Günther Krehl

 

An Silvester 1948 erblickte ich in Stuttgart-Bad Cannstatt das Licht der Welt. Als Schäferbub war mir der Sport nicht gerade in die Wiege gelegt, den entdeckte ich aber dann mit 10 Jahren für mich. Bei den sogenannten „Ackerwettkämpfen“ sprangen wir mit Bohnenstangen bis zu 2 m hoch und mussten auf den Füßen im Gras landen.

1963 gab meine Mutter endlich meinem Drängen nach und ließ mich in die Leichtathletikabteilung von Salamander Kornwestheim eintreten.

Am 12. Februar 1964 bestritt ich mein erstes Rennen und siegte in der alten Killesberghalle über 1000 Meter in 2:59,1. Danach blieben aber die erhofften Erfolge mangels Talent aus. Bis auf Hammerwurf (nur im Training) und Gehen (nur bei den ersten Volkslaufwettbewerben, als es Volksgehen noch als Extrawettbewerb mit weit über hundert Teilnehmern gab) versuchte ich mich in allen leichtathletischen Wettbewerben mehr (Stabhochsprung) oder weniger (Speerwurf) erfolgreich.

Außer 800 (2:06,7) und 1000 m (2:43,4) wurden fast keine Strecken angeboten und mit meinen mäßigen Zeiten konnte ich keinen Blumentopf gewinnen. Die Bundeswehrzeit 1968 brachte einen Motivationsknick mit einem einzigen Wettkampf über 1500 m Hindernis bei der Bataillonsmeisterschaft. Dank dieses Rennens konnte ich meine Serie von nunmehr 43 Jahren mit etwa 30 bis 45 Wettkämpfen ohne Unterbrechung bis heute durchhalten.

1969 begann ich mit dem Volkslaufboom recht frustriert im vorderen Mittelfeld mit der Langstrecke. Als Pädagogikstudent lief ich mit 10 Kilometer pro Woche meinen ersten Hunderter in Unna in 11:30 und war sicher einer der ersten Laufberichterstatter, als ich im Rahmen meiner Zulassungsarbeit über Volkslauf von diesem Abenteuer berichtete. Mit dem Eintritt zum VfL Ostelsheim im Jahre 1977 begann ich nach mehrjähriger Steigerung endlich mit gezieltem Leistungstraining. So konnte ich in den folgenden 12 Jahren für mich ganz brauchbare Zeiten erzielen.

Marathon (2:28:08), 25 km (1:23:13), 10 km (32:20), 5000 m (15:39,6) und mit Abstrichen 100 km (7:33:26) sind die besseren meiner erreichten Ergebnisse. In den Achtziger Jahren war das solider Durchschnitt, heute könnte man damit Wochenende für Wochenende auf dem Siegerpodest stehen.

Seit 1979 war der Berglauf meine besondere Liebe, einmal reichte es wenigstens zu Rang drei bei der Senioren DM. Triathlonversuche in den Anfängen dieser Sportart unternahm ich gern. Als erster „Ironman“ (vor allen Triathleten) des Kreises Calw in privaten Wettbewerb auf nicht abgesperrten Straßen, nach einer Woche Radtraining, Schwimmen im Freibad, Kaffeepause und Marathon im Stadion (Aschenbahn) in 12:17:13 im August 1991, wollte ich die richtigen Mehrkämpfer eigentlich nur kitzeln. Versuche im Orientierungslauf in den Achtziger Jahren, Skilanglaufwettbewerbe in den Anfängen des Volksskilanglaufes in Deutschland (weit im hinteren Feld) und kurze Duathlonversuche (2 x 4. der Baden-Württembergischen Meisterschaft M45) waren eigentlich nur spannende Ausflüge.

Im Laufbereich konnte ich mit den Erfolgen wesentlich zufriedener sein: Ich war vielfacher Württembergischer Seniorenmeister im Einzel (25 km, 10 km, 10.000 m Bahn, Waldlauf, Halbmarathon) und in der Mannschaft. Die Mannschaftserfolge ab 1998 in der M50 und M55 des VfL Ostelsheim (18 Medaillenplätze) waren sicher mein sportlicher Höhepunkt: Deutsche Berglaufmeisterschaften (3 x Gold, 2 x Silber), Deutsche Crossmeisterschaften (2 x Gold, 1 x Silber), Deutsche Halbmarathonmeisterschaften (2 x Gold, 3 x Bronze), Deutsche Marathonmeisterschaften (2 x Silber), Deutsche 10 Kilometermeisterschaften (1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze).

Seit 1980 bin ich Statistiker im Kreis Calw. Mehr als 10 Jahre (etwa von 1984 bis 1994) trainierte ich die Schüler der Leichtathletikabteilung des VfL Stammheim. In diesem Verein bin ich seit 1990 Lauftreffleiter. Im VfL Ostelsheim übe ich fast dreißig Jahren die Tätigkeiten des Trainers, Melde- und Pressewarts und allgemeinen Organisators der Langstreckenläufer aus.

Nach großen Achillessehnen- und Knieproblemen drohte mir bereits zweimal das Ende der Laufkarriere. Heute bin ich dankbar, dass ich „für den Hausgebrauch“ wieder 38er Zeiten über meine 10-Km-Lieblingsstrecke laufen kann. Den Traum, einmal eine Deutsche Einzelmeisterschaft zu holen, habe ich (fast) aufgegeben. Seit einem Jahr bin ich der Faszination Rollskilauf mit Haut und Haaren verfallen. Die Hälfte meines Trainings absolviere ich auf den ausgedehnten „Asphaltloipen“ der Kreise Calw und Böblingen oder in meiner geliebten zweiten Heimat, der schönen Pfalz.

Viele Stunden verbringe ich bei der Aktualisierung meiner Laufhomepage www.gkrehl.de. Dort findet man nicht nur unendliche Statistik, sondern auch Laufberichte von und über meine Ostelsheimer Kameraden, Termine, Fotos und interessante Links. Weniger Arbeit habe ich mit der Lauftreffhomepage und der Schulhomepage www.ghwrsalthengstett.de auf der man unter anderem auch meine lieben Grundschulkinder aus Ottenbronn kennen lernen kann.

Obwohl ich einige Kurzgeschichten und viele Gedichte geschrieben habe, verhindern seit Jahrzehnten wichtigere Dinge, dass ich endlich wieder mehr als die Tageszeitung, diverse Laufzeitschriften und das „gesamte Laufinternet“ lese. Unter Druck schaffe ich es, für jedes „Feschtle“ (Fest) zu reimen, auch selbstgestrickte Theaterstückchen haben meine Schüler schon begeistert ihren Eltern und Verwandten vorgespielt.

Meine Frau Petra hat sich nach kurzer Zeit von meiner Laufbegeisterung anstecken lassen und lief nach 6 Trainingseinheiten (!) ihren ersten Marathon. Bestzeit erreichte sie 1983 beim Hoechst Marathon in Frankfurt mit 2:58:12. Unsere 1978 geborene Tochter Tanja absolvierte ihre einzigen Marathonläufe im von mir geschobenen Kinderwagen. Mit 10 Jahren schaffte sie aber über ebenso viele Kilometer schon eine 44er Zeit. Heute ist sie noch vielseitig sportlich aktiv mit ihrem Mann Henryk, der derzeit sogar unser schnellster Läufer im Verein ist.

Zu LaufReport bin ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Als früherer Leser von „LAUFmit“ war ich auch im Netz begeistert am Studieren. Auf den Wildbader Stäffeleslauf als weltweite Besonderheit wollte ich „die Wagners“ hinweisen, und da kein „Spezialreporter“ anrückte, entstand mein erster Bericht. Durch ihn fanden sich Vater (Veranstalter der Deutschen Halbmarathonmeisterschaften 2007 in Bad Liebenzell) und Sohn Sander endlich nach vielen Jahrzehnten, darüber bin ich dank LaufReport besonders glücklich. An der Arbeit für dieses wunderbare Internetmagazin schätze ich besonders, dass Kreativität, im Unterschied zur Tagespresse, nicht nur geduldet, sondern durchaus erwünscht ist. Frei nach Luther muss ich allerdings sagen, nichts übertreiben, längere Pausen zwischen meinen Berichten schonen nicht nur die Leser, sondern auch mich.

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