6.9.08 - Marathon Celje (Slowenien) - Logarska Dolina 75 km

Stanislaw Ilar gewinnt zum vierten Mal

von Antje Krause

Celje, das ist eine mittelgroße Stadt in der slowenischen Steiermark, ungefähr 70 Kilometer südöstlich von Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens entfernt. Die Stadt ist am Fluss Savinja gelegen, die auch namengebend für die umliegende Region ist, die Savinjska. Über die Geschichte der Stadt kann man an anderer Stelle nachlesen, nur soviel soll erwähnt werden. Celje ist eine der ältesten Städte in Slowenien, eine keltische Gründung, deren Wurzeln bis zum Beginn unserer Zeitrechnung reichen. Außer einem Fluss und einem Bahnhof hat Celje eine (teils noch renovierungsbedürftige) Altstadt und eine Burg zu bieten, die seit 10 Jahren restauriert wird und wo man mit der Aufführung von Ritterspektakeln einen Touristenmagneten zu etablieren hofft.

Hotels gibt es auch einige, die vor allem am ersten Septemberwochenende regelmäßig von Läufern aus dem Ausland in Beschlag genommen werden, die am Ultramarathon über 75 Kilometer teilnehmen wollen. Die Hotels sind nicht immer billig, Einzelzimmer gehen bei 50 Euro los. Doch es gibt auch preiswertere Alternativen, wenn man konkreter nachfragt. Sowohl der Veranstalter als auch die örtliche Touristeninformation geben gern Auskunft. Vor Sprachproblemen braucht einem nicht bange zu sein. Der Veranstalter hat mit Herrn David Bevz eine Kontaktperson, die sehr gut und ausgesprochen gern Deutsch spricht und auf Mails ziemlich geduldig antwortet. Auch in der Touristeninformation gibt es deutschsprechende Mitarbeiter, die Fremden gern behilflich sind.

Aussicht auf die Stadt Celje In der Altstadt von Celje Ansichten der alten Burganlage oberhalb von Celje

Der Ultramarathon wird zum 24. Mal ausgetragen und seit Celje zum Europacup gehört, finden auch vermehrt Läufer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz dahin. Trotzdem scheut ein Großteil der Europacupteilnehmer noch den weiten Weg. Die Anreise beträgt für viele mehr als 10 Stunden und es erfordert einige Recherche, die geeignetste oder auch preisgünstigste Verbindung zu erlangen. Das Auto ist sicher die unabhängigste Möglichkeit. Darüber hinaus kommt man auch mit der Bahn nach Celje, wobei aus Mitteldeutschland beispielsweise schon 12 Stunden einzuplanen sind. Am günstigsten sind wohl die europaweiten Buslinien. Fliegen geht auch, zumindest bis Ljubljana und von dort kommt man gut mit der Bahn weiter. Auf jeden Fall muss man beim Ultramarathon bereits am Abend vorher vor Ort sein, denn der Start ist bereits am Samstagmorgen 6 Uhr. Pastaparty gibt es allerdings nicht und auch die Essensmöglichkeiten außerhalb der Hotels sind begrenzt. In direkter Nähe vom Bahnhof bzw. der Altstadt lässt sich nur schwer etwas finden, es soll einige gegeben haben, die notgedrungen schließlich eine Fastfood-Kette gestürmt haben.

Das Kloster St. Josef beherbergt seit einigen Jahren auch Hotelgäste "Celjski Dom" direkt gegenüber vom Bahnhof Blick vom Ufer der Savinja auf die Burg von Celje

Die Organisation des Laufes wirkt zwar auf den ersten Blick etwas chaotisch, doch es klappt alles. Ein kleiner Raum dient als Startnummernausgabe, wer nachmelden will, muss sich allerdings durch den slowenischen Sprachdschungel wühlen. Doch wie bereits im Vorfeld gibt es auch hier mehrsprachige Helfer. Toiletten gibt es in unmittelbarer Nähe und ausreichend. Das ist jedoch kein Kunststück, denn mit zwischen 150 und 200 Teilnehmern ist der Ultra nicht gerade überlaufen. Der Ultramarathon ist allerdings auch der einzige Wettbewerb, bei dieser Veranstaltung kann man nahezu jede Distanz laufen. Angeboten werden außerdem noch 17; 27; 33; 42 und 58 Kilometer, wobei die kürzeste Distanz mit Abstand die meisten Teilnehmer aufweist.

Auf diesem Platz startete der 75 Kilometerlauf 3. M60 Gunter Cerwinski auf dem letzten Kilometer Die Savinja noch relativ klein

Zusammen mit den 75 Kilometerläufern starten jedoch nur noch die 33 und 58 Kilometerläufer, deren Ziel befindet sich dann unterwegs an der Strecke. Alle anderen Wettbewerbe beginnen unterwegs von unterschiedlichen Stationen zu jeweils späteren Uhrzeiten und enden wie der Ultramarathon in Logarska Dolina, einem malerischen Flecken, der schon etwas höher in den Bergen liegt, fast am Ende des Tals der Savinja. Das mag zwar dazu führen, dass es zum Schluss für die Ultraläufer nicht langweilig wird, aber etwas deprimierend ist es schon, wenn man nach 4 oder 5 Stunden in nicht mehr ganz frischem Zustand reihenweise von Teilnehmern der kürzeren Strecken überholt wird, teils auch noch mit "unverschämt" lockerem Schritt.

Start ist um 6 Uhr morgens auf einem der kleineren Plätze in der Altstadt von Celje. Auch der ist etwas chaotisch. Die meisten sind spät dran. Dass es schließlich an der Kleiderabgabe eng wird, liegt aber auch an der Genauigkeit, mit der die Miliz vorgeht. Die Beutel werden registriert, mit einer eigenen Nummer versehen, nochmals in einen Beutel verpackt und schließlich plombiert, bevor sie in den Wagen wandern.

Mit Kind und Kegel unterwegs zum Ziel Mitja Kostumej hielt sich an seine Startnummer und wurde 63. Franz Krinninger und die dritte Frau über 75 Km Ingeborg Lang (1. W45) Die Läufer hatten auch tierische Zuschauer auf den letzten Kilometern

Der Start jedoch erfolgt überpünktlich, ohne großartige vorherige Ansage. Die meisten hatten sich noch gar nicht in Position gebracht, einige hasten hinterher. Die ersten Meter geht es durch die Altstadt, danach folgt eine kleine Schleife entlang der Uferpromenade, bevor es hinaus aus der Stadt in den Morgen geht. Schon bald wird klar, dass es bei diesem Lauf nicht nur die Höhenmeter sind, die ihn anspruchsvoll machen. Die folgenden 10 Kilometer verlaufen ausschließlich auf schmalen, teils wurzeligen und steinigen Trampelpfaden entlang der Savinja. Konzentration ist vonnöten, Überholen ist kraftraubend, oft unmöglich.

Danijel Barle aus Ljubljana Noch ein Kilometer für die 75 Kilometerstrecke Der blinde Ivan Hrovat aus Celje bewältigte allein die 17 Kilometerstrecke

Doch die Geländepassagen haben irgendwann ein Ende und bis auf wenige Unterbrechungen, etwa einem Stück Geröllweg über buchstäblich Stock und Stein direkt am Ufer der Savinja entlang, verläuft die weitere Strecke auf Asphalt. Die Höhenmeter beim Ultramarathon sind verglichen mit anderen Geländeläufen eher geringfügig. Laut Diagramm dürften es nicht mehr als 500-600 sein. Dennoch ließen sich einige, die den Lauf zum ersten Mal absolviert hatten, im Ziel spontan zu der Feststellung hinreißen, dass der Ultramarathon in Celje schwieriger als der Rennsteig sei. Wie kann das sein? Der Rennsteig hat zwar wesentlich mehr Höhenmeter, lässt sich aber vom Gefühl her einfacher laufen. Dort gibt es immer wieder flache Stücke oder Bergabpassagen, an denen man sich erholen kann. Auch die steilen Anstiege am Rennsteig sind, wenn man sie gehender Weise bewältigt, nicht so schlimm.

Der Leipziger Ralph Hermsdorf ist ohne Begleitung unterwegs Bergpanorama ca. 1-1,5 Km vor dem Ziel Lutz Trappe aus Urbach

In Celje dagegen geht es bis auf wenige Ausnahmen bis zum Schluss stetig bergauf. Im Gegensatz zum Rennsteig, bei dem man die meisten Höhenmeter bereits auf der ersten Hälfte hinter sich hat, kommen sie in Celje erst am Schluss. Bis zu Kilometer 50 kann der Lauf in Celje richtig Spaß machen. Auf der ersten Hälfte ist der Steigungsgrad kaum feststellbar, vom Gefühl her ist es meist flach. Von der Steigung merkt man nicht viel, die Strecke ist abwechslungsreich und landschaftlich wunderschön. Es geht fast immer am Ufer der Savinja entlang, durch mehrere kleinere Ortschaften, vorbei an Bauernhöfen und durch die weitläufige Ebene in der Savinjska. Es gibt viel zu schauen, vor allem fallen die zahlreichen Kirchen auf, die fast ausnahmslos auf Anhöhen stehen und deshalb schon von weitem zu sehen sind.

Bergpanorama 1,5 Km vor dem Ziel Srezko Deselak mit Radbegeitung Kurz vor dem vor dem Ziel

Doch nach 50 Kilometern kommt eine mentale Prüfung auf die Läufer zu. Nicht nur, dass es mit jedem Kilometer mehr bergauf geht, die Strecke verläuft auch ausnahmslos auf der Straße, Autoverkehr eingeschlossen. Das ist wohl leider nicht zu ändern, die Straße ist nun einmal der einzige Weg das Tal hinauf und auch in Slowenien ist es so, dass für ein paar Läufer, die zudem schon um Stunden auseinanderliegen, nicht eine ganze Straße für den halben Tag gesperrt wird. Dieses Jahr war es ziemlich warm.

Die Temperaturen stiegen nach der ersten Hälfte des Laufs auf 30 Grad im Schatten, fehlende bzw. nur sporadisch gesetzte Kilometerschilder trugen nicht gerade zur Verbesserung des allgemeinen Befindens bei. Viele Läufer orientierten sich auf dem letzten Drittel an den Kilometerangaben der Straße, dort war nämlich jeder halbe Kilometer markiert. Trotzdem zogen sich diese letzten 25 Kilometer scheinbar endlos. Die Beine wurden immer müder, selbst weit vorn im Gesamtklassement platzierte Läufer legten schließlich häufiger kurze Gehpausen ein. Die Landschaft hatte sich inzwischen verändert, doch leider waren viele Läufer schon zu erschöpft, um die wildromantische Schönheit des Tals in vollen Zügen genießen zu können.

3. M55 über 75 Km Anton Trontelj David Mecilosek in Begleitung auf den letzten Metern Der Zieleinlauf

Die Savinja hatte jetzt den Charakter eines wilden Bergflusses, rechts und links erhoben sich die Berge. Der Zieleinlauf schließlich ist auf einer kleinen Wiese, wo sich auch alles Wichtige für nach dem Lauf befindet. Essenausgabe, Getränke, Massage, Erste Hilfe und der Urkundenausdruck. Zu den Duschen sind es ein paar Meter, aber die schafft man auch noch.

Die Veranstaltung ist, alles in allem gesehen, zu empfehlen und liebevoll organisiert. Worüber man allerdings von Veranstalterseite unbedingt nachdenken sollte, ist die Versorgung während des Laufs. Etwa alle fünf Kilometer sollten Verpflegungsstationen sein, die erste kam allerdings erst nach ca. 12 Km. Das war angesichts der Tatsache, dass es schon morgens beim Start fast 20 Grad waren, für viele reichlich spät. Auch im weiteren Verlauf variierten die Abstände mehr oder weniger stark, was unter denjenigen, die den Lauf zum ersten Mal liefen keine Begleiter dabei hatten, zu einiger Unsicherheit führte. Insgesamt gesehen waren die Stationen zwar ausreichend, doch die Abstände manchmal etwas zu groß und vor allem war man nie gewiss, wann denn die nächste kommen würde. So haben beispielsweise einige während der letzten 20 Kilometer zwischendurch in einem der an der Straße gelegenen Gasthäuser nach Trinkwasser oder Cola gefragt.

Zieleinlauf über 42 km für Mario Name, daneben Masa Daneu (Maribor), die 17 Km lief Freundliche Helfer warten mit den Medaillen auf die Läufer Nach dem Lauf im Zielgelände in Logarska Dolina

Auch die Bestückung hätte man sich manches Mal besser gewünscht. Ein paar Male kam mir Leitungswasser mit einem an Chlor erinnernden Geschmack oder süßstoffhaltige Cola unter. In diesem Zusammenhang war mir hinterher auch klar, warum viele Läufer vor allem auf dem letzten Drittel einen Fahrrad- oder Autobegleiter hatten. Der Lauf ist mit 20 Euro Startgeld relativ günstig, vielleicht sollte man einfach lieber das Startgeld um zwei-drei Euro erhöhen, um etwas mehr Spielraum für diese Dinge zu haben. Die Verpflegungssituation und die fehlenden Kilometerschilder sind aber auch das Einzige, was grundlegend verbessert werden könnte. Die Siegerehrung beispielsweise war stimmungsvoll und liebevoll organisiert. Obwohl auf Slowenisch, verstand man dann doch das Wesentliche. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung war die Siegerehrung sogar zwei Stunden schneller, so dass auch der Rücktransport früher vonstatten ging.

Siegerehrung der schnellsten der M35 v.l.: Marco Summermatter, Hannes Kranixfeld (auch 2. gesamt) und Ivan Draksle Siegerin Antje Krause und Zweite Natasa Robnik Stanislaw Ilar trinkt einen Schluck auf seinen Sieg

Über die lange Distanz von 75 Kilometern gab es einigen Schwund zwischen Start und Ziel. Von 30 gemeldeten Frauen erreichten nur 15 das Ziel und auch bei den Männern blieben ein paar auf der Strecke, 123 wurden noch im Ziel gezählt. Große Freude herrschte im Ziel bei der Fangemeinde von Stanislaw Ilar aus Nove Mesto. Er hatte sich schließlich gegen alle anderen durchsetzen können und gewann nach 5:41:57 diesen Lauf zum vierten Mal in Folge. Das wurde bei der Siegerehrung gebührend gefeiert und der Pokal seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt, nämlich mit Sekt gefüllt.

Bis ungefähr Kilometer 50 waren noch mehrere Läufer zusammen in der Spitzengruppe gelaufen. Erst auf dem letzten Drittel zeigte sich, wer die besten Reserven hatte. Die Plätze zwei und drei gingen schließlich an Läufer aus Österreich. Hannes Kranixfeld, der noch relativ neu ist im Ultralager, lief schließlich noch ein paar Minuten Vorsprung heraus und kam nach 5:47:39 im Ziel an. Dahinter blieb Bernhard Santner als einziger mit 5:53:11 noch unter sechs Stunden. Der Vierte Marjan Rozmaric verpasste diese Grenze um wenige Sekunden. Als bester Deutscher schaffte Dirk Joos aus Friedrichshafen mit 6:15:53 noch als Sechster den Sprung in die Ehrungsränge im Gesamtklassement.

Ansichten der Altstadt von Ljubljana

Das Frauenrennen wurde es schnell eine recht einsame Angelegenheit und zum fünften Mal in Folge ging der Sieg nach Deutschland. Zunächst hatten zwei Sloweninnen, darunter die Vorjahreszweite Polona Kuzman, das Rennen recht forsch begonnen, doch noch vor Kilometer 10 mussten sie etwas an Tempo nachlassen und Antje Krause (USC Marburg) übernahm die Spitze. Der Abstand wurde immer größer, teilweise sah sich die Marburgerin allein auf weiter Flur.

Vorn nichts zu sehen und nach hinten auch nichts, so dass sie zeitweise schon befürchtete, sich verlaufen zu haben. Unter sieben Stunden hatte sie sich vorgenommen, was mit 6:51:39 auch gelang. Von ihren Konkurrentinnen waren inzwischen ein paar ausgestiegen, darunter auch Polona Kuzman, doch sie wird es im nächsten Jahr wieder versuchen. Als zweite Frau erreichte Natasa Robnik in 7:37:02 das Ziel. Die Läuferin aus Celje war überglücklich, hatte sie sich doch bei ihrem Heimrennen im Vergleich zum vergangenen Jahr um gute 40 Minuten verbessert.

Dahinter folgten wieder zwei Deutsche. Ingeborg Lang aus Püttlingen, die schon fast zu den Stammgästen in Celje zählt und vor ein paar Jahren regelmäßig um die 7:30 Stunden gelaufen ist, belegte in 8:24:57 den dritten Rang. Sie konnte schließlich einen knappen Vorsprung vor Elke Fassold aus Seybotenreuth behaupten, die nach 8:27:59 einlief.

Ansichten der Altstadt von Ljubljana Die Drachenbrücke in der Altstadt von Ljubljana Ansichten der Altstadt von Ljubljana

Mit Bussen wurden die Läufer nach der Siegerehrung wieder zurück zu den Ausgangsorten gebracht. Während der Fahrt wurde den meisten erst klar, wie weit sie eigentlich bergauf gelaufen waren. Spätestens dann wunderte sich auch keiner mehr darüber, dass die letzten Kilometer so schwer gefallen waren. Eine Fahrt nach Slowenien lohnt nicht nur wegen dem Ultramarathon, sondern lässt sich auch prima verbinden mit einem Kurzurlaub. Die landschaftlich äußerst reizvolle Gegend hat noch einiges zu bieten. Im Gebirge gibt es ein gutes Netz an Wanderwegen und wer das Abenteuer sucht, kann sich beim Wildwasserfahren auf der Savinja austoben. Die Slowenen sind gastfreundlich und bestrebt, ihr touristisches Angebot zu erweitern. Unweit von Celje gibt es beispielsweise seit ein paar Jahren einen großen Wellnesstempel und auch die Hauptstadt Ljubljana ist einen Abstecher wert.

Bericht und Fotos von Antje Krause

Ergebnisse www.drustvo-maratoncev-celje.si

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