Harry A. Arndt

Wegbereiter für neue Gebiete

erstellt von Elke Händel in November 2007

In der ambitionierten Laufszene gibt es kaum jemanden, der ihm nicht schon begegnet ist. Wenn nicht auf der Strecke, dann im Team der Organisation oder als begleitender Trainer, der seine Schützlinge von den Kleinsten bis zur Topelite zum Start führt. Unverwechselbar an seinen gelegentlich verschieden angeschnürten Laufschuhmodellen - zum direkten Qualitätsvergleich. Sowie an seiner jahrelang bewährten Renntechnik - das Feld von hinten aufzuräumen.

 

Wer sich sorglos auf nationalen oder internationalen Strecken bewegt: dies könnte auf einer von Harry Arndt geplanten bzw. vermessenen Strecke sein – der sich im Auftrag der IAAF über ihren Verlauf Gedanken gemacht hat. Viele nehmen angebotene Volksläufe, Stadtläufe mit 1000enden Teilnehmern und Meisterschaften als selbstverständlich hin und wissen nicht, dass es für ihre Durchführung erst einmal Steine aus dem Weg zu räumen galt. Wegbereiter, denen es zu verdanken ist, dass Leistungen der Frauen und Kinder überhaupt anerkannt oder Meisterschaften über die Marathonstrecke hinaus überhaupt durchgeführt werden.

Die Faszination an neuen Gebieten, sie als Herausforderung anzunehmen und Ideen für ihre Erschließung zu entwickeln, hat Harry Arndt nicht nur in der Laufszene, sondern durch sein ganzes Leben begleitet: Seine unbeschwerte und glückliche Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof – mit eigenen Wiesen, Feldern und Wäldern, mit großen Teichen, die auch zum Baden und Bootfahren dienten, mit einer alten Wassermühle, in der es nachts spukte, mit Pferden, Kühen und Schafen, mir Hühnern, Enten und Gänsen, mit Hund und Katze… – endete jäh und plötzlich, als gegen Ende des 2. Weltkrieges dann nicht mehr ‚Theo’ und lustige Frauen ‚nach Lodsch fuhren’, sondern die siegreiche Rote Armee Lodsch und ganz Polen mit ihren Panzerkolonnen überrollte.

Alle Deutschen wurden über Nacht enteignet, der Arndt’sche Hof von einem polnischen Bauern übernommen und die Eltern und älteren Geschwister in Arbeitslager gebracht. Nur ‚Alek’ (Kurzform von Aleksander) durfte bzw. musste allein bei dem polnischen Bauern bleiben und die Kühe hüten. Erst nach mehreren Monaten der Ungewissheit tauchte an einem Sonntag plötzlich Schwester Lilli auf (die sportlichste aller Arndts, die den Ball 72 m weit werfen und ohne Training km-weit laufen konnte), ‚entführte’ Bruder ‚Alek’ von dem polnischen Bauern und brachte ihn in einem 25 km-Marsch u. -Lauf zur Mutter in das Arbeitslager auf einem großen landwirtschaftlichen Gut (hier deutete sich wohl das erste Mal das Ultramarathon-Talent von Harry Arndt an).

Nach dem Krieg ging es für die Deutschen in Polen in erster Linie um ein erfolgreiches Überleben, jeder musste sich ohne Murren an die gegebenen Lebensbedingungen anpassen. Als sich nach zwei schwierigen Jahren das Leben in dem Arbeitslager einigermaßen normalisiert hatte, wagte es die ehrgeizige Mutter (sie war Lehrertochter), ein Gesuch an das polnische Bildungsministerium in Warschau zu schreiben (auf einer herausgerissenen Heftseite) und um Erlaubnis zum Besuch der polnischen Grundschule zu bitten. Und zur Überraschung aller kam nach einigen Monaten die Erlaubnis, und der Deutsche Alek durfte die polnische Schule besuchen. Zum Dank avancierte er innerhalb des Schuljahres zum besten Schüler der Klasse.

So langsam fühlte er sich, im Gegensatz zu den Erwachsenen, in die ‚polnische Gesellschaft’ integriert und in Polen wieder immer mehr ‚zu Hause’. Doch bald kam eine überraschende Wende, und es musste echtes Neuland betreten werden: Im Sommer 1949 durfte die Mutter mit Sohn Harry nach Deutschland ausreisen. Zuerst verschlug es beide nach Sachsen, also in die damalige Sowjetische Besatzungs-Zone (SBZ), aus der im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hervorging. Sein erstes großes Erfolgserlebnis in Deutschland erarbeitete sich der Schüler Harry Arndt, als er innerhalb eines einzigen Schuljahrs gleich drei Klassen erfolgreich durcheilte und 1952 in die Oberschule (Gymnasium) in Greiz aufgenommen wurde.

Während der gesamten Schulzeit trieb er Sport und machte alle Sportarten durch, die in seinem Heimatort Elsterberg angeboten wurden: Handball, Fußball, Tischtennis, Volleyball, Turnen. Sein erstes Geld verdiente er ebenfalls im Sport: Beim Kegelaufstellen (von 20 Uhr abends bis 1 Uhr nachts).

Nach dem Abitur folgte das Lehramt-Studium in Potsdam und an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. In seiner Jugend- und Studentenzeit war Harry Arndt ein überzeugter Anhänger eines freiheitlichen und ‚menschlichen’ Sozialismus, weil diese Gesellschaftsform theoretisch den Menschen die gerechtesten und fairsten Lebens- und Entwicklungschancen bietet: „Jeder nach seinen Fähigkeiten – jedem nach seiner Leistung!“

Doch nach und nach erkannte er, dass die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis in der DDR im Laufe der Jahre nicht kleiner, sondern immer größer wurde. Ein Schlüsselerlebnis mit der STASI führte zu einer gründlichen Desillusionierung und zu einer Abkehr vom ‚Arbeiter- und Bauernstaat’ DDR: In Leipzig wurde er von einem ‚Genossen König’ zu einem Gespräch eingeladen, bei dem sich ‚König’ (Deckname) als Mitarbeiter des Staatssicherheits-Dienstes vorstellte und den Stundenten Harry Arndt ohne Umschweife zur Mitarbeit in der STASI aufforderte – als Privilegierter, der auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung studieren darf, sei er dazu verpflichtet. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass es hier nicht um die Enttarnung irgendwelcher ‚Agenten’ oder ‚Saboteure’ aus dem Westen ging (laut täglicher SED-Propaganda sollte es davon in der DDR nur so wimmeln), sondern zu seiner großen Überraschung um die Bespitzelung seiner Mitstudenten, Dozenten und Professoren, die westlichem Gedankengut anhängen und z.B. mit der westdeutschen SPD oder der ‚Haarich-Gruppe’ (einer ‚revisionistischen Strömung’ in der eigenen SED) sympathisieren würden. Auf Grund seiner Erziehung und seiner Grundüberzeugung, dass diese Art von Bespitzelung ein Verrat an seinen Studienkameraden und Mitmenschen wäre, wurde die Stasi-Mitarbeit vorsichtig und unverdächtig abgelehnt (wegen mangelnder Eignung für diese Arbeit). Die 5 DDR-Mark Fahrtkostenersatz warf er auf dem Nachhauseweg von dem ‚Stasigespräch’ von einer Brücke in die braune, stinkende Pleiße. Ein paar Monate später war er, nach einer hieb- und stichfest geplanten Fluchtaktion über Potsdam und Berlin (wo er sich durch sein Studium in Potsdam bestens auskannte) im Westen.

So begann 1960 – nach Polen und DDR - sein dritter Lebensabschnitt hier im Westen in der Bundesrepublik. Obwohl ebenfalls Deutschland, war es wieder Neuland. In München und Frankfurt studierte er Pädagogik mit den Fächern Chemie, Geographie und Sport für das ‚Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen’. In Frankfurt lernte er seine Frau Sigrid kennen. Für einen unvergesslichen ‚Ausflug’ sorgte im Frühjahr 1965 eine gemeinsame Rucksacktour durch halb Europa nach Spanien und über den ‚halben’ Atlantik nach Teneriffa – mit der Verlobung auf dem höchsten Berg Spaniens, dem 3.718 m hohen, z.T. schneebedeckten, wunderschönen, noch leicht rauchenden Vulkan Pico de Teide.

Gut ein halbes Jahr später bestand Harry A. Arndt sein 1. Staatsexamen an der Uni Frankfurt ‚Mit Auszeichnung’; das gleiche ‚Prädikatsexamen’ gelang ihm auch bei der Zweiten Staatsprüfung in Hanau 1969. Dabei half ihm – in einer Art Wiedergutmachung für die im 2. Weltkrieg erlittene Vertreibung – indirekt die glorreiche Rote Armee. Denn im Wettrüsten mit den Amerikanern und dem Westen gelang es den Russen, schon 1957 die erste Weltraum-Rakete, den ‚Sputnik’, in eine Umlaufbahn um die Erde zu schießen und 1961 mit dem Astronauten Juri Gagarin sogar den ersten Menschen in einer Weltraumkapsel die Erdkugel umkreisen zu lassen. Dieser ‚Sputnik-Schock’ saß tief und bewirkte nicht nur in den USA ein Umdenken in der Bildungspolitik, insbesondere in der naturwissenschaftlich-technischen Bildung.

Auch in Deutschland wurden in den 60er Jahren Reformen vorangetrieben, u. a. auch die Grundschulreform, bei der vor allem der traditionelle, kindertümelnde Heimatkundeunterricht durch einen wissenschaftsorientierten naturwissenschaftlich-technischen Sachunterricht abgelöst wurde. Und das war genau das didaktisch-methodische Neuland, das Harry A. Arndt mit seiner Fächerkombination Chemie und Geographie zur Mitgestaltung einlud und zugleich herausforderte. Das konkrete Ergebnis war die erste fundierte Examensarbeit zur theoretischen und praktischen Grundlegung des naturwissenschaftlich-technischen Elementarunterrichts in der Grundschule. Diese Arbeit überzeugte seinen Professor so nachdrücklich, dass er Harry Arndt den ehrenvollen Auftrag erteilte, die Examensarbeit zu einem Buch weiter auszuarbeiten, das dann auch 1970 unter dem Titel „Naturlehre in der Grundschule“ erschienen ist. Noch als apl. Lehrer wurde Harry Arndt zum Seminarleiter für naturwissenschaftlich-technischen Sachunterricht in der Lehrerausbildung und –fortbildung berufen, und seine ‚Karriere’ in der Lehrerausbildung schien beschlossene Sache zu sein…

…Doch dann kam der Sport, d.h. der Laufsport, dazwischen, der zuerst nur als Ausgleich durch eigene sportlich-körperliche Betätigung lockte, vor allem bei gleichzeitiger Einbeziehung der beiden Kinder Sascha und Carsten sowie dann der ganzen Familie. Schon nach kurzer Zeit gab sich Harry Arndt mit dem bloßen Mitmachen nicht zufrieden – und bald betrat er auch hier schrittweise Neuland, das bald viel Arbeit, aber auch reiche Ernte mit sich brachte.

Als engagierter Sportlehrer erkannte er die sozialintegrative Wirkung des Sports auf die Kinder und Jugendlichen. Zuerst organisierte er an der Gebeschus-Schule in Hanau eine freiwillige Sport-AG Laufen, in der die Schüler und Schülerinnen auf die Volksläufe vorbereitet wurden. Bei den sich dabei rasch einstellenden Erfolgen entstand die Idee, einen eigenen Schul-Sport-Club zu gründen. Auf Grund der Woche für Woche bei den Volksläufen erzielten Erfolgen und der positiven Auswirkung auf das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler an der Gebeschus-Schule, einer ‚sozialen Brennpunkt-Schule’ des Lamboy-Viertels in Hanau, konnte Harry Arndt das Kollegium von seinem Plan überzeugen, und so wurde am letzten Schultag vor Weihnachten 1975 der „Schul-Sport-Club SSC Gebeschus-Schule Hanau“ gegründet, der dann wegen der raschen Ausdehnung auf das Hanauer Umland in ‚SSC Hanau-Rodenbach’ umbenannt wurde.

 

Harry A. Arndt arbeitete zuerst auf eigenen Wunsch als Sport- und Pressewart, von 1977 an bis heute als Vorsitzender und natürlich von Anfang an bis heute als Schülertrainer. In den 30 Jahren seines Bestehens erkämpften die Athletinnen und Athleten des SSC mehr als 1.000 Kreis- und Bezirksmeister-, über 300 Hessenmeister-, über 30 Deutsche Meister-Titel und ebenfalls mehr als 30 Mal nahmen SSC-Mitglieder im DLV-Nationaltrikot erfolgreich an Welt- und Europa-Meisterschaften und an Länderkämpfen teil. So hat sich der SSC Hanau-Rodenbach zu einem der erfolgreichsten Laufsportvereine in Hessen und in ganz Deutschland entwickelt.

Zum erfolgreichsten SSC-Mitglied avancierte dabei der 1970 geborene Sohn Carsten Arndt. Er wurde 16mal Deutscher Meister, trug etwa ebenso oft das DLV-Nationaltrikot, stellte ein halbes Dutzend deutsche Jugend-Bestleistungen und -Rekorde auf (15 km, 20 km, 10.000 m) und ist somit nach Jürgen May, Harald Schmid und Edgar Itt der erfolgreichste Leichtathlet des Main-Kinzig-Kreises.

Die sportlich-pädagogische Arbeit des Schul-Sport-Clubs SSC fiel auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil die Art der Vermittlung des Laufens als Erlebnis und Lebenssport über außergewöhnliche Aktivitäten wie Landschafts-Staffelläufe durch Hessen, Deutschland und durch ganz Europa (von Gibraltar am Mittelmeer bis zum Nordkap am Nördlichen Eismeer 1983) den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weit mehr bot, als den bloßen Kampf um Meter und Sekunden. Aber das Eine schließt das Andere nicht aus, sondern befruchtet sich gegenseitig.

Neben der Vereinsarbeit, insbesondere der Nachwuchsarbeit, im Schul-Sport-Club SSC, wurde in den achtziger Jahren der Ultramarathonlauf, vor allem zunächst der 100 km-Lauf, zum zweiten sportlichen Schwerpunkt von Harry A. Arndt. Das ‚Neuland’ Ultramarathon-Lauf entdeckte er für sich, als er 1982 nach sechs Wochen Vorbereitung die 100 km in Vogelgrün/Elsass in 7:01 Stunden lief und schlagartig in den Kreis der besten 100 km-Läufer vorstieß. So selbst zur nationalen und auch internationalen Elite gehörend (100 km – 6:49:17 / M45-Weltbestleistung) wurde hier der SSC Vorsitzende selbst zum Kristallisationskern für viele starke 100km-Läufer und –Läuferinnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Peter Mann, Wolfgang Schwerk, Anna Dyck, Dr. Iris Reuter, Silvio Rogalla, Dr. Stefan Hinze, Dr. Anke Drescher, Dr. Dr. Lutz Aderhold, Katharina Janicke, Simone Stöppler, Carmen Hildebrand sorgten über Jahre hinweg für den Gewinn zahlreicher Meistertitel und Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene.

Doch weitaus wichtiger war die Pionierarbeit von Harry A. Arndt bei der Entwicklung des Ultramarathonlaufes in Deutschland, insbesondere des 100 km-Laufes, von einer randständigen Volkslauf- zu einer anerkannten offiziellen Wettkampf- und Meisterschaftsdisziplin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV. Ganz bewusst als Musterveranstaltung für zukünftige Deutsche 100 km-Meisterschaften wurde vom SSC Hanau-Rodenbach 1984 der ‚Internationale Deutsche 100 km-Lauf’ ins Leben gerufen, der, streng nach den Regeln der AIMS und IAAF organisiert, entscheidend dazu beitrug, dass der 100 km-Lauf in Deutschland aus dem Volkslaufstadium heraus geführt und zum exakten Straßenlauf weiter entwickelt wurde. Unterstützt von dem damaligen HLV-Sportwart Werner Palmer, wurde Harry A. Arndt bald zu Gesprächen mit dem DLV über die Einführung von offiziellen Deutschen Meisterschaften eingeladen, und schon am 31. Oktober 1987 konnte der SSC Hanau-Rodenbach auf heimischer Strecke in Rodenbach die ersten Deutschen 100 km-Meisterschaften organisieren und eine sehr erfolgreiche 100 km-Meisterschaftspremiere feiern. Von jetzt an war der 100 km-Lauf eine offizielle Wettkampf-, Meisterschafts- und Bestenlisten-Disziplin – 1988 auch vom Leichtathletik-Weltverband IAAF anerkannt – und Harry A. Arndt und sein Schul-Sport-Club SSC haben ein Kapitel der deutschen Laufsportgeschichte mit geschrieben.

Doch die Hauptarbeit bei der Entwicklung des Ultramarathonlaufes in Deutschland leistete Harry Arndt mit der Gründung und dem Aufbau der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung DUV, die er 1985 initiierte: Auf seine Einladung hin versammelten sich am 29. Dezember 1985 22 deutsche Ultramarathon-Pioniere in seinem Haus in Rodenbach und gründeten hier die DUV. Die DUV wurde, neben dem Schul-Sport-Club SSC, das zweite sportliche Lebenswerk von Harry Arndt.

 

Mit Harry A. Arndt als ‚Vor-Arbeiter’ (1985-1990 DUV-Sportwart, 1990-2002 DUV-Präsident) entwickelte sich die DUV mit ihren 1.500 Mitgliedern zur größten nationalen Ultramarathon-Organisation der Welt. Die DUV-Fachzeitschrift ‚Ultramarathon’ und das ‚DUV-Statistik-Jahrbuch’ wurden zu den führenden Ultramarathon-Publikationen der Welt ausgebaut. Als DUV-Sportwart arbeitete er 1986 als erstes das DUV-Wettkampf- und Meisterschafts-Programm aus, 1987 wurden die offiziellen Deutschen 100 km-Lauf-Meisterschaften (DLV) eingeführt, 1988 die DLV-100 km-Nationalmannschaft gegründet, 1989 die ‚Int. Deutschen Meisterschaften der DUV’ im 24-Stunden-Lauf und im 100 km-Bahnlauf initiiert, 1995 folgten die ‚Int. Deutschen Meisterschaften der DUV im 50 km-Ultramarathon’ und 1998 die ‚Meisterschaften im Cross- und Landschaftslauf’.

Die Aufgaben und die daraus resultierenden Impulse für den Ultramarathonlauf in Deutschland und von 1988 bis 2006 im Internationalen Verband der Ultramarathonläufer IAU waren sehr vielfältig, und sie lassen sich hier nicht alle ‚mit einem Text verkleiden’. Sie sind deshalb stichwortartig in dem Überblick im Anhang beigefügt.

Dass Punkt für Punkt nicht spielerisch in den Schoss gefallen ist, sondern gelegentlich auch auf Gegenspieler stieß, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Eine Trennung von Arbeit, Ehrenämtern und Privatem ist bei derartigen Lebensläufen für alle Beteiligten, ob Familie oder Verein, nur schwer und die Umsetzung von Ideen ohne Hilfe treuer Vereinsmitglieder gar nicht möglich. Vereinsarbeit in dieser Größenordnung hat die Nebenwirkung, dass sie Frau und Söhne voll mit einbezieht, auf die er sich bis heute und in Zukunft verlassen kann. Keine selbstverständliche Form eines durchschnittlichen Familienalltags.

Nach derartigen Bewegungen in der Sportgeschichte der Laufszene bleibt für Harry A. Arndt nur noch die Erschließung des Weltraums für den Läufer, als neue Herausforderung - und nach IAAF Regeln vermessen…

„Lauf weiterhin
nicht nur die glatten Straßen.

Lauf Wege,
die noch keiner lief.

Damit Du Spuren hinterlässt…
…und nicht nur Staub."

Überblick über die ehrenamtliche Arbeit für den Sport und über die sportlichen Leistungen von Harry A. Arndt (Stand Nov. 2006)
A. Ehrenamtliche Arbeit
1.0 Arbeit als Personalrat: Über 10 Jahre Vorsitzender des Personalrats an der Gebeschus-Schule in Hanau
2.0 Vereinsarbeit an der Basis:
2.1 Initiator und Begründer des Schul-Sport-Clubs SSC Hanau-Rodenbach (gegründet 1975 an der Hanauer Gebeschus-Schule)
Hinweis: Der Schul-Sport-Club SSC war der erste Leichtathletik-Verein in Hessen, der die Integration der ausländischen Kinder und Jugendlichen als verbindliches Ziel in der Satzung des Vereins festgelegt hat.
2.2 Vorsitzender (1977-2006 u. weiterhin), Sportwart (1975-1977) u. verantwortlicher Nachwuchstrainer (1975-2006 u. weiterhin) im Schul-Sport-Club SSC.
Hinweis: Unter Leitung von Harry A. Arndt erreichte der SSC Hanau-Rodenbach in den ersten 30 Jahren seines Bestehens (1975 -2005) über 30 deutsche Meistertitel, über 30 Nominierungen für die deutsche Nationalmannschaft mit vorderen Platzierungen bei Welt- u. Europa-Meisterschaften und bei Länderkämpfen; über 300 Hessenmeister-Titel und über 1.000 Kreismeister- u. Bezirksmeister-Titel; der SSC gehört damit zu den erfolgreichsten Leichtathletik- und Laufsport-Vereinen in Hessen und in ganz Deutschland.
3.0 Ehrenamtliche Arbeit in nationalen Organisationen u. Verbänden:
3.1 Initiator der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung DUV mit Sitz in Rodenbach/Hanau (die DUV wurde 1985 auf Einladung von H. A. Arndt in seinem Haus in Rodenbach gegründet).
3.2 Sportwart der DUV (1985-1990), 1. Vorsitzender/Präsident der DUV (1990-2002), Herausgeber des ‚DUV-Statistik-Jahrbuches' (1991-2001).
Hinweis: Die Deutsche Ultramarathon-Vereinigung DUV ist mit 1.500 Mitgliedern die größte nationale Ultramarathon-Vereinigung der Welt und die größte Läufer-Vereinigung in Deutschland, das ‚DUV-Statistik-Jahrbuch' ist das führende Ultramarathon-Statistikwerk der Welt.
3.3 Ultramarathonwart des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV (1988-2003), Begründer u. Leiter der deutschen Ultramarathon-Nationalmannschaft (1988-2003).
Hinweis: Die deutsche Nationalmannschaft im 100 km- u. 24-Stunden-Lauf hat von 1988 bis 2003 unter Leitung von H. A. Arndt bei Welt- u. Europameisterschaften über 50 Medaillen gewonnen und gehört damit zu den drei erfolgreichsten Ultramarathon-Nationalteams der Welt.
4.0 Ehrenamtliche Arbeit in internationalen Verbänden (IAU u. IAAF):
4.1 Arbeit als Mitglied des Executive Council (Präsidium) des Weltverbandes der Ultramarathonläufer IAU (International Association of Ultrarunners) 1988 - 2006, IAU Director of Competitions (IAU-Wettkampf-Sportwart) 2000 - 2006.
4.2 Arbeit als IAAF Course Measurer/Streckenvermesser des internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF: Durchführung der IAAF-Streckenvermessungen bei insgesamt 20 Welt- und Europa-Meisterschaften im Marathon-, Halbmarathon-, 100 km- und 24-Stunden-Lauf (u.a. in Taipei/Taiwan, Seoul/Korea, Moskau/Russland, Palamos/Spanien, Split/Kroatien, Florenz/Italien, Winschoten/Niederlande, Uster/Schweiz, Brno/Tschechische Republik, Wörschach/Österreich, München...).Durchführung von Ausbildungs-Seminaren des DLV und der IAAF für Streckenvermesser in Deutschland, Russland und Weißrussland.
5.0 Organisation von nationalen und internationalen Laufsport-Veranstaltungen:
5.1 Initiator (und meist auch Organisator) der folgenden Laufsport-Veranstaltungen und Meisterschaften: Deutscher Senioren- u. Frauen-Marathon (1975-1986 in Rodenbach/Hanau, in Zusammenarbeit mit Dr. van Aaken u. Arthur Lambert), Int. Deutscher 100 km-Lauf (1984-2006 in Rodenbach/Hanau), 100 km-Europa-Cup (1985), offizielle Deutsche Meisterschaften im 100 km-Straßenlauf (1987 in Rodenbach/Hanau)‚ Int. Deutsche Meisterschaften im 100 km-Bahnlauf (DUV/1989 in Ronneburg/Hanau), Int. Deutsche Meisterschaften im 24-Stunden-Lauf (DUV/1989), Hessische 100 km-Lauf-Meisterschaften (HLV/1988 in Rodenbach/Hanau), Süddeutsche 100 km-Meisterschaften (SLV/1990 in Rodenbach/Hanau), Int. Deutsche Meisterschaften im 50 km-Ultramarathon (DUV/1995 in Rodenbach/Hanau), Int. Deutsche Ultramarathon-Meisterschaften im Cross- u. Landschaftslauf (DUV/2001). Initiierung u. Organisation der Offenen Hanauer Meisterschaften im 1.000 m-City-Lauf (2000 in Hanau), 2006 über 1.500 Teilnehmer - größte Schüler-Lauf-Meisterschaft in Hessen.
5.2 Organisation von insgesamt 7 offiziellen Deutschen Meisterschaften des DLV - 5 Deutsche 100 km-Lauf-Meisterschaften (1987, 1990, 1996, 2000, 2006) und 2 Deutsche 25 km-Lauf-Meisterschaften sowie von 15 Hessischen u. 10 Süddeutschen Meisterschaften in Rodenbach/Hanau.
5.3 Initiator und Organisationsleiter von 6 Deutschland-Staffel-Läufen für Schüler und Jugend (1980, 1981, 1984, 1987, 1995, 1998), darunter des Deutschland-Laufes für Fairness und Freundschaft von Oberstdorf über Magdeburg und Mölln nach List/Sylt als Antwort auf die neonazistischen Ausschreitungen in Magdeburg, Mölln und Solingen, und zwei Trans-Europa-Läufen von Tarifa/Gibraltar bis zum Nordkap/Nördliches Eismeer (1983) sowie von Bonn über Split nach Athen und Olympia (1987).
B. Sportliche Leistungsbilanz (Auszug)
1.0 1.0 Rekorde/Bestleistungen:
1.1 Altersklassen-Weltrekorde: Über 10 Senioren-Weltbestleistungen im Ultramarathon-Lauf, darunter folgende Weltrekorde: 100 km-Straßenlauf, Klasse M45: 6:49:17 Stunden (1983 - 1990), 100 km-Bahnlauf, Klasse M50: 7:12:26 Stunden (1986 - 1995), 100 Meilen (160,934 km), Klasse 45: 12:51:15 Stunden (1984 - 2002).
1.2 Deutsche Rekorde/Bestleistungen (Männer-Hauptklasse): 100 Meilen (160.934 km) - 12:51:15 Stunden (1984-2006, weiterhin gültig); 24-Stunden-Lauf, Bahn - 239,200 km (1988); 24-Stunden-Lauf, Straße, Mannschaftswertung - 665,903 km, gemeinsam mit Peter Mann u. Sükrü Meric (1989-2006, weiterhin gültig). Insgesamt über 15 Deutsche Altersklassen-Rekorde/-Bestleistungen aufgestellt.
2.0 Internationale und Deutsche Meisterschaften:
2.1 Senioren-Weltmeisterschaften: Drei Medaillen im Cross-Lauf, im 25 km-Lauf und im Marathon-Lauf.
2.2 Deutsche und Hessische Meisterschaften (Männer-Hauptklasse): Deutscher Vizemeister u. Hessenmeister im 100 km-Lauf, Teamwertung.
2.3 Deutsche u. Hessische Senioren-Meisterschaften: 2 x Deutscher Seniorenmeister (100 km-Lauf u. Berglauf), mehrere Hessen-Senioren-Meistertitel.
3.0 Besondere persönliche sportliche Leistungen:
3.1 Als einziger deutscher Senioren-Leichtathlet in allen Laufdisziplinen von 800 m bis 100 km (800 m, 1.000 m, 1.500 m, 3.000 m, 5.000 m, 10.000 m, 10 km, Halbmarathon, Marathon, 100 km) in der Deutschen Senioren-Bestenliste platziert (1996).
3.2 Während der gesamten sportlichen Laufbahn keinen einzigen Wettkampf aufgegeben ("We never give up!").
C. Bisherige Ehrungen und Auszeichnungen:
a. Verleihung des Bundesverdienstkreuzes (1996), u.a. für soziales Engagement im Sport (u.a. Einsatz für die Integration ausländischer Kinder u. Jugendlicher).
b. Verleihung der Sportplakette der Stadt Hanau (2001).
c. Verleihung des August-Schärttner-Preises (2002) "... für Verdienste um die Förderung des Kinder- u. Jugendsports sowie die soziale Integration junger ausländischer Mitbürger ...".
d. Ernennung zum Ehren-Präsidenten der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung DUV (2002).
e. Verleihung des DLV-Ehren-Schildes des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (2004).
f. Ernennung zum "Life IAU Honorary Vice-President" der International Association of Ultrarunners (Oktober 2006).
g. Verleihung des Ehrenbriefes des Landes Hessen (26.November 2006)
Zusammengestellt von Sigrid Arndt (November 2006) zum 70. Geburtstag von Harry A. Arndt – am 26. November

Harry A. Arndt vorgestellt von Elke Händel

Fotos: Privat (2) - Elke Händel (1)

Zu weiteren Portraits im LaufReport HIER   Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.