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Charly Doll wird 50

Mit einer Wette begann alles

Deutsche Meistertitel und Siege bei internationalen Klassikern waren Höhepunkte seiner Karriere

Ein Porträt von Winfried Stinn

Als Olympiakoch für die Skisprungnationalmannschaft mit Sven Hannawald, als Buchautor und als Seniorenweltmeister im Berglauf sorgte Charly Doll in den beiden letzten Jahren nochmals kräftig für Schlagzeilen.

Seit mehr als 15 Jahren läuft  Charly Doll als Berg­ und Ultralangstreckenläufer in der Weltspitze mit, gewann mehrere deutsche Meisterschaften, holte Medaillen bei Weltcups, gewann internationale Klassiker wie den Swiss Alpine Marathon in Davos (67 km / 2300m bergauf und bergab), den Comrades (90 km) in Südafrika, hielt Jahre lang den Weltrekord im 12 Stunden-Skilanglauf, um nur einige seiner Highlights aufzuzählen. Seine ersten Erfolge feierte er als Läufer für die LG Hohenfels, später startete er für den Freiburger FC, den LC Breisgau und den SV Kirchzarten.

Am 9. Januar feiert der erfolgreiche Sportler, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in Hinterzarten lebt, seinen 50. Geburtstag.

Anlass für uns nochmals seine großartige Karriere Revue passieren zu lassen.

Charly Dolls sportliche Laufbahn begann  erst im Alter von 24 Jahren. Eine Wette mit Freunden brachte ihm schließlich zum Leistungssport.

„Ich nahm am 60 km Skilanglauf Schonach-Hinterzarten teil. Ich hielt zwar durch, aber danach war mir so elend, dass ich beschloss mehr zu trainieren. Erfolge stellten sich recht bald ein, u.a. stellte er 1986 einen Weltrekord im Zwölfstundenlauf auf, der jahrelang Bestand hatte. Schnell entfaltete sich auch seine Liebe und sein Talent für alle möglichen Ausdauersportarten, ob Triathlon, Radfahren, Laufen, alles machte ihm Spaß. Je länger, je höher, je spektakulärer die Strecken waren, um so mehr Spaß machte es ihm und um so erfolgreicher wurde er.

1985 gewann er in seinem Geburtsort Bühlertal seinen ersten Berglauf. „Ich war überrascht, dass ich gleich mit den Spezialisten mithalten konnte und dann sogar als Erster oben war“, erinnert sich Doll. Es folgten zwei deutsche Vizemeisterschaften, ehe er drei Jahre später erneut in Bühlertal seine erste deutsche Meisterschaft gewann. In Müllheim wurde er ein Jahr später erneut Deutscher Berglaufmeister. Zuvor war ihm bereits 1986 beim Berglauf Weltpokal Sondrio mit dem Gewinn der Bronzemedaille in der Einzelwertung der internationalen Durchbruch gelungen. Dazu gab es nochmals Bronze mit der Nationalmannschaft, die er ein Jahr später beim Berglauf Weltpokal in Lenzerheide versilbern konnte. Ebenfalls für internationale Schlagzeilen sorgte er 1987 und 1988 mit dem Gewinn des internationalen Swiss Alpine Davos Marathons, einem Lauf mit 67 km Länge und einen Höhenunterschied von plus/minus 2300 Meter. In den folgenden Jahren gewann er vor allem in der Schweiz einen Klassiker nach dem anderen, so dass er schon als „König der Schweizer Berge“ tituliert wurde.

1990 wurde er mit der Weltbestzeit von 6:29:39 Stunden Deutscher Meister im 100 km Lauf. Bis dahin hatte er kaum mit Verletzungen zu kämpfen. „Eigentlich hätte ich gar nicht laufen dürfen, ich hatte einen Infekt. Aber ich hatte mich über Monate hinweg intensiv auf diesen Lauf vorbereitet, dass ich nicht auf einen Start verzichten wollte. Im Nachhinein war das natürlich falsch. Aber es kam noch schlimmer. Nach dem 100 km Lauf konnte ich eine Woche lang kaum gehen, geschweige denn laufen. Trotz aller Warnungen nahm ich acht Tage später am Schluchseelauf teil. Das war natürlich totaler Blödsinn, der größte Fehler den ich machen konnte. Danach hatte ich ständig mit Verletzungen und Krankheiten zu tun. Das Immunsystem war angegriffen, eine Folge der zu kurzen Regenerationszeit“, analysiert Doll selbstkritisch später.

Nach einer Durststrecke von drei Jahren meldete sich Doll 1993 wieder mit einem Paukenschlag  zurück. Mit 39 Jahren, als ihn schon viele abgeschrieben hatten, trumpfte der Allroundsportler nochmals groß auf und gewann in Südafrika den Comradeslauf über 90 km. „Für mich war es das schönste Lauferlebnis meiner Karriere. Millionen von Menschen säumten die Strecke und jubelten uns zu“, schwärmte Doll. Auf dieses Laufereignis hatte sich Doll intensiv und gewissenhaft vorbereitet. Und die Laufszene, die den Langstreckenläufer seit mehr als 15 Jahren kannte, erlebte einen völlig veränderten Doll. Früher beteiligte er sich an jedem Lauf, sofern es ihm sein Beruf als Küchenchef ermöglichte. „Mir macht das Laufen Spaß, daher nehme ich mit was mein Beruf zulässt“, war die lapidare Begründung für seine Vielstarterei, wobei er nicht selten dreimal pro Woche bei einem Lauf an der Startlinie stand. Doll lief immer bis zum Anschlag und meist beendete er die Rennen als Sieger.

Trainingspläne, Wettkampfvorbereitung und Laktatwerte waren für ihn damals Fremdworte. „Ich habe früher trainiert wie es mir Spaß machte“. Das ging bis zu den schon erwähnten 100 km Meisterschaften gut. Seit dieser Zeit plant der zweifache Familienvater das Training und die Wettkämpfe bewusster. „Harte Tempoeinheiten im Training gibt es bei mir nicht mehr.

Bei Wettbewerben bestimmen nun mehr nicht nur die Konkurrenz, sondern auch der Pulsmesser mein Tempo. Sind die Werte zu hoch, steige ich auch mal aus.“ Und so kamen die Erfolge, u.a. Sieg beim Comradeslauf in Südafrika, wieder. Erst im vergangenen Jahr wurde er in Zell / Unterharmersbach Seniorenweltmeister im Berglauf, zuvor hatte als 48-jähriger beim 1. Zermatt Marathon im Gesamteinlauf von 1000 Läufern einen ausgezeichneten sechsten Platz belegt.

Neben seiner Sportkarriere hat Doll kontinuierlich seine berufliche Laufbahn als Koch ausgebaut. Mit 18 Jahren hat er das Kochhandwerk gelernt , seit 1979 ist er Küchenmeister und leitete große Hotelküchen. Er führt seit zwölf Jahren, gemeinsam mit seiner Frau Friederike, als Geschäftsführer das Seminarhotel „Sonnenhof“ in traumhafter Lage oberhalb Hinterzarten.

Mit Herbert Steffny, dem Bronzemedaillen-Gewinner im Marathonlauf bei den Europameisterschaften 1986, veranstaltet er seit vielen Jahren erfolgreich Seminare für Ausdauersportler und führt dort Vollwertkochkurse durch, die sich großer Beliebtheit erfreuen. „Ich koche natürlich auch nur mit Wasser“ erzählt er schmunzelnd, „mein Ziel ist es, den Seminarteilnehmern zu vermitteln, dass man mit wenig Aufwand gesunde nahrhafte und schmackhafte Vollwertkost zubereiten kann.“

Höhepunkt seiner Kochlaufbahn war dann 2002 die Berufung zum Olympiakoch für die deutsche Skisprungnationalmannschaft. „Der damalige Co-Trainer und jetzige Bundestrainer Wolfgang Steiert hatte mich bei einem Spaziergang gefragt, ob ich mir vorstellen könne, bei den Olympischen Spielen für die Skispringer zu kochen. Ich war natürlich überrascht über dieses Angebot und sagte nach kurzer Bedenkzeit zu. Als Sportler konnte ich nie zu Olympia, da meine Disziplinen nicht olympisch waren; so habe ich es dann dennoch geschafft einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Es war schon eine besondere Faszination für mich in Amerika zu sein und dann bei den Olympischen Spielen für eine Mannschaft zu kochen. Das Ganze ging recht familiär zu und es herrschte eine tolle Stimmung. Schließlich gewann ja die Nationalmannschaft die Goldmedaille. Ich hatte auch Gelegenheit mir einige Wettkämpfe anzusehen und konnte so olympisches Flair genießen“, schwärmt Doll. Der Kontakt zum Deutschen Skiverband ist geblieben. „Ich schreibe regelmäßig für die Verbandszeitschrift zum Thema Ernährung.“

Zwischenzeitlich hat sich Charly Doll auch noch als Buchautor hervorgetan. Gemeinsam mit Herbert Steffny und Ulrich Pramann schrieb er das im Januar 2003 im Südwestverlag erschienene Buch „Perfektes Lauftraining - Das Ernährungsprogramm“. Ernährungsgrundlagen für den Alltag – Abnehmen rund um den Ausdauersport – Vollwertig und schmackhaft essen und genießen für Spitzenleistungen - sind einige Themen. Rezepte vom Olympiakoch vervollständigen das Werk. „Die erste Auflage ist bereits vergriffen“, stellt Doll erfreut fest.

„Meine Bilanz zum 50.Geburtstag fällt positiv aus. Ich bin rundum zufrieden, es war eine tolle Zeit, ob Laufen, Radfahren, Skilanglauf, das hat mir alles viel Freude gemacht.“ Aber bei Charly Doll ist natürlich mit 50 nicht Schluss. „Nun gibt es wieder neue Ziele, denn ab sofort starte ich ja in der M50.

Beim Skilanglauf läuft es zur Zeit ganz gut, das gibt mir Hoffnung für den Sommer. Mein erster Laufwettbewerb wird wohl der Halbmarathon Ende März in Freiburg sein. Danach wird sich alles Weitere ergeben. Auch Landschaftsläufe wie Rennsteig, Alpine Marathon in Oberstaufen und vielleicht auch noch mal der Swiss Alpine Davos, aber diesmal nur um die Landschaft zu genießen, reizen mich noch.“

Mit 50 kein bisschen müde, alles andere wäre auch bei Charly Doll nicht denkbar gewesen.

Beitrag: Winfried Stinn - Fotos: Winfried Stinn