Fabienne Amrhein

Ziele immer fest im Blick:

Fabienne Amrhein hat die Liebe zum Marathonlauf entdeckt

von Birgit Schillinger im Juni 2018 

Bei den deutschen Marathonmeisterschaften in Düsseldorf lief die 25jährige Fabienne Amrhein von der MTG Mannheim zu ihrem ersten nationalen Titel und hat sich damit für die Europameisterschaften qualifiziert. Die Langstrecklerin geht sehr zielstrebig durchs Leben - nicht nur, was den Sport betrifft. Das Abi schaffte sie in Wiesloch mit einem Schnitt, der rechnerisch sogar besser als die 1,0 auf der Urkunde ist. Inzwischen studiert sie in Heidelberg im englischsprachigen Masterprogramm "Molecular Biosciences" mit dem Schwerpunkt "Cancer Biology". Bisher war ein deutscher Vizetitel im Cross ihr größter Erfolg. Nun lief sie letztes Jahr in Berlin bei ihrer Marathonpremiere auf Anhieb beachtliche 2:34:14 und steigerte sich bei der DM in Düsseldorf auf 2.32:34 Stunden.

Wie fing bei dir die Liebe zum Laufsport an?

Mit viereinhalb Jahren kam ich zur Leichtathletik, in meinem damaligen Wohnort Wiesloch: Auf meiner ersten Bambinilauf-Urkunde steht W5. Später kam ich bei der MTG vom Blockmehrkampf zur Mittel- und Langstrecke.

Wie bringst du Studium und Leistungssport unter einen Hut?

Mittlerweile sind meine sportlichen Ambitionen gewachsen und ich trainiere deutlich mehr als noch vor einigen Jahren: bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche. Daher strecke ich mein Masterstudium um ein Jahr. So lassen sich Sport und Studium nach wie vor gut vereinen.

Wie kam es zu der Entscheidung, Marathon zu laufen - eigentlich warst du ja eher bei kürzeren Strecken und Cross zu Hause?

Letztes Jahr lief ich zwei Halbmarathons im Rahmen von großen Marathonveranstaltungen. Im Athletenhotel wurde ich wohl vom "Marathonfieber" angesteckt. Als dann der Halbmarathon in Mainz ein großer Erfolg für mich war, während meine Hauptstrecke, die 5000m, nicht wirklich klappen wollte, entschied ich mich relativ spontan, beim Berlin Marathon zu starten.

Bei der DM in Düsseldorf ist die Mitfavoritin Franziska Reng bei Kilometer 18 ausgestiegen. Hat dich das beeinflusst?

Franzi ist sehr schnell gestartet, was ich aber versucht habe auszublenden, um mein eigenes Tempo zu laufen. Ab Kilometer 10 wurde der Abstand kontinuierlich kleiner. Ich habe sie nach 18 Kilometern überholt. Daher wusste ich lange gar nicht, dass Franzi aus dem Rennen ist. Erst viel später hat es mir mein Trainer zugerufen. Ich habe versucht, mich weiter auf mein Rennen zu konzentrieren.

Der heftige Regenguss bei Kilometer 30 erwischte euch gerade zu einer ungünstigen Zeit - da kommt normalerweise der Mann mit dem Hammer?

Der Regenguss war ziemlich unangenehm. Meine Beine kühlten schlagartig aus und ich konnte die Schritte nicht mehr so langziehen. Daher habe ich dann leider auch den Anschluss an meine Gruppe verloren und musste ein Stück allein weiterlaufen. Als dann fünf Kilometer später die Sonne wieder herauskam, bekam ich nochmals eine zweite Luft und konnte mein Anfangstempo wieder bis ins Ziel laufen.

Wie erklärst du dir diesen Erfolg?

Erfolg setzt sich aus ganz vielen Puzzleteilen zusammen und ist immer hart erarbeitet. Das Wichtigste ist, dass man Freude hat an dem, was man tut. Natürlich gibt es Tage, an denen ich mich fürs Training aufraffen muss. Aber ich weiß immer, warum ich es tue, und bin glücklich, wenn ich mein Bestes gegeben habe. Letztendlich hängt es jedoch nicht nur von mir allein ab, sondern von vielen Menschen, die mich begleiten und ebenfalls alle Kraft und Motivation investieren. Dazu zählen mein Trainer Christian Stang, meine Trainingsgruppe, mein Freund Karsten, Familie und Freunde, die MTG Mannheim, meine Sponsoren, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und viele mehr. Spitzensport ist letztendlich Teamsport.

Bist du nun marathoninfiziert?

Ich hätte nie gedacht, dass ich einer Marathonvorbereitung so viel Freude abgewinnen würde. Mir machen sogar die langen Dauerläufe über 30km am Sonntagmorgen Spaß. Diese laufe ich aber zum Glück auch nie allein, sondern teilweise mit Teamkollegen, oder mein Freund Karsten begleitet mich laufend oder auf dem Rad. Vor zwei Jahren hatte ich noch großen Respekt vor den vielen Laufkilometern, aber mittlerweile weiß ich, dass mein Körper stark genug ist. Meine Zukunft liegt auf der Straße, wobei ich der Bahn und ganz besondere meinem geliebten Crosslauf nicht vollständig den Rücken kehren werde.

Welche Ziele hast du für die EM?

Eine Europameisterschaft ist nicht vergleichbar mit einem City-Marathon. Es gibt keine gemischten Felder und keine Pacemarker, sondern ausschließlich den Kampf Frau gegen Frau. Grundsätzlich liegt mir das sehr gut und ich habe mit meinen fünf Cross-EM-Teilnahmen schon einiges an internationaler Erfahrung. Momentan gehöre ich in Europa zu den 30 bis 40 besten Läuferinnen. Natürlich werden nicht alle am Start sein können. Mein Ziel ist es daher, mein bestmögliches Rennen abzuliefern. Eine Platzierung ist schwer vorher zu sagen, aber ein Platz unter den ersten 20 wäre sehr schön.

Das Interview mit "Fabienne Amrhein" führte Birgit Schillinger
Foto© LaufReport

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Fabienne Amrhein

Ziele immer fest im Blick:

Dank gutem Zeitmanagement bringt Fabienne
Amrhein Studium und Sport unter einen Hut

von Birgit Schillinger im Juni 2015 

"Bin eher der Typ, den man bremsen muss." Fabienne Amrhein braucht keinen Trainer, der sie antreibt. Motivation hat sie selber ausreichend. "Christian Stang ist genau der richtige Trainer für mich." Mit ihm zusammen kann sie sich realistische Ziele setzen und dann bei Wettkämpfen ihr Potenzial abrufen.

Die 22-jährige Mittel- und Langstreck´lerin geht sehr zielstrebig durchs Leben - nicht nur, was den Sport betrifft. Das Abi schaffte sie in Wiesloch mit einem Schnitt, der rechnerisch sogar besser als die 1,0 auf der Urkunde ist. Jetzt studiert sie im vierten Semester Bio-Chemie in Heidelberg, was alleine schon sehr zeitaufwändig ist. Dennoch zieht sie acht Trainingseinheiten pro Woche durch. Eine davon ist Radfahren (im Sommer mit dem Crosser, im Winter Spinning) und einmal wöchentliches Bergtraining bringt ebenfalls Abwechslung.

Fabienne Amrhein (1. Reihe links) am Start des Trail-Marathons Heidelberg
mit großem Team der MTG Mannheim
Christian Stang, ehemaliger 3000mHi Spitzenläufer, fungiert erfolgreich als Leichtathletik-Trainer in der Metropolregion Rhein-Neckar

Ihre "Lieblingsdisziplin" ist der Crosslauf. Hier war sie dieses Jahr dritte Frau bei den Deutschen Meisterschaften, ihr größter Erfolg von der Platzierung her. Bei der letztjährigen Europameisterschaft kam sie sogar auf einen 28. Einzelplatz und mit dem Team auf Rang vier.

 

Die Straßenläufe oder zu lange Strecken reizen sie nicht: "Das Bahnlaufen macht mir mehr Spaß". Zum Glück. Denn ihre Bahn-Bestzeiten sind klasse: Beim Koblenzer "Mini-Internationalen" lief sie kürzlich mit 16:23 Minuten über 5000m persönlichen Rekord. Damit liegt sie in der deutschen Jahresbestenliste auf Rang zehn. Über 1500m hat sie eine 4:29 stehen und über 800m sogar eine 2:11, was auf eine gute Grundschnelligkeit schließen lässt.

Mit viereinhalb Jahren kam Fabienne zur Leichtathletik, in ihrem damaligen Wohnort Wiesloch: "Auf meiner ersten Bambinilauf-Urkunde steht W5". Später wechselte sie zur MTG. Da musste die Mutter den Fahrdienst übernehmen. Vom Blockmehrkampf kam sie zur Mittel- und Langstrecke, wo sie als A-Jugendliche und in der U23 drei Mal eine Bronzemedaille von einer DM nach Hause brachte. Die deutschen Meisterschaften, nun bei den Aktiven über 5000m, ist auch für diese Saison ein großes Ziel: "Ich möchte den sechsten Platz vom letzten Jahr toppen."

Einmal im Jahr nimmt sie sich eine Auszeit vom Training und geht einem anderen Hobby nach: Reisen. Die letzten Ausflüge führten sie auf den Gipfel des Kilimandscharo und nach Indonesien. Wohin es die in Heidelberg direkt am USC-Platz wohnende Studentin zum Masterstudium zieht, ist noch offen. Das hängt auch davon ab, wo ihr Freund eine Stelle bekommen wird. Seit dreieinhalb Jahren führt sie eine Fernbeziehung. Ihr Freund arbeitet momentan noch als Assistenzarzt im Bereich Kindermedizin in Gießen.

Fabienne Amrhein ist Erde unter den Schuhen lieber als Alsphalt. Ob beim Cross oder fürs Team auch mal am Berg (Bild mitte auf dem Weißen Stein). Als Leichtathletin von Kindesbeinen an scheut sie nicht die Bahn

Gehören zu ihrem Leistungssport auch bestimmte Ernährungsgewohnheiten? "Ich esse gern! Klar, ich interessiere mich sehr für das Thema Ernährung." Vegetarierin ist Fabienne schon länger. "Jetzt versuche ich, auch Milchprodukte und Weizen zu reduzieren. Das Müsli schmeckt auch mit Hafermilch."

Das Porträt "Fabienne Amrhein" erstellte Birgit Schillinger
Fotos © LaufReport

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