8. Bratislava Marathon - Slowakei (24.3.13)

Stadtmarathon im Schneetreiben

von Ralf Klink

Bekäme man die Aufgabe gestellt, die Karte für ein Phantasieland zu zeichnen, wäre das Ergebnis wohl meist ziemlich ähnlich. Es liefe nämlich fast immer auf einen relativ gleichmäßigen Umriss - rund, oval oder fast rechteckig - ohne allzu viele und extreme Ausbuchtungen mit einer relativ zentralen Hauptstadt hinaus. Wenn diese dagegen nicht etwa in der Mitte sondern am äußersten Rand des Staatsgebietes platziert wäre, erschiene das auf den ersten Blick doch recht ungewöhnlich.

Mit etwas Überlegen lassen sich dann aber in der Realität doch eine ganze Reihe Fälle entdecken, in denen es eine solch unerwartete Konstellation gibt. So hat zum Beispiel ganz Skandinavien keine einzige Kapitale, die sich nicht am Meer - und damit eben gerade nicht im Landesinneren - befindet. Auch andere Hafen- und Hauptstädte wie Dublin, Lissabon oder die beiden südamerikanischen Metropolen Buenos Aires und Montevideo, die sich in gehörigem Abstand am gewaltigen Mündungstrichter des Rio de la Plata fast gegenüber liegen, ließen sich nennen.

Um eine Hauptstadt, die direkt an ein Nachbarland grenzt, zu entdecken, muss man dagegen schon etwas länger überlegen. Stadtstaaten wie Monaco, Singapur und erst recht der Vatikan mitten in Rom sind natürlich logische Kandidaten. Aber angesichts meist nur ungefähr einer Handvoll Gemeinden stößt auch bei anderen Zwergnationen - zum Beispiel Liechtenstein oder Andorra - der Hauptort in der Regel irgendwo an Landesgrenzen.

Danach gerät die Aufzählung allerdings ziemlich schnell ins Stocken. Und nur, wer wirklich ein absolutes Faible für das Studieren von Landkarten hat und Atlanten beinahe wie Bücher liest, könnte eventuell zusätzlich noch so exotisch klingende Namen wie Vientiane, Asunción, Brazzaville oder Kinshasa nennen, von denen alle anderen dagegen noch nie gehört haben, geschweige denn eine Ahnung hätten, wo diese Städte überhaupt zu suchen sind.

Die Lage zwischen Donau und den Ausläufern der Karpaten sorgt dafür, dass sich von Bratislava ständig neue Panoramaansichten entdecken lassen

Zur Erläuterung sei deshalb gesagt, dass die erste Kapitale der Liste im südostasiatischen Laos liegt und nur durch den Fluss Mekong von Thailand getrennt wird. Asunción als Hauptstadt von Paraguay blickt dagegen über den Río Paraná hinüber nach Argentinien. Und die beiden Letztgenannten sind Schwesterstädte an gegenüber liegenden Ufern des Kongo sowie die Regierungssitze jener beiden nach dem Strom benannten Staaten, die in Europa allerdings sowieso beinahe niemand auseinander halten kann.

Eine Hauptstadt jedoch, deren Gebiet gleich an zwei Nachbarländer grenzt, bildet weltweit ein echtes Unikat. Die einzige Kapitale, bei der man eine solch ungewöhnliche Randlage entdecken kann, befindet sich allerdings keineswegs irgendwo in Asien oder Afrika sondern fast um die Ecke. Es handelt sich dabei nämlich um das slowakische Bratislava. Und einer der beiden Staaten, die sich eigentlich schon zu Fuß erreichen ließen, ist Österreich.

Auf etwa einem Drittel der Umrisslinie der im äußersten Südwesten des Landes gelegenen Hauptstadt kann man direkt in die - an dieser Stelle gar nicht so bergige - Alpenrepublik hinüber wechseln. Vom Zentrum sind es manchmal kaum mehr als fünf Kilometer, die dafür zurück gelegt werden müssen. Die in diesem Bereich zu findenden Vororte sind übrigens der einzige Punkt, an dem die Slowakei kurz auf die rechte Uferseite der Donau ausgreift. Ansonsten bildet der Strom fast zweihundert Kilometer lang die Staatsgrenze.

Weit weniger markant und ausgeprägt ist ganz im Süden Bratislavas der kurze Grenzabschnitt zu Ungarn, der sich zudem auch weit außerhalb der Innenstadt in einer bereits eher ländlichen Gegend befindet, die nur aufgrund der weiträumigen Eingemeindung der dortigen Dörfer überhaupt zum Gebiet der Stadt gehört. Doch sorgt genau dieser eben für jene Lage in einem Dreiländereck, die Bratislava von allen anderen Hauptstädten der Welt abhebt.

Ein echter grenzüberschreitender Ballungsraum wie es ihn zum Beispiel in Basel, Salzburg oder Straßburg, in Saarbrücken oder Aachen gibt, wo sich in den jeweiligen Nachbarländern die Besiedlung praktisch übergangslos fortsetzt, das Nahverkehrssystem nicht über Stadt- sondern auch Staatsgrenzen hinaus reicht und so die dortigen, ohnehin wie selbstverständlich auf die nahe Großstadt ausgerichteten Anrainergemeinden eng anbindet, ist deswegen aber trotzdem nicht entstanden.

Zu lange hatte sich der nahezu undurchdringliche eiserne Vorhang zwischen Bratislava auf der einen sowie den niederösterreichischen und burgenländischen - denn auch noch zwei verschiedene Bundesländer sind beteiligt - Nachbarorten auf der anderen Seite herunter gesenkt. Wie abgeschnitten endet die slowakische Metropole jenseits der Autobahn, von der die Neubaugebiete am rechten Donauufer im Südwesten umschlossen werden. Nur eine einzige Buslinie der städtischen Verkehrsbetriebe überquert überhaupt die Grenze - und das maximal im Stundentakt.

An vielen Stellen in der Stadt wird für den Marathon geworben … …der zwei Tage lang rund um das Büro- und Einkaufszentrum Eurovea abgewickelt wird Doch nicht nur dort kommt Bratislava hochmodern daher

Die wenigen, weit verstreuten Dörfer jenseits der Grenze kommen meist nur auf dreistellige Einwohnerzahlen. Und man sieht ihnen die frühere Randlage noch eindeutig an. Ziemlich ländlich ist die Gegend, nicht allzu weit von der Innenstadt dominieren bereits weitgehend Ackerflächen das Bild. Bis sich daran etwas ändert und man sich eventuell tatsächlich etwas mehr in Richtung Bratislava orientiert, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen.

Einzig Hainburg, von dessen Gemarkung Bratislava ganz im Westen seines Stadtgebietes durch die Donau getrennt ist, bekommt rund fünftausend Bürger zusammen. Doch liegt dieses eben auch in der Luftlinie bereits beinahe ein Dutzend Kilometer vom Zentrum der slowakischen Metropole entfernt. Selbst der nächste Vorort befindet sich keineswegs direkt gegenüber sondern noch ein Stück stromabwärts. Und dabei handelt es sich zudem um das seinerseits nur tausend Menschen zählende, ziemlich dörfliche Devin.

Doch gerade diese Entfernung, die sich auf der Straße noch um einige Meter verlängert, ließ Hainburg nach der Öffnung der Grenzen zu einem idealen Umkehrpunkt für einen in Bratislava gestarteten Marathon werden. Schon 1991 fand der "Donaumarathon" erstmals statt. Die Premiere und die zweite Auflage wurden übrigens in der damals noch existierenden Tschechoslowakei gestartet. Erst Anfang 1993 trennten sich die beiden Landesteile in die beiden heute existierenden unabhängigen Republiken.

Ein volles Jahrzehnt lang wurde der Lauf zwischen den beiden - sich nach den massiven Umwälzungen im Osten Europas endlich einander wieder näher kommenden - Nachbarn ausgetragen. Und nicht nur slowakische sondern sogar österreichische Meistertitel wurden dabei zum Teil vergeben. Abspringende Sponsoren bedeuteten für das eigentlich schon in der Planung befindlichen Rennen von 2002 dann kurzfristig das Aus.

Fünf Jahre blieb die Hauptstadt der Slowakei danach ohne eigenen Marathon, bevor man sich 2006 zu einem Neustart aufraffen konnte - unter einem anderen Namen, mit einer wieder bei eins beginnenden Zählung und einem veränderten Konzept. Denn obwohl der noch junge Staat zu diesem Zeitpunkt wie der österreichische Nachbar bereits Mitglied Europäischer Union war und eineinhalb Jahre später mit dem Beitritt zum Schengen-Raum dann auch noch die letzten Grenzkontrollen endeten, blieb man mit der Strecke dieses Mal komplett auf slowakischem Territorium.

Enge kopfsteingepflasterte Gassen warten in der Altstadt Bratislavas darauf erkundet zu werden

Der Zwei-Runden-Kurs des neuen "Bratislava Marathons" führte dabei schnell vom Zentrum aufs andere Donauufer hinüber und umrundete anschließend den südlichen Stadtteil Petržalka, der weitgehend aus jenen berühmt-berüchtigten Plattenbauten besteht, die sich fast überall rund um die Städte des ehemaligen Ostblocks erstrecken. Rund zwei Drittel der Runde, die in einigen Abschnitten entlang der Donau fast Landschaftslaufcharakter hatte, kamen alleine so zusammen.

Mit der achten Auflage haben die Organisatoren den Streckenplan allerdings noch einmal komplett umgekrempelt. Zwei Jahre zuvor waren sie bereits mit dem Start- und Zielbereich aus der Altstadt zum nahen "Eurovea" umgezogen, wo man Einkaufszentrum, Hotel, Büroflächen und Wohnanlage miteinander in einem einzigen, nagelneuen und weitläufigen Baukomplex verbunden hat. Die dadurch zu erzielenden logistischen Vorteile dürften in diesem Fall eindeutig das stärkere Argument gegenüber der nun etwas weniger markante Optik des Einlaufes gewesen sein.

Nun hat man auch versucht der Laufstrecke einen deutlich städtischeren Anstrich zu verpassen. Das stellt sich jedoch durchaus als eine gewisse Herausforderung dar. Denn angesichts von nicht einmal einer halben Million Einwohner - allerdings dennoch ausreichend, um die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt des Landes und fast doppelt so groß wie der "Verfolger" Košice zu sein - befindet sich Bratislava schon von vorne herein in einer Kategorie, die es schwierig macht, ausreichend viele Kilometer ohne allzu viel Leerlauf zusammen zu bekommen.

Doch selbst für eine Stadt dieser Größenordnung nimmt das Zentrum von Bratislava noch einen eher kleinen Raum ein. Auch bei großzügigster Schätzung lassen sich nämlich kaum mehr als zwei der mehr als dreihundert Quadratkilometer Gesamtfläche der Gemeinde unter dem Begriff "Innenstadt" verbuchen. Die ist zwar durchaus einmal einen Besuch wert. Danach beginnen jedoch ziemlich schnell weit weniger interessante Trabantenstädte und Gewerbegebiete.

Allerdings hat die eher geringe Ausdehnung des eigentlichen Stadtkernes durchaus auch geographische Ursachen. Im Süden stellt nämlich wie schon mehrfach erwähnt die Donau eine natürliche Grenze dar, die erst Ende des neunzehnten Jahrhunderts endgültig mit einen dauerhaften Übergang bekam. Zuvor hatten nur regelmäßig wieder vom Eisgang des Flusses zerstörte Holzbrücken und zum Schluss dann eine im Winter entfernbare Schiffbrücke die Verbindung ans andere Ufer hergestellt.

Genauso bedeutsam ist allerdings, dass das Gelände westlich und nördlich der Innenstadt abrupt ansteigt und ziemlich hügelig wird. Es handelt sich um die letzten Ausläufer des sogenannten Karpatenbogens, dessen Berge nicht nur praktisch die gesamte Slowakei bedecken, sondern sich über die westliche Ukraine bis nach Rumänien fortsetzen. In Form eines zu zwei Dritteln geschlossenen Kreises umgeben sie dabei die ungarische Tiefebene, das sogenannte Pannonische Becken im Norden, Osten und Süden.

Hoch über der Altstadt mit der Stefanskirche (rechts) thront "Bratislavský hrad", die Burg von Bratislava auf einem Felsen

Mehr als fünfhundert Meter ragen die höchsten dieser Kuppen schon direkt hinter Bratislava auf und übersteigen dabei die niedrigsten Stellen des Stadtgebietes an der Donau um immerhin fast vierhundert Meter. Doch wird diese Gebirgskette, deren äußerste Südwestspitze nur wenige Kilometer Breite einnimmt, in ihrem Verlauf nicht nur deutlich breiter sondern zudem auch noch wesentlich höher.

Im unter "Hoher Tatra" bekannten Abschnitt, der sich über die Slowakei hinaus bis nach Polen erstreckt, übertreffen gleich etliche Dutzend Gipfel die Zweitausendermarke. Am Gerlachovský štít - auf Deutsch "Gerlsdorfer Spitze" - schwingt sie sich gar bis auf 2654 Meter nach oben. Auch einige andere Höhenzüge der slowakischen Karpaten haben durchaus Hochgebirgscharakter. Und abgesehen von zwei kleineren Ebenen ganz im Osten und im Westen ist der große Rest des Landes zumindest von Mittelgebirgen bedeckt.

Unter Berücksichtigung der mit etwas geringem Status ausgestatten Übergangszonen hat man inzwischen zudem mehr als ein Zehntel der Landesfläche zu Nationalparks gemacht. Dennoch ist die Slowakei selbst unter Naturfreunden als Reiseziel noch weitgehend unbekannt. Nimmt man das von Größe und Bevölkerungszahl halbwegs vergleichbare Dänemark als Maßstab liegt die Gesamtzahl der Übernachtungen jedenfalls bei kaum einem Drittel. Und gegenüber der etwas kleineren, aber dichter bevölkerten Schweiz ist sogar ungefähr der Faktor fünf fällig.

Dass sich die westliche der beiden genannten Ebenen ausgerechnet östlich von Bratislava finden lässt, ist nur mit der extremen Randlage der slowakischen Hauptstadt zu erklären. Selbst wenn sich auch einige der "besseren" Vororte die Hügel hinauf ziehen, ist die Metropole deshalb auch hauptsächlich in diese Richtung weiter gewachsen. So bleibt den Organisatoren auf der Suche nach einem möglichst schnellen und trotzdem städtischen Kurs kaum eine andere Wahl, als sich ebenfalls nach Osten zu wenden.

Zumindest bei der Premiere dieser neuen Strecke ist dem Bratislava Marathon nicht Durchbruch zum wirklichen Großereignis und einer international beachteten Veranstaltung gelungen. Wie bei den letzten beiden Austragungen bewegen sich die Teilnehmerzahlen auf der namensgebenden Distanz nur zwischen sechs- bis siebenhundert. Blickt man jedoch auf die gerade einmal sieben Jahre zurück liegende Erstauflage lässt sich dennoch eine gewaltige Steigerung erkennen. Schließlich kamen damals nicht mehr als ein Viertel davon ins Ziel.

Der sich angesichts eines erneut als Doppelschleife ausgelegten Kurses anbietende und darum auch angebotene Halbmarathon ist wenig überraschend der quantitativ weit stärker besetzte Lauf. Mit immerhin rund zweitausend Startern treten auf der halb so langen Distanz ungefähr dreimal so viele Läufer an. Auch dort sind die Teilnehmerzahlen gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert, doch verglichen mit 2010 haben sie sich immerhin fast verdoppelt. Wie hierzulande lässt sich das größere Wachstumspotential also eher nicht beim namensgebenden Marathon vermuten.

Die weithin sichtbare Burg ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sie ist auch auf den slowakischen Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Cent-Münzen zu finden

Allerdings bieten die Veranstalter aus der slowakischen Hauptstadt, die im Verlauf des Jahres noch für mehr als ein halbes Dutzend weiterer Rennen verantwortlich zeichnen, im Rahmen des Marathons noch deutlich niedrigschwelligere Läufe an. Denn auch ein Fünfer und ein Zehner stehen noch auf dem Programm. Da man diese jedoch bereits samstags angesetzt hat, gibt es den einen oder anderen, der gleich zweimal an die Startlinie tritt.

Allzu weh tut auch ein solcher Doppelstart dem Geldbeutel aber nicht. Denn mit je nach Meldetermin zwischen dreißig und vierzig Euro - da die Slowakei seit 2009 Mitglied der Euro-Zone ist, muss man nicht einmal umrechnen - auf der längsten Strecke fallen die Gebühren für einen Lauf dieser Größe verglichen mit den hiesigen Entsprechungen eher gemäßigt aus. Das gilt insbesondere auch, weil der Organisationsstandard selbst gegenüber weitaus größeren Veranstaltungen durchaus bestehen kann.

Der Halbmarathonstart ist zwischen vierundzwanzig und fünfunddreißig Euro zu bekommen. Und bei rechtzeitiger Meldung werden für Fünfer und Zehner zehn bzw. zwölf Währungseinheiten fällig. Relativ zur Strecke gesehen sind da jene vier Euro, die für die Teilnahme am einen Kilometer langen Schülerlauf zu berappen sind, eigentlich am teuersten. Da aber an alle Teilnehmer - auch die Jüngsten - im Ziel Medaillen verteilt werden, lässt sich der Preis durchaus vertreten.

Die sechzig bis achtzig Euro, die eine Meldung einer aus vier Personen bestehende Halbmarathonstaffel kostet, sind dann aber doch ziemlich happig. Mit vier Einzelstarts über eine ähnlich lange Strecke wäre man bei weitgehend gleichen Gegenleistungen deutlich günstiger davon gekommen. Doch jene beinahe dreihundert Teams, die sonntags in Ziel kommen werden, belegen eindrucksvoll, dass für einen solchen Wettbewerb durchaus ein Markt vorhanden ist.

Den Marathonis kann es eigentlich nur recht sein. Selbst wenn einige gerade mit frischen Kräften eingewechselte Staffelläufer wie üblich durch ihre Überholvorgänge immer wieder einmal für Unruhe im Feld sorgen, ist die Strecke zumindest auf der ersten Runde dafür auch noch ein wenig belebter. Angesichts der weiterhin recht überschaubaren Starterzahlen kann das gar nicht schaden. An den Wechselpunkten ist zudem Anfeuerung garantiert. Und die Quersubvention durch die deutlich höheren Startgebühren nimmt man natürlich ebenfalls gerne mit.

Dass der Bratislava Marathon für einen Hauptstadtlauf in der Mitte Europas bei doch recht bescheidenen Teilnehmerzahlen verharrt, hat sicherlich auch mit dem eher geringen Bekanntheitsgrad zu tun, den die slowakische Metropole im Ausland hat. Die meisten ihrer Schwestern aus dem früheren Ostblock - insbesondere Prag, Warschau und Budapest, aber auch Bukarest, Sofia, Zagreb oder Belgrad - haben da doch einen anderen Namen. Wobei es sicher eine Rolle spielt, dass die Stadt gerade erst zwei Jahrzehnte lang das Zentrum eines unabhängigen Staates ist.

Die Erreichbarkeit sollte dagegen ein eher geringes Problem darstellen. Schließlich grenzt Bratislava nicht nur an den deutschen Sprachraum, abgesehen von Prag und - dem ebenfalls eher unbekannten, kleinen und beschaulichen - Ljubljana liegt auch keine andere dieser Metropolen weiter im Westen. Und wer zum Beispiel Budapest aus nordwestlicher Richtung auf dem Landweg erreichen will, kommt unweigerlich sogar direkt an der slowakischen Hauptstadt vorbei.

Der nach St. Martin benannte gotische Dom, als größte Kirche der Stadt … … die letzten Überreste der einstigen Befestigungsanlagen sowie … … der bunte Stilmix der Franziskanerkirche sind einige der Anlaufpunkte beim Rundgang durch Bratislava

Auch einen eigenen Flughafen besitzt Bratislava. Doch viel mehr als jeweils ein Dutzend Starts und Landungen pro Tag werden dort nicht abgewickelt. Und abgesehen von der nicht einmal eine Handvoll Maschinen besitzenden slowakischen Gesellschaft "Danube Wings" wird er eigentlich nur noch von einem aufgrund seiner Geschäftspraktiken nicht überall wirklich beliebten irischen Billigflieger angesteuert.

Dennoch ist eine Anreise aus der Luft kein Problem. Denn die - ebenfalls alles andere als zentral gelegene - österreichische Metropole Wien befindet sich kaum sechzig Kilometer westlich. Nirgendwo sonst in Europa kommen sich zwei Hauptstädte so nahe. Doch auch wenn man die beiden inzwischen manchmal als Zwillingsstädte zu vermarkten versucht, sind sie von einem Zusammenwachsen noch weit entfernt.

Selbst für das keineswegs übermäßig dicht besiedelte Österreich liegen die Einwohnerzahlen im Areal zwischen den beiden Städten deutlich unter dem Durchschnitt und erreichen kaum mehr als jene Werte, die man auch für die alpinen Gebieten des Landes berechnen kann. Nicht nur in der Umgebung von Bratislava sondern bis kurz vor Wien lässt sich wenig von städtischer Verdichtung erkennen.

Eine S-Bahn-Verbindung zwischen den beiden so nahe beinander liegenden Städten ist zwar schon lange im Gespräch, aber bisher weder umgesetzt noch überhaupt ernsthaft geplant. Und so enden die österreichischen Stadtbahn-Züge auch weiterhin einige Kilometer vor der Grenze. Immerhin pendelt seit einiger Zeit einmal pro Stunde ein Regionalexpress von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Und eine weitere Verbindung steuert von Wien aus über eine andere Route zudem den zweiten großen Bahnhof im Stadtteil Petržalka an.

Vom Flughafen Schwechat im Osten der österreichischen Hauptstadt sind es bis Bratislava jedoch sogar noch fünfzehn bis zwanzig Kilometer weniger als vom Wiener Zentrum. Und da dieser international weit besser angebunden ist, hat "VIE" längst auch für die Metropole jenseits der Grenze eine gewisse Bedeutung. Vermutlich fliegen sogar mindestens genauso viele Gäste über den Flughafen Wien wie über den Flughafen Bratislava ein.

Der Bus, der von dort stündlich die Verbindung zur Nachbarstadt herstellt, ist deswegen auch recht gut ausgelastet. Bei einer Fahrzeit von etwa einer Stunde dauert das letzte Stück der Anreise jedoch manchmal kaum weniger lange als der Flug. Ein überzeugender Grund, der gegen einen Besuch Bratislavas spräche, ist das aber eigentlich nicht. Schließlich hat man auch an vielen anderen Orten zwischen dem Landeplatz und der Innenstadt noch erhebliche Distanzen zurück zu legen.

Doch haben die Organisatoren das Datum des Marathons eventuell nicht unbedingt günstig gewählt. Ende März - oder spätestens wie im Vorjahr am ersten April-Wochenende - ist längst noch nicht jeder potentielle Teilnehmer auch wirklich bereit, über eine solche Distanz anzutreten. Als Gegenargument ließe sich allerdings vorbringen, dass man auf diese Art so weit im Norden des Kontinents noch ziemlich alleine in den Terminlisten auftaucht, während sich die Konkurrenten wenig später im April und Mai regelrecht auf den Füßen stehen.

Während den Mitbewerbern mit jeder Woche, die sie im Kalender nach hinten wandern, stärker die Gefahr einer Hitzeschlacht droht, geht man so früh im Jahr natürlich das Risiko ein, gelegentlich einmal etwas kälteres Wetter zu erwischen. Doch in der Regel gibt der Frühling in jenen Tagen auch in Bratislava zumindest erste vorsichtige Gastspiele. Zweistellige Höchstwerte sind da durchaus normal. Und eher selten rutscht das Thermometer nachts noch in den negativen Bereich.

Was für so manchen immer noch deutlich zu kühl erscheinen könnte, sind in den Augen anderer Läufer - gerade für die leistungsorientierten unter ihnen - dann fast schon die perfekte Verhältnisse für ein schnelles Rennen. Im marathonverrückten Japan finden zum Beispiel aus genau diesem Grund nahezu alle großen Veranstaltungen im Winterhalbjahr statt. Bei genauerer Betrachtung scheint der Bratislava Marathon zumindest aus sportlicher Sicht also eigentlich gar nicht so schlecht terminiert zu sein.

Der Präsidentenpalast (links), die Slowakische Philharmonie (mitte) und das Nationaltheater gehören zu den architektonischen Schmuckstücken des Stadtzentrums von Bratislava

Und selbst wenn man wollte, wirklich allen recht machen könnte man es bei den äußeren Bedingungen ohnehin nicht. Je nach Kälteempfindlichkeit sind die persönlichen Vorlieben diesbezüglich schließlich ziemlich unterschiedlich. Was in den meisten Jahren aus diesem Grund durchaus für ein wenig Uneinigkeit unter den Läufern sorgen dürfte, lässt im Jahr 2013, in dem der Winter einfach nicht weichen will und Woche für Woche in eine weitere Verlängerung geht, allerdings fast nur eine Meinung zu. Sie lautet kurz und bündig: "Viel zu kalt".

Nicht einmal fünf Grad als Höchsttemperatur haben die Wetterkundler im Vorfeld für das Wochenende avisiert. In der Nacht sollen die gleichen Ziffern sogar ein negatives Vorzeichen haben. Und das sind noch die Werte für den Samstag, der als der bessere der beiden Tage angekündigt ist. Für den Marathonsonntag lauten die Vorhersagen dagegen nur auf Temperaturen kaum über dem Gefrierpunkt. Sogar einige Schneeflocken sind als unübersehbare Symbole auf den Karten eingezeichnet.

Natürlich haben die Meteorologen recht. Angesichts immer größerer und leistungsstärkerer Rechner, besserer und vielfältigerer Wetterdaten sowie immer genauerer Modelle geht die Zahl der wirklichen Fehlprognosen schließlich längst gegen Null. Rückkopplungseffekte durch Reaktionen auf ihre Vorhersage, die das berechnete Ergebnis augenblicklich verfälschen und zum Beispiel die Aussagen vermeintlicher Wirtschaftsexperten oft ziemlich schnell ad absurdum führen, müssen sie aber auch - man ist geneigt zu sagen: "Zum Glück" - noch nicht fürchten.

Der Samstag präsentiert sich anfangs tatsächlich ziemlich eisig. Doch je höher die - wenige Tage zuvor wieder auf die nördliche Seite des Äquators gewanderte - Sonne steigt, umso erträglicher fühlen sich die Temperaturen an.

Deswegen werden die Straßencafés zwar noch lange nicht überrannt. Aber zumindest lässt es sich auch ohne schwerste Polarausrüstung einigermaßen im Freien aushalten. So kann man auf dem Weg zum Abholen der Startunterlagen im Eurovea-Zentrum noch den einen oder anderen Schlenker machen, um einen Blick auf Bratislava zu werfen.

Ausgegeben werden die Nummern im "Sklad c. 7" - übersetzt etwa "Speicher Nummer 7". In dem aus einem halben Dutzend Einzelbauten bestehenden Komplex nimmt der Bau, dessen turmähnlicher Aufsatz aus der Ferne an eine Kirche erinnert, gleich in mehrfacher Hinsicht eine gewisse Sonderrolle ein. Denn während sich die anderen Gebäudetrakte um eine Art Innenhof gruppieren, in dem sich unter einen Glasdach das eigentliche Einkaufszentrum befindet, steht es nämlich ein wenig abseits und ohne direkte Verbindung zum Rest am Donauufer.

Und im Gegensatz zu allen übrigen Nachbarn, die erst vor wenigen Jahren errichtet wurden, hat es schon fast ein Jahrhundert auf dem Buckel. Wie der Name bereits vermuten lässt, war es einst als Lagerhaus Teil des Hafens von Bratislava, dessen Becken unweit des Eurovea - übrigens nur ein wohlklingendes Kunstwort ohne echte Bedeutung - beginnen. Nach einer umfassenden Renovierung kann man "Sklad c. 7" nun für Veranstaltungen - oder wie man in dieser Branche inzwischen viel lieber sagt: "Events" - anmieten.

Dabei hat man natürlich weniger die Startnummernausgabe eines Marathons als vielmehr an Partys, Empfänge, Galas oder vielleicht auch einmal eine Modenschau gedacht. Platz genug ist angesichts der mit etwa fünftausend Teilnehmern durchaus noch überschaubaren Größe des Laufes aber auch dafür vorhanden. Und da man sogar schon am Donnerstag mit der Verteilung beginnt, hält sich der Andrang vor der Schaltern ziemlich in Grenzen.

Etwas ungewöhnlich ist das Vorgehen schon. Denn an die E-Mail-Bestätigung war keineswegs wie sonst üblich ein Dokument mit Name und Startnummer angehängt. Nur die Striche und Ziffern eines sogenannten Barcodes sollte man ausdrucken und mitbringen. Dieser wird dann von den Helfern vor Ort mit einem Lesegerät wieder entschlüsselt und in die jeweilige Nummer umgesetzt, die mit Umschlag anschließend aus den allseits bekannten Kisten hervor gekramt wird.

Noch sind angesichts der frostigen Temperaturen die schönen Plätze im Stadtzentrum wenig bevölkert, doch kann man sich gut vorstellen, welches Leben im Frühling und Sommer auf ihnen herrscht

Ein echter Vorteil dieser Methode ist kaum erkennbar. Alles geht insgesamt nicht schneller oder langsamer als sonst auch. Doch immerhin kann man so vielleicht ein wenig mit dem Einsatz moderner Technik glänzen. Dass die Zeitnahme mittels Chip erfolgt, ist da fast schon selbstverständlich. Dieser ist inklusive Klettband, mit dem man ihn am Fußgelenk befestigen soll, ebenfalls im Umschlag zu finden. Im Ziel können die kleinen Messgeräte dann mit einem einzigen Handgriff wieder eingesammelt werden.

Aber noch etwas anderes muss heraus gekramt werden, bevor man die Unterlagen ausgehändigt bekommt. Und auch das ist eher ungewohnt. Denn man soll das Vorhandensein einer Krankenversicherung belegen. Das Vorzeigen des eigenen Kärtchens alleine reicht nicht einmal, es wird von den Helfern am Meldeschalter sogar kopiert. Doch verglichen mit dem Gesundheitsattest, das man in Frankreich benötigt und einen Arztbesuch nötig macht, ist es eine reine Formalie.

Neben dem allseits bekannten Werbematerial findet sich im großen Kleiderbeutel, in dem der Umschlag verschwindet in Bratislava als zusätzliches Geschenk diesmal kein T-Shirt sondern ein kleiner Rucksack - keine absolut neue Idee, auch der eine oder andere Mitbewerber hat schon auf sie zurückgegriffen, aber eben doch nicht ganz die Norm. Am Ende ist es allerdings eigentlich auch vollkommen egal, welcher Stapel zu Hause wieder etwas höher wird.

Falls gewünscht kann man die Oberteile mit dem - beim Versuch möglichst viel darin unterzubringen vielleicht doch etwas zu bunt und unübersichtlich geratenen - Logo der Veranstaltung ohnehin noch käuflich erwerben. Genau wie einiges andere auf der kleinen Marathonmesse angeboten wird, die in einem Zelt ihren Platz gefunden hat, das direkt vor dem Speicherhaus mit der Nummer sieben aufgebaut ist. So richtig merkt man dabei auf dem Weg durch den verspiegelten Eingangsbereich eigentlich gar nicht, wo das Gebäude endet und das Zelt beginnt.

Auch für vieles andere hat man Zelte aufgestellt. Umkleiden, Duschen, Gepäckabgabe und Nudelparty - ein Bon liegt den Startunterlagen bei - sind unter ihren Planen zu finden. Auf der noch brach liegenden Fläche neben dem Eurovea-Komplex ist dadurch eine regelrechte Stadt entstanden. Und tatsächlich wird sie in der englischsprachigen Variante des Informationsmaterials als "marathon city" und auf Slowakisch als "maratónskeho mestecka" bezeichnet.

Für diese kurz vor dem Rennen veröffentlichten letzten Instruktionen gibt es wirklich nur eine slowakische und eine englische Version. Ansonsten ist die Internetseite des Bratislava Marathons -auch auf Deutsch verfügbar. Angesichts der direkten Nachbarschaft ist das eigentlich auch wenig verwunderlich. Viel erstaunlicher ist, dass es trotz dieser Nähe dennoch nicht immer gelungen ist, überall wirklich passende und vollkommen verständliche Formulierungen zu finden.

So wird gleich auf der Startseite die slowakische Rubrik "Propozície", unter der die wichtigsten Informationen und Rahmenbedingungen der Veranstaltung nachzulesen sind, im deutschsprachigen Auftritt zu einem ziemlich seltsam aussehenden "Propositionen". Was man aus den Blickwinkel von Sprachgeschichte und -entwicklung eventuell sogar nachvollziehen kann, lässt den Leser trotzdem im ersten Moment ziemlich ratlos zurück.

Und dass man unter "Mappen der Strecken" die Kurspläne entdecken kann, lässt sich gleich in doppelter Hinsicht auf das zurück führen, was Sprachwissenschaftler einen "falschen Freund" nennen. Denn "Karte" heißt nicht nur im Englischen "map" sondern im Slowakischen auch noch "mapa". Die dort abgebildete Strecke sei ein "Stadtring" ohne "markante Überhöhungen" heißt es zudem, woraus man sich zusammen reimen muss, dass die Runde durch Bratislava kaum Höhenunterschiede hat.

Die Geschichte des Alte Rathauses der Stadt am Hauptplatz reicht bis ins Mittelalter zurück … ... doch auch das benachbarte "Neue Rathaus", in dem der Bürgermeister jetzt seinen Sitz hat, stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert

Es sind allerdings eher extreme Beispiele. Der größte Teil der Informationen ist weitgehend verständlich. Und am Ende ist die Anmeldung eigentlich nicht das geringste Problem. In der Weite des Netzes lassen sich auch auf den Seiten von Laufveranstaltungen ohnehin etliche Übersetzungsversuche finden, die weit schlimmer ausgegangen sind. Selbst in der vermeintlich mehrsprachigen Schweiz sind die Versionen für die jeweils anderen Sprachgruppen zum Teil alles andere als gelungen.

Doch sie belegen zum einen wie schwer es für Nichtmuttersprachler ist, eine Text in eine andere Sprache zu übertragen. Und sie zeigen zum anderen vor allem, wie stark die Trennung zwischen den beiden Nachbarn auch mehr als zwanzig Jahre nach der Lüftung des Eisernen Vorhanges Öffnung der Grenzen noch immer ist. Selbst in der Grenzstadt Bratislava kommt man - gerade bei den Jungen - meist besser mit Englisch als mit Deutsch zu Rande.

Doch bevor man sich nun darüber auslässt, wie gering das Interesse der Slowaken am benachbarten Österreich ist, sollte man vielleicht auch umgekehrt einmal fragen, wie es denn mit den Slowakisch-Kenntnissen auf der anderen Seite der Grenze aussieht. Die Ergebnisse wären sicher noch weitaus ernüchternder.

Ganz nebenbei zeigt zudem der Blick auf die Internetpräsens des Wiener Marathons, dass es mit den engen nachbarschaftlichen Beziehungen wohl wirklich noch nicht weit her ist. Denn unter den Flaggen zur Sprachauswahl sucht man die slowakische vergeblich. Auch bezüglich einer ungarischen Version sieht es nicht anders aus. Und eine tschechische Variante gibt es genauso wenig. Dabei ist das zweite Dreiländereck - das zwischen Tschechien, der Slowakei und Österreich - von Wien praktisch auch nicht weiter entfernt als jenes bei Bratislava.

In der Luftlinie liegen zwischen den beiden Punkten nur etwa sechzig Kilometer, so dass in dieser Region eigentlich sogar vier verschiedenen Staaten auf engem Raum Kontakt zueinander haben. Den gut fünf Millionen Slowaken stehen knapp zehn Millionen Umgarn sowie sogar mehr als zehn Millionen Einwohner der Tschechischen Republik gegenüber. Doch scheinen auch diese grenznahen Märkte den Wienern wohl noch immer nicht groß genug zu sein, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Allerdings macht sich zum Beispiel im Nordwesten Deutschlands ja auch kaum ein Veranstalter die Mühe, seine Ausschreibungen zusätzlich auf Niederländisch anzubieten. Und selbst im Falle von Freiburg, von wo es nur ein Katzensprung über den Rhein wäre, bekommt man zum dortigen Marathon im Netz keine Informationen auf Französisch. Über die Läufe im angelsächsischen Sprachraum, in dem man grundsätzlich davon ausgeht, dass der Rest der Welt gefälligst Englisch zu sprechen habe, muss man diesbezüglich ohnehin kaum ein Wort verlieren.

Tschechisch wäre allerdings auch für die meisten Slowaken noch eine brauchbare Alternative. Schließlich sind die zwei Sprachen eng miteinander verwandt und weitgehend gegenseitig verständlich. Durch die vielen Jahrzehnte, die sie mit den Tschechen im letzten Jahrhundert in einem gemeinsamen Staat verbracht haben, ist man sich sprachlich sogar noch ein wenig näher gekommen. Fernsehsendungen aus dem jeweiligen Nachbarland müssen dann auch so gut wie nie synchronisiert werden.

Jedoch sollte man sich davor hüten, beide Sprachen in einen gemeinsamen Topf "Tschechoslowakisch" zu werfen. Das Slowakische lässt sich schließlich bereits in Texten aus dem späten Mittelalter belegen. Selbst wenn später aufgrund der Herrschaftsverhältnisse offiziell meist Deutsch oder Ungarisch verwendet wurden und man ansonsten eher Tschechisch schrieb, gibt es spätestens seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert, als sich in ganz Europa langsam der Begriff der "Nation" zu etablieren begann, wieder eine eigenständige slowakische Schriftsprache.

Während die Dialekte im Westen des Landes dabei fast nahtlos in die als "mährisch" bezeichneten tschechischen Mundarten jenseits der Grenze übergehen, hat man im Nordosten eine ähnliche Situation mit dem ebenfalls nahe verwandten Polnisch. Slowakisch nimmt so unter den westslawischen Sprachen - zu denen auch noch das Sorbische der Lausitz gehört - eine recht zentrale Position ein. Und einfache Formulierungen können durchaus auch von Ukrainern, Russen, Serben oder Kroaten verstanden werden.

Im Innenhof des Rathauses und auf dem davor liegende Hauptplatz bieten sich dank immer neuer Details jedem Fotografen unzählige originelle Motive

Doch im Vergleich mit den meist ziemlich hart klingenden slawischen Sprachen weiter im Osten, hört es sich eher weich an und hat oft auch den etwas singenden Tonfall des Tschechischen, was die Unterscheidung für den keine von beiden auch nur im Ansatz beherrschenden Laien nicht gerade einfacher macht. Seit der Trennung in zwei unabhängige Staaten lässt sich aber beobachten, dass beide Sprachen sich ein wenig voneinander entfernen. Jüngere Tschechen und Slowaken haben deswegen weit größere Probleme sich miteinander zu unterhalten als ihre Eltern.

Für eine Anmeldung bei einer Laufveranstaltung reicht es aber natürlich immer noch. Und so sind in den Ergebnislisten der samstäglichen Rennen neben der slowakischen vor allen Dingen tschechische Fahnen hinter den Namen zu entdecken. Beim "Hobby beh" - aus sich durch die Verwendung eines englischen Wortes durchaus ein "Hobbylauf" erahnen lässt - ist mit Lukáš Olejnícek sogar ein Tscheche ganz vorne.

Doch als Freizeitläufer lässt sich der nur 17:21 benötigende Sieger wohl kaum bezeichnen. Immerhin war er 2012 Dritter der nationalen Meisterschaften über 3000 Meter Hindernis. Die gut neun Minuten, die er dafür benötigte, belegen auch, dass er für den Erfolg in Bratislava keineswegs an seine Leistungsgrenzen gehen muss. Ganz unbekannt ist der Gast aus dem Nachbarland in der slowakischen Hauptstadt ohnehin nicht. Schon in den beiden Jahren zuvor konnte er schließlich den Einsteigerlauf zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Aber auch die nach 20:29 als Gesamtachte und schnellste Frau einlaufende Dana Janecková ist keineswegs Gelegenheitssportlerin sondern eine ehemalige Spitzenathletin, die während ihrer Karriere rund zwanzig slowakische Meistertitel über fünf- und zehntausend Meter, Halb- und Vollmarathon gesammelt hat. International konnte sie angesichts einer Marathon-Bestzeit von 2:43 allerdings selbst in ihren besten Jahren gegen die übermächtige afrikanische Konkurrenz wenig bestellen.

Während die genau tausend Teilnehmer im Hobbylauf noch bei Sonnenschein und blauem Himmel gleich nach dem Start um zwei Uhr am Eurovea die erst vor wenigen Jahren eröffnete Apollo-Brücke ansteuern, die im Osten der Innenstadt die Donau überspannt, hat es sich bereits deutlich eingetrübt, als zwei Stunden später das mit sechshundert Startern deutlich kleinere Feld über die doppelten Distanz auf dem neben der Fahrbahn verlaufenden Radweg hinüber zur anderen Stromseite wechselt.

Beide Strecken am Samstag verlaufen mehr oder weniger ähnlich immer entlang des Donauufers - zuerst im Süden flussaufwärts, dann nach einem erneuten Seitenwechsel am Stadtzentrum vorbei wieder zurück zum Eurovea. Nur holt der schlicht mit "Desiatka" - was nichts anderes als "zehn" oder "Zehner" bedeutet - bezeichnete Lauf eben noch ein wenig weiter bis zur Autobahnbrücke im Westen Bratislavas aus.

Abgesehen von den Flussquerungen sind die Kurse deshalb auch relativ eben. Und so sind jene 35:37, die Jakub Šiko genügen, um den Lauf mit fast einer Minute Vorsprung vor Alexander Moravcik zu gewinnen, dann auch nicht wirklich herausragend. Relativ gesehen weitaus stärker ist die Leistung der Frauensiegerin. Denn Lucia Janecková wird nicht nur in flotten 37:57 gestoppt, sie lässt auch gerade einmal sechs Männern den Vortritt. Erst mehr als sechs Minuten später folgt ihr mit Eva Tulejuva die Zweite ins Ziel.

Wer jetzt angesichts des gerade gelesenen Namens gestutzt hat und noch einmal ein paar Absätze zur Überprüfung zurück springen möchte, hat absolut recht. Er ist schließlich tatsächlich schon einmal aufgetaucht. Und das ist keineswegs absolut zufällig. Bei der über zehn Kilometer erfolgreichen Lucia handelt es sich nämlich um die achtzehnjährige Tochter der beim Fünfer auf dem Treppchen ganz oben stehenden Jana.

Obwohl am Samstag am Eurovea noch die Sonne lacht (links und rechts), präsentiert sich der Einkaufs- und Bürokomplex am Marathonmorgen in winterlichem Kleid

Nach einem zwar kalten aber wie vorhergesagt immerhin weitgehend freundlichen Samstag, der auf den beiden kürzeren Distanzen des Marathonwochenendes immerhin so manchen mit unbedeckten Extremitäten auf die Strecke gehen lässt, beginnt der nächste Morgen ebenfalls kaum anders, wie es die Meteorologen im Vorfeld berechnet haben. Alles Daumendrücken der Voll- und Halbmarathonis für gutes Wetter war umsonst. Der nach dem Aufstehen wohl meist sofort erfolgte Blick aus dem Fenster zeigt zu ihrem Leidwesen das angekündigte Schneetreiben.

Es sind nicht die ganz dicken Flocken, die in kürzester Zeit alles bedecken. Vielmehr handelt es sich eher um ein Grieseln. Doch an etwas windgeschützten Stellen bleibt die um diese Jahreszeit gar nicht mehr erwünschte winterliche Pracht trotzdem liegen. Die Rückschlüsse, die diese Tatsache auf die draußen herrschenden Temperaturen zulässt, sind ihrerseits auch nicht unbedingt erfreulich.

Noch ist ja ein wenig Zeit. Im Gegensatz zu den meisten Läufen im späten Frühjahr hat man den Start erst um zehn Uhr angesetzt. Auf eine tiefgreifende Wetteränderung innerhalb weniger Stunden zu hoffen, wäre allerdings - gerade auch wegen der bis dahin vollständig eingetroffenen Prognosen - ziemlich illusorisch. Nein, so hatte man sich einen Stadtmarathon Ende März ganz eindeutig nicht vorgestellt.

Dass die Eurovea-Galerie bereits am frühen Morgen ihre Pforten geöffnet hat, ist einer der wenigen positiven Aspekte an diesem Sonntagmorgen. So ist man nicht auf die zwar mit einem Gebläse etwas erwärmten, aber dennoch recht zugigen Umkleidezelte angewiesen, die für alle Teilnehmer gleichzeitig sowieso kaum ausreichen würden, sondern kann sich bis kurz vor dem Start noch ein wenig im beheizten Einkaufszentrum aufhalten.

Und so mancher gibt den auf drei Stockwerken ausreichend vorhandenen Flächen gleich ganz gegenüber den Zelten den Vorzug. Es ist sicher eine der größten und ungewöhnlichsten Umkleidekabinen, die man sich für eine Laufveranstaltung vorstellen kann. Doch kaum jemand möchte an diesem ungemütlichen Tag auf sie verzichten. Und nach dem längeren Schlangestehen unter freiem Himmel, das nötig ist, wenn man seine Tasche abgeben möchte, kommt auch fast jeder noch einmal zum Aufwärmen zurück.

Erst wenige Minuten vor dem Start leeren sich die Gänge unter dem gläsernen Kuppeldach endgültig. Allerdings ist der Weg in die Aufstellungszone auch ziemlich kurz, befindet sie sich doch auf der direkt auf einen der Eingänge zulaufenden Straße. Der Platz bis zum Startgerüst ist für immerhin rund dreitausend laufwillige Menschen jedoch zu gering. Deswegen knickt der abgesperrte Bereich noch um neunzig Grad ab und verläuft parallel zum Eurovea-Komplex weiter.

Bei weitem nicht alle, die nun darauf warten sich in Bewegung zu setzen, können deshalb das Starttransparent und das, was in seiner Nähe geschieht, auch sehen. Die Ansagen sind allerdings durchaus hörbar, selbst wenn für die des Slowakischen nicht mächtigen Gäste natürlich bei weitem nicht alles verständlich ist. Immerhin gibt sich die Sprecherin Mühe, ab und zu auch ein paar Worte - insbesondere die noch verbleibende Zeit - auf Englisch oder Deutsch einzustreuen.

Doch als im großen Pulk begonnen wird laut mitzuzählen, ist ohnehin klar, dass es gleich losgehen dürfte. Mit "pät"und "štyri" ist man noch weitgehend überfordert. Aber bei den darauf folgenden "tri" und "dva" wird die Position in der Zahlenreihe eindeutig klar. Einigen einfachen Begriffen lässt sich die entfernte Verwandtschaft zwischen den slawischen und den germanischen Sprachfamilien eben noch immer ganz gut ansehen.

Wegen des winterlichen Wetters wird das direkt neben dem Start gelegene Einkaufszentrum Eurovea am Marathonmorgen als ziemlich ungewöhnlich Umkleidekabine genutzt

Nach den "jedna", das alleine zu übersetzen schon wieder weit größere Probleme gemacht hätte, setzt sich das Feld dann auch prompt in Bewegung. Doch bevor auch die Letzten die Chipmatten überquert haben, wird es bei gerade einmal zwei zur Verfügung stehenden Fahrspuren noch einige Minuten dauern. Nicht überall auf der Welt gibt es bei Marathons so breite und kilometerlange Startgeraden wie die Avenue des Champs-Élysées in Paris oder die Straße des 17. Juni in Berlin.

In Bratislava ist sie jedenfalls schon nach etwa zweihundert Metern wieder vorbei, als die Strecke nach rechts abbiegt und auf ein Hochhaus zusteuert, das sich aus rundherum weitgehend unbebautem Gelände erhebt. Seine Spiegelglasfassade lässt den "Tower 115" hochmodern erscheinen. Aber die simple Kastenform des Gebäudes verrät irgendwie doch, dass es schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat. Ursprünglich wurde es in den frühen Achtzigern gebaut, vor nicht allzu langer Zeit dann allerdings komplett renoviert und auf den neuesten Stand gebracht.

Der Name ist übrigens ein wenig Etikettenschwindel. Denn eigentlich ist der Tower 115 elf Meter niedriger als die Zahl angibt. Nur durch das Mitrechnen einer kleinen Antenne auf dem Dach kommt man auf den angegebenen Wert. So fällt der vermeintlich größte Hochhausturm der Stadt bei genauerem Hinsehen hinter drei andere, ihn noch knapp überragenden Bauten auf den vierten Platz der Rangliste zurück.

Die Debatten, ob man den Sendemast denn berücksichtigen darf, werden sich ohnehin in einigen Jahren erledigt haben. Denn mittelfristig soll auf den noch freien Flächen rund um Eurovea und Tower 115 ein neues Zentrum mit etlichen weiteren hoch aufragenden Bürogebäuden entstehen. Und eine ganze Reihe von ihnen soll dabei die bisherigen Rekordmarken zum Teil deutlich übertreffen.

Doch obwohl einige dieser Konstruktionen nach den ursprünglichen Planungen längst begonnen oder sogar bereits fertig gestellt sein müssten, ist von weiteren Hochhäusern oder zumindest Baukränen in diesem Bereich nicht viel zu sehen. In Zeiten knapper werdender Gelder und ungewisser wirtschaftlicher Entwicklung sind nämlich fast alle dieser Projekte nun erst einmal in der Wartschleife gelandet.

Über das Bauwerk, das auf dem Stadtgebiet am weitesten nach oben strebt, gibt es aber eigentlich sowieso keine Diskussion. Das ist nämlich unzweifelhaft der Fernsehturm, der sich mit einer eher ungewöhnlichen, rautenförmigen Architektur deutlich von den meisten seiner Gegenstücke im Rest der Welt abhebt. Nicht nur aufgrund seiner zweihundert Meter überragt er alles andere in Bratislava eindeutig, seine Position auf einem Hügel dreihundert Meter oberhalb des Zentrums macht ihn noch viel markanter und weithin sichtbar.

Hinter dem Tower 115 überquert die Strecke die Zufahrtsstraße zur Apollo-Brücke. Doch für so eine wichtige Verkehrsachse müssen die zur Sicherung eingesetzten Polizisten zu diesem Zeitpunkt erstaunlich wenige Wagen stoppen. Eventuell haben die Autofahrer aufgrund guter Informationen im Vorfeld rechtzeitig Ausweichrouten angesteuert. Übersehen lässt sich der Bratilslava Marathon in der Stadt jedenfalls kaum. Nicht nur entlang der Laufstrecke kann man zuhauf Plakate und Fahnen entdecken, die ihn ankündigen.

Entlang der Donauufer und auf den über sie hinweg führenden Brücken verlaufen die samstäglichen Läufe über fünf und zehn Kilometer

Aber vielleicht geht angesichts des ungemütlichen Wetters auch einfach nur niemand vor die Haustür, der es nicht unbedingt muss. Selbst wenn Polizei und Ordner bei der zweiten Passage dann doch ein wenig mehr zu tun haben werden, verläuft alles in ziemlich geregelten Bahnen. Wirkliche Probleme mit der Verkehrslenkung gibt es nicht. Aber die Strecke ist auch so gut konzipiert, dass sich die Auswirkungen des Marathons auf den Straßenverkehr in Grenzen halten.

Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - ist der größte Teil des Kurses einzig und allein den Läufern vorbehalten. Nur auf wenigen kurzen Abschnitten muss - dann aber praktisch immer auf breiten Straßen und mit guter Sicherung - die Fahrbahn einmal mit Autos geteilt werden. Selbst während der zweiten Runde, auf der nur noch einige hundert Läufer unterwegs sind und von einem eigentlich geschlossenen Feld nicht mehr die Rede sein kann, wird sich an dieser Komplettsperrung nichts ändern.

Auch jenseits der Brückenrampe führt die Marathonstrecke erst einmal weiter geradeaus entlang des Hafengeländes, das sich hinter einer parallel zur Straße verlaufenden Mauer verbirgt. Erst ein ganzes Stück hinter dem ersten Kilometerschild folgt die nächste Kurve, die den Kurs weg von der breiten Straße am Hafen und in ein meist aus Bürogebäuden bestehendes Viertel hinein bringt. Während man einer Reihe von ihnen die Entstehung in der sozialistischen Periode noch ansieht, ist der größere Teil merklich neueren Datums.

Mit zwei weiteren Linksschwenks steuert man allerdings wenig später bereits wieder auf jene Ausfallstraße zu, die man erst kurz zuvor verlassen hatte. Nur etwa einen Kilometer lang ist jene Wendeschleife, die zum Ende ausgerechnet an einigen kleinen, zwischen den vielen Gewerbebauten ziemlich verloren und etwas deplatziert wirkenden Wohnhäusern vorbei führt. Die vierte Kurve - diesmal nach rechts - beendet den Schlenker und die Marathonis treten auf schon bekannten Pfaden den Rückweg an.

Gleich nach dem Abbiegen wartet zum ersten Mal eine Getränkestelle auf die Läufer. Diese hat erst einmal nur Wasser und Schwämme im Angebot. Und angesichts der Wetterbedingungen findet sie deswegen auch nur geringen Zuspruch. Der nächste Verpflegungsposten bei Kilometer fünf hat allerdings dann nicht nur zusätzlich Elektrolytgetränke, Obst und Riegel sondern außerdem - den Temperaturen weit angemessener - auch warmen Tee auf den Tischen.

Insgesamt achtmal pro Runde gibt es in Bratislava zu Trinken, je vier Wasser- und vier voll ausgestattete Versorgungsstellen sind im Abstand von etwa zweieinhalb Kilometern aufgebaut. Bei der herrschenden winterlichen Witterung mag das sogar fast zu viel sein. Unter normalen Verhältnissen ist die im internationalen Regelwerk vorgegebene Zahl allerdings durchaus angemessen, dürfte aber wohl auch dann noch ausreichend, wenn das Quecksilber einmal deutlich in zweistellige Werte vorstoßen sollte.

Nach mehr als drei Kilometern Lauf haben die Marathonis die einleitende Schleife beendet und befinden sich genau an jener Straßenkreuzung unweit des Eurovea, an der sie diesen hauptsächlich Kilometer bringenden Ausflug begonnen hatten. Nun kehrt die Strecke dem Einkaufszentrum den Rücken und dreht am auf der Ecke sitzenden und architektonisch durchaus interessanten slowakischen Hauptquartier einer deutschen Versicherungsgesellschaft nach Norden ab.

Es ist beileibe nicht das einzige Unternehmen aus dem - nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eigentlich ebenfalls nicht mehr existierenden - "Westen", das die Slowakei als Markt für sich entdeckt hat. Nicht nur eine ohnehin fast überall in Europa zu entdeckende deutsche Lebensmittelkette hat in Bratislava Filialen, die Konkurrenz aus dem nahen Österreich ist wenig überraschend fast noch zahlreicher. Und einer der als Ausstatter der Nudelparty wichtigsten Unterstützer des Marathons ist ein britisches Supermarktunternehmen namens "Tesco".

Doch Namenssponsor ist die "CSOB", in der der Name des früheren gemeinsamen Staates von Tschechen und Slowaken weiter fortlebt, bedeutet die Abkürzung doch ausgeschrieben und übersetzt "Tschechoslowakische Handelsbank". Allerdings ist diese inzwischen weder in tschechischem noch in slowakischem Besitz sondern gehört zu einem belgischen Finanzkonzern. Und so kann man das gleiche Logo mit einer anderen Buchstabenkombination zum Beispiel auch bei Übertragungen wichtiger Radrennen aus Belgien am Streckenrand entdecken.

Vorbei an einem Teil des Geländes, das eigentlich für neue Hochhäuser vorgesehen ist und auf seine Bebauung wartet, führt die Strecke auf einige andere bereits fertige Wolkenkratzer zu, die den geplanten neuen Geschäftsbezirk im Nordwesten abschließen sollen und knapp über bzw. etwas unter hundert Meter in den trüben Himmel ragen. Einen Kilometer später, der fast zur Hälfte von einem Riegel aus weiteren, allerdings deutlich niedrigeren Bürogebäuden eingenommen wird, dreht der Marathonkurs zum zweiten Mal nach Osten ab.

Während die achtzehnjährige Lucia Janecková… …und Jakub Šiko die zehn Kilometer gewinnen … ... sind der Tscheche Lukáš Olejnícek und … …Lucias Mutter, Dana Janecková, über fünf Kilometer vorne

Schon der erste, bereits bewältigte Ausflug in diese Himmelsrichtung hatte aufgrund seiner Form beim Blick auf die Streckenkarte alles andere als Begeisterungsstürme ausgelöst. Doch was dem Plan zufolge nun ansteht, stellt das Ganze noch weit in den Schatten. Ziemlich genau vier Kilometer soll diese Passage schnurgerade vom Stadtzentrum weg führen, nur um nach einer Wende auf der Gegenspur wieder zurück zu kommen.

Aber irgendwie stellt sich die auf dem Papier schier endlose Gerade in der Realität gar nicht so trist und ewig lang dar, wie befürchtet. Zum einen verändert die anfangs eher enge, nur zwei bis drei Fahrspuren besitzende Straße nach etwa einem Kilometer ihren Charakter und wird auf einmal mindestens doppelt so breit. Straßenbahngleise schwenken an dieser Stelle auf sie ein und verlaufen von da an in der Mitte auf einem breiten Grünstreifen.

Und spätestens nachdem man einen Kilometer später in einer kleinen Senke eine mit einer Kleeblattkreuzung angebundenen Schnellstraße unterquert hat, weichen auch die Wohnblöcke immer weiter zurück, so dass der Streckenrand manchmal fast schon parkähnlich daher kommt. Sogar ein kleiner See wird dabei passiert. Vielleicht ist es genau diese ungewöhnliche Weite der Straße, die sie in Kombination mit der sich regelmäßig, aber doch gleichzeitig auch nur langsam ändernden Bebauung deutlich weniger lang erscheinen lässt, als sie es tatsächlich ist.

Die Gebäude selbst sind allerdings meist wenig interessant, handelt es sich in der Regel doch um Plattenbauten aus der sozialistischen Periode, die höchstens durch einen neuen, freundlich-bunten Anstrich ein wenig äußerlich aufgefrischt wurden. Nicht nur optisch sondern auch tatsächlich überragt werden sie von einem "Glória" heißenden Neubau, der mit seinen exakt hundert Metern immerhin Rang fünf der aktuellen Höhen-Rangliste Bratislavas einnimmt und noch relativ am Anfang der Gerade auf die Läufer wartet.

Der eisige Ostwind, der den Läufern vier Kilometer ununterbrochen ins Gesicht bläst, macht den Weg zum Wendepunkt aber doch eher unangenehm. Der Schneefall hat zwar inzwischen weitgehend aufgehört. Die Temperaturen schwanken allerdings auch weiterhin um null Grad. Meist zeigen die passierten Uhren-Thermometer zu diesem Zeitpunkt sogar Werte leicht darunter an. Bis in den meisten Anzeigen dann zumindest kein Vorzeichen mehr auftaucht, muss man schon zur zweiten Runde warten.

Längst nicht mehr alle, die am Samstag unter der "Alten Brücke" hindurch zum Endspurt zum Eurovea-Komplex ansetzen bewegen sich so elfenhaft wie die Statue am Donauufer

Weniger als eine Handvoll ganz Verwegene ist unter diesen Bedingungen noch im Trägerhemd unterwegs. Das lange Begegnungsstück, auf dem man auf jeden Fall praktisch am gesamten Feld einmal vorbei kommt, macht eine solche Beobachtung natürlich ziemlich einfach. Auch die Eliteathleten in den jeweiligen Spitzengruppen, die ansonsten ja doch zu einem etwas leichteren Dress neigen als die Läufer weiter hinten, haben sich zumindest oben herum alle für lange Kleidungsstücke entschieden.

Wie zumeist bei etwas größeren Veranstaltungen sind es hauptsächlich Afrikaner, die dort das Tempo bestimmen. Im Halbmarathon ist es ein kenianischer Viererpack mit Joel Maina Mwangi, Dikson Kosgei Kurui, Thomas James Lokomwa und Wilson Cheboi Kosgei, der nach etwas über dreißig Minuten über die Zwischenzeitmatte bei zehn Kilometer rauscht. Der Belgier Roger Königs vom RFC Liège läuft schon über eine Minute zurück ein einsames Rennen gegen die Uhr.

Auf der doppelt so langen Strecke haben Isaac Cheruiyot Chesiny, Robert Kipkoech Kirui und Peter Kariuky Wanjiru mit dem aus der Ukraine stammenden Alexander Babaryka immerhin noch einen europäischen Begleiter an ihrer Seite. Der Ungar Tamás Oláh und der zweite Ukrainer Evgenii Glyva folgen dann aber bereits mit deutlichem Abstand zum Führungsquartett.

Weit weniger kompakt sind die Gruppen bei den Frauen. Beim "Polmaratón", wie Halbmarathon auf Slowakisch heißt - das tschechische "Pulmaraton", das polnische "Pólmaraton" oder auch das kroatische "Polumaraton" unterscheiden sich davon nur minimal - haben Chelangat Sang und Mary Wangari Wanjohi ihre Kollegin Margaret Wamahiga Muringi schon deutlich abgehängt. Und im Marathon ist Lilian Koech ohnehin alleine und ein ganzes Stück vor der Kroatin Marija Vrajic unterwegs.

Die Unterscheidung, wer in welchem Lauf unterwegs ist, stellt dabei kein wirklich großes Problem dar. Schließlich sind die Startnummern beim Marathon blau und beim Halbmarathon rot unterlegt. Und sogar von hinten sind Marathonis eigentlich eindeutig zu erkennen, haben sie doch in ihrem Umschlag die "štartové c íslo" gleich zweimal gefunden. Eine soll auf dem Bauch, die andere auf dem Rücken getragen werden.

Doch nicht nur in der Spitze ist der Bratislava Marathon erstaunlich international besetzt. Auf der langen Distanz kommt über ein Drittel aller Teilnehmer aus dem Ausland, beim Halben sind es immerhin zwanzig Prozent. Hauptgrund dafür ist allerdings dann doch weniger die Vielzahl der Gäste als vielmehr eine nur mittelmäßige einheimische Beteiligung. Wenig überraschend stellen neben den Slowaken die benachbarten Tschechen, Ungarn und Österreicher die stärksten Kontingente.

Nach einer etwa drei Kilometer lange Wendeschleife vorbei am "Tower 115" (links) kommen die Läufer wieder am architektonisch interessanten Bürogebäude unweit von Start und Ziel vorbei

Insgesamt sind in der Hauptstadt im Dreiländereck aber mehr als zwei Dutzend Staaten vertreten. In der Internet-Ergebnisdatenbank lassen sich zum Beispiel eine ganze Reihe britischer und deutscher Flaggen entdecken. Und auch skandinavische Kreuze tauchen dort gelegentlich und zudem in fast allen möglichen Varianten auf. Sogar einige Spanier und Italiener sind am Start. Allerdings dürfte ihnen, die zu Hause schon ein bisschen Frühling erleben konnten, das winterliche Wetter wohl noch viel weniger behagen als allen anderen.

Gleich zweimal - nämlich nach etwa sechs und elf Kilometern - werden während der langen Begegnungspassage die Staffelläufer ausgewechselt. Und natürlich herrscht an diesen Punkten entsprechend Leben am Straßenrand. Ansonsten haben sich allerdings nur sehr vereinzelte Zaungäste an die Strecke verirrt. Einzig später im Stadtkern wird man auch einmal größeren Zuschauer-Gruppen begegnen.

Echte Publikumsmassen sind aufgrund der nicht gerade übermäßigen Bevölkerungszahlen Bratislavas sowieso kaum zu erwarten. Und das Winterwetter tut ein Übriges, das Interesse am Marathon ziemlich in Grenzen zu halten. Aber dort, wo sich Menschen zum Anfeuern eingefunden haben, tun sie es durchaus mit Begeisterung. Selbst wenn man nur wenig davon versteht, was man da zugerufen bekommt, tun die Aufmunterungen natürlich dennoch gut.

Die zwei vielleicht am häufigsten zu hörenden Worte kennt man allerdings sehr wohl, wenn man sich neben dem Laufen auch noch ein wenig für andere Sportarten interessiert. Sie lauten nämlich "do toho" und bedeuten sowohl auf Tschechisch wie auch auf Slowakisch ungefähr "vorwärts". Zwar wird dieser Ruf in viele Stadien und Hallen benutzt, doch hauptsächlich hat man ihn eben aus dem Eishockey im Ohr, wenn Fans aus einem dieser beiden Länder wieder einmal einen Erfolg ihres Teams bejubeln.

Neben dem Fußball ist in der Slowakei eindeutig Eishockey das populärste Mannschaftsspiel. Und selbst wenn meist die tschechischen Nachbarn noch ein wenig besser platziert sind und damit an die vielen Erfolge der früheren gemeinsamen Auswahl anknüpfen können, haben auch die Slowaken im schnellen Spiel mit dem Puck schon einige Medaillen gewonnen. Das absolut herausragende Ereignis war sicher der Weltmeistertitel im Jahr 2002. Aber zwei Silberränge und ein Bronzeplatz belegen, dass es sich dabei keineswegs um eine Eintagsfliege gehandelt hatte.

Die Spitzengruppe im Halbmarathon mit Sieger Joel Maina Mwangi (verdeckt mit Stirnband), dem Zweiten Dikson Kosgei Kurui (2002) und dem Dritten Thomas James Lokomwa (2003) Fünfter und bester Europäer auf der Halbdistanz wird der Belgier Roger Königs Analog ihrer späteren Platzierungen laufen Isaac Cheruiyot Chesiny, Robert Kipkoech Kirui und Alexander Babaryka beim Marathon nebeneinander her, Peter Kariuky Wanjiru (ganz rechts) wird dagegen aussteigen

Obwohl die Slowaken im Fußball bei WM in Südafrika ebenfalls dabei waren und sogar bis ins Achtelfinale kamen, obwohl im Handball die slowakischen Männer schon zweimal und die Frauen immerhin einmal WM-Luft schnuppern konnten, eine feste sportliche Größe ist die junge Nation eigentlich nur im Eishockey. Und nirgendwo sonst wird sie wohl von einer breiten weltweiten Öffentlichkeit besser - und insbesondere ohne die Gefahr einer Verwechslung mit "Slowenien" - wahrgenommen.

Wirklich leicht machen es die beiden etwa gleich alten Staaten einem bezüglich Politik und Geographie weitgehend Uninteressierten allerdings tatsächlich nicht. Schließlich klingen nicht nur die Namen recht ähnlich, auch die beiden Flaggen zeigen genau die gleichen Farben und sind einzig und allein durch das eingefügte Wappen zu unterscheiden. Während das Alpenland Slowenien dort in stilisierter Form seinen höchsten Berg, den Triglav führt, hat die nördlichere Slowakei sich für ein Doppelkreuz als Zeichen entschieden.

Die Geschichte dieser sogenannten "Patriarchenkreuzes" reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Und spätestens seit dem neunzehnten Jahrhundert gilt es als nationales Symbol der Slowaken im Vielvölkerstaat der Habsburger. Damals war das Gebiet der heutigen Slowakei allerdings noch als "Oberungarn" bekannt und gehörte - immerhin schon seit dem Beginn des zwölften Jahrhunderts - zum ungarischen Königreich. Dass ein ähnliches Kreuz auch im Wappen Ungarns auftaucht, lässt sich genau dadurch erklären.

Erst durch den Zerfall der Habsburgermonarchie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der mehrheitlich slowakisch bevölkerte, nördliche Teil Ungarns mit den Landesteilen Böhmen, Mähren und Schlesien der österreichischen Reichshälfte im Jahr 1918 zu einem neuen unabhängigen Staat zusammen geführt. Die damals von vielen angenommen gemeinsame Identität der beiden Volksgruppen stellte sich im Nachhinein aber genauso als reine Utopie heraus wie das daraus gefolgerte schnelle Zusammenwachsen zu einer einzigen Nation.

Auch wenn es sich zugegebenermaßen für jemanden, der mit diesem Begriff "Tschechoslowakei" groß wurde und diesen deswegen als völlig selbstverständlich erachtet, im ersten Moment ziemlich schwer nachvollziehen lässt, umfasst die gemeinsame Geschichte der - nun schon wieder zwei Jahrzehnte voneinander getrennten - Tschechen und Slowaken also streng genommen gerade einmal fünfundsiebzig Jahre.

Und sogar in dieser Hinsicht gibt es erhebliche Parallelen zwischen der Slowakei und der Geschichte des so ähnlich klingenden Sloweniens. Schließlich war dieses ebenfalls nur zwischen 1918 und 1991 Teil jenes inzwischen in noch viel mehr einzelne Staaten als die Tschechoslowakei zerfallenen Jugoslawien, gehörte davor aber ebenfalls jahrhundertelang zum Habsburgerreich.

Immerhin sind die Namen bei aller Ähnlichkeit im Deutschen noch ein wenig besser zu unterscheiden als auf Slowakisch, wo die Slowakei "Slovensko" heißt, Slowenien dagegen mit "Slovinsko" bezeichnet wird. Das ausgerechnet "Slovencina" die Eigenbezeichnung dieser Sprache ist, hätte man auch nicht sofort vermutet. Und wem das immer noch nicht genug Verwirrung mit den vielen "slo-" gewesen sein sollte, dem sei noch gesagt, dass Slowenisch von den Slowenen "Slovenšcina", von den Slowaken aber "Slovincina" genannt wird.

An der Wendeschleife der Straßenbahn findet sich der Umkehrpunkt einer vier Kilometer langen und in beiden Richtungen belaufenen Gerade … … fast die Hälfte des Rennens wird auf ihr absolviert, erst auf dem letzten Drittel der Strecke erreichen die Marathonis das Stadtzentrum

Selbst wenn sie sich inzwischen vielleicht sogar daran gewöhnt haben, sind natürlich weder Slowaken noch Slowenen glücklich darüber, wenn wieder einmal irgendein Ignorant ihre Heimatländer durcheinander bringt. Trotzdem möchte man aber manchmal fast meinen, die beiden hätten auch ein wenig Spaß an diesem Verwechslungsspiel. Oder wie ließe sich sonst erklären, dass die Biathlonteams mit den Kürzeln "SVK" und "SLO" im noch immer nicht ganz zu Ende gegangenen Winter mit nahezu identisch aussehenden neongrünen Anzügen an die Startlinien traten?

So unangenehm eine in jeder Richtung zweimal zu laufende vier Kilometer lange Gerade aus psychologischer Sicht auch sein mag, aus dem Blickwinkel der Verkehrsplaner ist die Straße, auf der sich fast die Hälfte des gesamten Rennens abspielt, geradezu ideal gewählt. Das wird umso klarer je näher man dem Wendepunkt kommt. Nicht nur dass diese Strecke als einzige eine Unterführung unter dem wichtigen Autobahnzubringer hat, der so nicht direkt überquert werden muss, sie sieht mit ihrer Breite zudem zwar aus wie eine Ausfallroute, ist aber eigentlich gar keine.

Denn die schnurgerade Piste führt keineswegs aus der Stadt hinaus oder zumindest zu einer anderen noch größeren und stärker befahrenen Straße. Sie endet einfach an der Wendeschleife der Straßenbahn. Und genau wie die Gleise der Tram schlägt das Asphaltband nur einen großen - im Vergleich mit den Schienen sogar noch etwas größeren - Bogen, um dann genau in umgekehrte Richtung zurück zu verlaufen. Einzig eine seitliche Einmündung lässt noch eine weitere Alternative und den Straßenverlauf damit nicht völlig sinnlos erscheinen.

Durch dieses Umrunden am Endhaltepunkt muss außerdem die Straßenbahnlinie zumindest an dieser Stelle nicht gequert werden. Zwar muss man auf dem Rückweg an jener Kreuzung, an der die Linie auf den Grünstreifen in der Mitte einschwenkt, dennoch einmal über die Gleise hinweg. Und auch in der Folge sind noch zwei weitere Male Schienen zu kreuzen. Doch ist der Versuch, die Auswirkungen des Marathons auf dieses für die Stadt ziemlich wichtige Verkehrsmittel möglichst gering zu halten, dabei unverkennbar.

Eine U-Bahn, die für Entlastung sorgen könnte, gibt es in Bratislava nämlich nicht. Sie war zwar immer wieder einmal im Gespräch, doch wurde das Projekt eines unter der Altstadt hindurch führenden Tunnels aus Kostengründen nie verwirklicht. So sind es neben den Trambahnen nur "normale Buslinien und einige hierzulande eher unübliche Oberleitungsbusse, die in der Innenstadt den Transport übernehmen.

Der - ohnehin ein wenig außerhalb des eigentlichen Zentrums gelegene - Hauptbahnhof bringt für den stadtinternen Nahverkehr dagegen wenig, da die Gleise nur im Norden an Bratislava vorbei und dann im weiten Bogen um die ganze Stadt herum führen. Zwischen "Bratislava hlavná stanica" und dem in direkter Linie gerade einmal vier Kilometer entfernten Bahnhof Bratislava-Petržalka im Süden der Stadt ist ein Zug deshalb mehr als zwanzig Minuten unterwegs.

Die alte Markthalle (links) und das Kloster der Barmherzigen Brüder sind unter den ersten Sehenswürdigkeiten, die der Kurs passiert

Mit Kilometer neun beginnt am Ausgang der Wendeschleife der Rückweg, der erst kurz vor dem dreizehnten Kilometerschild jenseits der Kreuzung, an der man vor längerer Zeit auf die Gerade eingebogen war, mit einem leichten Knick. Noch immer sind es zwar hauptsächlich nüchterne Zweckbauten aus der Nachkriegszeit, die das Bild am Straßenrand bestimmen. Doch immer häufiger tauchen dazwischen auch Gebäude auf, denen man ansieht, dass sie deutlich älter sind.

Nicht alle von ihnen machen einen wirklich guten Eindruck. Gerade wenn man in der Stadt zu Fuß unterwegs ist und sich dabei ein wenig treiben lässt, stößt man immer wieder auf eigentlich sehenswerte Stadtpaläste, die einen ziemlich baufälligen Eindruck machen. Nur wenige Schritte davon entfernt sind andere anscheinend gerade erst renoviert worden. Doch noch eklatanter sind eigentlich die Kontraste zu den hypermodernen Einkaufszentren und Bürotürmen, die man während des Marathons ebenfalls schon zu Gesicht bekommen hat.

Auch das Palais Aspremont - auf Slowakisch "Aspremontov letný palác" - in das inzwischen die Medizinische Fakultät der Universität Bratislava eingezogen ist und an dem die Laufstrecke einen zweiten leichten Knick nach links vollführt, hat zumindest äußerlich sicher schon einmal besser Tage gesehen. Doch spätestens jetzt sind die Marathonis endgültig in der Innenstadt angekommen. Nur wenige Kilometer lang wird dieser Ausflug ins Zentrum sein. Umso mehr gilt es nun die Augen offen zu halten, um nichts zu verpassen.

Statt vereinzelt Altbauten zwischen vielen Nachkriegsgebäuden zu erblicken, stellen sich die Verhältnisse in die "Špitálska" heißende Straße den Läufern nun eher umgekehrt dar. Zwar ist das nicht immer ist das wirklich harmonisch zusammen gefügt und gibt keineswegs ein homogenes Bild ab. Doch wie beim kleinen Sommerpalast, in dem nun zukünftige Mediziner ausgebildet werden, reicht auch die Geschichte einiger anderer Gebäude am Streckenrand eben zwei oder drei Jahrhunderte zurück.

Die Elisabeth von Ungarn gewidmete Kirche lässt sich zum Beispiel mit ihrer üppigen Fassade und der Zwiebelspitze des Turmes recht schnell dem Zeitalter des Barock zuordnen. Da sie zu einem Frauenkloster gehörte und um sie vom nur wenige Straßenblocks entfernten, ebenfalls nach jener Elisabeth benannten, aber fast zweihundert Jahre später im Jugendstil errichteten Gotteshaus - wegen ihrer Anstriches meist kurz "blaue Kirche" genannt - zu unterscheiden, ist sie als "Kostol a kláštor svätej Alžbety" im Stadtplan eingezeichnet.

An der Trinitarierkirche biegt der Kurs nach links ab und taucht in die Gassen des alten Stadtkerns ein

Wesentlich schwerer zu identifizieren ist da schon die "Kostol svätého Ladislava" nur einige Hausnummern weiter. Trotz des Turmes könnte man St. Ladislaus aufgrund der - als Hospital errichteten Seitentrakte - problemlos auch für einen klassizistischen Palast halten. Nur das Kreuz auf der Spitze macht deutlich, dass es sich bei diesem Gebäude tatsächlich um die dem früheren Stadtkrankenhaus angeschlossene Kirche handelt.

Direkt gegenüber den beiden historischen Gotteshäusern ragt als scharfer Kontrast ein Hochhaus nach oben, das aus einem langgezogenen zweistöckigen Baukomplex heraus wächst. Architekturkritiker würden das inzwischen geschlossene Hotel Kyjev und den wegen seiner Funktion einfach als "Obchodný dom" - übersetzt "Kaufhaus" - bezeichneten unteren Trakt vielleicht wohlwollend mit Begriffen wie "sozialistischer Minimalismus" belegen. Man könnte aber auch einfach "Betonklotz" dazu sagen.

Der "Kamenné námestie", der "Steinplatz", zu dem sich die Špitálska-Straße an dieser Stelle langsam öffnet, ist - obwohl eher am Rande der eigentlichen Altstadt gelegen - vielleicht der wichtigste Verkehrsknoten im Zentrum. An dieser Stelle treffen sich alle Straßenbahnstrecken, um sich anschließend wieder hinaus in die Peripherie der Stadt aufzufädeln. So bleibt den Marathonis eigentlich gar nichts anderes übrig als beim Überlaufen des Platzes auch irgendwo auch Gleise zu queren.

Schlecht gewählt ist dieser Punkt allerdings trotzdem nicht. Denn längst nicht alle Linien durchschneiden die Innenstadt wirklich, um auf beiden Seiten aus ihr hinaus zu führen. Einige beginnen auch an dieser zentralen Kreuzung. Und genau deshalb sind die Auswirkungen auf den Betrieb ausgerechnet dort vielleicht sogar am geringsten. Es sind eben nicht nur touristische Aspekte oder die Suche nach möglichst flachen Pisten sondern immer auch solche Details, die Streckenplaner bei ihren Verhandlungen mit den Behörden zu berücksichtigen haben.

Doch auch sonst gehören sowohl der Platz selbst wie auch die Straße, auf die das Marathonfeld nun nach rechts einschwenkt, zum Standardprogramm eines Bratislava-Besuches. Schräg gegenüber des sozialistischen Einkaufszentrums entdeckt man dort ein wenig zurück gesetzt die aus den letzten Jahren der Donaumonarchie stammende "Alte Markthalle" - auf Slowakisch "stará tržnica". Seit einigen Jahren kann man sich dort jedoch nicht mehr mit Lebensmitteln eindecken. Das Gebäude steht leer und soll wahrscheinlich zu einem Kulturzentrum umgebaut werden.

Nur wenige Schritte später öffnet sich die ohnehin recht breite Straße zu einem dreieckigen Platz hin. Er trägt im Stadtplan die etwas ungewöhnliche Bezeichnung "Námestie SNP", doch hätte die ausgeschriebene Form "Námestie Slovenského národného povstania" die Fläche auch gleich wieder vollständig überdeckt. Für Slowaken ist das dreibuchstabige Kürzel ohnehin ziemlich gebräuchlich. Schließlich gibt es fast keine größere Ortschaft, in der nicht eine Straße oder ein Platz an den Slowakischen Nationalaufstand - denn genau das bedeutet die Bezeichnung - erinnert.

Das Durchlaufen des Michaelertors, ein Überbleibsel der früheren Stadtmauer, ist einer der Höhepunkte des Marathons

Im Gegensatz zum wesentlich bekannteren Warschauer Aufstand der polnischen Heimatarmee im Spätsommer des Jahres 1944 ist die fast gleichzeitige Erhebung der Slowaken im Ausland jedoch weitgehend vergessen. Dabei verfolgte sie durchaus ähnliche Ziele, nämlich nicht auf das Eintreffen der näher kommenden Roten Armee zu warten sondern sich aus eigener Kraft zu befreien. Selbst wenn dann natürlich sowjetische Einheiten nachrücken würden, erhofften sich einige Beteiligte außerdem eine bessere Verhandlungsbasis für die Weiterexistenz des slowakischen Staates.

Dieser war nämlich nach der Besetzung Tschechiens und der damit verbundenen Auflösung der CSR entstanden. Seitdem wurde er durch eine von den Deutschen abhängige, slowakisch-nationalistische Regierung unter der Führung des katholischen Priesters Jozef Tiso beherrscht. Im Vergleich mit den anderen Marionettenregimes im Osten Europas agierte sie allerdings eher gemäßigt und tat eigentlich nicht mehr als nötig war, um die weitere Selbstständigkeit des Landes zu sichern.

Deshalb wird die Rolle Tisos, der 1947 in der neu gegründeten Tschechoslowakei als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet wurde, unter den Slowaken noch immer ziemlich kontrovers diskutiert. Von entschiedener Ablehnung wegen seiner autoritären Herrschaft bis hin zu echter Verehrung, weil er die Slowakei in die Unabhängigkeit geführt und diese über Jahre behauptet hatte, reicht dabei die Bandbreite.

Sein Verhalten während des Nationalaufstandes ist ebenfalls heftig umstritten. Schließlich beteiligten sich bei der Niederschlagung auch einige slowakische Einheiten, die dabei auf ihre eigenen Landsleute schossen. Die Ende August begonnene Erhebung war zu Beginn ziemlich erfolgreich, praktisch der gesamte Mittelteil der Slowakei rund um die Stadt Banská Bystrica war in Hand der Aufständischen.

Doch bis Ende Oktober hatten die zahlenmäßig überlegenen und besser ausgerüsteten deutschen Verbände das gesamte Gebiet zurück erobert. Banská Bystrica wurde weitgehend evakuiert und kapitulierte anschließend. Die verbliebenen, bis dahin noch nicht getöteten oder gefangen genommenen slowakischen Kämpfer zogen sich in die Berge zurück und beschränkten sich in der Folge als Partisanen nur noch auf nadelstichartige Überfälle.

Mit rund zehntausend wird die Zahl der Toten während der schweren Kämpfe auf jeder der beiden Seiten veranschlagt. Dazu kamen - auch durch Vergeltungsaktionen - noch einmal ähnlich viele Opfer unter der Zivilbevölkerung. Angesichts solcher Größenordnungen ist es also absolut nachvollziehbar, dass einer der größten Plätze der slowakischen Hauptstadt nach diesen Ereignissen benannt ist.

Die vom Michaelertor wegführenden Gassen Michalská und Ventúrska bilden gemeinsam eine der Hauptachsen der Altstadt

Das darauf stehende Denkmal ist allerdings nicht überall in der Bevölkerung wohlgelitten, wurde es doch einst von den Kommunisten errichtet, die den Aufstand ganz alleine für sich reklamierten und alle anderen Beteiligten verschwiegen. Es ist allerdings mehr als nur eine kleine Ironie, dass während der "Samtenen Revolution", die der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei Ende des Jahres 1989 die Macht entriss, ausgerechnet auf diesem Platz die größten Demonstrationen in Bratislava stattfanden.

Mitten auf dem Námestie SNP ist eine Bühne aufgebaut, von der die vorbei kommenden Marathonis ein wenig musikalische Unterstützung bekommen sollen. Für zusätzliches Publikum sorgt das aber kaum, angesichts des ungemütlichen Wetters haben sich nur wenige Schaulustige eingefunden. Ansonsten hat man aber weitgehend auf Live-Musik verzichtet. Auch die anderswo Blaskapellen, Spielmannszüge oder Trommlergruppen sind lieber zu Hause geblieben. Dafür sind aber immer wieder einmal große Boxen aufgebaut, aus denen lautstarker Rock dröhnt.

Rund um den Platz sind erneut zwei Kirchen zu entdecken. Eine gehört zum Kloster der Barmherzigen Brüder, das als Gegenstück zu St. Elisabeth früher genauso ein eigenes Spital hatte. Während Frauen im Krankheitsfall von den einen Straßenblock entfernt beheimateten Nonnen versorgt wurden, pflegten Mönche hinter der lang gezogenen, ebenfalls barocken Front einzig und alleine Männer. Das andere Gotteshaus ist hauptsächlich deswegen ungewöhnlich, weil sich dort keine katholische sondern eine calvinistische Gemeinde versammelt.

Denn im Gegensatz zu den tschechischen Nachbarn, bei denen reformierte Strömungen schon immer eine größere Bedeutung hatten - man denke nur an Jan Hus, der sich schon über hundert Jahre vor Luther mit dem Papst anlegte, oder den Prager Fenstersturz, bei dem protestantische Böhmen den Statthalter des katholischen Kaisers gewaltsam ins Freie beförderten und damit den dreißigjährigen Krieg auslösten - die heute aber in der Mehrzahl konfessionslos sind, gehören rund zwei Drittel aller Slowaken der katholischen Kirche an.

Da wundert es kaum noch, dass nur wenige Schritte später mit der aufgrund ihrer gewölbten Fassade ziemlich auffälligen Trinitarierkirche schon das nächste Gotteshaus auftaucht. Bis zur ihrerseits kaum hundert Meter weiter entfernten "Kostol svätého Štefana", der Stefanskirche, mit der diese dichte Reihe eigentlich erst endgültig abgeschlossen wird, kommen die Marathonis aber dann doch nicht mehr. Denn der Kurs, der zuletzt dem früheren Wallringes folgte, biegt nach links ab und taucht in die Gassen des alten Stadtkerns ein.

Seit dem Verlassen des Steinplatz war die Straße leicht nach oben geklettert. Zum Schluss war die Steigung sogar noch einmal spürbar heftiger geworden. Doch handelt es sich dabei um die schwerste Klippe auf einer ansonsten wirklich nahezu völlig ebenen Strecke. Und dieser kurze, in der zweiten Runde aber dennoch ziemlich unangenehme Anstieg ist der Preis den man dafür bezahlen muss, dass man als einer der Höhepunkte des Marathons ein bekanntes Wahrzeichen Bratislavas durchlaufen kann.

Nachdem man die engen Altstadtgassen verlassen hat, wird der moderne Neubaukomplex "River Park" ins Visier genommen

Über eine kleine Brücke führt der Kurs auf einen niedrigen Torbogen unter einem Haus zu und knickt nach dessen Passage in der so erreichten engen Gasse scharf nach links. Vor den Läufern ragt nun ein hoher Turm auf, der die dicht heran gerückten, mehrgeschossigen Häuser weit überragt. Das Michaelertor ist eines der letzten Überbleibsel der einstiegen Stadtmauer. Ursprünglich im Mittelalter gebaut wurde es im sechzehnten und achtzehnten Jahrhundert zweimal aufgestockt und erhielt dabei schließlich seinen unverkennbaren Zwiebelturm.

Immer leicht bergab führt der Marathon mit dem Michaelertor im Rücken durch die beiden Gassen Michalská und Ventúrska, die gemeinsam eine der Hauptachsen der Altstadt bilden. Und eine ganze Reihe von Läden, in denen "suveníry" verkauft werden, was sich natürlich unschwer mit "Souvenirs" übesetzen lässt, zeigt den Vorbeilaufenden, dass sie sich nun in der touristischen Kernzone Bratislavas befinden müssen.

In diesem nur etwa fünfhundert auf fünfhundert Meter großen Bereich ist die alte Bausubstanz nahezu geschlossen erhalten. Kaum ein Gebäude ist jünger als ein Jahrhundert. Doch einheitlich ist das Bild deswegen natürlich trotzdem nicht. Von der Gotik über Renaissance, Barock und Klassizismus bis hin zu vereinzelten Jugendstilbauten lässt sich alles irgendwie entdecken. Und manche Bauten wie die Kirche des Franziskanerklosters vereinen in einem bunten Stilmix gleich die Architektur mehrerer Epochen.

Gerade der vom Marathon zentrale Platz der Alststadt, der auf Slowakisch gamz einfach "Hlavné námestie" - übersetzt "Hauptplatz" - heißt, ist ein weiteres gutes Beispiel dafür. Rund um die fast quadratische Fläche stehen Palais aus mehreren unterschiedlichen Zeitaltern. Und das fast eine komplette Seite einnehmende Rathaus der Stadt ist ein Komplex, der immer wieder im jeweils aktuellen Stil umgebaut und erweitert wurde. Auch das einstige erzbischöfliche Palais ist mit eingebunden und dient inzwischen als offizieller Sitz von Bürgermeister und Stadtparlament.

Der Hauptplatz wird vom Marathon genauso wenig berührt wie der gotische Martinsdom. Während das Rathaus links liegen gelassen wird, bleibt die Kathedrale, die trotz einer ähnlichen Entstehungsperiode deutlich weniger prunkvoll und verschnörkelt ausfällt als viele ihrer Schwestern weiter im Westen Europas, sich sogar nur bei genauerem Hinsehen dem Zeitalter der Gotik zuordnen lässt, dagegen auf der anderen Seite. Am Ende der Ventúrska ulica biegt der Kurs nämlich nicht nach rechts zum Dom hin ab, sondern dreht genau in die umgekehrte Richtung.

Wer ganz genau hingesehen hat, konnte im Plaster des gerade belaufenen Straßenzuges kleine Metallplättchen mit einer Krone entdecken. Sie markieren den Krönungsweg, den dreihundert Jahre lang jeder neue ungarische König zurück legen musste. Selbst wenn man die kurze Episode während des zweiten Weltkrieges einmal vergisst, ist Bratislava nämlich keinesewegs zum ersten Male Hauptstadt. Allerdings hieß sie damals noch "Pozsony" und das von ihr aus regierte Land war Ungarn.

Vorbei an Burg (links) und Martinsdom (mitte) führt der Weg vom River Park (rechts) wieder zurück zur Innenstadt

Als das Osmanische Reich im sechzehnten Jahrhundert weit nach Norden auf ungarisches Territorium vorstieß, wurde die Hauptstadt 1536 ins unbesetzte und vor Angriffen noch weitgehend sichere Bratislava verlagert. Interessant, aber mit Blick auf die die Topologie durchaus nachvollziehbar ist dabei, dass eine Zeit lang der einzige nicht von den Türken gehaltene Teil Ungarns ausgerechnet etwa der heutigen Slowakei entsprach.

Auch nach der Rückeroberung der ungarischen Ebene durch die Habsburger blieb die Stadt bis 1784 Regierungssitz. Und selbst als man danach die Verwaltung wieder nach Süden, nach Buda - die beiden Städe Buda und Pest waren noch nicht vereinigt - verlagerte, wurden die ungarischen Könige bis 1830 weiter in St. Martin gekrönt. Aus diesem Grund sitzt auf der Turmspitze dann auch kein Kreuz sondern eine Nachbildung der Stephanskrone.

Üblich waren auch zu jener Zeit nur die ungarische Bezeichnung "Pozsony" und "Preßburg". Selbst die slawischen Einwohner des ein recht buntes Völkergemisch beherbergenden Stadt sprachen noch von "Prešporok" als lautmalerische Übertragung des deutschen Namens. Erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde die - aufgrund einer Fehlinterpretation entstandenen - Bezeichnungen "Bretislav" oder "Bretislava" erstmals von der slowakischen Nationalbewegung verwendet. Und erst nach dem Ersten Weltkrieg bekam "Bratislava" offiziellen Status.

Ein zweiter Gassenzug bringt die Marathonis wieder aus der Altstadt hinaus. Nur wer genau aufpasst oder den Streckenplan zu Rate zieht, bemerkt, dass man sie dabei eigentlich wieder in der Nähe der Stelle verlässt, an der man den Ausflug begonnen hat. Denn das Sträßchen mündet an der südlichsten Ecke des Steinplatzes. Grob gesprochen hat man also nur ein Dreieck von wenig mehr als einem Kilometer Gesamtlänge absolviert.

Hinter der Marke mit der "16" hat sich der Marathonkurs am vielleicht ein wenig zu monumental geratenen Hauptgebäude der Universität wieder bis auf wenige hundert Meter dem Eurovea-Komplex und damit auch dem Start- und Zielbereich genähert. Doch noch fehlen mehr als vier Kilometer. Und diese werden mit einem dritten und letzten Abschnitt ergänzt, der gleich doppelt zu bewältigen ist. Weit mehr als die Hälfte jeder Runde wird im Begegnungsverkehr absolviert.

Immer entlang der Donau verläuft diese Zusatzschleife. Doch auch sie sieht auf der Karte ein wenig unangenehmer aus als sie es beim Durchlaufen dann tatsächlich ist. Es geht nämlich keineswegs auf einer nur durch Pylonen, Gitter oder Flatterband abgesperrten Doppelspur hin und anschließend auch wieder zurück. Der erste Teil ist vielmehr auf der parallel zum Fluss angelegten Straße abgesteckt, während der Rückweg nach der Wende dann mit einigen Metern Abstand direkt auf der Uferpromenade zu absolvieren ist.

Moderne Skulpturen begrüßen die Läufer unter dem in den Fluss hinaus ragenden Trakt

Zwischen den beiden Laufrichtungen zieht sich eine kleine Grünanlage entlang, auf der auch immer wieder einmal Hecken oder Bäume die Sicht etwas versperren. Und gleich zu Beginn wird sogar auf zwei verschiedenen Seiten eines Häuserblocks gelaufen, in dem unter anderem ein Gebäude von der naturhistorischen Abteilung des Slowakischen Nationalmuseums belegt ist.

Andere Teilbereiche dieses Museumsverbundes sind in der Burg von Bratislava untergebracht, die bald darauf hoch über den Läufern auftaucht. Fast hundert Meter über der Donau sitzt sie als weithin sichtbare Landmarke auf einem relativ steil zum Fluss abfallenden Felsen. Zwar ist sie schon alleine aufgrund der erhöhten Position auch aus der Stadt immer wieder einmal gut zu erkennen. Doch noch besser ist der Blick eigentlich vom anderen Donauufer. Und so ist sie selbst von einigen der österreichischen Nachbargemeinden gut zu sehen.

Insbesondere abends, wenn sie hell erleuchtet wird und dadurch von der dunklen Umgebung noch besser absetzt, zeigt dieses wohl markanteste Wahrzeichen Bratislavas sogar auf eine Entfernung von einem Dutzend Kilometern an, wo sich die Hauptstadt der Slowakei denn genau befindet. Dank ihrer dominanten Lage und dem unverwechselbaren Aussehen ist "Bratislavský hrad" auch zu einem nationalen Symbol geworden und hat es auf die Rückseite der slowakischen Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Cent-Münzen geschafft.

Entgegen der deutschen, aber auch der slowakischen Bezeichnung hat die Anlage abgesehen von einigen Außenmauern nur noch wenig mit einer mittelalterlichen Burg zu tun. Vielmehr handelt es sich nach mehreren größeren Umbauten - zuletzt unter Kaiserin Maria Theresia - eigentlich eher um ein Schloss mit Elementen aus der Renaissance und dem Barock. Im zentralen, alles überragenden Trakt gruppieren sich vier Seitenflügen um einen fast quadratischen Innenhof. Jede der vier Ecken ist dabei zusätzlich noch mit einem Turm besetzt

Natürlich ist eine Stippvisite auf dem Burgberg wichtiger Bestandteil eines Besuches der slowakischen Hauptstadt. Doch nicht nur wegen Bratislavský hrad lohnt sich der Aufstieg. Die Aussicht vom Ehrenhof und den verbliebenen Bastionen hinunter auf Fluss und Stadt ist mindestens genauso imposant. Da verwundert kaum, dass in den Anfangsjahren der jungen slowakischen Republik dort oben der Präsident residierte. Vielmehr fragt man sich, warum der Dienstsitz später ins Palais Grassalkovich im Stadtzentrum verlagert wurde.

Immerhin befindet sich direkt neben der Burg das noch aus tschechoslowakischer Zeit stammende, eher schlichte Parlamentsgebäude. Zwar kann in Bratislava damit äußerlich keineswegs mit den monumentalen Bauten mithalten, in denen in Wien oder Budapest die Abgeordneten tagen. Doch wohl nur in wenigen anderen Hauptstädten genießen die Parlamentarier von ihrem Arbeitsplatz einen ähnlichen Blick wie der slowakische Nationalrat.

Inzwischen hat sich die Slowakei eine ziemlich gefestigte und stabile Demokratie etabliert. Die Phase nach der Trennung von Tschechen und Slowaken, in denen das Land von Vladimír Meciar mit nationalistischen und autokratischen Tendenzen immer stärker in die Isolation geführt wurde, ist längst überwunden. Und die einst so mächtige Partei des ersten Ministerpräsidenten ist nun nicht einmal mehr im Parlament vertreten und wird unter der Rubrik "Sonstige" geführt.

Hinter dem River Park steuern die Marathonis auf der Uferpromenade die an ein gelandetes UFO erinnernde "Nový most", die "neue Brücke" an

Dass ausgerechnet Ungarn, das mit der Öffnung seiner Grenze den Zusammenbruch des Ostblocks eigentlich erst eingeleitet hatte, unter Viktor Orbán nun in dieser Hinsicht die Nachfolge angetreten hat, ist schon ein wenig paradox. Und die nationalistische Rhetorik der Nachbarn schmeckt den Slowaken überhaupt nicht. Schließlich lebt im Süden der Republik eine große - immerhin knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung umfassende - ungarische Minderheit. Und seit dem Zerfall der Donaumonarchie wurde um diese Gebiete immer wieder einmal gestritten.

Unterhalb von Burg und Parlament hält ein Zuschauer ein Gestell fest, auf dem ein große Transparent für den "Národný maratón Bratislava-Devín-Bratislava" wirbt. Doch dieser "nationale Marathon" zwischen der Stadt und ihrem Vorort ist trotz eines "IAAF certified course" keineswegs eine Konkurrenz für den Lauf, bei dem man gerade unterwegs ist. Bei der ersten und bisher einzigen Auflage im Jahr 2011 konnte man beim Marathon nämlich nicht einmal zwei Hände voll Teilnehmer im Ziel begrüßen.

Dennoch ist als ziemliche Ausnahme in Europa die Veranstaltung in der slowakischen Hauptstadt keineswegs das größte und wichtigste Rennen über diese Distanz im Land. Dieses wird nämlich im fast vierhundert Kilometer entfernten Košice ausgetragen. Dort kommt man im Oktober zwar auch nicht über eintausend Teilnehmer hinaus, doch näher an die Vierstelligkeit ist man im Osten der Slowakei trotzdem.

Bis ins Jahr 1924 muss man zudem zurück blättern, um die Premiere dieses Marathons zu entdecken, der damit nach dem Klassiker von Boston der zweitälteste noch immer bestehende weltweit ist. Abgesehen davon reicht einzig noch die Geschichte des 1921 erstmals ausgetragenen und über knapp neunzig Kilometer führenden Comrades Marathon in Südafrika auf den langen und ganz langen Distanzen so weit in die Vergangenheit zurück.

Allerdings stimmt es nicht ganz, dass - wie auf der Marathonmesse beworben - nun bereits die neunzigste Auflage anstehen würde. Denn in den Jahren 1938 bis 1944 fiel der internationale Marathon den Wirren der Kriegszeit zum Opfer. Und selbst wenn man die fünf ungarischen Meisterschaften ohne ausländische Beteiligung, die im damals Ungarn zugeschlagenen Košice ausgerichtet wurden, mitrechnet, fehlen definitiv noch zwei Rennen zum Erreichen dieser Zahl.

In der langen Siegerliste ragen mit Juan Carlos Zabala und Abebe Bikila zwei Olympiasieger heraus, wobei der Argentinier allerdings erst im Jahr nach seinem Košice-Erfolg von 1931 die Goldmedaille in Los Angeles gewann, während Bikila 1961 seinen legendären Barfußlauf von Rom schon hinter sich hatte. Der Äthiopier war damals der erste Sieger aus Afrika, doch inzwischen kommen die Schnellsten fast nur noch von dort. Und der Streckenrekord von Košice ist mit 2:07:01 weitaus schneller als jene 2:19:42, die für Bratislava zu Buche stehen.

Wenig später macht die Straße einen kleinen Schlenker nach rechts, weil sich ein ziemlich neuer Häuserblock zwischen sie und das Donauufer schiebt. Ähnlich wie der Eurovea-Komplex auf der anderen Seite der Innenstadt ist "River Park" eine Mischung aus Wohnanlage, Luxushotel sowie einigen Geschäften. Das eine oder andere architektonische Kabinettstückchen hat man ganz nebenbei auch noch in der Realität umbesetzt.

Das gleich im doppelten Wortsinne am meisten herausragende unter ihnen ist sicher jenes Gebäude, das ein Stück in die Donau hinaus gebaut ist und das von den Marathonis unterlaufen wird, nachdem sie durch ein schmales Gässchen zwischen zwei anderen Bauteilen zur Uferpromende durchgeschlüpft sind. Direkt unter diesem "River House" faucht eine stilisierte Löwen-Skulptur sie lautlos an, um ihnen vielleicht doch noch ein wenig Beine zu machen.

Zum zweiten Mal wird zwischen den Kilometern sechsundzwanzig und zweiunddreißig der lange, schnurgerade Begegnungsabschnitt absolviert

Denn für die meisten Läufer hat schließlich nun der Endspurt begonnen. Kurz darauf wird man das Schild mit der "19" passieren und hinter dem nächsten Zwischenziel, der "Nový most" wartet sogar schon die "20". Ganz so neu wie es ihr Name behauptet, ist diese Brücke eigentlich gar nicht mehr. Schließlich wurde sie schon vor über vierzig Jahren eingeweiht. Drei der fünf Donauübergänge im Stadtgebiet sind jedenfalls noch jüngeren Datums.

Und zu allem Überfluss heißt sie offiziell auch gar nicht so sondern trägt als "Most SNP" ebenfalls das schon bekannte Kürzel. Doch zum einen sieht sie mit ihrem leicht geneigten Pylonen, auf dessen Spitze ein Restaurant wie ein gerade dort gelandetes UFO sitzt, noch immer futuristisch genug aus, um im Volksmund weiterhin so genannt zu werden. Und zum anderen gibt es dann ja auch noch ziemlich genau einen Kilometer stromabwärts als Gegenstück die "Starý most", die "Alte Brücke".

Es ist zwar nicht mehr jene 1891 von Kaiser Franz Joseph selbst eröffnete "most Františka Jozefa", die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Doch auch die in aller Eile danach wieder aufgebaute Stahlkonstruktion macht nicht mehr den frischesten Eindruck. Genau genommen ist sie wegen Baufälligkeit sogar weitgehend gesperrt. Dort wo man sie am Donauufer unterqueren kann, hat man sogar ein Zwischendach eingezogen, um Passanten vor herunter fallenden Teilen zu schützen. Nur der eigens für Radfahrer und Fußgänger seitlich angebaute Weg darf überhaupt noch passiert werden.

Irgendwann in nächster Zeit will man die Brücke renovieren und dann vermutlich eine neue Straßenbahnlinie in den südlichen Stadtteil Petržalka über sie führen. Doch im aktuellen Zustand könnte der Kontrast, den dieses eigentlich nur mit den Begriffen "trostlos" und "Ruine" zu bezeichnende Bauwerk zum wenige Schritte entfernten, hochmodernen Eurovea-Komplex abgibt, jedenfalls kaum größer sein.

Die Teilnehmer über die Distanzen von fünf und zehn Kilometer waren am Vortag noch unter ihr hindurch gelaufen. Die Halb- und Vollmarathonis, die sie - inzwischen auf der Donauseite des Naturkundemuseums unterwegs - kurz vor dem Erreichen des Zielgeländes ansteuern, biegen direkt vor der Brücke dann doch noch ab. So stoßen sie doch wieder auf jene Kreuzung am Hauptgebäude der Universität, an der die Zusatzschleife begonnen hatte.

Dass man zum Erreichen der eigentlichen Hauptstraße dabei noch einmal richtig die Füße heben muss, um den Bordstein einer Verkehrsinsel zu überwinden, mag nach einer Runde kaum auffallen. Nach ziemlich genau zweiundvierzig Kilometern wird diese Stufe dann aber beinahe schon das Potential zum echten Stolperstein. Nur wenige Schritte später beginnt an der nächsten Einmündung nämlich schon die Zielgerade.

Auf dieser sortieren elektronische, im Normalfall vermutlich eher an Baustellen eingesetzte Verkehrsleitsysteme die beiden Felder auseinander. Die Anzeigen sind dabei in Englisch gehalten, von "finish" oder aber "2 round" ist darauf die Rede. Doch auch das "ciel" auf der Tafel, die kurz vor dem Abzweig von einer Helferin nach oben gehalten wird und rechts angesteuert werden soll, hätte man ohne den in die andere Richtung zeigenden Pfeil mit der Beschriftung "2.kola" verstanden.

Während also die Halbdistanzler ins zwischen dem neuen Nationaltheater - das aus dem neunzehnten Jahrhundert stammende, zu klein gewordene alte Gebäude im Stadtzentrum, haben die Streckenarchitekten den Marathonis ebenfalls vorenthalten - und dem Einkaufkomplex aufgebaute Ziel einlaufen dürfen, setzen die Langstreckler noch zu einer zweiten genau identischen Runde an.

Kurz nacheinander stürmen Joel Maina Mwangi und Dikson Kosgei Kurui mit ihren roten Nummern dem inzwischen immerhin schneefreien ciel entgegen. Erst kurz vor dem Ende hat sich Maina Mwangi knapp aber entscheidend abgesetzt und gewinnt den Halbmarathon in 1:04:06 mit gerade einmal vier Sekunden Vorsprung vor dem auf Rang zwei landenden Kosgei Kurui.

Noch knapper geht es eine gute halbe Minute später im Duell um den letzten verbliebenen Treppchenplatz zu, den sich Thomas James Lokomwa nach 1:04:43 sichern kann. Drei Sekunden später ist mit Wilson Cheboi Kosgei auch der vierte Kenianer im Ziel. Bevor Roger Königs seinen Sololauf in 1:08:29 beenden kann, vergehen dagegen fast vier Minuten.

Bei den Frauen ist Chelangat Sang mit 1:13:24 ganz vorne. Doch kann sich die Siegerin nicht wirklich erlauben frühzeitig den Fuß vom Gas zu nehmen, denn die am Ende 1:13:42 laufende Mary Wangari Wanjohi liegt zwar ein wenig zurück, verliert den Kontakt aber bis ins Ziel dennoch nicht vollständig. Margaret Wamahiga Muringi bleibt nach 1:18:40 ein sicher herausgelaufener dritter Platz. Ansonsten bleibt nur noch die Ungarin Tunde Szabo in 1:23:25 unter einem Vier-Minuten-Schnitt.

Im Halbmarathonfeld sind die Frauen noch ganz gut vertreten, immerhin ein Viertel der Starter ist weiblich. Beim Marathon, wo exakt sechshundert Teilnehmer über die Ziellinie laufen, errechnet sich mit gerade einmal sechzig Damen im Ziel magere zehn Prozent Frauenanteil. Immerhin drei von ihnen kommen jedoch unter der Marke von drei Stunden nach zwei Runden wieder zum Eurovea zurück.

Die von Anfang an in Führung liegende Lilian Koech kann zwar mit 2:51:42 tatsächlich gewinnen, doch bleibt ihr Vorsprung gegenüber der Kroatin Marija Vrajic während des gesamten Rennens im Bereich von ungefähr zwei Minuten. Und auch die aus Ungarn nach Bratislava herüber gekommene Katalin Farkas bleibt während des gesamten, von ihr in 2:57:26 beendeten Marathons auf dem schon früh eroberten dritten Rang.

Die Herren machen es da schon wesentlich spannender. Denn noch immer zu viert gehen Isaac Cheruiyot Chesiny, Robert Kipkoech Kirui, Peter Kariuky Wanjiru und Alexander Babaryka auf ihre zweite Schleife. Und erst als diese bereits zur Hälfte absolviert ist, verliert der Ukrainer langsam den Anschluss. Dass er später dennoch mit einer Zeit von 2:20:20 als Dritter geehrt werden kann, hat er Robert Kipkoech Kirui zu verdanken, der das Rennen im letzten Viertel noch vorzeitig beendet.

Peter Kariuky Wanjiru unterbietet dagegen mit 2:18:47 nach zwei nahezu identischen Hälften den alten Veranstaltungsrekord um fast eine Minute. Allerdings wird er trotzdem nur zweiter Sieger, denn sein Begleiter Isaac Cheruiyot Chesiny absolviert den Schlussabschnitt noch einige Sekunden schneller als er und schraubt die neue Bestmarke auf 2:18:33.

Als letzte und beschwerlichste Schikane nach dem Zieleinlauf haben die Organisatoren für die Marathonläufer noch eine steile Treppe eingebaut

Als Vierter bekommt der 2:30:55 laufende Tamás Oláh im Ziel zuerst eine Wärmefolie und dann auch die Marathonmedaille umgehängt, die zwar wie auf allen anderen Distanzen das Logo der Veranstaltung zeigt, allerdings als einzige statt eines blauen ein goldenes Band hat. Evgenii Glyva beendet diesen wahrlich ungemütlichen Stadtmarathon mehr als zwei Minuten dahinter in 2:33:18 auf Rang fünf.

Während die Marathonmacher den Kurs zumindest bezüglich des Profils ohne besondere Schwierigkeiten gestaltet haben, wartet die größte Schikane erst nach dem Zieleinlauf auf die Läufer. Denn um den Zuschauern den Durchgang nicht zu versperren, müssen sie erst eine Stahlgerüsttreppe nach oben und kurz darauf auf der anderen Seite auch wieder nach unten klettern. Nach zweiundvierzig Kilometern bei winterlichen Temperaturen spielen sich auf den steilen Stufen mitleidheischende Szenen und manchmal fast schon kleine Dramen ab.

Und im Gegensatz zu einem Hitzemarathon werden im Verpflegungszelt nicht etwa die Getränkeausgaben belagert, um möglichst viel Flüssigkeit in sich hinein zu kippen. Am beliebtesten sind vielmehr die wenigen Plätze direkt unter den Heizpilzen, auf denen man sich bibbernd an einem Becher Tee festhält. Selbst das kostenlose Bier, das ein Sponsor ausschenkt, muss da noch etwas warten, bis man sich wieder aufgewärmt hat. Und dass die im Umkleidezelt angebotenen Duschen nicht gerade überlaufen sind, ist unter diesen Voraussetzungen ebenfalls klar.

Sicher hat der Bratislava Marathon in seiner bisher eher kurzen Geschichte mit der achten seine bisher ungewöhnlichste Auflage erlebt. Doch es hätte - wie die Fernsehbilder Ende März 2013 immer wieder zeigen - durchaus auch noch ein wenig schlimmer kommen können. Allerdings sollte man nun wirklich nicht davon ausgehen, dass die nächsten Austragungen unter ähnlich unfreundlichen Bedingungen stattfinden. Vielmehr dürfte es in den nächsten Jahren wohl doch wieder auf für diese Jahreszeit übliche Temperaturen hinaus laufen.

Und dann ist die Veranstaltung in der slowakischen Hauptstadt durchaus einmal eine interessante Alternative. Die Organisation ist schließlich grundsolide und muss sich wahrlich nicht verstecken. Wem der Marathon dann doch zu viel sein sollte oder wer vom aktuellen Streckenplan abschreckt wird, der kann es schließlich auch bei einer Halbmarathon-Runde bewenden lassen.

Eine echte Weltstadt, in der man viele Tage und Wochen lang immer wieder Neues entdecken kann, ist Bratislava zwar ganz sicher nicht. Vielmehr passt sie ziemlich gut zu jenem kleinen und wenig bekannten Land, das von ihr aus regiert wird. Aber für ein verlängertes Wochenende hat eindeutig genug zu bieten. Und außerdem hat man dann einmal die einzige Hauptstadt der Welt besucht, die gleich an zwei Nachbarländer grenzt.

Bericht und Fotos von Ralf Klink

Info und Ergebnisse bratislavamarathon.com

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