LSG Karlruhe

Ein Trailrunning-Wochenende im Nordschwarzwald

Das 1. Laufwochenende des DUV Förderstützpunkts Karlsruhe

erstellt von Nicola Wahl im April 2012

Achtzehn mutige Ultraläufer fanden sich am 28. April 2012 in Karlsruhe am Albtalbahnhof ein, um zu einer zweitägigen Tour in den Schwarzwald zu starten. Organisiert haben dieses Wochenende Maya und Jens Lukas, die beiden Ansprechpartner des DUV-Förderstützpunktes der LSG Karlsruhe. Sie hatten sogar einen Flyer eigens für das Wochenende ausgearbeitet, in dem die wichtigsten Informationen zusammengefasst waren. Unterstützung fand das Orgateam bei der Streckenplanung durch Günter Kromer und der Autorin Nicola Wahl. So gestaltete das Viererteam für die beiden Lauftage eine Strecke über Trails, Wald- und Forstwege mit vielen Aussichtspunkten und Panoramawegen. Dazu nahmen sie auch markierte Wanderwege wie den Westweg, die Murgleiter, den Seensteig, den Ortenauer Weinpfad und verschiedene kurze Rundwanderwege in die Strecke auf.

Erste Aufgabe der Gruppe war, das mitgebrachte Gepäck für die Übernachtung komplett in den Begleitfahrzeugen zu verstauen und dann mit der Straßenbahn den Weg nach Bad Herrenalb im Albtal zu finden. So begann dieser Lauftag bei sommerlichen Temperaturen am Bahnhof in Bad Herrenalb mit einem steilen Aufstieg übers Große Loch zur Teufelsmühle (908 m), bei dem in 4,5 Kilometer ein Höhenunterschied von 550 m überwunden werden musste. Auf dem sogenannten Zick-Zack-Pfad ging es dann ebenso steil auf 5,8 Kilometer und 750 Höhenmeter hinunter nach Gernsbach im Murgtal (km 13). Nachdem vor allem die Trinkvorräte im dortigen Supermarkt aufgefüllt wurden, durchquerte die Gruppe die Gernsbacher Altstadt und nutzte einige Kilometer die Murgleiter bis zum Schloss Eberstein, einem Weingut mit wunderschöner Aussichtsterrasse auf das Murgtal. Nach diesem eindrucksvollen Ausblick verließen die Läufer das Murgtal, um über die Rote Lache und den Badener Sattel zur Badener Höhe (1002 m, km 31) zu gelangen.

Start im Albtal Murgtalblick vom Schloss Eberstein Blick ins Murgtal von der Roten Lache

Die Badener Höhe mit dem Friedrichsturm bot einen grandiosen Rundblick über den Schwarzwald und ins Rheintal bis hinüber in die Vogesen und den Pfälzer Wald, da der Gipfel vor allem durch den Orkan Lothar weitgehend baumfrei ist. Ein Teil der Laufgruppe entschied sich, auf direktem Weg zur Bergwaldhütte in Sand zu laufen und den Abstieg zu den Gertelbachwasserfällen auszulassen. Die restlichen Läufer wollten noch die geplante Strecke zu den Wasserfällen erleben. Sie sollten für ihr Durchhaltevermögen mit herrlichen Blicken in die Schwarzwaldtäler belohnt werden. Doch zuerst führte der Weg über den Wildnispfad, einem Erlebnispfad nach den Verwüstungen durch den Orkan Lothar, zum Plättig/Schwarzwaldhochstraße. Nach der Querung der Hochstraße befanden sich die Läufer in einem von großen Granitfelsen gesäumten Pfad, der durch lichte Buchenwälder steil hinunter nach Bühlertal zu den Gertelbachwasserfällen (km 39,5) führte.

Weg zur Badener Höhe (1002 m) Panorama von der Badener Höhe auf die Hornisgrinde

Den Abschluss dieses Tages bildete ein letzter, kräftezehrender Aufstieg zum Wiedenfelsen oberhalb von Bühlertal. Von hier aus waren es gerade noch zwei Kilometer bis nach Sand/Schwarzwaldhochstraße, wo sich das heutige Ziel in der Bergwaldhütte befand. So wurden 44,9 Kilometer und eine Höhendifferenz von +1935 m bzw. -1463 m gemessen. Da das Ziel in der Bergwaldhütte/Sand auf 828 m lag, waren deutlich weniger Höhenmeter bergab zu verzeichnen. Der höchste Punkt des ersten Tages war die Badener Höhe mit 1002 m, der tiefste Punkt in Gernsbach an der Murg (160 m).

Wasserstichweg an der Gertelbachwasserfälle Gertalbachwasserfälle Panoramablick vom Wiedenfelsen ins Rheintal

Nach einem reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen wollten die Ultraläufer die Berge entlang der Schwarzwaldhochstraße wie den Pfrimmackerkopf (1035 m), den Hochkopf (1038 m), die Hornisgrinde (1164 m), den Seekopf (1054 m) und den Schliffkopf (1054 m) in Angriff nehmen. Dazwischen erreichten sie immer wieder die Schwarzwaldhochstraße z.B. bei Hundseck (km 2), in Untersmatt (km 5,5), am Mummelsee (km 13), am Seibelseckle (km 14) und am Ruhestein (km 19,5 bzw. 27,5). Die Landschaft auf den Gipfeln des Nordschwarzwaldes ist geprägt von den sogenannten "Grinden", den baumfreien Feuchtheiden, und von Hochmooren mit kleinwüchsigen Kiefern und Sträuchern. Am Mummelsee, dem höchst gelegenen Karsee des gesamten Schwarzwalds, und am Ruhestein waren längere Pausen zum Auffüllen des Wasservorrates und zur Stärkung eingeplant. Glücklicherweise war es nicht mehr ganz so warm wie am Vortag, morgens war der Himmel sogar leicht bedeckt. Doch später zeigte sich dann wieder gnadenlos die Sonne.

Hindernisse auf dem Westweg
Westweg am Hochkopf Kurz vorm Hornisgrindegipfel

Über den Schliffkopf (km 23,5) lief die Gruppe einen Rundweg, um wieder zurück zum Ruhestein zu gelangen, da die Strecke vom Schliffkopf ins Murgtal deutlich mehr Kilometer und Höhenmeter aufwies. So führte der Weg vom Ruhestein (km 27,5) über einen langen Bergrücken ohne nennenswerte Höhendifferenzen hinüber ins Murgtal. Zum Schluss dieser Tour stand dann ein 6 Kilometer langer Forstweg nach Schwarzenberg mit einem Höhenverlust von 450 m auf dem Programm. In Schwarzenberg übernahmen die Läufer ihre Gepäcktaschen und nutzten die Straßenbahn, um wieder zurück zum Startpunkt nach Karlsruhe zu gelangen. Der zweite Tag war 45,3 Kilometer lang und maß eine Höhendifferenz von +1170 m und -1533 m. Der höchste Punkt des Tages und der gesamten Laufstrecke war die Hornisgrinde mit 1164 m Höhe. Die Hornisgrinde ist auch die höchste Erhebung im Nordschwarzwald. Der niedrigste Punkt befand sich in Schwarzenberg im Murgtal auf 470 m.

Bismarckturm auf dem Hornisgrindegipfel Mummelseeblick Panoramablick auf dem Westweg zum Ruhestein

Insgesamt hatten die Teilnehmer an diesem Laufwochenende einige technisch anspruchsvolle Bergauf- und Bergabpassagen zu bewältigen, z.B. der Aufstieg zur Teufelsmühle übers Große Loch, der Abstieg nach Gernsbach oder der Abstieg zu den Gertelbacher Wasserfällen, aber auch der Rückweg über den Wasserstichweg der Gertelbachwasserfälle zum Wiedenfelsen am ersten Tag. Am zweiten Tag waren die Trails zu den einzelnen Berggipfeln ebenfalls abwechslungsreich und kräftezehrend, doch sie waren deutlich kürzer als am Vortag, da sie oberhalb der Schwarzwaldhochstraße auf etwa 900 m Höhe lagen und somit nur ca. 200 m Höhenunterschied aufwiesen. Trotzdem erforderten z.B. die Auf- und Abstiege auf den Hochkopf, auf die Hornisgrinde oder auf den Schliffkopf volle Konzentration, um nicht an den Wurzeln hängen zu bleiben oder über hervorstehende Steine zu stolpern.

Westweg zum Ruhestein
Schneereste am Ruhestein

Auch wenn das letzte April-Wochenende mit sommerlichen Temperaturen den Läufern viel Durchhaltevermögen abverlangte, entlohnten die bilderbuchähnlichen Ausblicke auf die Schwarzwaldgipfel und -täler für die Mühen und Strapazen der beiden Tage. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen selbst auf 1000 m Höhe mussten die Läufer für ausreichend Flüssigkeit sorgen, was sich trotz guter Kenntnis der Wegstrecke als nicht ganz einfach darstellte. Glücklicherweise trafen an beiden Tagen alle Teilnehmer wohlbehalten im jeweiligen Etappenziel ein.

Schliffkopfgipfel Typische Landschaft im Schwarzwald am Schliffkopf
Letzte Kilometer auf der Murgleiter nach Schwarzenberg

Abschließend noch ein paar erläuternde Worte zu den Förderstützpunkten der DUV, Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V. Die Förderstützpunkte der DUV sind an Vereine angegliedert, zurzeit gibt es deutschlandweit sechs Stützpunkte (siehe www.ultra-marathon.org). Sie sollen ein Bindeglied zwischen der DUV und den Ultraläufern darstellen, die durch die Ansprechpartner im Verein hergestellt werden. Interessierte Ultraläufer haben somit die Möglichkeit, sich über Langstreckenlauf zu informieren, Beratung in Trainingsfragen zu erhalten und vor allem anderen Ultraläufer kennen zu lernen. Sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder können auch an den Veranstaltungen der DUV-Förderstützpunkte teilnehmen. Der Förderstützpunkt der LSG Karlsruhe bietet neben einem regelmäßigen Stammtisch einmal im Monat auch einen monatlichen Trainingslauf an. Zum ersten Mal organisierten der Stützpunkt das oben beschriebene Laufwochenende im Nordschwarzwald, dem sich Ultraläufer aus der Region Karlsruhe anschlossen. Nach diesem erfolgreichen Start 2012 steht einer Wiederholung eines solchen Laufwochenendes nichts mehr im Weg. Die Ansprechpartner des Stützpunktes würden sich über ein reges Interesse sowohl bei den monatlichen Trainings wie auch beim nächsten Laufwochenende freuen (siehe auch www.lsg-ka.de).

Den Bericht über das Trailrunning-Wochenende im Nordschwarzwald erstellte: Nicola Wahl

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