5.3.17 - 12. Runatolia Marathon - Antalya (Türkei)

Königsdisziplin mit Problemen

Stabile Teilnehmerzahlen, aber viele Deutsche bleiben zu Hause

Tod eines 36jährigen HM-Läufers überschattet die Veranstaltung

von Michael Schardt

Bei der zwölften Auflage konnte der Marathon in Antalya erstmals keine neue Rekordteilnehmerzahl vermelden, aber Werte wie im Vorjahr. Die nach dem Istanbul Marathon zweitgrößte Laufveranstaltung in der Türkei wuchs also erstmals nicht. Das liegt sicher auch daran, dass es nicht mehr so viele ausländische Teilnehmer gab, aber auch daran, dass der Boom der einheimischen Läufer offenbar seinen Zenit fast erreicht zu haben scheint. Nachdem zuletzt der seit 2008 angebotene Lauf über zehn Kilometer boomte, sorgte in den nachfolgenden Jahren die enorm gestiegene Anzahl der Halbmarathonläufer dafür, dass der Boom anhielt. Beide Läufe hatten 2017 leichte Rückgänge gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Dagegen war die Beteiligung ausländischer Läufer im gleichen Zeitraum stark rückläufig.

Strahlend blauer Himmel bei der 12. Auflage des Antalya Marathons Alle Distanzen sind Wendepunktstrecken mit Begegnungseffekt
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Vor allem dürften die politische Entwicklung in der Türkei dafür verantwortlich sein, die Konflikte der EU-Länder mit der Erdogan-Regierung und die steigende Zahl der Anschläge, von denen auch Antalya noch 2016 betroffen war. Vor allem blieben Läufer aus Großbritannien der Veranstaltung fern, aber mehr noch die aus Deutschland. Davon, dass der Marathon in Antalya beim Debüt 2006 fast nur deutsche Läufer am Start sah, ist fast nichts mehr übrig geblieben. Der Tourismus in der Türkei hat in den letzten ein, zwei Jahren einen erheblichen Dämpfer bekommen, welcher in gleichem Maße auch bei Laufveranstaltungen spürbar wird.

Zeichen gesetzt

Die Deutschen hatten einst die Türkei zu einem ihrer Lieblingsurlaubsländer erkoren, sind inzwischen aber skeptisch, ja ängstlich geworden und verbringen ihren Jahresurlaub mehr und mehr in Griechenland und vor allem Spanien. Wer aber weiterhin die türkische Riviera bucht, wird die Skepsis kaum teilen und wird im Alltag nichts spüren von etwaigen Gefahren. Diese sind schlichtweg nur theoretisch gegeben, oder besser: so präsent beziehungsweise nicht präsent wie anderswo in Europa oder Deutschland auch.

Ein Ata-Türk-Denkmal gibt es in jeder türkischen Stadt, natürlich auch in Antalya. Je größer der Ort, desto größer das Denkmal Der idyllisch gelegene Hafen

Das war für Sabine und Elmar Gerner aus dem fränkischen Höchstadt der Grund, ein kleines Team um sich zu versammeln und ein Zeichen zu setzen gegen die negative Berichterstattung und die vielen Vorurteile. Mit ihrer Teilnahme am Halbmarathon in Antalya, der Partnerstadt Nürnbergs, danken sie für die hier oft erfahrene Gastfreundschaft. "Wir wollen eine positive Botschaft senden an die Menschen in der Türkei", erklärt Elmar Gerner, "ohne politische Polemik und Polarisierung." Entsprechend lautete das Motto auf ihren Laufshirts in türkischer und deutscher Sprache: "Zu Gast bei Freunden. Wir lieben die Türkei". Die Gerners, die von einer großen einheimischen Fangemeinde aus dem Ort Side unterstützt wurden, wo beide seit Jahren Urlaub machen, hoffen, mit ihrem Slogan zum Nachdenken anzuregen.

Rund 2000 Jahre alt ist das Hadrianstor, das einzige erhaltene Stadttor, durch das man zur verwinkelten Altstadt von Antalya gelangt, und eine der Hauptsehenswürdigkeiten Minarett-Türme prägen das historische Stadtbild

"Wir haben in den vielen Jahren in der Türkei zahlreiche Freunde gefunden", sagt Sabine Gerner. "Leider erleben wir sowohl bei den deutschen Urlaubern als auch bei unseren türkischen Freunden eine zunehmende Verunsicherung." Dem wollten sie mit ihrer privaten Initiative anlässlich des Antalya Marathons entgegenwirken.

Perle an der türkischen Riviera

Antalya hat etwa 1,5 Millionen Einwohner, der Kern zirka 800.000. Die Stadt ist ein lohnendes Reiseziel und blickt auf eine mehr als zweitausendjährige Geschichte zurück, die bis lange vor die römische Zeit reicht. Steinerne Zeugnisse aus dieser Epoche finden sich vor allem in der historischen Altstadt, die komplett zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt wurde. Wer hier ein Anwesen erwirbt, muss strenge bauliche Auflagen erfüllen, sonst drohen harte Strafen. Die Erhaltung der alten Substanzen und der architektonischen Gegebenheiten stehen da an oberster Stelle. Oft ist die Instandsetzung teurer als der ohnehin kostspielige Erwerb von Grund und Boden. Nur sehr reiche Leute oder solvente Firmen können sich hier ein Haus leisten.

Ein beliebtes Souvenir aus der Türkei ist das Nazar-Amulett. Im Volksglauben haben Menschen mit hellblauen Augen einen unheilvollen Blick, der durch ein ebenfalls blaues Auge als Gegenzauber diesen Blick bannen soll Für karnevalesk-bunte Stimmung sorgen am Vortag des Marathons viele verkleidete Künstlergruppen und Privatleute

Antalya ist eine Boomtown und lebt überwiegend vom Tourismus. Besonders gerne kamen (und kommen) Deutsche hierher, die mit ihrem Wunsch nach Rundumbetreuung auch die Art der Bewirtung und Hotelführung maßgeblich beeinflussten. In den letzten Jahren waren in fast gleichem Maße Russen in der Metropole zu Gast. So entstanden im Ring um die Altstadt und in den Außenbezirken immer mehr vielgeschossige 5-Sterne-Hotels, um dem rasant steigenden Beherbergungsbedarf gerecht werden zu können. Über fünfzig Luxushotels mit vielen tausend Betten wurden seit 2013 jährlich fertiggestellt. Und trotz der Tourismuskrise wird eifrig weitergebaut.

Städtische Attraktionen

Die Stadt wächst sehr schnell. Man rechnet schon in wenigen Jahren für die Metropolregion mit der Überschreitung der 5-Millionen-Einwohnergrenze. Wie man dann mit dem jetzt schon enormen Verkehr fertig werden will, lässt sich kaum abschätzen. Parallel wachsen das kulturelle Angebot und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Recht neu und eine besondere Attraktion ist das weltweit größte Aquarium mit langen Tunnelgängen für die Millionen Besucher jedes Jahr. Es steht gleich gegenüber dem Kulturpark, wo die Hauptläufe gestartet werden. Viel Wert wird auch auf die zahlreichen Parkanlagen gelegt, wo man sich vom großstädtischen Betrieb erholen und zur Ruhe kommen kann. Auch die Läufer nutzen gerne die Gärten vor der großen läuferischen Herausforderung.

Ganz in Weiß. Zum Samstagsprogramm gehört ein beliebtes Bambinirennen über 200 Meter ... ... sowie ein Volkslauf über knapp vier Kilometer ohne Zeitmessung, bei dem viele hundert Teilnehmer mitmachen

Die Schlagzeile des 12. Antalya Marathons dürfte der erstmals zu registrierende, leichte Teilnehmerrückgang auf den drei Hauptstrecken sein. Hatten 2013 noch 3167 Läufer das Ziel erreicht, waren es 2014 schon 3907 Finisher. 2015 und 2016 steigerten sich die Teilnehmerzahlen über 4600 (2015) bis knapp über 5000 (2016). Bei der diesjährigen Auflage zählte man für die drei Hauptläufe (10km, HM, M) ebenfalls knapp 5000 Läufer bei rund 7500 Anmeldungen. Zusammen mit den Rahmenwettbewerben (Volkslauf über 4km, High-Heels-Lauf, Bambinilauf) dürfte die Teilnehmerzahl die Marke von 6000 deutlich überschritten haben.

Der Vortag

In den ersten Jahren waren die Nebenwettbewerbe am gleichen Tag wie die Hauptläufe, inzwischen kommen die Kids und Funläufer - und seit 2012 die High-Heels-Sprinterinnen - am Vortag zum Einsatz. Schauplatz des Geschehens ist eine riesige Shoppingmole, das Terra City Einkaufszentrum, das etwa fünf Kilometer vom Start der Hauptläufe entfernt liegt und einen Transfer nötig macht. Im Terra City werden auch die Startunterlagen und die im moderaten Startgeld inkludierten Funktionsshirts ausgegeben, was dem Zentrum eine hohe Zahl zusätzlicher Besucher beschert. Oben, auf dem Dach des Kaufhauses, fand unter strahlend blauem Himmel die ebenfalls im Startgeld enthaltene Pastaparty statt. Jeder, der hungrig war, konnte sich aus verschiedenen Nudel-, Salat und Soßentöpfen so lange bedienen, wie er mochte.

Die Glaspyramide von Antalya, eine Kultur- und Ausstellungshalle, fungiert als Logistikzentrum des Marathons. Hier ist die Kleiderbeutelabgabe, sind Duschen und Umkleiden und in unmittelbarer Nähe Start und Ziel Im Park um die Pyramide findet während der Veranstaltung ein facettenreiches Kultur- und Musikprogramm statt. Bei Sonnenschein halten sich die Teilnehmer fast ausschließlich draußen auf und knipsen Gruppenfotos

Der sportliche Auftakt gehörte den Jüngsten. Gegen zehn Uhr am Samstag wurde der Bambinilauf angeschossen. Mehrere hundert Kinder, die nicht älter als sieben Jahre alt sein dürfen, sausten, ganz in weiß gekleidet, über eine 200 Meter lange Wendepunktstrecke. Ein schönes Bild, das besonders von ihren erwachsenen Begleitern frenetisch beklatscht wurde.

Gemessen an der Medienpräsenz ist die Hauptattraktion des Vortags aber der High-Heels-Lauf. Dessen Regeln sind streng. Die Absätze müssen mindestens sieben Zentimeter hoch und 1,5 Zentimeter breit sein. Eine nicht ungefährlich scheinende Angelegenheit, weshalb sich die erfahrenen Sprinterinnen ihr Laufwerkzeug mit Klebebändern aus dem Baumarkt an die Füße heften. Mogeln kann hier niemand, denn die Absatzhöhe wird mit Maßband streng kontrolliert. Aus Sicherheitsgründen wird der Stöckelschuhlauf unterteilt. Nur zehn Läuferinnen werden pro Lauf zugelassen. Bei der Erstauflage 2012 sollen beim ersten Event dieser Art in der Türkei noch einhundert Mädchen und junge Frauen mitgemacht haben. Diesmal waren knapp fünfzig Meldungen eingegangen, aber nur die Hälfte trat tatsächlich an. Das Ganze ist nicht unaufwendig für die Organisatoren, denn es wird mit Zeitmesschip am Fuß gelaufen. Die schnellste Zeit über die ordnungsgemäß vermessene Strecke von hundert Metern lief ein junges Mädchen namens Ezgi Erdem, das nur 16,30 Sekunden brauchte. Als Lohn gab es einen wertvollen Einkaufsgutschein.

Publikumsmagnet: High-Heels-Sprints über 100 Meter sind die große Attraktion am Samstag. Das Tempo ist hoch, so dass der Kameramann trotz flachem Schuhwerk kaum mithalten kann ... ... in vier Rennen wird um hohe Siegprämien gefightet. Die Schuhe, mindestens sieben Zentimeter hoch, werden mit Klebeband fixiert, damit sie unterwegs nicht verloren gehen (Foto: Tatjana Eberhardt)

Kurz nach dem Stöckelschuhlauf findet zum Abschluss des Samstags noch ein Familienvolkslauf über knapp vier Kilometer statt. Zwar heften sich die rund 500 Teilnehmer eine kostenlose Startnummer an die Brust, doch findet der Lauf ohne Zeitmessung statt. Abgesteckt ist eine schöne Strecke, die zur Hälfte an der Küste vorbeiführt. Jeder, der den Lauf beendet, erhält im Ziel als Belohnung kleine Geschenke.

Das Handy hat auch das Laufverhalten geändert. Hier hantieren drei von sechs Läufern mit ihrem mobilen Fernsprechapparat herum Über 10 km sind viele Charitygruppen unterwegs, die keine ehrgeizigen Ziel verfolgen, sondern aus Spaß an der Freude dabei sind

Der Zehner

Am Sonntag, dem Hauptlauftag, stehen drei Rennen auf dem Programm. Um neun Uhr gehen die Marathon- und Halbmarathonläufer gemeinsam an den Start. Eine halbe Stunde später folgen die 10-km-Läufer. Bei allen drei Läufen handelt es sich um Wendepunktstrecken, wobei der Zehner keine direkte Kehrtwende hat, sondern über eine kurze Schleife auf die Hauptstrecke zurückgeführt wird. Sowohl der Zehner als auch der Halbmarathon liegen auf der Marathonstrecke.

Konfettiregen: Start des 10-km-Laufs mit rund 3000 Teilnehmern
(Foto Heidi Lesch)
Der Lauf über 10 km ist das beliebteste Rennen. Der schnellste Mann braucht gut dreißig Minuten, aber noch nach 150 Minuten kommen Teilnehmer ins Ziel

Attraktiv ist zweifelsohne, dass die Streckenführung aller Distanzen sehr eng am Meer liegt, auf das man immer wieder einen bezaubernden Blick werfen kann. Schön ist auch, dass viele der städtischen Sehenswürdigkeiten passiert werden. Der Marathon führt von der Glaspyramide im Kulturpark Richtung Osten bis zum Stadtteil Lara Beach, wo neben einem Militärareal und dem Wasserwerk der Wendepunkt liegt und die Halbmarathonmatte überquert wird. Auf der gleichen Piste geht es dann zurück zur Pyramide. Die Halbmarathonis drehen nach 10,55 km um, während die Marathonis weiter geradeaus laufen. Die Zehner laufen nach 5 Kilometern zurück. Alle Strecken sind nach AIMS-Richtlinien vermessen.

Ab hier haben die 10-km-Läufer noch rund 1200 Meter zu laufen Das Ziel erreichten fast so viele Frauen wie Männer

Gut 2900 Läufer erreichten über zehn Kilometer das Ziel, rund hundert weniger als im Vorjahr. Als schnellste konnten sich bei den Frauen Christin Wilken in 41:13min vor Nagme Burguc in 45:24 und bei den Männern Tilahun Vorku Aliyev in 32:12min vor Erencan Kaya in 33:37min durchsetzen. Auffällig im Gegensatz zu 10-km-Läufen in Deutschland war, dass es sehr viele sehr langsame Läufer gibt. Ein Teil davon begibt sich von vornherein nicht aus sportlichen Gründen auf die Strecke, sondern geht und wandert für einen guten Zweck innerhalb einer Charitygruppe. Diese Teilnehmer brauchen oft anderthalb bis über zweieinhalb Stunden. Da die letzten 1500 Meter nicht mehr - wie noch vor Jahren - auf der Hauptstraße liegen, über die auch der Start erfolgt, sondern auf schmalen Wegen durch den schönen Kulturpark führen, müssen die schnellen und mittelschnellen Halbmarathonis einen Zickzackkurs durch die hintere Läuferschar des Zehners nehmen. Zuweilen ist die Strecke dann regelrecht verstopft. Die Streckenrekorde über zehn Kilometer werden gehalten von dem Türken Bekir Karayel in beachtlichen 29:30min und von Mariam Tanga aus Äthiopien in 33:09min. Beide datieren aus 2009.

Kurz vor dem Marathonstart nehmen die Rollies ihr Rennen über 42,2 km auf Startaufstellung für knapp 300 Marathonis und über 2600 Halbmarathonläufer

Tragischer Zwischenfall beim Halbmarathon

Beim gemeinsamen Start des Halb- und Vollmarathons ereignete sich eine kuriose Situation. Als der Moderator darauf hinwies, dass der Startschuss in zwei Minuten erfolgen würde, betätigte ein Zuschauer eine Hupe oder ähnliches Signalinstrument, das ein Mann in der ersten Reihe als Beginn des Rennens deutete. Zwar zögerten die anderen Läufer noch kurz, folgten aber dann doch dem Frühstarter, so dass das Feld trotz aller Bemühungen der Organisatoren nicht mehr aufzuhalten war. Für die Auswertung spielte das aber keine Rolle, da die Nettozeiten für die Rangfolge herangezogen wurden.

Die Podiumsplätze beim Halbmarathon gingen ausschließlich an türkische Läuferinnen und Läufer. Bei den Männern siegte der 24-jährige Fetene Alemu Regasa in 1:11:27h (alle Zeitangaben brutto), nachdem er bei Halbzeit noch auf einer Zielzeit von unter 1:10h gelegen hatte. Ihm folgten Mehmet Soytürk in 1:12:18h und Ramazan Bostanci in 1:12:37h vor dem zeitgleichen Taner Kiris. Eine ordentliche Leistung erbrachte der 1988 geborene Deutsche Tim Klatt, der nach 1:20:47h finishte und damit hinter 18 Türken Rang 19 erreichte.

Gemeinsamer Start des Marathon und Halbmarathon Der Deutsche Tim Klatt (Startnummer 2270) positioniert sich gleich im Vorderfeld. Er wird 19. und in 1:20:47h schnellster Nichttürke

Bei den Frauen siegte nach zwei gleichmäßig gestalteten Hälften die erst 19 Jahre alte Yayla Kilic in 1:21:55h. Ihr folgten die am Schluss stark aufkommende Nursel Karatas (1:22:38h) sowie Nevin Sahin (1:23:37h). Auf Platz fünf landete die Französin Virginie Arslan, die 1:41:27h brauchte. Beste Deutsche und Vizemeisterin der W45 wurde Tatjana Eberhardt vom AC Apolda auf dem 19. Rang. Die Triathletin aus Thüringen finishte ihr Rennen nach 1:48:33h. Die Streckenrekorde stammen von James Kirwa aus Kenia (2007; 1:04:00h) und Bahar Dogan aus der Türkei (2009; 1:12:43h).

Der Lauf wurde von einem Todesfall überschattet. Ein 36-jähriger türkischer Läufer, der seinen dritten Halbmarathon bestritt, war kurz vor dem Ziel zusammengebrochen. Obwohl der medizinische Dienst und der Rettungswagen binnen weniger Sekunden an Ort und Stelle waren und sofort die Reanimation einleitete, konnte sein Leben nicht mehr gerettet werden. Die Ursache soll bei einer Obduktion festgestellt werden.

Bei km drei legen sich die Marathonis mit Blick aufs Mittelmeer nach links in die Kurve Zwischen km vier und fünf wird zwischen Parks und Wohnhäusern das Zentrum passiert

Immer weniger Marathonis

Auf die Verpflichtung von ostafrikanischen Spitzenläufern für den Marathon, wie noch zu Beginn, haben die Organisatoren bei den letzten Austragungen verzichtet. So auch 2017. Zur Folge hatte dies freilich, dass sich die Siegzeiten bei Männern und Frauen verschlechterten - trotz nach wie vor lohnenswerter Siegprämien. Insofern stammen die Streckenrekorde (auch die im HM und über 10 km) aus den Jahren 2009 und früher. Bei den Männern hält Phillip Makau Muia aus Kenia die Bestleistung (2:16:14h); bei den Frauen ist es Kristijna Loonen aus den Niederlanden (2:42:55h). Beide Rekorde stammen aus 2008.

Bezüglich der Teilnehmerzahl hatte die Königsdisziplin gegenüber den beiden kürzeren Distanzen immer schon das Nachsehen. Sie lagen zwischen 220 Finishern im Gründungsjahr 2006 und 434 im Jahr 2011. Nach stabilen Zahlen 2014 und 2015 wurde die Beteiligung wieder geringer und rutschte in diesem Jahr mit 276 Läufern im Ziel sogar unter die Marke von 300. Die Beteiligung 2017 ist (nach der Premiere 2006) die zweitkleinste in der Geschichte. Verantwortlich hierfür dürften fast ausschließlich die fehlenden ausländischen Läufer sein, denn deren prozentualer Anteil war immer deutlich höher als bei den Unterdistanzen. (Für einen Marathon reist man schon mal eher in andere Länder als für einen Halbmarathon oder Zehner.) Besonders klein fiel dieses Jahr die Beteiligung der Frauen aus. Hatte man früher schon mal 18 Prozent erreicht, waren es heuer nur noch sieben Prozent (19 Frauen).

Die HM- und Marathonstrecke führt immer nahe am Wasser lang. Hier km sieben
Gegenverkehr: Bei km 10,5 km liegt für die HM-Läufer der Wendepunkt. Links eine dreiköpfige Verfolgergruppe mit Plätzen zwischen 7 und 10; rechts das langgezogene Mittelfeld ...

Die 19 Finisherinnen verteilen sich auf fünf Länder: Türkei (14), Deutschland (2) sowie Russland, USA und Österreich (je 1). Siegreich war mit über einer halben Stunde Vorsprung die Russin Natalia Gyurten. Die 48-Jährige siegte in 3:11:57h. Dahinter kamen die beiden Türkinnen Anil Dertli (3:37:06h) und Vesile Yilmaz Anatca (3:39:04h) sowie die Österreicherin Eva Maria Firat (3:46:06h) auf die Plätze. Schnellste Deutsche wurde die W55erin Elvira Suck vom TV Langenberg in 4:28:22h. Das Männerrennen sah 24 Türken vor dem ersten Deutschen. Serdar Cetin kam in 2:37:04h zum Sieg vor Murat Kaya (2:39:54h) und Mehmet Aydingör (2:42:39h). Auf Rang 25 platzierte sich mit Mustafa Karaokutan der erste Deutsche (3:13:17h). Zu früheren Siegern gehört die Rheinländerin Birgit Lennartz (2010 und 2011).

Ausblick

Die zwölfte Edition des Runatolia Marathons, der einstmals als Runtalya Marathon an den Start ging und sehr stark auf deutsche Läufer zugeschnitten war, lässt ein überwiegend (aber nicht ausschließlich) positives Fazit zu. Die politischen Spannungen und terroristischen Anschläge der jüngsten Zeit haben ihre Auswirkungen auf eine ganze Branche, der touristischen nämlich, nicht verfehlt, und damit auch die lauftouristische getroffen. Das merken nicht nur die Organisatoren des Istanbul Marathons, sondern auch die in Antalya. Für all das sind äußere Umstände verantwortlich.

Den Marathon gewinnt Serdar Cetin aus der Türkei in 2:37:02h Halbmarathonsiegerin wird seine Landsfrau Yayla Kilic Schnellste Deutsche im HM und 2. der AK W45 wird die Triathletin Tatjana Eberhardt vom AC Apolda in Thüringen

Die Durchführung des Antalya Marathons war - wie in den Jahren zuvor - professionell und ging ohne größere Probleme über die Bühne. Die Leistungen, die den Läufern zugutekamen, waren, bei äußerst moderatem Startgeld, sehr gut (einschließlich Pastaparty, Finishershirt und großer Medaille). Etwas Luft nach oben besteht sicher noch bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit. Die Homepage in türkischer und englischer (und früher auch deutscher) Sprache könnte früher und nicht erst vier Monate vor dem Lauf an den Start gehen, und der Lauf könnte eine größere Bekanntheit erlangen, wenn er für deutsche Läufer mehr im Netz und in Laufmagazinen beworben würde.

Die einzige Streckenänderung des diesjährigen Laufs betrifft die letzten 1,5 km, der nicht mehr auf einer Hauptstraße endet, sondern durch den schönen Kulturpark führt. Nachteil: der Weg ist sehr eng und zuweilen verstopft Der Zieleinlauf
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Für deutsche Läufer ist sicher besonders vorteilhaft, dass Öger Tours ihn wieder ins Reiseprogramm genommen hat und günstige Rundum-Sorglospakete anbietet. Aber auch hier ist leider vieles auf eine kurzfristige Planung ausgerichtet, so als ob Läufer sich mehrheitlich spontan zu einem Marathon entscheiden würden. Das früher angebotene und dem Marathon eine Woche vorgelagerte Laufseminar an der Türkischen Riviera gibt es zum Bedauern der Teilnehmer vorerst nicht mehr und harrt seiner Wiedereinführung.

Ein Wiederansteigen deutscher Beteiligung beim Runatolia Marathon wäre sicher (trotz der widrigen äußeren Umstände) zu erreichen, wenn das Reiseprogramm strukturell und terminlich konkreter auf die Bedürfnisse der Marathonläufer ausgerichtet würde. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre es hilfreich, Lauffachleute beratend heranzuziehen.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Reinhard Jacobs
+ je 1 Foto von Tatjana Eberhardt und Heidi Lesch

Informationen und Ergebnisse www.runatolia.com

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Reinhard Jacobs

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