Einfach nur der Werner Roth

Birgit Schillinger porträtierte Werner Roth im Sept. 2007

Er gehört zu den fleißigen Lauf-Veranstaltern. Unermüdlich richtet er seit 34 Jahren Laufwettbewerbe aus und kann sich auf seinen großen Helferstamm verlassen: Werner Roth hat das südpfälzische Dorf Rheinzabern in ganz Süddeutschland bekannt gemacht – zumindest in Läuferkreisen. Denn sein Verein, der TV Rheinzabern, bietet die dreiteilige Winterlaufserie sowie den Osterlauf an. Vier Mal im Jahr stehen die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen bereit, um bei der Streckenaufsicht, beim Kuchenverkauf, beim Becherspülen, bei der Siegerehrung u.s.w. mitzumachen. Dass hier alle so engagiert bei der Stange bleiben, ist auch dem Vorbild Werner Roth zu verdanken.

Die sportliche Karriere des inzwischen 72-jährigen Rheinzaberners begann mit 13/14 Jahren. Da hatte ein Lehrer im Sportunterricht – ganz im Stile eines „preußischen Offiziers“ – den Jungs Turnen und Leichtathletik beigebracht. Die begeisterten, jungen Leichtathleten starteten zunächst auch für den Turnverein. Dort fühlten sie sich aber nicht anerkannt, was dazu führte, dass sie für einige Jahre zum ortsansässigen Fußballverein abwanderten. Doch schließlich kamen sie wieder zurück zum TV, wo sie bis heute geblieben sind.

 

Begonnen hat er mit dem Dreikampf, aber die Talente lagen im Sprung. Hochsprung war damals noch Schersprung. Dreisprung war neu: „Ich hatte einen Speyerer kennen gelernt, der hat den Dreisprung zur Philosophie gemacht.“ Von dieser Begeisterung ließ sich Werner Roth anstecken. Große Erfolge will er nicht nennen. „Wir waren fünf Kinder zu Hause, ich musste viel mithelfen“, daher blieb nicht so viel Zeit für das Training.

Schon früh – mit 17 Jahren – engagierte er sich umso mehr als Trainer, zunächst bei der katholischen Jugend. Dem Trainer-„Job“ ist er seit 55 Jahren treu geblieben. Heute betreut er zehn Athleten von 12 bis 26 Jahren, darunter einige erfolgreiche Hochspringer.

Roth begrüßt gern jeden seiner Teilnehmer

Die Idee, einen Lauf zu veranstalten, wurde ihm 1972 von van Aaken, dem damaligen Langstreckenpionier und –trainer, nahegelegt. Roth traf van Aaken bei den olympischen Spielen in München. Van Aaken: „Wo kommst du her?“ Roth: „Aus Rheinzabern, Südpfalz“. Van Aaken: „Das ist ja noch Niemandsland für Langstrecke!“ Dieses Gespräch motivierte Roth dazu, den ersten Pfälzer Osterlauf 1973 zu organisieren, bei dem 167 Teilnehmer am Start standen. Darunter der Macher selber. „Ich hatte Tränen in den Augen, als der Startschuss fiel.“

1983 ließ er sich zur Winterlaufserie anregen, indem Manfred Steffny die Streckenkombination 10km, 15km und 20km als Testläufe für Marathon propagierte.

Inzwischen hat Werner Roth mit Geschick ein gut funktionierendes Team aufgebaut. Da die Auflagen der Behörden (beispielsweise für die Absperrung der Strecke) immer strenger werden, braucht er nun 170 Helfer pro Veranstaltung, davon allein 40 für die Streckenposten und 15 für die Parkplatzeinweisung. Die Rheinzaberner Veranstaltungen sind beliebt und bekannt wegen ihres familiären Charakters, der exakt vermessenen Strecken und des Services von der üppigen Kuchentheke bis zur schnellen Siegerehrung. Als Organisationschef begrüßt er seine Teilnehmer mit dem Megafon, an der Strecke und im Ziel. Unglaublich, wie viele Läufer dieser Mann mit Namen kennt! Und nicht nur deshalb ist er für seine Zuverlässigkeit beliebt. „Wir bleiben bei unserer geraden Linie“, schwört Roth – und daher gibt es beispielsweise auch kein Nordic Walking im Programm.

 

Roth hat zwei Kinder: einen 46-jährigen Sohn (Polizist) und eine 42-jährige Tochter (Lehrerin). Zu seinem eigenen früheren Beruf gefragt meint er, bescheiden seine Karriere unterschlagend: „Schreib einfach Naturwissenschaftler (Chemie), das reicht. Ich bin einfach nur der Werner Roth.“

Das Porträt "Werner Roth" erstellte Birgit Schillinger

Fotos: Johann Till

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