Simone Raatz ( geb. Raupp)

"Laufen ist mein Leben"

von Johann Till im März 2008

Es war bei der Turnerschaft KA-Mühlburg, wo die kleine Simone Raupp zum ersten Mal mit der Leichtathletik über Weitsprung, Ballweitwurf usw. in Berührung kam. Über die Hürden ist sie dann gleich mal hingefallen und beim Hochsprung taten ihr immer die Schultern so weh. Was blieb Inge Dürr, der damaligen Betreuerin des Mühlburger Leichtathletiknachwuchses und in der Folge erste Trainerin von Simone da übrig, als das Kind über das flache Stadionoval laufen zu lassen. Hier konnte die Kleine ihrem schon damals ausgeprägten Bewegungsdrang noch am besten nachkommen, ohne größere Blessuren davonzutragen.

 

Ihren ersten internationalen Auftritt hatte Simone als 8-Jährige bei den "Söresund" Spielen am 23.06.1984 in Schweden, wo sie in 3:13 min über die 800 Meter flitzte.

Als 13-Jährige wechselte Simone Raupp später über die "SG KA-Siemens" zum "TuS Neureut". Hier nahm sich Bernd Seith dem quirligen Mädchen an und führte es zu ersten Erfolgen auf Verbands- und Landesebene. So erreichte Simone als Badische 1500-Meter-Meisterin 1991 als Elfte auch den Endlauf bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften. Es sollte nicht ihr einziger Auftritt auf nationaler Ebene bleiben. Drei 4. Plätze bei deutschen Jugendmeisterschaften unterstrichen ihre läuferische Begabung mehr als eindrucksvoll.

Simone Raupp bei den "Söresund" Spielen in Schweden

So stellte Sportbürgermeister Siegfried König beim Ehrenabend für verdiente Karlsruher Leichtathleten 1993, Simone Raupp bei der Ehrung für ihren Vierten Platz bei den deutschen A-Jugend-Meisterschaften über 3000 Meter und für den Fünften über 5000 Meter, auch völlig zu recht als "Naturtalent" vor.

 

1993 sollte für Simone Raupp im Rückblick auch ihr erfolgreichstes Jahr als Jugendliche bleiben. Wurde sie doch aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen 1992/93 in die Juniorinnen-Nationalmannschaft berufen, die 1993 im spanischen Amorebiete an den Crosslauf-Weltmeisterschaften teilnehmen durfte.

Simone lief als 71. ins Ziel und erreichte im Team zusammen mit Maren Östringer, Birte Bultmann, Katrin Engelen und Constanze Effler einen beachtlichen 8. Platz.

Juniorinnen-Nationalmannschaft 1993 v.l.: Simone Raupp, Maren Östringer, Birte Bultmann, Katrin Engelen und Constanze Effler

1995 wechselte Simone Raupp zum KSC, es gelang ihr aber nicht mehr, an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. Es waren die ständigen Verletzungen, welche Simone Raupp an einer Fortsetzung ihrer Erfolgsstory im Erwachsenenalter hinderten. Drei Operationen wegen eines "Hallux rigidus" und der Achillesferse warfen sie immer wieder für mehrere Monate zurück oder störten einen zielgerichteten Trainingsaufbau. 1999 musste sie wegen gesundheitlicher Probleme das Bahntraining schließlich völlig einstellen und verabschiedete sich für mehrere Jahre vom Wettkampfsport. Insgesamt 14 badische Meistertitel hatte sich Simone Raupp zwischenzeitlich beim Cross, meist aber auf der Bahn zwischen 800 und 5000 Meter, erlaufen.

Büchig 2005 Büchig 2006 35:00 beim 10er in Rheinzabern 2007

Die Zeit der Wettkampfabstinenz nützte Simone gleichzeitig für den Abschluss ihrer Berufsausbildung zur Dipl. Betriebswirtin BA mit der Fachrichtung Steuer- und Prüfungswesen. Simone stellte ihr Training um und unternahm jetzt mehr ausgedehnte ruhige Trainingsläufe im Hardtwald vor den Toren der Fächerstadt. An so einem Lauf lernte sie schließlich auch Christa und Adolf Schäfer, ein aktives Läuferpaar der "LSG Karlsruhe" kennen. 2002 war es dann soweit, Simone Raupp wechselte zur LSG und noch im selben Jahr landete sie ihre ersten Erfolge in den neuen Vereinsfarben; beim Vereinsausflug nach Würzburg als Zweitplatzierte des 14. Würzburger Residenzlaufs und gerade mal 8 Tage später als Gesamtsiegerin der Badischen Meile 2002. Zwischenzeitlich ist Simone Raupp - nach ihrer Heirat im 2013 - als Simone Raatz unterwegs.

Ausgedehnte Trekkingtouren in Indien, Nepal oder Norwegen, auch schon mal eine härtere Radeinheit, sorgen für die nötige Abwechslung im Trainingsalltag, der bei Simone durchaus schon mal um 5 Uhr morgens, noch vor dem Frühstück, beginnt. Die Einstreuung eines Ruhetages in der Woche hat ihrem Leistungsvermögen nicht geschadet; im Gegenteil. Gerade letztes Jahr verbesserte Simone ihre persönlichen Bestzeiten bei wöchentlichen Trainingsumfängen von 80 bis 100 km enorm auf jetzt:

Bestzeiten
10 km
34:47 min
Leimersheim
Halbmarathon
1:15:34 h
Karlsruhe
Marathon
2:47:38 h
Frankfurt

Ihre Bestzeiten noch aus der Bahnlauf-Zeit:
800m
2:18,05 min
1996
1500m
4:38,19 min
1992
3000m
9:45,28 min
1996
5000m
17:13,5 min
1993

Angesprochen auf ihren bisher größten Erfolg, bezeichnet Simone ihren Sieg beim Mannheimer Dämmermarathon 2007, in dem sie bei brutalen Bedingungen (Hitze, klebriger Asphalt) als einzige Frau in 2:59:35 h unter der magischen 3-Stunden-Grenze geblieben ist. Für die anstehende Saison nennt sie eine gute 34er über den Zehner und eine 1:16er über Halbmarathon als persönliches Ziel. Wenn ihr die Umsetzung gelingt, wäre dies gleichbedeutend mit einem Vorstoß unter die "TopTen" der Deutschen Straßenlaufszene.

Das Portrait "Simone Raatz" erstellte Johann Till
Fotos © Johann Till - LaufReport Archiv - privat

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