter der Autobahn ist nicht nur deshalb bemerkenswert und unter den Comrades-Läufern gut bekannt, weil es eine der wenigen Stellen auf den ersten beiden Dritteln der Strecke ist, auf denen diese die R103 kurz verlässt, um die Auffahrt zur N3 nicht vollkommen zu blockieren.

Vielmehr wird an dieser Stelle nach einem guten Drittel der Distanz zum ersten Mal ausgesiebt. Wenn man absolut keine Chance hat, das Ziel in der Sollzeit von zwölf Stunden zu erreichen, wird man an mehreren sogenannten Cut Offs nämlich schon unterwegs daran gehindert, das Rennen noch weiter fortzusetzten.

Wer diesmal um 10:40 nicht an der Unterführung im Örtchen Cato Ridge ist, kann aufhören. Das ist für die Langsamstarter sogar noch ein ordentlicher Puffer und keineswegs auf ein gleichmäßiges Tempo gerechnet. Denn von dort sind es immer noch rund 58 Kilometer bis ins Ziel. Und zehn Minuten gibt man angesichts der Startverzögerung im Riesenfeld zu den sonst üblichen fünf Stunden diesmal sogar noch zu.

Zu Arthur's Seat geht es erst einmal wieder spürbar bergauf Dort liegt das Valley of thousand hills direkt unter den Läufern

Auch wegen der Spannung am Cut Off hat sich der eine oder andere bestimmt eingefunden. Dass sich allerdings ausgerechnet am Ortseingang von Cato Ridge wieder eine größere Menschenmenge versammelt hat, um die Läufer zu bejubeln, ist wohl doch eher auf das allgemeine Interesse der Anwohner und den nahen Autobahnanschluss zurückzuführen. Denn bis sich an dieser Stelle die ersten Dramen des diesjährigen Comrades ereignen, ist es ja noch lange hin.

Sonntag 30.05.2010, 8:40 Uhr - Cato Ridge
Die zunehmende Unkonzentriertheit nach über drei Stunden Laufen führt zum Stolpern an einer der hohen Bodenschwellen, mit denen die nicht gerade für ihren vorsichtigen und langsamen Fahrstil bekannten südafrikanischen Autolenker an vielen Ortseingängen herunter gebremst werden. Sofort kommt vom Läufer nebenan ein "Sorry".

Das ist sogar wirklich ehrlich gemeint und nicht nur eine leere Floskel. Denn auf die Frage, warum er das denn sage, er könne doch weder etwas für die Schwelle noch für den Stolperer aus fehlender Aufmerksamkeit, kommt zur Antwort, es tue ihm eben einfach Leid, wenn ein Laufkamerad ein Problem habe.

Nur ganz vorne wird zwischen Pietermaritzburg und Durban gegeneinander gerannt, dahinter gibt man jedem Begleiter alle nur denkbare Unterstützung und Hilfe bei der Erreichung des irgendwo ja gemeinsamen Ziels. Der dem Comrades nachgesagte ganz spezielle Geist und die ohnehin im Lande weit verbreitete Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft sorgen dafür.

Mittwoch 02.06.2010, 9:00 Uhr - Cradock, vor Tuishuise Hotel
Zwei ältere Damen kommen auf den nach dem Auschecken aus dem aus einer ganzen Häuserzeile restaurierte Pionierhäuser bestehendem Hotel fertig beladenen Mietwagen zu. Irgendwie passen sie mit ihrer freundlichen Art ziemlich gut zur Umgebung, die wie eine Filmkulisse aus längst vergangener Zeit wirkt. Der Fünf-Uhr-Tee fällt bei den beiden sicher eher selten aus.

Die beiden signalisieren, dass doch bitte einmal die Scheiben herunter gelassen werden sollten. "We've heard you ran the Comrades". Die übliche Antwort auf die längst gewohnte Gesprächseröffnung hat sich also schon im Bekanntenkreis der Hotelangestellten herum gesprochen. Cradock liegt nebenbei bemerkt rund achthundert Kilometer von Durban entfernt.

"Wie war es denn? Seid ihr durchgekommen? Wart ihr das erste Mal dabei? Kommt ihr wieder zum Comrades?" Und noch eine Frage kommt natürlich. Eine Frage, die man eigentlich fast noch öfter zu hören bekommt wie die nach der WM. "Wie gefällt es euch in Südafrika?" Man ist eben brennend daran interessiert, dass ausländische Touristen das Land in größerer Zahl als Urlaubsland entdecken.

Gastfreundschaft wird eben nicht nur propagiert. Die South African Airways verabschiedet ihre Fluggäste nach der Landung zum Beispiel nicht mit einer der üblichen Einheitsbrei-Durchsagen sondern mit der Hoffnung, dass man ihre "hospitality" genossen habe. Nein, man begegnet der Freundlichkeit der Einheimischen wirklich auf Schritt und Tritt.

Sonntag 30.05.2010, 8:45 Uhr - Cato Ridge, Ortsausgang
Hinter Cato Ridge geht es wieder einmal bergauf. Seit dem höchsten Punkt, den man nun vor immerhin schon fast fünfzehn Kilometern passiert hat, ist bisher noch nicht wirklich viel an Höhe verloren gegangen. Auch weiterhin bewegt man sich auf etwa achthundert Metern über dem Zielort Durban.

Nicht alle genießen die Sicht auf das Valley of thousand hills So mancher, der vorbei läuft, hat auch schon einen Stein in der Wall of Honour

"Hey man, I like your shoes", ruft einer der Läufer einem anderen scherzhaft zu. Die sind nämlich in einem ziemlich leuchtenden Gelb ausgefallen und scheinen zudem ziemlich schnelle Treter zu sein. Auch im Mittelfeld sind viele mit leichten Wettkampfschläppchen unterwegs, die vielen selbsternannten Laufschuhexperten hierzulande die Sorgenfalten auf die Stirn treiben würden.

Dumm nur, gibt der Träger der neonfarbigen Fußbekleidung mit viel Selbstironie zurück, dass sie eigentlich gar nicht zu ihm passen. "I slowed them down". Ein Dritter flachst weiter und wendet ein, so würde er doch immerhin auch im Dunkeln erkennen, wo die Füße sind. Die Atmosphäre im Feld ist ziemlich locker.

Wenig später begrüßt der Erstgenannte einen weiteren Laufkameraden ziemlich herzlich. Wo dieser denn bisher gewesen sei. Er habe ihn schon die ganze Zeit gesucht. Der Angesprochene gibt an seinen Kumpel zurück, es habe ja recht lange gedauert, bis er von ihm endlich eingeholt worden sei.

Dass beide Wortwechsel vor zwei, drei Jahrzehnten in dieser Form nie und nimmer denkbar gewesen wären, weil die Gesprächspartner völlig unterschiedliche Hautfarben haben, fällt inzwischen eigentlich nur noch dem Ausländer auf. Im Laufsport ist Südafrika längst zu einer echten Einheit geworden.

Sonntag 30.05.2010, 8:55 Uhr - hinter Cato Ridge
An dem mitten im Gelände aufragenden Industriegebiet beklatschen Arbeiter mit Blaumann und Schutzhelm die Vorbeikommenden. Ob sie ihre Schicht beendet, nur eine Pause genutzt oder ihre Tätigkeit während des Comrades völlig eingestellt haben, kann den Läufern eigentlich egal sein. Ihrem Arbeitgeber ist es das vielleicht dann doch nicht unbedingt.

Doch ist eine der dortigen Firmen - eventuell die gleiche - eben auch für die dahinter folgende "refreshment station" verantwortlich. Es ist bereits der achtzehnte Versorgungsposten. Insgesamt sind siebenundvierzig von ihnen über die Distanz verteilt. Alle sind in der Infobroschüre zum Rennen ganz exakt aufgelistet, mit Position, Kilometerpunkt und sogar der Straßenseite, auf der sie zu finden sind. Die meisten werden dabei von namentlich ebenfalls aufgeführten Unternehmen gesponsert.

Auch die jeweiligen Abstände zwischen ihnen sind angegeben. Der kürzeste davon, der gleich mehrfach auftaucht, lautet gerade einmal "1,4 km". Und nur die wenigsten liegen mehr als zwei Kilometer auseinander. Selbst das Maximum ist nicht größer als die Distanz, mit der bei einem normalen Stadtmarathon auf einen Verpflegungspunkt eine - auch nicht immer und überall - dazwischen aufgebaute Wasserstelle folgt.

Was die Versorgungsdichte angeht, ist der Comrades vermutlich weltweit kaum zu überbieten. Zumal es bei allen Posten drei bis vier unterschiedliche Getränke zur Auswahl gibt. Wasser und Elektrolytgetränke in den für Südafrika typischen Beuteln, den sogenannten Sachets. Fertig abgepackt sind sie wesentlich einfacher auszugeben und verursachen außerdem auch noch deutlich weniger Müll.

Zwei bis drei Millionen davon werden im Laufe des Tages ans Läuferfeld verteilt. Und hat man den Dreh, mit dem man eine Ecke abbeißt und sie abschließend aussaugt, erst einmal heraus, sind sie auch für die Teilnehmer selbst deutlich angenehmer in der Handhabung als herkömmliche Becher.

Das Cola, das man ebenfalls an jedem Posten erhalten kann, wird zwar aus großen Flaschen umgefüllt. Aber eben auch in hunderttausende von kleinen Fläschchen, die mit einer deutlich kleineren Öffnung als Becher das Trinken deutlich erleichtern. Da geht kaum ein Tropfen verloren. Die jahrzehntelange Erfahrung der Comrades-Organisation ist eben auch in solchen Details zu spüren.

Auch Anfangs der zweiten Hälfte setzt sich das Auf und Ab fort Nicht nur auf den Comrades hat man von den Hügeln einen schönen Blick

Sonntag 30.05.2010, 17:00 Uhr - Durban
Seit Stunden winkt der Helfer auf dem letzten Kilometer mit seiner roten Fahne, um den Läufern die richtige Richtung zu zeigen. Eigentlich wäre das gar nicht nötig, denn im gesamten Innenstadtbereich ist die Laufstrecke komplett und kilometerlang mit Absperrgittern gesichert. Verlaufen ist also völlig unmöglich. Wer den Kurs unbedingt verlassen möchte, muss klettern. Dennoch füllt er die ihm übertragene Aufgabe mit sichtlicher Begeisterung aus.

Selbst mitzulaufen traue er sich aber noch nicht zu, bekennt er. Schließlich würde er erst seit wenigen Jahren die Laufschuhe schnüren. Wobei der Comrades natürlich durchaus ein Fernziel für ihn sei. Aktuell beschränkt er sich aber lieber noch aufs Helfen. Doch wäre dies eben eine absolute Selbstverständlichkeit.

"Marshal" steht auf seiner gelben Sicherungsweste, die übliche Bezeichnung für einen Ordner oder Streckenposten. Und alleine knapp tausend von ihnen sind am Renntag im Einsatz. Auch jeder der Verpflegungsstände ist mit siebzig bis hundert Personen besetzt. Busfahrer, Polizisten, Sanitäter, nimmt man alles zusammen, sind wohl am Renntag mindestens zehntausend Menschen damit beschäftigt, die Veranstaltung so reibungslos wie möglich abzuwickeln.

Sonntag 30.05.2010, 9:05 Uhr - Harrison Flats
Flach wird die Laufstrecke, nach über 35 Kilometern zum ersten Mal richtig flach. Zwei, drei Kilometer lang geht es fast vollständig eben dahin. Kein Wunder, dass diese Passage unter dem Namen "Harrison Flats" bekannt ist. Mit ihr endet die - allerdings bisher ziemlich wellige - Hochebene, auf der man bisher unterwegs war.

Am Horizont zeichnet sich schon eine - nun wesentlich stärker aufgegliederte - Hügellandschaft ab. Es wird also nicht lange flach bleiben. Erstmals hat sich der Kurs auch deutlich von der N3 entfernt. Bis man ihr wieder wirklich nahe kommt, ist man längst im Stadtgebiet von Durban angekommen. Der mittlere Teil des Comrades hat einen deutlich anderen Charakter als das erste Drittel.

Sonntag 30.05.2010, 9:15 Uhr - Inchanga, Ethembeni School
Es ist einer der wirklich bewegenden Momente beim Comrades. Vorbei an der Ethembeni School, in der behinderte Schüler unterrichtet werden, führt der Kurs. Und auch diese Kinder sind wie so viele andere zum Anfeuern der Läufer an die Straße gekommen, im Rollstuhl, auf Krücken gestützt.

Sie jubeln, freuen sich, sind begeistert über jeden, der ihnen die Hand zum Abklatschen entgegen streckt. Dem einen oder andern wird beim Passieren dieses eigentlich traurigen und trotzdem so fröhlichen Spaliers dann vielleicht doch klar, wie gut man es selbst hat, wenn man körperlich in der Lage dazu ist, sich einem Rennen wie dem Comrades zu stellen.

Sonntag 30.05.2010, 9:20 Uhr - Inchanga
Vier berittene Polizisten mit breikrempigen Hüten begleiten das Läuferfeld ein Stück am Straßenrand. Im friedlichen Hügelland rund um Inchanga wirkt das in diesem Augenblick fast schon idyllisch, eher wie ein gemütlicher Spazierritt und keineswegs wie eine notwendige Sicherheitsmaßnahme.

Noch 40 Kilometer sind von Botha's Hill zu laufen Am Kearnsey College hat man dessen Kuppe überwunden Die nächste Steigung wartet allerdings schon

Vielleicht ist es das sogar tatsächlich, nur eine kleine Patrouille, um einmal nach dem Rechten zu sehen. Selbst wenn die im Ausland stets so betonte hohe Kriminalitätsrate natürlich nicht völlig frei erfunden ist und in Südafrika mehr Menschen durch Gewaltverbrechen als durch Verkehrsunfälle - was beim Fahrstil der Einheimischen schon etwas heißen will - sterben, fliegen einem eben dennoch nicht an jeder Ecke gleich die Kugeln um die Ohren.

Ohne verniedlichen zu wollen, bleibt festzustellen, dass, wer sich an gewisse Regeln hält und bestimmte Gegenden in den Städten einfach meidet, sich am Kap auch keiner größeren Gefahr aussetzt als zum Beispiel im bei Läufern doch so unheimlich beliebten New York. Dort bekommt man ja auch geraten, sich in einigen Viertel nicht zu Fuß und schon überhaupt nicht alleine hinein zu wagen.

Inzwischen sind die Temperaturen übrigens längst in die Nähe von zwanzig Grad geklettert. Die Polizisten tragen schon kurze Ärmel. Doch richtig heiß wird es eben auch nicht im südafrikanischen Winter, der in der eher warmen Provinz KwaZulu-Natal durchaus den Charakter eines mitteleuropäischen Spätsommers hat.

Eigentlich sind es ideale Bedingungen zum Laufen. Nicht zu warm für die Teilnehmer, nicht zu kalt für die Zuschauer. Dazu ein leichter Wind und später dann auch einige Wölkchen, die der Sonne ein wenig ihrer aufheizenden Wirkung nehmen. Selbst altgediente Comrades-Veteranen sprechen vom besten Wetter seit vielen Jahren.

Sonntag 30.05.2010, 9:25 Uhr - Inchanga
Die Old Main Road windet sich um den Hügel herum. Nach den langen Geraden, die den ersten Streckenteil prägten und die man zum Teil schon Kilometer im Voraus einsehen konnte, gibt es nun hinter jeder Kurve etwas Neues zu entdecken. Noch ist man im Örtchen Inchanga unterwegs, das allerdings keineswegs eine geschlossene Siedlung ist, sondern aus sich immer wieder einmal mit Gras- und Buschland abwechselnden Häusergruppen besteht.

Gelb ist die dominierende Farbe am Streckenrand. Genauso sind nämlich die Trikots der Fußballnationalmannschaft gefärbt. Und im Vorfeld der WM werden diese natürlich in großer Zahl übergezogen. Der Grad an Identifikation mit "Bafana Bafana" - so der Spitzname des Teams, was in der Sprache der Zulu nichts anderes als "Jungs" bedeutet - ist ziemlich hoch.

Soccer ist weiterhin hauptsächlich ein "schwarzer Sport", hat seine größte Hochburg in Soweto, wo mit den Kaizer Chiefs und den Orlando Pirates auch die beiden beliebtesten Clubs des Landes beheimatet sind. Und der gerade durchlaufene Teil von Inchanga ist, wenn man sich das Publikum am Straßenrand so ansieht, wohl auch eher von Schwarzen bewohnt.

Doch gelb beherrscht überall das Bild. Nicht nur die traditionellen Fußballfans führen es aus, sondern das gesamte Land trägt es - oder die Ausweichfarbe grün - völlig unabhängig von ethnischer Herkunft bei jeder sich bietenden Gelegenheit spazieren. Selbst muslimische Frauen mit Nationaltrikot und Kopftuch sind durchaus keine Seltenheit in den Straßen von Durban.

Freitag 28.05.2010, 13:30 Uhr - Inchanga
Fast einhundert Meter sind seit Cato Ridge in recht gleichmäßigem, nicht allzu steilem Gefälle verloren gegangen. Es konnte eigentlich nicht so weiter gehen. Und nun schlagen die Hügel tatsächlich mit einem Anstieg zurück, der schon beim Abfahren mit dem Auto ziemlich nervös macht. Von wegen Down Run.

Polly Shortts, der erste der Big Five, war von der Pietermaritzburger Seite her eigentlich nur eine kleine Welle. Die Inchanga-Steigung ist dagegen - ganz egal aus welcher Richtung man kommt - ein echter Prüfstein. Denn rund einhundert Meter geht es dabei jeweils innerhalb von nicht einmal zwei Kilometern nach oben und auf der anderen Seite wieder hinunter. Und das mit bereits über vierzig welligen Kilometern in den Beinen.

Nach ungefähr sechzig Kilometern kommt langsam man in den Vororten von Durban an

Klaus Neumann, der nach sechszehn Teilnahmen in Folge seit 1993 seine Serie im Vorjahr erst für den Transeuropalauf reißen ließ und den Kurs deshalb fast wie seine Westentasche kennt, hatte im Flugzeug die Bemerkung fallen lassen, es gäbe Leute, die meinten schon nach der Streckenbesichtigung habe man eine Medaille verdient. So ganz falsch ist das wohl nicht.

Freitag 28.05.2010, 17:00 Uhr - Durban Exhibition Centre
Im Umschlag seien zwei Startnummern, erzählt die Helferin am Schalter für die ausländischen Comrades-Gäste. Eine für Vorne, eine für Hinten. Die mit dem Barcode solle auf der Brust getragen werden, trifft sie eigentlich eine klare Aussage. Das dem Umschlag ebenfalls beiliegende Infoblatt mit den letzten Instruktionen sagt allerdings das genaue Gegenteil. Eines der wenigen winzigen Details, in der etwas bei der ansonsten nahezu perfekten Organisation nicht ganz hundertprozentig funktioniert.

Den Vornamen haben allerdings beide auf das sich für Europäer recht ungewohnt anfühlende, jedoch vollkommen reißfeste dünne Papier aufgedruckt. Und so ist es nicht nur für die Zuschauer leicht, die Läufer persönlich anzufeuern. Man kann auch als Teilnehmer relativ einfach erkennen, wie der Vordermann denn nun heißt.

Sonntag 30.05.2010, 9:35 Uhr - Inchanga
Radoslaw geht wie die meisten anderen um ihn herum die Inchanga-Steigung hinauf. Schon aufgrund seines Namens ist er leicht dem slawischen Sprachraum zuzuordnen. Und tatsächlich stammt er aus Danzig oder - wie er sagt - aus Gdansk. Er tut dies ohne irgendwelche nationalistische Hintergedanken. Schließlich arbeitet er ja für eine bis vor Kurzem noch deutsche Firma, die zu seinem Leidwesen nun von einem amerikanischen Konzern übernommen wurde.

Neben dem früheren Comrades-Sieger Jaroslaw Janicki, der diesmal nach zwei Dritteln der Distanz die Segel streicht und aus dem Rennen geht, nachdem er auf eine Platzierung jenseits der zweihundert durchgereicht worden ist, ist Radoslaw Wieliczko der einziger Pole im Feld. Doch ohnehin ist die Zahl der Ausländer überraschend niedrig. Nur etwa fünf Prozent des Gesamtfeldes stammt nicht aus Südafrika.

Und die Polen sind in guter Gesellschaft. Auch aus Spanien findet sich nur ein einziger Läufer in der Ergebnisliste. Die ansonsten doch so reisefreudigen Dänen sind gerade einmal als Duo erschienen. Auch die Franzosen kommen nicht bis zur Zweistelligkeit. Und die Italiener fehlen sogar völlig.

Da kann man die eigentlich auch noch recht niedrige Zahl der angetretenen Deutschen fast schon als Erfolg verkaufen. Wenn man überlegt, wie viele Tausende aus all diesen Ländern jedes Jahr nach New York zum Marathon einfliegen, muss man sich schon fragen, was die Comrades Macher denn besser machen können, um international endlich die gebührende Beachtung zu finden.

Sonntag 30.05.2010, 9:50 Uhr - vor Drummond
Die Landschaft rundherum ist faszinierend. Hoch über dem Tal verläuft die Straße am Hang entlang. Wenig später schwenkt sie sogar für ein kurzes Stück direkt auf den Kamm ein, so dass sowohl links wie rechts die Blicke nach unten gehen können. Dahinter erheben sich immer neue Hügel gegen das Licht der Sonne.

"Valley of thousand hills" heißt die Region der Provinz KwaZulu-Natal dann auch recht passend. Der Mittelteil ist der optisch sicher ansprechendste Abschnitt der Comrades-Strecke. Sie ist eben nicht nur ziemlich schwer sondern - zumindest in dieser Passage - zudem wirklich schön.

Auch ein Stück auf der Autobahn ist man nun einmal unterwegs Noch 27 Kilometer sind zu laufen als man diese wieder überquert Nicht nur der Bogen ist auf der Green Mile grün

Sonntag 30.05.2010, 9:58 Uhr - Drummond, Halfway Point
Auch Drummond liegt wieder auf einem Hügelkamm und bietet herrliche Aussichten in fast alle Richtungen. Und es liegt über hundert Meter tiefer als die Kuppe von Inchanga. Vor allem aber liegt die kleine Häuseransammlung genau auf halbem Weg zwischen Pietermaritzburg und Durban. Drummond ist der Halfway Point des Comrades.

Gerade ist der Neun-Stunden-Bus vorbei gekommen. Und das ist keineswegs ein Fahrzeug sondern die in Südafrika übliche flapsige Bezeichnung für die große Gruppe, die sich hinter einem Tempomacher einfindet. Die soeben durchgegangene ist neben den beiden für elf und zwölf Stunden die zahlenmäßig stärkste.

Grund dafür ist die Farbe der Medaille. Neun Stunden sind für die schon erwähnte Bill Rowan Medaille nötig, danach gibt es eine nur aus Bronze. Bei elf Stunden wird dann auf simples Kupfer umgeschwenkt. Und nach genau zwölf gibt es eben gar nichts mehr. Dass sich angesichts dieser Aussichten dichte Pulks hinter den - mit einem an einer Stange befestigten Wimpel kenntlich gemachten - erfahrenen Tempomachern einfinden, ist deshalb eigentlich selbstverständlich.

Sonntag 30.05.2010, 9:59 Uhr - Drummond, Halfway Point
An so einer Stelle ist es natürlich ziemlich einfach, erneut einen Schnitt zu machen. Wer bei einem normalen Comrades nach mehr als sechs Stunden vorbei kommt, kann hier oben die Schuhe einpacken. Das Rennen ist dann vorbei. Diesmal darf man den Cut Off bis 11:40 passieren. Doch danach ist auch 2010 endgültig dicht. Einige, die genau diese zehn Minuten nutzen, retten sich am Ende auch tatsächlich noch kurz vor dem Zielschluss über die Linie.

Auch und gerade in Drummond brennt natürlich die Luft. Eine Stichstraße hinunter zur im Tal verlaufenden Autobahn sorgt dafür, dass unzählige Fahrzeuge zur Halbzeitmarke rollen konnten. Einige Laufklubs haben ihre - in Südafrika zur Grundausstattung eines Vereins gehörenden - Pavillons aufgebaut. Und neben den "Gazebos" qualmen, wie eigentlich zu erwarten war, meist auch die Grills.

Drummond ist eigentlich eine Senke. Denn praktisch ohne Flachstück geht das Gefälle in eine Steigung über. Der Cut Off findet sich schon wieder im Gegenhang. Und muss deshalb optisch den Vergleich mit einer Bergwertung bei einer großen Radrundfahrt nicht scheuen. Eine lange Reihe von Absperrgittern, die Läufer und Zuschauer voneinander trennt, führt hinauf zum Bogen, der die Zwischenmarke kennzeichnet.

Eine echte Bergwertung ist das ganze allerdings dann doch nicht. Denn in der sich an den Bogen anschließenden Kurve geht die Steigung fleißig weiter. Auch die zweite Hälfte des Down Runs wartet also gleich einmal mit einer Passage auf, die irgendwie so gar nicht nach "down" aussehen will.

Sonntag 30.05.2010, 8:07 Uhr - Drummond, Halfway Point
Noch ist Wellington Chidodo in Front, doch Charles Tjiane ist ihm bis auf fünfzehn Sekunden auf die Pelle gerückt. Favorit Stephen Muzhingi dagegen hält sich auch weiterhin zurück und kommt erst neun Minuten später vorbei. Doch ist damit eben trotzdem noch lange nichts entschieden. Schließlich ist der Weg zum Ziel weiter als jener, den man am Start eines normalen Marathons vor sich hat.

Freitag 28.05.2010, 13:40 Uhr - Arthur's Seat
Der nicht allzu lange, aber kräftige Anstieg hinter Drummond wird an einer Felswand flacher, vor der eine weiter große Metalltafel eine der klassischen Landmarken des Comrades bekannt gibt. Arthur's Seat heißt diese Stelle und damit genau wie der erloschene Vulkan in der Nähe des Edinburgher Stadtzentrums.

Brett Florens läuft seine sechszehnten Comrades Noch ein knapper Halbmarathon ist es von der langen Gerade in Pinetown bis zum Ziel Michael Tregoning ist zum fünfzehnten Mal dabei

Doch ist der Name der Legende nach vielmehr darauf zurück zu führen, dass sich Arthur Newton - der erste ganz Große in der langen Reihe der Comrades-Heroen - angeblich mit Sicht über das Tal der tausend Hügel dort auszuruhen pflegte. Schlecht gewählt ist der Ort nicht, selbst wenn vom vermeintlichen Rastplatz inzwischen einige Büsche den freien Blick versperren.

Das bei der Streckenbesichtigung, zu der an diesem Tag sicher viele der über sechstausend gemeldeten Comrades-Novizen aufbrechen, bestimmt zuhauf fotografierte Schild gibt auch den Tipp, eine Blume mit dem Gruß "Good Morning, Arthur" in eine Felsnische zu legen, um gut über die zweite Hälfte zu kommen.

Sonntag 30.05.2010, 10:05 Uhr - Arthur's Seat
Kinder halten den Läufern selbstgepflückte Blumen hin. Fast ist zu vermuten, dass sie es genau wegen dieser Überlieferung tun. Solch nette Geschichten werden halt von Generation zu Generation weiter gegeben. Sie wachsen wie praktisch alle in der Region mit dem jährlich vorbei kommenden Comrades auf und damit in ständig neue Rollen hinein.

In einigen Jahren werden sie den Läufern dann Sachets reichen, später dann vielleicht als Ordner den Verkehr regeln. Und viele von ihnen werden wohl noch als Senioren im Rentenalten an der Strecke stehen. Oder vielleicht auch selbst etliche jener traditionellen Medaillen mit dem Hermes und der Aufschrift "Maritzburg - Durban" ihr Eigen nennen.

Relativ wenige der Vorbeikommenden greifen tatsächlich zu. Eigentlich erstaunlich in einem Land, in dem der Aberglauben noch immer hoch im Kurs steht. Zumindest aus Sicht des doch angeblich so aufgeklärten Europäers wirkt es so, wenn man zum Beispiel davon hört, dass viele weiterhin lieber erst ihren Medizinmann befragen bevor sie die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen. Doch gerade dieses Aufeinandertreffen völlig unterschiedlicher Denkansätze macht eben auch einen Teil des Reizes Südafrikas aus.

Viele derjenigen die keine Blume niedergelegt haben, werden übrigens wirklich nicht besonders gut über die zweite Hälfte kommen. Und mancher wird sogar bedauern, das kindliche Angebot ausgeschlagen zu haben. Allerdings könnte es sich bei der Verbindung zum späteren Einbruch eventuell auch nur um eine reine Scheinkorrelation handeln.

Freitag 28.05.2010, 13:50 Uhr - Wall of Honour
Nur wenige hundert Meter nach Arthur's Seat folgt schon der nächste Fotostopp. Links taucht nämlich die Wall of Honour vor dem Streckenbesichtigern auf. Eine lange Steinwand im Hang, auf der Plaketten mit den Namen der jeweiligen Sieger geschraubt sind. Doch nicht nur die Erstplatzierten sind dort verewigt.

Jeder, der den Comrades Marathon beendet hat, kann sich für dreihundert Rand seinen eigenen Stein kaufen. Oder ihn sich von Familie oder Freunden schenken lassen. Ein Angebot, von dem reichlich Gebrauch gemacht wird. Die Ehrenwand nimmt inzwischen weit mehr als eine Sportplatzlänge ein. Und über ihr angebrachte Ordnungsbuchstaben müssen dafür sorgen, dass man die ganz persönliche Marke auch wirklich findet.

Man mag es als Selbstbeweihräucherung abtun, als reine zusätzliche Geldeinnahmequelle für das Organisationskomitee abwerten oder einfach nur als spleenige Spielerei belächeln, alleine die Existenz der Wall of Honour ist wieder einer der vielen kleinen Belege für die Bedeutung, die der Comrades im Land am Kap hat.

Cowie's Hill ist der letzte Hügel der sogenannten Big Five Bunte Kopfbedeckungen in den Landesfarben sieht man im Feld immer wieder

Sonntag 30.05.2010, 8:33 Uhr - Wall of Honour
Sowohl Elena als auch Olesya Nurgalieva haben bereits ihren Stein in der Mauer, an der sie gerade Schulter an Schulter vorbei laufen. Und beide haben als ehemalige Siegerinnen auch nicht dafür bezahlt. Nicht einmal drei Stunden hat das Duo für vierundvierzig hüglige Kilometer gebraucht. Ein Schnellstart, der sie in den Bereich des über zwanzig Jahre alten und bei 5:54:43 liegenden Streckenrekords von Frith Van Der Merwe bringt.

Es scheint fast so, als ob auch diesmal gegen die russischen Zwillinge kein Kraut gewachsen wäre. Zwar liegt die ebenfalls aus Russland stammende Marina Myshlyanova mit acht Minuten Rückstand auf Rang drei sogar etwas weniger weit hinter den Führenden als Muzhingi. Doch sind die Nurgalievas eben ganz anders ernst zu nehmen als die vor dem Feld herlaufenden Prämienjäger bei den Männern.

Fast sicher erscheint jedoch bereits, dass der Sieg erneut nach Russland geht. Die Amerikanerin Kami Semick hat sich schließlich als Vierte auf der ersten Hälfte bereits über zwanzig Minuten eingefangen. Sie läuft zusammen mit der auch hierzulande recht gut bekannten Britin Lizzy Hawker ein eher defensives Rennen. Kurz hinter dem angelsächsischen Pärchen kommt als schnellste Einheimische Farwa Mentoor an Drummond, Athur's Seat und der Wall of Honour vorbei.

Sonntag 30.05.2010, 10:20 Uhr - Alverstone, vor Botha's Hill
Die zierliche Läuferin im hellblau-dunkelblau karierten Trikot trägt schon seit dem Start eine kleine Flagge mit sich herum. Eigentlich müsste sie längst Krämpfe in den Fingern haben. Sie trägt sie auch den erneuten Anstieg zwischen Drummond und Botha's Hill hinauf, der das Gefälle hinter der Wall of Honour wieder einmal abgelöst hat. Den Vergleich mit einer Achterbahn muss diese kurvige Straße nun wahrlich nicht scheuen.

"Bring your flags", hatten die Comrades-Organisatoren im Vorfeld gefordert. Und vor allem die Einheimischen selbst haben sich daran gehalten. Zumindest wirkt es angesichts der vielen bunten Fahne mit dem liegenden grünen Y so. Doch sind die Südafrikaner mit einem Anteil von fünfundneunzig Prozent am Starterfeld ja auch vollkommen in der Überzahl.

Immer wieder begegnet man ihrer Flagge unterwegs. Nicht nur an sondern genauso auf der Strecke. Als Aufnäher am Laufhemd sowieso. Aber eben auch als an der Kappe befestigtes Fähnchen, als aus einer Flagge bestehendem Umhang oder eben auch als die ganze Zeit mitgeschlepptes "Winkelement" in der Hand.

Die unverkennbare Farb- und Formenkombination, mit der das alte Symbol der Apartheid abgelöst wurde, ist - von den wenigen Ausnahmen unverbesserlicher Rassisten abgesehen - längst in der gesamten Bevölkerung vollkommen akzeptiert. Man zeigt seine Flagge mit viel Stolz in einem durchaus positiven, angenehmen, freundlichen Patriotismus. Im In- und Ausland. Und bei nahezu jeder sich bietenden Gelegenheit.

Gerade im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft ist fast jedes zweite Auto mit einer der zum gleichen Anlass auch hierzulande weit verbreiteten Fensterfahnen oder aber mit einem Spiegelüberzug in den Nationalfarben versehen. Wie an den gelben und grünen Trikots, denen man nun wahrlich kaum entgehen kann, lässt sich auch daran erkennen, dass dieses doch so vielfältige Südafrika durch das sportliche Großereignis enger zusammen rückt

Montag 31.05.2010, 13:30 - Port Edward
Es wäre jetzt eigentlich wirklich an der Zeit, endlich auch die eigene Flagge mit den Landesfarben aus dem Schrank heraus zu kramen, fällt dem blonden Kiosk-Besitzer im Laufe der Unterhaltung ein. Denn natürlich sei der Soccer World Cup für Südafrika unglaublich wichtig. Das Land hätte eine riesige Chance, sich zu präsentieren.

Selbst im südafrikanischen Winter blüht es an der Strecke Im Campingstuhl kann man auch nicht oft auf der Autobahn Platz nehmen Lang ziehen sich die Schnellstraßen im Schlussabschnitt

Nun könne man zeigen, dass es eben viel, viel mehr zu bieten habe als wilde Tiere, Apartheid, Kriminalität und Armut. Die Welt würde jetzt endlich einmal genauer nach Südafrika blicken. Doch noch viel bedeutender sei eben die einigende Wirkung für die Nation selbst. Das ganze Land würde schließlich geschlossen hinter Bafana Bafana stehen.

Radiowerbung, in denen die Kapitäne der Springboks und der Proteas, also des Rugby- und des Kricket-Nationalteams, den Fußballern alles Gute wünschen, scheinen dies zu bestätigen. "Make us proud, Bafana Bafana", ertönt es in regelmäßigen Abständen aus dem Äther. Dabei wäre diese Motivationshilfe angesichts der herrschenden Begeisterung und Vorfreude gar nicht nötig.

Er glaube allerdings nicht, dass das eigene Team eine realistische Chance auf eine gute Platzierung habe, lässt der Kajakfahrer und "Nichtläufer" durchblicken. Mit einem zweiten Rugby-Wunder rechnet er nicht unbedingt. So schön das für Südafrika nicht nur aus sportlichen sondern auch aus politischem Blickwinkel auch wäre.

Seine Aussage, der Gewinn des Rugbytitels 1995 sei der wichtigste Tag in der Geschichte Südafrikas gewesen, ist eben genau deshalb völlig ernst gemeint. Und mit dieser Meinung steht er keineswegs alleine. Auch so mancher Historiker vertritt inzwischen die These, die Apartheid sei auf dem Rugby-Feld zu Ende gegangen.

Sonntag 30.05.2010, 10:35 Uhr - Botha's Hill
Radoslaw Wieliczko ist zurück. Es geht nach einem recht angenehm zu laufenden Gefälle hinunter nach Botha's Hill nämlich gerade einmal wieder bergauf. Während die meisten Läufer um ihn herum inzwischen an Steigungen recht schnell den Wanderschritt bevorzugen, trabt der Pole die Anstiege wesentlich länger nach oben. Ihm wäre es eben deutlich lieber, wenn die Strecke hinauf ginge als wenn sie hinunter führen würde.

Und noch gibt es den regelmäßigen Wechsel zwischen Berg und Tal. Gerade hat man das Schild mit der "40" passiert. Das Thermometer, mit dem Sponsor Bonitas darauf die noch zu laufende Distanz bildlich darstellt, ist also schon auf über die Hälfte des Ausgangswertes abgesunken. Doch auch weiterhin bewegt man sich höhenmäßig ein wenig oberhalb des Niveaus von Pietermaritzburg.

Sonntag 30.05.2010, 10:55 Uhr - Botha's Hill, Kearnsey College
Noch immer ist man durch Botha's Hill unterwegs. Mit den weit verstreuten Häusergruppen, in die man wenige Kilometer zuvor hinein gelaufen ist, hat das allerdings immer weniger zu tun. Weit sind die Vororte von Durban in die Hügel um die Stadt hinaus gewuchert. Ohne jede erkennbare Grenze, ohne Anfang und Ende gehen sie ineinander über.

Und diese Zone haben die Comrades-Läufer nun langsam erreicht. Das Valley of thousand hills liegt dagegen hinter ihnen. Von nun an werden Ausblicke auf grüne Wiesen in einer spektakulären Hügellandschaft der Vergangenheit angehören. Die letzten fünfunddreißig Kilometer werden eigentlich nur noch in bewohntem Gebiet gelaufen.

Erneut ist eine Steigung bewältigt, jener Big-Five-Hügel, der genau wie die Ortschaft heißt und erneut auf fast achthundert Meter hinauf führt. Hinter der Kuppe beginnt eine Schatten spendende Allee. Zwischen ihren Bäumen spannt sich ein Transparent. "Kearnsey College", steht darauf. Es ist der Name des Eliteinternats, an dem man gerade vorbei läuft. Eine völlig andere Schule als die Ethembeni School von Inchanga. Doch was beide verbindet ist die Begeisterung für den Comrades.

Sieben Kilometer vor dem Ziel geht es erneut auf die Autobahn Kurz, aber heftig ist die Rampe dort hinauf Weit einsehbar sind viele der Straßen am Ende

Sonntag 30.05.2010, 10:59 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Nach genau 5:29:01 hat Stephen Muzhingi die Linie im Kricketstadion von Kingsmead, das als traditioneller Zielort für den Comrades dient, überquert und damit das Rennen zum zweiten Mal für sich entschieden. Als Erster überhaupt kann er zwei Down Runs direkt hintereinander gewinnen. Was allerdings auch bisher gar nicht möglich war, denn nie zuvor wurde bisher die Bergabvariante in aufeinander folgenden Jahren gelaufen.

Seine Erfahrung und Geduld haben sich ausgezahlt. Achtzehn Kilometer vor dem Ziel ist er am Cowie's Hill endgültig von seinem letzten Begleiter Claude Moshiywa, der sich lange Zeit am Vorjahressieger orientiert und zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit ihm geführt hatte, davon gezogen. Und während Moshiywa in der Folge noch auf Platz sechs zurück fällt, vergrößert Muzhingi seinen Vorsprung kontinuierlich, um schließlich mit über sechs Minuten Abstand zum Zweiten zu gewinnen.

Nach 5:35:29 kommt Ludwick Mamabolo ziemlich überraschend gleich bei seinem ersten Comrades aufs Treppchen. Auf der zweiten Rennhälfte hat er sich von Rang elf bei Halbzeit kontinuierlich nach vorne gearbeitet und einen nach dem anderen der noch vor ihm liegenden eingesammelt.

Noch langsamer ist der Dritte Sergio Motsoeneng angelaufen. Er lag in Drummond sogar noch auf einem Platz jenseits der dreißig. Im Gegensatz zu Ludwick Mamabolo ist sein Name beim Comrades aus der Vergangenheit allerdings bereits gut bekannt. Er tauchte damals jedoch keineswegs in positiven Schlagzeilen auf.

Denn bei Motsoeneng handelt es sich um jenen Läufer, der sich im Jahr 1999 unterwegs mehrfach mit seinem Bruder abwechselte, mit diesem dreisten Betrugsversuch unter die ersten zehn im Gesamteinlauf kam und nach dem Bekanntwerden der Aktion anschließend disqualifiziert und gesperrt wurde.

Aufgeflogen war die ganze Geschichte, die damals auch in der internationalen Fachpresse Beachtung fand, hauptsächlich deshalb, weil bei den vielen Fotos, die unterwegs gemacht worden waren, der Starter mit der Nummer 13018 die Armbanduhr ständig wechselnd einmal am linken und einmal am rechten Handgelenk trug.

Inzwischen ist die Sperre abgelaufen und Sergio Motsoeneng darf seit einigen Jahren erneut antreten. Nach zwei Ausstiegen und einem neunundzwanzigsten Platz im Vorjahr läuft er nun ähnlich unerwartet wie Ludwick Mamabolo aufs Treppchen. Wer auf dieses Ergebnis gesetzt hatte, dürfte trotz des Sieges des Topfavoriten eine ziemlich gute Quote erhalten.

Auch die nächsten Plätze bleiben durch Bongmus Mthembu (5:37:48) und Fanie Matshipa (5:39:52) in Südafrika. Von den angetretenen Osteuropäern kann eigentlich nur der inzwischen Zweiundfünfzigjährige Vladimir Kotov wirklich überzeugen, der in 5:51:38 immerhin noch Gesamtvierzehnter wird. Der hoch gehandelte Grigory Murzin wird dagegen knapp unter sechs Stunden nur Zweiundzwanzigster.

Montag 31.05.2010, 8:30 - Durban
Nicht immer besonders geschmeidig sind die Bewegungen, mit denen an diesem Morgen die Kunden die Läden betreten, um sich eine Zeitung zu kaufen. So manchen sieht man schon am ziemlich steifen und ungelenken Gang an, dass er am Tag zuvor von Pietermaritzburg nach Durban gelaufen sein muss.

Der große Renner an den Kiosken ist "The Mercury". Die Zeitung aus Durban hatte schon zuvor in der gesamten Stadt mit Plakaten dafür geworben, dass sie am Montag mit vielen Bildern und Artikeln sowie allen Resultaten über den Comrades berichten würde. Auch unterwegs an der Strecke hingen diese Informationen an nahezu allen Laternenpfosten. Zumindest an denen, die nicht bereits durch die gelben Comrades-Schilder belegt waren.

Die letzten Kilometer in Durban sind komplett mit Absperrgittern versehen In der Innenstadt herrscht Citylauf-Atmosphäre

Nun blättern überall Teilnehmer und Sportinteressierte in der über zwanzig Seiten starken Ergebnisbeilage herum und analysieren die Zeiten. Natürlich sind diese auch schon im Internet verfügbar. Und in den Comrades-Foren beginnen bereits erste Diskussionen darüber, ob zum Beispiel ein Läufer, der die zweite Hälfte eine Stunde schneller zurück gelegt hat als die erste, nicht vielleicht doch geschummelt hat.

Einig ist man sich allerdings darin, dass die Comrades Marathon Organisation, die ja schon bei den Qualifikationszeiten jede einzelne genau überprüft hat, solche Fälle definitiv untersuchen wird. Und dass sie bei der kleinsten Unregelmäßigkeit auch ohne mit der Wimper zu zucken, Disqualifikationen aussprechen wird. Nicht nur im Vorderfeld wie bei Sergio Motsoeneng sondern auch in der breiten Masse.

Sonntag 30.05.2010, 11:25 Uhr - Hillcrest
Über zwei Kilometer lang ist man nun von Botha's Hill nicht gerade sanft bergab gelaufen. Auch dieser Big-Five-Hügel hat also in An- und im Abstieg einiges zu bieten, um den Comrades-Läufern weitere Kraft aus den Beinen zu ziehen. Und der Blick nach vorne offeriert nichts Gutes. Denn etliche der gerade erst verloren gegangenen Höhenmeter darf man gleich wieder zurück gewinnen.

Doch erstens hat man sich auch als Comrades-Neuling an solche Berg- und Talfahrten inzwischen fast gewöhnt. Und zweitens, was kann man schon erwarten, wenn eine Siedlung Hillcrest, übersetzt also ungefähr "Hügelkamm" heißt. Doch dafür helfen lange Publikumsreihen die Steigung hinauf, reichen jeden im Feld regelrecht nach oben weiter.

Sonntag 30.05.2010, 11:43 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Auch das Rennen bei den Frauen ist entschieden. Und dort ist der Ausgang noch viel weniger überraschend als bei den Herren. Dass eine der beiden Nurgalievas gewinnt, darauf hätten wohl nur wenige nicht getippt. Mit einer Sekunde Vorsprung ist es Elena, die in 6:13:03 als Erste die Linie überquert.

Wer den Einlauf betrachtet, dem ist allerdings klar, dass da nicht mit letztem Einsatz um den Sieg gekämpft wird. Das böse Wort "Stallregie" will zwar niemand hören. Und vielleicht wäre es auch übertrieben. Aber ein wenig sieht es schon danach aus, als ob schon lange vor dem Stadion klar gewesen sei, wer vom Zwillingsduo, den Fuß zuerst auf die Linie setzt.

Vom Rekordtempo, dass die beiden auf der ersten Hälfte angeschlagen haben, sind sie am Ende zudem weit entfernt. Rund eine Viertelstunde packen sie zwischen Drummond und Durban auf ihre Durchgangszeit drauf. Der Streckenrekord bleibt weiter unangetastet.

Durch Marina Myshlyanova wird nach 6:26:02 das komplett russische Treppchen komplettiert. Überhaupt ändert sich auf den ersten Plätzen ziemlich wenig. Nur Lizzy Hawker muss Kami Semick, die in 6:32:54 Vierte wird, ziehen und kurz vor dem Ziel auch noch Farwa Mentoor passieren lassen. Doch rund eine Minute hinter der 6:38:40 laufende Südafrikanerin wird sie mit 6:39:42 immerhin noch Sechste.

Sonntag 30.05.2010, 11:30 Uhr - Winston Park
Endlich einmal ohne größere Höhenunterschiede, wenn auch nicht ganz eben, hat man sich der dritten Zwischenzeit genähert. In Winston Park, 31 Kilometer vor dem Ziel, liegt nicht nur eine Matte. Dort wird auch zum nächsten Mal gesiebt. Punkt 14 Uhr ist hier Schluss. Wer kurz davor durchkommt, hat für das letzte Drittel der Distanz noch dreieinhalb Stunden Zeit.

Kurz vor den elf Stunden wird das Läuferfeld in Durban ziemlich dicht Der "Elf-Stunden-Bus" kommt mit viel Spaß genau im Zeitplan an

Freitag 28.05.2010, 14:20 Uhr - Gillitts
Die Streckenbesichtigung endet an der Auffahrt zu einer Schnellstraße. Weiter geht es nun wirklich nicht. Denn sonst müsste man zum Geisterfahrer werden. Auf der rechten, also der im links fahrenden Südafrika falschen Fahrbahnseite der mit M13 nummerierten Piste sind die nächsten beiden Kilometer zu absolvieren.

Im letzten Drittel der Distanz werden diese Stadtautobahnen zu einem ziemlich hohen Anteil die Bühne für den Comrades bieten. Der Schlussabschnitt des Rennens hat also wieder einen völlig anderen Charakter und ist - um es nur einmal vorsichtig auszudrücken - zumeist doch eher unspektakulär.

Sonntag 30.05.2010, 12:00 Uhr - Kloof, Green Mile
Der Kurs hat die Autobahn fürs Erste verlassen und diese am Schild mit der "27" auch sogleich überquert, um wenig später in eine herrlich grüne Allee durch ein Wohngebiet einzutauchen. Doch weniger wegen der Bäume trägt die Passage - wie man auf dem gerade durchlaufenen Bogen lesen konnte - den Namen "Green Mile".

Vielmehr hat der Sponsor dieses Abschnitts als Logofarbe ebenfalls Grün gewählt. Es handelt sich nämlich um die Nedbank, die ja auch für die gleichfarbigen Laufkappen verantwortlich ist. Aber vermutlich ist es angesichts der Umgebung dann doch nicht so ganz zufällig, dass sie ausgerechnet diesen Kilometer ausgesucht hat, um ihre Fahnen aufzustellen.

An mehreren Stellen wird auf Kosten der werbenden Bank mit Ansagern und Musik für Stimmung gesorgt. Und irgendwo mittendrin baumeln hoch oben in den Bäumen zwei besetzte Hängematten. Ihre wohl absolut schwindelfreien Insassen halten den Läufern nach unten große grüne Plastikhände entgegen.

Als "high five tree hangers" hat man diese sogar auf der Comrades-Webseite angepriesen. Und zum "High Five", also zum Abklatschen werden auch die Vorbeikommenden mit Schildern aufgefordert. So mancher etwas kleiner Gewachsene muss sich dazu allerdings dann doch ganz schön strecken.

Sonntag 30.05.2010, 12:10 Uhr - Kloof, Green Mile
Eine Mittfünfzigerin bietet den Läufern am Ende der Green Mile eine Schüssel mit Weingummi an. Die mit dem "Dankeschön" für den Zuckerstoß verbundene, inzwischen schon etwas wehleidige Anmerkung, den Comrades hinter sich zu bringen, sei nun wirklich ein verdammt hartes Stück Arbeit, wird von ihr sofort trocken gekontert. Denn das sei ihr ziemlich gut bekannt. "I did it six times".

Hoppla, das war nun keineswegs zu erwarten. Denn wie eine Läuferin, sieht sie irgendwie nicht aus. Und eine solche Distanz war ihr auf den ersten Blick schon überhaupt nicht zuzutrauen. Doch ohne Comrades-Medaille - am besten gleich mehrere davon - wird man in Südafrika als Läufer eben nicht wirklich ernst genommen. Mit einem Standard- oder gar nur einem Halb-Marathon wie hierzulande kann man da kaum glänzen.

Selbst Marathonasse wie New York Gewinner Willie Mtolo oder Olympiasieger Josia Thugwane, der bei seiner Premiere 2010 noch vor Halbzeit aussteigt, lassen sich schließlich bei jenem Rennen sehen, das einfach den größten Stellenwert im Land hat. Einzig zu Hendrik Ramaala, der ebenfalls im Big Apple schon auf dem obersten Treppchen stand, findet sich noch kein Eintrag in den Comrades-Büchern. Könnte man sich einen Dieter Baumann auf dem Rennsteig oder einen Viktor Röthlin in Biel vorstellen?

Klaus Neumann hat schon siebzehn Comrades Marathons in den Beinen Die Sonne steht schon wieder tief, als sich viel dem Ziel nähern Nur noch einen Häuserblock bis zum Einbiegen auf die Zielgerade

Sonntag 30.05.2010, 12:15 Uhr - Kloof
Es ist nun ganz sicher nicht die erste Verpflegungsstelle, die man da im Vorort Kloof passiert. Und auch nicht die erste, die jene hierzulande eher unübliche Wettkampfernährung anbietet. Denn neben Obst in Form von Orangen und Bananen sowie Keksen gibt es schon seit längerem an einigen der refreshment stations auch gekochte Kartoffeln im Sortiment.

Viele Südafrikaner schwören auf die in europäischen Augen doch etwas gewöhnungsbedürftigen Kohlenhydratspender während eines Ultralaufes, was sich schon daran ablesen lässt, dass die beim Comrades benötigte Menge in der Maßeinheit "Tonnen" angegeben wird. Der Rennsteig hat seinen Haferschleim, der Comrades eben seine "cooked potatoes".

Sonntag 30.05.2010, 12:20 Uhr - Fields Hill
Kaum ist man nach dem Ausflug auf die Grüne Meile erneut auf die M13 eingeschwenkt, fängt der Down Run auf einmal richtig an. Fields Hill steht in dem Ruf der längste und höchste der Big Five zu sein. Doch ist er das eigentlich nur in der Aufwärtsvariante. Auf dem Weg von Pietermaritzburg nach Durban kann man von einem zu erkletternden Hügel eigentlich nichts bemerken.

Doch dafür geht es nun wirklich ziemlich heftig bergab. Irgendwann mussten ja auch endlich einmal Höhenmeter verloren gehen: Bewegte man sich doch fünfundzwanzig Kilometer vor dem Ende noch immer auf knapp sechshundert Metern über dem Meer. Weniger als vierhundert werden es dann am Fuße des Fields Hills sein.

Was mit frischen Beinen noch einmal zum Schwungholen dienen könnte, wird nach einer so langen Strecke allerdings ebenfalls zur Tortur. Die müden Beine haben doch erhebliche Schwierigkeiten die Schläge abzufangen. Und für die nun in der Ferne sichtbaren Hochhäuser der Innenstadt von Durban haben nur die wenigsten noch einen Blick übrig.

So langsam stellt sich dann auf der - abgesehen von einer unterwegs aufgebauten Verpflegungsstelle - auch noch recht menschenleeren Stadtautobahn doch die Frage, warum man sich das eigentlich antut.

Samstag 05.06.2010, 12:00 Uhr - Golden Gate Highlands National Park
"Wie? Ihr wollt wandern gehen? Ihr müsst euch doch erholen." Das junge südafrikanische Pärchen ist ziemlich überrascht. Als bei der längst Routine gewordenen Gesprächseröffnungsformel mit dem Ranger, bei dem man den Eintritt bezahlt, das Zauberwort "Comrades" gefallen ist, haben sie nebenan ganz große Ohren bekommen.

Und statt sich die Möglichkeiten einer kleinen Wanderung im - eher aufgrund seiner Felsformationen als wegen seiner Tierwelt bemerkenswerten - Nationalpark an der Grenze zu Lesotho erklären zu lassen, wird erst einmal kurz über den Ultralauf geredet. Denn auch der Ranger zeigt ein gewisses Interesse.

Der Muskelkater wäre doch längst vorbei. Schließlich sei der Comrades fast eine Woche her, werden die Bedenken vorsichtig entkräftet. Recht heftig waren die Beschwerden allerdings in den ersten Tagen schon. Zweitausend Meter Gesamtgefälle haben gepaart mit der langen Distanz natürlich deutliche Spuren hinterlassen. Doch sechs Wochen völlige Pause, wie die beiden Twens empfehlen, wäre wohl doch etwas übertrieben.

Sonntag 30.05.2010, 12:30 Uhr - Pinetown
Jetzt würde eine elend lange Gerade folgen, erzählt Brett Florens am Fuße des Fields Hill nachdem innerhalb von gerade einmal knappen vier Kilometern über zweihundert Höhenmeter verloren gegangen sind und man die Autobahn wieder verlassen hat. Und anschließend komme nur noch ein Hügel, der ebenfalls bekannte Cowie's Hill.

Elmar Zöller geht bei seiner Comrades-Premiere in Richtung Ziel Bunt sind die südafrikanischen Läuferfelder Am Ausstellungsgelände hat man sich an den Vortagen die Startnummer abgeholt

Die Aussage von Florens, der für den Savages Athletic Club aus Durban läuft, ist durchaus glaubhaft. Schließlich trägt auch er eine grüne Startnummer über die Strecke. Seinen sechzehnten Comrades hat er gerade unter den Füßen. Der erste Teil seiner Ankündigung trifft schon einmal voll zu. Denn eine weit einsehbare, breite Straße führt schnurgerade durch ein Gewerbegebiet.

Aber auch das mit dem Hügel scheint zu stimmen. Ganz hinten, am Ende der Straße ist nämlich schon die Erhebung zu erkennen, auf die sie zuführt. Nach "New Germany" zeigt ein Verkehrsschild am Straßenrand. Und nur noch ein Halbmarathon ist bis zum Ziel zurück zu legen. Doch wo man andere Wettkämpfe erst beginnt, hat man jetzt schon fast siebzig Kilometer hinter sich.

Sonntag 30.05.2010, 12:40 Uhr - Pinetown
Lucky Mtshali sieht überhaupt nicht so aus, wie es sein Name behauptet. Er hat seine Schuhe ausgezogen und marschiert die tatsächlich ziemlich lange - dass auch sie leicht wellig ist, muss man kaum noch erwähnen - Gerade durch Pinetown entlang. Seine Startnummer zeigt, dass er in der A-Gruppe mit den ganz schnellen Jungs gestartet ist. Noch im Vorjahr hat er sich mit einer Zeit unter siebeneinhalb Stunden eine Silbermedaille erlaufen.

Bis Camperdown war er auch diesmal keine zwei Stunden unterwegs, lag dort um Platz sechshundert. Nun geht gar nichts mehr. Noch sind es ungefähr zwanzig Kilometer bis zum Ziel, eigentlich viel zu weit. Doch irgendwie will Lucky nicht aufgeben. Am liebsten möchte er, wie er sagt, seine ausgezogenen Schuhe mit dem Chip per Hand auf die Matte im Sahara Stadium legen.

Wenn man beim Comrades antritt, versucht man eben auch durchzukommen. Egal wie. Man kann es "Ehrenkodex" nennen oder, wie es die Südafrikaner tun, den "Comrades spirit". Lucky kommt tatsächlich durch. Er benötigt für die letzten zwanzig Kilometer allerdings mehr als drei Stunden. Nach 10:18:41 beendet er seinen insgesamt dritten Comrades. Die Platzierung liegt jenseits der sechstausend. Aber er ist im Ziel.

Sonntag 30.05.2010, 12:55 Uhr - Cowie's Hill
Soeben ist der vorletzte Cut Off überlaufen und schon geht es wie von Brett Florens angekündigt heftig nach oben. Der Kontrollpunkt liegt nämlich am Fuße des letzten der Big Five, des Cowie's Hill. Und dieser ist im Gegensatz zum Fields Hill wieder von beiden Seiten eine ganz ordentliche Steigung.

"Where are you from?", fragen gleich mehrere Anwohner, die es sich vor ihren Häusern zum Zuschauen am Straßenrand bequem gemacht haben, direkt hintereinander. Einer wirft nach der Antwort dann sogar ein paar deutsche Brocken ins kurze Gespräch ein. Man freut sich ganz ehrlich über jeden fremden Besucher.

Das Publikum hat allerdings auch nicht unbedingt ein großes Problem, die ausländischen Gäste aus dem auch zu diesem Zeitpunkt noch immer ziemlich dichten Feld heraus zu fischen. Denn diesen hat man im Gegensatz zu den Südafrikanern als Erkennungsmerkmal eine blaue Startnummer verpasst.

Ohnehin ist in den Farben der Nummern so einiges codiert. Denn neben den grünen der Läufer mit zehn und mehr absolvierten Comrades Marathons gibt es auch noch die gelben für diejenigen, die nur noch diesen einen Lauf zu Ende bringen müssen, um ihre lebenslang feste Startnummer zu erhalten und dann beim nächsten Mal in Grün laufen zu dürfen. Im Ziel wartet der Aufnäher mit ihrer Zahlenkombination schon auf sie.

Manche laufen und manche wandern den letzten Kilometer dem Stadion entgegen Einige haben auch ihre Fahne mitgebracht

Die Teilnehmer mit den gelb gestreiften sind gerade dabei ihren zwanzigsten Comrades zu vollenden. Und die mit den grün gestreiften haben diesen schon hinter sich. "Double Green" nennt sich diese Stufe der Ehrentafel, die immerhin auch schon rund achthundert Läufer - von denen natürlich bei weitem nicht alle am Start sind - erklommen haben.

Und die orangegestreiften sind auf dem Weg zu einem "back-to-back". So nennt man es, wenn Novizen des Vorjahres erneut antreten, um das Rennen auch in die entgegengesetzte Richtung zu absolvieren. Eine zusätzliche Medaille mit zwei einander den Rücken zudrehenden Hermes-Figuren ist der Lohn dafür. Auf der diesjährigen Sondermedaille laufen die beiden Götterboten allerdings nebeneinander her. Denn schließlich wird ja zum zweiten Mal in direkter Folge ein Down Run veranstaltet.

Sonntag 30.05.2010, 13:55 Uhr - M13 bei Westville
Zäh wird es langsam aber sicher, richtig zäh. Schon seit einigen Kilometern zieht sich die Strecke auf der Schnellstraße dahin, diesmal als Ausnahme einmal über die linke Fahrbahn. Nach dem Abstieg vom Cowie's Hill ist man zum dritten Mal auf die Stadtautobahn eingeschwenkt. Nun lassen die schon weithin sichtbaren Kilometermarken zumindest vom Gefühl her immer länger auf sich warten. Und die darauf abgebildeten Zahlen wollen auch irgendwie nicht richtig kleiner werden.

Auf der breiten Straße mit ihren weiten Kurven kommt zudem kaum Stimmung auf, selbst wenn sich gelegentlich durchaus der eine oder andere Zuschauer eingefunden hat. Doch mit den dichten Reihen, die man in den Wohngebieten zum Teil schon durchlaufen hat, lässt sich das überhaupt nicht vergleichen. Ausgerechnet dort wo man Unterstützung nötig hätte, fehlt sie fast völlig.

Fast begrüßt man in der Zwischenzeit schon jede noch so kleine Steigung auf dem nicht ganz ebenen Asphaltband. Kann man an diese doch mit deutlich besserem Gewissen wieder einmal gehen, als wenn es wie meist in dieser Passage "leider" leicht hinunter ginge. Auch das Bergablaufen ist keine reine Freude mehr. Zu müde und durchgestaucht sind die Muskeln inzwischen halt einfach.

Sonntag 30.05.2010, 13:55 Uhr - 45th Cutting
Na ja, so ganz stimme das mit dem letzten Anstieg dann doch nicht, erklärt Michael Tregoning knapp zehn Kilometer vor dem Ziel. Cowie's Hill sei vielleicht der letzte der fünf bekannten Hügel. Aber nur noch bergab ginge es hinter ihm eben keineswegs. Jetzt müsse man zum Beispiel erst einmal wieder einen Kilometer den Berg hinauf. "45th Cutting" würde man diese Steigung nennen.

Die Autobahn wird wieder zur normalen Straße. Und diese steigt tatsächlich an. Ob sie jetzt nach einem früheren Premierminister Jan Smuts Highway oder nach dem letzten souveränen Zulu-König King Cetshwayo Highway heißt, darüber ist man sich in einen jener typisch südafrikanischen Namenskonflikte nicht so richtig einig. Nur die Nummer ist auch weiterhin die M13.

Bei Kilometer sieben - in der bekannten umgekehrten Zählung - käme in Mayville noch eine kurze, aber ziemlich steile Rampe, berichtet Michael beim Hochwandern weiter. Und dann gäbe es nicht einmal fünf Kilometer vor dem Ziel ja auch noch die wesentlich längere Tollgate-Steigung. Also drei Hügel seien es jetzt schon noch.

Sein Trikot sieht mit den breiten Schulterteilen nicht unbedingt nach Südafrika aus, wo die Träger für viele gar nicht dünn genug sein können. Es fällt in seiner Form sogar regelrecht auf. Doch der Laufverein "Jeppe" hat sich für ein Modell aus der Kollektion eines europäischen Herstellers entschieden, wo man inzwischen auf völlig andere Schnitte umgeschwenkt ist.

Die Vuvuzela ist auch beim Comrades dabei Einen Kilometer vor dem Ziel macht dieser Läufer noch ein Tänzchen

Dieser Club wäre aus einer sogenannten "Old Boys" Vereinigung hervor gegangen, berichtet Michael nach der nicht gerade ermutigenden Streckenerklärung weiter. Also aus einer Verbindung ehemaliger Schüler der gleichnamigen Privatschule. Eine nicht völlig unübliche Konstruktion in der südafrikanischen Laufszene. Auch auf anderen Trikots finden sich ähnliche Aufschriften. Allerdings stehe er längst allen offen und nicht nur den Abgängern der Jeppe High School.

Auch Michael Tregoning trägt übrigens grün. Es ist sein fünfzehnter Comrades. Allerdings der erste nach zehn Jahre. Zuletzt war er beim Millenium Run im Jahr 2000 dabei. Da sie mit einer großen Gruppe angereist wären, hätte er sich aber wieder einmal aufgerafft. Nach achtzig Kilometern und unzähligen Auf- und Abstiegen sei ihm jedoch zu seinem Leidwesen sehr wohl wieder eingefallen, warum er zuletzt pausiert habe.

Es geht ihm nicht alleine so. Doch das "erste und letzte Mal", das er deshalb zu hören bekommt, lässt er trotzt aller gerade selbst geäußerten Klagen nicht gelten. Der Up Run sei doch ein völlig anderes Rennen. Für die Beine wäre dieser viel leichter zu verkraften. Das müsse man unbedingt einmal mitgemacht haben. Man soll bloß wiederkommen, am besten gleich beim nächsten Mal. Auch Michael hängt wie so viele andere eben am Comrades.

Dienstag 01.06.2010, 19:30 Uhr - Cradock, Tuishuise Hotel
Der Mann, der sich am abendlichen Buffet im Tuishuise Hotel, den Teller mit Kudu-Fleisch - eine südafrikanischen Antilopenart - füllt, trägt ein Comrades T-Shirt. Es ist schon ein etwas älteres Modell, was man alleine schon daran erkennen kann, dass es nicht von der aktuellen Ausrüsterfirma stammt.

Ja, seine Teilnahme am Comrades sei nun doch schon ein paar Jährchen her, gibt er ohne Umschweife zu. Doch das Hemd würde er in Ehren halten. Und fast schon selbstverständlich stellt er ebenfalls die gewohnten Fragen. "Wie war es denn bei euch? War das euer erster Comrades? Seid ihr angekommen?" Irgendwie bleibt man auch hinterher stets ein Teil dieser Gemeinschaft.

Sonntag 30.05.2010, 14:15 Uhr - Mayville
Ex-Jeppe - er war tasächlich auf dieser Schule - Michael Tregoning hatte Recht. Denn nachdem die Kuppe überwunden und in einem Gefälle auch der letzte Cut Off passiert ist, macht die Strecke einen scharfen Linksknick in eine Autobahnauffahrtrampe hinein. Und diese ist wirklich eine Rampe, kurz aber extrem heftig. Man muss wohl zweistellige Steigungsprozente erklimmen, um sie hinter sich zu bringen.

Oben angekommen betreten die meisten Läufer Boden, der ihnen eigentlich bekannt vorkommen sollte. Denn vor vielen Stunden sind sie mitten in der Nacht über diesen Asphalt im Bus oder Auto gerollt. Bis zum Rand der Innenstadt von Durban verläuft der Kurs nun nämlich für einige Kilometer auf der N3.

Sonntag 30.05.2010, 14:30 Uhr - Tollgate
Wer die anschließende Sauerstoffschuld überwunden und auch sonst noch ein klein wenig Kraft in den Beinen hat, kann es danach erst einmal etwas laufen lassen. Doch noch einmal gilt es fünf Kilometer vor dem Ziel Höhe zu gewinnen. Auf der anderen Seite der Senke, die man gerade ansteuert, zieht sich die Autobahn nämlich deutlich sichtbar zum Stadtteil Berea hinauf.

Die Zielgerade vor dem Stadion ist in Wahrheit leicht gebogen

Auch die Tollgate-Steigung hatte Michael trotz längerer Comrades-Pause noch ziemlich exakt im Gedächtnis. "Tollgate" heißt diese Stelle vermutlich deshalb, weil hier einst für die Tollroad N3 die Maut kassiert wurde. Die Zahlstelle gibt es zwar nicht mehr, der Hügel ist aber noch immer der letzte große Knackpunkt der Comrades-Strecke. Und zwar schon seit der ersten Austragung.

Sonntag 30.05.2010, 14:45 Uhr - Durban, Innenstadt
Vorbei am in jedem Reiseführer erwähnten Victoria Market, wo indische Händler ihre Gewürze verkaufen, ist man in den Stadtkern von Durban vorgedrungen. In einer modernen Hochhausschlucht geht es über den vorletzten Kilometer. Seit dem Verlassen der Autobahn ist die Strecke auf beiden Seiten mit Gittern abgesperrt. Und sie wird es bis zum Ziel bleiben. Vier bis fünf Kilometer Barrieren sind da am frühen Morgen quer durch Durban gebaut worden.

Dahinter drängen sich an manchen Punkten die Menschen in mehreren Reihen. Die Stimmung kocht dort hoch. Andere, nur wenige Schritte entfernte Stellen sind aus nicht ersichtlichen Gründen dagegen weit weniger gut besucht. Dort findet sich auch in der ersten Reihe ausreichend Platz.

Dennoch hat das natürlich etwas von einem Stadtmarathon in einer großen Metropole. Und eine Metropole ist Durban ja auch. Nur haben die Läufer, die da gerade gefeiert werden, eben bereits mehr als zwei dieser Marathons hinter sich. Sie mussten sie hinter sich bringen, um am Ende dann doch noch zwei wirklich flache Kilometer laufen zu können. Doch wirklich annehmen können die müde gelaufenen Beine sie eigentlich nicht mehr. Und genießen kann man sie schon gar nicht. Allerdings nur aus physischer Sicht. Ansonsten nimmt die Euphorie natürlich bei nahezu allen zu. Der Comrades Marathon ist tatsächlich bald geschafft. Genau einen Kilometer vor dem Ziel kommt der letzte Knick. Am Ende der in Wahrheit leicht gebogenen Zielgeraden wartet das Sahara Stadium.

Sonntag 30.05.2010, 15:05 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Um den Hals hängt eine Medaille, die gegenüber denen, die man anderswo erhält, doch eher bescheiden ausgefallen scheint. Dabei ist sie sogar angesichts der fünfundachtzigsten Austragung sogar ein klein wenig größer als in normalen Jahren. Und dennoch ist sie sicher eine der wertvollsten in einer inzwischen nicht mehr wirklich kleinen Sammlung. Der wahre Wert der Dinge liegt eben in der Regel nicht in Äußerlichkeiten.

Die Blume, die man nach dem Zieleinlauf ebenfalls in die Hand gedrückt bekommen hat, ist - wie sollte es in diesen Tagen, in denen das ganze Land in diese Farbe getaucht zu sein scheint, anders sein - natürlich gelb.

In einer langen Runde um das halbe Stadion herum konnte man sich feiern lassen. Zwar sind die Tribünen nicht vollkommen besetzt, doch etliche Tausend sind in der Kricketarena schon dabei. Nach neunundachtzig Kilometern Straße fühlt sich der Rasen, auf dem man diese letzten Meter absolviert irgendwie recht seltsam unter den Füßen an.

Während die Südafrikaner einfach auf dem Rasen Platz nehmen und dann nach ausreichender Stärkung die zum Teil sogar im Stadion aufgebauten Pavillons ihrer Clubs aufsuchen, können die internationalen Gäste den Schildern dem eigens für sie eingerichteten Bereich folgen, wo es in einem Zelt nicht nur Getränke sondern auch warmes Essen gibt.

Die "Tog Bags" gibt es allerdings außerhalb des eigentlichen Stadions, wohin man sich erst einmal durch die aus Läufern und Zuschauern bunt gemischte Menschenmenge durcharbeiten muss. Dann allerdings hat man innerhalb kürzester Zeit seine Tasche in der Hand. Auch in umgekehrter Richtung funktioniert das System reibungslos.

Nur noch eine Kurve und auch diese Läufer sind im Stadion Wieder kommt ein gut besetzter "bus" vorbei

Zwar wirkt das alles schon ein wenig beengt. Doch wenn man überlegt, welche Flächen anderswo in Beschlag genommen werden, um eine ähnliche Läuferzahl zu bewältigen, ist es eigentlich überraschend, wie reibungslos alles trotzdem funktioniert. Und das im angeblich doch so unorganisierten Afrika.

Sonntag 30.05.2010, 15:45 Uhr - Durban
Noch ein Kilometer ist zu laufen. An der von der südafrikanischen Post besetzten letzten Verpflegungsstelle wagt ein Läufer, der sich sicher ist, das Ziel klar unter der Grenze von elf Stunden zu erreichen, trotz sicher nicht mehr ganz frischer Beine noch ein Tänzchen. Natürlich wird er dafür gefeiert. Und einige von der Besetzung der refreshment station machen auch gleich mit.

"We taught the world how to dance" ist einer der Radioslogans, mit denen für die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent geworben wird. Vermutlich erklingt er nicht ganz zu unrecht. In solchen Momenten ist die südafrikanische Lebensfreude jedenfalls einfach ansteckend.

Sonntag 30.05.2010, 16:15 Uhr - Durban
Kurz bevor der vollbesetzten "Elf-Uhr-Bus" die mehrspurige Hauptstraße durch die Innenstadt fast schon verstopft, kommt Klaus Neumann am noch aus der Kolonialzeit stammenden Hauptpostamt von Durban vorbei. Noch einen guten Kilometer hat er zu laufen, dann hat er auch seinen siebzehnten Comrades im Kasten. Das Jahr Unterbrechung für den Trans-Europa-Lauf hat nicht geschadet. Nur seine Serie ist gerissen. Nun spricht der Schwabe zwar scherzhaft, aber durchaus nicht völlig ohne ernsthafte Überlegung, davon, sechzehn Comrades-Marathons vor eben sechszehn Comrades-Marathons nach der Kontinentaldurchquerung folgen zu lassen.

Zusammen mit Ulrich Tomaschewski, der seit 2006 auch keinen Comrades ausgelassen hat, läuft er in 10:53:55 ins Ziel.

Sonntag 30.05.2010, 17:28 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Ein wenig zynisch ist es eigentlich schon, wenn der Sprecher lauthals verkündet, dass er hoffe, alle, die sich noch auf der Strecke befänden, würden es rechtzeitig über die Linie schaffen. Denn eigentlich gehört es zum Spektakel einfach dazu, dass einige zu spät kommen und dann vor dem schon geschlossenen Ziel stehen.

Die Tragik der hauchdünn Gescheiterten ist genauso ein fester Bestandteil des Comrades wie der Jubel derjenigen, die sich gerade noch unter dem Limit hinein gerettet haben. Und die Kameras des Fernsehens halten bei beiden voll drauf, die Zeitungen berichten über das nur durch wenige Sekunden voneinander getrennte Freud und Leid in großen Lettern. Wenn es um vermeintliche Sensationsmeldungen geht, sind die südafrikanischen Medien auch nicht anders als die hiesigen.

Alleine schon, dass beim letzten Cut Off sieben Kilometer vor dem Ziel die Läufer bis 16:50 passieren dürfen, zeigt wie wohl kalkuliert die ganzen Abläufe sind. Denn wer bis hierhin weit über elf Stunden gebraucht hat, ist wohl kaum noch in der Lage, für den Schlussabschnitt auf ein Tempo von weniger als sechs Minuten pro Kilometer herunter zu schalten.

Das zum Beifall aufgeforderte Publikum lässt sich nicht lumpen und treibt die Läufer, die sich auf der Runde im Stadion befinden, zu äußerster Anstrengung. Noch haben praktisch alle auf dem Rasen die Möglichkeit, das Ziel in der vorgegebenen Zeit zu erreichen. Doch die zu laufende Schleife ist lang, zieht sich beim Blick auf die Uhr wie Kaugummi. Auch das ist natürlich ein Baustein für das Drama, das sich da vor allen Augen abspielt.

Rund um das Kricketfeld führen die letzten Meter "Jetzt erst einmal ausruhen", ist nach dem Einlauf der größte Wunsch

Sonntag 06.06.2010, 17:15 Uhr - O.R.Tambo International Airport Johannesburg
Die bei der Sicherheitskontrolle aus der Tasche gekramte Medaille des Vordermanns weckt sofort Interesse. So wie man in Südafrika begrüßt wurde, wird man auch verabschiedet, nämlich mit einem Gespräch über den Comrades. Noch hat die Fußball-WM den legendären Ultralauf nicht ganz verdrängt. "Wart ihr etwa beim Comrades dabei? Alle? Seid ihr durchgekommen? Auch alle?"

"Ja" - eigentlich sogar viermal "ja" - lautet die Antwort auf die Fragen. Und das Gesicht des Mannes am Metalldetektor wird noch freundlicher. Er selbst hätte es überhaupt nicht mit dem Laufen, bekennt er allerdings freimütig. Umso größer ist seine Bewunderung. Wer den Comrades bewältigt, genießt fast Heldenstatus.

Das ist zwar eigentlich Unsinn, denn Marathon- oder auch Ultramarathon-Laufen macht noch lange keinen Helden aus einem Menschen. Wahre Helden retten Senioren aus einem brennenden Haus oder Kinder im reißenden Wasser vor dem Ertrinken. Doch die Aufmerksamkeit, die einem Ultraläufer in Südafrika zuteil wird, schmeichelt schon irgendwie. Für verrückt wird man jedenfalls - dem Comrades sei Dank - von niemandem erklärt.

Sonntag 30.05.2010, 17:29 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Die Uhr tickt unerbittlich. Das laute Herunterzählen der letzten Sekunden hat bereits begonnen. Innerhalb der letzten Viertelstunde sind fast achtzehnhundert Läufer und damit weit über ein Zehntel des gesamten Starterfeldes ins Ziel gekommen. Aber für alle, die jetzt erst das Stadion betreten, wird es langsam knapp. Wer sich noch davor befindet hat jetzt keine Chance mehr.

Noch einmal werden alle Kräfte mobilisiert. Es geht an die autonom geschützten Reserven, die eigentlich nur in extremen Stresssituationen verfügbar sind. Manch einer versucht tatsächlich, noch im Sprint das Ziel zu erreichen. Sollen denn zwölf Stunden Quälerei in stetigem Auf und Ab über fast neunzig Kilometer wirklich umsonst gewesen sein?

Sonntag 06.06.2010, 8:30 Uhr - Clarens, Patcham Place
Wendy bemerkt ganz nebenbei, dass ihr Vater in jungen Jahren einer der ersten Comrades Läufer gewesen sei. Das erklärt zumindest ein wenig ihr großes Interesse an diesem Rennen. Doch so ganz genau kann sie sich nicht mehr erinnern, ob er beim ersten oder zweiten Mal dabei war. Nun, ein Blick in die für alle Läufe verfügbaren Ergebnislisten zeigt, dass es sich um den zweiten Comrades gehandelt hat. Denn tatsächlich findet sich dort für 1922 ein gewisser John Hobday in den Aufzeichnungen.

Eigentlich sei er am Anfang nur zur Begleitung eines Freundes mitgelaufen, um irgendwann zwischendurch aufzuhören, erzählt Wendy weiter. Doch nach der Hälfte habe er sich überlegt, wenn es schon so weit gekommen sei, ginge der Rest doch auch noch. John Hobday kam tatsächlich ins Ziel. Und zwar in 11:58, als Dreiundzwanzigster und Letzter im Zeitlimit.

Sonntag 30.05.2010, 17:30 Uhr - Durban, Sahara Stadium Kingsmead
Frikkie Botha ist in 11:59:59 über die Linie gespurtet und hat damit als Allerletzter das Zeitlimit unterboten. Er ist der Eintrag 14.343 in der Ergebnisliste. Jetzt liegt er völlig entkräftet hinter dem Ziel. Er hat wirklich alles aus sich heraus geholt. Es war der achtundzwanzigste Comrades Marathon, den der Dreiundsechzigjährige beendet hat, aber so knapp war es für ihn noch nie.

Mitten im Kingsmead Stadion befindet sich das Ziel Es ist schon wieder dunkel, als die Letzten einlaufen

Seit 1978 läuft er bei diesem Rennen, doch seine letzte Medaille hat er sich beim achtzigsten Jubiläum vor fünf Jahren geholt. Nun darf er nicht nur eine weitere Medaille sondern auch noch den Geraldine-Watson-Preis für den Letzten in Empfang nehmen. Und am nächsten Tag wird sein Name in allen Zeitungen stehen.

Nur wenige Meter entfernt liegt Dudley Mowona im Gras. Auf der anderen Seite der Ziellinie. Auch er hat alles versucht. Und für ihn hat es nicht gereicht. Als der Countdown auf Null herunter gezählt war, fehlten noch zwei, drei Schritte. Er ist der erste Gescheiterte, der tragische Held. Doch immerhin findet auch er den Weg in die Zeitungen. Dass er es im nächsten Jahr wohl erneut versuchen wird, lässt sich überall nachlesen.

Alle, die nach ihm kommen, sind ebenfalls gescheitert. Und fast niemand interessiert sich für sie. So manches Häufchen Elend rappelt sich nur mühsam wieder auf. Vollkommen enttäuscht, physisch und psychisch entkräftet sind auch sie zusammen gebrochen. Träume haben sich in Luft aufgelöst. Alles Leiden war umsonst. Sie waren im entscheidenden Moment zu langsam. Jetzt müssen sie am Ziel vorbei durch den Hintereingang in die Verpflegungszone.

Es gilt nun erst einmal die Wunden zu lecken. Die Genugtuung es zumindest versucht, die Herausforderung angenommen, diese Strecke immerhin - eben nur nicht ganz im erwarteten Soll - bewältigt zu haben, über die der Stadionsprecher jetzt philosophiert, wird sich - wenn überhaupt - erst viel, viel später einstellen.

Doch auch andere brauchen länger, um all die unterschiedlichen Erlebnisse, die Höhen und Tiefen, das Auf und Ab während eines Comrades zu verarbeiten.

Sonntag 30.05.2010, 18:15 Uhr - Durban, vor Hotel Albany
Setofolo Thekiso, die Schildkröte aus dem Goldfields-Team, fragt nach, wie es denn gewesen wäre. Die Antwort "viel, viel schwerer als erwartet" kann er gerade noch akzeptieren. Das im Hinblick auf die schmerzenden Beine geäußerte "nie wieder" will er aber absolut nicht hören. "Hey man, this is Comrades".

Zum Zielschluss kocht die Stimmung im Stadion noch einmal Wer es noch unter zwölf Stunden schafft kann jubeln

Viele würden nach dem Rennen erst einmal so reden. Doch nach ein paar Tagen hätten die meisten diese Meinung schon wieder revidiert. Im nächsten Jahr ginge es doch bergauf. Das sei etwas vollkommen anderes. Fast alle kämen schließlich zum Comrades zurück, viele immer und immer wieder. Es gäbe ihn wirklich, den "Spirit of Comrades". Setofolo hat natürlich Recht. Nachdem der Muskelkater abgeklungen ist, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Eigentlich hätte es seiner flammenden Rede auch gar nicht bedurft.

Die Gedanken wären wohl auch ohne diese Ansprache von ganz alleine gekommen: "Vielleicht doch noch mal? ..... Bergauf? .... Wäre das für einen Neuling dann nicht ein back-to-back? .... Ach, warum denn eigentlich nicht?".

Der Comrades ist eben doch etwas Besonderes.

Comrades 2010 - die Top 10
Männer
11.214 Finisher - 3.248 DNF
Frauen
3.129 Finisher - 233 DNF
1
Stephen Muzhingi 5:29:01
1
Elena Nurgalieva
6:13:04
2
Ludwick Mamabolo
5:35:29
2
Olesya Nurgalieva
6:13:05
3
Sergio Motsoeneng
5:35:58
3
Marina Myshlyanova
6:26:03
4
Bongmusa Mthembu
5:37:49
4
Kami Semick
6:32:55
5
Fanie Matshipa
5:39:53
5
Farwa Mentoor
6:38:41
6
Fusi Nhlapo
5:40:26
6
Lizzy Hawker
6:39:43
7
Claude Moshiywa
5:43:04
7
Irina Vishnevskaya
6:44:27
8
Petros Sosibo
5:45:58
8
Lindsay Van Aswegen
6:46:52
9
Peter Molapo
5:46:19
9
Adinda Kruger
6:51:15
10
Leboka Noto
5:48:45
10
Anna Pichtova
6:51:34

Comrades Marathon Historie - der ultimative Lauf - von Ralf Klink im LaufReport HIER

Weitere Reisen+Laufen-Beiträge im LaufReport zu Südafrika:
Teil 1: Bloemfontein Marathon HIER
Teil 2: Peninsula Marathon Kapstadt HIER
Teil 3: Pretoria Marathon HIER
Johannesburg Marathon HIER
Kapstadt Two Oceans Marathon HIER
Comrades Marathon 2011 HIER

Bericht und Fotos von Ralf Klink

Ergebnisse und Infos unter www.comrades.com

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