13. Blackpool Marathon (11.3.12)

Seebad-Urlaub auf die britische Art

von Ralf Klink

Ein Ferienort am heimischen Meer, darunter stellt man sich hierzulande in der Regel ein kleines Dörfchen vor. Am besten durchgängig mit reetgedeckten Häusern. Maximal einige mehrstöckige Hotels oder Gebäude mit Ferienwohnungen sind für diese Idealvorstellung noch akzeptabel. Viel mehr als ein paar tausend Einwohner sollte es auf keinen Fall haben. Besser wären aber nur einige hundert. Denn wen es - insbesondere in der Nebensaison - an Nord- und Ostsee zieht, der sucht eher Stille, Ruhe und Einsamkeit als den großen Trubel, der möchte keine Hektik sondern vielmehr Langsamkeit. Man fährt an die See, um Wind und Wellen zu genießen, man beschäftigt sich mit Strandspaziergängen und Wattwanderungen, man betrachtet langsam vorbei ziehende Schiffe und auf den Deichen grasende Schafe. Der Besuch im Café auf der Uferpromenade gehört da gelegentlich schon zu den herausragenden Momenten.

Deutlich ruhiger, aber auch welliger als der belebten Stadtkern präsentiert sich der nördliche Teil Blackpools

Jene Strandkörbe, in denen manche den ganzen Tag nichts anderes tun als aufs Wasser zu schauen, symbolisieren diese ziemlich geruhsame Form seine freien Tage zu verbringen beinahe optimal. Die Idee. für seinen Urlaub in eine Großstadt mit - bereits ohne Mitrechnen der anwesenden Feriengäste - hundert- oder zweihunderttausend Bewohnern zu fahren, käme dagegen vermutlich kaum jemandem in den Sinn. Auf den britischen Inseln sieht man das allerdings dann doch ein wenig anders. Denn das - auch auf dem europäischen Festland recht bekannte - Seebad Brighton an der englischen Südküste stößt zum Beispiel locker in diese Dimensionen vor, übertrifft sie nach einer größeren Gemeindefusion Ende des letzten Jahrtausends längst deutlich. Und mit einigen praktisch zusammen gewachsenen, aber noch selbstständigen Nachbarstädten erreicht man sogar fast eine halbe Million Menschen.

Auch Bournemouth - ein bisschen weiter im Westen, aber genau wie Brighton am Ärmelkanal gelegen - hat, obwohl es sich weiterhin hauptsächlich als Urlaubsort versteht, längst eine sechsstellige Bevölkerungszahl. Und das im Nordwesten Englands an der Irischen See zu findende Blackpool wird ebenfalls mit rund hundertfünfzigtausend Bürgern in den Statistiken geführt.

Während Brighton und Bournemouth dabei durchaus auch ein etwas gehobeneres Publikum ansprechen können, war und ist Blackpool traditionell ein Ferienziel für die britische Arbeiterklasse. Nicht ganz zufällig, denn im Umkreis von nur wenig mehr als einhundert Kilometer finden sich die großen Industriereviere von Manchester, Leeds, Sheffield und Liverpool. Andere mittlere und ebenfalls von Fabriken geprägten Städte wie Preston und Blackburn sind sogar noch näher.

Der dem Eiffelturm nachempfundene Blackpool Tower ist das unverkennbare und weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt

Vielleicht könnte man die Stadt sogar als das erste große Ziel für den weltweiten Massentourismus bezeichnen. Denn nachdem die Eisenbahn im Jahr 1846 das bis zu diesem Zeitpunkt nur einige hundert Einwohner zählende Blackpool erreicht hatte, strömten die zuvor nur vereinzelten Besucher plötzlich in Scharen. Ein halbes Jahrhundert später näherte sich die Einwohnerschaft bereits der Marke von fünfzigtausend. Und die Übernachtungen von Feriengästen konnte man längst in Millionen angeben.

Neben der "Preston and Wyre Joint Railway" trug dazu auch die übliche Praxis der im Nordwesten ansässigen Textilfabriken bei, das Werk zur Wartung und Reinigung der dort immer häufiger eingesetzten Maschinen, jeweils für eine volle Woche zu schließen. Erstmals gab es also für die Beschäftigten so etwas wie einen geregelten Urlaub.

Wer trotz der kargen Löhne ein wenig Geld erübrigen konnte, brach in dieser Zeit ans Meer auf. Arbeitervereine handelten Sonderrabatte für Gruppentouren bei der Eisenbahngesellschaft und den Herbergen aus, um noch mehr Menschen bei noch weniger Kosten die Fahrt zu ermöglichen. Der Vorläufer der heutigen Pauschalreisen war geboren. Entsprechend einfach fielen dann oft auch die Quartiere aus. Luxushotels für die begüterte Oberschicht blieben in Blackpool im Gegensatz zu andren Seebädern jedenfalls stets Mangelware.

Bis heute hat sich daran wenig geändert, selbst wenn die Unterkünfte inzwischen natürlich durchaus einen in der Regel ganz ordentlichen Standard haben. Aber gediegene Atmosphäre sucht man meist vergeblich. Blackpool hat gelinde gesagt einen eher rauen Charme. Und dass die Gästezahlen in den letzten Jahrzehnten aufgrund der nun erschwinglichen Reisen an die von der Sonne deutlich begünstigtere Küsten des Mittelmeers spürbar gesunken sind, hat die Sache nicht unbedingt besser gemacht.

Viele Kilometer verläuft die Straßenbahn direkt an der Küste entlang

Von Blackpool sollte man also lieber nicht allzu viele kulturelle Höhepunkte erwarten. Selbst wenn man dort sehr wohl ein Opernhaus besitzt, sind die typische Besucher des wohl proletarischsten aller britischen Seebäder doch an eher einfacheren Arten der Unterhaltung interessiert. Varieté, Musikshows oder Kleinkunstbühnen gehören dabei noch zur gehobeneren Kategorie. An manchen Stellen hat die Stadt jedoch viel von einem Rummelplatz oder einem Spielcasino. Und an Kneipen herrscht insbesondere im Zentrum ohnehin kein Mangel.

In diesem Seebad geht es eben nicht hauptsächlich um Ruhe und Stille sondern eher um Trubel und Amüsement. Dorthin fahren weniger Senioren, um sich am Meer einfach nur zu erholen, als vielmehr Stammtische, die hauptsächlich feiern und innerhalb weniger Tage möglichst viel erleben möchten. In schöner Regelmäßigkeit begegnet man dann auch in den Straßen und auf der Promenade der Stadt mit einheitlichen T-Shirts oder Pullis gekleideten Gruppen.

All das zusammen ergibt eine aus "kontinentalem" - viele Briten fahren schließlich ihrer Ansicht nach immer noch "to Europe", wenn sie den Ärmelkanal überqueren - Blickwinkel, eine ziemlich ungewöhnliche Mischung. Aber vielleicht gerade deshalb ist Blackpool durchaus einmal sehenswert. Nicht wirklich schön, aber halt doch interessant und irgendwie "very british". Vermutlich ist sogar nirgendwo auf der gesamten Insel ein "seaside resort" typischer und unverwechselbarer als Blackpool.

Der Marathon, der in der Stadt veranstaltet wird, zeigt ziemlich viel von all dem. Schließlich führt seine Strecke gleich mehrfach durch den touristischen Kernbereich. Die korrekte Formulierung wäre eigentlich aber "wieder veranstaltet wird". Denn im Jahr 2011 war die Veranstaltung ausgefallen. Nun ist der Blackpool Marathon "back", wenn auch der Termin sich verändert hat. Nachdem man den Lauf zuletzt einige Jahre lang im April ausrichtete und davor im Juni startete, sind die Organisatoren nun auf Mitte März nach vorne gewechselt.

Mit dem North Pier beginnt die Vergnügungszone … … und erst nach etwa drei Kilometern endet sie mit dem Sandcastle Waterpark und Pleasure Beach

Das hat vermutlich durchaus auch etwas mit dem Blick auf die Konkurrenz zu tun. Denn neben dem Megamarathon in London findet neuerdings auch die britische Nummer zwei im April statt. Erst seit 2010 gibt es dieses Rennen. Doch mit zuletzt achttausend Teilnehmern - bei weiter steigender Tendenz - hat er einen wahren Blitzstart hingelegt. Und ausgerechnet in Brighton, dem südenglischen Gegenstück zu Blackpool, findet er statt.

Bei der ein wenig traditionsreicheren Veranstaltung im nördlichen Seebad hat man bisher selbst in guten Jahren nicht einmal bei einem Zehntel diese Größenordnung erreichen können. Und nachdem das Rennen nun einmal ausgefallen war, ist der Wiedereinstieg zudem doppelt schwer. Diesmal wird man unter der Marke von fünfhundert Teilnehmern hängen bleiben. Zusammen mit dem quantitativ etwas besser besetzten und gleichzeitig gestarteten Halbmarathon erreicht man in Blackpool allerdings dann doch vierstellige Zahlen.

Doch so viel größer darf der Lauf auch gar nicht werden, wenn man nicht die komplette Logistik neu konzipieren will. Denn Mittelpunkt des Rennens ist nicht etwa ein Sport- oder Messegelände, wie man es hierzulande in der Regel für eine derartige Veranstaltung wählen würde, sondern die örtliche Filiale der Hotelkette Hilton.

Insbesondere im englischen Sprachraum ist es ja absolut nichts Ungewöhnliches, die Startunterlagen in einen Saal eines größeren Übernachtungsbetriebs auszugeben. Aber dass ein Hotel auch Räume als Umkleiden und sogar sein Schwimmbad als Duschmöglichkeit nach dem Rennen zur Verfügung stellt, hat schon etwas nicht ganz Alltägliches. Völlig einzigartig ist eine solche Konstellation auf den britischen Inseln dann allerdings auch nicht.

Doch am Tag vor dem Start ist von einem kommenden Marathon noch nicht viel zu sehen. Das - in seiner modernen, klobigen, rechteckigen Architektur ohnehin nicht wirklich in sein ansonsten eher von zwei- bis dreistöckigen Giebelhäusern geprägten Umfeld passende - Hilton Hotel wirkt nicht unbedingt wie der "event venue", von dem die Läufer-Information auf der Internetseite des Rennens spricht.

Das Hilton Hotel von Blackpool bildet das logistische Zentrum für den Marathon: Start und Ziel, Parkplätze, Startnummernausgabe, Umkleiden und Duschen finden sich in oder neben dem Backsteinbau

Schon bereit stehende Absperrungen oder Zielaufbauten sind jedenfalls keine zu entdecken. Nicht einmal ein Plakat deutet darauf hin, dass weniger als vierundzwanzig Stunden später ein Marathon veranstaltet werden soll. Nur ein einsames und beinahe verstecktes Schild mit der Aufschrift "Race H.Q." an einem der Hintereingänge, leitet die Teilnehmer dann doch zur Ausgabe der Startunterlagen.

Das in wörtlicher Übersetzung für deutsche Ohren fast ein wenig zu militärisch klingende "Hauptquartier" hat seinen Sitz in einem der Banketträume des Hotels. Doch aus viel mehr als einigen Tischen, an denen man sich nach dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens seine Nummer abholen kann, und dem kleinen Verkaufstand eines lokalen Laufsportladens besteht es eigentlich nicht.

Der Andrang am Samstag hält sich zudem nicht nur in Grenzen, er ist vielmehr nicht im Entferntesten vorhanden. Schließlich ist der Blackpool Marathon hauptsächlich eine regionale Veranstaltung. Praktisch alle Starter kommen aus dem Vereinigten Königreich oder höchstens noch aus dem nahe gelegen Irland. Der größte Teil stammt sogar aus einem Umkreis von ein- bis zweihundert Kilometer. Und da bietet es sich durchaus an, erst am Wettkampftag anzureisen.

Die Stadt ist trotz ihrer Randlage an der Küste verkehrstechnisch nämlich durchaus gut angebunden und darum ziemlich schnell zu erreichen. Die Eisenbahn, die den Aufschwung erst ermöglichte existiert zum Beispiel noch immer. Regelmäßig verkehren Züge von und nach Liverpool, Leeds oder Manchester. Es gibt - was für auswärtige Besucher durchaus interessant sein dürfte - sogar direkte Verbindungen zum Flughafen von Manchester.

Und an das britische Autobahnnetz ist Blackpool selbstverständlich ebenfalls angeschlossen. Die M55 endet praktisch direkt an der Stadtgrenze. Über sie und weitere mit ihr verknüpfte Schnellstraßen ist man in kaum mehr als einer Stunde aus den großen Ballungsgebieten im Süden und Osten herüber gefahren.

Gelegentlich ist die Hotelarchitektur im nordenglischen Seebad doch ziemlich ungewöhnlich

Es besteht also keineswegs die Notwendigkeit im Seebad zu übernachten. Die meisten Startnummern werden erst in den Stunden vor dem Rennen abgeholt. Sogar nachmelden kann man noch. Allerdings legt man in diesem Fall fünf Pfund zusätzlich hin. Ein auch anderswo durchaus üblicher Aufschlag für Kurzentschlossene. Mit dreißig Pfund für den Marathon und zwanzig für Halben bewegen sich die regulären Startgebühren ebenfalls in einem für Veranstaltungen dieser Kategorie absolut angemessenen Bereich.

Jedenfalls herrscht am Sonntagmorgen deutlich mehr Gewimmel. Nicht nur bei der Ausgabe der Startunterlagen sondern auch in den vielen Gängen des Hotels. Auch die Parkplätze rundherum - denn die hoteleigenen Flächen im Hof stehen für die Läufer ebenfalls zur Verfügung - sind bereits lange vor dem Start voll belegt.

Dieser ist für beide Strecken um 9:30 angesetzt, was Mitte März keineswegs als "zu spät" bezeichnet werden kann. Bei einem so frühen Termin geht man schließlich selbst auf den mit recht milden Wintern ausgestatten britischen Inseln das Risiko ein, eher ungemütliche Witterungsbedingungen zu bekommen. Wenn man da zumindest nicht in aller Frühe los läuft, kann das Quecksilber zumindest noch ein paar Teilstriche nach oben klettern.

Doch ganz so schlecht meint es Petrus nicht mit dem Wiedereinsteiger. Zwar gelingt es der Sonne im Gegensatz zum Vortag nicht, durch die Wolken hindurch zu dringen. Blauer Himmel bleibt an diesem Tag das Privileg des östlichen Teils von Großbritannien. Doch mit Temperaturen von ungefähr zehn Grad herrschen eigentlich ganz gute Laufbedingungen.

Fast versteckt, an einem Hintereingang des Hotels befindet sich die "Race Headquarters" Der "comedy carpet", ein mit Sprüchen von in Blackpool aufgetretenen Komikern verzierter Abschnitt gehört zu den neusten Besonderheiten der an vielen Stellen mit Kunstwerken versehenen Uferpromenade

Dafür sorgt insbesondere auch der über Nacht weitgehend eingeschlafene und seitdem anscheinend noch nicht wieder aufgewachte Wind. Während es samstags manchmal doch recht heftig geblasen hatte und es sich dadurch deutlich kälter anfühlte, als das Thermometer anzeigte, weht nun nur ein leichtes Lüftchen. Viel weniger geht direkt am Meer vermutlich gar nicht.

Für den Marathon ist das keineswegs unbedeutend. Denn in praktisch ihrem gesamten Verlauf wird die Strecke direkt an der Küste entlang führen. Das Hilton Hotel liegt zwar auf einem etwas erhöhten Uferstück. Doch schon nach dem Überqueren der davor verlaufenden, ziemlich passend "Promenade" heißenden Straße reicht der Blick eigentlich nur noch über die offene See.

Zumindest einige Absperrgitter hat man dort inzwischen aufgebaut. Doch ein Starttransparent sucht man noch immer vergeblich. Zwei Schilder, die links und rechts an den Laternenpfählen hängen, sind die praktisch einzigen Kennzeichnungen. Nur die blauen Matten, die von der Zeitmessfirma gerade dazwischen ausgelegt werden, markieren ansonsten noch den Punkt, an dem es losgehen soll.

Die Marathonis selbst sind zu diesem Zeitpunkt im Startbereich ebenfalls noch nicht in größeren Mengen präsent. So akzeptabel das Wetter auch sein mag, wenn man einmal unterwegs ist, für einen längeren Aufenthalt im Freien fehlen, wenn man nur leichte Laufbekleidung trägt, halt doch ein paar Grad. Die meisten Startwilligen halten sich deshalb auch relativ lange in den warmen und geschützten Räumen des Hilton auf.

Obwohl auch die Organisatoren auf dem Parkplatz einige Toilettenhäuschen aufgestellt haben, sind deren deutlich weniger zugigen, fest installierten Verwandten im Hotel erkennbar beliebter. Und wer den nur von außen einigermaßen gut ausgeschilderten Eingang zum Umkleideraum im Untergeschoss nicht gefunden hat, zieht sich eben in irgendeiner Ecke auf den Gängen um.

Ein einsamer Dudelsackpfeifer stimmt die auf der Promenade versammelten Läufer auf den Start ein

Doch abgesehen von der Tatsache, dass es dort ein wenig geräumiger zugeht, unterscheidet sich der "changing room" kaum von der Flurvariante. Denn mit den gekachelten, mit simplen Holzbänken ausgestatteten Kabinen in irgendwelchen Sportanlagen hat er ziemlich wenig zu tun. Die Bar an seiner Rückwand und die etwas zu schwach ausgefallene Beleuchtung zeigen, dass er wohl eigentlich ganz andere Zwecke erfüllt. Nur einige der Tische und Stühle hat man heraus geräumt.

Sitzgelegenheiten fehlen abgesehen von einigen Stufen zu den höher gelegenen Ecken weitgehend. Und so hocken die Läufer dann auch meist auf dem von einem dicken Teppich bedeckten Boden, während sie sich des Trainingsanzuges entledigen, um sich anschließend mit allen möglichen Mitteln einzuschmieren. Sicherlich eine Umkleide der ungewöhnlicheren Kategorie. Nur der Geruch ist kaum anders als sonst. Und immerhin befindet man sich in der direkten Nachbarschaft von Fitnessraum und Schwimmbad.

Dass die in der Ausschreibung angekündigte "baggage storage" eigentlich nur daraus besteht, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, in diesen Raum irgendwo ihre Sporttasche abzustellen, und dann während des Rennens ein bisschen ein Auge darauf zu werfen, muss man zumindest als "unglücklich formuliert" bezeichnen. Doch allzu viele Wertsachen sollte man ja selbst dann nicht dabei haben, wenn die Kleiderbeutel einzeln nach Nummern ab- und wieder herausgegeben werden.

Erst weit nach neun Uhr beginnt sich die Promenade langsam zu füllen. Obwohl man sich noch mitten in England befindet und von der schottischen Grenze fast zweihundert Kilometer entfernt ist begrüßt ein einsamer Pfeifer - die Bezeichnung "lone piper" ist für einen Dudelsack-Solisten auch international gebräuchlich - die sich versammelnden Läufer mit "Scotland the brave". Das Lied gilt als eine der inoffiziellen schottischen Nationalhymnen.

Am Obelisken des War Memorials und dem Metropole Hotel wird nach einer knappen Meile das Stadtzentrum erreicht

Allerdings ist es zuletzt sowohl vor Länderspielen der Fußball- oder Rugby-Nationalmannschaften als auch bei den Siegerehrungen der Commonwealth-Games von "Flower of Scotland" verdrängt worden. Auch "Scots Wha Hae" und das ausgerechnet von einem Deutsche geschriebene "Highland Cathedral" stehen noch zur Auswahl. Falls die nun angekündigte Abstimmung über eine schottische Unabhängigkeit tatsächlich Erfolg haben sollte, wird man sich dann wohl doch einmal festlegen müssen.

Verglichen mit einigen der anderen Dudelsack-Melodien ist das "tapfere Schottland" eigentlich noch recht schwungvoll. Dennoch erzeugt alleine der Klang dieses einzelnen Instrumentes auf der Promenade schon eine leichte Gänsehaut. Kein Wunder, dass man eine Great Highland Bagpipe wegen ihrer Lautstärke nicht in geschlossenen Räumen spielen soll.

Auch als der Lone Piper seine Arbeit eingestellt hat, müssen die Marathonis noch warten. Zuerst werden mit einem kleinen Vorsprung nämlich einige Rollis auf die Strecke geschickt. Ein wenig problematisch ist deren Teilnahme allerdings schon. Denn auf dem Zwei-Runden-Kurs mit einigen engeren Abschnitten werden die später mit enormer Geschwindigkeit von hinten wieder ins Läuferfeld hinein rauschenden Rennrollstühle doch für die eine oder andere etwas kniffligere Situation sorgen.

Erst mit mehreren Minuten Verspätung geht es dann auch für die "Fußgänger" tatsächlich los. Ganz ohne Startschuss und angesichts der aufgrund der Gespräche ringsherum auch nur schwer verständlichen Durchsagen, merkt man jedoch eigentlich erst in dem Moment, in dem sich die vorderen Reihen in Bewegung setzen, dass das Rennen eröffnet ist.

Zuerst einmal nach Süden führt die Strecke. Da das Hilton ein Stück nördlich des eigentlichen Stadtkerns liegt, läuft man also erst einmal auf das Zentrum zu. Und man befindet im Bereich von "North Beach", wie in einer absolut gängigen Unterteilung der eine Teil von Blackpool genannt wird. Wenig überraschend heißt das südliche Gegenstück dann "South Beach".

Mit Opernhaus (links) und Grand Theatre (mitte und rechts) hat Blackpool durchaus auch kulturell etwas zu bieten

Viel mehr Stadtteile gibt es allerdings auch nicht. Denn Blackpool zieht sich zwar mehr als zehn Kilometer die Küste entlang, doch dehnt es sich selbst an der breitesten Stelle nicht einmal vier Kilometer ins Landesinnere aus. Die Stadt besteht also aus kaum mehr als einem schmalen, langen Bebauungsstreifen direkt am Meer. Da ist die eindeutige Zuordnung in die Kategorien "Nord" und "Süd" nicht allzu kompliziert.

Über die Hälfte der knapp zwanzig Kilometer langen westlichen Kante einer fast quadratischen Halbinsel namens "The Fylde" wird damit von Blackpool eingenommen. Die Ecke im Süden besetzt dagegen die selbstständige Gemeinde Lytham St Annes. Und im Norden schließen sich noch Cleveleys und Fleetwood an.

Doch auch wenn diese Ortschaften administrativ nicht zum Stadtgebiet gehören, sind die Übergänge ziemlich fließend. Eigentlich besteht die komplette Uferlinie von Fylde nur aus einem einzigen großen Urlaubsgebiet. Der Ausrichter des Blackpool Marathons heißt dann auch nicht nur "Fylde Coast Running" sondern organisiert rund ums Jahr noch etliche weitere Rennen in der Region.

Diese hierzulande eher unbekannte Gegend hat ihre Bezeichnung übrigens noch aus der Zeit der Wikingerüberfälle im frühen Mittelalter. Denn nichts anderes als der altnordische Begriff für "Feld" steckt dahinter. Und im Gegensatz zum doch deutlich hügligeren Hinterland ist die Halbinsel tatsächlich weitgehend eben. Die Grafschaft Lancashire, zu der die "penisula" gehört, schwingt sich im Osten jedoch bis auf mehr als sechshundert Meter auf.

Nur bei Ebbe besitzt Blackpool einen breiten Sandstrand Mehrere hundert Meter zieht sich der rummelplatzähnliche Central Pier je nach Stand der Gezeiten über Wasser oder Sand

Voller Bestandteil dieses nach der Stadt Lancaster benannten Counties ist Blackpool selbst jedoch seit einem guten Jahrzehnt nicht mehr. Vielmehr wird es inzwischen mit dem Status einer "unitary authority" geführt, was man entfernt mit dem Konstrukt einer kreisfreien Stadt in Deutschland vergleichen kann.

Genauer sollte man aber auf die ziemlich komplexen englischen Verwaltungsstrukturen mit ihren sich überlappenden "ceremonial conties", "metropolitan" und "non-metropolitan counties", mit "cities", "boroughs" und "districts" gar nicht eingehen. Denn durchschauen würde man es vermutlich sowieso nicht. Und angesichts recht häufiger Änderungen, wäre außerdem nicht garantiert, dass sie auch in naher Zukunft noch gelten.

Obwohl es die allgemein übliche Übersetzung des deutschen Wortes "Stadt" in Englische nahe legt, ist Blackpool allerdings eines keineswegs, nämlich eine "City". Der irrige Glaube, die eigenen Konzepte immer beliebig auf andere übertragen zu können, ist vermutlich eine der größten Quelle für Missverständnisse. Im Königreich sind die Abstufungen nämlich deutlich feiner als hierzulande und die Stadtrechte bei Weitem nicht so inflationär verteilt.

Als City gilt eine Stadt dort nur, wenn sie von alters her eine Kathedrale besitzt - neu entstandene Diözesen zählen dabei nicht - oder irgendwann vom Monarchen explizit dazu ernannt wurde. Keine hundert Orte führen diese Bezeichnung. Alle anderen gelten unabhängig von der Größe immer als "town". So wird das nur zweitausend Menschen zählende St. David's in Wales wegen seiner Bischofskirche als City klassiert, Reading mit fast einer Viertelmillion Bürgern jedoch nicht.

Zuletzt wurden jeweils zu besonderen Anlässen einige Städte zur "City" befördert. Das geschah zum Beispiel beim Jahrtausendwechsel und zum goldenen Thronjubiläum Königin Elisabeths im Jahr 2002. Beide Male bewarb sich Blackpool um den neuen Titel und beide Male wurden andere vorgezogen. Dass darunter dann ausgerechnet auch noch Brighton war, dürfte die Enttäuschung eher größer gemacht haben.

Vorbei am Blackpool Tower und dem futuristischen Festival House führt der Kurs die Uferstraße entlang

Bereits kurz nach dem Start fällt ein großes und entfernt an ein französisches Loire-Schloss erinnerndes Backsteingebäude ins Auge. Seit rund einhundertfünfzig Jahren existiert das im Neorenaissance-Stil errichtete "Blackpool Imperial Hotel". Es ist nicht nur eines der ältesten sondern auch noch immer eines der elegantesten Hotels der Stadt. Doch der Zahn der Zeit hat trotzdem einige Spuren hinterlassen. Unter einer richtigen Luxusherberge stellt man sich dann doch etwas anderes vor.

Nicht besser ist es um das in seiner jetzigen Form ähnlich alte "Grand Metropole Hotel" bestellt, das man nach etwas über einem Kilometer passiert. Dessen Geschichte reicht allerdings bis ins achtzehnte Jahrhundert zurück. Doch nicht nur deshalb hat es eine gewisse Ausnahmestellung. Denn als einziges Hotel in ganz Blackpool befindet es sich nicht auf der Land- sondern auf der Seeseite der Promenade.

Am Hotel, das man sich mit seinen hohen Giebeln durchaus auch an einer Amsterdamer Gracht vorstellen könnte, beginnt der eigentliche Stadtkern. Doch ein anders Bauwerk - ebenfalls auf der Seeseite - markiert das noch deutlicher. Denn nur einen Steinwurf vom Metropole entfernt ragt der "North Pier" mehrere hundert Meter weit aufs Meer hinaus.

Hierzulande sind solche Seebrücken eher selten, im Wesentlichen auf die Ostsee beschränkt und erfüllen zum Teil tatsächlich hauptsächlich die Aufgabe, zu der sie einst ersonnen wurden, nämlich Schiffen einen Anlegeplatz im tieferen Wasser zu bieten. Im Vereinigten Königreich gehören solche Piers jedoch beinahe wie selbstverständlich zu einem Badeort. Und die meisten wurden auch für einen ganz anderen Zweck errichtet. Denn sie sind als reine Vergnügungszentren konzipiert.

Nicht nur die katholische Sacred Heart Church (links) und die anglikanische St John's Church (rechts) sondern auch die Telefonzellen-Reihe vor dem Hauptostamt stehen auf der Liste des britischen Denkmalschutzes

"Pleasure piers" nennt man solche Konstruktionen im Englischen. Während die ersten von ihnen den dank der Eisenbahn nun ans Meer strömenden Gästen ursprünglich nur ermöglichen sollte, zum wegen des Tidenhubs nicht immer bis an die Küstenlinie vordringenden Wasser zu gelangen, wurden vor allem die Brückenköpfe bald mit Theatern und Tanzsälen bestückt. Imbissbuden kamen hinzu. Und manche der Seebrücken bekamen schließlich sogar den Charakter eines Rummelplatzes.

Der "North Pier" von Blackpool, der aus derselben Zeit wie die beiden großen Hotels stammt, ist eher noch einer der klassischen Vertreter und war ursprünglich für das gehobenere Publikum. Zu großen Teilen besteht er wirklich nur aus einer hölzernen, aufs Meer hinaus führenden Promenade. Einzig am Ende der Seebrücke findet man Cafés, Bars und Restaurants sowie als besondere Attraktionen ein Theater und ein historisches Karussell.

Der Eingangsbereich, an dem bis vor Kurzem sogar noch Eintritt kassiert wurde, kommt für an solche Dinge nicht unbedingt gewöhnte Kontinentaleuropäer mit seinen Leuchtreklamen, all seinen Essständen und Souvenirgeschäften allerdings trotzdem recht bunt und knallig daher. Dass es jedoch noch deutlich schriller geht, kann man in Blackpool ebenfalls erleben.

Denn - wie der Name "North Pier" durchaus schon vermuten lässt - ist diese Seebrücke zwar die älteste aber keineswegs die einzige der Stadt. Insgesamt drei von ihnen gibt es an der Fylde Coast. So viele hat kein anderer Badeort auf der Insel zu bieten. Selbst das noble Brighton zählt nur zwei. Das viel gepriesene britische Understatement ist jedenfalls nicht unbedingt die Sache von Blackpool.

Gegenüber des Piers kann man auf der anderen Seite der Straße über den aufgerissenen Asphalt einer Baustelle einen kurzen Blick auf das Rathaus der Stadt erhaschen. In den Straßenzügen hinter der "Town Hall" findet man auf einer Fläche von weniger als einem halben Quadratkilometer die meisten der Bauten, die man im Normalfall als "Sehenswürdigkeiten" bezeichnet.

Winter Gardens, ein Gebäudekomplex mit Ballsälen und Konferenzräumen, ist ein traditioneller Ort für britische Parteitage Die meisten Hotels in Blackpool sind eher klein und in zwei- bis dreistöckigen Gebäuden untergebracht, doch in vielen Straßenzügen reihen sie sich wie Perlen an der Schnur auf

Kirchen zum Beispiel, die älter aussehen als sie es aufgrund der kurzen Geschichte Blackpools eigentlich sein können. Oder auch das Hauptpostamt, bei dem nicht nur das Gebäude selbst sondern auch die acht knallroten Telefonzellen davor unter Denkmalschutz stehen. Markant auf einer Häuserecke sitzt in einer Mischung aus Jugendstil und Neo-Barock der kuppelgekrönte Eingang zum "Blackpool Grand Theatre". Dahinter verbirgt sich ein Theater mit mehr als tausend Plätzen.

Und natürlich findet sich in der Nähe auch der Bahnhof. Obwohl er die zentrale Station der Stadt ist, trägt er den unerwarteten Namen "Blackpool North". Der einstige Hauptbahnhof "Blackpool Central", der über eine andere Stichstrecke angefahren wurde und einige hundert Meter entfernt praktisch direkt an der Promenade lag, ist dagegen inzwischen abgerissen - unter anderem auch, weil man das innerstädtische Gelände besser zu nutzen können glaubte. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein Teil davon nichts anderes als ein Parkplatz wurde.

Sogar einen ganzen Block von rund zweihundert Metern Seitenlänge nimmt der Komplex der "Winter Gardens" ein. Dahinter verbergen sich keineswegs die Tropenhäuser eines botanischen Gartens sondern ein Ausstellungs- und Kongresszentrum mit Tagungsräumen und Ballsälen. Auch das Opernhaus von Blackpool und ein weiteres Theater gehören dazu. Weil in ihnen mit schöner Regelmäßigkeit Parteitage aller drei großen britischen Parteien stattfanden, gehören die Winter Gardens wohl zu den landesweit bekanntesten Bauten der Stadt.

Das eigentliche, das unverkennbare und weithin sichtbare Wahrzeichen des nordenglischen Seebades ist allerdings der Blackpool Tower. Schon seit dem Start sind die Marathonis mehr oder weniger in gerader Linie auf ihn zu gelaufen. Und bald nachdem sie den North Pier passiert haben, führt sie die Strecke das Läuferfeld unter ihm vorbei. Schließlich wurde dieser 158 Meter hohe Turm direkt an der Promenade errichtet.

Kurz vor Sonnenuntergang bekommen der weit über einhundert Jahre alte, rotgestrichene Blackpool Tower und das moderne, vergoldete Festival House gegenüber noch einmal eine ganz besondere Farbe

Sein Stahlgerüst kann zwar kaum leugnen, dass er dem Eiffelturm nachempfunden wurde, doch hat er durchaus einen gewissen eigenen Charakter. Als neue Attraktion der aufstrebenden Stadt wurde er 1894, also nur fünf Jahre nach dem großen Vorbild eröffnet. Doch der große Bruder in Paris erreicht mit 324 Meter mehr als die doppelte Höhe.

Und anders als sein französisches Gegenstück steht der Blackpool Tower auch nicht frei sondern ist ringsherum von Gebäuden umgeben. Da der Turm alleine wohl noch nicht genug Anziehungskraft hatte, wurden dort weitere Attraktionen für die Besucher eröffnet. Genau zwischen den vier Füßen findet sich zum Beispiel der Blackpool Tower Circus, der mit regelmäßigen Vorstellungen eine feste Arena für alle möglichen Artisten bietet.

Noch gediegener geht es vermutlich im viktorianischen Tower Ballroom zu, während das "Blackpool Dungeon", eine Art Gruselkabinett oder begehbare Geisterbahn, durchaus eher das typische Publikum des Badeortes anspricht. Und für Kinder gibt es einen mit "ultimate indoor adventure playground" beworbenen Spielplatz. In größere Räumlichkeiten weiter südlich an der Promenade umgezogen ist dagegen das früher ebenfalls zu Füßen des Turms beheimatete Aquarium.

Die Marathonis sind nun auf dem Abschnitt der Uferstraße unterwegs, der als "golden mile" bezeichnet wird. Da man darunter jedoch bei großzügiger Auslegung den kompletten Bereich zwischen der nördlichsten und der südlichsten Seebrücke versteht, ist er in Wahrheit fast zwei Meilen lang. Es ist der Teil von Blackpool, der am wenigsten an einen klassischen Urlaubsort erinnert. Vielmehr hat er an etlichen Stellen den Charakter eines Vergnügungsparks.

An einigen Stellen hat Blackpool mehr von einem Rummelplatz als von einem Ferienort

Schrill, grell und trivial ist dort vieles. Das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud mag noch ganz akzeptabel sein. Doch der mit einem riesigen Totenkopf über dem Eingang auf Piratenimage getrimmte Komplex des "Coral Island" ist eher ein billiger Abklatsch von Las Vegas. Denn hinter seinen Mauern gibt es nicht nur Restaurant und eine Geisterbahn, es blinken auch die Spielautomaten. Ja, selbst das Angebot der Souvenirgeschäfte scheint ein noch niedrigeres Niveau zu haben als anderswo.

An etlichen Stellen warten zudem Wahrsagerinnen auf Kunden. Als "Gipsies" werden sie auf den Plakaten vor ihren meist kleinen, dunklen Nischen angepriesen. Wörtlich übersetzt heißt das nichts anderes als "Zigeuner". Doch während hierzulande dieser Begriff längst absolut verpönt ist und einen ziemlich eindeutigen Beigeschmack hat, geht man in Britannien anscheinend deutlich unbefangener damit um. Doch hat man dazu dort eben auch nicht so viele negative Einträge in den Geschichtsbüchern.

Die Krone setzt all dem aber der Central Pier auf, den man wenig später, eine knappe halbe Meile nach seinem nördlichen Verwandten, erreicht. In seiner Mitte steht ein mehr als dreißig Meter hohes Riesenrad. Weitere Fahrgeschäfte und Karussells rundherum, etliche Los- und Schießbuden machen ihn zu einer Art immerwährenden Jahrmarkt.

Man kann dort sein Geld problemlos bei unzähligen verschiedenen Geschicklichkeitsspielen loswerden, die natürlich so ausgelegt sind, dass die Standbesitzer möglicht wenige ihrer ohnehin nicht wirklich wertvollen Preise heraus geben müssen. Auch die Briten, mit denen man sich unterhält, sind angesichts dieser ganzen Atmosphäre nicht immer begeistert. Etliche rümpfen durchaus ein wenig die Nase darüber.

Kilometerlang reiht sich entlang der Uferpromenade Hotel an Hotel … … während auf der anderen Straßenseite gleich drei Piers ins Meer hinaus ragen. Auf einem davon steht sogar ein Riesenrad

Doch spiegelt sich dort eben die Entstehungsgeschichte Blackpools, in dem halt schon früh nicht etwa einige Gutbetuchte ein bisschen ihrer reichlich vorhandenen Zeit verplemperten, sondern die Arbeiter aus den Textilfabriken, Kohlegruben und Stahlwerken der nicht allzu weit entfernten Industriereviere in ihren knapp bemessenen Ferien ein paar Tage richtig auf den Putz hauen wollten. Blackpool ist auf jeden Fall authentisch und keineswegs eine Kunstwelt wie einige der durchgeplanten neumodischen Urlaubsziele.

Der Streckenabschnitt im Innenstadtbereich zwischen der nördlichen und der mittleren Pier ist dafür dann aber auch der am dichtesten bevölkerte. Die wenigsten, die da neugierig vom Straßenrand zusehen, dürfen wirklich zum Marathontross gehören. Vielmehr sind es höchstwahrscheinlich eher zufällige Zaungäste, denen das Rennen auf ihrem Weg zum Wasser in die Quere gekommen ist. Um große Massen handelt es sich jedoch sowieso nicht. Und für den Rest der Runde bleiben die Läufer abgesehen von den Streckenposten meist weitgehend unter sich.

Hinter der mittleren Seebrücke ist die Zone des größten touristischen Trubels zwar vorbei. Doch dafür reiht sich links der Läufer nun wieder Hotel an Hotel. Es sind nicht die großen Häuser wie das Imperial oder das Metropole. Die meisten Beherbergungsbetriebe in Blackpool gehören eher zu kleinen bis mittleren Kategorie. Zehn, zwanzig oder dreißig Zimmer sind die üblichen Werte. Doch dafür scheint die ganze Stadt oder zumindest der Küstenbereich aus praktisch nichts anderem zu bestehen.

Weit über tausend Hotels und Pensionen lassen sich zählen. Eine zehn Kilometer lange Perlenkette von Quartieren erwartet die Touristen. Auf den britischen Inseln wird manchmal sogar behauptet, alleine in Blackpool gebe es mehr Gästebetten als in ganz Portugal. Das stimmt so zwar nicht ganz. Aber mit fünf bis zehn Millionen Übernachtungen pro Jahr kann man im nordenglischen Seebad zumindest mit Ländern wie Estland, Lettland, Litauen oder Luxemburg problemlos mithalten und deren Werte sogar meist übertreffen.

Nur gelegentlich wird die fast nahtlose Reihe von Beherbergungsbetrieben unterbrochen. Meist sind es dann Läden, in denen Fish 'n' Chips angeboten wird, das eindeutig britischste aller Schnellimbiss-Gerichte. Es besteht aus in einem Bierteig frittiertem Fischfilet und ziemlich weich ausgefallenen Pommes Frites. Nicht nur am Meer - aber selbstverständlich insbesondere dort - lässt es sich im Vereinigten Königreich eigentlich kaum vermeiden, immer wieder auf die entsprechenden Verkaufsstände zu stoßen.

Achterbahnen im Vergnügungspark Pleasure Beach und auffällige Straßenbeleuchtungen der Blackpool Illuminations stehen für die bunte, manchmal beinahe schon schrille Seite Blackpools

Hoch über den Läufern hängen ziemlich seltsame Figuren an den Laternenmasten. Karierte Schweine, blau-rosa gefleckte Kühe, knallbunt gestreifte Ziegen und Schafe, die vordere Hälfte auf der einen und die hinter auf der anderen Seite des Asphaltbandes. Es sind Überbleibsel der "Blackpool Illuminations", einem Festival im Herbst während dessen sich die komplette Stadt in farbige Lichter taucht.

Nicht nur an den Straßenlampen - die Marathonis werden später neben den für Kinder bestimmten bunten Tiere unter anderem auch noch eher den Erwachsenen gewidmete Revuetänzerinnen begegnen - erstrahlen dann unterschiedlichste Motive. Auch die Häuser werden mit Abertausenden von Glühbirnen verziert. Und selbstverständlich hat auch der Blackpool Tower eine besondere Beleuchtung.

Doch reicht die Geschichte der Illuminations noch mehr als ein Jahrzehnt weiter zurück als die des Turms. Und sogar bereits noch vor der Erfindung der Glühbirne begann man in Blackpool die Promenade in der dunklen Jahreszeit mit einigen Kohlebogenlampen zu beleuchten. Die Stadt war damit praktisch die erste überhaupt, die auf elektrischen Strom setzte. Und der "artificial sunshine" gehörte zu den größten Attraktionen. Auch dieser Vorreiterrolle verdankte das Seebad einen Teil seiner Popularität.

Im Jahr 1912 begann man dann die Elektrizität nicht nur dafür einzusetzen, mit künstlichem Licht die Nacht zu erhellen. Als die königliche Familie Blackpool besuchte, wurden damals tausende von Lampen zur Verzierungen angebracht. Die positiven Reaktionen sorgten dafür, dass daraus ein regelmäßig ausgerichtetes, nur im zweiten Weltkrieg aus naheliegenden Gründen unterbrochenes Ereignis wurde, so dass man nun schon den hundertsten Geburtstag feiern kann.

Am Abend kommen die oft ziemlich ungewöhnlichen Beleuchtungen der Stadt voll zur Geltung

Durch die Blackpool Illuminations dauert die Saison im Gegensatz zu vielen anderen britischen Seebädern deutlich über den Sommer hinaus. In der Regel beginnt die Zeit der bunten Lichter Ende August und endet erst im November. Da andererseits mit den ersten wärmenden Sonnestrahlen im März und April die Ausflügler zu strömen beginnen, herrscht zwei Drittel des Jahres Betrieb.

Der Marathon hat zwar angesichts der Dimensionen dieses Ansturmes eigentlich nur bedingt Bedeutung. Doch trägt er eben auch ein wenig dazu bei, den Beginn der Saison noch weiter nach vorne zu ziehen. Für das größtenteils vom Tourismus lebenden Blackpool bedeutet halt auch er einige zusätzliche Übernachtungen. So werden durch immer neue "Events" auch die Ruhephasen der Stadt immer kürzer.

Deutlich größer als zwischen dem North und dem Central Pier ist der Weg, den die Läufer zurücklegen müssen, bis sie die dritte Seebrücke erreicht haben. Fast zwei Kilometer führt die Uferstraße nach dem Verlassen des zentralen Bereiches der Stadt immer entlang von Hotels und Pubs in Richtung Süden, bevor sie eine zweite große Konzentration von Vergnügungs- und Unterhaltungsbetrieben in Blackpool erreicht.

Der South Pier, der sich in seiner Ausgestaltung nicht unbedingt von seinem mittleren Gegenstück unterscheidet, trägt dazu durchaus bei. Doch ist er beileibe nicht die einzige Attraktion von South Beach. Direkt nebenan steht ein massiges Gebäude auf der Promenade, dessen Zweck man von der Seeseite nur schwer erahnen kann. Zur Straße hin zeigen jedoch mehrere aus dem Bau heraus ragende und ineinander verdrehte bunte Röhren, dass sich dahinter ein riesiges Hallenbad mit etlichen Rutschen verbirgt, der Sandcastle Waterpark.

Viel auffälliger und schon längere Zeit im Blick ist allerdings das hohe Stahlgerüst einer Achterbahn auf der Landseite der Uferstraße. Hinter einer Front knallbunter Phantasiehäuser, an denen der Marathonkurs entlang führt, befindet sich nämlich "Pleasure Beach Blackpool" - mit bis zu sieben Millionen Besuchern jährlich einer der meistbesuchten Vergnügungsparks in ganz Europa.

Vorbei am Vergnügungspark Pleasure Beach und den Rutschen des Sandcastle Waterparks führt die Strecke zum südlichen Wendepunkt

Solche "amusement parks" direkt am Strand sind eine ziemlich angelsächsische Spezialität, die man außerhalb des englischen Sprachraums in dieser Form eigentlich nicht kennt. Alleine im Königreich gibt es noch einige weitere derartige Parks. Und insbesondere in den Vereinigten Staaten gehören sie zu einem Badeort am Meer fast schon selbstverständlich dazu. Der bekannteste Vertreter dieser Zunft dürfte wahrscheinlich Coney Island im New Yorker Stadtteil Brooklyn sein.

Der blau-rote "roller coaster", auf den man die ganze Zeit zugelaufen war, ist also nicht die einzige Bahn, auf der man sich hinter den Eingängen des Parks seinen Adrenalin-Schub holen kann. Doch alleine die Ausmaße lassen "the Big One" absolut dominieren. Über die gesamte Länge des Geländes begleitet das gigantische Gerüst die Marathonis, bis sie am Ablaufhügel, das Ende des Parks erreicht haben.

Auf mehr als sechzig Meter Höhe werden die mit dem Union Jack versehenen Wagen dort hinauf gezogen, um danach wieder praktisch genauso weit in die Tiefe zu stürzen. Noch immer handelt es sich beim Big One um die größte, höchste und steilste Achterbahn in ganz Großbritannien. Und nach der Eröffnung hielt man für einige Zeit sogar einmal die weltweiten Rekorde.

Kurz nachdem der Vergnügungspark passiert ist, markiert ein an einem Laternenpfahl montierte Tafel das Ende der dritten Meile. Nur mühsam stellen sich die Briten ja auf die international üblichen Einheiten um, zu deren Einführung sie sich eigentlich vertraglich verpflichtet haben. Im allgemeinen Umgang halten sich die alten, sogenannten "imperialen Maße" ziemlich hartnäckig. So wird das Körpergewicht eines Menschen auch weiterhin oft in - jeweils 6,35 Kilogramm entsprechenden - "Stone" angegeben.

Patrick Duffy gewinnt nach einem langen Sololauf mit klarem Vorsprung den Halbmarathon Mark Small liegt kurz nach der ersten Wende noch auf Platz vier und wird am Ende Siebter der kurzen Distanz Bei Kilometer sieben liegt beim Marathon noch eine Vierergruppe in Front, aus der sich Nigel Marley (in rot) später deutlich lösen wird

Doch ihre Meilen haben die Briten sowieso mit Zähnen und Klauen verteidigt. Für diese gibt es auch offiziell eine Ausnahmeregelung in den Umsetzungsrichtlinien. Und so sind in Blackpool eben keine zweiundvierzig sondern nur sechsundzwanzig Schilder auf der Strecke verteilt, um die auf der Insel übliche Marathon-Distanz von 26,2 Meilen zu kenzeichnen.

Deren exakte Positionen erscheinen allerdings doch ein wenig willkürlich. Selbst wenn der Kurs ein offizielles Vermessungszertifikat hat wackeln die Abstände zwischen den einzelnen Markierungen doch gewaltig hin und her. Das fällt insbesondere deswegen auf, weil diese wegen der zweimal zu durchlaufenden Runde und des gleichzeitig ausgetragenen Halbmarathons eigentlich immer im Doppelpack mit jeweils ungefähr zweihundert Metern Abstand zueinander auftauchen müssten.

Doch während manchmal die Entfernung zwischen den beiden Tafeln wohl eher das Doppelte beträgt, sind sie an anderen Stellen mehr oder weniger direkt nacheinander angebracht. Und wenn im späteren Rennverlauf dann sogar noch eines der Pärchen in der falschen Reihenfolge auftaucht, dürfte endgültig klar sein, dass die Schilder nicht unbedingt dort stehen oder hängen, wo sie tatsächlich auch hingehören.

Unweit der Drei-Meilen-Marke ist auch die erste "drink station" aufgebaut. Der Begriff ist durchaus wörtlich zunehmen, denn feste Nahrung gibt es auf der Strecke keine. Und selbst die Getränkeauswahl beschränkt sich auf nichts als Wasser. Das wird allerdings zumindest in Plastikflaschen verteilt, so dass man auch im Laufschritt kaum Probleme mit der Flüssigkeitsaufnahme hat.

Drei solcher Posten sind auf der Runde im Abstand von jeweils etwa drei bis vier Meilen zu finden. Eine weitere Verpflegungsstelle wird noch beim Durchlaufen des Startbereiches passiert. Die Marathonis können sich unterwegs also insgesamt siebenmal bedienen. Das ist zwar eine weniger, als es sich beim international üblichen - bei zwei Schleifen logistisch nicht unbedingt sinnvollen - Fünfkilometerrhythmus ergeben würde, doch angesichts der angenehm kühlen Wetterbedingungen durchaus ausreichend.

Nach der Wende in der Nähe der Vergnügungsparks Pleasure Beach geht es zurück zum Zentrum, wo die Marathonstrecke am War Memorial auf die untere Promenade hinüber wechselt

Inzwischen herrscht auf der Uferstraße Gegenverkehr. Der südliche Teil des Kurses ist nämlich als echte Begegnungsstrecke konzipiert. Rechts - nach guter britischer Sitte hält man sich während des Rennens in diesen Passagen nämlich auf der linken Seite - befinden sich die Schnellsten unter den Halbmarathonläufern bereits wieder auf dem Rückweg.

Schon deutlich von seinen Verfolgern abgesetzt hat sich Patrick Duffy, der das Rennen in 1:14:17 gewinnen wird. Fast drei Minuten später wird mit dem 1:16:58 laufenden John Lloyd der Zweite im Ziel sein. Wesentlich enger wird es dann um Platz drei sein, um den sich gleich drei Läufer bemühen. Innerhalb weniger als einer Minute werden Ryan Barker (1:19:06), Michael Hunt (1:19:20) und schließlich noch Richard O'Sullivan (1:19:55) die Zeitmessmatte überqueren.

Zehn Minuten später klärt sich die Frage nach der Siegerin bei den Damen. Denn hauchdünn unter der Marke von eineinhalb Stunden hat Carmel Sullivan ihr Rennen in 1:29:57 beendet. Die bereits der Kategorie F45 - Klassen sind in Brighton bei den Frauen ab fünfunddreißig und den Männern ab vierzig jeweils in Fünferschritten ausgeschrieben - angehörende Läuferin lässt dabei nur drei männlichen Altersgenossen den Vortritt. Caroline Holmes als Zweite nach 1:32:32 und Jen Howse als Dritte mit 1:34:30 vervollständigen das Treppchen bei den Frauen.

Nicht immer sind die Hotels und Pubs von Blackpool so bunt, aber manchmal schon

Der Kurs schwenkt für einen Moment nach links von der Promenade weg in ein Wohngebiet. Denn die Wende ist als kleine Schleife um einen Straßenblock ausgelegt. Dort wo man wenig später wieder an die - an dieser Stelle wegen der etwas erhöht gebauten Fußgänger-Promenade gar nicht sichtbaren - Küste gelangt, steht eine große und ziemlich auffällige Halle. Es ist das neue Depot der Straßenbahn von Blackpool.

Diese "Blackpool tramway" ist mit einer bis in Jahr 1885 zurück reichenden Historie nicht nur eine der ältesten elektrischen Straßenbahnen der Welt. Bis zur Renaissance des schienegebundenen Nahverkehrs, die kurz vor der Jahrtausendwende auch auf den britischen Inseln einsetzte, war sie drei Jahrzehnte lang auch die einzige noch existierende Linie im ganzen Vereinigten Königreich.

Vom "Starr Gate tram depot" verlaufen ihre Gleise achtzehn Kilometer weit bis nach Fleetwood am nördlichen Ende der Halbinsel. Und bis auf das letzte Stück orientieren diese sich mehr oder weniger stets am Meer. Praktisch überall trennen sie dabei die Flaniermeilen am Ufer von der parallel verlaufenden Straße. Die Marathonis sind also bereits seit dem Start nahezu durchgängig direkt neben dem Schienenstrang unterwegs.

Doch nicht nur wegen ihrer Streckenführung ist die Straßenbahn von Blackpool eine Touristenattraktion. Mindestens genauso wichtig ist dabei der bunt gemischte und zum Teil aus uralten Triebwagen bestehende Fuhrpark. Einige der eingesetzten Fahrzeuge stammen noch aus den Dreißigerjahren. Ein Teil der Flotte besteht aus Doppeldeckern. Und bei gutem Wetter fahren auch Wagons in Cabrio-Ausführung ohne Verdeck durch die Stadt.

Während des Blackpool Illuminations sind zudem einige speziell dafür umgebaute Straßenbahnzüge in ganz besonderen Formen unterwegs. So rollt dann unter anderem eine bunt erleuchtete Westernlokomotive inklusive Anhängern über die Gleise. Einen anderen Waggon hat man zum Beispiel als Schiff umgestaltet.

In der an Ostern beginnenden neuen Saison sollen allerdings moderne Niederflur-Triebwagen die Oldtimer zum Teil ablösen. Nur noch einige historische "tramcars" sind als Ergänzung eingeplant. Eine zwiespältig zu sehende Entscheidung. Die neu bestellten Züge dürften sicher deutlich komfortabler sein und leichter zugänglich sein. Doch sind sie eben auch deutlich uninteressanter, austauschbarer und weit weniger charakteristisch als die alten Doppeldecker.

Immer direkt an der Wasserkante läuft man kilometerlang nach Norden

Die wegen des Einsatzes der neuen Fahrzeuge nötigen Umbauarbeiten an der Strecke sind am Rennwochenende noch nicht abgeschlossen. Gleich an mehreren Punkten wird gebuddelt. Der Straßenbahnverkehr deshalb ist komplett eingestellt, was den Marathonmachern durchaus entgegenkommt. Denn an zwei Stellen müssen die Gleise während des Rennens gekreuzt werden.

Der nun beginnende Weg zurück in Richtung Stadtzentrum ist den Läufern bereits bekannt und bringt wenig Neues. Vorbei am Pleasure Beach Vergnügungspark und den Rutschbahnen des Sandcastle Waterparks, vorbei am South Pier und der langen Reihe von Hotels nimmt man wieder den als Orientierungsmarke ziemlich gut geeigneten Blackpool Tower ins Visier.

Die im Bereich zwischen den Seebrücken wieder auf Straßenniveau verlaufende Promenade erlaubt auch wieder den Blick auf die zuvor verborgene Irische See. Jenseits des Wassers, mehr oder weniger exakt auf der gleichen geographischen Höhe liegt die irische Hauptstadt Dublin, was hauptsächlich deswegen erwähnenswert ist, weil deren Name durch einen amüsanten Zufall auf Irisch nichts anderes bedeutet als jenes "Schwarzer Tümpel", mit dem man auch "Blackpool" ins Deutsche übersetzen könnte.

Deutlich erkennbar ist, dass der kilometerlange Uferweg in seinem südlichen Teil während der letzten Jahre eine gründliche Renovierung und Modernisierung erlebt hat. Verschiedene Skulpturen und Plastiken sorgen für Abwechslung. Auch die Sitzgelegenheiten sind keineswegs einfache Holz- oder Metallbänke sondern in unterschiedlichsten Formen aus Stein gestaltet.

Die in den letzten Jahren umgestaltete Promenade hat nun ein deutlich moderneres Aussehen bekommen

Und gegenüber des Blackpool Tower steht nun unweit der historischen "Blackpool Lifeboat Station", die nicht nur als Museum sondern auch heute noch die Basis der Seenotretter dient, in futuristischer Architektur das moderne, vergoldete Festival House mit Veranstaltungsräumen und dem Informationszentrum für Touristen.

Zwischen den beiden gegensätzlichen Gebäuden ist zu Füßen des Blackpool Tower als neueste Anziehungspunkt für die Besucher des Stadt der sogenannte "comedy carpet" ausgerollt. Auf mehr als zweitausend Quadratmetern Fläche sind dort im Pflaster mit bunten Lettern unzählige Sprüche und Witze von in Blackpool aufgetretenen Komikern nieder geschrieben. Man kann ziemlich viel Zeit damit verbringen, sie zu lesen und darüber zu schmunzeln. Sich durch wirklich alle hindurch zu arbeiten ist allerdings aufgrund ihrer Zahl kaum möglich.

Auch die Lampen zur Beleuchtung der Promenade sind künstlerisch ausgestaltet. Doch ist dies in Blackpool keineswegs ungewöhnlich. Noch immer versucht die Stadt diesbezüglich in der vordersten Reihe bei der Umsetzung neuer und origineller Ideen zu stehen. Wer genau hinsieht, entdeckt Straßenlaternen in den seltsamsten Formen. Am auffälligsten sind dabei wahrscheinlich die großen Metallbogen, die sich über die Birley Street in der Innenstadt wölben.

Je näher man dem markanten Turm gekommen ist, umso deutlicher ist eine leichte Steigung der Straße geworden. Mehr als zwei oder drei Prozent dürften es an keiner Stelle sein. Und auf dem Hinweg hatte man diesen Höhenunterschied gar nicht bemerkt. Doch im relativ kurzen Abschnitt zwischen den beiden nördlichen Seebrücken gilt es immerhin ungefähr zehn Meter zu überwinden. Das Stadtzentrum befindet sich nämlich genau im Übergangsbereich zwischen dem nahezu völlig flachen südlichen Teil der Fylde-Küste und ihrem etwas welligeren nördlichen Part.

Doch wesentlich schneller, als man sie gewonnen hat gehen diese Meter auch wieder verloren. Auf Höhe des Metropole Hotels verlässt der Marathonkurs nach ziemlich genau sechs Meilen die Straße und biegt über die Gleise der Straßenbahn hinweg auf jenen Bereich der Promenade ein, der den Fußgängern vorbehalten ist. Eine S-Kurve rund um den Obelisken des War Memorials bringt die Läufer hinunter ans Meer und zum Fuß des nördlichen Piers.

Gleich auf mehreren verschieden hoch gelegenen Promenaden kann man in Blackpool an einigen Stellen spazieren gehen

Eine große Freitreppe scheint dort direkt ins Wasser hinein zu führen. Zumindest in diesem Moment tut sie das. Denn am Morgen des Marathons herrscht Flut. Wäre hingegen Ebbe, würde sich dort eine mehrere hundert Meter breite Sandfläche erstrecken. Und höchstwahrscheinlich würden über sie auch Kinder auf Eseln herum geführt.

Diese "donkey rides" sind eine alte Tradition in britischen Seebädern. Und alleine schon deshalb gehören gesattelte Esel am Strand zu den absoluten Standartmotiven der überall angebotenen Ansichtskarten. Allerdings haben die Anbieter dieser eher gemächlichen und natürlichen Variante des Urlaubsvergnügens es immer schwerer, gegen die ständig neuen Attraktionen der modernen Unterhaltungsmaschinerie zu bestehen.

In der Nähe der zweiten Wasserstelle löst eine Mäuerchen die Treppe ab. Und aus der relativ großen, zum Bummel einladenden Freifläche wird ein eher schmaler und beinahe schnurgerader Uferweg. Die nördliche Promenade hat schon alleine wegen der unterschiedlichen Topographie einen ganz anderen Charakter als ihr Gegenstück im Süden.

Genau genommen gibt es von nun an sogar stets mehrere Promenaden, die auf verschiedenen Höhenniveaus der Küste folgen. Im nun folgenden Abschnitt sind es gleich drei. Denn neben der unteren, auf der die Marathonläufer nun zum nördlichen Umkehrpunkt unterwegs sind, und der Straße, auf der sie vor einiger Zeit gestartet waren, gibt es auch noch eine mittlere Ebene, auf der man auch dann noch spazieren gehen kann, wenn die Wellen einmal höher schlagen und der am tiefsten gelegene Weg dadurch unpassierbar wäre.

Eselreiten am Strand gehört zu Spezialitäten britischer Seebäder

Das Wetter meint es zwar gut mit den Marathonis, das Meer plätschert weit unten nur ziemlich sachte an die Kaimauer. Doch die noch vorhandene Feuchtigkeit der Betonplatten, aus denen der Laufuntergrund nun besteht, belegt, dass dies durchaus auch anders sein und das Wasser deutlich höher hinauf spritzen kann. Und bei wirklich schwerer See könnte das Rennen in dieser Form wohl kaum durchgeführt werden.

Mit dem Meer auf der linken und der befestigen Böschung, hinter der man die Bebauung nur noch erahnen kann, auf der rechten Seite sind die Läufer nun weitgehend unter sich. Außer ein paar Anglern, die sich allerdings nicht im Geringsten dafür interessieren, was sich da hinter ihnen abspielt, ist praktisch kaum jemand zu sehen. Spaziergänger und Radfahrer, die den Weg ebenfalls nutzen, kann man schon fast an einer Hand abzählen.

Vom lauten, lebhaften, turbulenten Blackpool, das doch eigentlich nur ein paar Schritte entfernt liegt, scheint man auf einmal meilenweit weg zu sein. Einzig der dröhnende Lärm einer Cartrennbahn, die sich in einem künstlich angelegten, inzwischen aber verfüllten kleinen Hafenbecken direkt neben der Laufstrecke angesiedelt hat, stört dann doch für eine kurze Zeit noch einmal erheblich die Ruhe.

In der Nähe des Vorortes Cleveleys wird auf der Uferstraße ein kurzes Begegnungsstück absolviert

Aus der nüchternen, glatten, gemauerten Schräge, an der man etwa einen Kilometer entlang gelaufen ist, wird ein felsiger Abhang. Doch der zweite Blick zeigt, dass die Felsen, zwischen denen Spazierwege und Treppen hindurch führen, keineswegs natürlichen Ursprungs sondern aus Beton gegossen sind. Ein wenig nachgeholfen hat man da bei der Landschaftsgestaltung wohl schon.

Noch mehrfach wird man während der folgenden Kilometer - mehr als fünf läuft man direkt am Ufer entlang in Richtung Norden - auf Variationen dieser Idee treffen. Anderswo ist der zwanzig bis dreißig Meter Hügel allerdings weitgehend grasbewachsen. Das sich ständig wandelnde Bild lässt die lange Gerade, bei der man zudem auch leichte Windunterstützung hat, keineswegs langweilig werden.

Nachdem der Hang jenseits von Meile zehn immer niedriger geworden ist, wird es plötzlich wieder deutlich belebter. Ein nahegelegener Parkplatz sorgt dafür, dass der eine oder andere Ausflügler entlang der Strecke einen Spaziergang macht. Hauptsächlich herrscht jedoch deswegen mehr Betrieb auf der nun wieder breiteren Uferpromenade, weil man zu zweiten Mal im Gegenverkehr läuft.

Nur einige hundert Meter lang ist diese Passage. Und diesmal wird tatsächlich auch fast auf dem Absatz umgedreht. Einige Pylonen markieren in der Nähe der Gemarkungsgrenze zum Nachbarort Cleveleys den zusätzlich von einem Ordner beaufsichtigten Wendepunkt. Schon alleine, weil man diese Stelle beliebig hin und her verschieben hätte können, ist trotz der eher sprunghaften Zwischenmarken eigentlich davon auszugehen, dass die Distanz wirklich korrekt ausgemessen ist.

Nach dem Wendepunkt geht es nun wieder auf dem oberen Teil der Promenade zurück zu Start und Ziel am Hotel

Nachdem die erste Hälfte der Schleife weitestgehend und der letzte Abschnitt sogar vollkommen ohne Höhenunterschiede ausgefallen war, wird es nun zum Abschluss der Runde doch noch richtig hüglig. Denn den Rückweg zu Start und Ziel am Hotel tritt man nun über die auf der Anhöhe verlaufende obere Promenade an. Diese hat genau wie ihr gerade belaufenes Gegenstück unten am Meer wenig mit der im Bereich der Seebrücken gut ausgebauten Flaniermeile im Süden gemein.

Und ist genau deshalb vielleicht nicht nur der schwerste sondern auch der schönste Teil des Kurses. Zwischen den Grasflächen eines fünfzig bis hundert Meter breiten Grünstreifens verlaufen da schmale Asphaltbänder. Manchmal nur eines alleine, manchmal auch zwei oder drei parallel. An einigen Stellen führt einer der Wege direkt am Zaun entlang, der die Abbruchkante praktisch durchgängig sichert. Anderswo läuft man dann auch wieder einmal eher in der Mitte des lang gezogenen Parks.

Eine Reihe in auffälligem Grün gestrichener Schutzhäuschen bietet Schutz vor plötzlichen Wetterumschwüngen. Und den Läufern geben diese ursprünglich kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende errichteten "promenade shelters" immer wieder kleine Zwischenziele. In diesem Bereich Blackpools dürfte auch während der Hochsaison deutlich weniger Betrieb herrschen. In North Beach gehen wohl doch eher die Einheimischen spazieren oder führen ihre Hunde aus.

Schlechtwetter-Pavillons auf der Promenade, Backsteinbauten und altmodische Taxis, vieles in Blackpool ist eben typisch britisch

Der Anstieg von der Uferstraße mit dem Wendepunkt hinauf zur die Anhöhe ist nicht allzu steil sondern relativ lang und gleichmäßig, also recht gut zu belaufen. Doch ist damit keineswegs schon alles überstanden. Denn immer wieder folgen weitere kurze Steigungen, einige von ihnen sind sogar ziemlich giftige Stiche.

Während der ersten Passage lassen diese sich aufgrund der selten mehr als eine Handvoll dabei zu erkletternder Höhenmeter noch ohne größere Probleme zu bewältigen. Im zweiten Durchlauf mit bereits vierzig Kilometer in den Beinen türmen sich dann bei subjektiver Betrachtung aber doch schon recht heftige Hindernisse vor den Marathonis auf.

Objektiv kommen pro Runde allerdings nur jeweils etwas über fünfzig im Anstieg zu bewältigende Meter zusammen. Insgesamt ist die Zahl also knapp dreistellig. In diesem Zusammenhang ist durchaus interessant, dass die Angaben im offiziellen Profil tatsächlich in Metern erfolgen und nicht etwa in "feet", mit denen man Höhen in Großbritannien im Normalfall auch weiterhin meist angibt. In der Vertikalen scheint man sich mit den kontinentalen Längeneinheiten nicht ganz so schwer zu tun wie in der Horizontalen.

Der nördliche Küstenabschnitt Blackpools ist deutlich höher gelegen und der Marathonkurs deshalb mit einigen kleinen aber unangenehmen Steigungen gespickt

Schon während des ersten Aufstieges kommt ein seltsames Gebäude ins Blickfeld, das sich auf der anderen Seite von Trambahngleisen und Straße erhebt. Mehrere hohe und mit vielen Fenstern versehene Trakte legen nahe, dass es sich um ein Hotel handeln könnte. Doch drei zinnenbewehrte Türme in den Ecken erinnern entfernt auch an eine Burg. Und das ist durchaus Absicht, denn es handelt sich um das "Castle Hotel". Selbst abseits des größten touristischen Trubels ist Blackpool für den ortsfremden manchmal Beobachter doch ein wenig schräg.

Erst kurz bevor die Runde beendet ist, hat man dann wirklich den höchsten Punkt der Strecke erreicht. Und vorbei an dem "Jubilee Gardens" genannten kleinen Park, der das äußerste Ende der Grünzone markiert, senkt sich der Kurs langsam ab. Der Blackpool Tower, der die ganze Zeit am Horizont erneut die Richtung vorgab, ist inzwischen wieder deutlich größer geworden.

Jenseits der Straße fällt dabei noch ein relativ großes Hotel aus rotem Backstein ins Auge. "Savoy" steht weithin lesbar über dem Eingang. Doch der Name verspricht mehr als er halten kann. Wie vieles in Blackpool hat auch diese vermeintliche Luxusunterkunft, die inzwischen dem gleichen Konzern wie das Castle und das Metropole gehört, am Ende nicht unbedingt den allerhöchsten Standard. Statt Millionären gehen dort vielmehr hauptsächlich Durchschnittsbürger zu durchaus erschwingliche Preisen ein und aus.

Die Hotels an den Jubilee Gardens läuten die letzten Meter der Runde ein

Kurz darauf werden die beiden Felder auseinander sortiert. Die Farbunterlegung der Startnummer und zudem noch spezielle Nummerkreise machen das für die Helfer nicht allzu kompliziert. Wer als Mann blau oder als Frau rosa auf dem Trikot angebracht hat, darf nach rechts auf die mittlere Promenade einbiegen, wo auf die Halbdistanzler neben ziemlich markanten Säulenvorbauten das - übrigens im Gegensatz zum Start durch einen Heißluftbogen gekennzeichnete - Ziel wartet.

Die Marathonis werden dagegen wieder hinauf zur Straße geleitet, die auch auf der zweiten Runde noch vollständig für sie gesperrt ist. Das ist angesichts von deutlich weniger als fünfhundert Sportlern, die keineswegs mehr als dichte Pulks sondern längst weit auseinander gezogen über die zwar äußerste, aber trotzdem wichtigste Achse der Stadt laufen, schon ziemlich bemerkenswert.

Oben auf der höchstgelegenen Stufe der Promenade kreuzen die Marathonis vor dem Hotel dann doch noch einmal den Weg der schnelleren Kurzstreckler, die sich zurück zu den Umkleiden oder ihren Fahrzeugen begeben. Neben einer Medaille um den Hals haben diese auch eine Plastiktüte in der Hand. Zusätzlich zu einigen Müesli- und Schokoladenriegeln unterschiedlichster Ausprägungen befinden sich dem Beutel unter anderem auch noch Laufhandschuhe als Finisher-Geschenk.

Britische Marathonsammler mit viel Spaß auf der Strecke, von links nach rechts: Bill Howes, Dave Goodwin, Michael Grehan und Paul Richardson

Während der hintere Teil des Feldes gerade erst die zweite Rennhälfte in Angriff nimmt, hat die Spitze weiter unter - von diesen Stelle aber unsichtbar - das Hotel bereits wieder in die andere Richtung passiert und strebt längst zum zweiten Mal dem nördlichen Wendepunkt entgegen. Nigel Marley hat sich zu diesen Zeitpunkt schon ein wenig von seinen Verfolgern abgesetzt und läuft einem wenig umkämpften Sieg in 2:42:05 entgegen.

Beinahe noch ungefährdeter als Nigel Marley sichert sich Martin Cain mit 2:44:43 Platz zwei. Norman Green kann dagegen erst kurz vor Schluss den Fuß endgültig vom Gas nehmen. Der Gesamtdritte und Gewinner der M45 hat mit 2:48:41 schließlich gerade einmal eine Minute Luft auf Richard Cockbain und Gerrard Moore, die sich in 2:49:45 und 2:49:51 ein enges Duell um die Ränge vier und fünf liefern.

Vom Leistungsniveau ziemlich gut zur Siegerzeit bei den Herren passen die 3:06:59, mit denen Julie Finn den Damen erfolgreich ist. Alison Reid liegt nach 3:14:59 dann doch schon deutlich zurück auf Rang zwei. Und wie bei den Männern wird mit Caroline Hemming eine Läuferin aus der Altersklasse der über Fünfundvierzigjährigen Gesamtdritte.

Auf der zweiten Runde wird es auf der Promenade deutlich einsamer, Radfahrer und Angler sorgen jedoch für Belebung

Während Besetzung bei den Frauen im Hinblick auf die Zeiten also durchaus überzeugen kann, fällt sie für angelsächsische Verhältnisse quantitativ dann doch eher schwach aus. Nicht einmal fünfzehn Prozent beträgt der Anteil der weiblichen Starterinnen auf der langen Distanz. Auch eine Drei-Stunden-Quote von ziemlich genau vier Prozent entspricht ungefähr dem, was sich hierzulande bei Veranstaltungen dieser Kategorie beobachten lässt. Zumindest diesbezüglich ist Blackpool also nicht allzu weit weg.

Ansonsten ist dieser Ferienort aber durchaus ein wenig anders, als man es von zuhause gewohnt ist. Und selbst wenn man sich danach sicher sein sollte, nicht mehr dorthin zurück zu wollen oder zumindest keinen längeren Urlaub in Blackpool zu verbringen, hat dieses typisch britische Seebad sehr wohl einen gewissen Reiz. Der Marathon bietet auf jeden Fall eine recht gute Gelegenheit es einmal kennen zu lernen. Er zeigt auf seiner Strecke schließlich ziemlich viele Facetten der Stadt.

Außerdem geht es im März auch noch relativ ruhig zu. Und man kann aus Unterkünften praktisch jeder Kategorie nahezu völlig frei auswählen. Dass man selbst im britischen Sommer keine Garantie für gutes Wetter bekommt, aufgrund des Golfstromes das Winterhalbjahr andererseits aber auch ziemlich mild ausfällt, ist da im gerade erst beginnenden Frühjahr eher ein zusätzliches Argument.

Rote Pfeile zeigen den Läufern den Rückweg zum Ziel unterhalb des Hotels

Die klassischen Lauftouristen wird der Blackpool Marathon wohl nicht unbedingt anziehen. Die finden schließlich um diese Zeit zum Beispiel mit Rom und Barcelona bereits ganz andere Ziele im Kalender. Wer allerdings immer wieder einmal neue Erfahrungen mit eher mittelgroßen landestypischen Veranstaltungen machen möchte, ist mit dem solide organisierten Rennen im nordenglischen Badeort sicher nicht schlecht beraten.

Abschrecken lassen muss man sich von der Rummelplatzatmosphäre in einigen Ecken der Stadt jedenfalls definitiv nicht. Denn so wenig wie Mallorca nur aus "Ballermann" besteht, ist Blackpool einzig und allein Central Pier, Pleasure Beach und Sandcastle Waterpark. Wer sich die Mühe macht, sich das Ganze einmal genauer anzusehen, wird auch vieles andere finden. Ziemlich britisch ist allerdings das meiste davon.

Bericht und Fotos von Ralf Klink

Ergebnisse und Infos www.fyldecoastrunning.com

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