Portrait Ulrike Hoeltz

Siegläuferin der LSG Karlsruhe wird 50

von Johann Till im Februar 2011

Am 31. März 2011 feiert die wohl renommierteste Läuferin der LSG Karlsruhe ihren 50. Geburtstag. Anlass genug, die seit jetzt schon mehr als 2 Jahrzehnten bekannte Siegläuferin aus der badischen Residenz näher vorzustellen und in die Galerie der von LaufReport porträtierten Läuferinnen einzureihen.

Ulrike Hoeltz bei Deutschen 10.000m Meisterschaften... ... und im internationalen Straßenrennzirkus am Start (Ratingen)

Wie viele andere, hat auch Ulrike Hoeltz ihr läuferisches Talent relativ spät entdeckt. Geboren und aufgewachsen in Wuppertal, hat sie nach ihrem Abitur, noch in ihrer Heimatstadt, erst mal eine solide Banklehre abgeschlossen, bevor sie sich in Freiburg dem Studium der Jurisprudenz widmete. Einmal im Badischen und fern dem Elternhaus hat sich die junge Studentin dann sogleich in Baden-Württemberg verliebt. Nach ihrer Referendarzeit beim Landgericht Karlsruhe fand sie zuerst bei einer Steuerberatungsgesellschaft Anstellung. Das Steuerrecht machte zwar Spaß, die ausgesprochene Männergesellschaft mit ihrem Ellenbogendenken war auf Dauer jedoch nichts für sie. Schon nach kurzer Zeit wechselte sie daher die Fronten. Von nun an dem Fiskus dienend, wacht Ulrike seither für die Finanzverwaltung Baden-Württemberg als ihrem obersten Dienstherrn darüber, dass dem Kaiser gebührt was ihm zusteht. Zuerst bei der Staatsschuldenverwaltung hat sie danach für ihre neue Wahlheimat, dem Land Baden-Württemberg, in den Finanzämtern Walldürn und Rastatt streng darauf geachtet, dass dem Musterländle auch die entsprechenden Kohlen geliefert werden um sein Prädikat weiterhin erhalten zu können.

Ulrike mit Norbert Wein - Vorsitzender der LSG Karlsruhe - Anfang der 90er in Rheinzabern Beim FINAMA in den 90ern im Kreis der LSG Karlsruhe Läufer

Noch während ihres Jurastudiums hat Ulrike beim gelegentlichen Joggen sinniert: "… zum Ausgleich ganz gut, aber meine Sportart wird das wohl nie werden." Während ihrer Referendarzeit griff Ulrike lieber zum Racket und wurde so Mitglied des "TC Grötzingen". So war es dann auch eine Tenniskollegin, die Ulrike im Jahr 1990 auf die Idee zum Laufen brachte. Eine gemeinsame Teilnahme bei der "Badischen Meile" zündete den Funken, der schon am nächsten Tag zur Teilnahme am Karlsruher Marathonlauf verführte. Qualvolle 4:45 h lang mühte sich Ulrike über das Pflaster ihrer Wahlheimat. Anstelle von erstem läuferischem Lorbeer holte sich Ulrike einen fürchterlichen Muskelkater. Und doch, nicht etwa: "Nie wieder Marathon" hatte sich die ehrgeizige Rheinländerin damals eingehämmert, nein! "Nie wieder untrainiert zum Marathon" wurde zu ihrem eisernen Vorsatz.

1992 schon auf dem Siegertreppchen
beim Hornisgrinde Marathon
Beim Karlsuher Marathon 1995
3. beim HM 1997 in Prato

Sie besuchte fortan die Lauftreffs des SSC Karlsruhe-Waldstadt und begann regelmäßig zu joggen. Auf diesen Joggingrunden knüpfte Ulrike dann auch erste Kontakte zu Läuferinnen und Läufern der "LSG Karlsruhe", der sie bis heute die Treue hält. Bei der Laufsportgemeinschaft Karlsruhe fand Ulrike ihre neue sportliche Heimat. Durch ein zielgerichtetes Aufbautraining stellten sich die ersten Erfolge ein. "Mein Gefühl, wohl nicht ganz unbegabt zu sein, hat mich motiviert und weckte meine Begeisterung fürs Laufen." Die Tennis-Ära war schnell vergessen. Zum Schläger greift Ulrike seither nur noch sporadisch. "Nach einem stressigen Arbeitstag einige Kilometer durch den Wald zu rennen tut mir unheimlich gut."

Seit Herbst 2007 trägt Ulrike als Sachgebietsleiterin für Erbschaftssteuer beim Finanzamt Karlsruhe-Durlach die Verantwortung. Ein läuferischer Katzensprung von ihrer Wohnung weg, die sie seit einem halben Jahrzehnt , gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem bekannten Mastersläufer Peter Beil, teilt. Das war nicht immer so. Als Ulrike noch im Finanzamt Rastatt tätig war, hat sie die 30 Kilometer zur Dienststelle oft als Trainingseinheit mit dem Fahrrad und gelegentlich auch mal per Pedes zurückgelegt.

Bern Grand Prix 2001 Ulrike Hoeltz und Peter Beil am Start des Engadiner Sommerlaufs

Ihr Training plante sie schon immer selbst - "Ich weiß am besten, was mein Körper verkraftet, was ich ihm zumuten kann" - und das ist nicht wenig. 70 Kilometer die Woche waren zu Ulrikes besten Zeiten das Mindeste. In Vorbereitungszeiten zu Meisterschaften konnten es auch schon mal 120 werden. "Einmal habe ich sogar 150 Kilometer geschafft." Dass bei so einem ausgebildeten Trainingsfleiß und Willen sich dann auch alsbald die ersten Erfolge einstellten, war zwingende Konsequenz. Fünf Jahre nach ihrem Einstieg in die Lauferei, hatte Ulrike ihre Marathonzeit schon deutlich verbessert. Beim Karlsruher Rotkreuz-Marathon 1995 lief sie in 2:56:24 h auf den 2. Rang der Frauenwertung. Ein Jahr später, 1996, wurde sie erneut Zweite. Ihre Laufzeit hatte sie zwischenzeitlich auf 2:50:25 h gesteigert. Neben ungezählten Gesamtsiegen in der Frauenkonkurrenz auf unterschiedlichsten Distanzen gewann Ulrike wiederholt die Winterlaufserie in Rheinzabern, siegte sowohl auf Bahnwettkämpfen und Bergläufen wie im Ultrabereich, wenngleich letzterer nie zu ihrer Domäne wurde.

Ulrike Hoeltz ist eine Meisterschaftsläuferin auf der Straße, der Bahn und in jedem Gelände

Ihren größten läuferischen Triumph feierte sie am 4. Mai 1997. Mit ihrer Marathonbestzeit von 2:47:22 h gelang Ulrike Hoeltz der dritte Platz in der Gesamtwertung bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Regensburg. Schon der Altersklasse W40 zugehörig, wiederholte Ulrike ihren Erfolg 2003 in Duisburg. Bei hochsommerlichen Temperaturen lief Ulrike bis Kilometer 32 gar auf Silberrang, musste sich dann am Ende in 2:55:16 h aber erneut mit der Bronzemedaille begnügen. Die Anzahl an Titeln und Medaillen, welche Ulrike auf Bundes- und Landesebene im Laufe der Jahre errungen hat und ihre sportliche Vita schmücken, hat sie nie gezählt. Für Ulrike stand immer mehr die erreichte Zeit im Vordergrund. So schwärmt sie auch lieber von ihrem 5. Platz im Gesamteinlauf der Frauen 2003 in Frankfurt, wo sie nach 2:49:12 h auch internationale Konkurrenz hinter sich ließ. Unheimlich stolz ist sie auf ihren internationalen Gesamtsieg 2005 in Florenz, wo sie den dortigen Halbmarathon in der Zeit von 1:21:01 h gewann.

Bestzeiten:

800m

2:27,56 min

10 Kilometer

36:11 min

1500m

4:51,19 min

Halbmarathon

1:19:34 h

3000m

10:06,34 min

25 Kilometer

1:35:31 h

5000m

17:28,02 min

Marathon 

2:47:22 h

10.000 m

36:13,27 min

   

Im Winter ist Ulrike auch gerne mal mit Brettern unter den Füßen unterwegs. Überhaupt, noch vor ihrem ersten Marathon per pedes hat sie sich schon beim Engadiner Skimarathon bewährt. So hat sich Ulrike im Laufe der Jahre bei diesem Event bis in die Startgruppe der "Elite A" vorgearbeitet. Nicht einfach bei meist über 10.000 Teilnehmern. Platz 52 war bis dato Ulrikes beste Platzierung. Klar, dass bei soviel Talent auch auf Brettern schon mal ein Meistertitel errungen wurde. So wurde sie am 18. Februar 2006 in Oberstaufen bei den DM im Wintertriathlon (Laufen, Mountainbike u. Skilanglauf) Deutsche Meisterin in der Altersklasse W45. Nur 5 Frauen insgesamt finden sich vor Ulrike auf der Ergebnisliste.

Auch beim Skimarathon in Valbella ...
... führt der Weg aufs Treppchen
Schneesicher auch beim BW Cross

Heute hat Ulrike die Jagd nach neuen Bestzeiten längst abgehakt. Ihr Ehrgeiz ist geblieben. Ein Platz ganz oben auf dem Treppchen ihrer Altersklasse ist ihr noch immer was wert und hierfür spult sie auch heute noch ein qualifiziertes Trainingspensum ab. Wünschen wir der engagierten und langjährigen Sportwartin der LSG Karlsruhe, dass ihr dies noch viele Jahre gelingen möge. Die Altersklasse der "Fünfzigjährigen" hat mit Ulrike Hoeltz auf jeden Fall eine enorme Bereicherung erhalten.

Das Porträt "Ulrike Hoeltz" erstellte Johann Till
Fotos LaufReport & privat

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