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Herbert Steffny |
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Der Bronzemedaillengewinn bei der Europameisterschaft war der Höhepunkt der Karriere. Als Seminarleiter und Buchautor erfolgreich. Am 4. September 2003 wurde Herbert Steffny, der nun schon seit vielen Jahren in Titisee lebt, 50 Jahre alt. Seinen größten Erfolg feierte er 1986 als er als 32 jähriger bei der Europameisterschaft in Stuttgart die Bronzemedaille im Marathon holte. Es war die erste internationale Medaille eines bundesdeutschen Marathonläufers. |
Im laufenden Jahr 2003 wurde er bereits zweimal in seiner neuen Klasse, der M 50, Deutscher Meister. Zunächst gewann er die deutsche Crosslaufmeisterschaft und wenig später die deutsche Marathonmeisterschaft.
Neben dem Gewinn der Bronzemedaille stehen 15 Deutsche Meisterschaften (10 000 m, 25 km, Marathon, Cross und Berg), Siege bei Marathon Klassikern wie Frankfurt (1985, 1989, 1991), München (1989), Pitsburgh (1991) und ein dritter Platz beim New York Marathon (1984) auf seinem Erfolgskonto sowie die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988, an der Weltmeisterschaft 1987 und am Marathon Weltcup 1985. Unzählige Landesmeisterschaften und Siege bei Cityläufen ergänzen seine eindrucksvolle Erfolgsbilanz.
Dabei gelang es Herbert Steffny immer wieder, sich von verletzungs- und krankheitsbedingten Rückschlägen aufzuraffen und Enttäuschungen wegen Nichtnominierungen durch den DLV wegzustecken. Durch überzeugende Leistungen gab er die entsprechenden Antworten.
Seinen ersten Wettbewerb bestritt Steffny, der in Trier geboren wurde und dort aufwuchs, als neunjähriger Junge. Weil dem TVG Trier zwei Läufer für die 4 mal 50 Meter Staffel fehlten, sprangen er und sein jüngerer Bruder ein. "Die Urkunde habe ich heute noch", erinnert sich Steffny, der aus einer sportbegeisterten Familie stammt, gerne an sein erstes Wettkampferlebnis.
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Erfolge hatte er auch im Mehrkampf. Vor allem der Hochsprung, und der damals neu aufkommende "Fosbory-Flop" bereiteten ihm Freude. "Ich sprang als 15 jähriger 1,68 Meter und konnte mich damit im Rheinland unter den zehn Besten platzieren", erinnert sich Steffny. Sein Talent für die längeren Strecken kristallisierte sich erst nach einem Wachstumsschub heraus. Siege bei regionalen Crossläufen, Siege bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften sowie zweite Plätze bei den Rheinlandwaldlauf- und deutschen Crosslaufmeisterschaften deuteten auf eine verheißungsvolle Karriere hin. |
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Doch 1972 unterbrach er zunächst einmal seine Laufbahn. „Der Übergang in die Juniorenklasse hatte nicht ganz so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte, dazu kam noch das Biologie Studium. Außerdem hatte ich ganz andere Sachen als Laufen im Kopf. Ich spielte in einer Rockband Schlagzeug".
Nach elf Jahren "Abstinenz" vom Leistungssport begann Steffny 1983 seine zweite Karriere und schloss sich dem PTSV Jahn Freiburg an. Im gleichen Jahr wurde er Deutscher Hochschulmeister und Deutscher Seniorenmeister (M30). Beide Titel errang er über 10000 Meter. Nur ein Jahr später gewann er in Waldniel die deutsche Meisterschaft über 25 km. Den Marathontitel hatte er zuvor als Zweitplatzierter nur um sechs Sekunden verpasst. Erstmals trug er 1984 das Nationaltrikot.
Trotz der guten Leistungen und der Erfüllung der Olympianorm wurde Steffny vom DLV nicht für die olympischen Spiele 1984 in Los Angeles nominiert. Er sei zu alt, begründete der DLV gegenüber dem damals 31-Jährigen. Eine groteske Aussage, berücksichtigt man, dass gerade im Ausdauersport die älteren ganz weit vorne zu finden sind. Mit Wut im Bauch schaffte er noch im Olympiajahr beim New York Marathon mit einem ausgezeichneten dritten Platz den internationalen Durchbruch. 1985, mittlerweile gehörte er zum B-Kader, verteidigte er seinen deutschen 25 km Titel und gewann die deutsche Marathonmeisterschaft.
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Das Jahr 1986 stand ganz im Zeichen der Europameisterschaften in Stuttgart. Als erster Läufer der Bundesrepublik gewann er als Bronzemedaillen-Gewinner mit der Zeit von 2:11:30 Stunden bei einer internationalen Meisterschaft im Marathonlauf eine Medaille. 1986 verlieh ihm die Deutsche Olympische Gesellschaft die "Fairplay-Medaille". Für eine Überraschung sorgte er 1987, als er bei den deutschen Meisterschaften über 10000 Meter die Spezialisten besiegte und sich damit seine erste deutsche Meisterschaft auf der Bahn holte. |
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Ein weiterer Karrierehöhepunkt sollten die olympischen Spiele 1988 in Seoul werden. Auf Grund seiner guten Resultate war er vom DLV für Seoul vornominiert, so dass er sich intensiv auf die Spiele vorbereiten konnte. Doch das Olympiapech blieb ihm treu, die Mannschaftsärzte erteilten ihm wegen einer fiebrigen Grippe unmittelbar vor dem Rennen Startverbot. Auch diese Enttäuschung steckte er weg und stellte die nacholympische Saison unter das Motto "Rache für Seoul“. Den großen Worten ließ er prompt Taten folgen. Er gewann die deutsche Crosslaufmeisterschaft und wurde mit der Mannschaft Vizemeister, er gewann mit dem PTSV Jahn Freiburg die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Berglauf und siegte beim München Marathon mit der deutschen Jahresbestzeit.
Auf Grund seiner Leistungen liebäugelte Steffny mit der Teilnahme an den olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Die Norm schaffte er wie 1984 und 1988 erneut, doch durch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hatte der Bundestrainer die "Qual der Wahl". Drei Marathonläufer durften mit und Steffny musste Zuhause bleiben. Von da an hatte der "Neu-Schwarzwälder", er war mit seiner Familie an den Titisee gezogen, mit einigem Verletzungspech zu kämpfen. Zwei Achillessehnen-Operationen zwangen ihn zu einer rund zweijährigen Trainings- und Wettkampfpause.
1995 gelang dem 42-jährigen Ausnahmeläufer, der sich zwischenzeitlich dem LC Breisgau angeschlossen hatte, ein eindrucksvolles Comeback. Schon im Frühjahr lief er beim Boston Marathon 2:21:38 Stunden. Mit 2:18:35 Stunden blieb er im Herbst beim Twin City Marathon nach seiner langen Verletzungspause erstmals wieder unter der immer noch begehrten 2:20 Stunden Marke und gewann die in den USA hoch dotierte Masterwertung. Zuvor hatte er bereits im Halbmarathon mit 1:05:41 Stunden einen neuen deutschen Masterrekord aufgestellt. Ein Jahr später trumpfte Steffny nochmals ganz groß auf. Er gewann beim 100. Boston Marathon die Masterwertung. Trotz starker Schmerzen hielt er den Lauf durch und erreichte mit 2:19:33 Stunden nochmals eine akzeptable Zeit. Doch das war für einige Jahre der letzte Lauf, der für Schlagzeilen sorgte.
Die Probleme mit der Achillessehne ließen keine weiteren Wettbewerbe, und das dazu gehörende Trainingsprogramm, zu. Auch diese Krise überwand er und meldete sich Anfang des Jahres mit guten Ergebnissen in der Laufszene zurück.
Seit 1989 veranstaltet Steffny Ausdauerseminare, die auf große Resonanz stoßen. Die Seminare finden im Inland und im Ausland statt. Einschließlich der Firmenseminare waren es bisher rund 500. Bei den Seminaren im Hochschwarzwald wird das Laufen im Sommer durch Mountainbike und im Winter durch Skilanglauf ergänzt. Mit dem mehrfachen Deutschen Berglaufmeister und Olympiakoch Charly Doll, dem Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 1960 Georg Thoma, dem mehrfachen Deutschen Skilanglaufmeister Peter Zipfel, um nur einige zu nennen, hat Steffny ein namhaften Referententeam zusammengestellt, welches durch bekannte Sportärzte, wie etwa Dr. Birnesser, ergänzt wird.
Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Buchautor gemacht. Fünf Bücher zu den Themen Lauftraining, Walking, Marathon, hat er mittlerweile geschrieben, wovon sich „Perfektes Lauftraining“, mit nunmehr 400 000 verkauften Exemplaren, als Bestseller entwickelt hat. Gemeinsam mit Charly Doll gibt es ein Buch, das sich intensiv mit Ernährungslehre auseinandersetzt, Kochrezepte ergänzen das Werk.
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Zur Zeit arbeitet er an einem umfassenden Handbuch zum Thema „Walking, Jogging, Running“. „Dieses Buch geht noch mehr in die Tiefe und ist in vielen Bereichen ausführlicher mit mehr Trainingsplänen. Auch Themen wie „Fit im Alter" werden ausführlich behandelt. Ist ja schließlich auch mein Thema. Hier bin ich mein eigenes Versuchskaninchen. Ich möchte nicht über Dinge schreiben, die ich nicht selbst auch tue.“ |
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte der Titiseer, als er den damaligen Fraktionschef der Grünen und jetzigen Außenminister Joschka Fischer bei dessen Marathon-Debüt in Hamburg zum Erfolg führte. Steffny hatte Fischer nicht nur am Marathontag begleitet, sondern ihn intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet.
Langweile wird es also auch in den nächsten Jahren im Leben von Herbert Steffny nicht geben, als Läufer, Trainer, Seminarleiter und Buchautor wird er sich über mangelnde Aktivitäten nicht beklagen können. Im sportlichen ist auch der alte Ehrgeiz wieder erwacht: „Wenn ich gesund und verletzungsfrei bleibe, will ich die deutschen Rekorde in der M 50 (Marathon und Straße) verbessern und im nächsten Jahr bei der Senioren Europa- und Weltmeisterschaft teilnehmen.“
Beitrag mit Fotos von Winfried Stinn