Marcus Imbsweiler

Dann schreib` doch ein Buch

von Walter Wagner im April 2009

Kaum werden die Laufschuhe regelmäßig geschnürt, schon glüht die Tastatur. Zwischen Buchdeckel gepresst gibt dann die x-te Veröffentlichung Auskunft über die neu entdeckte Erlebniswelt Laufen. Book-on-Demand macht es möglich. Läufer haben mitunter nicht einmal Hemmungen aus so einem Erfahrungsnichts mit einem Ratgeberbuch aufzuwarten, nennen sich fortan Erfolgstrainer und Buchautor. Es gibt auch befähigte Fachbuchautoren im Ausdauersport, die es vom Lehrbuch in die Unterhaltung treibt. So hat Manfred Steffny gerade mit der Veröffentlichung einer "Bettlektüre" überrascht, die aber immerhin noch in der Leichtathletikszene angesiedelt ist.

Mit Marcus Imbsweiler beleuchten wir einen Vertreter einer anderen Kategorie. Dass er hier vorgestellt wird, hat - und das dürfte wenig überraschen - damit zu tun, dass er ein Läufer ist. Die Einleitung - und auch das liegt auf der Hand - rührt daher, dass Marcus Imbsweiler Bücher schreibt. Laufen spielte darin bisher keine Geige, obwohl Musik und insbesondere das genannte Instrument seinen Lebensalltag wesentlich bestimmen. Marcus Imsbsweiler hat Musikwissenschaft und Germanistik studiert, arbeitete als freier Mitarbeiter beim Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg und schreibt regelmäßig Beiträge für das Feuilleton, den Unterhaltungsteil einer Zeitung.

 

Geboren wurde er 1967 in Saarbrücken. Seine Wahlheimat ist Heidelberg, wo er studierte und 1997 seinen Abschluss machte. Mit seiner Frau Sonja, die in Heidelberg das seltene Handwerk einer Geigenbauerin ausführt, hat er drei Töchter, 1, 4 und 5 Jahre alt. Leicht vorstellbar, dass seine Tage sehr strukturiert ablaufen und nicht an Spitzwegs "Der arme Poet" erinnern, welcher bekanntlich im Bett zur Feder griff. Sind die Kinder am Morgen versorgt, beginnt Marcus Imbsweiler mit seiner Schreibarbeit und diese wird gegen 15.00 Uhr beendet, wenn die Kinder wieder nach Hause kommen.

"Wenn es zum Musiker nicht reicht, wird man Musikwissenschaftler", spöttelt Marcus Imbsweiler über seinen Berufsweg. Er schreibt u.a. Texte für die Programmhefte zu Konzerten und Musikaufführungen, spielt selbst Fagott und Klavier. "Das ist mein Hobby", stellt er nochmals fest. Es scheint sich zumindest um einen besonders musikalischen Haushalt zu handeln. Doch auch der Sport greift um sich. So wird Sonja beim Heidelberger Halbmarathon ihr Debüt geben. Die ganz Familie zum Laufen gebracht hat jedoch schon der Vater von Marcus, ein Marathonläufer.

 

Bis zum Studium hatte Marcus Imbsweiler Fußball gespielt. Seine Entwicklung als Läufer ist noch nicht abgeschlossen. Beim Bienwald Marathon in Kandel ist er über die Halbmarathondistanz im März in 1:14:00 h persönliche Bestzeit gelaufen. Den Marathon in Berlin lief er 2007 in 2:42:05 h und im gleichen Jahr im Dezember in Rheinzabern persönliche Bestzeit über 10 km in 33:29 min. Mit seinen Teamkollegen von der TSG Heidelberg stellt er nicht selten die Siegermannschaft in der Region, läuft aber auch in der M40 von Erfolg zu Erfolg. Dabei kommt er nur auf etwa 70 Trainingskilometer in der Woche.

Im Jahr 2007 kam sein erstes Buch auf den Markt: Bergfriedhof. Ein beachteter Krimi, der in Heidelberg spielt, wo er Land und Leute kennt. Seine Hauptfigur, der Privatdetektiv Max Koller, war von Anfang an als Serienheld konzipiert. Bedenkt man, dass sein Erstling Jahre bis zur Druckreife brauchte, ein erstaunlicher Ansatz. Waren die meisten Kritiker voll des Lobes, erntete er auch Unverständnis hartgesottener Krimileser, die ihm Ausflüge in Gesellschaftsstudien und gar Amüsantes, teils abstruse Dialoge und Witz nicht durchgehen ließen. Recht gibt ihm letztendlich der zweite Fall des Privatdetektivs und Lebenskünstlers Koller, der längst im Buchhandel erhältlich ist. Basierend auf den Insider-Kenntnissen aufgrund seiner Mitarbeit beim Philharmonischen Orchester ist ein weiteres Gewaltverbrechen aufgebaut. Der Titel "Schlussakt" darf jedoch nicht falsch verstanden werden, denn ein dritter Fall hält Max Koller weiterhin auf Trab. Genauer auf dem Rad, denn der "Held" läuft nicht und ist kein abstinenter Gesundheitsapostel. Man darf auf das Erscheinen gespannt sein.

Ein paar Kurzgeschichten von Marcus Imbsweiler finden sich auch im Sampler "Mörderische Kurpfalz". Und hier muss ich mich korrigieren, denn bei "Unter zwei Stunden" kommt das Laufen nicht zu kurz. Marcus Imbsweiler ist vielseitig. Er hat auch schon ein Drehbuch für ein Hörspiel geschrieben. Und es gibt weitere Bücher von ihm. "König von Wolkenstein", eine 432 Seiten starke Politsatire und Gesellschaftskomödie: Vorsicht, Sie könnten ihre Nachbarn erkennen. Denn Wolkenstein ist überall. "Verwandte auf dem Mars" - Eine Familie in Geschichten. Mit Ironie und Humor in 14 Geschichten dem Gedanken folgend: Ist es nicht ein Kreuz mit den Verwandten?

 

Marcus Imbsweiler verfolgt seine sportlichen Ziele. Als stattlicher Mann und immer vorne dabei, ist er nicht zu übersehen und die Ergebnislisten zeugen vom Erfolg. Seine beruflichen Ziele sind schwierig zu erreichen und schwerer messbar. Die Belletristik ausbauen und vom Bücherschreiben leben können, das wäre ihm am liebsten. Seine Voraussetzungen sind nicht schlecht, er ist ausdauernd und diszipliniert. Kaum zu glauben, dass er auch die Webseite der TSG Heidelberg betreut, wo er 2001 Mitglied wurde.

Im August wird es im NaturFreundehaus Elmstein eine Krimiwerkstatt mit Marcus Imbsweiler geben. Idee, Handlung, Aufbau, Erzählweise usw. mit viel Praxis und Übungen. Mit seiner pointierten gestenreichen Vortragsweise, hat er sich schon fragen lassen müssen: Sind sie von der Polizei?

Dass die Personen in den Romanen frei erfunden sind, versichert Marcus Imbsweiler immer wieder. Doch das ist so ein Kreuz mit den Romanfiguren, sind sie handwerklich gut gemacht, dann werden sie lebendig und nehmen Gestalt an. Und vielleicht ist doch dieser oder jener gemeint? Wir haben mit Marcus Imbsweiler einen interessanten Läufer in unseren Reihen und ich wage mit einem bei meiner Recherche aufgegriffenen Satz zu schließen: Passen Sie also gut auf sich auf, denn Mord ist eine ernste Sache. Eine todernste!

Das Portait "Marcus Imbsweiler" erstellte Walter Wagner
Fotos © LaufReport.de

Zu weiteren Portraits bei LaufReport klick HIER

Zu aktuellen LaufReport-Inhalten klick HIER

Peter Paradeiser alias Marcus Imbsweiler:
Himmelreich und Höllental
Gmeiner-Verlag Meßkirch, 2011
324 Seiten, Paperback
Preis: 11,90 €
ISBN 978-3-8392-1121-2
Im Internet unter www.marcus-imbsweiler.de

© copyright
Die Verwertung der Texte und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse siehe unter IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.