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Fußball-WM kontra Leichtathletik-EM? Zwei ungleiche Gegner. Fußball ist nun mal des Deutschen liebstes Kind und eine Europameisterschaft ist keine Weltmeisterschaft. Oder interessieren uns etwa Afrikameisterschaften? Als Gastgeber der LA-EM das Optimale anzustreben, über eigene Medaillen hinaus zu denken, das scheint mir dennoch eine gute Idee. Aber Freude und Verzweiflung im Überschwang, dafür ist Sport, noch dazu wenn er nur vom Fernsehsessel aus betrieben wird, doch etwas zu banal, egal ob mit oder ohne Ball, im eigenen Lande oder sonst wo ausgetragen. Markus Heidl denkt zum Beginn der Fußball-WM mit Blick auf Berlin an die Leichtathletik im Pro & Kontra

Walter Wagner, 15.6.2018

Darf ich überhaupt Fußball schauen?

von Markus Heidl

Alle reden über Fußball. Wen interessiert schon das Wetter, wenn derzeit um den Weltmeistertitel gekickt wird? Da gibt es Fußballexperten, die von den Vornamen der Spielerkinder bis hin zur letzten Mahlzeit alles wissen. Die taktische Grundausrichtung und die richtige Besetzung wissen sie sowieso, besser als jeder Bundestrainer. Und diese allgemeine Begeisterung steckt an: da gibt es Tippspiele in der Firma und ständig Einladungen zum sogenannten public viewing - mal im kleineren, mal im größeren Kreis.

Aber darf ich, als eingefleischter Leichtathlet bzw. Langstreckenläufer, dieses Fußball überhaupt dadurch unterstützen, dass ich mitschaue? Dass ich mich für die Ergebnisse interessiere, weil ich wissen will, wie viele Punkte ich beim Tippspiel geholt habe? Darf ich überhaupt mittippen? Denn wie immer gilt doch das Prinzip von Angebot und Nachfrage, und je mehr Leute den Fernseher anstellen, desto weiter wächst der Vorsprung vom Fußball, der alle anderen Sportarten zurückdrängt?

Nun, ich denke wir haben sowieso keine Chance mehr. Zu groß ist der Vorsprung, zu groß schon der Fokus unserer Medien. Und während uns die verschiedensten Dopingpraktiken das geliebte Großereignis Olympia kaputtmachen, werden Bestechung und Doping im Fußball einfach ignoriert. Man kann sich ja einreden, dass man die Spielübersicht und die technische Ballbeherrschung mit medizinischer Hilfe nicht verbessern kann und Doping deshalb im Fußball keine Rolle spielt. Dass das komplette Spiel viel physischer geworden ist und Medikamente großen Einfluss haben (können), bleibt unbeachtet. Und dass Spiele gekauft sind, kommt gar nicht in Frage.

Auch für langweilige Spielabschnitte oder ganze Partien hat der Fußball vorgesorgt. Dafür trifft man sich ja in größerer Runde, um sich nebenher zu unterhalten, zu essen und zu trinken. Da vereint der Fußball, schafft Gemeinsamkeiten. Auch völlig Fremde haben plötzlich ein Gesprächsthema. Da ist es sogar hinderlich, wenn die Spiele durchweg spannend sind!

Und wegen all dessen sollten wir den Fußball nicht verdammen, sondern von ihm lernen!

Die EM ist dieses Jahr im eigenen Land! Ein Grund zum Feiern und Mitfiebern. Wie wäre es denn mit einem public viewing, z. B. beim Sommerfest des Leichtathletikvereins? Mit etwas Kreativität lässt sich auch ein spannendes Tippspiel dazu kreieren. Man könnte das ganze sogar interaktiv gestalten und gleichzeitig die Disziplin nachstellen, in der gerade das Finale stattfindet. Diskuswerfen beispielsweise oder als Staffel zu versuchen, schneller zu sein als der Europameister über 5000. Allerdings darf es auch nicht zu anstrengend werden, denn Zeit zum Unterhalten, zum Essen und Trinken muss auch sein, das wissen wir vom Fußball.

Eine weitere Idee wäre, Stadt- oder Volksläufe um die Highlights herum zu legen. Erst gemeinsam laufen, dann gemeinsam feiern. Das hat den positiven Zusatzeffekt, dass die Kasse durch den zusätzlichen Verzehr von Speisen und Getränken klingelt. Ein wichtiger Faktor in der Vereinskasse.

Auch wünsche ich mir, dass möglichst viele Firmen mitziehen. Von Nutella gibt es eine Sonderedition zur Fußball-WM, das hätte ich auch gerne für die EM. Große Leistungen kurz und kompakt auf einem Glas. Oder Nudelpackungen zum Carboloading, das wäre doch typisch. Noch ein paar Ideen mehr und man kommt gar nicht darum herum wahrzunehmen, was da in Berlin los ist, und dass es Spaß macht, zuzuschauen.

Und Sammelkarten braucht es natürlich auch. Außerdem Autokorsos, wenn Medaillen gewonnen werden und Rabatte im Baumarkt für jede Goldmedaille. Was kann das für eine tolle EM werden!

Nur das Niveau sollten wir in manchen Fällen etwas anheben. Bier bzw. Alkohol allgemein und Sport passen einfach nicht zusammen. Schließlich muss man sich Leichtathlet(inn)en nicht schöndrinken!

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

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Wahrlich, es war einfach, lebte man vor rund 40 Jahren in West-Berlin. Die Laufszene war zu überschauen, die regionalen Stars allen bekannt und der Marathon, der 25km-Lauf und selbst der Halbmarathon versammelten alle Läuferinnen und Läufern unterm gleichen Startbanner. Suchte man eine Startalternative war diese zumindest verbunden mit einer Fahrt durch die DDR in den Westen. Vor- und Nachteile dieser Insellösung liegen auf der Hand und sind dennoch für die derzeitige Laufszene absolut unvorstellbar. Nun wiederholt sich, was wir gerade in Hannover erlebten. Der Titel lockt, aber gleichzeitig lockt andernorts das Geld. Die Qual der Wahl? - Allemal besser als Einheitsbrei.

Walter Wagner, 27. April 2018

Über die Gleichzeitigkeit

von Markus Heidl

Es ist Frühjahr, und damit endlich wieder Marathonzeit. International haben wir schon einige verrückte Rennen gesehen, von Tokio über Paris, London und Wien: Während sich die einen durch einen nassen und äußerst windigen Gefrierschrank kämpfen mussten, liefen die anderen durch die sengende Hitze. Wie immer gingen dabei die Geschichten der vielen Geschlagenen unter, während die strahlenden Sieger zu inspirieren wussten: Kipchoge ist unser König und alle lieben Yuki!

Inspiration für uns, denen das Frühjahrsabenteuer noch bevorsteht. Die nationale Brille sieht da vor allem einen Konflikt. Denn am Sonntag, den 29. April, werden zeitgleich um 9 Uhr der größte Frühjahrsmarathon in Hamburg sowie die deutschen Meisterschaften in Düsseldorf ausgetragen. Tja, da muss man sich entscheiden, denn zeitgleich an zwei Orten kann bekanntlich niemand sein.

Das hat natürlich einen Nachteil. Läuft man den einen Marathon, bekommt man vom anderen live nichts mit (und meistens ebenso wenig vom Rennausgang dessen, den man selbst gerade unter die Füße nimmt). Auch als Reporter muss man sich entscheiden. Fotografieren, am Streckenrand stehen und die Pressekonferenz besuchen kann man nur hier oder dort. Auf gewisse Weise stehlen sich die Veranstalter also die Show.

Aber die Gleichzeitigkeit hat auch Vorteile. Die Zuschauer, die nicht vor Ort sein können, haben die Möglichkeit, beide Rennen über TV, Stream und Ticker parallel zu verfolgen. Sie können mitfiebern und die Taktiken zeitgleich vergleichen, die Titelkämpfe um die deutschen Meistertitel gar virtuell erweitern. Und sie bekommen die Sehenswürdigkeiten gleich zweier Städte gezeigt. Würde ich nicht laufen, ich würde mir das Spektakel nicht entgehen lassen!

So muss ich mich entscheiden. Auch für uns Läufer hat die Parallelität der Veranstaltungen dadurch aber ein Pro. So kann überhaupt niemand auf die Idee kommen, an beiden Veranstaltungen teilnehmen zu wollen, insbesondere, weil in der Hansestadt erstmalig zusätzlich die halbe Distanz angeboten wird. Die Idee des Doppelstarts wurde praktisch einfach verhindert.

So gesehen ist es nämlich gar kein Dilemma, dass der Düsseldorf und der Hamburg Marathon gleichzeitig ausgetragen werden. Wer ernsthaft einen Frühjahrsmarathon laufen will, musste - und wird auch in Zukunft - sich nicht nur zwischen diesen beiden Veranstaltungen entscheiden, sondern aus dem großen und bunten Strauß der Marathons wählen müssen. Es funktionieren nur zwei Marathons im Jahr. Einer im Frühling, einer im Herbst.

Beitrag von Markus Heidl

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Wann bin ich ein Läufer?

von Markus Heidl

Es ist wieder Frühling. Zeit also, um wieder in Form zu kommen. Für die Bikinifigur natürlich längst zu spät, dennoch fällt es mit den wärmeren Temperaturen, längeren Tagesstunden, freundlicherem Wetter und den Frühlingsgefühlen leichter, laufen zu gehen. Die Sonne genießen und in Form kommen - gibt es eine bessere Kombination?

Nun kann man mit dem Laufen anfangen, feststellen, dass es anstrengend ist, und wieder aufhören. Oder eben dranbleiben, sich durchbeißen. Weitermachen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat… und irgendwann ist man dann Läufer [Die weibliche Form ist selbstverständlich mit eingeschlossen, lediglich der Einfachheit halber wird nachfolgend nur die männliche Form gebraucht].

Wann darf man sich aber selbst als Läufer bezeichnen? Wann ist man kein Anfänger mehr, sondern gehört zu den Routiniers, für die es selbstverständlich ist, regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren? Häufigkeit und Dauer, gar Geschwindigkeit machen als Kriterium keinen Sinn, vielmehr muss sich die Wahrnehmung verändern!

Denn Laufen verändert den Körper und damit unsere Wahrnehmung der Welt. Aus dem ständigen Überwinden von Widerständen in den ersten Wochen des Laufens kristallisieren sich nach und nach Momente heraus, die man ab und an genießen kann. Gleichzeitig versucht man sich als Anfänger zumeist vom eigenen Körper zu lösen: an andere Dinge zu denken als an die Anstrengung, den Schweiß und den ständigen Drang, endlich aufhören zu dürfen. Doch macht das Sinn: sich vom Körper lösen zu wollen? Den Körper laufen zu lassen, während der Geist möglichst weit weg ist?

Ein kurzer Exkurs in die Philosophie:

Laut Platon kann ein Ding nicht zwei entgegengesetzte Handlungen gleichzeitig tun. Sind Körper und Geist also getrennt, wenn die Physis läuft und die Psyche denkt? Diese Ansicht sei traditionelle Philosophie, hält Maurice Morleau-Ponty dagegen. Laut ihm ist der Körper kein Objekt, sondern vielmehr unser Ausdruck in der Welt.

Zusammenfasst den Gedanken J. Jeremy Wisnewski so: wir sind weder Körper noch Geist, wir sind verkörperter Geist. Laufen zu können ist keine Frage des Denkens, das Denken kann das Laufen sogar hemmen. So erlaubt es uns unser Körper nicht, zu laufen, sondern das Laufen erlaubt uns, zu denken. Denn Laufen und Denken sind nicht gegensätzlich: sie sind Ausdrucksformen unseres lebenden Körpers, der versucht, mit der Welt um sich herum zurechtzukommen und sie zu verstehen.

Für den Anfänger heißt es folglich, nicht zu versuchen, sich beim Laufen von seinem Körper (und der Anstrengung und den Schmerzen) lösen zu wollen, sondern durch das Laufen frei zu werden. Demzufolge ist man dann ein Läufer, wenn man die Freiheit erlangt hat, seine Gedanken über die Landschaft streifen zu lassen, durch die der Körper läuft - wenn Körper und Geist eins sind. Kommt dann noch Mühelosigkeit hinzu, spricht so mancher von einem "runner's high". Wer das geschafft hat, ist kein Anfänger mehr.

Und doch ist man in der Folge nicht für immer ein Läufer

Weiterhin ist man aber nicht dauerhaft ein Läufer. Laufen ist eher eine Fähigkeit, die man ausübt, als ein Zustand, den man erreicht. Einmal Marathoni, immer Marathoni - aber ein Läufer ist man nicht ein Leben lang. Nur solange wir frei sind, während wir laufen, erhalten wir unsere Fähigkeiten. Wer längerfristig aussetzt(/en muss), und damit diese Fähigkeit nach und nach aufgibt, ist kein Läufer mehr.

Unsere Fähigkeiten können sich sowohl verbessern wie auch verschlechtern. Und unser Verständnis der Dinge verändert sich mit unseren Fähigkeiten. So ist unser Bewusstsein nicht so sehr ein Ergebnis unseres Denkens als unseres Handelns. Zusammengefasst ist unser Körper kein Werkzeug, um zu laufen. Wer wirklich läuft, denkt nicht an seinen Körper, denn Körper und Geist sind nicht getrennt, sondern eins. Wenn wir mit der Umgebung verschmelzen und somit wirklich laufen - nicht unseren Körper nutzen, um zu laufen - dann sind wir Läufer. Während der Läufer läuft, versucht der Anfänger lediglich, zu laufen. Den Unterschied werdet ihr spüren. Also nichts wie raus!

Beitrag von Markus Heidl

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Zwei Mal jährlich das gleiche Szenario: Alle Uhren um, also vor- oder zurückstellen. Dies richtig vorzunehmen, ist eine lösbare Aufgabe geworden, auch für jene, denen jegliche Logik fremd ist. Man sieht auf die Funkuhr oder überprüft die vorgenommene Handlung mit der Zeitangabe auf Medienempfangsgeräten. Beendet hat diese Erleichterung die Diskussion dennoch nie, die Sommerzeit wieder abzuschaffen. Bei allem Führ & Wider kommt dies für Markus Heidl nicht infrage. Er plädiert für die Abschaffung der Winterzeit!

Walter Wagner, 15. März 2018

Bald ist wieder Sommerzeit!

von Markus Heidl

Bald ist es schon wieder soweit: am 25. März - dem letzten Sonntag im März - werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Ob es gefällt oder nicht, wir können uns nicht dagegen wehren: um zwei Uhr in der Nacht wird es auf einmal drei sein. Eine Stunde weniger Schlaf bzw. eine Umstellung unseres Biorhythmus, die dann im Oktober wieder rückgängig gemacht wird.

Erstmals aufgekommen ist die Idee bereits 1784. Kein geringerer als Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, erklärte im Journal de Paris, dass das ausgedehnte Nachtleben Energie durch künstliches Licht verschwende. Man solle früher Aufstehen und Zubettgehen.

Eine erste staatliche Einführung gab es dann 1916 im Deutschen Kaiserreich. Drei Jahre lang wurden damals die Uhren für den Sommer eine Stunde vorgestellt, bevor die Regelung mit der Weimarer Republik wieder abgeschafft wurde. 1980 dann wurde die Sommerzeit erneut eingeführt - und ist bis heute gültig. Damit sollte Strom gespart werden, weil weniger Licht gebraucht wird.

Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis wird keine Energie gespart. Zum einen, weil morgens mehr geheizt werden muss, zum anderen, weil die Beleuchtung nur einen kleinen Teil der benötigten Energie ausmacht. Wie sich jeder leicht denken kann entfällt der Großteil des Stromverbrauchs auf Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Waschmaschine und Backofen - unabhängig von der Zeit, zu der wir aufstehen. Dennoch hält sich weiterhin die These, dass die Sommerzeit Energie spare, hartnäckig in der Gesellschaft.

Am 8. Februar wurde jetzt die Europäische Kommission vom Europaparlament dazu aufgefordert, eine "gründliche Bewertung der Richtlinie über die Regelung der Sommerzeit vorzunehmen und gegebenenfalls einen Vorschlag zu ihrer Überarbeitung vorzulegen". Das Problem ist aber nicht etwa das Sparen von Energie oder die Sommerzeit an sich, sondern vielmehr die Zeitumstellung: zweimal im Jahr müssen wir unseren chronobiologischen Rhythmus anpassen. Die verlorene Stunde im Frühjahr fällt dabei schwerer als die gewonnene im Herbst. Berichtet wird von Schlafstörungen und Depressionen, wer weiter denkt stößt auf andere Probleme wie etwa die Umorganisation von Nacht-Dienstplänen in der kürzeren oder längeren Nacht, die zu Verstößen mit gesetzlichen Pausenvorgaben geraten kann.

Dass die Umstellung lästig, problematisch und wahrscheinlich nicht gut für die Gesundheit ist, steht außer Frage. Glaubt man den Umfragen, halten die meisten die Zeitumstellung auch für überflüssig. Die Meinungsmache in den Medien schießt sich deshalb auf die Sommerzeit ein: abgeschafft gehöre sie. Es stimmt auch, dass die Normalzeit oder Standardzeit die Winterzeit ist (die Zeitdifferenz der Westeuropäischen Sommerzeit (WESZ) zur Koordinierten Weltzeit (UTC) beträgt eine Stunde (UTC+1), während die Westeuropäische Zeit (Normalzeit) um null Stunden von der UTC abweicht). Dennoch aber ist die Umstellung das Problem, nicht die Sommerzeit! Ich möchte deshalb die Winterzeit abschaffen!

Denn die Winterzeit orientiert sich daran, dass um 12 Uhr, als Tagesmittelpunkt, der Sonnenstand am höchsten ist. Eine Annahme, die einfach nicht mehr zeitgemäß ist: abends um 21 Uhr sind eindeutig mehr Menschen auf den Beinen als morgens um 3 Uhr. Die Tageslichtphase sollte deshalb auch in der späteren Uhrzeit liegen, was von den meisten als längere Tage empfunden wird. Insbesondere als Läufer ist es doch schön, abends noch bei Tageslicht laufen zu können. Und auch wer nicht läuft hat sicher abends lieber länger Licht als morgens schon um vier.

Die Uhrzeit des Sonnenaufgangs verschiebt sich im Sommer mit der Sommerzeit nämlich von 3:30 Uhr Normalzeit auf 4:30 Uhr Sommerzeit und der Sonnenuntergang entsprechend von 21:00 Uhr Normalzeit auf 22:00 Uhr Sommerzeit. Für mich gehört die Winterzeit abgeschafft, wegen Licht und Temperatur. Und weil die Umstellung lästig ist.

Beitrag von Markus Heidl

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Als Patriotismus wird eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation bezeichnet. Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff "Vaterlandsliebe" synonym verwendet, weiß die Wikipedia. Schwarz, Rot und Gold, danach schauen wir vor allem bei Olympia. Und dort wieder täglich auf den Medaillenspiegel, denn der hatte nur in Rio Pause. Irgendwie komisch meint Markus Heidl im Pro & Kontra, ging es nicht ums Überwinden von Grenzen?

Walter Wagner, 20. Februar 2018

Es gibt mehr Farben als nur

Schwarz, Rot und Gold!

von Markus Heidl

Als Patriotismus wird eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation bezeichnet. Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff "Vaterlandsliebe" synonym verwendet, weiß die Wikipedia. Schwarz, Rot und Gold, danach schauen wir vor allem bei Olympia.

Ja, es finden derzeit wieder Olympische Spiele statt. Winterspiele diesmal, in Pyeongchang in der südkoreanischen Provinz Gangwon-do. Auch dort - wie im Sommer, und das macht Olympia mit aus - bekommen wir wieder Sportarten gezeigt, die wir sonst nur ganz am Rande mitbekommen. Auch hier allerdings wieder durch die patriotische Brille: ganz automatisch schauen wir vor allem auf die deutschen Athleten, auch die Moderatoren sind ganz klar parteiisch. Und dann gibt es da noch den Medaillenspiegel, der den Wettkampf über alle Disziplinen klar und deutlich aufzeigt: es geht darum, die erfolgreichste Nation zu sein. Gemessen wird das anhand der Anzahl der Medaillen.

Irgendwie komisch, soll es bei Olympia doch eigentlich darum gehen, Grenzen zu überwinden, Freundschaften zu schließen und nicht, die Nationen in verschiedene Lager zu spalten. Von den Athleten selbst hört man immer wieder, dass man sich auch mit den Konkurrenten persönlich gut verstehe. Von außen aber entsteht der Eindruck, dass vor allem der Olympische Gedanke lebt, wenn die Zuschauer von anderer Nationalität sind als sämtliche Athleten, sodass objektiv beobachtet werden kann.

Dann wird gemeinsam gefeiert.

Aber warum eigentlich? Warum schauen wir zuerst auf die Nationalität? Sicher haben die wenigsten von uns die Athleten persönlich getroffen, eine persönliche Beziehung oder gar Einfluss auf deren Leistung. Die Gemeinsamkeit scheint die gleiche Herkunft zu sein. Logischerweise müsste man dann aber als Niedersachse oder Nordrhein-Westfale beim Eisschnelllaufen für die Niederländer klatschen und als Saarbrückener ab und an die Franzosen anfeuern. Geografisch ist das näher - aber irgendwie nicht dasselbe.

Was wiederum zum nächsten Warum führt: warum fühlt man sich eigentlich seinem Vaterland verbunden? Im Grunde ist es doch Zufall, wo man geboren wird, eine eigene Leistung zumindest ist es nicht. Man kann bei der Auswahl seiner Eltern nie vorsichtig genug sein, sagt mein Vater immer.

Als Anregung an unsere TV-Anstalten fände ich es gut, auch die Hintergründe der nichtdeutschen Athleten genauer gezeigt zu bekommen. Auch dort wird hart gearbeitet, gibt es Dramen und Glücksgefühle und sehr sympathische Wettkämpfer, die ihren Sport lieben. Wieder einmal sind es die persönlichen Geschichten, die den sportlichen Wettkampf mit prägen und umso spannender machen. Generell verschieben sich die Fangemeinschaften auch dadurch, dass man den meisten durch Social Media gefühlt sehr nah sein kann. Da freut man sich mit, wenn sich die harte Arbeit lohnt.

Schließlich wären da auch noch die erneuten Enthüllungen von Hajo Seppelt. Manchmal scheinen alle gedopt zu sein, dennoch bleibt der Glaube an das Gute im Menschen und den sauberen Sport. Vor allem eine Idee bleibt aber: die der Olympischen Athleten. Wie wäre es, alle Wettkämpfer als olympische Athleten antreten zu lassen, um sich unvoreingenommen von den Weltklasseleistungen beeindrucken zu lassen? Oder aber nach persönlicher Sympathie zu gehen, ohne vom Nationalstolz abgelenkt zu werden? Ich persönlich feuere auf der Schlussrunde nicht immer dieselben an wie der Moderator. Und wenn man einmal die Gelegenheit bekommt, dem internationalen Kommentar zu lauschen - ich verspreche, es ist ein ganz anderes Sporterlebnis!

Beitrag von Markus Heidl

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Lange schon jagen die Datenspinnen nach Beute, mit zunehmender Gier und ohne Skrupel. Bisher weitgehend ungehindert und bar jedweder Kritik. Das Deckmäntelchen der Gutmenschen wird Konzernen und ihren Vordenkern aber langsam entzogen, die aus ihren ausgeworfenen Netzen Informationen abfischen und vermarkten. Der Preis für etwas Bequemlichkeit, Spaß und Unterhaltung ist gar nicht abzuschätzen, denn unser sich komplettierender digitaler Zwilling ist nie ein Freund, sondern als hartnäckiger Lebensbegleiter unser verräterischer Feind. Bewegendes dazu von Markus Heidl im Pro & Kontra.

Walter Wagner, 1. Februar 2018

Du bist mehr als dein

digitaler Zwilling!

von Markus Heidl

Dass vor jedem Lauf mittlerweile kurz gewartet wird, bis die eigene Uhr mithilfe von Satelliten weiß, wo genau wir stehen, ist Normalität geworden. Dann legen wir los und können uns hinterher ganz genau anschauen, wo wir wann gewesen sind, wann wir wie schnell waren usw. Noch größer wird der Spaß, wenn wir anderen zeigen können, wie fleißig wir waren. Für manche ist es gar die wichtigste Motivation, dass die Freunde sehen, wie wir gelaufen sind. Oder eben auch nicht.

Aber selbst wenn wir unsere Aktivitäten nur unseren Bekannten zeigen wollen - ausschließlich diesen vorbehalten bleiben unsere Daten leider nicht. Ein aktueller Test zeigt einmal mehr, dass unsere Daten, sind sie einmal im Netz, ohne Skrupel weitergegeben werden: So eindeutig fällt das Urteil der Stiftung Warentest (test 12/2017) aus: "Nur ein Produkt ist gut: die Laufuhr von TomTom. Alle anderen bieten coole Technik, aber Kundenrechte von gestern." Das gibt zu Denken. Weil es nämlich um wirklich sensible Messwerte und Daten geht. Unseren Aufenthaltsort und unsere Pulsfrequenz, teilweise 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. So manch ein Gerät weiß auch unser Gewicht. Unser digitaler Zwilling wird uns immer ähnlicher.

Ich war auch mal so jemand, der es klasse fand, durch meine Daten einfach so Geld zurückzubekommen (payback) oder dass ich, wenn ich schon Werbung sehe, Produkte gezeigt bekomme, die mich auch interessieren. Bald aber wird aus einer Spielerei, die dem Einzelnen Vorteile bringt, ein allgemeiner Zwang. Nach und nach geben wir einfach so unsere Freiheit auf. Was Dave Eggers in "Der Circle" beschreibt, ist längst schon in Teilen Realität geworden, wenn wildfremde Menschen Dinge über uns wissen, an die wir uns selbst nur noch schemenhaft erinnern. Oder wenn Besitzer der Apple Watch vielleicht einen überteuerten oder gar keinen Kredit erhalten und nicht einmal wissen, warum.

Hochmodern, aber extrem neugierig sind längst nicht mehr nur unsere Uhren, sondern eigentlich alles, was Verbindung zum Netz hat. So manch einer hat gar schon seine eigene Überwachungsbox in der Wohnung stehen, mit der man sich unterhalten kann. Natürlich ist nicht das Internet an sich schlecht. Auch die Digitalisierung aller Lebensbereiche hat großes Potential. Wenn durch die rasanten technischen Entwicklungen unsere Gesellschaft und unser Denken revolutioniert wird, müssen wir mithalten.

Normal ist es geworden, dass Krankenkassen Aktivitätstracker verschenken, um die eigenen Mitglieder zu überwachen und einzustufen. Schön und gut, wenn man etwas geschenkt bekommt, das man sowieso einmal ausprobieren wollte. Und gerade wir Läufer sind schnell dabei, solche Maßnahmen gutzuheißen. Wir bewegen uns ja genug und sehen unseren persönlichen Vorteil. Aus freiwilliger Kontrolle wird so aber bald ein Zwang zur Kontrolle, weil es für den Einzelnen vermeintlich gut und für die Allgemeinheit billiger sei.

Der nächste Schritt, in allen Lebenslagen überwacht zu werden, ist dann ein kleiner. Und der übernächste, dass wir in unserer eigenen Filterblase, unserem Zugang zu Informationen, nur noch die politischen und kulturellen Informationen erhalten, die unseren vermuteten Interessen entsprechen schnell denkbar. Dagegen müssen wir uns wehren!

Wie schnell es gehen kann, dass man plötzlich nur noch die Summe der eigenen Daten ist, zeigt China. Dort wird ab 2020 ein Social Credit System eingeführt, gegen das sich niemand wehren kann. Alles wird überwacht und die Handlungen einer Person werden bewertet. Selbst diejenigen, die sich nicht digital ausweisen, werden über Gesichtserkennung den Handlungen zugeordnet.

Es wird daran gearbeitet, unsere emotionalen Regungen und sozialen Beziehungen in ein ökonomisches Verwertungsmodell zu überführen. Nicht nur in China. Wer setzt unseren digitalen Zwilling wie zusammen? Der kann dem Einzelnen sehr wohl Vorteile bringen. Aber es wird jeden von uns zu einem Teil einer Rechnung machen. Eine Rechnung ohne unsere Kenntnis, unser Zutun und unsere Interventionsmöglichkeiten.

Wir müssen kritisch bleiben und uns fragen, was die Konsequenz bzw. der eigentliche Preis dafür ist, dass wir unsere (Lauf)Daten nur allzu bereitwillig für den Spaß und die vermeintliche Motivation mit aller Welt teilen und Minicomputer am Handgelenk tragen, die Bewegungsprofile von uns aufzeichnen und Gesundheitswerte abspeichern. Inwieweit wollen wir die Datensammelwut von Konzernen unterstützen und unsere private Daten öffentlich zugänglich machen?

Beitrag von Markus Heidl

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Auf jeden Topf passt ein Deckel – und jeder Deckel passt auf irgendeinen Topf. Doch ein Fuß passt nie in jeden Schuh. Das Leben ist kompliziert. Jedenfalls, – immer einfach ist es nicht. Oft kann man es sich erleichtern, aber des Läufers Philosophie ist das meist nicht. Disziplin und Vernunft können zusammenpassen, wie der genannte Deckel auf den Topf. Sie können sich aber auch beißen. Was heißt das nun fürs Laufen? – Frei nach Berthold Brecht und bezogen aufs Allgemeine: 'Lieber mehr können als man macht.' Ich scheue unsinnige Zwänge. Und wie hält es Markus?

Walter Wagner, 16. Januar 2018

Warum ich nicht streake

von Markus Heidl

Es ist Januar 2018 und die deutschen Läuferinnen und Läufer "streaken". Streak ist Englisch und kann mit Ader, Schliere, Faser oder Strich übersetzt werden. Gemeint ist aber wohl die Strähne. Wie in Glückssträhne.

Genau dazu ruft das Wort streak auf: jeden Tag zu laufen, mindestens eine Meile, also 1,609 km. Und gerade jetzt zum Jahresstart bietet sich ein solcher streak als guter Jahresvorsatz an. Podcasts und eine Laufzeitschrift haben den Vorschlag gemacht, einige haben sich angeschlossen. Und laufen seit dem ersten Januar Tag für Tag.

Das hat etwas Gutes. Ein Stück weit nimmt es einem die Entscheidung ab, wenn klar ist, dass jeden Tag gelaufen wird. Bleibt nur noch zu entscheiden, wann. Das ist einer der elementarsten Tipps für Laufanfänger. Routinen schaffen! Dann geht es im Zweifelsfall auch noch abends spät mit der Stirnlampe raus in die Dunkelheit. Ein klares und einfaches Ziel, es muss ja nicht viel sein!

Und wann hört das wieder auf? In gewisser Weise ist das Strähnenlaufen auch eine Abkehr von den klassischen Leitbildern. Es zählt nicht mehr die Platzierung oder die Zeit über bestimmte Distanzen, sondern schlicht die Anzahl der Tage, an denen am Stück gelaufen wurde. Somit lassen die meisten die Dauer ihrer Strähne unbestimmt. Warum mit etwas aufhören, was grundsätzlich guttut? Die längste bekannte Strähne wurde von Ron Hill aus England aufgestellt, der vom 21. Dezember 1964 bis zum 29. Januar 2017, insgesamt 52 Jahre und 39 Tage, am Stück gelaufen ist.

Ausgerufen wurde die "Challenge" aber nur für den Januar, was sicher die gesündere Variante ist. Denn ab und an macht eine Pause Sinn. "Am siebten Tage aber sollst du ruhen", heißt es schon in der Bibel (2. Mose 23,12). Ebenso lässt jede gute Diät Ausnahmen zu: wer einmal in der Woche einen Joker nimmt, ist immer noch dabei. Beim Streak hingegen nicht: wer aussetzt, muss bei null beginnen. Der mentale Vorteil, dass nicht darüber nachgedacht werden muss, ob gelaufen wird, darf nicht zum auslaugenden Nachteil werden. Es darf kein Zwang entstehen, erst recht nicht, wenn durch solche Vorsätze gar über kleinere Krankheiten hinweggelaufen wird.

Per Zufall war ich bis zum 9. Januar mit dabei. Bis dahin bin ich jeden Tag des neuen Jahres gelaufen. Am 10. aber, da lief ich nicht, da fuhr ich Rad. Meine Strähne gab ich auf. Ganz bewusst. Weil ich wusste, dass das Training am Donnerstag besser werden würde, wenn ich mir am Mittwoch eine Pause gönnte. So war es dann auch: Kopf und Beine waren frisch! Man muss auf seinen Körper hören.

Ein guter Grund für das Strähnenlaufen wären noch die Mitochondrien, unsere Kraftwerke in den Zellen. Die Daumenregel besagt, dass man, je öfter man trainiert, desto mehr Mitochondrien hat. Ein Grund, weshalb vermeintlich schwächere Läufer, die plötzlich im Trainingslager zwei Einheiten pro Tag absolvieren, aufblühen oder auch warum die Radprofis bei der Tour de France selbst an Ruhetagen kleine Ausfahrten machen. Es gibt nämlich Studien, die besagen, dass unsere Mitochondrien bereits nach 36 h ohne Sport beträchtlich zurückgehen.

Dennoch sollte man sich Ruhetage gönnen. Unsere Sehnen und Bänder, vor allem aber unser Kopf braucht ab und an eine Pause. Wer abends trainiert und am übernächsten Tag in der Frühe bleibt auch noch unter dem Grenzwert für die Mitochondrien. Und die ganz Unermüdlichen können ja alternativ trainieren. Die Pause wird dennoch guttun!

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

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Ex und hopp. Lieber Markus, bei diesem Pro braucht´s kein Kontra. Und Konsum zur Arbeitsplatzrettung, das geht am Ende doch nicht auf. Also Konsumverzicht? - Das richtige Maß finden. Die Dosis macht das Gift. Reicht nicht meist die Hälfte? Klar, vieles kann man nach Benutzung weitergeben. Bei Büchern hat dies längst Struktur. Der arme Poet bleibt aber arm -, egal. Markus Heidl ärgert und wundert sich über sich selbst im 'mehr Pro als Kontra'.

Walter Wagner, 5. Dezember 2017

Kaufen um zu kaufen?

von Markus Heidl

Gestern kam eine Kurznachricht in einer unserer Gruppen. Ein bekannter wird morgen am Knie operiert und fragt nach Kühlpads. Im ersten Moment wundere ich mich: die kann man doch kaufen? Und günstig noch dazu.

Im Nachhinein ärgere ich mich aber über mich selbst! So sehr bin ich also schon vom Kapitalismus durchdrungen, dass ich sofort ans Kaufen denke. Neuanschaffen, obwohl die Dinge doch eigentlich schon vorhanden sind. Der Gedanke, erst einmal Bekannte, die in der Nähe wohnen, zu fragen, ist doch viel naheliegender. Insbesondere bei Dingen wie Kühlpads, die eigentlich nur irgendwo herumliegen und - glücklicherweise - nur sehr selten gebraucht werden.

Warum sollte jemand etwas in zweifacher Ausführung kaufen, um es nach der akuten Benutzung in den Schrank zu legen, wo es bei vielen anderen auch schon - genauso ungenutzt - liegt?

Eine Frage, die sich übertragen lässt. Auf so viele andere Beispiele. Und die gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, noch viel öfter gestellt werden müsste.

Versetzen wir uns einmal auf die andere Seite. In die Rolle des Fabrikarbeiters, der eines dieser zahllosen Beispiele herstellt. Oder besser gesagt: der die Maschine bedient, welche eine immense Anzahl unseres Beispiels fertigt. Um beim Thema Laufen zu bleiben: Handyhalterungen für den Oberarm. Eine Woche mit Herzchen-Muster, eine Woche mit Katzen, eine Woche in grün und eine Woche in pink. Oder Armbänder für unsere GPS-Uhr. Auch eine Woche mit Herzchen-Muster, eine Woche mit Katzen, eine Woche in grün und eine Woche in pink.

Nennen wir ihn Lin. Er ist 25 Jahre alt, hat eine Frau und einen kleinen Sohn, für die er täglich 16 Stunden lang in einer Maschinenhalle arbeitet. Um Sachen herzustellen, die er nicht braucht, nie brauchen wird und sich auch nicht vorstellen kann, warum man so etwas in dieser Masse in Auftrag geben kann. Was würden wir ihm antworten, könnte er uns fragen?

Auch, wenn es um andere "Gadgets" geht. Getränkehalter für das Auto, Lippenformer, Selfiesticks, leuchtende Schnürsenkel oder Handventilatoren. Alles in einer Qualität, dass die Sachen schnell kaputt gehen, sodass wir schnell wieder Nachschub kaufen können. Kaufen wir also nur des Kaufens Willen?

Denn alles was gekauft wird, muss irgendwann wieder entsorgt werden.
Und Laufen ist doch eigentlich so ein simpler Sport. Etwas Kleidung, ein Paar Schuhe und ab in den Wald. Mehr Sport, weniger Konsum.

Viel Kontra gab es in diesem Beitrag nicht. Dafür mehr Pro. Pro es meinem Bekannten gleichzutun und erst einmal zu fragen, bevor man kauft. Denn noch frustrierter als Lin ist sicher nur Amaniel, der aus den Konsumgütern, die Lin hergestellt und wir verbraucht haben, die wertvollen Rohstoffe wieder entnimmt. Und sich dabei an den ganzen Chemikalien vergiftet.

Beitrag von Markus Heidl

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Steht der Vogel der Weisheit Pate bei der Erneuerung der Leichtathletik? Man mag es hoffen - oder auch nicht. Ja, nicht wenigen Laufsportbegeisterten ist es vollkommen egal, was Verbände leisten bzw. sich leisten. Was ist bei der Leichtathletik zu ändern? Oder sollte alles bleiben wie es ist? Markus Heidl sieht keinesfalls nur Verbesserungen in einer neuen Weltrangliste.

Walter Wagner, 10. November 2017

"World rankings" zur Qualifikation für große Meisterschaften

von Markus Heidl

Einen ersten Schritt in Richtung "fundamentaler Änderungen in der Leichtathletik" wurde es von der International Association of Athletics Federations (IAAF) genannt: für die Weltmeisterschaften in Doha 2019 sowie die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wird es einen komplett neuen Qualifikationsstandard geben. Von der Norm zur Rangliste, wenn man so will. Ab dem ersten Quartal 2018 wird eine Weltrangliste eingeführt.

Laut Präsident Sebastian Coe, der die Änderungen schon Ende letzten Jahres angestoßen hatte, dient die neue Weltrangliste "to help athletes and fans better compete and follow the sport they love". Aus Sicht der Verantwortlichen sorgt sie also für eine bessere Übersichtlichkeit.

Und natürlich ist es toll, eine Rangliste zu haben, auf der klar ersichtlich ist, wer derzeit der bzw. die Weltbeste der jeweiligen Disziplin ist - wenn denn die Punktewerte auch nachvollziehbar sind. Und hier liegt die große Schwierigkeit einer solchen Rangliste für die Leichtathletik: Zählen 8,60 m bei Weitsprung-Landesmeisterschaften weniger als 7,95 m in der Diamond League? Was ist besser: 2h03 beim München-Marathon oder Sieg in 2h14 in New York? Ist ein Speerwurf beim heimischen Abendsportfest überhaupt noch etwas wert?

Laut der IAAF ergeben sich die Punkte für die Weltrangliste aus einer Kombination aus Leistung, Platzierung und Wichtigkeit der Veranstaltung. Damit einher geht zwar eine klare Hierarchie der Wettkämpfe, die wiederum aber nur durch die IAAF beeinflusst wird. An den wichtigsten Veranstaltungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach viele der Weltbesten teilnehmen, um Punkte für die Rangliste zu sammeln. Das hat den Vorteil, dass von Veranstalterseite her gegenüber Sponsoren damit gerechnet werden kann, dass Weltklasseleistungen geboten werden. Auf der anderen Seite wird dadurch die Lücke zwischen den als hoch und niedrig eingestuften Wettkämpfen größer. Denkt man dabei an die Vergangenheit in der IAAF, muss man sich gar sorgen machen, dass bezahlt wird, um in der Wichtigkeit zu steigen.

Grundsätzlich ist es eine Frage, wie die drei Faktoren (Leistung, Platzierung, Veranstaltung) für die Punkte der Rangliste gewichtet werden. Wie entsteht die beste Vergleichbarkeit? Und welche Auswirkungen hat das auf unseren Sport?
Angenommen, die Leistung zählt nur wenig, es käme nur auf die Platzierung bei großen Veranstaltungen an. Dann stünde vor allem der Wettbewerb im Vordergrund. Die Bedingungen interessierten dann genau so wenig wie die Zeiten bzw. Weiten und Höhen. Das wäre in dem Sinne gut, dass weniger Grund zu Doping bestünde - es geht "nur" um den Kampf zwischen Konkurrenten. Dann aber hätten kleine Meetings gar keine Chance mehr. Für die Stars wären sie dann höchstens noch Trainingswettkämpfe.

Und so schön auch Wettkämpfe sind - wegen der taktischen Spielchen - bei denen es nur um die Platzierung geht, sie haben einen weiteren Nachteil: den der Gleichberechtigung. Nicht allen Ländern und Athleten stehen die gleichen Mittel für Reisen zur Verfügung. Wenn ein Athlet nicht zu den am höchsten eingestuften Veranstaltungen reisen kann, kann er auch nicht so viele Punkte sammeln wie die Konkurrenz. In jüngster Zeit ist es sogar für einige Nationalitäten zum Problem geworden, in gewisse Länder einreisen zu dürfen. Wenn nun aber gerade in Amerika einige wichtige Wettkämpfe ausgetragen werden?

Und wie sähe es ferner mit dem Umgang miteinander aus? Gibt es mehr Rivalität zwischen den Wettkämpfenden, wenn es nur noch um Platzierungen geht? Wenn es keine gemeinschaftlichen Tempohatzen mehr gibt, bei denen man sich gegenseitig unterstützt?

Schließlich ist es schade, dass trotz der neuen Qualifizierungsregelung für die großen Meisterschaften dem Nominierungs-"Hickhack" kein Riegel vorgeschoben wird, denn die Nationalverbände entscheiden am Ende noch immer über die Nominierung der in Frage kommenden Athleten.

Wir können gespannt sein, wie genau die Punkte für die Weltrangliste zustande kommen und welche Auswirkungen eine Tabelle auf unseren Sport hat.

Beitrag von Markus Heidl

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Marathon ist die Reifeprüfung im Laufsport. Und jetzt kommt sie auf, die Prüfungsangst. Wie machen das die Afrikaner, die leichtfüßig die Kilometer schlucken und den Mann mit dem Hammer gar nicht zu kennen scheinen? Was kann man von ihnen lernen? Habe ich was falsch gemacht? Ist harte Arbeit in Form von Kilometern alles? Machen es Geheimrezepte nur schlimmer? Markus Heidl kommt im Pro & Kontra zu dem Schluss: Also, lassen wir uns nicht verrückt machen!

Walter Wagner, 19. Oktober 2017

Keine Abkürzungen

im Marathon

von Markus Heidl

Der Herbst ist - wie das Frühjahr - Marathonzeit! Und was haben wir schon für tolle Rennen gesehen: Favoritensterben in Berlin, mit einem Herausforderer aus dem Nichts für Kipchoge, der es gar wagte, den großen Meister anzugreifen. Eine Spitzengruppe, die sich beim Kassel-Marathon verläuft und disqualifiziert werden muss. Ein schneller Beginn in Köln, der dennoch mit der EM-Quali endet. Ein Rekordversuch in Chicago ganz allein von vorne, der am Ende knapp scheitert, dafür ein spannendes Rennen bei den Männern, das nach 15 Jahren zum ersten Mal ein Amerikaner gewinnt. Fünf Mann unter 2h06 in der Hitze von Amsterdam, und, und, und…

Aber wie machen die das bloß, nach 40 km gar beschleunigen, Zwischenspurts einlegen und Duelle austragen? Dafür muss es doch einen Trick geben! Einen Trick, der vielleicht auch uns bei unserem großen Herbstmarathon helfen könnte? Denn Frankfurt, New York etc. kommen ja noch.

Denn die Unsicherheit und all die Fragen lassen nur die wenigsten von uns völlig kalt. Habe ich genug trainiert? Schaffe ich es überhaupt ins Ziel? Was esse ich vorher, soll ich unterwegs trinken? All die Ungewissheiten, die durch die vielen verschiedenen Tipps auch noch aufgebläht statt minimiert werden.

Da käme ein Geheimrezept doch gerade recht. Dann endlich wäre Sicherheit gegeben. Dann könnte man mit stolzgeschwellter Brust am Marathonmorgen in den Startblock marschieren, mit der Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben. Und mehr als das.

Was gibt es also, das die Profis anders machen als wir? Einen Trick, ein besonderer Kniff, eine geheime Speise oder dieses eine spezielle Training, das uns plötzlich schneller, ausdauernder, härter macht? Das Geheimrezept der Profis, das uns eine Abkürzung zu unseren Traumzeiten verschafft, spielerisch leicht?

Nun, es gibt ein Geheimnis, aber es ist ein offenes Geheimnis. Und spielerisch leicht ist es nicht: harte Arbeit. Das ist alles. Harte Arbeit in Form von Kilometern.

Arne hat es vorgemacht: sein (relativ) komplettes Trainingsprogramm, beispielsweise vor seinem deutschen Marathonrekord 2015 in Frankfurt, können wir einsehen. Sein Geheimnis ist harte Arbeit.

Vor dem Berlin-Marathon gab es ein weiteres Beispiel, vielleicht das Beispiel schlechthin. Kipchoge selbst veröffentlichte sein Training der letzten fünf Wochen. Und auch hier ist das einzige Geheimnis, das es zu entdecken gibt, die harte Arbeit. Denn das, was er macht, machen wir auch. Langsame Läufe, schnelle Läufe und lange Läufe.

Jetzt könnte man die Augen verdrehen. Diese Profis haben doch viel mehr Zeit als wir! Für das Training wie für die Regeneration. Es ist aber ein Fakt, der uns allen Mut machen sollte. Weil es keine Geheimnisse gibt, nur unser eigenes Herzblut.

Und die wirklichen Geheimrezepte machen es nur schlimmer. Eiweißpülverchen, Kompressionsstirnbänder, Iso-Getränke oder Schuhe mit 2,7 mm Sprengung. Vielleicht helfen sie ja doch? Eher nicht. Weil es neue Ideen sind, die zu testen es jetzt, so kurz vor dem wichtigen Rennen, zu spät ist.

Also lassen wir uns nicht verrückt machen! Lasst uns den Marathon vernünftig angehen, mit Mut, aber nicht mit Übermut. Und lasst uns dann auf den letzten Kilometern unseres Herbstmarathons ein Lächeln auspacken und rennen wie Kipchoge. Bis ins Ziel eines gelungenen Marathonrennens.

Beitrag von Markus Heidl
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Kontrovers dürfte das Thema diskutiert werden. Nicht anzukommen bei einem Lauf, das gibt es nicht, vertreten einige ihre Ansicht, und wer kennt nicht die Leidvollen, denen es dann doch passiert aufgeben zu müssen. Aussteigen gehört eben zum Laufsport, gut finden muss man es nicht. Doch da sind auch jene, die ganz schnell abbrechen, allein weil das sportliche Ziel - Platz oder Zeit - nicht mehr erreichbar scheint. Im Einzelfall wird es unmöglich sein, die verschiedensten Beweggründe zu ermitteln. Dass das Ankommen aber einen hohen Stellenwert hat, davon ist Markus Heidl im Pro & Kontra überzeugt.

Walter Wagner, 7. September 2017

Aussteigen ist keine Option

von Markus Heidl

"DNF is not an option" - ein Spruch, der vor allem bei Triathleten beliebt ist. Ironischerweise steigen zwar meist die, die diesen Spruch am lautesten verbreiten, am häufigsten aus Rennen aus, dennoch ist die Kernaussage lobenswert: insbesondere in harten Wettkämpfen Charakter zeigen und durchbeißen. Den steinigen Weg gehen und ins Ziel kämpfen: lieber langsam, unter allen Erwartungen, als gar nicht ankommen.

Immer vorausgesetzt, die Gesundheit ist nicht gefährdet. Denn sonst wäre es töricht!

Rückblick nach Bad Liebenzell, zu den deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km (LaufReport berichtete). Die Strecke ist schnell, die Stimmung toll und das Wetter könnte nicht besser sein. Perfekte Rahmenbedingungen für spannende Rennen. Und Deutschlands Elite spielt mit: die derzeit Schnellsten sind alle am Start.

Als Favorit gilt Arne Gabius, der bei der letzten Austragung vor Ort vor zwei Jahren Petros und Pflieger in seinem Windschatten deutlich unter 29 Minuten gezogen hatte. Heuer ist es anders: das Streckendrittel ist noch nicht erreicht, da hat Gabius das Rennen bereits aufgegeben.

Magen-Darm-Probleme hörte man im Nachhinein als Begründung. Probleme wie diese - das kennt wohl jeder von uns - fordern ab und zu einen Zwangsstopp. Danach geht es in der Regel aber wieder, meist besser als zuvor. Warum also aussteigen? Jan Fitschen lief seinen schnellsten Marathon mit Dixie-Unterbrechung. Und was hätte noch aus Arne werden können! Eine Aufholjagd zurück aufs Podest? Oder trotz Zwischenstopp unter 30 Minuten? Wir wissen es nicht und haben so eine evtl. erinnerungswürdige Laufgeschichte verpasst, weil Arne - zumindest von außen betrachtet, hineinversetzen kann ich mich nicht - den leichten Weg wählte und nicht in Erwägung zog, das Rennen fortzusetzen.

Aber lassen wir diesen Einzelfall und thematisieren im Allgemeinen. Ganz sicher gibt es auch Unterschiede zwischen den Profis und uns Amateuren. Die Erfahrung zeigt aber, dass Durchziehen immer die bessere Wahl ist. Allein schon für den Stolz auf sich selbst, den Umständen getrotzt zu haben.

Auch von außen sind die Rückmeldungen eindeutig. Natürlich sehen wir sie gerne, die strahlenden Sieger und die richtig schnellen Zeiten. Das sind die Rennen, für die wir trainieren, an die wir uns gerne erinnern und die uns durch so manche Krise tragen. Den größten Respekt aber bekommen wir für die vermeintlich schlechten Rennen. Weil sich jeder den inneren Zwist vorstellen kann und den Kampfwillen bewundert. Wahre Heldinnen und Helden sind doch die, die trotz einer Tagesform, die so gar nicht zu den Erwartungen passt, weiterkämpfen und sich nicht unterkriegen lassen. Oder die Pech haben und beispielsweise im größten Finale des Jahres zu Fall gebracht werden. Gesa hat uns trotzdem - oder gerade deswegen - begeistert. Weil sie nicht aufgegeben hat! Tun wir es ihr nach.

Natürlich kann das ein langer Kampf werden. Wenn man beispielsweise bei km 15 eines Marathons schon merkt, dass der Tank leer ist. Dann wird der Leidensweg weit, dennoch ist Aufgeben stets die schlechtere Option. Wer es positiv sieht, nimmt es als Möglichkeit, sich selbst besser kennen zu lernen. Und lernt die richtig guten Rennen, die auch wieder kommen werden, noch mehr zu schätzen.

Der Leistungswillen muss da sein - an guten wie an schlechten Tagen. Aber auch mit einer Toilettenpause kann es noch eine gute Erfahrung werden. Den Versuch ist es wert, denn wenn wir das Rennen verlassen, dann wissen wir nicht, was noch hätte werden können. Lieber eine schlechte Zeit als gar keine.

In Arnes Fall wollen wir aber Kopenhagen abwarten!

Beitrag von Markus Heidl
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Man mag es verteufeln, aber der Anteil, den die Medien am Erfolg eines Sportlers, ja einer ganzen Sportart haben, ist immens. Es gibt Disziplinen, die bedürfen gewaltiger Bilder und spannender Moderation, dann finden auch diese ihr Publikum. Gern wandeln Medienmitarbeiter bequem in bereits ausgetretenen Pfaden, das führt mitunter zu seltsamer Berühmtheit. Nur, ohne Medienpräsenz geht gar nichts und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Mit diesem Wissen üben wir Toleranz und Stillschweigen. Nicht so Markus Heidl im Pro & Kontra.

Walter Wagner, 17. August 2017

Mach's gut, Usain!

von Markus Heidl

Sonntag, der 13. August 2017. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London sind gerade mit einer spannenden 4x400 m Staffel zu Ende gegangen, in der Trinidad und Tobago die Vereinigten Staaten niederrangen. Viel Zeit zu feiern bleibt den neuen Helden allerdings nicht, denn es steht ein weiterer Programmpunkt an, auch wenn dieser weniger mit Sport und mehr mit Sentimentalität zu tun hat.

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, der begnadete Entertainer, die lebende Legende, muss verabschiedet werden. Warum, weiß niemand so recht. Aber natürlich erinnern wir uns einmal mehr gerne an seine einst so spielerisch leichte Schnelligkeit, an seinen Laufstil, der der Perfektion sehr nahe kam, zurück. Er selbst weiß aber am besten, dass diese Zeiten vorbei sind. Seine Karriere hat er deshalb mit diesen Weltmeisterschaften beendet. Es war ein Abschied, den sich die allermeisten anders gewünscht hätten.

Aber die Leichtigkeit ist dahin. Mit der Zeit wurde aus dem überragenden Sprinter, der für eine tolle Show sorgen konnte, nur noch der, der vor allem für die Inszenierung sorgte, der aber trotz hartem Training seinen eigenen Leistungen und irgendwann auch vereinzelten Konkurrenten hinterher lief. Auch seine letzte Ehrenrunde, nach beschriebener Verabschiedung, sah eher traurig aus.

Und deshalb - so hart es auch klingen mag - braucht die Leichtathletik einen Usain Bolt nicht (mehr). Nicht nur, weil wir die Show vor allem während der Wettbewerbe und nicht davor und danach brauchen, sondern vor allem, weil die Leichtathletik sehr viel mehr ist als nur der männliche Sprint. Leichtathletik, das steht für Höchstleistung, Emotionen und eine Vielseitigkeit, bei der für jeden etwas dabei ist.

London hat es einmal mehr vorgemacht: was hatten wir für ein tolles Publikum, mit an jedem Abend ausverkauften 60.000 Plätzen, was hatten wir für Dramen auf den Zielgeraden, was für ausgebuffte Taktiken, welch tolle Höhenflüge, spannende Platzierungswechsel und vor allem welch Spektrum an Emotionen im Ziel.

Leichtathletik, das ist Vielseitigkeit. Natürlich mit auch viel "Schneller", aber eben auch mit viel "Höher" und "Weiter"! Selbst die Schnelligkeit beschränkt sich keineswegs auf den Sprint. Wie hart können die letzten 200 m bei den Mittelstrecken und wie selektiv die letzte Runde auf den Langstrecken sein. Selbst beim Marathon werden Zwischenspurts eingelegt, dass dem ambitionierten Hobbyläufer die Ohren schlackern. Natürlich ist das nicht immer offensichtlich. Experten in der Regie und vor allem auch in der Moderation machen den Unterschied, dass aus einem langweiligen Lauf ein spannendes Highlight wird. Manche ärgern sich über die aktuelle Besetzung, andere ergreifen selbst die Initiative und machen einen klasse Job.

Bleibt noch die schillernde Persönlichkeit. Aber auch dort gibt es so viele, die wir bewundern können. Wieder sind es die Geschichten und Hintergründe, die unseren Sport so spannend machen. Manche, wie Usain Bolt, können und konnten sich so inszenieren, dass beispielsweise aus 100 geraden Metern eine explosive Mischung wurde. Andere können das weniger, dort sind die Medien gefragt. Und jeder von uns selbst. Fakt ist: jeder Bewerb war spannend. Es kommt nur darauf an, was wir daraus machen!

Er war ein Meister, aber einer unter vielen. Also mach's gut Usain! Wir werden dich vermissen, aber wir brauchen dich nicht. Die Leichtathletik hat so viel mehr zu bieten als nur den schnellsten Mann der Welt.

Beitrag von Markus Heidl
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Der Nahrungsaufnahme kommt bei Ausdauersportlern eine besondere Rolle zu. Allein Nahrungsergänzung ist ein Allzeitthema, mal dopingverseucht, gern überbewertet oder ohne Wenn und Aber abgelehnt. Gar keine Rolle spielt Hunger. Freuen wir uns und sind dafür dankbar. Ob vegan, vegetarisch, ausgewogen; ob roh oder gekocht; ob vollwertig, reich an Vitaminen oder kalorienarm…
Im Ausdauersport genießt Essen hohes Ansehen, ermöglicht Trainingsbelastungen erst und trägt zu besseren Resultaten bei. - Tut es das? Markus Heidl hat so einiges zu einer "Sättigungsbeilage" inspiriert.

Walter Wagner, 27. Juli 2017

Muss mein Essen super sein?

von Markus Heidl

Manchmal frage ich mich ernsthaft, was genau ich da sehe. Eine Vermutung habe ich meist, die ab und zu aber nur durch Hashtags wie #healthysnack oder #foodspiration in die wohl richtige Richtung gelenkt wird.

Ja, es geht um Essen. Es scheint heutzutage nicht mehr auszureichen, sich gesund zu ernähren. Man muss Bilder davon machen! Abgekommen scheint man zwar mittlerweile davon zu sein, zunächst einmal alles, was verzehrt wird, zu fotografieren. Der neue Trend geht jetzt aber dahin - insbesondere unter Ausdauersportlern -, sich selbst und vor allem anderen beweisen zu müssen, wie gesund man sich ernährt. Weil das ja schneller macht. Und schöner!

Besonders schlimm ist das bei Instagram-Beiträgen, anhand deren Aufmachung und Beschreibung niemand weiß, was eigentlich gegessen wird. Deshalb wird ein Bild mitgeliefert, was allerdings nicht sehr appetitlich aussieht. Und das soll wirklich gesund und lecker sein? Laut Beschreibung ist es das.

Abgesehen davon, dass Bilder von Essen nur dann gut aussehen, wenn sie mit viel Aufwand gemacht sind, wünsche ich mir generell weniger Aufnahmen, auf denen man nur einen Teller sieht. Natürlich sind gute und/oder kreative Rezepte willkommen - wenn es aber darum gehen soll, freue ich mich über Bilder vom Kochen, die die Liebe zum Zubereiten oder auch zum Verzehr zeigen. Ich will Geschichten, keine Maßregelungen.

Was allerdings mit den meisten Essensbildern ausgedrückt werden soll, scheint aber die Betonung zu sein, wie gesund sich doch ernährt wird. Warum braucht es das? Um sich selbst Mut zu machen, um zu essen, was beim Zusammenwürfeln herausgekommen ist? Die Ergebnisse können dabei nämlich wirklich gruselig sein. Denn ob die Zutaten zueinander passen oder die Portion ansprechend angerichtet ist, scheint nicht wichtig zu sein, solange genug "Superfoods" mit in der Gleichung sind.

Superfoods sind in. Schon lange müssen es die Chia- statt den Leinsamen sein, will Medienwirksam Foto-berichtet werden. Und da gibt es noch weitere, viel abstrusere Beispiele. Dabei ist es im Grunde wie mit den Nahrungsergänzungsmitteln, wie das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel weiß: "[…] obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen."

Erst im Zusammenspiel aller in unserer Nahrung vorkommenden Bausteine scheinen sich die für uns wichtigen Vitamine, Enzyme, Mineralien etc. zu entfalten. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung immer noch am gesündesten. Und ebenso deshalb sollten wir den ganzen Humbug vielmehr an den Rand statt in den Mittelpunkt stellen. Wie wäre es mit einem Kakao nach dem Training und einem Apfel statt der Magnesiumtablette? Denn immer öfter stelle ich mir die Frage: Merkt ihr eigentlich, was ihr da esst?

Weiterhin sei an dieser Stelle der ökologische Aspekt erwähnt. Wieso Lebensmittel um die halbe Welt versenden, wenn die örtlichen Äquivalente gleichwertig und deutlich günstiger sind. Gerade als Ausdauersportler, die sich gerne in der Natur bewegen, sollte uns unsere Umwelt am Herzen liegen. Genauso braucht es Respekt vor unserer Nahrung! Darum bleibt der Aufruf zum selbst Kochen, zum Abschmecken und zum ansehnlich herrichten. Darüber kann dann gerne berichtet werden.

Und als Nebenbemerkung zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Essen nicht schneller macht! Nur Training. Zwar spielt natürlich auch die Ernährung eine Rolle, unser Essen ist aber nur ein Teil der vielen Dinge des Extraprozents. Also zunächst jeden Tag trainieren, genug schlafen, und außerdem auf die ausgewogene Ernährung achten. Dann ist auch alles super.

Beitrag von Markus Heidl
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