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Ulrich Rötzheim

geboren 25. Juni 1968

TV Waldstraße Wiesbaden

Sportlicher Werdegang:

Ulrich Rötzheim, geb. 25. Juni 1968 in Bonn, 1,92m groß, 75 kg. Spielt als Kind zunächst Fußball und kommt dann über den Schulsport zur Wettkampf-Leichtathletik. Als Jugendlicher in einer Gruppe aus zumeist Sprintern und Mehrkämpfern in Meckenheim bei Bonn. Durch den Wehrdienst in Göttingen selbst gestaltetes Training und Spezialisierung auf Langstrecken. Während der Studienzeit von 1988 bis 1993 Leistungstraining mit 8 bis 12 Einheiten und im Schnitt 160 Kilometern pro Woche.

Sieger beim Kandel-Marathon 1992 (2:19:02 h); Bestzeit als Zweiter des Karlsruhe-Marathon im gleichen Jahr (2:18:34 h). Viele Wettkämpfe in der Halle, im Cross, auf der Straße und Bahn von 1000 M bis Marathon. Unterdistanzen 3:58 (1500 M), 8:23 (3000 M), 14:39 (5000 M), 30:17 (10 Km), 1:19:38 (25 km). Durch Referendarzeit, Berufseinstieg und Familiengründung sowie eine hartnäckige Fußverletzung schrittweise deutliche Reduzierung von Training und Wettkämpfen. Lebt seit 2001 in Idstein (Taunus) und startet für die TV Waldstraße Wiesbaden bei diversen Läufen im Rhein-Main-Gebiet und Taunus.

„Some people say, `I`m a painter.` Well, I`m a runner. It comes from within.”
[Bill Rodgers, Marathoning, 2. Pbk., 1982, P. 41]

So leitet Bill Rodgers, der wohl beste amerikanische Straßenläufer aller Zeiten (4mal Sieger in Boston und New York in den 1970er), in seiner Biographie das Kapitel ein, in dem er von seiner Rückkehr zur Lauferei nach einer mehrjährigen Pause erzählt („...I had never quit being a runner at heart.“).

Abgesehen von meiner Bewunderung für diesen in Deutschland leider recht unbekannt gebliebenen Läufer fiel mir auch nach längerem Nachdenken keine bessere Antwort auf die simple Frage ein: „Warum läufst Du?“.

Laufen ist für mich kein Hobby, keine Mode, quasi auch kein „Sport“ im Sinne des englischen Wortes für „Zeitvertreib“. Laufen ist schlicht und einfach ein Teil von mir. Charakterlich, weil ich die regelmäßige und einfache Durchführung mag. Physisch, weil ich halt ein Talent für Ausdauersport habe. Emotional, weil es mir ein Stück eigene Welt gibt.

Wie gewinnt man einen Marathon mit 75 Km Training pro Woche ?

Dies ist kein „Läufer-Latein“. Mit einem dokumentierten Umfang von im Schnitt genau 75,57 Km in den letzten 6 Monaten vorher (Spitzenwoche 101,1 km) und nur einem Lauf über 30 Km in dieser Zeit habe ich am 27. April den 1. „Weiltalweg-Marathon“ im Taunus mit knapp 1.000 Teilnehmern in 2:40:02 h gewonnen.

Als ich an jenem Morgen an der Startlinie stand, wusste ich um meine Stärken:

aber auch um meine Schwächen:

So stand ich vor der Alternative, entweder verhalten zu laufen und damit wahrscheinlich gut unter den ersten fünf bis zehn durchzukommen oder alles auf eine Karte zu setzen, mit einem hohen Tempo die Konkurrenz zu blenden und „irgendwie anzukommen“.Ich hatte mich seit einigen Tagen für die letztere Alternative entschieden.

Das lief dann bis 15, auch 20 Km echt klasse; trotz des überwiegenden Gefälles taten die 1:17 h bei Halbmarathon aber schon weh. Als ich bei 25 Km in Weilmünster auf dem Marktplatz von vielen Zuschauern begeistert empfangen wurde, dachte ich nur: „Du bist ein beschissener Betrüger. Der 800-Meter-Läufer, der im 5000er auf den ersten Runden die Show abzieht, obwohl er genau weiß, dass er das nicht durchsteht.“ Das waren echt meine Gedanken. Ich wusste nicht, dass sich hinter mir ein Verfolger verletzte, ein anderer zurückfiel und der vielleicht Stärkste im Feld (Ralf Selle) durch einen Marathon und 25er unmittelbar vorher noch müde war, so dass ich ca. 5 Minuten Vorsprung hatte. Die langen Kilometer bis zum Ziel waren furchtbar. Ich war völlig leer, aber „irgendwie“ noch in der Lage, ein Tempo von 4:15 min. pro Km zu halten, zu halten und durchzuziehen.

Heute nimmt mir keiner so recht ab, dass ich mich nicht allzu sehr über diesen Lauf freue, weil die zweite Hälfte schlicht grauenhaft war und ich noch Tage danach physisch und vor allem mental völlig daneben lag. Das Talent, auch bei schwindender Kraft das Tempo halten zu können, führte durch die unzureichende Vorbereitung wohl zum Überschreiten einer gewissen Grenze.

Wirklich nicht zur Nachahmung zu empfehlen!

„And you run and you run to catch up with the sun, but it`s sinking
And racing around to come up behind you again
The sun is the same in the relative way, but you`re older
Shorter of breath and one day closer to death.”
[Pink Floyd, The Dark Side of the Moon, Time]