Herbert Steffny

Bronzemedaillengewinn bei der Europameisterschaft war der Höhepunkt der Karriere

Als Seminarleiter und Buchautor erfolgreich

von Winfried Stinn im März 2014

Der Bronzemedaillengewinner im Marathonlauf von 1986 Herbert Steffny hat auch fast drei Jahrzehnte nach seinem größten Erfolg in der Laufszene einen klangvollen Namen.

Neben seiner eindrucksvollen Erfolgsbilanz, wie EM-Bronze, Teilnehmer an der Weltmeisterschaft und an den Olympischen Spielen, 16 Titel bei Deutschen Meisterschaften, um nur einige zu nennen, tragen dafür seine vielen Aktivitäten nach seiner aktiven Laufbahn bei. So machte er sich einen Namen als Veranstalter von Laufseminaren im In- und Ausland, als Buchautor, als Co-Kommentator im Fernsehen bei City Marathons, als Journalist für Fachzeitschriften usw. Für Schlagzeilen sorgte Steffny, als er den damaligen amtierenden Außenminister Joschka Fischer bei dessen Marathon-Debüt in Hamburg zum Erfolg führte. Steffny hatte Fischer nicht nur am Marathontag begleitet, sondern ihn intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet.

Im Folgenden stellen wir seine Karriere von Anfang an vor

Seinen ersten Wettbewerb bestritt Steffny, der am 5. September 1953 in Trier geboren wurde, als neunjähriger Junge. Weil dem TVG Trier zwei Läufer für die 4 mal 50 Meter Staffel fehlten, sprangen er und sein jüngerer Bruder ein. "Die Urkunde habe ich heute noch", erinnert sich Steffny, der aus einer sportbegeisterten Familie stammt, gerne an sein erstes Wettkampferlebnis. Sein Bruder Manfred, heute Herausgeber der Laufzeitschrift "Spiridon", war Olympiateilnehmer im Marathonlauf 1968 und 1972. Als Schüler hatte Herbert Steffny auch Erfolge im Mehrkampf. Vor allem der Hochsprung, und der damals neu aufkommende "Fosbory-Flop", bereiteten ihm Freude. "Ich sprang als 15jähriger 1,68 Meter und konnte mich damit im Rheinland unter den besten zehn platzieren", so Steffny.

Sein Talent für die längeren Strecken kristallisierte sich erst nach einem Wachstumsschub heraus. Siege bei regionalen Crossläufen, Siege bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften sowie zweite Plätze bei den Rheinlandwaldlauf- und Deutschen Crosslaufmeisterschaften, deuteten auf eine verheißungsvolle Karriere hin. Doch 1972 unterbrach er zunächst einmal seine Laufbahn. "Der Übergang in die Juniorenklasse hatte nicht ganz so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte, dazu kam noch das Biologie Studium. Außerdem hatte ich ganz andere Sachen als Laufen im Kopf. Ich spielte in einer Rockband Schlagzeug."

Nach elf Jahren "Abstinenz" vom Leistungssport begann Steffny 1983 seine zweite Karriere. Der "Wahl-Freiburger" schloss sich dem PTSV Jahn Freiburg an. Im gleichen Jahr wurde er Deutscher Hochschulmeister und Deutscher Seniorenmeister (M30). Beide Titel errang er über 10.000 Meter. Nur ein Jahr später gewann er in Waldniel die Deutsche Meisterschaft über 25 km. Den Marathontitel hatte er zuvor als Zweitplatzierter nur um sechs Sekunden verpasst. Erstmals trug er 1984 das Nationaltrikot.

Trotz der guten Leistungen und der Erfüllung der Olympianorm wurde Steffny vom DLV nicht für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles nominiert. Er sei zu alt, begründete der DLV gegenüber dem damals 31jährigen. Eine groteske Aussage, berücksichtigt man, dass gerade im Ausdauersport die Älteren ganz weit vorne zu finden sind. Mit Wut im Bauch schaffte er noch im Olympiajahr beim New York Marathon mit einem ausgezeichneten dritten Platz den internationalen Durchbruch. 1985, mittlerweile gehörte er zum B-Kader, verteidigte er seinen deutschen 25 km Titel und gewann die deutsche Marathonmeisterschaft.

1986 wurde zu Steffnys erfolgreichstem Jahr. Das Jahr 1986 stand ganz im Zeichen der Leichtathletik Europameisterschaft in Stuttgart. Zusammen mit Ralf Salzmann lief er sein größtes Rennen. Vor heimischem Publikum gewann er als Dritter vor Salzmann die Bronzemedaille mit der Zeit von 2:11:30 Stunden. Es war der erste Medaillengewinn bei einer internationalen Meisterschaft im Marathonlauf für einen Läufer aus der damaligen Bundesrepublik. Nur wenige Monate später bestätigte er diese Top-Leistung und lief in Chicago mit 2:11:17 Stunden seine persönliche Bestzeit, die dann auch als seine Karriere-Bestzeit Bestand haben sollte.

Ebenfalls 1986 verlieh ihm die Deutsche Olympische Gesellschaft die "Fairplay-Medaille". Für eine Überraschung sorgte er 1987, als er bei der deutschen Meisterschaft über 10.000 Meter die Spezialisten besiegte und sich damit seine erste deutsche Meisterschaft auf der Bahn holte.

Ein weiterer Karrierehöhepunkt sollten die Olympischen Spiele 1988 in Seoul werden. Auf Grund seiner guten Resultate war er vom DLV für Seoul vornominiert, sodass er sich intensiv auf die Spiele vorbereiten konnte. Doch das Olympiapech blieb ihm treu, die Mannschaftsärzte erteilten ihm wegen einer fiebrigen Grippe unmittelbar vor dem Rennen Startverbot. Auch diese Enttäuschung steckte er weg und stellte die nacholympische Saison unter das Motto "Rache für Seoul". Den großen Worten ließ er prompt Taten folgen. Er gewann die Deutsche Crosslauf-Meisterschaft, wurde mit der Crosslaufmannschaft Vizemeister, gewann mit dem PTSV Jahn Freiburg die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Berglauf und beim München Marathon mit der deutschen Jahresbestzeit.

Auf Grund seiner Leistungen liebäugelte Steffny mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Die Norm schaffte er wie 1984 und 1988 erneut, doch durch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hatte der Bundestrainer die "Qual der Wahl", drei Marathonläufer durften mit und Steffny musste zuhause bleiben. Von da an hatte der "Neu-Schwarzwälder", er war 1992 mit seiner Familie an den Titisee gezogen, mit einigem Verletzungspech zu kämpfen. Zwei Achillessehnen-Operationen zwangen ihn zu einer rund zweijährigen Trainings- und Wettkampfpause.

1995 gelang dem 42jährigen Ausnahmeläufer ein eindrucksvolles Comeback. Schon im Frühjahr lief er beim Boston Marathon 2:21:38 Stunden. Mit 2:18:35 Stunden blieb er im Herbst beim Twin City Marathon nach seiner langen Verletzungspause erstmals wieder unter der immer noch begehrten 2:20 Stunden Marke und gewann die in den USA hoch dotierte Masterswertung. Zuvor hatte er bereits im Halbmarathon mit 1:05:41 Stunden einen neuen deutschen Masterrekord aufgestellt. Ein Jahr später trumpfte Steffny nochmals ganz groß auf. Er gewann beim 100. Boston Marathon die Masterswertung. Trotz starker Schmerzen hielt er den Lauf durch, lief nochmals mit 2:19:33 Stunden eine akzeptable Zeit. Doch das war für einige Jahre der letzte Lauf. Die Probleme mit der Achillessehne ließen keine weiteren Wettbewerbe und das dazu gehörende Trainingsprogramm zu.

Ein erneutes Comeback feierte Steffny mit 50 Jahren und wurde Deutscher Seniorenmeister in der M50 im Cross- und Marathonlauf sowie über 10 Kilometer, wobei er mit 32:31 min eine deutsche Seniorenbestleistung aufstellte.

Seit 1989 veranstaltet Herbert Steffny Ausdauerseminare, die bis zum heutigen Tag auf große Resonanz stoßen. Die Seminare finden im In- und Ausland statt. Bei den Seminaren im Hochschwarzwald wird das Laufen im Sommer durch Mountainbike und im Winter durch Skilanglauf ergänzt. Mit dem mehrfachen Deutschen Berglaufmeister und Olympiakoch Charly Doll, dem Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 1960 Georg Thoma, den mehrfachen Deutschen Skilanglaufmeister Peter Zipfel, um nur einige zu nennen, hat Steffny ein namhaften Referententeam zusammengestellt, welches durch bekannte Sportärzte ergänzt wird. Seine Laufseminare richten sich an Anfänger und Fortgeschrittene. Darüber hinaus hat er sich einen Namen als Buchautor gemacht. Einige seiner Bücher, wie "Das große Laufbuch", "Perfektes Lauftraining", "Perfektes Marathontraining", "Perfektes Lauftraining - Das Ernährungsprogramm" und "Walking/Nordic Walking" wurden zu Bestsellern.

So kennt Steffny auch im Alter von 60 Jahren das Wort "Langeweile" nicht. Regelmäßig stehen seine Laufseminare auf dem Programm, dabei sind so reizvolle Urlaubsziele wie Fuerteventura, Andalusien, Hawaii und St. Moritz die Highlights. Und zwischendurch gibt es immer wieder Laufseminare in seiner Wahlheimat Schwarzwald. Dazu hält Steffny regelmäßige Vorträge zum Thema laufen oder kommentiert als Co-Kommentator die wichtigsten City-Marathons. Stammgast ist er beim Frankfurt-Marathon, den er dreimal gewinnen konnte.

Herbert Steffny

geb. 5. September 1953 in Trier
wohnhaft seit 1992 in Titisee/Schwarzwald

Heute: Buchautor, Veranstalter von Laufseminaren, Fachjournalist, Co-Kommentator bei City-Marathons, Referent

Infos: www.steffny.com

Seine größten Erfolge:

 

Bronzemedaille 1986 bei der Europameisterschaft in Stuttgart im Marathonlauf

 

Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1988 und an Weltmeisterschaften

 

16 Deutsche Meisterschaften (einschließlich Seniorentitel) im Einzel und Mannschaft

 

Sieger verschiedener City Marathon, u.a. dreimal Frankfurt

 

3. Platz beim New York City Marathon

 

Bestzeiten

5.000 Meter

13:46 Minuten

1987

10.000 Meter

28:31 Minuten

1987

Halbmarathon

1:03:35 Stunden

1987

25 km

1:14:33 Stunden

1986

Marathon

2:11:17 Stunden

1986

Das Portrait "Herbert Steffny" erstellte Winfried Stinn
Fotos © Winfried Stinn und 2x privat

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