Charly Doll - ein Porträt

  • Mit einer Wette begann alles

  • Deutsche Meistertitel und Siege bei internationalen Klassikern waren Höhepunkte seiner Karriere

  • Talent an seine Kinder vererbt

von Winfried Stinn im April 2014

Charly Doll lief in den achtziger und neunziger Jahren als Berg- und Ultralangstreckenläufer in der Weltspitze mit, gewann einschließlich Seniorentitel 18 Mal bei deutschen Meisterschaften, holte Medaillen bei Berglauf Weltcups, gewann internationale Klassiker wie den Swissalpine Marathon in Davos (67 km/2300m bergauf und bergab), den Comrades Marathon (90 km) in Südafrika, hielt jahrelang den Weltrekord im 12 Stunden-Skilanglauf, um nur einige seiner Highlights aufzuzählen.

Seine ersten Erfolge feierte er als Läufer für die LG Hohenfels, später startete er für den Freiburger FC, den LC Breisgau und den SV Kirchzarten. Darüber hinaus sorgte Charly Doll, der mit seiner Familie in Hinterzarten /Schwarzwald lebt, 2002 auch als Olympiakoch für die Skisprungnationalmannschaft mit den Olympiasiegern und Weltmeistern Sven Hannawald und Martin Schmitt für Schlagzeilen.

 

Für sportliche Schlagzeilen sorgen jedoch in den vergangenen Jahren mehr seine beiden Kinder. Sohn Benedikt ist ein erfolgreicher Biathlet, der bei den Europameisterschaften 2011 und 2013 bereits mehrere Medaillen gewinnen konnte. So gewann er bei der Europameisterschaft 2013 in Bansko Silber im Sprint und Gold im Verfolgungsrennen. Mehrmals wurde Benedikt Doll auch bei Weltcups eingesetzt. Tochter Stefanie war ebenfalls eine erfolgreiche Biathletin, konzentrierte sich aber in den vergangen Jahren mehr aufs Laufen. Als Biathletin gewann sie 2005 u.a. den Deutschland Pokal, wurde mehrfache Baden-Württembergische Meisterin und errang bei der deutschen Jugendmeisterschaft den zweiten und dritten Platz. Als Läuferin gewann sie beim Schwarzwald Marathon in Bräunlingen den Halbmarathon-Wettbewerb und ein Jahr später den Marathon in genau 3:00 Stunden.

Seit 2010 veranstaltet Charly Doll in Breitnau, unweit seines Heimatortes Hinterzarten, den Breitnau X-Trail-Run. Neben einem Halbmarathon (21 km/ 900 m HD) stehen noch die Funstrecke (10km/ 350 m HD) und die Schülerstrecke (4km/ 100 m HD) auf dem Programm. Beim Halbmarathon führt die - durch Abwärtspassagen und zwei extreme Steilpassagen mit ihren Trails, Steigen, Brücken und Treppenstufen - recht anspruchsvolle und landschaftlich reizvolle Strecke durch die berühmte Ravennaschlucht. Von der Strecke schwärmt Doll: "Ich freue mich, einen eigenen Laufwettbewerb - ein Swissalpine Marathon in Miniaturausführung - zu veranstalten. Damit ist für mich ein Wunschtraum in Erfüllung gegangen. Durch die beiden extremen Steigungen, beim Halbmarathon, hat die Strecke schon fast alpinen Charakter." - "Man muss also nicht unbedingt in die Alpen fahren, um extreme Steigungen zu bewältigen. Das können wir auch hier im Schwarzwald anbieten", führt Doll weiter aus.

 

Nun aber zurück zu Charly Dolls Karriere. Charly Dolls sportliche Laufbahn begann erst im Alter von 24 Jahren. Eine Wette mit Freunden brachte ihm schließlich zum Leistungssport. "Ich nahm am 60 km Skilanglauf Schonach-Hinterzarten teil. Ich hielt zwar durch, aber danach war mir so elend, dass ich beschloss mehr zu trainieren." Erfolge stellten sich recht bald ein, u.a. stellte er 1986 einen Weltrekord im Zwölfstundenlauf auf, der jahrelang Bestand hatte. Schnell entfaltete sich auch seine Liebe und sein Talent für alle möglichen Ausdauersportarten, ob Triathlon, Radfahren, Laufen, alles machte ihm Spaß. Je länger, je höher, je spektakulärer die Strecken waren, umso mehr Spaß machte es ihm und umso erfolgreicher wurde er.

1985 gewann er in seinem Geburtsort Bühlertal seinen ersten Berglauf. "Ich war überrascht, dass ich gleich mit den Spezialisten mithalten konnte und dann sogar als Erster oben war", erinnert sich Doll. Es folgten zwei deutsche Vizemeisterschaften, ehe er drei Jahre später erneut in Bühlertal seinen ersten deutschen Meistertitel gewann. In Müllheim wurde er ein Jahr später erneut Deutscher Berglaufmeister. Zuvor war ihm bereits 1986 beim Berglauf Weltpokal in Sondrio mit dem Gewinn der Bronzemedaille in der Einzelwertung der internationale Durchbruch gelungen. Dazu gab es noch Bronze mit der Nationalmannschaft, die er ein Jahr später beim Berglauf Weltpokal in Lenzerheide versilbern konnte. Ebenfalls für internationale Schlagzeilen sorgte er 1987 und 1988 mit dem Gewinn des Internationalen Swissalpine Marathons, damals ein Lauf mit 67 km Länge und einen Höhenunterschied von plus/minus 2300 Metern. In den folgenden Jahren gewann er vor allem in der Schweiz einen Klassiker nach dem anderen, so dass er schon als "König der Schweizer Berge" tituliert wurde.

1990 wurde er mit der Weltbestzeit von 6:29:39 Stunden Deutscher Meister im 100 km Lauf. Bis dahin hatte er kaum mit Verletzungen zu kämpfen. "Eigentlich hätte ich gar nicht laufen dürfen, ich hatte einen Infekt. Aber ich hatte mich über Monate hinweg intensiv auf diesen Lauf vorbereitet, dass ich nicht auf einen Start verzichten wollte. Im Nachhinein war das natürlich falsch. Aber es kam noch schlimmer. Nachdem 100 km Lauf konnte ich eine Woche lang kaum gehen, geschweige denn laufen. Trotz aller Warnungen nahm ich acht Tage später am Schluchseelauf teil. Das war natürlich totaler Blödsinn, der größte Fehler den ich machen konnte. Danach hatte ich ständig mit Verletzungen und Krankheiten zu tun. Das Immunsystem war angegriffen, eine Folge der zu kurzen Regenerationszeit", analysiert Doll selbstkritisch später.

Nach einer Durststrecke von drei Jahren meldete sich Doll 1993 wieder mit einem Paukenschlag zurück. Mit 39 Jahren, als ihn schon viele abgeschrieben hatten, trumpfte der Allroundsportler nochmals groß auf und gewann in Südafrika den Comrades Marathon über 90 km. "Für mich war es das schönste Lauferlebnis meiner Karriere. Millionen von Menschen säumten die Strecke und jubelten uns zu", schwärmte Doll.

Auf dieses Laufereignis hatte sich Doll intensiv und gewissenhaft vorbereitet. Und die Laufszene, die den Langstreckenläufer seit mehr als 15 Jahren kannte, erlebte einen völlig veränderten Doll. Früher beteiligte er sich an jedem Lauf, sofern es ihm sein Beruf als Küchenchef ermöglichte. "Mir macht das Laufen Spaß, daher nehme ich mir mit was mir mein Beruf zulässt", war die lapidare Begründung für seine Vielstarterei, wobei er nicht selten dreimal pro Wochen bei einem Lauf an der Startlinie stand. Doll lief immer bis zum Anschlag und meist beendete er die Rennen als Sieger.

Trainingspläne, Wettkampfvorbereitung und Laktatwerte waren für ihn damals Fremdworte. "Ich habe früher trainiert wie es mir Spaß machte". Das ging bis zu den schon erwähnten 100 km Meisterschaft gut. Seit dieser Zeit plante Doll das Training und die Wettkämpfe bewusster. "Harte Tempoeinheiten im Training gibt es bei mir nicht mehr. Bei Wettbewerben bestimmt nun mehr nicht nur die Konkurrenz, sondern auch der Pulsmesser mein Tempo. Sind die Werte zu hoch, steige ich auch mal aus." Und so kamen die Erfolge, u.a. Sieg beim Comrades in Südafrika, wieder. 2003 wurde er in Zell/ Unterharmersbach Seniorenweltmeister im Berglauf (M45), zuvor hatte als 48jähriger beim 1. Zermatt Marathon im Gesamteinlauf von 1000 Läufern einen ausgezeichneten sechsten Platz belegt.

 

Neben seiner Sportkarriere hat Doll kontinuierlich seine berufliche Laufbahn als Koch ausgebaut. Mit 18 Jahren hat er das Kochhandwerk gelernt, seit 1979 ist er Küchenmeister und leitete große Hotelküchen. Seit 22 Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau Friederike, ebenfalls eine begeisterte Läuferin mit einer Marathon-Bestzeit von 3:03 Stunden, als Geschäftsführer das Seminarhotel "Sonnenhof" in traumhafter Lage oberhalb Hinterzarten. Mit Herbert Steffny (siehe Portrait im LaufReport), dem Bronzemedaillengewinner im Marathonlauf von 1986, veranstaltet er regelmäßig erfolgreich Seminare für Ausdauersportler und führt Vollwertkochkurse durch, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

"Ich koche natürlich auch nur mit Wasser", erzählt er schmunzelnd, "mein Ziel ist es, den Seminarteilnehmern zu vermitteln, dass man mit wenig Aufwand gesunde nahrhafte und schmackhafte Vollwertkost zubereiten kann." Höhepunkt seiner Kochlaufbahn war dann 2002 die Berufung zum Olympiakoch für die deutsche Skisprungnationalmannschaft. "Der damalige Co-Trainer Wolfgang Steiert hatte mich bei einem Spaziergang gefragt, ob ich mir vorstellen könne, bei den Olympischen Spielen für die Skispringer zu kochen. Ich war natürlich überrascht über dieses Angebot und sagte nach kurzer Bedenkzeit zu. Als Sportler konnte ich nie zu Olympia, da meine Disziplinen nicht olympisch waren; so habe ich es dann dennoch geschafft, einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Es war schon eine besondere Faszination für mich in Amerika zu sein und dann bei den Olympischen Spielen für eine Mannschaft zu kochen. Das Ganze ging recht familiär zu und es herrschte eine tolle Stimmung. Schließlich gewann ja die Nationalmannschaft die Goldmedaille. Ich hatte auch Gelegenheit mir einige Wettkämpfe anzusehen und konnte so olympisches Flair genießen", schwärmt Doll.

Auch als Buchautor hat sich Charly Doll hervorgetan. Gemeinsam mit Herbert Steffny und Ulrich Pramann erschien im Januar 2003 im Südwestverlag "Perfektes Lauftraining - Das Ernährungsprogramm". "Ernährungsgrundlagen für den Alltag" - "Abnehmen rund um den Ausdauersport" - "Vollwertig und schmackhaft essen und Genießen für Spitzenleistungen" sind einige Themen. Rezepte vom Olympiakoch vervollständigen das Werk.

Durch viel Sport hält sich Charly Doll auch heute noch fit. "Ich versuche noch sechs Mal die Wochen zu trainieren. Tägliches Laufen, bei schönem Wetter auch Radfahren und im Winter solange wie möglich Skating und Skilanglauf. Ich mache mittlerweile pro Woche einen Ruhetag.

Auch Bergwandern mit Nordic Walkingstöcke macht mir Spaß und ist ein Ausgleich zum Joggen." Dennoch bleibt auch noch Zeit für weitere Hobbies. "Am liebsten baue und renoviere ich alte Wohnungen und Räume. Auch neue Rezepte mit neuen hochwertigen Produkten auszuprobieren, macht mir viel Freude."

Laufen hat einen großen Teil seines Lebens beeinflusst. So fällt es ihm nicht schwer eine positive Bilanz zu ziehen und hier sieht Doll nicht nur seine Erfolge. "Das Laufen hat mich sehr mit der Natur und den Landschaften verbunden. Durch das Laufen habe ich viele wunderschöne Orte kennen gelernt. Auch durch das regelmäßige Sport treiben konnte man sich gut und gesund ernähren und ich musste nicht dauern auf die Kalorien achten. Essen ist eine Leidenschaft und ein großer Genuss für mich. Ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte habe ich mir immer durch einen guten Lauf erarbeitet. Heute bin ich 60 Jahre und habe noch das Gewicht wie vor 40 Jahren. Der große Drang nach Bergen, Natur und Bewegung ist bei mir immer noch da. Nur mache ich nicht mehr so viele Wettkämpfe. Ich mache nur noch Wettkämpfe, welche mir Spaß machen."

Infobox

Charly Doll
geb. 9. Januar 1954 in Bühlertal
wohnhaft in Hinterzarten

Küchenmeister
Autor des Buches "Perfektes Lauftraining - Das Ernährungsprogramm"
in Zusammenarbeit mit Herbert Steffny und Ulrich Pramann

 

Seine größten Erfolge:

18-facher Deutscher Meister im Berg- u. Ultralauf (einschließlich Seniorenmeisterschaften)
Comrades-Marathonsieger Südafrika
Bronzemedaille Berglauf Weltcup (Einzel)
Silbermedaille Berglauf Weltcup Mannschaft
Senioren Weltmeister
Mehrfacher Sieger Swissalpine Marathon Davos
Deutscher Rekord 100km in 6:29 Stunden
Weltbestleistung im Skilanglauf über 12 Stunden: 218,86km
Sieger und Streckenrekordhalter bei zahlreichen Schweizer Bergläufen

Das Portrait "Charly Doll" erstellte Winfried Stinn
Fotos © Winfried Stinn und privat

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