2.12.18 - 43. Tübinger itdesign-Nikolauslauf - Halbmarathon

Anais Sabrie` siegt zum vierten Mal und Thorben Dietz auf Anhieb

Wetterglück in der Universitätsstadt

von Günter Krehl

2018 hatten die rührigen Organisatoren beim Probelauf zum 43. Tübinger itdesign-Nikolaushalbmarathon Glück mit dem Wetter. Zwar war wie im Vorjahr schlechtes Wetter angesagt, aber im Gegensatz zu 2017 gab es keinen Dauerregen. Sogar die Sonne ließ sich blicken, als knapp siebenhundert treue Ausdauersportler sich den einzigartigen kostenlosen Test auf der Originalstrecke nicht entgehen ließen.

Drei Wochen später waren die Wetterprognosen ebenfalls äußerst negativ. Nur so lässt sich die große Diskrepanz zwischen den 3.413 Voranmeldern (87 mehr als im Vorjahr) und den 2.627 Teilnehmern (99 weniger als 2017) im Ziel erklären. Bei rund 100 vorzeitig aus dem Rennen gegangenen Sportlern bleiben noch annähernd 700, die auf den heißbegehrten Start aus verschieden Gründen verzichtet haben.

 
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Zipfelmützen prägen das Bild des Tübinger Nikolauslauf
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Berücksichtig man die wunderbare Regel der Tauschmöglichkeit bis zum letzten Tag, ist diese hohe Zahl der Verzichtenden schwer zu verstehen. Um das organisatorisch gut zu leistende "Grenzziel" von 3.000 Finishern zu erreichen, könnten die Tübinger ohne große Sorgen die Anmeldung auf 4.000 Teilnehmer erhöhen, schließlich sind die herbstlichen Erkältungswellen und die "wachsenden Schweinehunde" bei kälteren Temperaturen konstante Größen.

In der Nacht zum Rennen hatte es sich glücklicherweise in der Universitätsstadt am Schönbuchrand ausgeregnet und die neue Schlechtwetterfront ließ sich entgegen der Prognose so viel Zeit, dass auch die Letzten nach 2:48 Stunden wenigstens von oben noch trocken das Ziel erreichten. Bei 8 bis 10 Grad aber durchaus frischem Westwind gab es für die Läufer sehr gute Bedingungen. Für Zuschauer war es letztes Jahr bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt und einer weiß gezuckerten Landschaft nicht unangenehmer gewesen.

 

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Bettelweg

Oberbürgermeister Boris Palmer betätigte sich wieder als prominenter Starter. Pünktlich um 10 Uhr gab er das Signal für die weiße Gruppe, im Vorjahr hatte er das Feld 20 Sekunden zu früh losgeschickt. Sage also keiner, die Tübinger würden nicht an noch so kleinen Details feilen, um ihre hundert Prozent perfekte Veranstaltung weiter zu verbessern. Im Abstand von 3 Minuten folgten die blaue und die gelbe Gruppe. Die wenigen falsch einsortierten Fremdgänger hatten durch die Wertung nach Chipzeit keinerlei Vorteil durch ihren "Frühstart".

Schon nach Kilometer zwei hatte sich ein Quartett mit Michael Schramm, Thorben Dietz, Lorenz Baum und Daniel Noll etwas von seinen Verfolgern abgesetzt. Bei der zweiten Passage des Heuberger Tores hatte Schramm den Anschluss verloren und wenig später konnten auch Baum und Noll das scharfe Tempo nicht mehr mitgehen. Dietz machte ernst, hatte bei Kilometer 10 schon 14 Sekunden auf seine beiden Verfolger herausgelaufen und zeigte auf der zweiten Streckenhälfte ein beeindruckendes Solorennen. Mit 1:10:36 wurde der als großer Favorit gestartete Göppinger Lehrer den Erwartungen gerecht.

 

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Waldreiche Strecke

Nach seinem zweiten Platz über Halbmarathon in Köln, als er mit 1:05:29 seine Bestzeit vom März in Venlo nur um 8 Sekunden verfehlt hatte, gönnte sich der seit Januar für die LG Filstal startende Athlet eine ruhigere Phase. Vom Tübinger Lauf hatten ihm viele Sportkameraden vorgeschwärmt. Nachdem er seinen Lebensmittelpunkt nach Württemberg verlegt hatte (bis 2016 lief er für die LG Dorsten, 2017 ein Jahr für die LG Vulkaneifel), ergriff er die Gelegenheit beim Schopf und siegte bei seinem ersten Antritt. 2017 war der in Tübingen für Intersport Räpple startende Spitzenathlet beim Berlinmarathon mit 2:19:20 bester Deutscher gewesen. Den Traum von der EM Qualifikation in Düsseldorf musste Dietz allerdings verletzungsbedingt begraben. Ihm und Vorjahressieger Timo Göhler ist es bei entsprechender Fokussierung zuzutrauen, den Streckenrekord von Dieter Baumann (1:07:15) aus dem Jahre 2005 erfolgreich anzugreifen.

 
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Die Männerspitze mit v.l. Lorenz Baum, Thorben Dietz, Daniel Noll und Michael Schramm vor dem Bettelweg Thorben Dietz gewinnt vor ... ... Daniel Noll

Genau eine Minute nach dem Sieger lief Daniel Noll (TSV Glems/1:11:36) ins Ziel. Im Vorjahr musste er am Ende Platz 3 an Peter Obenauer abgeben. Der frischgebackene Sieger des Hohenzollernberglaufes hatte sich bei Streckenmitte erfolgreich von Lorenz Baum (1:12:52) gelöst und konnte diesen bis ins Ziel sicher auf Distanz halten. Der Tübinger war in Frankfurt mit 2:21:40 eine sensationelle Marathonbestzeit gelaufen und ist nun mit dem gelungenen Wiedereinstieg sehr zufrieden.

Die LAV Stadtwerke Tübingen war mit 5 Läufern unter den ersten 10 und mit 6:12:38 klarer Mannschaftssieger (79 Fünferteams in der Wertung) vor den gewiss nicht schwachen Athleten von Intersport Räpple (6:24:23). Neben Lorenz Baum waren Michael Schramm (4./1:13:57), Peter Obenauer (5./1:14:22), Christian Wörnle (8./1:15:25) und Youngster Levin Maurer (10./1:16:00) im Siegerteam.

 

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Lorenz Baum wird 3. vor ... ... Michael Schramm und ... ... Peter Obenauer

Wie im Vorjahr gelang Anais Sabrie` ein Start-Ziel-Sieg, damit sorgte sie für ein weiteres Tübinger Erfolgserlebnis. Da sie nur den Streckenrekord als Gegner hatte, begann die französische Läuferin mit deutschem Pass das Rennen äußerst offensiv. Auch liegen ihr die höheren Temperaturen besser als die eisigen der letzten beiden Jahre.

Am Ende wurde es bei ihrem 4. Sieg ganz knapp: Mit der Verbesserung ihrer persönlicher Streckenbestzeit um 51 Sekunden auf 1:20:15 näherte sie sich Sabrina Mockenhaupts Rekord aus dem Jahre 2016 bis auf 14 Sekunden.

 

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Anaïs Sabrié dem Frauenfeld weit voraus
Stefanie Kuhnert folgt auf Platz Zwei Tabea Haug wird dritte Frau

Karoline Degenhardt (Post SV Tübingen) und Stefanie Kuhnert (VfL Pfullingen) gingen dicht an dicht zum ersten Mal den steilen Anstieg am Bettelweg hoch. Während die Vorjahresvierte Degenhardt mit 1:29:41 noch auf Rang 6 zurückfiel, konnte sich die starke Triathletin Kuhnert mit 1:26:01 sicher Platz zwei erkämpfen. Sie war damit zwar 8 Sekunden langsamer aber 4 Plätze besser als 2017. Leider findet sie sich ebenso wenig wie die nächstplatzierte Tabea Haug (1:27:04) als Leichtathletin in der Landesbestenliste.

Die viertplatzierte Isabelle Werminghausen (1:27:53) wird nächste Saison für den LV Pliezhausen starten, bei den Baden-Württembergischen Waldlaufmeisterschaften in Neuhengstett lief sie im November außer Konkurrenz (noch für ihren derzeitigen Verein LG Dorsten und unter dem Namen Großkopff) und war zweitschnellste Läuferin. Katrin Ochs von der LG Filder als Fünfte (1:28:42) steht in diesem Jahr allein sieben Mal von 400 m bis Marathon (2:54) in der WLV Bestenliste. Haug, Werminghausen und Jennifer Durst (13./1:33:04) sicherten sich den Mannschaftssieg (59 Dreierteams) für Intersport Räpple (4:28:02) vor dem Post SV Tübingen (4:38:53).

Anaïs Sabrié gewinnt souverän den 43. Tübinger Nikolauslauf Platz 4 für Isabelle Werminghausen

Trotz der guten Bedingungen war das Niveau des Rennens diesmal deutlich geringer als im Vorjahr. Auf der anspruchsvollen offiziell vermessenen Strecke mit 319 Meter Höhendifferenz blieben 22 Männer unter 1:20 (2017 waren es 37) und 15 Frauen unter 1:35 (2017 waren es 28).

Wie schon im Vorjahr gewann die relative Altersklassenliste der Gesamtsieger. Thorben Dietz siegte vor Matthias Koch (1. M50/1:21:30) und Daniel Noll. Folgende Altersklassensieger platzierten sich in dieser Wertung: 14. Klaus Mezger (1:34:01/M60), 17. Günther Lippold (1:36:45/M65), 27. Walter Johnen (1:46:07/M70), 81. Werner Linsenmaier (1:58:29/M75) und der mit 83 Jahren älteste Teilnehmer Horst Engelhardt (2:19:51/M80) als 132.

Matthias Koch gewinnt die M50 Roland Golderer ist in der M40 vorn Armin Gotsch (78) wird 2. M45 und Klaus Schinker 3. M45 Marius Knisel, Sohn des Veranstalters, läuft auf den 9. Jugendplatz

Bei den Frauen hatte Anais Sabrié im Vorjahr noch einen "Doppelsieg" errungen. Dieses Mal musste sie der Neu-Sechzigerin Uta-Maria Baisch (1:39:39) mit knapp 2 Minuten Rückstand den Vortritt lassen. Mit dieser Zeit auf schwerer Strecke wäre die Sportlerin vom TSV Grafenau im Vorjahr auf Rang 12 in Deutschland gewesen. Leider hat sie (noch) keinen Startpass. Auf Rang 3 folgt die international erfolgreiche Elke Keller mit 1:34:32 als Siegerin der W50 vor Karin Elsholtz, die mit 1:31:42 die W45 dominierte. Weitere Altersklassensiegerinnen konnten sich in dieser Wertung rangieren: 5. Brigitte Kugler-Hillinger (2:01:40/W70), 6. Katrin Ochs (W40), 10. Anne Felk (1:59:00/W65) 17. Claudine Weidlinger (1:45:10/W55) und als 49. Karin Boll (2:34:58/W75).

Katrin Ochs gewinnt als fünftplatzierte Frau die W40 Elke Keller siegt in der W50 Karin Kommer (363) begleitet Bettina Spannowsky, die 2. der W50 wird

Letztes Jahr mussten die Topathleten, die schreibende Zunft, die Organisatoren und die Funktionäre im ungeheizten "Klassenzimmer" frieren. Eigentlich selbstverständlich, dass dieses Mal mitgebrachte Zusatzkleidung nicht von Nöten war. Im angenehm warmen Raum ging eine harmonische Pressekonferenz zügig vonstatten.

Zum vierten Mal hintereinander konnte der Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch, Mathias Allgäuer (der heuer leider nicht aktiv teilnehmen konnte), einen Scheck entgegennehmen. Viele Voranmelder wollten auch dieses Jahr nicht nur im, sondern auch für den Naturpark laufen. Erneut gab es eine Steigerung der Rekordspendensumme um 140 auf 2.200 Euro. Der Förderverein plant unter anderem ein 100 km langes Mountainnetz im "schönsten Naturpark Deutschlands". Die gute Zusammenarbeit von Sportlern und Naturschützern soll auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

In der 2. Runde Auf dem 21. Kilometer

Nach dem Ausstieg des jahrelangen Sponsors LBS konnte Gerold Knisel mit "itdesign" den neuen Vertragspartner und Namensgeber vorstellen. Es handelt sich um ein Tübinger Unternehmen, das 1999 mit 4 Mitarbeitern den Betrieb aufgenommen hatte. Heute bietet die Firma mit Kunden in aller Welt mehr als 130 Beschäftigten einen Arbeitsplatz, fühlt sich aber ganz und gar mit dem Standort Tübingen und damit auch dem Nikolauslauf verbunden.

Neben dem sportlichen Erfolg war der ärztliche Bericht erfreulich. Die stationären und mitlaufenden Mediziner hatten von keinen ersthaften Zwischenfällen zu berichten. Alles war wieder einmal perfekt, sogar der Wind blies aus der richtigen Richtung. Er trieb die Läufer regelrecht über die freie Fläche dem Ziel entgegen.

Vision: Die Tübinger Strecke wird aufgefüllt und asphaltiert
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Beim Anblick dieser Steigerungsläufe auf den sonst schweren letzten Kilometern kam dem Laufreporter eine Vision: Die Tübinger Strecke wird aufgefüllt und asphaltiert. Die somit topfebene Runde wird viermal durchlaufen. Der Gegenwind im Wald wird durch die Bäume gebremst, der Rückenwind auf dem freien Feld ermöglicht Kilometerschnitte von 2:40. 100 eingekaufte Ostafrikaner treiben sich gegenseitig zu ungeahnten Zeiten. Einer kommt durch und Berlin verliert seinen Rekord. Tübingen ist der Nabel der Welt - jeder kennt nun die Universitätsstadt, in der erstmals ein Marathon unter 2 Stunden gelaufen wurde.

Gut, dass manche Gedanken nur Visionen bleiben. Wir alle hoffen, dass Strecke, Organisation und die gut durchmischte Läuferschar noch viele Jahrzehnte so und genau so bleiben. In diesem Sinne, weiterhin viel Elan und Durchhaltevermögen und auf zur 44. Ausgabe des Tübinger Nikolauslaufes.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

unter

go4it-foto.de
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Ergebnisse nikolauslauf-tuebingen.de
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