Banner anklicken - informieren & anmelden
LaufReport-Info zum Korschenbroicher City-lauf HIER LaufReport-Info zum HVB CityLauf Aschaffenburg HIER LaufReport-Info zum Würzburg Marathon HIER

Ex und hopp. Lieber Markus, bei diesem Pro braucht´s kein Kontra. Und Konsum zur Arbeitsplatzrettung, das geht am Ende doch nicht auf. Also Konsumverzicht? - Das richtige Maß finden. Die Dosis macht das Gift. Reicht nicht meist die Hälfte? Klar, vieles kann man nach Benutzung weitergeben. Bei Büchern hat dies längst Struktur. Der arme Poet bleibt aber arm -, egal. Markus Heidl ärgert und wundert sich über sich selbst im 'mehr Pro als Kontra'.

Walter Wagner, 5. Dezember 2017

Kaufen um zu kaufen?

von Markus Heidl

Gestern kam eine Kurznachricht in einer unserer Gruppen. Ein bekannter wird morgen am Knie operiert und fragt nach Kühlpads. Im ersten Moment wundere ich mich: die kann man doch kaufen? Und günstig noch dazu.

Im Nachhinein ärgere ich mich aber über mich selbst! So sehr bin ich also schon vom Kapitalismus durchdrungen, dass ich sofort ans Kaufen denke. Neuanschaffen, obwohl die Dinge doch eigentlich schon vorhanden sind. Der Gedanke, erst einmal Bekannte, die in der Nähe wohnen, zu fragen, ist doch viel naheliegender. Insbesondere bei Dingen wie Kühlpads, die eigentlich nur irgendwo herumliegen und - glücklicherweise - nur sehr selten gebraucht werden.

Warum sollte jemand etwas in zweifacher Ausführung kaufen, um es nach der akuten Benutzung in den Schrank zu legen, wo es bei vielen anderen auch schon - genauso ungenutzt - liegt?

Eine Frage, die sich übertragen lässt. Auf so viele andere Beispiele. Und die gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, noch viel öfter gestellt werden müsste.

Versetzen wir uns einmal auf die andere Seite. In die Rolle des Fabrikarbeiters, der eines dieser zahllosen Beispiele herstellt. Oder besser gesagt: der die Maschine bedient, welche eine immense Anzahl unseres Beispiels fertigt. Um beim Thema Laufen zu bleiben: Handyhalterungen für den Oberarm. Eine Woche mit Herzchen-Muster, eine Woche mit Katzen, eine Woche in grün und eine Woche in pink. Oder Armbänder für unsere GPS-Uhr. Auch eine Woche mit Herzchen-Muster, eine Woche mit Katzen, eine Woche in grün und eine Woche in pink.

Nennen wir ihn Lin. Er ist 25 Jahre alt, hat eine Frau und einen kleinen Sohn, für die er täglich 16 Stunden lang in einer Maschinenhalle arbeitet. Um Sachen herzustellen, die er nicht braucht, nie brauchen wird und sich auch nicht vorstellen kann, warum man so etwas in dieser Masse in Auftrag geben kann. Was würden wir ihm antworten, könnte er uns fragen?

Auch, wenn es um andere "Gadgets" geht. Getränkehalter für das Auto, Lippenformer, Selfiesticks, leuchtende Schnürsenkel oder Handventilatoren. Alles in einer Qualität, dass die Sachen schnell kaputt gehen, sodass wir schnell wieder Nachschub kaufen können. Kaufen wir also nur des Kaufens Willen?

Denn alles was gekauft wird, muss irgendwann wieder entsorgt werden.
Und Laufen ist doch eigentlich so ein simpler Sport. Etwas Kleidung, ein Paar Schuhe und ab in den Wald. Mehr Sport, weniger Konsum.

Viel Kontra gab es in diesem Beitrag nicht. Dafür mehr Pro. Pro es meinem Bekannten gleichzutun und erst einmal zu fragen, bevor man kauft. Denn noch frustrierter als Lin ist sicher nur Amaniel, der aus den Konsumgütern, die Lin hergestellt und wir verbraucht haben, die wertvollen Rohstoffe wieder entnimmt. Und sich dabei an den ganzen Chemikalien vergiftet.

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Steht der Vogel der Weisheit Pate bei der Erneuerung der Leichtathletik? Man mag es hoffen - oder auch nicht. Ja, nicht wenigen Laufsportbegeisterten ist es vollkommen egal, was Verbände leisten bzw. sich leisten. Was ist bei der Leichtathletik zu ändern? Oder sollte alles bleiben wie es ist? Markus Heidl sieht keinesfalls nur Verbesserungen in einer neuen Weltrangliste.

Walter Wagner, 10. November 2017

"World rankings" zur Qualifikation für große Meisterschaften

von Markus Heidl

Einen ersten Schritt in Richtung "fundamentaler Änderungen in der Leichtathletik" wurde es von der International Association of Athletics Federations (IAAF) genannt: für die Weltmeisterschaften in Doha 2019 sowie die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wird es einen komplett neuen Qualifikationsstandard geben. Von der Norm zur Rangliste, wenn man so will. Ab dem ersten Quartal 2018 wird eine Weltrangliste eingeführt.

Laut Präsident Sebastian Coe, der die Änderungen schon Ende letzten Jahres angestoßen hatte, dient die neue Weltrangliste "to help athletes and fans better compete and follow the sport they love". Aus Sicht der Verantwortlichen sorgt sie also für eine bessere Übersichtlichkeit.

Und natürlich ist es toll, eine Rangliste zu haben, auf der klar ersichtlich ist, wer derzeit der bzw. die Weltbeste der jeweiligen Disziplin ist - wenn denn die Punktewerte auch nachvollziehbar sind. Und hier liegt die große Schwierigkeit einer solchen Rangliste für die Leichtathletik: Zählen 8,60 m bei Weitsprung-Landesmeisterschaften weniger als 7,95 m in der Diamond League? Was ist besser: 2h03 beim München-Marathon oder Sieg in 2h14 in New York? Ist ein Speerwurf beim heimischen Abendsportfest überhaupt noch etwas wert?

Laut der IAAF ergeben sich die Punkte für die Weltrangliste aus einer Kombination aus Leistung, Platzierung und Wichtigkeit der Veranstaltung. Damit einher geht zwar eine klare Hierarchie der Wettkämpfe, die wiederum aber nur durch die IAAF beeinflusst wird. An den wichtigsten Veranstaltungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach viele der Weltbesten teilnehmen, um Punkte für die Rangliste zu sammeln. Das hat den Vorteil, dass von Veranstalterseite her gegenüber Sponsoren damit gerechnet werden kann, dass Weltklasseleistungen geboten werden. Auf der anderen Seite wird dadurch die Lücke zwischen den als hoch und niedrig eingestuften Wettkämpfen größer. Denkt man dabei an die Vergangenheit in der IAAF, muss man sich gar sorgen machen, dass bezahlt wird, um in der Wichtigkeit zu steigen.

Grundsätzlich ist es eine Frage, wie die drei Faktoren (Leistung, Platzierung, Veranstaltung) für die Punkte der Rangliste gewichtet werden. Wie entsteht die beste Vergleichbarkeit? Und welche Auswirkungen hat das auf unseren Sport?
Angenommen, die Leistung zählt nur wenig, es käme nur auf die Platzierung bei großen Veranstaltungen an. Dann stünde vor allem der Wettbewerb im Vordergrund. Die Bedingungen interessierten dann genau so wenig wie die Zeiten bzw. Weiten und Höhen. Das wäre in dem Sinne gut, dass weniger Grund zu Doping bestünde - es geht "nur" um den Kampf zwischen Konkurrenten. Dann aber hätten kleine Meetings gar keine Chance mehr. Für die Stars wären sie dann höchstens noch Trainingswettkämpfe.

Und so schön auch Wettkämpfe sind - wegen der taktischen Spielchen - bei denen es nur um die Platzierung geht, sie haben einen weiteren Nachteil: den der Gleichberechtigung. Nicht allen Ländern und Athleten stehen die gleichen Mittel für Reisen zur Verfügung. Wenn ein Athlet nicht zu den am höchsten eingestuften Veranstaltungen reisen kann, kann er auch nicht so viele Punkte sammeln wie die Konkurrenz. In jüngster Zeit ist es sogar für einige Nationalitäten zum Problem geworden, in gewisse Länder einreisen zu dürfen. Wenn nun aber gerade in Amerika einige wichtige Wettkämpfe ausgetragen werden?

Und wie sähe es ferner mit dem Umgang miteinander aus? Gibt es mehr Rivalität zwischen den Wettkämpfenden, wenn es nur noch um Platzierungen geht? Wenn es keine gemeinschaftlichen Tempohatzen mehr gibt, bei denen man sich gegenseitig unterstützt?

Schließlich ist es schade, dass trotz der neuen Qualifizierungsregelung für die großen Meisterschaften dem Nominierungs-"Hickhack" kein Riegel vorgeschoben wird, denn die Nationalverbände entscheiden am Ende noch immer über die Nominierung der in Frage kommenden Athleten.

Wir können gespannt sein, wie genau die Punkte für die Weltrangliste zustande kommen und welche Auswirkungen eine Tabelle auf unseren Sport hat.

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Marathon ist die Reifeprüfung im Laufsport. Und jetzt kommt sie auf, die Prüfungsangst. Wie machen das die Afrikaner, die leichtfüßig die Kilometer schlucken und den Mann mit dem Hammer gar nicht zu kennen scheinen? Was kann man von ihnen lernen? Habe ich was falsch gemacht? Ist harte Arbeit in Form von Kilometern alles? Machen es Geheimrezepte nur schlimmer? Markus Heidl kommt im Pro & Kontra zu dem Schluss: Also, lassen wir uns nicht verrückt machen!

Walter Wagner, 19. Oktober 2017

Keine Abkürzungen

im Marathon

von Markus Heidl

Der Herbst ist - wie das Frühjahr - Marathonzeit! Und was haben wir schon für tolle Rennen gesehen: Favoritensterben in Berlin, mit einem Herausforderer aus dem Nichts für Kipchoge, der es gar wagte, den großen Meister anzugreifen. Eine Spitzengruppe, die sich beim Kassel-Marathon verläuft und disqualifiziert werden muss. Ein schneller Beginn in Köln, der dennoch mit der EM-Quali endet. Ein Rekordversuch in Chicago ganz allein von vorne, der am Ende knapp scheitert, dafür ein spannendes Rennen bei den Männern, das nach 15 Jahren zum ersten Mal ein Amerikaner gewinnt. Fünf Mann unter 2h06 in der Hitze von Amsterdam, und, und, und…

Aber wie machen die das bloß, nach 40 km gar beschleunigen, Zwischenspurts einlegen und Duelle austragen? Dafür muss es doch einen Trick geben! Einen Trick, der vielleicht auch uns bei unserem großen Herbstmarathon helfen könnte? Denn Frankfurt, New York etc. kommen ja noch.

Denn die Unsicherheit und all die Fragen lassen nur die wenigsten von uns völlig kalt. Habe ich genug trainiert? Schaffe ich es überhaupt ins Ziel? Was esse ich vorher, soll ich unterwegs trinken? All die Ungewissheiten, die durch die vielen verschiedenen Tipps auch noch aufgebläht statt minimiert werden.

Da käme ein Geheimrezept doch gerade recht. Dann endlich wäre Sicherheit gegeben. Dann könnte man mit stolzgeschwellter Brust am Marathonmorgen in den Startblock marschieren, mit der Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben. Und mehr als das.

Was gibt es also, das die Profis anders machen als wir? Einen Trick, ein besonderer Kniff, eine geheime Speise oder dieses eine spezielle Training, das uns plötzlich schneller, ausdauernder, härter macht? Das Geheimrezept der Profis, das uns eine Abkürzung zu unseren Traumzeiten verschafft, spielerisch leicht?

Nun, es gibt ein Geheimnis, aber es ist ein offenes Geheimnis. Und spielerisch leicht ist es nicht: harte Arbeit. Das ist alles. Harte Arbeit in Form von Kilometern.

Arne hat es vorgemacht: sein (relativ) komplettes Trainingsprogramm, beispielsweise vor seinem deutschen Marathonrekord 2015 in Frankfurt, können wir einsehen. Sein Geheimnis ist harte Arbeit.

Vor dem Berlin-Marathon gab es ein weiteres Beispiel, vielleicht das Beispiel schlechthin. Kipchoge selbst veröffentlichte sein Training der letzten fünf Wochen. Und auch hier ist das einzige Geheimnis, das es zu entdecken gibt, die harte Arbeit. Denn das, was er macht, machen wir auch. Langsame Läufe, schnelle Läufe und lange Läufe.

Jetzt könnte man die Augen verdrehen. Diese Profis haben doch viel mehr Zeit als wir! Für das Training wie für die Regeneration. Es ist aber ein Fakt, der uns allen Mut machen sollte. Weil es keine Geheimnisse gibt, nur unser eigenes Herzblut.

Und die wirklichen Geheimrezepte machen es nur schlimmer. Eiweißpülverchen, Kompressionsstirnbänder, Iso-Getränke oder Schuhe mit 2,7 mm Sprengung. Vielleicht helfen sie ja doch? Eher nicht. Weil es neue Ideen sind, die zu testen es jetzt, so kurz vor dem wichtigen Rennen, zu spät ist.

Also lassen wir uns nicht verrückt machen! Lasst uns den Marathon vernünftig angehen, mit Mut, aber nicht mit Übermut. Und lasst uns dann auf den letzten Kilometern unseres Herbstmarathons ein Lächeln auspacken und rennen wie Kipchoge. Bis ins Ziel eines gelungenen Marathonrennens.

Beitrag von Markus Heidl
Foto © LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Kontrovers dürfte das Thema diskutiert werden. Nicht anzukommen bei einem Lauf, das gibt es nicht, vertreten einige ihre Ansicht, und wer kennt nicht die Leidvollen, denen es dann doch passiert aufgeben zu müssen. Aussteigen gehört eben zum Laufsport, gut finden muss man es nicht. Doch da sind auch jene, die ganz schnell abbrechen, allein weil das sportliche Ziel - Platz oder Zeit - nicht mehr erreichbar scheint. Im Einzelfall wird es unmöglich sein, die verschiedensten Beweggründe zu ermitteln. Dass das Ankommen aber einen hohen Stellenwert hat, davon ist Markus Heidl im Pro & Kontra überzeugt.

Walter Wagner, 7. September 2017

Aussteigen ist keine Option

von Markus Heidl

"DNF is not an option" - ein Spruch, der vor allem bei Triathleten beliebt ist. Ironischerweise steigen zwar meist die, die diesen Spruch am lautesten verbreiten, am häufigsten aus Rennen aus, dennoch ist die Kernaussage lobenswert: insbesondere in harten Wettkämpfen Charakter zeigen und durchbeißen. Den steinigen Weg gehen und ins Ziel kämpfen: lieber langsam, unter allen Erwartungen, als gar nicht ankommen.

Immer vorausgesetzt, die Gesundheit ist nicht gefährdet. Denn sonst wäre es töricht!

Rückblick nach Bad Liebenzell, zu den deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km (LaufReport berichtete). Die Strecke ist schnell, die Stimmung toll und das Wetter könnte nicht besser sein. Perfekte Rahmenbedingungen für spannende Rennen. Und Deutschlands Elite spielt mit: die derzeit Schnellsten sind alle am Start.

Als Favorit gilt Arne Gabius, der bei der letzten Austragung vor Ort vor zwei Jahren Petros und Pflieger in seinem Windschatten deutlich unter 29 Minuten gezogen hatte. Heuer ist es anders: das Streckendrittel ist noch nicht erreicht, da hat Gabius das Rennen bereits aufgegeben.

Magen-Darm-Probleme hörte man im Nachhinein als Begründung. Probleme wie diese - das kennt wohl jeder von uns - fordern ab und zu einen Zwangsstopp. Danach geht es in der Regel aber wieder, meist besser als zuvor. Warum also aussteigen? Jan Fitschen lief seinen schnellsten Marathon mit Dixie-Unterbrechung. Und was hätte noch aus Arne werden können! Eine Aufholjagd zurück aufs Podest? Oder trotz Zwischenstopp unter 30 Minuten? Wir wissen es nicht und haben so eine evtl. erinnerungswürdige Laufgeschichte verpasst, weil Arne - zumindest von außen betrachtet, hineinversetzen kann ich mich nicht - den leichten Weg wählte und nicht in Erwägung zog, das Rennen fortzusetzen.

Aber lassen wir diesen Einzelfall und thematisieren im Allgemeinen. Ganz sicher gibt es auch Unterschiede zwischen den Profis und uns Amateuren. Die Erfahrung zeigt aber, dass Durchziehen immer die bessere Wahl ist. Allein schon für den Stolz auf sich selbst, den Umständen getrotzt zu haben.

Auch von außen sind die Rückmeldungen eindeutig. Natürlich sehen wir sie gerne, die strahlenden Sieger und die richtig schnellen Zeiten. Das sind die Rennen, für die wir trainieren, an die wir uns gerne erinnern und die uns durch so manche Krise tragen. Den größten Respekt aber bekommen wir für die vermeintlich schlechten Rennen. Weil sich jeder den inneren Zwist vorstellen kann und den Kampfwillen bewundert. Wahre Heldinnen und Helden sind doch die, die trotz einer Tagesform, die so gar nicht zu den Erwartungen passt, weiterkämpfen und sich nicht unterkriegen lassen. Oder die Pech haben und beispielsweise im größten Finale des Jahres zu Fall gebracht werden. Gesa hat uns trotzdem - oder gerade deswegen - begeistert. Weil sie nicht aufgegeben hat! Tun wir es ihr nach.

Natürlich kann das ein langer Kampf werden. Wenn man beispielsweise bei km 15 eines Marathons schon merkt, dass der Tank leer ist. Dann wird der Leidensweg weit, dennoch ist Aufgeben stets die schlechtere Option. Wer es positiv sieht, nimmt es als Möglichkeit, sich selbst besser kennen zu lernen. Und lernt die richtig guten Rennen, die auch wieder kommen werden, noch mehr zu schätzen.

Der Leistungswillen muss da sein - an guten wie an schlechten Tagen. Aber auch mit einer Toilettenpause kann es noch eine gute Erfahrung werden. Den Versuch ist es wert, denn wenn wir das Rennen verlassen, dann wissen wir nicht, was noch hätte werden können. Lieber eine schlechte Zeit als gar keine.

In Arnes Fall wollen wir aber Kopenhagen abwarten!

Beitrag von Markus Heidl
Foto © LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Man mag es verteufeln, aber der Anteil, den die Medien am Erfolg eines Sportlers, ja einer ganzen Sportart haben, ist immens. Es gibt Disziplinen, die bedürfen gewaltiger Bilder und spannender Moderation, dann finden auch diese ihr Publikum. Gern wandeln Medienmitarbeiter bequem in bereits ausgetretenen Pfaden, das führt mitunter zu seltsamer Berühmtheit. Nur, ohne Medienpräsenz geht gar nichts und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Mit diesem Wissen üben wir Toleranz und Stillschweigen. Nicht so Markus Heidl im Pro & Kontra.

Walter Wagner, 17. August 2017

Mach's gut, Usain!

von Markus Heidl

Sonntag, der 13. August 2017. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London sind gerade mit einer spannenden 4x400 m Staffel zu Ende gegangen, in der Trinidad und Tobago die Vereinigten Staaten niederrangen. Viel Zeit zu feiern bleibt den neuen Helden allerdings nicht, denn es steht ein weiterer Programmpunkt an, auch wenn dieser weniger mit Sport und mehr mit Sentimentalität zu tun hat.

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, der begnadete Entertainer, die lebende Legende, muss verabschiedet werden. Warum, weiß niemand so recht. Aber natürlich erinnern wir uns einmal mehr gerne an seine einst so spielerisch leichte Schnelligkeit, an seinen Laufstil, der der Perfektion sehr nahe kam, zurück. Er selbst weiß aber am besten, dass diese Zeiten vorbei sind. Seine Karriere hat er deshalb mit diesen Weltmeisterschaften beendet. Es war ein Abschied, den sich die allermeisten anders gewünscht hätten.

Aber die Leichtigkeit ist dahin. Mit der Zeit wurde aus dem überragenden Sprinter, der für eine tolle Show sorgen konnte, nur noch der, der vor allem für die Inszenierung sorgte, der aber trotz hartem Training seinen eigenen Leistungen und irgendwann auch vereinzelten Konkurrenten hinterher lief. Auch seine letzte Ehrenrunde, nach beschriebener Verabschiedung, sah eher traurig aus.

Und deshalb - so hart es auch klingen mag - braucht die Leichtathletik einen Usain Bolt nicht (mehr). Nicht nur, weil wir die Show vor allem während der Wettbewerbe und nicht davor und danach brauchen, sondern vor allem, weil die Leichtathletik sehr viel mehr ist als nur der männliche Sprint. Leichtathletik, das steht für Höchstleistung, Emotionen und eine Vielseitigkeit, bei der für jeden etwas dabei ist.

London hat es einmal mehr vorgemacht: was hatten wir für ein tolles Publikum, mit an jedem Abend ausverkauften 60.000 Plätzen, was hatten wir für Dramen auf den Zielgeraden, was für ausgebuffte Taktiken, welch tolle Höhenflüge, spannende Platzierungswechsel und vor allem welch Spektrum an Emotionen im Ziel.

Leichtathletik, das ist Vielseitigkeit. Natürlich mit auch viel "Schneller", aber eben auch mit viel "Höher" und "Weiter"! Selbst die Schnelligkeit beschränkt sich keineswegs auf den Sprint. Wie hart können die letzten 200 m bei den Mittelstrecken und wie selektiv die letzte Runde auf den Langstrecken sein. Selbst beim Marathon werden Zwischenspurts eingelegt, dass dem ambitionierten Hobbyläufer die Ohren schlackern. Natürlich ist das nicht immer offensichtlich. Experten in der Regie und vor allem auch in der Moderation machen den Unterschied, dass aus einem langweiligen Lauf ein spannendes Highlight wird. Manche ärgern sich über die aktuelle Besetzung, andere ergreifen selbst die Initiative und machen einen klasse Job.

Bleibt noch die schillernde Persönlichkeit. Aber auch dort gibt es so viele, die wir bewundern können. Wieder sind es die Geschichten und Hintergründe, die unseren Sport so spannend machen. Manche, wie Usain Bolt, können und konnten sich so inszenieren, dass beispielsweise aus 100 geraden Metern eine explosive Mischung wurde. Andere können das weniger, dort sind die Medien gefragt. Und jeder von uns selbst. Fakt ist: jeder Bewerb war spannend. Es kommt nur darauf an, was wir daraus machen!

Er war ein Meister, aber einer unter vielen. Also mach's gut Usain! Wir werden dich vermissen, aber wir brauchen dich nicht. Die Leichtathletik hat so viel mehr zu bieten als nur den schnellsten Mann der Welt.

Beitrag von Markus Heidl
Foto © LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Der Nahrungsaufnahme kommt bei Ausdauersportlern eine besondere Rolle zu. Allein Nahrungsergänzung ist ein Allzeitthema, mal dopingverseucht, gern überbewertet oder ohne Wenn und Aber abgelehnt. Gar keine Rolle spielt Hunger. Freuen wir uns und sind dafür dankbar. Ob vegan, vegetarisch, ausgewogen; ob roh oder gekocht; ob vollwertig, reich an Vitaminen oder kalorienarm…
Im Ausdauersport genießt Essen hohes Ansehen, ermöglicht Trainingsbelastungen erst und trägt zu besseren Resultaten bei. - Tut es das? Markus Heidl hat so einiges zu einer "Sättigungsbeilage" inspiriert.

Walter Wagner, 27. Juli 2017

Muss mein Essen super sein?

von Markus Heidl

Manchmal frage ich mich ernsthaft, was genau ich da sehe. Eine Vermutung habe ich meist, die ab und zu aber nur durch Hashtags wie #healthysnack oder #foodspiration in die wohl richtige Richtung gelenkt wird.

Ja, es geht um Essen. Es scheint heutzutage nicht mehr auszureichen, sich gesund zu ernähren. Man muss Bilder davon machen! Abgekommen scheint man zwar mittlerweile davon zu sein, zunächst einmal alles, was verzehrt wird, zu fotografieren. Der neue Trend geht jetzt aber dahin - insbesondere unter Ausdauersportlern -, sich selbst und vor allem anderen beweisen zu müssen, wie gesund man sich ernährt. Weil das ja schneller macht. Und schöner!

Besonders schlimm ist das bei Instagram-Beiträgen, anhand deren Aufmachung und Beschreibung niemand weiß, was eigentlich gegessen wird. Deshalb wird ein Bild mitgeliefert, was allerdings nicht sehr appetitlich aussieht. Und das soll wirklich gesund und lecker sein? Laut Beschreibung ist es das.

Abgesehen davon, dass Bilder von Essen nur dann gut aussehen, wenn sie mit viel Aufwand gemacht sind, wünsche ich mir generell weniger Aufnahmen, auf denen man nur einen Teller sieht. Natürlich sind gute und/oder kreative Rezepte willkommen - wenn es aber darum gehen soll, freue ich mich über Bilder vom Kochen, die die Liebe zum Zubereiten oder auch zum Verzehr zeigen. Ich will Geschichten, keine Maßregelungen.

Was allerdings mit den meisten Essensbildern ausgedrückt werden soll, scheint aber die Betonung zu sein, wie gesund sich doch ernährt wird. Warum braucht es das? Um sich selbst Mut zu machen, um zu essen, was beim Zusammenwürfeln herausgekommen ist? Die Ergebnisse können dabei nämlich wirklich gruselig sein. Denn ob die Zutaten zueinander passen oder die Portion ansprechend angerichtet ist, scheint nicht wichtig zu sein, solange genug "Superfoods" mit in der Gleichung sind.

Superfoods sind in. Schon lange müssen es die Chia- statt den Leinsamen sein, will Medienwirksam Foto-berichtet werden. Und da gibt es noch weitere, viel abstrusere Beispiele. Dabei ist es im Grunde wie mit den Nahrungsergänzungsmitteln, wie das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel weiß: "[…] obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen."

Erst im Zusammenspiel aller in unserer Nahrung vorkommenden Bausteine scheinen sich die für uns wichtigen Vitamine, Enzyme, Mineralien etc. zu entfalten. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung immer noch am gesündesten. Und ebenso deshalb sollten wir den ganzen Humbug vielmehr an den Rand statt in den Mittelpunkt stellen. Wie wäre es mit einem Kakao nach dem Training und einem Apfel statt der Magnesiumtablette? Denn immer öfter stelle ich mir die Frage: Merkt ihr eigentlich, was ihr da esst?

Weiterhin sei an dieser Stelle der ökologische Aspekt erwähnt. Wieso Lebensmittel um die halbe Welt versenden, wenn die örtlichen Äquivalente gleichwertig und deutlich günstiger sind. Gerade als Ausdauersportler, die sich gerne in der Natur bewegen, sollte uns unsere Umwelt am Herzen liegen. Genauso braucht es Respekt vor unserer Nahrung! Darum bleibt der Aufruf zum selbst Kochen, zum Abschmecken und zum ansehnlich herrichten. Darüber kann dann gerne berichtet werden.

Und als Nebenbemerkung zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Essen nicht schneller macht! Nur Training. Zwar spielt natürlich auch die Ernährung eine Rolle, unser Essen ist aber nur ein Teil der vielen Dinge des Extraprozents. Also zunächst jeden Tag trainieren, genug schlafen, und außerdem auf die ausgewogene Ernährung achten. Dann ist auch alles super.

Beitrag von Markus Heidl
Foto © LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

"Ich brauche die nicht" - "Die sind doch austauschbar" … Einiges an Ablehnung zum Thema Berufsläufer wird unverhohlen geäußert, manches ist gar rassistisch. "Ein deutscher Eliteläufer kostet mich so viel wie ein Bus Polen", verlautete es früher aus Veranstaltermund. Diese Zeiten haben sich mit der Aufnahme der osteuropäischen Nachbarländer in die EU geändert. Dazu sind deutsche Spitzenläufer noch rarer geworden. Das alte Rezept, eine Handvoll afrikanischer Gazellen gegen regionale Laufasse antreten zu lassen, scheitert mangels ambitionierter Regiostars. Was tun? Markus Heidl überrascht mit seinem Gedanken - "Es geht um die Show!"

Walter Wagner, 9. Juli 2017

Brauchen wir Eliteläufe?

von Markus Heidl

Es war der 40. Darmstädter Stadtlauf, der nicht, wie all die Jahre zuvor, mit einem Eliterennen endete. Zum Jubiläum war der Plan ein anderer: im direkten Anschluss an das Männerrennen sollte auf dem Luisenplatz gefeiert werden. Schon so musste der Zeitplan weiter gestrafft werden - mit dem Elitelauf wäre keine Zeit mehr bis zur Sperrstunde geblieben.

Es war eine schöne Abwechslung mit Darmstädter Braukunst. Und doch fehlte etwas, mir zumindest. In gewisser Weise war das Verfolgungsrennen immer der krönende Abschluss des Stadtlaufs. Wenn die Frauen Vorsprung kriegen und die Männer die Verfolgung aufnehmen. Wenn viel zu schnell angegangen wird und sich immer wieder neue, packende Duelle entwickeln. Ein Spektakel im Sonnenuntergang und eine Werbung für unseren Sport, auch wenn die Namen der ersten fast niemandem ein Begriff sind.

Es mag respektlos erscheinen, aber das ist nicht schlimm. Es geht um die Show! Es geht um die Geschwindigkeit, die Sprintduelle, darum zu zeigen, was möglich ist. Für die Namen sind die Deutschen verantwortlich, denn durch die Regelung der Prämien gibt es auch Geld für die besten Deutschen. Timo Göhler war in Darmstadt, Joseph Katib kann man fast schon als Spezialisten auf dem Stadtrundkurs bezeichnen. Auch Julian Flügel war schon am Start - einen Olympioniken hautnah erleben, das ging beim Stadtlauf.

Gerade für die Deutschen, für UNS Deutsche, ging es aber um mehr. Der Elitelauf zeigt nicht nur, dass man sich, wenn man richtig schnell ist, einen Euro dazuverdienen kann, sondern wie nah wir Läufer einander sind, gleich welcher Leistungsklasse. Da stehen die besten des Landes ganz selbstverständlich in der Masse und freuen sich, wenn sie angesprochen werden. In anderen Sportarten undenkbar!

Nachdem es 2017 in Darmstadt also auch ohne Elitelauf ging, stellt sich die Frage, ob er im nächsten Jahr wieder ausgetragen wird. Und das hängt davon ab, ob der Lauf der Asse vermisst wird.

Klar ist, dass "Zuschauermagnet" der falsche Begriff für einen solchen Lauf ist. Als ich 2014 selbst einmal mitlaufen durfte, war ich ob der vergleichsweise geringen Begeisterung am Streckenrand enttäuscht - bei den 5 km Läufen sind noch mehr Zuschauer vor Ort. Wahrscheinlich harren Eltern und Angehörige der vorigen Läufe nicht bis zum Ende aus, die Zuschauer beim Elitelauf scheinen ein ausgewähltes Klientel zu sein, wenn man so will.

Aber es geht ja auch nicht darum, sich der Masse anzupassen. Wenn es darum ginge, müssten wir wohl Fußball spielen. Es geht vielmehr um uns Leichtathletikfans, die die Leistung einschätzen können und die Taktiken verstehen. Die sich auf die Duelle freuen, Spaß am hautnahen Erlebnis haben und aus der Darbietung Motivation für das eigene Training ziehen können. Und vielleicht, ab und zu, können wir noch den einen oder anderen Zufallsgast davon überzeugen, wie "geil" schnelles Laufen ist.

Natürlich kostet uns die Elite Geld, aber das sollte sie uns wert sein. Stadtläufe mit Eliterennen sind Werbung für unseren Sport. Werbung, die Spaß macht und die zeigt, wie gleich wir Läufer uns sind. Das sollten wir uns leisten. Finde ich.

Beitrag von Markus Heidl
Foto © LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Firmenläufe genießen Liebhaber unter Laufsportlern. Wo sonst kann sich der ambitionierte Vereinsläufer bei den Arbeitskollegen besser profilieren? Aber es gibt auch jene, die um keinen Preis mit in die Ölsardinenbüchse steigen. Warum den untrainierten Kollegen zu einer Bühne verhelfen? Sport ist nichts, was man einmal im Jahr praktiziert, sondern ist mit jahrelangem Training verknüpft. Für Laufveranstalter bieten Firmenläufe eine Heerschar potentieller Laufkunden, man müsste sie dort nur abholen. Zum Für und Wider macht sich Markus Heidl so seine Gedanken.

Walter Wagner, 16. Juni 2017

Firmenläufe - wer ist
eigentlich J P Morgan?

von Markus Heidl

Während es viele unterschiedliche Firmenläufe gibt, ist die JPMorgan Chase Corporate Challenge sicherlich der bekannteste. Die Challenge ist eine Firmenlaufserie, die jährlich in Großstädten wie New York City, Chicago, London, Sydney, Johannesburg und Singapur ausgetragen wird. Für Superlative in Hinblick auf die Teilnehmerzahlen sorgt vor allem Frankfurt, wo schon seit 10 Jahren etwa 70.000 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke gehen.

 

Genau hier liegt eines der Probleme eines solch riesigen Laufs. Zwar ist es schön, wenn durch viele Teilnehmer auch mehr Spenden für den guten Zweck zusammenkommen, von einem gemeinsamen Lauf kann aber kaum die Rede sein. Während die ersten nach einer Viertelstunde bereits im Ziel sind, sehen die meisten noch nicht einmal die Startlinie. Und einmal auf der Strecke werden die 5,6 km (dreieinhalb Meilen) entweder zum Hindernislauf oder zum "stop & go".

Bei dieser Masse an Läufern könnte man als jemand, der von der positiven Wirkung unseres Sports auf Körper und Geist überzeugt ist, darauf hoffen, dass so mancher, der durch die Firma in Richtung Laufsport gedrängt wird, hängenbleibt.

In der Realität laufen jedoch meist nur die mit, die sowieso schon regelmäßig die Laufschuhe schnüren oder solche, für die der Lauf eine einmalige Betätigung ist. Davor und danach bleiben die Trainingseinheiten spärlich.

Von manchen, die schon laufen, wird immerhin das von einigen Firmen angebotene Trainingsprogramm wahrgenommen, wodurch sich auf den Firmenlauf vorbereitet werden soll. Hier liegt der große Vorteil für die Firmen, die ihre Angestellten zum Event schicken: unter den Kollegen entsteht ein Netzwerk, dass von den beruflich alltäglichen Verbindungen gelöst ist. Ein Vernetzen über alle Stellungen und Ebenen hinweg ist möglich. Im Laufsport sind eben alle gleich, egal ob Chef oder Neueinsteiger, gleich welcher Status und Herkunft. Laufsport kennt keinen Rassismus.

Auch vor und nach dem Lauf an sich kann man die Kollegen einmal auf ganz andere Art kennenlernen. Auch wegen der Mannschaftswertung bietet sich die Chance für eine neue Form des Firmenzusammenhalts, eine Form des Wir-Gefühls, dass bei geschickter Führung auch ins Alltagsgeschäft übertragen werden kann. Durch die kurze Streckenlänge ist der Lauf zudem für jeden machbar, solange - wie für die meisten Teilnehmer offensichtlich - nicht die Leistung, sondern das gemeinsame Sporterlebnis im Vordergrund steht. Ohnehin ist der Lauf wegen der krummen Strecke sportlich ohne Wert.

Ein Aspekt, der offiziell unterstrichen wird: "Bei diesem Lauf geht es erst in zweiter Linie um Sport, wichtiger sind Werte, die von den Unternehmen als erstrebenswert betrachtet werden: Teamgeist, Kommunikation, Kollegialität, Fairness und Gesundheit." Dennoch gibt es für die schnellsten Teams (Männer, Frauen und Mixed) erstrebenswerte Preise: die schnellsten Teams qualifizieren sich für den Championship-Lauf, der meist mit einer schönen Reise verbunden ist. Außerdem fällt etwas Aufmerksamkeit für die Firma ab - gute Werbung! Eine Zwickmühle: beim Firmenlauf scheint niemand so recht zu wissen, worauf der Fokus denn nun liegt.

Auch die Spendengelder für einen jährlich wechselnden guten Zweck, um auf diesen Aspekt zurückzukommen, sind für die hohen Startgelder von (in Frankfurt) 22 Euro mit lediglich 1,80 € recht gering. Immerhin wird die zusammenkommende Summe von der JPMorgan Chase & Co. verdoppelt!

Immerhin - wir haben etwas gelernt: John Pierpont Morgan (1837-1913) war ein US-amerikanischer Unternehmer und der einflussreichste Privatbankier seiner Zeit. Die JPMorgan Chase & Co. ist eine US-amerikanische Bank mit Sitz in New York City. Basierend auf der Bilanzsumme von mehr als 2.300 Mrd. US-Dollar ist sie die größte Bank der USA und laut Forbes das weltweit zweitgrößte an einer Börse notierte Unternehmen. Sie entstand im Jahr 2000, als Chase Manhattan Bank mit J.P. Morgan & Co. fusionierte. Gute Werbung also auch an dieser Stelle.

Beitrag von Markus Heidl
Fotos © Reinhold Daab

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Letzten Endes war ich erstaunt, zum einen über die Beachtung des Projects, zum anderen über die kritische Bewertung, ja Ablehnung. Dennoch scheint die Investition nicht in den Sand gesetzt. Es wird kaum eine Marathonreportage geben, in der nicht die schnellste Marathonzeit zum Thema wird. Dass diese nicht regelkonform erbracht wurde ist nur was für Spezialisten. Ich erinnere daran, erst als Irina Mikitenko noch schneller lief, war das Zeitalter der Uta Pippig als vermeintlich schnellste deutsche Marathonläuferin beendet. 14 Jahre feierten die Medien Pippig als schnellste Deutsche. Dass ihre Leistung beim Boston Marathon erbracht und somit nicht bestenlistenfähig war, interessierte kaum. - Eliud Kipchoges 2:00:25 h sind Fakt. Und das Nike so schnelle Schuhe produziert, dass damit Weltklasseleistungen erzielt werden, selbst wenn sie nicht perfekt passen und die Innensohlen beim Laufen herauswandern, ist eine Tatsache. Welcher Konkurrent kann dies von seinen Produkten behaupten?

Walter Wagner, 11. Mai 2017

Ein Sieg der Wissenschaft?

von Markus Heidl

Ja, das Thema wurde bereits behandelt. Man kann es kritisieren, wie ich es bereits im Pro und Kontra tat, oder auch darüber lachen, wie es beispielsweise Herbert Steffny für LaufReport getan hat: Ein Versuch, die Marathondistanz unter zwei Stunden zu laufen, der knapper ausging, als wohl die allermeisten erwartet hatten. Am Jahrestag von Roger Bannisters erster Meile unter vier Minuten wurde die Werbetrommel kräftig gerührt. Meine Zweifel bestehen weiterhin, das "leidige" Thema Doping wurde einfach außen vor gelassen. In dieser Hinsicht hat sich Nike noch nie mit Ruhm bekleckert, zuletzt mit Ignoranz in diesem wie ebenso beispielsweise beim Oregon Project gar Akzente in die falsche Richtung gesetzt. Das sei an dieser Stelle ein weiteres Mal hervorgehoben!

Ich möchte in diesem Beitrag aber einen weiteren Aspekt des breaking2-Projekts beleuchten: den der Wissenschaft.

Denn insbesondere dafür, so mein persönlicher Eindruck, wurde das Projekt "gehyped": dass die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gebündelt wurden, um die perfekten Bedingungen zu schaffen. Die Wissenschaft ist ein gutes Zugpferd in der Werbung, auch wenn Paper nur oberflächlich gelesen, einige Aussagen aus Zeitungsartikeln herausgepickt und für bare Münze genommen werden. Die so hochgelobten wissenschaftlichen Erkenntnisse des Projekts waren zum Großteil nämlich trivial: dass ein gleichmäßiges Lauftempo wichtig ist, weiß jeder, auch dass sich die V-Form der Tempomacher am besten eignet, um Windschatten zu bieten, war keine Überraschung. Eher schon die Ernährungsstrategie, die deutlich weg vom aufkommenden "train low"-Ansatz ging.

Der Gipfel aber war, dass Kipchoges Tapering angepasst wurde. Um zwei Tage! Das also bewirken die neuesten Erkenntnisse, dass bereits perfekt Funktionierendes noch verbessert werden soll? Denn wenn man bei etwas sicher sein konnte, dann dabei, dass Patrick Sang seinen Athleten immer auf den Punkt fit gemacht hat. Eine eindrucksvollere Serie als die des Eluid Kipchoge gibt es nicht, der bei allen seinen Marathons top-Ergebnisse liefern konnte. Wenn man so will, waren 2h04'05 und Platz zwei in Berlin eine Enttäuschung!

Da hätte die Wissenschaft eher den anderen beiden helfen müssen. Denn wenn Wissenschaft für etwas steht, dann für reproduzierbare Ergebnisse! Wären Tadese und Desisa also hinter Kipchoges 2h00'25 2h01 und 2h02 gelaufen, man hätte vom "Unsicherheitsfaktor Mensch" sprechen können. So aber, nach 2h06 und 2h14, kann wohl kaum davon gesprochen werden, dass wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfolg angewandt worden seien.

Denn wer behauptet, die anderen beiden seien nur Statisten gewesen, tut ihnen Unrecht. Tadese hat geradezu legendäre VO2max- und Laufökonomiewerte, hält außerdem den Halbmarathonweltrekord. Bisher wurde sein vergleichsweise unterirdisches Abschneiden bei Marathons auf Ernährungsfehler geschoben, die es offensichtlich nicht ausschließlich gewesen sein können. Und auch Desisa hat sich aus einem Pool von 60 Athleten durchgesetzt. Laut den Testwerten traten die drei Besten an.

Und genau hier liegt das Problem, das wir uns eingestehen müssen: über das, was für wirkliche Topleistungen entscheidend ist, wissen wir nichts. Wir können die Leistung nicht mittels noch so aufwendig erhobener Werte vorhersagen, ebenso wenig verstehen wir den Vorgang der Ermüdung. Wenn die Sportwissenschaft in dieser Hinsicht etwas aus dem Projekt lernen kann, war es ein Erfolg. Kommt im Endeffekt nur der angekurbelte Schuhverkauf heraus, war es eine Enttäuschung.

Denn wenn beispielsweise die Schuhe eine Hilfe für Kipchoge gewesen sein sollen, waren sie dann ein Hindernis für Desisa? Wenn es zum Positiven geholfen haben soll, muss auch das Gegenteil festgehalten werden. Es gab in diesen Schuhen durchaus herausragende Resultate, wie beispielsweise von Jordan Hasay in Boston, aber glaubt wirklich jemand, ohne die Treter wäre Galen Rupp langsamer gewesen? Wissenschaft ist wichtig, sie sollte aber nicht dafür herangezogen werden, uns selbst für Erfolge auf die Schulter zu klopfen, sondern zu verstehen helfen, warum Tadese und Desisa "versagt" haben.

Natürlich konnten wir einen Meister seines Fachs in Perfektion erleben. Kipchoges Leistung war unglaublich, ich will diese keinesfalls schmälern! Auch ich war begeistert, jedoch nicht von Nike, sondern von Kipchoge selbst. Was für ein Typ, was für ein Läufer! Er hat es sogar fertiggebracht, auf der letzten Runde noch zu lächeln! Es war ein Meilenstein, der unser Denken verschoben hat. Es gibt wenige, die daran zweifeln, dass Kipchoge einen neuen Weltrekord erreichen wird, sollte er im Herbst in Berlin starten. Aber 30 Millionen Dollar zu investieren, um dann in den ersten Runden nicht einmal in den Kurven innen zu laufen? Für solche Tipps brauche ich keine Wissenschaft!

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Die Diskussion ist alt und wird immer wieder neu aufgeworfen: Wie finanziert sich der Spitzensport? Wie finanziert man den Weg bis zum Profisport? Wie überbrückt man langwierige Verdienstausfallzeiten bei Verletzungen? Bis hin zur Frage, ob man mit Sport überhaupt Einnahmen erzielen sollte, läge doch darin ein wesentlicher Mitverursacher der Dopingproblematik. Ein bedienungsloses Grundeinkommen würde Ungerechtigkeiten und Abhängigkeiten in der Spitzensportförderung entgegen wirken. Markus Heidl greift die Idee in der Kolumne Pro & Kontra auf.

Walter Wagner, 4. Mai 2017

Das Grundeinkommen -
die bessere Spitzensportförderung?

von Markus Heidl

Wir identifizieren uns mit unseren Jobs. Ein Beispiel dafür ist immer wieder die Vorstellung der eigenen Person: "Ich heiße Markus und bin Ingenieur." - ich bin der und der und arbeite das und das. Ganz normal. Genau wie die Nachfrage beim Kennenlernen, was man denn gerade arbeitet. Es hilft uns, Menschen einzuordnen. Aber was passiert, wenn wir keinen Job mehr haben?

Denn die Technologien schreiten immer weiter voran. Mit der Verbesserung der Technik werden immer mehr Industriezweige, seien es Fließbandarbeiter, Buchverkäufer, Straßenbahnfahrer oder Piloten, automatisiert. In Zukunft wird es weniger Arbeit geben. Und dieser Fortschritt betrifft nicht nur niedrigqualifizierte Berufe: auch Finanzanalysten, Übersetzer, Versicherungsagenten sowie sogar Schauspieler werden betroffen sein - Maschinen haben in den letzten Jahren so viel gelernt.

Die Frage, wie wir damit umgehen, dass es immer weniger Arbeit gibt, stellt sich immer dringender. Werden wir alle weniger Stunden in der Woche arbeiten? Wird es Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geben? Eine Möglichkeit, die immer ernsthafter diskutiert wird, ist das bedingungslose Grundeinkommen.

Was ist damit gemeint? Ein Einkommen für jeden Erwachsenen, das die Existenzgrundlage sichert. Gesprochen wird meist von etwa 1000 € im Monat, das aber durch den sozialen Konsens definiert werden würde. 1000 €, jeden Monat, unabhängig vom sozialen Status, dem Anstellungsverhältnis, der Qualifikation. Bedingungslos eben.

Es ist damit ein Modell, das auch den deutschen (Lauf-)Spitzensport besser fördern würde, als - vielleicht mit Ausnahme einzelner Athleten bei der Bundeswehr - jedes Sportförderprogramm es derzeit tut. Denn der Alltag eines Deutschen Spitzenläufers besteht meist aus der Doppelbelastung von Arbeit und Training. Mit der ersten Einheit im Morgengrauen und der zweiten nach der Arbeit.

Als Paradebeispiel wird meist Julian Flügel genannt, der es trotz Berufsbelastung bisher auf die äußerst beachtliche Marathonbestzeit von 2:13:57 Stunden gebracht und 2016 zu den Olympischen Spielen geschafft hat. Julian gilt aber als "harter Hund" und ist sicher nicht nur läuferisch, sondern auch organisatorisch ein Ausnahmetalent. Denn grundsätzlich ist das leistungsorientierte Marathontraining mit einem Vollzeitjob vergleichbar: zwei bis drei Trainingseinheiten am Tag, dazu Sponsorentermine, Regenerationsmaßnahmen wie Physiotherapie und Mittagsschlaf, Trainings- und Wettkampfplanung, Mentaltraining. Hinzu kommt immer die Frage, was passiert, wenn man sich verletzen sollte? Dann nämlich steht der Vollzeitläufer derzeit sehr schnell vor dem Scheitern.

So wie es jetzt ist, mit einer geringen oder nicht vorhandenen Unterstützung des DLV, mit Sponsoren, die mit Sachwerten unterstützen, aber lange nicht die Miete zahlen, mit Urlaub, der nicht für Trainingslager reicht und Stress, der bei Doppelbelastung zwangsläufig entsteht, bleibt sicher Potential auf der Strecke.
Und immer stellt sich die Frage, was danach kommt.

Das Grundeinkommen wäre für Leistungssportler sicher eine gute Basis. Die Lebens- und Trainingsqualität wird positiv beeinflusst, generell ist eine volle Fokussierung auf das Training möglich, dennoch bleibt genug Zeit für Familie, Freunde und Bekannte. Die Ortsgebundenheit fiele weg, eine angemessene Regeneration wäre einfacher, die Verletzungsangst und damit der psychische Druck geringer. Und die Frage nach dem Danach wäre nicht mehr dringend. Vielleicht würden es auch mehr Läuferinnen und Läufer im Leistungssport versuchen, was zu mehr Konkurrenz und vielleicht besseren Leistungen führen würde.

Andererseits würde die DLV-Förderung wohl komplett eingestellt. Weiterhin stellt sich die Frage, ob 1000 € monatlich überhaupt ausreichen. Wer bezahlt die Ausrüstung, die Reisen, Trainingslager und den Physio? Was ist mit einer Familie? Wie viel will man seinen Kindern bieten? Und schließlich stellt sich dann natürlich die Frage nach dem Warum. Warum überhaupt der ganze Aufwand, wenn das Einkommen unabhängig von der Leistung ist?

Dann wiederum sind wir aber am Anfang aller Diskussionen angekommen. Warum wir laufen? Weil es gut für uns ist.

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Mit der Häufigkeit von Anschlägen, egal ob es sich um kalten Terror oder einen Akt aus Verzweiflung, Verwirrung oder Geltungssucht handelt, wächst die Angst, selbst davon betroffen zu werden. Gerade in der Masse entsteht das Unwohlsein, Angst und das Gefühl in Gefahr zu sein. Was heißt das? Kann, soll, ja muss ich nicht sogar gerade als Läuferin oder Läufer diesem unguten Gefühl begegnen und mich in das große Startfeld auch in einer Hauptstadt begeben. Oder sollte man sich besser bzw. darf man sich der Gefahr durch Wegbleiben entziehen?

Walter Wagner, 9. April 2017

Die Gefahr der großen Städte

von Markus Heidl

Montag, 15. April 2013. Patriots' Day in Boston, Massachusetts. Ein Marathonmontag, der in Erinnerung bleiben wird, allerdings in keiner guten. Nicht, weil Lelisa Desisa und Rita Jeptoo den Lauf nach 2:10:22 h bzw. 2:26:25 h gewinnen - zu dieser Zeit ist noch alles in Ordnung. Sondern weil etwa zwei Stunden später auf der Zielgeaden zwei in Rucksäcken versteckte Sprengsätze drei Menschen töten und 264 weitere verletzen. Der Terrorismus ist in der Laufwelt angekommen.

Auch andere Sport-Großveranstaltungen sind betroffen. So beispielsweise am 13. November 2015 in Paris, am Rande des Fußball-Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Frankreich. Attentäter schießen auf Besucher von Bars, Restaurants und des Konzertsaals Bataclan, außerdem gibt es mehrere Explosionen in der Umgebung des Fußballstadions. 130 Menschen werden getötet, mehr als 350 verletzt.

Zwei Beispiele unter vielen. Die Anschlagshistorie ist lang. Allein in diesem Jahr werden bei Wikipedia 24 Terroranschläge gelistet. Das vermutete Ziel ist Aufmerksamkeit. Den politischen, moralischen oder religiösen Anliegen soll durch Gewalt Beachtung erzwungen werden. Terrorismus soll als Kommunikationsstrategie "das Denken besetzen" (Franz Wördemann) und dadurch Veränderungsprozesse erzwingen.

Terrorismus ist weltweit verbreitet und ein aktuelles, aber keineswegs ein neues Phänomen. Die Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Qaida berufen sich beispielsweise auf historische Hintergründe aus der Zeit der Kreuzritter. Insbesondere ab den 1970er Jahren, mit Gruppen wie der RAF, der IRA, der BR und der ETA, stehen beim Terrorismus politische und ideologische Zwecke im Vordergrund, die über die direkt betroffenen Opfer hinausgeht.

Um höchstmögliche Publizität zu erreichen, richtet sich Gewalt sowohl auf Ziele mit hohem Symbolgehalt wie auch auf Plätze des öffentlichen Lebens, die nur schwer geschützt werden können. Große Stadtmarathons, mit den riesigen, dicht versammelten Menschenmassen bieten nüchtern betrachtet ein "lohnendes" Anschlagsziel, auch weil die Medien schon vor Ort und evtl. auch berühmte Persönlichkeiten unter der Masse sind.

Also absagen? Große Veranstaltungen und Menschenmassen meiden?

Nein. Oder besser: bedingt. Natürlich ist eine erhöhte Wachsamkeit ratsam und sind erhöhte Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Dadurch konnten geplante Anschläge bereits verhindert werden. Andere sorgten und sorgen für großes Leid.

Jeder Terror hinterlässt Spuren, Angst kann man nicht verbieten. Man kann aber der Gemeinschaft das Gefühl von Sicherheit bieten und Missetäter zur Rechenschaft ziehen. Im Vergleich zur RAF beispielsweise ist die aktuelle Bedrohung wahllos geworden. Wehrlose Zivilisten werden getötet. Und auch der Dialog ist deutlich schwieriger geworden.

Überbordende Sicherheitsmaßnahmen, die die Freiheit einschränken, sind im Rechtsstaat verboten und hoffentlich auch von niemandem gewollt. Denn Angst ist nie ein guter Begleiter. Angst, die von den Medien noch gefördert wird. Denn die mediale Berichterstattung führt zur überproportionalen Hervorhebung der Ereignisse, weshalb die Gefahr eines Terroranschlags im Allgemeinen in der Bevölkerung erheblich überschätzt wird. Rein rechnerisch ist die Gefahr in Deutschland, an einer Grippe zu sterben, etwa 3800-fach höher, als Opfer eines islamistischen Terroranschlags zu werden.

Stets bleibt die Unberechenbarkeit. Bestimmte Gefahren müssen immer und überall hingenommen werden. Und doch können wir Zeichen setzen. Dass Mord nie verklärt werden darf. Und Gewalt keine Lösung ist, wie abgedroschen es klingen mag. Unser Laufen steht dabei für Frieden: da treffen ganz unterschiedliche Kulturen im gegenseitigen Respekt aufeinander, es gibt ein großes Miteinander und die Sache an sich ist überall auf der Welt gleich.

Es gibt sie, die Gefahr. Aber wir glauben an das Gute im Menschen.

Beitrag von Markus Heidl

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Laut Kenenisa Bekele solle Sport nichts mit Politik zu tun haben. Eine Ansicht, die viele vertreten, doch ist die Trennung von Sport und Politik kaum möglich. Abverlangt wird die Haltung dennoch gern vom einzelnen Sportler. Die Politik nutzt dagegen sportliche Großereignisse mit ihrer Medienbeachtung immer gern, bis hin zum geforderten Boykott, mit Ausschlüssen ganzer Nationen und weiteren Drohgebärden.

Nun lief Feyisa Lilesa in einer Protestgeste ins Marathonziel bei den Olympischen Spielen in Rio und konfrontierte das sportbegeisterte Publikum mit den politischen und gesellschaftlichen Zuständen im ostafrikanischen Binnenland Äthiopien.

Walter Wagner, 17. März 2017

Was ist da los in Äthiopien?

von Markus Heidl

Olympiamarathon in Rio 2016. Feyisa Lilesa läuft als Zweiter ins Ziel und jubelt mit verschränkten Armen. Eine Protestgeste, die Folgen haben würde: er konnte nicht mehr nach Hause zurückkehren, fand glücklicherweise Zuflucht in den USA. Doch ob er seine Familie je würde wiedersehen können, war ungewiss.

Doch was war der Auslöser? Mit den gekreuzten Armen lenkte Lilesa die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Unterdrückung durch die äthiopische Regierung. Denn Lilesa gehört zur Volksgruppe der Oromo (etwa 1/3 der 102 Millionen Einwohner), die von den politisch dominanten Tigray unterdrückt werden. Zwar hieß es offiziell, er könne sicher nach Hause zurückkehren und werde als Held gefeiert, Lilesa glaubte aber nicht daran. Als Konsequenz für seine Geste hat er Angst vor einem Reiseverbot, Gefängnis oder gar getötet zu werden.

Grund dafür hat er genug. Sein Schwager Tokkuma Mulisa ist schon seit einem Jahr im Gefängnis und wird gefoltert, sein jüngerer Bruder Aduna - ebenfalls Läufer - war im Oktober vom äthiopischen Militär geschlagen und gefangen genommen worden. Ein enger Freund, Kebede Fayissa, der im August festgenommen wurde, starb mit 20 anderen Insassen in einem mysteriösen Feuer im Kilinto Gefängnis, außerhalb von Addis Abada. Laut der Opposition hatten die Toten Einschusswunden.

 

Auch Human Rights Watch berichtet (im World Report 2017), dass 2016 in Äthiopien ein Jahr der Brutalität und der Einschränkung war. Während meist friedlicher Proteste in den Regionen Oramia, Somali und Amhara - die bereits seit November 2015 wegen Vertreibungen, des verfassungsmäßigen Rechts sowie politischer Reformen andauern - töteten Sicherheitskräfte hunderte und nahmen tausende in Gewahrsam, von denen viele berichteten, in der Gefangenschaft gefoltert worden zu sein, was in Äthiopien zu einem langfristigen Problem wird. Die Grundrechte müssen wieder eingeführt werden, die Regierung Gespräche aufnehmen statt Kritik einfach zu unterdrücken.

Die gekreuzten Arme finden bereits Nachahmer. Hier der Sieger des Halbmathons in Altötting W.S. Egasso

Lilesa hat das Exil gewählt, weil die Situation seit den Olympischen Spielen noch schlimmer geworden sei. Er redet von einem Leben in der Hölle, in der jeden Tag gestorben wird. Nach den Spielen ist er in Brasilien geblieben und im September dann in die USA ausgewandert. Er hat dort die Green Card als Daueraufenthaltsgenehmigung der Kategorie "individuals of extraordinary ability in the sciences, arts, education, business and sports" bekommen.

Mittlerweile, nach sechs Monaten ohne einander, hat es auch geklappt, die Familie nachzuholen. Am Valentinstag gab es die Wiedervereinigung mit seiner Frau Iftu Mulisa, der fünfjährigen Tochter Soko und dem dreijährigen Sohn Sora. Sie leben jetzt in einem Apartment in Sedona, ganz in der Nähe von Flagstaff, Arizona, wo Lilesa für den London Marathon trainiert.

 

Auch Kenenisa Bekele wird dort laufen. Bereits in Berlin waren die beiden Läufer aufeinander getroffen, die nicht nur sportliche Spannungen trennen. Bekele gehört auch zu den Oromo, scheint die Dinge aber etwas anders zu sehen: seiner Meinung nach hat jeder das Recht zu protestieren, man solle aber gut darüber nachdenken, wie man protestiert und die Dinge ändern will. Laut Bekele solle Sport nichts mit Politik zu tun haben. Er denkt, dass die Regierung versuche, die Dinge auf demokratische Weise zu lösen.

Aussagen, die Lilesa nicht verstehen kann. Er wird wütend, wenn er bei solchen Worten an die Toten denkt. Auch die äthiopische Laufgemeinde scheint sich zwischen den Standpunkten der beiden Spitzenläufer aufzuteilen.

Lilesa hat mittlerweile eine Stimme, die genauso stark ist wie seine Beine. Er spricht mit US-Senatoren und Abgeordneten des EU-Parlaments, hat einen Artikel für die Washington Post geschrieben und Interviews gegeben, um die Geschichte der Oromo zu erzählen und ihnen damit zu helfen. Dass wieder Frieden einkehren kann in Äthiopien.

Dorthin würde Feyisa Lilesa gerne zurückkehren, wenn sich die politische Situation beruhigt. Er glaubt aer nicht daran.

Ob der Protest nun laut ist oder leise, in Äthiopien muss sich etwas ändern!

Beitrag von Markus Heidl
Fotos © René van Zee und LaufReport

leserbriefe@laufreport.de

Aktuelles im LaufReport HIER

Weitere Pro & Kontra Beiträge bitte links über die Themenauswahl aufrufen!

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.