www.LAUFREPORT.de - P o r t r a i t -

Zur Verfügung gestellt von: Nordpol PR Division GmbH, 20095 Hamburg

Edith Masai

geboren 04.04.67

aus Nairobi KENIA

03.12.2002 – for the love of running:

Weltmeisterin startet am 15.12. beim ASICS Cross Challenge auf der Galopprennbahn in Neuss

Managerin Dorothee Paulmann gewährt persönliche Einblicke in die eigene Welt des Cross-Stars HIER

Edith Masai wurde eine ernsthafte Läuferin, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte und alleinerziehende Mutter wurde. Sie war eine erfolgreiche Schulsport Athletin und ist in Kenias Gefängnis Service als Läuferin aufgenommen worden. Als junge Mutter ihres Sohnes Griffin hatte sie wenig sportliche Ambitionen und trainierte gerade genug, um ihre Position im Prisons Service zu halten. Als sie sich von Griffin’s Vater, einem Polizisten, 1999 trennte, wurde ihr klar, dass es an der Zeit war, selbstbewusster zu werden. "Ich hatte niemanden, der mich unterstützt hat", sagt Masai. "Ich musste etwas unternehmen." Ihre einzige Fähigkeit war das Laufen – so begann sie mehr daraus zu machen. Ohne Coaching aber mit der starken Motivation, eine gute Mutter für ihren Sohn zu sein.
Ihre Geschichte ging weiter mit Dorothee Paulmann – selbst eine geschiedene Mutter in Masais Alter. Paulmann lief auch in Wettkämpfen und war Triathletin auf nationalem Niveau in Deutschland. Als sie von Masai hörte, war sie gerade Sprachlehrerin an der Universität und auch als Managerin von Athleten tätig. Paulmann kaufte Masai ein Flugticket und als die scheue Kenianerin schließlich in Deutschland ankam, verstanden sich die beiden auf Anhieb. Masai lebte in Paulmanns Haus und sie reisten gemeinsam zu den Wettkämpfen. Masais Verschiedenheit und die begrenzten Englischkenntnisse schienen ebensowenig eine Barriere für diese Freundschaft zu sein wie die Abwesenheit von gemeinsamen Interessen – Masai liest in der Freizeit laut in ihrer Swahili-Bibel. Was die beiden teilen ist die Ambition, mit ihren gleichartigen Familiensituationen umzugehen und eine wahre Hingabe, Hindernisse zu überwinden.

Eine Anmerkung zum Namen Masai: Es ist keine Stammes-Bezeichnung, aber hat wohl mit dem bekannten kenianischen Stamm zu tun. Ediths Stamm sind die Kony, ein Zweig der Kalenjin, die in 4300m Höhe in den Ausläufern des Berges Elgon leben. Die Masai nannten die Kony "il Kony" – daraus leitete sich dann der Name des Berges "Elgon" ab. Falscherweise etablierte sich daher auch der Stammesname: "Elgon Masai". Edith teilt ihren Nachnamen mit Andrew Masai, dem führenden US-Masters Runner.

Foto: Gustav Schröder

Die beiden sind nicht verwandt, kommen aber aus demselben Dorf und ihre Väter haben gemeinsam den Initiationsritus absolviert. Bei den Männern wurde bei dieser Gelegenheit der Beiname Masai gegeben, um an einen historischen Sieg der Kony über die Masai zu erinnern.



Exklusiv-Interview mit
DOROTHEE PAULMANN

der Managerin von
Weltmeisterin Edith Masai

(03.12.2002)

 

Foto: Gustav Schröder

Wie lief das sportliche Jahr für Edith Masai, welche Bilanz ziehen Sie unterm Strich?
DOROTHEE PAULMANN: Das sportliche Jahr startete wie erhofft mit dem ersten international verwertbaren Titel, nämlich der Goldmedaille der WXCC in Dublin. Zuvor hatte sich Edith auf heimischem Boden mit dem Gewinn der nationalen Cross-Meisterschaft in Nairobi für diese Weltmeisterschaft qualifiziert.
Bei den anschließenden Grand Prix und Golden League Meetings blieb bis auf den Sieg in Rom und einen neuen nationalen wie kontinentalen Rekord über 3000m (8:23min), der durchaus zu erwartende Erfolg aus. Dies lag nicht an mangelnder Form oder fehlender Vorbereitung, sondern meiner Ansicht nach an Ediths Taktik während der einzelnen Rennverläufe. Der Rückblick auf die Saison endet für mich eher mit dem Blick nach vorn, denn Edith hat ihr Potenzial noch nicht ausgereizt und diesen Sommer viele Möglichkeiten verschenkt.

Mit welchen Trainingszielen und Perspektiven für 2003 gehen Sie in die Wintersaison?
PAULMANN: Die Trainingsziele orientieren sich selbstverständlich an den Wettkampfzielen. Hauptziel im nächsten Halbjahr ist erneut die Cross-Weltmeisterschaft Ende März in Lausanne. In die Trainingsvorbereitungen gehören – um zusätzliche Reize zu schaffen – sinnvollerweise einige wenige Wettkämpfe, die der aktuellen Standortbestimmung dienen. Nach der Cross-Weltmeisterschaft ist ein eventueller Marathonstart angedacht, dies ist aber noch nicht konkret. Möglich wäre ein Start in Hamburg im April 2003. Zu planen ist auch, wie der Übergang von der Cross-WM zur vollen Marathonstrecke mit den erforderlichen Wochenkilometern in der Vorbereitung ablaufen soll. Und auch, wie nach einem potenziellen Marathon die Trainingsgestaltung im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Paris 2003 auszusehen hätte. Zusammenfassend kann man sagen: Endziel Nr.1 ist Lausanne, Endziel Nummer 2 die WM in Paris, Marathonstart nicht ausgeschlossen.

Welche Rolle im Wettkampfkalender 2002 spielt der ASICS Cross Challenge Lauf in Neuss?

PAULMANN: Da Edith sich ihrem Sponsor ASICS natürlich verbunden fühlt, ist der Start in Neuss eine Selbstverständlichkeit. Qualitativ könnte die Besetzung noch verbessert werden, um das Prestige des Rennens zu steigern.

Der Start in Neuss ist für Edith das erste Rennen in der laufenden Wintersaison und passt hervorragend in die Wettkampfplanung, startet sie doch eine Woche später in Brüssel. Der Athletin wie auch vielen anderen ist der Cross in Neuss vom Vorjahr unvergessen, als Edith den Start verpasste und dann das Feld von hinten aufrollte und zum Sieg lief.

Wie würden Sie Ihr sportliches und persönliches Verhältnis zu Edith Masai charakterisieren?
PAULMANN: Mein sportliches Verhältnis zu Edith lässt sich nicht immer vom persönlichen trennen, basiert es doch zunächst völlig auf ihrer Tätigkeit als Athletin und meiner als ihrer Managerin. Dennoch habe ich zu Edith ein engeres Verhältnis als zum Großteil der übrigen Athleten, die von mir betreut werden. Teilweise liegt dies sicher an den Umständen, unter denen wir zusammen kamen und auch daran, dass sie anfangs bei mir im Haus lebte und wir uns beide mit großem Vertrauen begegneten. Zwangsläufig entstand dadurch ein recht nahes Verhältnis, da sie viel Einblick in meine komplette Lebenssituation hatte und hat. Sie ist problemlos in meine Familie eingebunden, ein Privileg, dass ich nicht allen Athleten zugestehen kann. Sportlich habe ich ihr schon bei vielen Trainingskilometern Gesellschaft geleistet, was ich bei ihren intensiven Tempoeinheiten nicht leisten kann. Zu vielen Wettkämpfen begleite ich sie auch.

Welches sind mit Blick auf die kommenden fünf Jahre die großen Ziele?
PAULMANN: Die Teilnahme in Paris und Athen ist gewiss, den Erfolg erhoffen wir uns. Wenn Edith gesund und unverletzt bleibt, wird sie sicher durch weitere Großtaten überzeugen können.

Wo sehen Sie Edith Masais sportliche und persönliche Stärken und Schwächen?
PAULMANN: Edith’s sportliche Stärken liegen in ihrer extremen Trainingsdisziplin gepaart mit beinahe fanatischem Gottesglauben. Ein starkes Sprintfinish, hohe Grundschnelligkeit, und seltene Motivationsprobleme kommen hinzu. Schwächen in sportlicher Hinsicht liegen in gelegentliche Nichtakzeptanz nötiger regenerativer Maßnahmen wie Physiotherapie, Ausgleichssport, und Ernährungsfragen. Die persönlichen Stärken: ruhig, ausgeglichen, entschlossen und konzentriert. Die Schwächen: manchmal ist Edith moderat stur.

Wie sieht ein alltäglicher Trainingstag im Ablauf aus?
PAULMANN: Zwischen 7:30 und 8:30 das erste Training – immer nüchtern. Dies kann zwischen 1-1:30h dauern, wobei die Trainingsstrecken, wie deren Profil und Länge und Tempo unterschiedlich sind. Nach der ersten Einheit wird nach kenianischer Art gefrühstückt. Weißbrot mit Margarine, Honig oder Marmelade. (Siehe Schwachpunkt Ernährung). Dann folgen zwei Stunden Schlaf, anschließend ein leichtes Mittagessen. Gegen Abend findet die zweite Einheit statt, wobei das an zwei Tagen in der Woche Tempotraining bedeutet. Immer auf dem Programm ist ein längerer Lauf zur Regeneration. Ein Trainingstag endet mit dem gemeinsamen Abendessen der Athleten, was sie auch immer zusammen zubereiten – oft handelt es sich dabei um Ugali (weißer Mais, ohne den kein kenianischer Sportler nach Europa reist). Was die Trainingsgestaltung angeht, kann Edith sicher noch einiges verbessern. Leider habe ich sie, wenn sie in Kenia ist, nicht immer unter Kontrolle.

Copyright
Inhalte dieser Portrait-Seite unterstehen dem Urheberrecht; Copyright 2002 Nordpol Public Relations Division GmbH.
Alle Rechte sind vorbehalten. Reproduktion, Transfer und Distribution eines Teils oder des gesamten Inhalts einschließlich Speicherung und Nutzung auf optischen oder elektronischen Datenträgern nur mit schriftlicher Genehmigung von Nordpol Public Relations Division GmbH