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Reinhard Klein Läufer aus Leidenschaft |
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80 und kein bisschen müde: „Ans Aufhören denke ich noch lange nicht“ von Winfried Stinn |
Reinhard Klein, in Freiburgs Laufszene eine Institution, feiert am 28. April seinen 80. Geburtstag. „Darauf habe ich lange gewartet. Nun kann ich in der M 80 starten und nochmals kräftig absahnen“, meint der Jubilar schmunzelnd.
„Ohne Laufen kann ich mir mein Leben nicht vorstellen“ - und so verschwendet Klein keinen Gedanken daran die Laufschuhe in absehbarer Zukunft an den berühmten Nagel zu hängen. „Mir macht das Laufen nach wie vor viel Spaß. Ich werde mir aber meine Läufe bewusster aussuchen als zuvor. Vor allem werde ich bei Meisterschaftsläufen, bei denen auch die Klasse M 80 auf dem Programm steht, starten. Gesundheitlich geht es mir jetzt wieder viel besser als in den letzten beiden Jahren, dafür habe ich auch meine Ernährung umgestellt. Rohkost bestimmt meinen Speiseplan. Fleisch esse ich nur noch ganz wenig und Alkohol trinke ich gar nicht mehr.“
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Sein letzter großer Lauf war der 1. Freiburg Marathon, bei dem er vor wenigen Wochen über die 21,1 km lange Halbmarathondistanz startete. „Es lief unheimlich gut, ich habe mich nach dem Rennen fit gefühlt. Es war schon etwas besonderes vor so vielen Zuschauern und bei dieser fantastischen Stimmung zu laufen.“ Nach 2:22 Stunden erreichte er das Ziel und war unter den rund 5000 Startern noch lange nicht der Letzte. |
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Warum läuft einer noch mit 80 Jahren? Warum „quält“ sich jemand Woche für Woche über lange Strecken, den asphaltierten Straßen entlang, die Berge hoch, durch matschige Crossparcours oder auf den monotonen Bahnen im Stadion, statt sich seines wohlverdienten Ruhestandes zu erfreuen? Für Außenstehende, aber selbst auch für Insider, ist das schwer zu verstehen, doch Reinhard Klein hat für sich und alle anderen eine plausible Antwort: „Freude am Laufen, das ist es, was meinen Sport zu meiner wichtigsten Beschäftigung macht. Das Laufen gibt mir die Kraft, psychische und physische Tageswehwehchen zu vergessen. Gesundheit täglich neu zu schöpfen, aber auch ab und zu bei einem Wettkampf gegen mich und andere zu zeigen, dass noch was drin ist.“
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Auch die vielen Reisen und die Kontakte die sich durch den Laufsport ergeben waren und sind für den Altersklassenläufer wichtig. „Durch den Laufsport komme ich regelmäßig in andere Städte, Regionen und Länder, lerne immer wieder neue Gleichgesinnte kennen. Das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.“ |
Dabei begann er erst im Alter von 55 Jahren mit dem Laufen, zuvor konnte er lange Zeit dem Sport nichts abgewinnen. „Die berufliche, kreative Tätigkeit als Grafiker verführte mich zum starken Rauchen und dem Alkohol war ich auch nicht abgeneigt.“ Infolge dieses ungesunden Lebenswandels stellten sich Bandscheibenprobleme ein, die so stark wurden, dass er am Ende weder schmerzfrei sitzen oder liegen konnte. Die Schmerzen wurden vom Arzt mit Morphium behandelt. „Da reifte in mir der Entschluss, dass ich mein Lebenswandel ändern muss. Das war der einzige Weg zur Wiederherstellung meiner Gesundheit. Hierzu gehörte vor allem das Einstellen des Rauchens, was mir auch nach einer schweren Übergangszeit gelang.“
Als „Feld-,Wald- und Wiesenläufer“ (so Klein) begann er erstmals sich sportlich zu betätigen. Durch Günter Siegeris, einen über die Region hinaus bekannten Marathonläufer, kam Klein zum Leistungssport und trainierte unter seiner Anleitung bis zu viermal wöchentlich. Von Anfang an war ein Marathonlauf als Ziel geplant. Schon nach einem Jahr war es soweit. Reinhard Klein schaffte in Biel seinen ersten Marathon. „Die Zeit war Nebensache. Das Durchkommen war entscheidend. Es war ein Sieg über mich selbst. Nach meinen gesundheitlichen Problemen hatte ich mir eine solche Leistung nicht zugetraut.“ Schon bald reichte ihm Marathon nicht mehr und er richtete sein Training auf einen 100 km Lauf aus. Auch dieses Ziel schaffte er und startete er bei der berühmten Bieler Nacht über 100 km. Insgesamt brachte er es auf mehr als 60 Marathonläufe, vier 100 km Läufe, unzählige Stadt-, Berg-, Cross und Bahnläufe. „Besonders faszinieren mich Bergläufe. Das beeindruckende Landschaftserlebnis ist etwas einmaliges.“ Und ins Schwärmen gerät er, wenn er vom Matterhornlauf erzählt: „Das ist der schönste Berglauf. Fantastisch wie man das Matterhorn vor Augen dem Ziel entgegenläuft und im Ziel dann einen Blick auf rund 30 Viertausender hat.“
Aber nicht nur das Landschaftserlebnis zählt, auch Zeiten und Platzierungen sind für ihn wichtig. Über die klassische Marathondistanz von 42,195 km erzielte der für den USC Freiburg startende Altersklassenläufer eine Bestzeit von 3:07 h, über 100 km blieb er mit 9:14 h deutlich unter Zehn-Stunden. Über die Marathonstrecke wurde er in seiner Klasse Seniorenvizeweltmeister. Rund 80 Pokale und noch mehr Siegermedaillen zieren seine Wohnung. Auch wenn er sichtbar stolz auf die Ehrenpreise ist, so trennt er sich immer wieder von einigen seiner Pokale und überreicht diese bei Wettbewerben an die jüngsten Teilnehmer.
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Mehrere Jahre war der begeisterte Läufer als stellvertretender Chefredakteur für die Laufzeitschrift CONDITION tätig. Auch in den letzten Jahren griff er immer wieder mal zur Feder, bzw. setzte sich an seine Schreibmaschine und verfasste Laufberichte. |
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Immer wieder setzt er sich bei Veranstaltern und Verbänden für die Einführung der obersten Altersklassen wie M 70, M 75 und M 80 ein. „Es ist schon frustrierend, wenn bei einer Berglauf Weltmeisterschaft, wie im Vorjahr in Zell, die Klassenwertung bei der M 70 aufhört. Da haben wir, die fast zehn Jahre älteren Läufer, doch kaum eine Medaillenchance“.
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Seit drei Jahren engagiert sich Reinhard Klein als ehrenamtlicher, freier Hospizbegleiter in einem Freiburger Altenpflegeheim. „Das ist von mir als ein Dankeschön an meinen Schöpfer gedacht, denn das ich mit 80 Jahren noch so gesund und fit bin, und immer noch laufen kann, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Wer Reinhard Klein zur Zeit erlebt und wer ihn beim und nach dem Freiburg-Marathon gesehen hat, der merkt schnell, dass der mehrfache Groß- und Urgroßvater noch lange die Laufszene bereichern wird. |
Reinhard Klein sprüht derzeit vor Tatendrang und so wehrt er alle Fragen, wann er denn mal mit dem Laufen aufhören will, energisch ab. Der berühmte Nagel wird noch lange auf Reinhard Kleins Laufschuhe warten müssen.
Reinhard Klein vorgestellt und fotografiert von Winfried Stinn
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