2.12.18 - 24. Mondorfer REWE Weihnachtslauf

Gemeinnützige Veranstaltung mit hohem Spendenaufkommen

Belgier Abdelhadi El Hachimi und Maire Görgens siegen im Hauptlauf

Über 1500 Anmeldungen trotz vorhergesagtem Regen in Niederkassel-Mondorf

von Michael Schardt 

Der Mondorfer Weihnachtslauf sah für seine 24. Auflage keiner günstigen Wetterprognose entgegen. Angekündigt war kräftiger Dauerregen für den kompletten Sonntagmorgen. Das dürfte sicher dazu beigetragen haben, dass von über 1500 Voran- und Nachmeldungen nur gut 1200 angetreten und ins Ziel gekommen sind. Andererseits hörte der kräftige Regen recht genau eine Stunde vor Wettbewerbsbeginn auf, so dass die Zahl der Nachmelder noch erheblich wurde.

Insgesamt blieb zwar die Teilnehmerzahl deutlich unter dem Wert des Rekordjahres 2017, aber zu bedenken ist, dass nicht weit von Mondorf entfernt der Kölner Nikolauslauf mit mehreren tausend Teilnehmern viele Läufer abzog.

 
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Der Mondorfer Weihnachtslauf kam in den letzten Jahren regelmäßig auf 1300 bis 1500 Anmeldungen. Der Reinerlös von durchschnittlich 5000 Euro geht an die Kinderkrebsabteilung des St.-Augustiner Krankenhauses, zusammen in 24 Jahren rund 130.000 Euro
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Aus sportlicher Sicht war der Weihnachtslauf immer eine große Nummer gewesen, vor allem im Frauenbereich. Da liest sich die Siegerliste wie ein kleines "Who-is-Who" der früheren weiblichen Langlaufstars. 2002 und 2003 gewann beispielsweise die Ex-100-km-Weltrekordlerin Birgit Lennartz, die für den Nachbarort Sankt-Augustin läuft, 2014 siegte die ehemalige "World Marathon Majors"-Siegerin Irina Mikitenko, 2017 die zweifache Olympionikin Susanne Hahn und zwischen 2010 und 2016 die 45-fache deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt gleich drei Mal. Letztere hält auch noch den aktuellen Streckenrekord in 35:10min. Bei den Männern war bisher Christian Schreiner der Dominator, der zwischen 2009 und 2017 dreimal gewinnen konnte. Sein Streckenrekord aus dem letzten Jahr steht auf 31:39min. Schnell war auch Maciek Miereczko 2010 in 31:49min.

Blick ins Archiv

Sowohl der Mondorfer Weihnachtslauf als auch der Veranstalter Lauftreff TuS Mondorf blicken auf eine sehr interessante Vergangenheit zurück, weshalb hier ein wenig Historie zu erzählen erlaubt sei. Vor nunmehr einunddreißig Jahren gründete sich der Lauftreff Blau-Weiß Rheidt, ein Ortsteil der kleinen Gemeinde Niederkassel, rechtsrheinisch gelegen zwischen Köln und Bonn.

Mit dabei am 26. April 1987 Gründervater Helmut Otto, der auch 2018 noch aktiv ist. Obwohl man Ottos neuem Lauftreff keine lange Lebensdauer und große Erfolgsaussichten eingeräumt hatte, ließ man sich im Laufe der Jahre eines Besseren belehren.

 
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1997 trennte sich der LT nach reiflicher Überlegung vom Wassersportverein Blau-Weiß Rheidt und wandte sich dem Mondorfer Verein TuS Mondorf zu, der auch zufälligerweise noch eine bis dahin brachliegende Leichtathletik-Abteilung in seinen Reihen hatte. Immerhin stammte aus Mondorf der größte Aktiven-Anteil des Lauftreffs. Somit passte der Lauftreff zufällig genau in das TuS Mondorf-Konzept.

Die Strecke verläuft überwiegend in Rheinufernähe, umrundet den Mondorfer Hafen und gelangt bis zur Siegmündung in den Rhein Die ersten Meter des Hauptlaufs (10km) führen durch die engen Gassen des Dorfes. Über 500 Läufer und Läuferinnen kamen ins Ziel

1997, zeitgleich zum Wechsel, erhielt der Lauftreff von einem Mondorfer Gastwirt das Angebot, einen bereits seit zwei Jahren bestehenden und privat durchgeführten Weihnachtslauf zu übernehmen, d. h., zu organisieren und auszurichten. Ergebnis: Was damals, 1995, als Wette zwischen zwei Mondorfer Gastwirten, Ralf Engelskirchen vom "Anker" und Walter Gröhlich von "Op d'r Eck", begann, wird nun bereits seit 22 Jahren vom LT TuS Mondorf durchgeführt. Im Laufe der Zeit hat sich hierbei natürlich vieles geändert, das Streckenangebot ist vielfältiger geworden, die Teilnehmerzahlen haben sich vervielfacht, die Zeitmessung erfolgt seit 2008 elektronisch mit dem ChampionChip und das ganze Drumherum ist größer geworden.

 
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Nur etwas hat sich nicht verändert: Der Reinerlös wird immer einer guten Sache zur Verfügung gestellt: der onkologischen Abteilung der Kinderklinik Sankt Augustin etwa. Über 130.000 Euro konnten bisher gespendet werden, stammend aus Weihnachtslauf, Kuchenverkauf und Weihnachtsmarkt.

Vorprogramm

Der Mondorfer Weihnachtslauf ist eine jener Veranstaltungen, die den ganz jungen Läufern sehr verbunden sind. Dazu gehört auch die Kooperation mit Kindergärten und Schulen. Rund 160 Bambini gingen um zehn Uhr als erste an den Start, gefolgt von etwa ähnlich vielen Schülern. Die größte Gruppe kam auch von dieser Klientel, nämlich vom Kopernikus Gymnasium Niederkassel mit über achtzig Teilnehmern.

Mit über 150 Bambini ging die 24. Auflage des Weihnachtslaufs stimmungsvoll an den Start. Rund 180 Schüler hatten für den 1200-Meter-Lauf gemeldet Startaufstellung der Jedermänner (5km)

Nachdem die Bambini ihre kurze Strecke absolviert hatten, wurde bei den Schülern über 1200 Meter schon mit harten Bandagen gekämpft. Bei den Jungs war gegen die Läufer des SSF Bonn kein Kraut gewachsen, sie belegten alle drei Podestplätze. David Markus siegte in 4:27min vor Luca Santilli in 4:28min und Nico Hashemian (4:33min). Bei den Girls war eine der jüngsten vorne zu finden: Emma Sternberg von der OGS Mondorf. Sie brauchte 4:53min. Es folgten Lina Oberschachtsieg in 4:59min und Nike Frank in 5:04min, beide ohne Verein.

Den Kindern nachfolgend startet der Jedermannslauf über fünf Kilometer. Hier waren 330 Läufer und Läuferinnen mit von der Partie. Die Strecke ist, wie der Zehner, nicht amtlich vermessen. Sie weist 45 Höhenmeter auf, weshalb sie nicht ganz so schnell einzuschätzen ist. Dafür bietet sie aber ein schönes Ambiente. Denn nach einigen hundert Meter durchs Dorf biegt die Strecke zum Rheinufer ab, umkurvt den Mondorfer Yachthafen, gelangt in die Siegauen, zur Siegmündung in den Rhein, und von dort wieder zurück zum Ausgangspunkt. Das Wasser haben die Läufer fast die ganze Zeit fest im Blick, es geht aber auch durch Waldgebiet.

Idyllisch ist die Strecke des Fünfers, vor allem in den Siegauen und am Yachthafen Die Walker starteten eine Stunde vor den Hauptläufern. Sie müssen sich am Schluss die Wege teilen

Die Zeiten bei den Männern waren vielleicht nicht so hochkarätig wie man erwarten durfte. Nur einer blieb unter neunzehn Minuten. Das war der vereinslose Fabian Michaelis (M20) in 17:35min. Silber ging an Andreas Matschurek (M35) vom VFL Engelskirchen, der nach 19:09min zu Hause war.

Rang drei erlief sich Linus Sababchus (U16) vom SSF Bonn in 19:18min. - Auch die Siegerin hieß mit Nachnamen wie der Sieger: Michaelis. Fabians Schwester Svenja (W20, Tri Cologne) finishte als Gesamtsechste und dominierte die Frauenkonkurrenz in 19:54min klar. Auf dem zweiten Platz landete Luisa Köhn in 20:25min vor der U14-Läuferin Lena Hötzschold vom SSF Bonn in 21:01min. Der Frauenanteil betrug gut vierzig Prozent.

 
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Treppe machte andere Streckenführung nötig

Der Chronist war schon früh auf den Mondorfer Weihnachtslauf aufmerksam geworden, hatte aber seit dem Jahr 2000 nicht mehr teilgenommen. Auch wenn er die 10-km-Strecke von damals nicht mehr genau im Kopf hatte, kam ihm der heutige Kurs irgendwie anders vor. Orgachef Michael Schoring darauf angesprochen, konnte die Vermutung nur bestätigen. Wo früher eine Steigung war, hatte man eine Treppe installiert, was eine Änderung der Streckenführung aus Sicherheitsgründen nötig gemacht habe. Jetzt wird zunächst eine Einführungsrunde gelaufen, die identisch mit dem Schülerlauf ist, bevor es auf einen Pendelparcours an den Rhein geht. Nach einigen Ecken und Schleifen wird dann die Zielgerade mit dem Zieleinlauf am Adenauerplatz erreicht. Auf den letzten Kilometern überholen die Hauptläufer, 519 an der Zahl, dann die eine Stunde vorher gestarteten Walker und Nordic-Walker, die ebenfalls zehn Kilometer auf dem Programm haben. Der Hauptlauf wurde von Bürgermeister Stefan Vehreschild als Schirmherr um 11:25 Uhr angeschossen.

Legitime Nachfolgerin von Sabrina Mockenhaupt, Irina Mikitenko, Susanne Hahn oder Birgit Lennartz wurde als 2018-Siegerin Maire Görgens Rang zwei für Caterina Schneider Dritte wurde die A-Jugendliche Noa Sophie Peiler Stephanie Nitsche (rechts) wird vierte vor Uta Peiler

Von den ruhmreichen Zeiten der schnellen Frauen war 2018 nicht viel zu spüren, denn keine Läuferin blieb unter vierzig, nur zwei unter 44 Minuten. Klar schnellste unter 136 Läuferinnen war Maire Görgens (W20) vom Lauftreff Ennert in Bonn. Sie siegte mit fast dreieinhalb Minuten Vorsprung in 40:30min. Einen ebenso klaren zweiten Platz erreichte Caterina Schneider (W45) vom Lauftreff Venusberg. Sie benötigte 43:58min. Enger ging es um den dritten Platz zu, wo die dritte von der fünften nur vier Sekunden entfernt lag. Am Schluss hatte es sogar noch eine Irritation gegeben, weil Noa Sophie Peiler (U20, SSF Bonn) nicht genau darauf geachtet hatte, wo das Ziel ist. Aufgrund des Sturms konnte der Zielbogen nicht angebracht werden und als Orientierung dienen. Erst als Noa Sophie hinter sich die Konkurrentinnen hörte, drehte sie noch einmal, und zwar rechtzeitig, auf. In 45:18min verwies sie die zeitgleiche Klubkameradin und U18-Läuferin Stephanie Nitsche auf Rang vier und Mutter Uta Peiler (W55, o.V., 45:22min) auf Platz fünf.

Bei Kilometer eins hält Aaron Wagner (rechts) noch mit Abdelhadi El Hachimi aus Belgien mit Ins Ziel läuft Aaron Wagner dann als Zweiter Rang drei bis fünf für Sebastian Kasper, Elmar Nyhuis und Oliver Baumert

Bekannter Belgier aus Marokko

Deutlich hochkarätiger als bei den Frauen ging es im Männerrennen zu. Da hatte sich der in Deutschland immer gern gesehene Abdelhadi El Hachimi (M40, SMAC) aus Belgien und Aaron Wagner (M20, LT Ennert) nach 1500 Meter gemeinsam an die Spitze gesetzt, knapp gefolgt von einem kompakten Trio mit Sebastian Casper (M20, Brühler TV), Elmar Nyhuis (M45) vom fernen OSC Damme sowie Oliver Baumert (M35) aus Miel. Kurz später, als das Führungsduo wieder zum Start-Ziel-Bereich kam, konnte sich El Hachimi absetzen, wie er später sagte. Danach lief er ein einsames Rennen von der Spitze weg und erreichte in 32:09min die drittbeste je in Mondorf gelaufene Zeit. Glücklich war aber auch Aaron Wagner, der einen feinen zweiten Platz in 34:05min erreichte. Die weitere Reihenfolge lautet: Caspar (35:52min), Nyhuis (35:58min) und Baumert (36:25min).

In den getrennten Wertungen der Walker und Nordic Walker gab es über zehn Kilometer folgenden Einlauf. Schnellste Walkerin war Kelly Poensgen (W50) vom Tierheim Troisdorf in 69:36min vor Katharina Miesken (W50) vom K+T Bantenberg in 72:31min. Bei den Männern gewann Matthias Dunkel (M60, o.V.) in 78:15min vor Richard Müller (M55, TLG M.U.T. Troisdorf) in 78:16min. Spannend war es bei den Nordic-Walking Männern. Da konnte Klaus Flügel (M60, o.V.) in 70:43min knapp Ralf Quabach (M55, ASV Wesseling, 70:44min) niederhalten. Bei den Frauen gewann Perdita Wingender (W55, Siegburger Ruderverein, 73:00min) vor Martina Schmidt (W55, o.V., 74:42min).

Starker sechster Rang und Sieg in U16 in 36:47min für Leander Ihle Spannend bis zum Schluss das Duell der schnellsten Nordic-Walker. Klaus Flügel (vorne) hält die Poleposition vor Ralf Quabach Schnellste Walkerin: Kelly Poensgen
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Fazit

Der Mondorfer Weihnachtslauf macht sehr viel Spaß mit seiner feinen Streckenführung, den an der Strecke musizierenden Dudelsackpfeifern um Björn Grube und den neunzig freundlichen Helfer. Schön ist auch der Weihnachtsmarkt am Ziel, wo keine kommerziellen Geschäftsleute irgendwelchen Kitsch verkaufen, sondern wo Stände von Vereinen, Jugendorganisationen und Privatleuten für eine familiäre Atmosphäre und ein hohes Spendenvolumen sorgen. Kaum zu glauben ist, dass ein ungenannter Teilnehmer nach dem Zieleinlauf die Summe von 10.000 Euro für die gute Sache spendete. Das alles ist sehr sympathisch.

Damit die Helfer des Lauftreffs Mondorf selbst nicht das Laufen verlernen, wird für sie am Vortag noch ein Helferlauf angeboten. Und wenige Tage vor Weihnachten trifft man sich in gemeinsamer Runde zu einem gemütlichen Glühtee. Verdient hat man sich den allemal.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.lauftreff-mondorf.de

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