Editorial 29. Juli 2017

Sanktionen und eine unsportliche 'Reise nach Jerusalem'

Methylhexanamin bewegt mich endlich, ein neues Editorial in Angriff zu nehmen.

 

Ein Stoff, der gern in Nahrungsergänzungsmitteln beigemischt, leistungssteigernd wirkt, aber auch als sehr gesundheitsgefährdend eingestuft ist. Methylhexanamin, auch als DMAA (Dimethylamylamin) bekannt, wurde in der Urinprobe der nachgerückten Siegerin des letzten München Marathons gefunden. Nun ist die im altehrwürdigen Münchener Olympiastadion als Dritte geehrte Coco Wieland über den zweiten Rang, nach einem Kokainnachweis in der Dopingprobe der vermeintlichen Siegerin, gar Erste.

Dies mit Fug und Recht, waren die beiden schnelleren Zeiten doch unter dem Einfluss illegaler Leistungssteigerung erbracht.

Dieser seltene Vorgang allein genügte als Thema eines Editorials. Befremdlich ist, in beiden Fällen handelt es sich um Freizeitsportlerinnen, ambitioniert zwar, aber längst nicht internationalen Meisterschaften gewachsen oder gar aufgrund der Leistungsstärke in der Lage, nennenswerte Preise einzuheimsen. Nun könnte die Ehre, einen so bekannten Marathon zu gewinnen und über die Medienberichte entsprechend bekannt zu werden, als Antriebsfeder zu schummeln genügen und ist doch eher unwahrscheinlich. Aber ob bewusster Gebrauch, Vorsatz, eigenes Verschulden oder Fahrlässigkeit, Unkenntnis, Verunreinigungen ändert nichts an der persönlichen Pflicht eines jeden Athleten, keine verbotenen Substanzen im Körper zu haben.

Für die Beschuldigten heißt es, Platz nehmen am Pranger, in den meisten Fällen eine Regelsperre von 4 Jahren und je nach Umfang des Bemühens gerichtlich wirksam eingeschränkte Schuld oder gar Unschuld zu belegen, fallen zu den nicht unerheblichen Kosten noch eine Reihe weiterer Ausgaben an. Mag ein olympischer Medaillengewinner den Ritt durch die Instanzen in Kauf nehmen können und sich mit eigenbeauftragten Analysen und Sachgutachten der Anschuldigungen erwehren, bleibt einem ambitionierten Hobbysportler kaum mehr als die Strafe zu akzeptieren.

Dabei dürfte im Fall des München Marathon schon die Einladung zur Dopingkontrolle eine Überraschung gewesen sein. Da aufgrund fehlender finanzieller Anreize die üblichen von Athletenrepräsentanten betreuten internationalen Berufsläufer fehlten, liefen echte Freizeitsportler aufs Siegerpodest. Würde man bei einem Volkslauf durchgehend Dopingkontrollen vornehmen, vermuten Experten schon lange, kämen wohl massenweise Verstöße zu Tage.

Eine saubere Leichtathletik, die wollen bestimmt so ziemlich alle mit Blick auf die ganz Großen im Stadionoval. Die eigene Herangehensweise oder die der Vereinskameraden und der Mitstreiter am Laufwettbewerb am Wochenende zu hinterfragen, keinen Graubereich zuzulassen, da wird es schnell diffus. Seniorensportlern wird aufgrund der Anträge auf medizinische Ausnahmegenehmigungen der Umgang mit den Dopinggesetzen vertrauter sein. Freizeitsportler im Allgemeinen, gehen mitunter gar nicht davon aus, dass sie überhaupt gemeint sind, wenn es um verbotene Substanzen geht. Doch starten sie bei einer DLV anerkannten Wettkampfveranstaltung und haben sich mit der Beantragung eines Startpasses den Satzungen und Ordnungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes unterworfen, trifft sie bei einem Anti-Doping-Verstoß die ganze Härte der daraus resultierenden Sanktionen.

Für viele Wettkampfsportler ist dies auch der einzige und richtige Weg. Sie nehmen ihren Sport ernst und suchen das faire Kräftemessen. Für nicht Wenige aber, ist die Laufteilnahme reines Vergnügen. Dass sie überhaupt einem Verein beigetreten sind, verstehen sie eher als Fördermaßnahme oder Gegenleistung zu in Anspruch genommenen Leistungen. Der Startpass ist dann rasch beantragt, braucht man ihn doch um die Mannschaft selbst bei regionalen Meisterschaften zu unterstützen. Mit dem Wissen um damit verbundene Verantwortung und Risiken wird es sich nun mancher nochmals überlegen, ob er überhaupt startberechtigt ist oder aus gesundheitlichen Gründen verordnete Medikamente die Teilnahme ausschließen bzw. zumindest eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden muss.

Etwas über drei Wochen blieben bis zum Ablauf der Meldefrist für die Deutschen Meisterschaften im 10 km Straßenlauf, da ereilte LaufReport der Hinweis, es seien gerade einmal 78 Anmeldungen eingegangen. Nun hofft man in Bad Liebenzell auf weitere zahlreiche Teilnahmewillige. Dass bei der Titelvergabe Doping keinen Platz hat, ist unstrittig, vielmehr ist es die Abkehr von der Leistungsorientierung die schmerzt. Laufabteilungen in den Vereinen klagen nicht selten über schwindende Mitgliederzahlen und über schmerzliche Einbrüche der Teilnehmerzahl bei ihren eigenen Laufveranstaltungen. Positive Dopingkontrollergebnisse könnten es noch schwieriger machen, Aktive zu gewinnen. Ohne Startpass, einfach nur spaßeshalber Laufen und jedem Ärger aus dem Weg gehen, was bietet dagegen der verbandsorganisierte Laufsport an Vorteilen?

Läuferinnen und Läufer aus dem Freizeitsportbereich bei mit Zweifeln behafteten Dopingvergehen allein zu lassen und ihnen das Beibringen von Beweisen zu überlassen, ist sicher rechtens, aber nicht zumutbar. Eine Analyse vermutlich verunreinigter Nahrungsergänzungsmittel sollte unter bestimmten Voraussetzungen vom Dopinglabor vorgenommen werden und zwar auf eigene Kosten. Die jetzige Verfahrensweise birgt ein enormes Gefahrenpotential für alle Startpassinhaber. Dabei gilt es auch die schwierige Materie zu würdigen. Es war die NADA die eine Läuferin lediglich für Meisterschaftsteilahmen sperrte. Eine vordere Platzierung beim Freiburg Marathon dieser Athletin brachte eine Diskussion ins Rollen, an deren Ende der DLV klarstellte, gesperrt ist gesperrt. Sperren mit Ausnahmen sind als Sanktion nicht möglich.

Ein Missverständnis seitens der Anti-Doping-Organisation? Nicht immer einfach ist es das Recht zu beachten. Keine eindeutige Klarheit herrscht, wenn russische Sportler in den Ergebnislisten auftauchen. "Dürfen Russen denn starten? Sind nicht alle Russen in der Leichtathletik suspendiert?" Die Frage nahm ein Marathonorganisator erstaunt zur Kenntnis und stellte fest, es handele sich doch nicht um vorne Platzierte.

Ja aber, wo fängt dann der sanktionierte Russe an?

Editorial 19. Juni 2016

Ungereimtheiten und Erkenntnisreiches

 

Alle meine bisherigen Ansätze in kürzeren Abständen Editorials zu veröffentlichen sind gescheitert. Aufgegeben habe ich die Idee aber nie, etwa monatlich zu aktuellen Themen und Vorkommnissen Stellung zu nehmen. Nicht selten sind es Zweifel, die mich daran hindern, meine Ansicht zu verkünden. Und zu jedem Fall gleich eine Meinung, von diesem Holz bin ich nicht geschnitzt. Auch drängt mich kein Vorgesetzter mal rasch 20 Zeilen abzusondern, aus vagen Ungereimtheiten schnell Fakten zu schaffen bevor es der Wettbewerber tut. Wohin der Hase zu laufen hat, ist bei LaufReport ebenfalls nicht vorgeschrieben.

Einen neuerlichen Anlauf nehme ich allein schon zu Ehren von Werner Sonntag. Die Würdigungen, die er zu seinem 90. Geburtstag erfährt, erfreuen mein Herz. Im 15. Jahr trägt er in sein bei LaufReport geführtes Online-Tagebuch ein. Ein Nachschlagewerk ist über die Jahre entstanden, welches lohnt darin zu schmökern. Sicher, Werner Sonntags Reflektionen treffen nicht immer den Geschmack aller Leser, entsprechend haben sich über die Jahre viele Zuschriften zu Sonntags Tagebuch angesammelt. Auch meine Ansichten sind mitunter konträr, - zugegeben, eher selten. Derlei Diskrepanz muss ausgehalten werden. Widerspruch, zumal mit Argumenten untermauert, ist erwünscht. Die angebotene Form einer nicht anonymisierten Leserzuschrift mag man im web.2-Zeitalter ablehnen. Liest man jedoch Einträge in Online-Tageszeitungen und Online-Foren, die meist ad hoc getippt werden, kommt man nicht selten zu dem Urteil, dass sich der Zeitaufwand fürs Lesen nicht lohnt, es vorrangig als Überdruckventil zum Dampfablassen dem Schreiber nutzt.

 

Beim Marathon Deutsche Weinstraße, im April 2002, traf ich auf Werner Sonntag. LaufReport lief überraschend gut und übertraf bereits nach drei Monaten all meine Erwartungen. Da hatte ich keine Hemmschwelle Werner Sonntag zur Mitarbeit einzuladen. Aus heutiger Sicht muss ich einräumen, - da war ich etwas forsch. Werner Sonntag beobachtete unser Treiben aus der Ferne. Vielleicht überhaupt nur, weil Constanze damals zu den besten aktiven Ultramarathon-Läuferinnen in Deutschland zählte. Etwa ein halbes Jahr später sagte er sein Mitwirken zu und stellte das Konzept vor: ‚Sonntags Tagebuch - Laufen, Schauen, Denken'.

Was für ein Gewinn für die LaufReport Leserschaft! Und was für ein Segen für das Projekt LaufReport, nun mit einem so beachteten und bekannten Autor aufwarten zu können.

Werbung im LaufReport
Es ist schon eine Menge in den 31 Editorials behandelt oder angerissen worden, neben dem Laufsport wurde auch immer wieder Allgemeines zur LaufReport-Arbeit oder zu Internetproblematiken aufgegriffen. Gerade haben wir einen der bekanntesten kostenfreien Werbeblocker installiert. Der Anlass war simpel, wir wollten die Auswirkungen auf die Darstellung von LaufReport testen. In den Funktionen war von ‚akzeptabler Werbung erlauben' die Rede, von ‚Verfolgung ausschalten' oder "Social Media-Buttons entfernen' um eine Profilerstellung zu verhindern, wofür das alleinige Laden des Buttons genügen würde. Leicht und rasch war das wirkungsvolle und kostenfreie Programm zu installieren. Das Ergebnis war äußerst überzeugend. Internetseiten einiger unserer Marktbegleiter lassen sich von der aggressiv eingespielten Werbung befreit viel besser lesen. Als Ziel nannte der Anbieter des Werbeblockers Webseitenbetreiber zu weniger aufdringlicher Werbung zu animieren. Unsere Insertionskunden wird freuen zu hören, dass Adblock Plus aus LaufReport keinen einzigen beauftragten Banner filterte.

Sport und Politik
Russlands Leichtathleten sind raus aus den Olympischen Spielen. Man hat es kommen sehen. Es kann noch das gesamte russische Olympia-Team treffen und die in Russland terminierte Fußball-Weltmeisterschaft wankt. Journalisten schlagen schon diverse Formen des Boykotts vor. Gedopt wird vermutlich weltweit, aber überall als Privatsache. Russland dagegen unterhalte ein staatlich gefördertes Dopingsystem, so die Fachwelt, ein No-Go. Es wäre nicht das erste Mal, dass Russland von einem großen Sportereignis ausgeschlossen würde, wenngleich aus anderem Anlass. Der Olympische Gedanke passt längst nicht mehr zum Sportbusiness und eine Fußball-Europameisterschaft ohne Glotze, da geht das ziemlich spurlos an einem vorbei. Die nächste Kicker-WM genauso links liegen zu lassen, wäre mein Rat. Nicht wenige machen längst einen großen Bogen um FIFA, UEFA, EA, IAAF und wie sie alle heißen.

Was die WADA - 100 negative Tests haben nichts zu sagen - nicht aus eigener Kraft schaffte, gelang nun einem einzigen Journalisten im Alleingang(?). Und anders als beim Untersuchungsausschuss im Freiburger Dopingfall, der unverrichteter Dinge seine Arbeit einstellte, - wurde das Ziel erreicht. Russische Sportler hält man mit Ausnahmegenehmigung einen Olympiastart offen, aber für ihr Land dürfen diese nicht antreten. Wird hier ein entscheidender erster Schritt gemacht, das Dopingproblem anzugehen? Sport als Individualsache, ohne Medaillenspiegel und befreit vom massiven Einfluss der Politik.

Zur IAAF Entscheidung zu Russland gib es Dutzende von Leserbriefen in der FAZ. Selbst dort äußert die weit überwiegende Mehrheit Vorbehalte gegen die vorgenommene Kollektivstrafe aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Viele bekennen sich zur Abkehr vom bezahlten Sport, der so wie er sich entwickelt hat, keinen Spaß vermittelt. Aber lassen wir die Entwicklungen im Sport lösungsorientiert ruhen und geben den Akteuren die Chance, flächendeckend und nicht einseitig alles zum Guten zu wenden. Auf 15.000 schätzt man die Zahl der seit 2015 auf der Flucht ertrunkenen Frauen, Kinder und Männer. Täglich werden es mehr. Die jährliche Zahl derjenigen, die durch Krieg und Terror ihr Leben verlieren, beläuft sich auf Hunderttausende. Auf der Flucht befinden sich weit über 50 Millionen. Wir haben da ein echtes Problem, das uns in den Medien zudem unvollständig und wenig glaubwürdig präsentiert wird. Oder sehen dies LaufReport Leser anders?

Zur Anregung ein Link zu den kritischen NachDenkSeiten: Wird der Sport zum Opfer des neuen kalten Krieges? http://www.nachdenkseiten.de/?p=33870#more-33870

Editorial 16. September 2015

"…dann ist das nicht mein Verband"

Am 25. Juli 2015 gab die Pressestelle des DLV den Rückzieher bei der "Laufmaut" bekannt. DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop erläuterte die Entscheidung bei der Auftakt-Pressekonferenz anlässlich der Deutschen Meisterschaften in Nürnberg: "Derzeit liegt die Gebühr in den einzelnen Landesverbänden unterschiedlich zwischen 25 und 62 Cent pro Teilnehmer. Unser Ziel war von Beginn an eine bundeseinheitliche Regelung. Soweit es durch die Neuregelung zu Mehreinnahmen kommt, fließen diese in den regionalen Sportbetrieb. Wir haben nach vielen Gesprächen auch mit Laufveranstaltern und Läufern entschieden, die Gebühr bundeseinheitlich auf 50 Cent festzusetzen. Ausschlaggebend ist die Zahl der Finisher, nicht mehr wie bisher aller Teilnehmer. Mit der jetzigen Entscheidung haben wir der berechtigten Kritik Rechnung getragen, soziale Bedürfnisse berücksichtigt und insgesamt einen guten Kompromiss gefunden."

Ursprünglich sollte die Genehmigungsgebühr ab 2016 bei einem Euro pro Finisher liegen.

Damit sollte der Burgfrieden mit Läuferinnen und Läufern sowie veranstaltenden Vereinen und Organisationen wieder hergestellt sein. Die flapsig als "Laufmaut" bezeichnete Abgabe hatte zu heftiger Kritik geführt. Mit ihrem hartnäckigen Engagement hatte vor allem die Interessensgemeinschaft German Road Races Anteil daran, dass die Ablehnung lauter und deutlicher wurde. Nun also ein Einlenken auf Verbandsebene. Doch ausgestanden scheint die Sache damit nicht.

 

" wehe, wenn sie losgelassen!"

Ein zweiter Anlauf seitens der organisierten Leichtathletik könnte auf ermüdete Abwehr treffen. Beseitigt sind auch nicht die hervorgerufenen Verstimmungen eines fragwürdigen Umgangs mit Mitgliedern, die sich der zunächst vorgesehenen doppelt so hohen Gebühr kritisch entgegen stellten. Hierzu stehen Korrekturen, wie etwa Zurücknahme getroffener Personalentscheidungen noch aus. Die Diskussion und Streitigkeiten warfen weitere Fragen auf: Welche Gegenleistungen erhält ein Veranstalter für die Gebühr und womit erklärt sich der um ein Mehrfaches gestiegene Finanzbedarf?

Das Fass scheint ohne Boden und ins Rollen gebracht. Durchaus sinnvollen Vorschlägen ist man mit der neuen Regel ausgewichen. Warum keinen Freibetrag, der kleine Veranstaltungen mit unter 100 Finishern die Gebühren erspart? Auch die Befreiung von als ‚Spendenläufen' bezeichneten Großveranstaltungen sollte überdacht werden. Darunter gibt es nicht wenige, die vom organisierten Sport profitieren und ihren Beitrag zu leisten im Stande wären. Einige Laufveranstaltungen haben signalisiert, dass sie an der Entscheidung, ihren Lauf nicht mehr beim Verband anzumelden, festhalten werden. Natürlich gibt es die andere Seite, diejenigen, die von dem ganzen Gebührenspektakel noch gar nicht Kenntnis genommen haben, oder solche, die grundsätzlich zustimmen, wenn was von oben diktiert wird.

The Times They Are A-Changin'

50 Jahre sind vergangen, seit es Bob Dylan prophezeite. Auch in der Leichtathletik ist man auf der Suche nach Neuerungen. Dass man dabei nicht immer glücklich in der Wortwahl ist, sollte man beachten. Mit dem Begriff ‚stadion-naher' Leichtathletik hat man den Kugelstoßerinnen und Kugelstoßern zu einem Auftritt auf Kirch- und Marktplätzen verholfen, holt Hoch- und Weitspringer/innen in Städtezentren. Mit ‚stadion-ferner' Leichtathletik verärgert man unnötigerweise mal wieder die Läuferinnen und Läufer. Eine negative Bezeichnung für die Masse der Volksläufer, zudem eine überhaupt nicht erforderliche Aufspaltung der Leichtathletik.

Blutgrätsche

"Doping ist in der Eigenlogik des modernen Spitzensports und dessen Beziehungen zur gesellschaftlichen Umwelt strukturell angelegt." Dem soziologischen Blick auf das Dopingproblem der Herren Karl-Heinrich Bette und Uwe Schimank hat sich auch zwanzig Jahre nach der Ersterscheinung des Buches ‚Doping im Hochleistungssport' nichts in den Weg gestellt. Dass von Zeit zu Zeit Dopingverstöße ans Licht der Öffentlichkeit dringen, die scheinbar Entsetzen auslösen, daran gewöhnt man sich. Dass auch investigativer Journalismus in der Regel nicht zur gewünschten Enthüllungsstory führt, auch dies ist nicht neu. Welchen Schaden falsche Anschuldigen bei Betroffenen verursachen, das sollte man aber nicht übersehen. Wenn abweichende Blutwerte nicht eindeutig ein Dopingvergehen beweisen und keine Schuld eingestanden wird, dann ist das so hinzunehmen.

 

Interna

Schon Ende März gab es was zu feiern. LaufReport war 10 Jahre davor eine Kooperation mit www.lauftreff.de eingegangen. Hinweise zu LaufReport auf dem großen Berliner Laufportal von Tina und Helge Schröter-Janßen verhalfen uns bereits schon in unseren Anfängen zu einer rasch steigenden Bekanntheit.

Rekorde und Bestzeiten gibt es am laufenden Band zu vermelden. Darauf eingerichtet sind eine Vielzahl von Redaktionen und Agenturen, die entsprechend schnell reagieren. Noch sind die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Strecke, während in einer ersten Meldung die Siegerinnen und Sieger im Internet bekannt gegeben werden. Erwartet man im LaufReport mehr Sportnachrichten? Eine Rubrik mit Kurzmeldungen im Telegrammstil könnte Abhilfe schaffen, braucht aber Zeit. Nicht viel, aber wieder ein bisschen von der wenigen freien Zeit.

Walter Wagner

Editorial 16. Januar 2015

Ein Jeder kehre vor seiner Tür

Ein Kalenderspruch, der mich an meine früheste Kindheit erinnert, zierte er doch unsere Wohnstube genauso, wie der Spruch "Trink nie Wasser" mit der Abbildung eines Buben, der in hohem Bogen in ein Gewässer uriniert. Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ja, die Bibel - hohe Auflage - hätte ich gern selbst…, aber sie war schon geschrieben. Also LaufReport. Man macht sich seine Gedanken. Zu manchen Themen zu viele.

Drei Editorials über die 2016 kommende Verbandsabgabe. Seit dem vergangenen August beschäftigt mich die beschlossene Erhöhung. Die Verbandsabgabe wird zudem regelmäßig zum Thema in Gesprächen. Recht gelassen wird die Erhöhung meist hingenommen. Die Gebühr kommt und sie wird an die Teilnehmer weitergegeben werden, so der verbreitete Tenor. Sollte ich es damit bewenden lassen? Betrifft es mich und trifft es mich tatsächlich? Trifft es meine Leserinnen und Leser? Interessiert es diese überhaupt? Ein Euro, damit kommt man in manchem Parkhaus nur hin, wenn man nach der Einfahrt sofort wieder ausfährt. Für einen Euro kann man sich eine Kugel Eis kaufen. Wie viele waren es im letzten Sommer? Manchmal wird man gebeten von Spenden unter 5 Euro abzusehen.

Mich quälen Zweifel. Sollte ich manches stillschweigend hinnehmen? Aber warum nur zahlt ein im Leichtathletik-Verein engagierter Sportler genauso viel Verbandsabgabe wie ein Nichtvereinsmitglied?

Es könnte doch Wertmarken geben für geleistete Kinderbetreuung im Sportverein oder für die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz Volks- und Straßenläufe erst möglich machen? Die Wertmarken könnte man als Verbandsabgabe einlösen. Ein super Einfall. Wer sagt ´s dem DLV?

Lügenpresse ist das Unwort des Jahres. Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen. Gratuliere. Dabei haben sich die Jurymitglieder sogar was dabei gedacht. Ob das bei der Öffentlichkeit ankommt? Wohl kaum. Aber wäre Medienschelte nicht durchaus angebracht. Das Internet optimal ins Fernsehen einzubeziehen, dafür wird mehr Hirnschmalz verwendet, als für den eigentlichen Sendebeitrag. Informativ und objektiv, und nicht interessengesteuert, das wird erwartet. Und was es kaum mehr anzutreffen gibt, ist die Sprichwörtliche Hartnäckigkeit. Nachhaken, das fehlt überall in den Medien. Sind es wirtschaftliche Gründe, dass die Halbwertzeit von Themen rasant verfällt? Was hält sich noch länger als einen Tag? Liegt das am Konsumenten, der ständig im Netz zu Neuem hingerissen wird? Eine Problematik aussitzen, das ist leichter geworden, als je zuvor. Das geht so schnell, da kann man stehen bleiben. Am Thema dranbleiben, aufdringlich werden - ja, das wünschte man sich öfter. Das ist die eigentliche Arbeit. Das nennt man gleich ‚investigativer Journalismus'.

An der DLV Verbandsabgabe gibt es wenig zu rütteln. Sie ist satzungsgemäß beschlossen und sie wird satzungsgemäß verwendet werden. Wie sonst? Die Satzungsformulierungen bilden kein enges Korsett. Und ich überlege, wem Verbandsarbeit und Sportpolitik lästig ist, wem eine Vereinsmitgliedschaft mit all den Verpflichtungen nicht passt, dem sollte doch ein Euro nicht zu viel sein, wenn er an einem organisierten, anerkannten Wettbewerb teilnimmt. Nur, dass diese Gruppierung der Vereinslosen auf dem Vormarsch ist, dies allerdings lässt zu denken übrig. Da passt das Angebot des Verbands nicht zur Zielgruppe und mit der Abgabenerhöhung dürfte der Graben noch tiefer werden.

Der gelbe Engel und seine Statistik, das wäre für das Unwort ein Betätigungsfeld gewesen. Aber die Aufdeckung solcher Machenschaften hat kaum zum Einlenken über den ADAC hinaus geführt. Auch wir bedienen unsere Leser mit Statistiken. Diese nachvollziehbar zu veröffentlichen ohne den Datenbestand aus der Hand zu geben, zwingt uns zurückhaltend zu sein. Allerdings würde ich LaufReport Lesern keine nicht überprüfbare und wertende Rangfolge vorsetzen. Ich musste aber begreifen, dass ich mit dieser Haltung ein Stück weit allein stehe. Wieder die Neid-Debatte? LaufReport Partner, die sich als Gewinner feiern, mögen mir zubilligen, dass ich nicht mit ihnen gemeinsam ins Horn der Begeisterung blase, wenngleich ich ihnen den erhofften Teilnehmerzuwachs mehr als gönnte.

LaufReport.de kommt ganz ohne Cookie aus. Wir verfolgen unsere Leser nicht. Lediglich der Provider sammelt Logfiles und wertet aus. Etwa woher unsere Besucher kommen. Mit Abstand ist Google hier führend. Dabei ist LaufReport angeblich gar nicht Suchmaschinen-tauglich. LaufReport besser auffindbar zu machen, dies wird uns regelmäßig von Profis angeboten. Die Qualität von LaufReport in wichtigen Bereichen zu verbessern, das Internetjournal mit weiteren Inhalten noch lesenswerter zu machen, wurde noch nie angeboten. Es mag einige unserer Partner irritieren, dass wir das Leserverhalten nur sehr grob beobachten, unsere Leser nicht ausspähen, aber mehr Zeit wollen wir dafür nicht verwenden, als uns allgemein an der auch 2014 gestiegenen Verbreitung zu orientieren.

Ein paar Zahlen seien im Folgenden aber genannt, die sind belegt: Wir haben in 13 Jahren neben vielem anderen 4.295 Laufreportagen veröffentlicht. Wir würden hiervon, davon oder über jenes nicht oder seltener berichten, sind Vorwürfe, die wir einem Bauchgefühl zuschreiben, dem man leicht unterliegt, vor allem wenn es als Gerücht in die Welt gesetzt wird. Mit Fakten konnten wir uns bisher aus der Affäre ziehen. Wir sind nicht ständig im Auslandseinsatz, aber immerhin sind mittlerweile 690 Reportagen aus 65 Ländern entstanden, angeführt von der Schweiz mit 184 Reportagen und gefolgt von Österreich (88) und den Niederlanden (68). Läufe in Frankreich und in Italien haben unsere Reporter je 35 Mal ins Visier genommen. Richtig exotisch wird es aber verständlicher Weise bei den kleinen Zahlen. Manchmal bewundere ich den Mut unserer Reporter und bin froh, wenn sie heil wieder heimkehren. Bis zum bewaffneten Raubüberfall geht die Liste der Vorkommnisse dennoch. In der Jahresbetrachtung 2014 haben es auch die USA wieder auf einen vordereren Platz geschafft, sechs Mal haben wir aus den Staaten berichtet.

Aus deutschen Landen hatten wir im letzten Jahr 81 Reportagen aus Hessen, 48 aus Rheinland-Pfalz, 39 aus Nordrhein-Westfalen und nur 18 aus Bayern. Angeführt wird die Liste von Baden-Württemberg mit 89 Reportagen. 90 Mal war ein Marathon im Programm, wenn wir berichteten. Nur 10 Mal waren es Einsätze bei Bahn- und Hallenwettbewerben. In beiden Fällen sind die Zahlen denen der Vorjahre sehr ähnlich geblieben. Der weit überwiegende Einsatz gilt eben Gelände- und Straßenläufen über Strecken unterhalb der Marathondistanz, was gelegentliche Reportagen zu Ultramarathons nie ausgeschlossen hat.

Wir werden 2015 weitermachen. Es wird kein leichtes Jahr werden, sagt mein Bauchgefühl. Sollte es mich täuschen, umso besser. Wirtschaftlich bauen wir weiterhin auf unsere teils langjährigen Partner, die ihre Laufveranstaltungen oder ihre Geschäftsaktivität bei uns bewerben. Noch immer ist LaufReport für Leser kostenfrei und auch frei von satzungsmäßigen oder sonst wie titulierten Abgaben. Manchmal träume ich vom Millionenbalken, der bei Wikipedia zu Weihnachten deren Arbeit sichert. Manchmal schiele ich auf den NachDenkSeiten auf das Banner HELFEN SIE MIT. Es beruhigt mich, wenngleich ich es nur erahne, dass man sicher auch LaufReport finanziell unterstützen würde. Aber dann kommen sie schon wieder, die Zweifel…

Walter Wagner

Editorial 11. Dezember 2014

Haste mal ´ne Mark?

Neue Gebührenordnung des DLV stößt auf wachsende Kritik

Aussitzen, dies scheint die Taktik auf Verbandsseite zu sein. Man hat die Gebührenanhebung ordentlich beschlossen, Strich darunter, aus die Maus. Man hatte damit gerechnet, dass welche aufmucken, hat die ‚Landesfürsten' um Hilfestellung angehalten, um die teils um ein Mehrfaches steigende Gebühr für die Teilnahme an Laufveranstaltungen einzuführen. Als durchlaufender Posten, der von den Läuferinnen und Läufern und nicht von den Veranstaltern aufzubringen sei, so sollte man die Gebühr an der Basis kredenzen. Ab 2016 soll die gewaltige Mehreinnahme Haushaltslöcher beim DLV und seinen Landesverbänden stopfen. Für satzungsgebundene Aufgaben zur Förderung der Leichtathletik, gibt man die Verwendung bekannt.

 

Es gibt für die Erhöhung Zustimmung. Wohlwollende meinen, einen Euro für unseren geliebten Sport, das ist doch in Ordnung. Doch viele sind es nicht, die so denken. Lauter wird die Klage über Willkür. Gefragt wurde schließlich nicht, sondern einfach beschlossen. Das zuständige DLV-Gremium traf die Entscheidung der Gebührenerhöhung eilig und gab den Beschluss als verbindlich bekannt. "Das Geld müsse den Athleten zukommen, dann tragen wir den Beschluss mit", so konnte man eine gewisse Bereitwilligkeit aus Veranstaltungskreisen vernehmen. Doch längst ist klar geworden, eine weiter führende Festlegung der Mittelverwendung ist seitens des DLV nicht beabsichtigt.

Die Weitergabe der Gebühr an die Teilnehmer wird 2016 kommen, zu gering scheint der Widerstand. Für teilnehmerstarke Veranstaltungen sind dies nicht unerhebliche Kosten. Diese werden sie nicht tragen wollen oder nicht tragen können. Zu kämpfen habe diese schon mit sich ständig verstärkenden Forderungen an ein Sicherheitsmanagement, das aus eigenen Kräften längst nicht mehr zu stemmen ist. Boston rückt näher an den Main, an die Alster und die Havel. Wie bekommt man 10.000 oder 20.000 Läuferinnen und Läufer vom offiziellen Kurs, sollte sich dort plötzlich ein Attentatsszenario ankündigen? Das muss vorbereitet sein. Da braucht es professionelle Security-Kräfte mit Durchsetzungspotential und eine spezielle digitale Vernetzung. Allzu rosig ist das Geschäftsmodell Laufveranstaltung sowieso nicht mehr und immer mehr abhängig von Sponsoren. Die Startgebühren tragen bei Stadtmarathons die Gesamtkosten jetzt schon nur zum Teil.

Mag sein, dass die erhöhte DLV-Abgabe von Großveranstaltungen dennoch leichter aufzubringen ist, aber ein genauerer Blick auf das verfügbare Budget, den bedarf es dann eben doch. Natürlich stimmt es, dass der Anteil der Abgabe ein geringerer ist, stellt man diesen ins Verhältnis zur Teilnahmegebühr eines Stadtmarathons. Es wird für einen der großen Stadtmarathons deshalb eventuell leichter möglich sein 50 Cent oder einen Euro mehr von den Läuferinnen und Läufern zu kassieren. Grundsätzlich die gleichhohe Abgabe von einem 1 Euro zu fordern, dies zeigt, wie wenig bei der Beschlussfassung über die Auswirkungen nachgedacht wurde. Wollte man ein Ergebnis im Millionenbereich und sich nicht mit 100.000 Euro Mehreinnahmen aufhalten? Jedenfalls könnte man glauben, es mangelte der Bezug zur Realität.

Betrachtet man einen gewöhnlichen Wald- und Wiesenlauf oder einmal durchs Dorf, dann schlägt die DLV-Abgabe bei fünf oder sechs Euro Startgeld ganz anders zu Buche. Und unter uns, wer will dafür mehr bezahlen? Bleibt man weg, wird obendrein so manches Stück Selbstgebackenes keinen Euro mehr für die Kinder- und Jugendabteilung einspielen und es klingelt auch kein Euro mehr in der Kasse für verkauften Kaffee. Genau diese Wald- und Wiesenläufe sind es aber, die viele Wettkampfläufer durch die Saison begleiten, auch weil sie für die meisten erschwinglich sind.

Rasch könnte es dann auch in Verbandskreisen dämmern, dass es eben keine weit über zwei Millionen Teilnehmende an Laufveranstaltungen auf deutschem Boden gibt, da zwanzig Starts übers Jahr pro Läuferin oder Läufer im Normalbereich liegen und sich dadurch die gewaltige Zahl vermeintlicher Individuen deutlich reduziert. Die neue Abgabeordnung trifft nun genau die treuen und fleißigen Vereinsläufer. Die bezahlen mit regelmäßigen Starts den Löwenanteil. Blieben diese einfach weg, wäre das wirklich herb für die Laufabteilungen der Ortsvereine. Wenn spürbar weniger zum eigenen Lauf kämen, was dann? Jetzt haben wir uns beispielhaft an den Läuferalltag herangearbeitet. Und selbst wenn 20 Euro Mehrausgabe übers Jahr zusammen kämen, ist das kaum ein Thema für den breit aufgestellten Mittelstand. Doch wenn man sich etwas auskennt, weiß man, dass viele Vereine ihren Mitgliedern die Startgebühren erstatten. Jetzt wird es gleich mehrfach heikel, denn zum einen summiert sich der Mehrbetrag zum Problem, denn auch Herr Doktor rechnet ab, zum anderen wird die Startgebühr samt Verbandsabgabe direkt der Vereinskasse entnommen. Nun fehlt dem Verein das Geld für die Nachwuchsförderung, für die sie der Verband bestenfalls kassiert.

Über die Auswirkungen des Beschlusses hat sich das Gremium bestimmt nicht wirklich Gedanken gemacht. Einzelfälle in grenznahen Regionen wurden sicher gar nicht bedacht. - Ach, das wird schon werden, warum in Österreich laufen, nur weil es dort billiger ist? Sorgen der Veranstalter werden überhört. Wie bei der Kalten Progression wird beim Laufsport den Helfern die Lust vergällt, die Ärmel für lau hochzukrempeln, wenn die Früchte der Arbeit sich im Nebulösen verflüchtigen.

Die Kritik wird lauter. Noch sind es einzelne Veranstalter, die ihrem Ärger Luft machen. Läuferinnen und Läufer haben hier überhaupt kein Sprachrohr. Letztendlich wäre es der DLV, der die Interessen der Sportler vertreten müsste. Raten kann man zu einem offenen Austausch aller Beteiligten. In demokratischen Strukturen sollte es möglich sein, alle Einnahmen und Ausgaben offen zu legen und Bedürfnisse und Ziele plausibel darzulegen. Die Finanzierung wenigstens innerhalb der Mitglieder im Verband nachvollziehbar bekannt zu machen, das müsste doch in heutiger Zeit längst Usus sein und kann doch als Information nicht dauerhaft verweigert werden. Für die Läuferinnen und Läufer sowie für die laufveranstaltenden Organisationen und Vereine in der organisierten Leichtathletik besteht dringender Handlungsbedarf, will man auch zukünftige willkürlich verordnete Maßnahmen verhindern. Leichtathletik ist eben nicht nur Weltmeisterschaft und Olympische Spiele, Leichtathletik - und dabei gerade das Laufen - ist auch ein soziales Bindeglied für die ganze Gesellschaft und sollte die wachsende Zahl der Armutsbetroffenen nicht aus dem Wettkampfbetrieb ausschließen.

Walter Wagner

Editorial 10. November 2014

Ringen mit Regeln und Regelungen?

 

Derzeit scheint keine Ruhe im Ausdauerlauflager einzukehren. Ganz so leicht und trickreich wie der Fall des Paralympics-Siegers Markus Rehm sind Probleme nicht immer aus der Welt zu schaffen. Der unterschenkelamputierte Weitspringer des TSV Bayer 04 Leverkusen behält den Deutschen Meistertitel 2014. Ab Beginn des kommenden Jahres allerdings wird die Regel 144.3c in Kraft treten. Dann werden behinderte und nichtbehinderte Athleten zwar gemeinsam starten, aber getrennt gewertet. Zwei Meistertitel führen letztendlich zum Sonderstatus Gehandicapter und nicht zur - zugegeben schwierigen - Integration.

Bei den Straßenläufern scheitert die Einhaltung des Regelwerks mitunter daran, dass niemand bereit ist Verstößen nachzugehen. "Sollen wir etwa jedem Finisher ins Ohr schauen?", so die schon als Frage formulierte Ablehnung aus dem engeren Organisationskreis eines Marathons. Im Klima quasi unfreiwilliger Akzeptanz, sollten sich betroffene Sportler aber bewusst machen, dass sie sich in einem unsicheren Graubereich befinden. Sollte die Verwendung von Startnummernbändern oder Kopfhörern doch einmal beanstandet werden, könnten erbrachten Leistungen die Anerkennung versagt bleiben. Grundsätzlich wäre ein Regelwerk, welches eingehalten werden muss und bei Verstößen rigoros geahndet wird, wünschenswert. Einige Wettkampfbestimmungen würde man dann wohl ersatzlos streichen, deren Sinnhaftigkeit sich Sportlern sowieso nicht immer erschließt.

Aktuell können sich Deutsche - mit Ausnahme der U20 - nur bei festgelegten Crossläufen im Ausland für die Teilnahme an den Cross-Europameisterschaften im Dezember empfehlen. Die Qualifikation in Darmstadt und Pforzheim ist in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen, es wurden Rennen in Frankreich, den Niederlanden und in Spanien dafür bestimmt. Begründet wird dies mit einem nicht mehr gegebenen internationalen Vergleich auf dem erforderlichen hohen Niveau bei Crossläufen in Deutschland. Ein Schlag für die wenigen verbliebenen heimischen Crosslauf-veranstaltenden Vereine, die zudem durch die entstandene Terminüberschneidung belastet werden. So werden teilnahmeinteressierte Spitzenathleten in Deutschland fehlen, da sie bei einem der vorgegebenen Qualifikationsrennen im Ausland starten werden. Ein doppelt unglückliches Vorgehen, welches hoffentlich als einmaliges Vorkommnis in die DLV-Chronik eingehen wird.

Damit hatte man sicher in den zuständigen DLV-Gremien gerechnet, dass die Wellen hoch schlagen, die durch die beschlossene Verbandsabgabe ab 2016 von einem Euro je Teilnehmer ausgelöst werden. Immer wieder wird nun gefordert, die angeblich bisher von der Abgabe befreiten Veranstaltungen in die Pflicht zu nehmen bzw. bekannt zu machen, wer warum befreit wird. Mehr Transparenz, auch dahin gehend was mit dem Geld genau passiert, war ein Wunsch, den man häufig zu hören bekam. "Wenn das Geld den Athleten zukommt, dann sind wir bereit diesen Beschluss mitzutragen", wurde eine Bedingungen in Veranstalterkreisen formuliert. Dabei ist die Hoffnung, dass es zu einer für Außenstehende nachvollziehbaren Verwendung des Geldes kommt, gering. Selbst die Information über ganz oder teilweise von der Abgabe befreiten Veranstaltungen wird man wohl unter das Deckmäntelchen der Verschwiegenheit kehren.

Unabhängig davon, dass es ein ‚normaler' vom Sportverein durchgeführter Volkslauf, der etwas Geld in die Vereinskasse spülen soll, um z.B. die Jugendarbeit zu finanzieren, wohl kaum zu den ‚Härtefällen' zählen wird, denen man bei den Gebühren entgegen kommt, werden Forderungen laut, den Gebührenbeschluss seitens des DLV nachzubessern. Veranstalter von Stadtmarathons werden die Erhöhung der Abgabe auf die Startgebühren aufschlagen können, ohne dass sich Teilnehmer deshalb nicht mehr anmelden werden. Eventuell wird die Bereitschaft freiwilliger Helfer verloren gehend, selbst für lau anzupacken und die oft problematische Helfersituation verschärfen. Was vom DLV als ‚durchlaufende Posten' bezeichnet wird, könnte aber für manche Veranstaltung dennoch das Aus bedeuten, da deren Klientel sich bei noch höherem Startgeld zum privaten Lauftraining verabschiedet. Ich denke hier etwa an die Winterlaufserien, die auf ganz einfachem Niveau mehrmals in kurzen zeitlichen Abständen zur Formüberprüfung oder geselligen Lauf einladen.

In Goldbach etwa trifft man sich in den Wintermonaten gleich neun Mal, läuft den ‚Cross on Edelweiss' und entfernt sich nach einem heißen Tee in der Regel rasch wieder vom Start-Ziel-Areal nach Hause. Nur nach dem letzten Wertungslauf findet man sich im Anschluss zur großen Siegerehrung noch zusammen. Serienstarter zahlen für die komplette Serie nur 35,00 Euro. Aufgrund der regen Teilnahme schätzt der veranstaltende TV Goldbach die ab 2016 anfallenden DLV Teilnehmergebühren auf 5.400 Euro. Diese sind nur durch Weitergabe an die Teilnehmer aufzubringen. Doch wird seitens des Veranstalters befürchtet, dass die Teilnehmerzahl dann stark sinken wird. Richtig wird seitens des OK-Chefs Günther Wenzel angemerkt, dass der Abgaben-Euro bei 70 bis 100 Euro Startgebühr für einen großen Stadtmarathon nicht ins Gewicht fällt. Für Serienausrichter, die in den langen Wintermonaten auch eine durchaus erwähnenswerte soziale Aufgabe als Treffpunkt übernehmen, würde ein immer wieder neu anfallender Abgaben-Euro im Ungleichgewicht zu den sehr geringen Startgebühren stehen. Im Falle der Goldbacher Wintercross Serie eben plus 9,00 Euro. Eine bei anderen Sportverbänden eingeführte Obergrenze der Abgabe, die z.B. bei 10 Prozent der Startgebühr liegt, wurde in den Beschluss nicht aufgenommen. Warum?

Darüber hinaus sollte man sich beim DLV Gedanken machen. Dass man Geld braucht für die Verbandsarbeit, aber auch für die Förderung von Athleten, dies ist sicher nachvollziehbar. Die Mittel nun verstärkt von Freizeitsportlern einzufordern, scheint allerdings nicht immer gerecht zu sein. Wie etwa können Läuferinnen und Läufer, deren Einkünfte am oder unterhalb des Existenzminimums liegen, von der Förderung von Spitzenathleten befreit werden, die teils über ein Mehrfaches an Einnahmen verfügen? Wer sich die Laufteilnahme nicht mehr leisten kann, der bleibt weg. Es wäre z.B. nicht uninteressant zu ermitteln, ob die Zunahme der Altersarmut nicht mehr zum Ausschlusskriterium wird als die Zielschlussvorgabe.

Der Termin der Einführung der neuen, höheren Verbandsabgabe gibt die Zeit in Ruhe das Beschlossene zu überdenken, sich über die Auswirkungen auch bei Einzelfällen Klarheit zu verschaffen und zu reagieren. Charity und Benefiz im Laufsport Platz einzuräumen, ist schön, doch wirtschaftliche Ausgrenzung abzustellen, auch das muss Thema sein und darf durch Gebührenerhöhung nicht verschärft werden.

Walter Wagner

Editorial 28. August 2014

Gebührenerhöhungsbeschluss des DLV erhitzt Gemüter

‚Freue Dich, wenn sich die Gebühren erhöhen, denn wenn Du Dich nicht freust, erhöhen sich die Gebühren auch.' Karl Valentin war für seinen dialektischen Humor bekannt und wird es verzeihen, etwas entfremdet verwendet zu werden. Doch Entscheidungen können auch zurückgenommen werden, lenkt ein Kenner und Tausendsassa in der Laufwelt ein. Aber der Reihe nach:

Der DLV Verbandsrat hat Ende Juli eine Änderung der Gebührenordnung beschlossen. Die Änderungen beginnen mit dem 1. Januar 2016. Ab dann wird für jeden Teilnehmer einer Laufveranstaltung ab der U20 - die Trennung von Volks- und Straßenläufen wird bereits 2015 aufgehoben - und anderer Veranstaltungen mit leichtathletischem Charakter eine Genehmigungsgebühr von 1,00 Euro erhoben. Die Gebühr nach GBO wird dann bundeseinheitlich gleich sein. Manche Landesverbände kommen also mit einer Verdoppelung der Gebühr hin, andere müssen ihren Veranstaltern eine Erhöhung von 400 Prozent zumuten. Der DLV Verbandsrat stuft diese Erhöhung als moderat und zumutbar für jeden Läufer/in ein und betrachtet die Genehmigungsgebühr als durchlaufenden Posten für Veranstalter.

 

Für die Verwendung dieser Einnahme wird angegeben, dass der DLV und seine Landesverbände diese innerhalb der gemeinnützigen und satzungsgebundenen Aufgaben und in der Sportförderung, z.B. Gesundheit und Prävention, Laufbewegung, Freizeitsport, Lehre und Ausbildung, Jugend und Schulsport investiert. So ist es einem DLV-Schreiben an LV-Volkslaufwarte und LV-Geschäftsstellen zu entnehmen.

Dieser ‚durchlaufende Posten' macht Veranstaltern zu schaffen, die bisher die geringere DLV Gebühr zusammen mit dem üblichen Startgeld eingezogen haben. Eine Reihe von Veranstaltungen bewegt sich am Rande der Finanzierbarkeit bzw. schießt sogar Jahr für Jahr einen Betrag zu. Gerade in Sportvereinen ist der Wunsch oft groß, selbst eine Laufveranstaltung auszurichten und einen eigenen Anteil am Wettkampfprogramm zu leisten. Eine Erhöhung der Teilnahmegebühr ist aber auch in diesen Fällen unausweichlich. Seitens des DLV wird mit dem Hinweis ‚durchlaufender Posten' diese Gebühr entsprechend publiziert und damit suggeriert, sie beträfe die veranstaltenden Vereine und Kommerzielle Anbieter eben nicht.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus wirft ein Licht auf das weitreichende Problem. Ein Veranstalter im Rheinland sieht eine gewisse Gefahr, dass es ihm nicht mehr gelingen wird, Helfer in benötigter Zahl zu gewinnen, wenn bekannt wird, dass aus seiner Laufveranstaltung ein fünfstelliger Betrag an den Verband geht, für die zupackenden Hände kaum mehr als warme Worte bleiben. Eine Gefahr besteht zudem darin, dass bisher zurückhaltend operierende Dienstleister im Zuge dieser DLV Gebührenerhöhung auch für die eigenen Interessen, die durchaus auch karikativ und/oder gemeinnützig sein können, eine dickere Scheibe vom Kuchen fordern werden.

Wir hätten ja gar nichts gegen eine geringe Erhöhung der Gebühr, räumt gegenüber LaufReport ein Marathonveranstalter ein, der noch weit unter den häufig berechneten 50 Cent pro Teilnehmer liegt und dem eine Gebühr von dann 40 Cent vorschwebte. Ein wenig darf man sich also über das Wort moderat hinsichtlich dieser Erhöhung schon wundern, und richtig wäre das, was seitens des DLV als zumutbar betrachtet wird, in der freien Wirtschaft nicht durchzusetzen. Zwar gibt der Verband einen Hinweis auf die Verwendung des Geldes, doch ist dieser viel zu weitreichend formuliert und somit nichtssagend. Von Veranstaltern wird wiederholt gefragt, was ist eigentlich die Gegenleistung des DLV? Aus den Reihen der GRR, der Interessengemeinschaft von um die 50 großen Laufveranstaltern, sickert, dass man den Beschluss nicht akzeptieren wolle, sondern klar formulieren wird, was man im Gegenzug erwartet.

Aber beißt sich da der Hund nicht in den Schwanz? Der DLV spricht vom durchlaufenden Posten. Die Veranstalter, selbst also gar nicht belastet, wollen eine Entschädigung. Um den Beschluss durchzuhalten, wird man sich unter diesen beiden Parteien sicher irgendwie einigen. Noch nichts wurde seitens der betroffenen Läuferinnen und Läufer verlautbart. Meistens ist ihnen der nun einen Monat alte Beschluss noch völlig unbekannt. Was wird auf die Aktiven zukommen? Eine Erhöhung der Startgebühr um 50 Cent wird es bei Stadtmarathons nicht geben. Man wird spätestens 2016 voraussichtlich deutlich höhere Aufschläge erleben. Für Laufteilnehmer, die mit nur einer Handvoll Starts ihr Jahrespensum erfüllen, wird es dann eben vielleicht unterm Strich 10 bis 30 Euro teurer werden. Vielstarter werden entsprechend tiefer in die Tasche greifen müssen.

Ein Problem könnte daraus erwachsen, dass auch die unzähligen kleinen Läufe durch Feld und Flur einen Euro mehr nehmen werden. Gerade aus der Vereinskasse refinanzierte Startgebühren können dann vielleicht nicht mehr bezahlt werden. Dies wiederum könnte zu Vereinsaustritten führen. Klar, nicht wegen 50 Cent, aber so manches Mitglied, das eh schon auf der Kippe stand, ist dann weg. Es ist sowieso der Trend in Deutschland: Raus aus dem Verein.

Auf Verbandsebene freut man sich über das Urteil des OLG Düsseldorf. Ein ‚wilder' Triathlon Veranstalter wurde zur Zahlung der ‚Verbandsabgabe' verdonnert. Ein weitreichendes Urteil auch für private wie kommerzielle Triathlon Veranstalter und solche, die in verwandten Ausdauerkombinationssportarten diese Gebühr bisher eingespart haben. Der DLV sieht sich als Mitgewinner und wird entsprechend auch dorthin Gebührenbescheide versenden, wo man sich bisher als Unangemeldeter vor der Verbandsabgabe rettete.

Das Juristische wollen wir den Juristen überlassen, die dafür eine eigene Sprache verwenden, das meist unverständliche Juristendeutsch. Ich sehe aber durchaus Unterschiede zu einer Sportart, die über eine Alltagsfortbewegung hinaus geht, ja sogar nur mit Hilfe eines technischen Geräts von einigen Tausend ausgeführt wird, und dem Laufen, das vom Handel geschätzte 15 Millionen in Deutschland mehr oder weniger regelmäßig betreiben und die sich teils gar nicht als Sportler bezeichnen werden. Diesen die Förderung oder Mitfinanzierung des Leichtathletik-Verbandes aufbürden zu dürfen, sofern sie einmal an einer Veranstaltungen mit leichtathletischem Charakter teilnehmen, mag einem juristischen Laien nicht schlüssig erscheinen. Wäre aber bei einer Einmaligkeit aufgrund der geringen finanziellen Belastung vernachlässigbar.

Der DLV verfügte 2012 über rund 860.000 Mitglieder, die sicher nicht alle als Laufsportler zu bezeichnen sind. Von den in Deutschland sportlich laufenden Personen sind einige auch beim Deutschen Turnerbund organisiert, der u.a. für den Orientierungslauf verantwortlich zeichnet. Vermehrt sind in Wintersportverbänden organisierte Sportler am Start, wie etwa beim Trailrunning. Laufteilnahmen im Bereich der DLV-Landesverbände wurden 2013 bei insgesamt 3.613 Veranstaltungen mit 2.248.241 angegeben. Ob die beschlossene Erhöhung nun eine Million Euro zusätzlich in die DLV Kassen spülen wird, ist von außen nicht zu behaupten. Einige Laufveranstaltungen kamen bisher in den Genuss von Vergünstigungen bis hin zur Befreiung und werden wohl auch weiterhin mit diesem Entgegenkommen rechnen können. Hier wäre eine Offenlegung wünschenswert. Was spricht gegen eine Nennung der Sonderbehandelten sowie der maßgebenden Gründe dafür?

Es wird Veranstalter geben, die sich nicht mehr wagen mit noch höherer Teilnahmegebühr weiterzumachen, da es ihnen schon jetzt nicht gelingt, Teilnehmer in kostendeckender Anzahl zu gewinnen. Sie werden vorsorglich den Lauf aufgeben. Dies eher nicht in Großstädten und Metropolregionen, aber auf dem Land könnte die Angebotspalette deutlich schrumpfen. Eine Regel, Verbandsabgaben auf maximal 10 Prozent der Teilnahmegebühr einzufrieren, könnte solche Kleinveranstalter retten und wäre zudem Anreiz für moderate und zumutbare Startgebühren. Den ‚Platzhirschen' dagegen dürfte es kaum schwer fallen, mit Hinweis auf die Verbandsabgabe 3 bis 5 Euro aufzuschlagen. Sie werden wohl weiterhin früh ausgebucht sein.

Wird sich alles regeln und wie? Bedenken wir: Wer mit Bananen bezahlt, kann nur Affen erwarten. Immer nur billig, wird irgendwann teuer bezahlt. Den Preis vergisst man, aber Qualität bleibt. Jede Seite hat eben zwei Medaillen.

Walter Wagner

Editorial 3. November 2013

Machtspiele für kleine Teufel

Nunmehr jährte sich zum 13. Mal die Geburtsstunde des ‚Branchendienstes' LaufReport. Auf der Burg Hirschhorn, hoch über dem Neckar thronend, fiel die Entscheidung zum Internetjournal. Die mittelalterliche Umgebung hat wohl auf www.laufreport.de abgefärbt. Bisher konnten wir alle auftretenden technischen Hürden meistern. Wir kommen zurecht, veröffentlichen die Inhalte rasch, rund 400 Reportagen und Hunderte von Meldungen jährlich. Für uns ist die Ordnung im LaufReport überschaubar, sowohl im Hinblick auf neue Beiträge, als auch beim Löschen alter Inhalte. Wenn man weiß, dass heute, am 3. November 2013, nicht weniger als 22.362 Dateien im LaufReport aufrufbar sind und 130.863 interne Hyperlinks das LaufReport Journal steuern, ist das gar nicht selbstverständlich. 3783 Links führen zu externen Seiten. Der Internetanalyst www.alexa.com gibt derzeit 527 Links zu LaufReport an. Was für ein Missverhältnis. Nicht enthalten sind in der LaufReport Statistik die unzähligen Fotos in den Foto-Impressionen. Die sind auf unserer Seite www.laufsport-magazin.de ausgelagert. So verlieren wir nicht den Überblick.

Die Leser kommen klar. Selten auch mal nicht. Sie haben sich damit abgefunden, wie LaufReport ist oder lernen damit umzugehen. Wir sind kein Hochglanz-Magazin und keine web2-Spielwiese. Vorrang haben Texte, wenngleich Fotos zugenommen haben. Zum Lesen muss man heute verführen. Ob dies gelingt, ist nicht zu beweisen. Bei 119.968 Besuchen des Journals allein im Oktober 2013 haben wir es jedenfalls versucht.

 

Mit dem kleinen fleißigen Team bewegen wir eine Menge. In der Redaktion leiden wir ständig am Termindruck. Selbst Wichtiges bleibt liegen. Helge Drummond lehrt in ihrem Buch, dessen Titel ich hier als Überschrift entlehne, Aufgaben in Kategorien einzuteilen - A, B, C … und entsprechend abzuarbeiten: A kommt zuerst, bleibt Zeit folgt B. Wenn ich es richtig verstehe, kann man danach C angehen oder man lässt es.

‚Halbieren Sie heute Ihre Belastungsgrenze, streichen Sie von den sechs Anrufen, die sie sich vorgenommen haben, drei. Machen Sie es mit den anderen Arbeiten auf Ihrer To-Do-Liste genauso. Entsteht immer noch keine Zeit, um außer arbeiten auch zu leben, gehen Sie auf ein Viertel Ihres bisherigen Tagespensums', so rät ein Kalenderblatt an meiner Pinwand. Passend dazu, der Spruch daneben: ‚Im Kopf kann alles passieren'. - Und in der Realität …?
Zurück zu Zahlen. LaufReport wird 2013 rund 1,25 Millionen Besuche erreichen. Auf der Burg Hirschhorn hatte ich vor 13 Jahren mit 50.000 Besuchen im Jahr spekuliert. 2013 haben wir in vier Monaten die 100.000er Hürde übersprungen. Bisher war dies nur im Spitzenmonat Oktober geglückt. Wir haben Visionen realisiert. Manches ist Illusion geblieben. Bisher.

"Seid ihr im Facebook?" - "Nein." - "Das ist ein Fehler." So der Wortlaut mit einer Medien-Schaffenden am Rande eines Citylaufs vor nicht einmal zwei Jahren. Eine rauchende Radiomoderatorin. Gar nicht selten im Sport. Das Rauchen. Immerhin, glücklich scheint kaum jemand mit seiner unüberwindbaren Sucht. "Asoziale Sau", so mein Ex-Chef zu einem Mitarbeiter der in der Kantine mit Genuss inhalierte. War Selbstschutz, er hatte gerade mal wieder aufgehört mit dem ‚Quarzen'. Dabei hatten damals Raucher noch Rechte. Heute sterben sie aus, so oder so. Mit Facebook sind viele auch nicht mehr ganz so glücklich. Manche Fernsehsender halten daran fest. Haben bestimmt viel investiert. Die neuen Medien, das Schreckgespenst. Da hat man Angst um den Anschluss.

Kein Fehler ohne Nutzen. Wir müssen nicht raus aus den ‚sozialen Gemeinschaften' des Internets, den Goldgräberstätten der Marktanalysten und Geheimdienstspäher. Wir sind gar nie rein. Denkste:. "Ihr seid in Facebook", erfuhr ich gerade, und als würde ich es nicht glauben, garniert mit einem ‚screen-shot'. Ein Leser hatte im LaufReport sein Konterfei gefunden. Seine Freude darüber teilte er mit Freunden. Oh ja, da war es wieder. Wie in den Anfängen der Foren. Ein Hickhack, ein Hin und Her von Bemerkungen und Einwänden. Nicht bösartig, doch oberflächlich. Nur so zum Zeit totschlagen. Aber sorry, dafür gibt es kein ‚like'. "Ich mache in Facebook doch nur…", oder "ich bin nicht mehr drin…" - ja, Freunde, mir braucht ihr das nicht zu zwitschern. Jeder macht so seine Erfahrungen, entscheidet und handelt wie es beliebt.

Viele Wünsche hat man in den vergangenen Monaten an uns herangetragen. Mehrmals Entsetzen, dass wir kein langjähriges Archiv bieten und Beiträge nach Ablauf von wenigen Monaten wieder löschen. Dies ist in Einzelfällen bedauerlich, doch ist die Halbwertzeit des Interesses im Internet extrem kurz. - Nur wenige Veranstalter nutzen das Angebot LaufReport-Berichte für die eigene Internetseite aufbereitet zu erwerben. Es gibt auch immer wieder inhaltliche Kritik. Teils ist die berechtigt, oft auch nicht. Wir sind nicht die Läufergewerkschaft und auch keine Public Relation Bude für Veranstalter. Just Kritisiertes erhält dann auch nicht selten Lob.

Ich komme zum Ende des gedanklichen Ausflugs in LaufReport Interna, den ich mir nach langer Pause gestattet habe. Das 13., das oft prophezeite Unglücksjahr, geht zu Ende. Es war ein gutes Jahr für LaufReport, ein Rekordjahr. Und ein Jahr in dem wir immer mal wieder ganz entgegen der Lehren aus Machtspiele für kleine Teufel auch C Aufgaben erledigt haben. Und es ist ein weiteres Jahr, in dem wir - nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Desaster - auch von kleinen Veranstaltungen berichtet haben.

Walter Wagner

Editorial 20. November 2012

Freudenfehler

Wer viel macht, macht viel falsch. Eine Binsenweisheit. LaufReport macht viel. Wir sind im ständigen Kampf mit dem Fehlerteufel. Ein starker Gegner – unschlagbar! Es ist also mehr ein Ringen ums Territorium, nicht um Sieg oder Niederlage. Manche Fehler sind extrem ärgerlich. Darunter solche, die gemeinhin nicht vorkommen dürfen. Das falsche Foto zum Bildtext – oder kam es anders herum zustande? Im Text – ein Missverständnis, oder will man es so nicht mehr gesagt haben.

 

Doch zu journalistischen Missgriffen und denen in der Redaktion gesellen sich noch webtechnische Fehler. Gut, den Druckfehlerteufel sind wir los, doch sein moderner Nachfolger hat eine ganz neue Qualität, er ist enorm geduldig und ausdauernd. War mit dem Druck einst der Käse gegessen, also Falsches nicht zu korrigieren, Richtiges aber im Kasten, kann sich der moderne Fehlerteufel ungestört über Bits und Bytes hermachen, die mal richtig aufgestellt waren. Das ist wie verhext.

Es gibt Fehler, deren Entstehung mit Absicht erfolgt. Es gibt die leichtfertigen oder die auf Irrtum beruhenden. Unwissen dürfte die häufigste Ursache von Rechtschreibfehlern sein, oder sind es Tippfehler? Es gibt erwartete Fehler und überraschend auftretende. Dies auf Reporter übertragen zeigt, selbst die Grenzen dieser Typisierung sind fließend.

Fehler einzudämmen ist Alltag. Aber das breite Spektrum an Fehlern verlangt bei der Beseitigung nach einem vernünftigen, angemessenen Umgang. Bereits das Entstehen mit System verhindern. Kontrollieren und immer wieder kontrollieren –, auch gut. Denkfehlern ist damit nicht beizukommen.

Überhaupt Fehler und Abweichungen, oft nur subjektiv als falsch empfunden. Der Wert muss nicht stimmen, er muss brauchbar sein, habe ich einst in der biochemischen Analyse gelernt. Noch weiter geht die Kunst. Fehlerkultur ist aber auch Thema in industriellen Entwicklungsprozessen. Das Vorgehen gegen Fehler und Mängel als Qualitätsmerkmal, claro… Doch es gibt Fehler, die die Menschheit weiter brachten. Oder formulieren wir es vorsichtiger: Amerika wurde aufgrund eines Fehlers entdeckt, ebenso Viagra und Teflon. Oder denken wir an die gelben Klebezettel, ein missglückter Versuch, den stärksten Klebstoff der Welt herzustellen. Fehler als Quelle von Innovation.

Bleiben wir bei LaufReport. Ein falsches Ergebnis, eine falsche Platzierung, falsches Deutsch, da hilft keine zulässige Messabweichung nach DIN und selbst die Kunst nicht weiter. Wir müssen Fehler als solche eingestehen. Ursache und Wirkung, die Verkettung von Umständen, die Fehlerfortschreibung, gerade im Internet, all dies nehmen wir nicht auf die leichte Schulter. Fehler verhindern, die Personen Schaden zufügen können, dem gilt unser Hauptaugenmerk. Wir nehmen dafür gern in Kauf, andere Fehler zu vernachlässigen, deren Aufkommen mit hohem zeitlichen Aufwand und Bindung von Ressourcen zu verhindern wären. Hier bitte ich um Nachsicht.

Ein Fehler bei der Verlinkung des Neckargemünder Berglaufs wurde binnen kurzer Zeit ein Dutzend Mal von unseren Lesern reklamiert. Man wurde zum New York Marathon Beitrag gelotst. Irgendwie freute mich dieser Fehler, für LaufReport, dass wir montags schon am Morgen so viele Laufinteressierte von der Arbeit abhalten, – und für den kleinen, aber feinen Berglauf von Neckargemünd bei Heidelberg hinauf auf den Königstuhl.

Walter Wagner - Foto © Thomas Zöller

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