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Andreina Byrd – immer für Überraschungen gut

Andreina Byrd hatte sich die Herbstsaison zunächst anders vorgestellt. Geplant war nämlich der Marathon in München.

Die 26-jährige Langstrecklerin der MTG Mannheim flog zur Vorbereitung (und um ihre Schwester zu besuchen) nach Florida. Im Jahr zuvor hatte sie sich dort bei bestem Wetter auf idealen Trainingsstrecken für ihre Marathonpremiere fit gemacht. Das hatte gut geklappt. Auf der Fahrt zum Frankfurter Start wurde sie im Shuttlebus von älteren Laufhasen gefragt: „Na Mädchen, zum ersten Mal dabei? Was hast du denn so vor?“ Antwort: „Unter drei…“ „Hä? Wie bitte?! Weißt du, was du dir da vornimmst!“ – der nette Herr war geschockt. Auf Anhieb schaffte sie 2:53 Stunden, Rang neun.
Andreina Byrd
Foto: Gustav Schröder
Rhein-Ruhr-Foto

Doch dieses Jahr wurde sie in Florida statt von Trainingswetter von einem Hurrikan empfangen. Als sie zurückkam, lief im Training auch nichts. Also sagte sie München ab. „Ich wäre ja nicht mit dem Ziel - unter drei - wie beim ersten Mal hingefahren. So eine 2:45 sollte es schon sein. Und da muss alles stimmen.“

Dann kam die Idee, auf die Karte Cross zu setzen. Andreina fuhr nach Gent zum internationalen Cross. Dort wunderten sich die anderen deutschen Läuferinnen „Was machst du denn hier?“ Das war ein guter Trainingswettkampf, der für die deutschen Cross-Meisterschaften Mut gab.

Dann erneut ein Rückschlag: Beim Training im Regen hatten sich die großen Zehen entzündet. Doch bei der DM wurde Andreina dann mit getapten Zehen Siebte. „Das hatte ich nicht erwartet.“ Die ersten Sechs fahren zur Cross-EM. Schade, knapp verpasst.

Später zwang eine Grippe zu einer Woche Laufpause. Genau nach dieser Woche der Anruf des Bundestrainers: „Irina Mikitenko ist krank. Andreina soll laufen.“ Das war Dienstag vor der EM. Am Donnerstag versuchte Andreina noch den grippebedingten Rückstand durch ein hartes Training aufzuholen. „Das ist der typische Fehler. Anstatt auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, will man besonders viel machen.“ So ging sie „platt“ an den Start: „Es war furchtbar: Ich war gleich hinten und ich blieb hinten.“ Dennoch hat die Teilnahme sie motiviert. „Es war ein tolles Mannschaftserlebnis.“ (Zunächst kam das Team auf den Bronzerang, durch einen später entdeckten Berechnungsfehler wurden sie nun aber auf Rang vier gesetzt.)

Andreina Byrd studiert zwei Fächer: Medizin und Zell/Molekular-Biologie. Zurzeit arbeitet sie an ihrer Master-Arbeit in Zell/Molekularbiologie. Da werden die natürlichen Killerzellen untersucht: übrigens nützliche freundliche Mitbewohner unseres Organismus. Sie kümmern sich um die Abwehr von Tumoren und Viren. Andreina Byrd forscht, was diese Zellen, „meine kleinen Haustiere“, am liebsten fressen. Da muss sie täglich Zellkulturen anlegen. Von 9 bis 18 Uhr steht sie im Labor. Wenn es die Versuchsreihe erfordert auch am Wochenende (und auch mal morgens vor den Wettkämpfen). Das Doppelstudium ist besonders belastend. „Vielleicht bin ich auch deshalb öfter krank.“ Wenn die Masterarbeit abgeschlossen ist, folgt die Doktorarbeit in Medizin, aber das ist dann fast wie Urlaub, weil ein Studiengang wegfällt.

Training findet immer morgens statt: Um 6:30 Uhr läuft sie mit ihrem Freund Jukka Kero eine Runde. Manchmal folgt abends noch eine weitere Einheit.

Andreina Byrd hatte einige Semester in Amerika studiert. Da lief sie auch für das Universitätsteam mit großem Erfolg: 9:23 über 3000m und 16:10 über 5000m sind ihre Superzeiten. An einem Wochenende hatte sie einmal vier Einsätze über die Langstrecken. Und weil sie dabei die meisten Punkte sammelte, wurde sie zur „South-Eastern-Conference“-Athletin gekürt. Bei einer Gesamtwertung von athletischen Erfolgen in Kombination mit Schulnoten gewann sie sogar den Preis von ganz Amerika!

Als die Lambsheimerin dann 2003 in die Heimat zurückkehrte, wollte sie wegen einer Verletzung mit dem Laufsport aufhören. Ihr neuer Trainer Christian Stang hat sie damals motiviert: Mach weiter, und wenn´s nur einmal pro Woche ist. Nun hat Andreina wieder Ziele: für 2005 zunächst die Hallen-DM über 3000m („unter 9:40“).

Porträtiert von Birgit Schillinger
Foto: Gustav Schröder